Gleichrichterschaltungen – Einweg, Brücke und Glättung
Aus der Steckdose kommt Wechselspannung. Die meisten elektronischen Geräte – vom Steuergerät über das Ladegerät bis zum Frequenzumrichter – arbeiten aber mit Gleichspannung. Irgendwo zwischen Netz und Last muss also aus der Sinuswelle eine Gleichspannung werden. Genau das machen Gleichrichterschaltungen.
In diesem Beitrag schaust du dir die drei wichtigsten Topologien an: Einweggleichrichter, Brückengleichrichter und Drehstrom-Brücke. Du lernst dazu, wie ein Kondensator die pulsierende Gleichspannung glättet und welche Brummspannung dabei übrig bleibt.
Vorwissen
- Diode: Funktion und Kennlinie
- Wechselspannung und ihre Kenngrößen (Spitzen-, Effektivwert, Frequenz)
- Kondensator – Aufbau und Kapazität
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die Wirkungsweise von Einweg-, Brücken- und Drehstrombrückengleichrichter erklären
- Mittelwert, Effektivwert und Sperrspannung für die wichtigsten Schaltungen berechnen
- die Funktion eines Lade-Kondensators und die Entstehung der Brummspannung beschreiben
- die benötigte Sperrspannung der Dioden für eine Anwendung abschätzen
- für eine vorgegebene Brummspannung die nötige Kapazität überschlagen
1. Warum Gleichrichtung? – Vom Wechselstromnetz zur Gleichspannung
Das öffentliche Netz liefert in Österreich 230 V bzw. 400 V Wechselspannung mit 50 Hz. Mikrocontroller, LEDs, Akkus und die Zwischenkreise von Frequenzumrichtern brauchen aber Gleichspannung. Die Aufgabe, aus dem Sinus eine möglichst saubere Gleichspannung zu machen, übernimmt der Gleichrichter.
Ein typischer Netzteilstrang sieht so aus: Trafo passt die Spannung an, Gleichrichter macht aus AC eine pulsierende DC-Spannung, ein Kondensator glättet sie, und bei Bedarf folgt eine Stabilisierung. Den Aufbau kompletter Netzteile – linear oder getaktet – behandelt ein eigener Beitrag. Hier konzentrieren wir uns auf den Gleichrichter selbst und die Glättung.
Das Werkzeug, mit dem ein Gleichrichter arbeitet, ist die Diode. Sie lässt Strom nur in eine Richtung durch und sperrt die andere. Genauere Details zu Diode und Kennlinie stehen im eigenen Beitrag dazu; für unsere Schaltungen reicht: in Durchlassrichtung fällt etwa 0,7 V (Silizium) ab, in Sperrrichtung fließt praktisch kein Strom – solange die Sperrspannung der Diode nicht überschritten wird.
Warum genügt es bei den meisten Anwendungen nicht, einfach Wechselspannung an einen Mikrocontroller zu legen?
- a) Mikrocontroller brauchen eine konstante Polarität und Spannungslage, die Wechselspannung nicht bietet
- b) Wechselspannung hat zu wenig Leistung
- c) Mikrocontroller arbeiten nur bei 50 Hz korrekt
- d) Wechselspannung ist immer zu hochfrequent
Richtig: a)
Halbleiterschaltungen benötigen eine festgelegte positive und negative Versorgungsspannung. Die ständig wechselnde Polarität der Wechselspannung würde die Bauteile sperren oder zerstören. Die Leistung ist dabei sekundär.
Welche Eigenschaft der Diode wird beim Gleichrichten ausgenutzt?
- a) Sie verstärkt das Eingangssignal
- b) Sie speichert Energie
- c) Sie lässt Strom nur in eine Richtung durch
- d) Sie wandelt elektrische Energie in Wärme
Richtig: c)
Die unidirektionale Stromleitung der Diode ist die Grundlage jeder Gleichrichterschaltung. Verstärkung leistet ein Transistor, Speicherung übernehmen Kondensator und Spule. Wärme entsteht nur als Verlust.
2. Einweggleichrichter (Einpulsgleichrichter, M1)
Die einfachste Schaltung: eine einzige Diode in Reihe mit der Last. Während der positiven Halbwelle der Eingangsspannung leitet die Diode und der Strom flows durch den Lastwiderstand. Während der negativen Halbwelle sperrt sie – am Ausgang liegt 0 V. Aus dem Sinus wird so eine Folge halber Sinusbögen.
Mathematisch sieht man das so: Aus einem Sinus mit Amplitude U_max wird durch die Halbwellengleichrichtung ein Verlauf, dessen arithmetischer Mittelwert (die „Gleichspannung“) deutlich kleiner als U_max ist.
U_DC = U_max / π
- U_DC … arithmetischer Mittelwert in V
- U_max … Spitzenwert der Eingangsspannung in V
U_eff = U_max / 2
- U_eff … Effektivwert der Ausgangsspannung in V
- U_max … Spitzenwert in V
Die Diode hat eine Durchlassspannung U_F (bei Silizium ~0,7 V). In Wirklichkeit erreicht der Ausgang also nur U_max − U_F. Vor allem bei kleinen Spannungen (5 V, 12 V) macht das spürbar etwas aus.
U_DC = (U_max – U_F) / π
- U_max … Spitzenwert der Eingangsspannung in V
- U_F … Durchlassspannung der Diode in V
- U_DC … Mittelwert der Ausgangsspannung in V
Während der negativen Halbwelle liegt die volle Eingangsspannung über der gesperrten Diode. Die Diode muss also mindestens für U_max in Sperrrichtung ausgelegt sein, sonst stirbt sie beim ersten Nulldurchgang.
Gelöstes Beispiel
Ein Einweggleichrichter liegt an einer Wechselspannung mit U_max = 18 V. Die Diode hat U_F = 0,7 V. Berechne den Mittelwert U_DC, den Effektivwert U_eff und die mindestens nötige Sperrspannung der Diode.
Gegeben:
U_max = 18 V
U_F = 0,7 V
Gesucht: U_DC, U_eff, U_R_min
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Mittelwert:
U_DC = (U_max − U_F) / π = (18 − 0,7) / π = 17,3 / π ≈ 5,51 V - Schritt 2 — Effektivwert:
U_eff = (U_max − U_F) / 2 = 17,3 / 2 = 8,65 V - Schritt 3 — Sperrspannung:
U_R_min = U_max = 18 V
Ergebnis: U_DC ≈ 5,51 V, U_eff = 8,65 V, U_R_min = 18 V. Eine Standard-Diode 1N400x (U_RRM = 50 V bis 1000 V) ist hier mehr als ausreichend.
Übungen
Eine Wechselspannung U_eff_AC = 12 V (an einer Trafosekundärwicklung) speist einen Einweggleichrichter mit U_F = 0,7 V. Berechne U_max und U_DC am Ausgang.
U_max = 12 · √2 ≈ 16,97 V. U_DC = (16,97 − 0,7)/π ≈ 5,18 V.
Welche Sperrspannung muss die Diode in Aufgabe 1 mindestens aushalten?
U_R_min = U_max ≈ 16,97 V. Praktisch wählt man eine Diode mit deutlichem Reservefaktor, z.B. U_RRM ≥ 50 V.
An einem M1-Gleichrichter ist U_DC = 9 V gemessen. Wie groß war U_max der Eingangsspannung, wenn U_F = 0,7 V berücksichtigt wird?
U_max = U_DC · π + U_F = 9 · π + 0,7 ≈ 28,97 V.
Eine Si-Diode mit U_F = 0,7 V wird in einem M1-Gleichrichter bei U_max = 5 V eingesetzt. Wie groß ist der relative Spannungsverlust durch U_F im Vergleich zu einer idealen Diode?
U_DC_ideal = 5/π ≈ 1,59 V. U_DC_real = 4,3/π ≈ 1,37 V. Verlust: (1,59 − 1,37)/1,59 ≈ 14 %. Bei Niederspannung ist U_F nicht vernachlässigbar.
Ein Einweggleichrichter liefert in eine Lastimpedanz R_L = 100 Ω. U_max = 24 V, U_F = 0,7 V. Wie groß ist der Effektivwert des Laststromes?
U_eff = (24 − 0,7)/2 = 11,65 V. I_eff = U_eff / R_L = 11,65 / 100 = 0,1165 A = 116,5 mA.
Welche Aussage trifft auf den Einweggleichrichter zu?
- a) Beide Halbwellen werden zur Ausgangsspannung beigetragen
- b) Während der negativen Halbwelle ist die Ausgangsspannung 0 V
- c) Der Mittelwert ist gleich dem Spitzenwert
- d) Die Diode leitet die ganze Periode
Richtig: b)
Beim M1-Gleichrichter sperrt die Diode während der negativen Halbwelle vollständig. Nur die positiven Halbwellen erscheinen am Ausgang. Daher ist der Mittelwert U_max/π, also etwa 32 % des Spitzenwerts.
Wofür ist die Angabe „U_RRM“ auf einer Diode entscheidend?
- a) Für den maximalen Durchlassstrom
- b) Für die Sperrverzögerungszeit
- c) Für die Temperatur
- d) Für die maximale wiederkehrende Sperrspannung, die die Diode aushalten muss
Richtig: d)
U_RRM (Reverse Recurrent Maximum) ist die maximal zulässige periodische Sperrspannung. Wird sie überschritten, kann die Diode durchbrechen. Im M1-Gleichrichter muss U_RRM ≥ U_max sein, sonst zerstört der erste Nulldurchgang die Diode.
Eine Sekundärwicklung delivers 24 V Effektivwert. Wie groß ist näherungsweise der Mittelwert U_DC am Ausgang eines Einweggleichrichters mit Si-Diode (U_F = 0,7 V)?
- a) Etwa 10,6 V
- b) Etwa 24 V
- c) Etwa 34 V
- d) Etwa 7,4 V
Richtig: a)
U_max = 24 · √2 ≈ 33,94 V. U_DC = (33,94 − 0,7)/π ≈ 10,58 V. Antwort b) wäre der Effektivwert der Eingangsspannung, c) der Spitzenwert, d) etwa der Effektivwert nach M1 halbiert.
3. Brückengleichrichter (Zweipulsgleichrichter, B2 / Graetz)
Die Brückenschaltung – nach Leo Graetz benannt – arbeitet mit vier Dioden. Während der positiven Halbwelle leiten zwei Dioden (D1, D3), während der negativen die anderen beiden (D2, D4). Das Ergebnis: beide Halbwellen werden „nach oben geklappt“ und beide tragen zur Ausgangsspannung bei.
Weil pro Periode jetzt zwei Halbwellen ausgangsseitig erscheinen, verdoppelt sich der Mittelwert gegenüber dem Einweggleichrichter:
U_DC = 2 · U_max / π
- U_DC … Mittelwert in V
- U_max … Spitzenwert der Eingangsspannung in V
U_eff = U_max / √2
- U_eff … Effektivwert der Ausgangsspannung in V
- U_max … Spitzenwert in V
Auch hier müssen die Diodenverluste berücksichtigt werden – aber Achtung: in jedem Strompfad liegen zwei Dioden in Reihe, also fällt 2 · U_F ab.
U_DC = 2 · (U_max – 2 · U_F) / π
- U_max … Spitzenwert der Eingangsspannung in V
- U_F … Durchlassspannung pro Diode in V
- U_DC … Mittelwert der Ausgangsspannung in V
Bei der Bauteilauswahl ist die Sperrspannung das zweite kritische Kriterium. Wenn zwei Dioden gerade leiten, klemmen sie die anderen zwei auf das Eingangspotenzial. Die maximale Sperrspannung einer einzelnen Diode in der B2-Brücke beträgt etwa U_max:
U_R_min = U_max
- U_R_min … mindestens nötige Sperrspannung jeder Diode in V
- U_max … Spitzenwert der Eingangsspannung in V
Das ist gleich viel wie beim Einweggleichrichter – ein Unterschied zur Mittelpunktschaltung mit Trafoanzapfung (dort wäre es 2 · U_max). Wer den Wert ignoriert und eine zu schwache Diode einsetzt, hat nach wenigen Sekunden eine durchgebrannte Brücke.
Gelöstes Beispiel
Eine Trafosekundärwicklung liefert U_eff_AC = 18 V. Dahinter folgt ein Brückengleichrichter mit Si-Dioden (U_F = 0,7 V). Berechne U_max, U_DC, U_eff und die mindestens nötige Sperrspannung der Dioden.
Gegeben:
U_eff_AC = 18 V
U_F = 0,7 V
Gesucht: U_max, U_DC, U_eff, U_R_min
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Spitzenwert:
U_max = U_eff_AC · √2 = 18 · √2 ≈ 25,46 V - Schritt 2 — Mittelwert:
U_DC = 2 · (U_max − 2 · U_F)/π = 2 · (25,46 − 1,4)/π = 2 · 24,06/π ≈ 15,32 V - Schritt 3 — Effektivwert:
U_eff = (U_max − 2 · U_F)/√2 = 24,06/√2 ≈ 17,01 V - Schritt 4 — Sperrspannung:
U_R_min = U_max ≈ 25,46 V → in der Praxis Diode mit U_RRM ≥ 50 V wählen.
Ergebnis: U_max ≈ 25,46 V, U_DC ≈ 15,32 V, U_eff ≈ 17,01 V, U_R_min ≈ 25,46 V.
Übungen
Berechne U_DC for eine B2-Brücke mit U_eff_AC = 12 V and Si-Dioden (U_F = 0,7 V).
U_max = 12 · √2 ≈ 16,97 V. U_DC = 2·(16,97 − 1,4)/π ≈ 9,91 V.
Vergleiche U_DC eines Einweg- und eines Brückengleichrichters bei gleicher Eingangsspannung U_max = 30 V, U_F = 0,7 V. Wie groß ist das Verhältnis?
M1: U_DC = (30 − 0,7)/π ≈ 9,33 V. B2: U_DC = 2·(30 − 1,4)/π ≈ 18,21 V. Verhältnis B2/M1 ≈ 1,95 – nahezu doppelt so viel.
Welche minimale U_RRM sollte für die Dioden einer Brücke gewählt werden, die an U_eff_AC = 230 V (Trafo-Sekundär) hängt?
U_max = 230 · √2 ≈ 325 V. U_RRM ≥ 325 V, in der Praxis 400 V oder 600 V – mit Reserve für Netz-Überspannungen.
Ein Brückengleichrichter wird mit Schottky-Dioden (U_F = 0,3 V) statt Si-Dioden (U_F = 0,7 V) bestückt, U_max = 8 V. Wie groß ist der Unterschied im Mittelwert?
Si: U_DC = 2·(8 − 1,4)/π ≈ 4,20 V. Schottky: U_DC = 2·(8 − 0,6)/π ≈ 4,71 V. Differenz ≈ 0,51 V, also etwa 12 % mehr Ausgangsspannung – bei Niederspannungs-Netzteilen relevant.
Bei einer B2-Brücke werden U_eff_AC = 24 V und ein Lastwiderstand R_L = 50 Ω angeschlossen, U_F = 0,7 V. Welcher mittlere Strom fließt durch die Last?
U_max = 24 · √2 ≈ 33,94 V. U_DC = 2·(33,94 − 1,4)/π ≈ 20,72 V. I_DC = U_DC / R_L = 20,72/50 ≈ 0,414 A.
Wie viele Dioden leiten in einem B2-Brückengleichrichter zu einem beliebigen Zeitpunkt gleichzeitig?
- a) Eine
- b) Drei
- c) Zwei
- d) Vier
Richtig: c)
Zu jedem Zeitpunkt leitet ein Paar diagonal angeordneter Dioden. Während der positiven Halbwelle leiten zwei, während der negativen die anderen beiden. Vier gleichzeitig würde einen Kurzschluss der Wechselspannungsquelle bedeuten.
Welcher Wert ist näherungsweise richtig für den Mittelwert U_DC am Brückengleichrichter ohne Diodenverluste bei U_eff_AC = 230 V?
- a) 230 V
- b) Etwa 207 V
- c) Etwa 117 V
- d) Etwa 325 V
Richtig: b)
U_max = 230·√2 ≈ 325 V. U_DC = 2·U_max/π ≈ 207 V. 117 V wäre der Wert für einen Einweggleichrichter, 325 V der reine Spitzenwert, 230 V der Effektivwert.
Eine Brücke wird an 24 V AC betrieben. Welche Sperrspannung muss jede einzelne Diode mindestens aushalten?
- a) 48 V
- b) 24 V
- c) 12 V
- d) Etwa 34 V
Richtig: d)
U_R_min = U_max = U_eff_AC · √2 = 24 · √2 ≈ 33,94 V. Die Brückenanordnung sorgt dafür, dass jede sperrende Diode nur den Spitzenwert U_max sieht – nicht etwa 2·U_max wie bei der Mittelpunktschaltung.
4. Glättung mit Lade-Kondensator – Brummspannung und Welligkeit
Die pulsierende Gleichspannung aus dem Brückengleichrichter ist zwar gleichgerichtet, aber für Elektronik unbrauchbar – sie schwankt zwischen 0 V und U_max. Mit einem Lade-Kondensator parallel zur Last wird daraus eine fast saubere Gleichspannung: Der Kondensator lädt sich auf die Spitze, und wenn die Eingangsspannung wieder abfällt, übernimmt er die Versorgung der Last, bis die nächste Spitze kommt.
Der Kondensator führt also zwei Phasen aus: kurze, intensive Ladephase in der Nähe der Spitze (Diode leitet, hoher Strom fließt von der Quelle in den Kondensator) und längere Entladephase (Diode sperrt, Kondensator versorgt die Last alleine). Die Spannung sinkt während der Entladung leicht – das ist die Brummspannung U_br (Spitze-Spitze-Wert).
Mathematisch lässt sich das gut mit der Näherung „konstanter Laststrom“ abschätzen. Während der Entladezeit T_br = 1/f_br entlädt sich der Kondensator linear:
U_br = I_L / (f_br · C)
- U_br … Brummspannung (Spitze-Spitze) in V
- I_L … mittlerer Laststrom in A
- f_br … Brummfrequenz in Hz
- C … Kapazität in F
Die Brummfrequenz hängt von der Schaltungstopologie ab. Bei 50-Hz-Netz:
- Einweggleichrichter (M1): f_br = 50 Hz
- Brückengleichrichter (B2): f_br = 100 Hz (jede Halbwelle wird genutzt)
- Drehstrombrücke (B6): f_br = 300 Hz
Höhere Brummfrequenz heißt: kürzere Entladezeit, also kleine Brummspannung bei gleicher Kapazität. Das ist der zweite Vorteil der Brücke gegenüber dem Einweggleichrichter – nicht nur der höhere Mittelwert, sondern auch die einfachere Glättung.
Die Welligkeit w gibt das Verhältnis von Brummspannung zu Gleichspannung an und ist ein Qualitätsmaß für die Glättung:
w = U_br / U_DC
- w … Welligkeit (dimensionslos, oft in %)
- U_br … Brummspannung in V
- U_DC … Mittelwert der Ausgangsspannung in V
Gelöstes Beispiel
An einem Brückengleichrichter (B2, 50 Hz Netz) hängt ein Lade-Kondensator mit C = 4700 µF. Die Last zieht I_L = 0,5 A. Berechne die Brummspannung.
Gegeben:
C = 4700 µF = 4,7 · 10⁻³ F
I_L = 0,5 A
f_br = 100 Hz (B2 am 50-Hz-Netz)
Gesucht: U_br
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Einsetzen:
U_br = I_L / (f_br · C) = 0,5 / (100 · 4,7 · 10⁻³) - Schritt 2 — Ausrechnen:
U_br = 0,5 / 0,47 ≈ 1,06 V (Spitze-Spitze)
Ergebnis: U_br ≈ 1,06 V. Bei U_DC ≈ 24 V entspricht das einer Welligkeit von w ≈ 4,4 %.
Übungen
Welche Kapazität ist nötig, damit bei I_L = 2 A und f_br = 100 Hz die Brummspannung nicht größer als 1 V wird?
C ≥ I_L / (f_br · U_br) = 2 / (100 · 1) = 0,02 F = 20.000 µF.
Wie ändert sich die Brummspannung, wenn anstelle einer Brücke (f_br = 100 Hz) ein Einweggleichrichter (f_br = 50 Hz) verwendet wird, bei gleicher Kapazität und gleichem Laststrom?
U_br wird doppelt so groß, weil die Entladezeit doppelt so lang ist.
Bei einer B2-Brücke, C = 2200 µF und I_L = 0,3 A: Wie groß ist die Brummspannung?
U_br = 0,3 / (100 · 2200 · 10⁻⁶) = 0,3 / 0,22 ≈ 1,36 V.
Ein Netzteil hat U_DC = 12 V und soll eine Welligkeit von höchstens 1 % erreichen. Wie groß darf U_br maximal sein? Welche Kapazität braucht man bei I_L = 1 A und f_br = 100 Hz?
U_br_max = 0,01 · 12 = 0,12 V. C ≥ 1 / (100 · 0,12) ≈ 0,0833 F = 83.300 µF (also z.B. 100.000 µF wählen).
Im Zwischenkreis eines kleinen Frequenzumrichters (B6, f_br = 300 Hz) fließt I_L = 5 A. Der Kondensator hat C = 1500 µF. Wie groß ist U_br?
U_br = 5 / (300 · 1500 · 10⁻⁶) = 5 / 0,45 ≈ 11,1 V. Bei U_DC ≈ 540 V entspricht das einer Welligkeit von rund 2 %.
Welche Aussage über den Einschaltstromstoß ist richtig?
- a) Er wird durch die Brummspannung verursacht
- b) Er hängt nicht von der Kapazität ab
- c) Er ist umso höher, je größer der Lade-Kondensator ist
- d) Er ist bei einer B6-Brücke höher als bei einer B2
Richtig: c)
Beim Einschalten ist der Kondensator leer und wirkt für einen Moment fast wie ein Kurzschluss. Größere Kapazität bedeutet längere Ladezeit und höhere Stromspitzen. Die Brummspannung entsteht erst im stationären Betrieb. Die B6 hat zwar ähnliche Effekte, sie ist aber nicht systematisch schlimmer.
Welche Größe steht in keinem direkten Zusammenhang mit der Brummspannung?
- a) Laststrom
- b) Brummfrequenz
- c) Kapazität des Glättungs-Kondensators
- d) Durchlassspannung der Dioden
Richtig: d)
Aus U_br = I_L/(f_br·C) gehen Laststrom, Brummfrequenz und Kapazität direkt ein. U_F beeinflusst zwar U_DC (der „Ausgangspegel“ verschiebt sich), aber nicht die Höhe der periodischen Schwankung im stationären Betrieb.
Ein Frequenzumrichter zeigt eine deutlich erhöhte Brummspannung im Zwischenkreis. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?
- a) Alterung der Zwischenkreis-Elkos – verringerte Kapazität
- b) Defekte Sicherung am Eingang
- c) Zu hohe Netzspannung
- d) Überlastung des Motors
Richtig: a)
Verringerte Kapazität (typisches Verschleißbild bei Elkos durch Austrocknung) führt unmittelbar zu höherer Brummspannung. Sicherungsdefekte unterbrechen den Stromfluss komplett, Überspannung würde U_DC erhöhen, Motorüberlastung den Strom – aber für Letzteres müssten alle Elkos noch in Ordnung sein.
5. Dreiphasige Gleichrichtung (B6, Sechspuls-Brücke)
In der Industrie ist Drehstrom Standard. Wer mehr Leistung als ein paar hundert Watt braucht, gleichrichtet nicht 230 V einphasig, sondern 400 V dreiphasig. Die Drehstrom-Brückenschaltung B6 besteht aus sechs Dioden – jeweils zwei pro Strang, einmal nach oben und einmal nach unten. In jedem Augenblick leiten zwei davon: jeweils die Diode des Strangs mit der momentan höchsten und die mit der momentan niedrigsten Spannung.
Aus dieser Sechspuls-Anordnung folgt: Pro Periode der Netzfrequenz erscheinen sechs Pulse am Ausgang. Die Welligkeit ist von Haus aus sehr gering, oft reicht eine kleine Kapazität für die Glättung. Der Mittelwert lässt sich näherungsweise so berechnen:
U_DC = (3 · √2 / π) · U_LL ≈ 1,35 · U_LL
- U_DC … Mittelwert der Ausgangsspannung in V
- U_LL … verkettete Effektivspannung (zwischen zwei Außenleitern) in V
Der Faktor 1,35 setzt sich aus zwei Schritten zusammen: √2 macht aus dem Effektivwert U_LL den Scheitelwert der verketteten Spannung, und 3/π ist der Mittelwert über die sechs Kuppen pro Netzperiode – jede Kuppe wird nur in einem 60°-Bogen rund um ihre Spitze genutzt. Multipliziert ergibt das (3·√2)/π ≈ 1,35.
Bei 400 V Drehstrom entstehen also etwa 540 V Gleichspannung im Zwischenkreis – das ist der Wert, der in den Datenblättern von Frequenzumrichtern als „Zwischenkreisspannung“ auftaucht.
Die maximale Spannung am Ausgang entspricht dem Scheitelwert der verketteten Spannung, und das ist auch der Wert, den jede einzelne Diode in Sperrrichtung aushalten muss:
U_max_LL = √2 · U_LL
- U_LL … verkettete Effektivspannung in V
- U_max_LL … Spitzenwert der verketteten Spannung in V
U_R_min = √2 · U_LL
- U_R_min … mindestens nötige Sperrspannung jeder Diode in V
Bei 400 V Drehstrom heißt das: U_R_min ≈ 566 V – in der Praxis werden Dioden mit U_RRM ≥ 1000 V gewählt, mit Reserve für Netz-Überspannungen und Schaltspitzen.
Gelöstes Beispiel
Eine B6-Brücke wird an ein 400-V-Drehstromnetz angeschlossen. Berechne U_max_LL, U_DC und die mindestens nötige Sperrspannung der Dioden.
Gegeben:
U_LL = 400 V
Gesucht: U_max_LL, U_DC, U_R_min
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Spitzenwert verkettet:
U_max_LL = U_LL · √2 = 400 · √2 ≈ 565,7 V - Schritt 2 — Mittelwert:
U_DC = (3·√2/π) · U_LL ≈ 1,35 · 400 ≈ 540 V - Schritt 3 — Sperrspannung:
U_R_min = U_max_LL ≈ 565,7 V → in der Praxis Dioden mit U_RRM = 1000 V oder höher wählen.
Ergebnis: U_max_LL ≈ 565,7 V, U_DC ≈ 540 V, U_R_min ≈ 565,7 V.
Übungen
Eine B6-Brücke arbeitet an einem 230-V-Drehstrom-Inselnetz (verkettet). Wie groß ist U_DC?
U_DC ≈ 1,35 · 230 ≈ 310,5 V.
Welche minimale Sperrspannung muss man bei einer B6 an 690-V-Drehstrom für die Dioden vorsehen?
U_max_LL = 690 · √2 ≈ 975,8 V. In der Praxis wählt man Dioden mit U_RRM = 1600 V.
Im Zwischenkreis eines Frequenzumrichters wird U_DC = 540 V gemessen. Welcher verketteten Netzspannung entspricht das?
U_LL = U_DC / 1,35 ≈ 400 V – die Standard-Drehstromspannung in Europa.
Vergleiche die Welligkeit eines B2 mit der eines B6: Brummfrequenzen sind 100 Hz und 300 Hz. Wie ändert sich U_br bei gleicher Kapazität und gleichem Laststrom?
U_br ist umgekehrt proportional zu f_br. B6 hat die dreifache Brummfrequenz, also nur ein Drittel der Brummspannung des B2 – bei gleicher Kapazität und gleichem Strom.
Eine B6 versorgt einen Zwischenkreis mit C = 470 µF und I_L = 3 A. Berechne die Brummspannung.
U_br = 3 / (300 · 470 · 10⁻⁶) = 3 / 0,141 ≈ 21,3 V. Bei U_DC ≈ 540 V entspricht das einer Welligkeit von rund 3,9 %.
Wie viele Pulse pro Netzperiode liefert eine B6-Brücke am 50-Hz-Drehstromnetz am Ausgang?
- a) Drei
- b) Zwei
- c) Zwölf
- d) Sechs
Richtig: d)
Pro Netzperiode (20 ms) entstehen sechs Pulse, daraus folgt eine Brummfrequenz von 300 Hz. „Zwei“ wäre die B2 (einphasig), „drei“ ein dreiphasiger Mittelpunktgleichrichter M3, „zwölf“ eine B12 mit Trafo-Schaltgruppen-Kombination.
Welche Gleichspannung entsteht (näherungsweise, ohne Diodenverluste) am Ausgang einer B6 bei U_LL = 400 V?
- a) Etwa 540 V
- b) Etwa 400 V
- c) Etwa 230 V
- d) Etwa 270 V
Richtig: a)
U_DC = 1,35 · 400 ≈ 540 V – das ist the Standard-Zwischenkreis. 400 V ist die Eingangsspannung selbst, 230 V der Strangwert, 270 V wäre der Wert einer einphasigen Brücke an 230 V.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Eine Trafosekundärwicklung liefert U_eff_AC = 15 V. Dahinter folgt ein Brückengleichrichter mit Si-Dioden (U_F = 0,7 V). Berechne U_max, U_DC und die mindestens nötige Sperrspannung der Dioden.
Gegeben: U_eff_AC = 15 V, U_F = 0,7 V
Gesucht: U_max, U_DC, U_R_min
Lösungsweg:
U_max = 15 · √2 ≈ 21,21 V
U_DC = 2·(21,21 − 1,4)/π ≈ 12,61 V
U_R_min = U_max ≈ 21,21 V
Ergebnis: U_max ≈ 21,21 V, U_DC ≈ 12,61 V, U_R_min ≈ 21,21 V (in der Praxis Diode mit ≥ 50 V wählen).
Aufgabe 2: An einem Einweggleichrichter mit U_F = 0,7 V wird U_DC = 6 V gemessen. Wie groß ist U_max, und wie groß ist U_eff der Ausgangsspannung?
Gegeben: U_DC = 6 V, U_F = 0,7 V
Gesucht: U_max, U_eff
Lösungsweg:
U_max = U_DC · π + U_F = 6 · π + 0,7 ≈ 19,55 V
U_eff = (U_max − U_F)/2 = 18,85/2 ≈ 9,42 V
Ergebnis: U_max ≈ 19,55 V, U_eff ≈ 9,42 V.
Aufgabe 3: Welche Kapazität ist nötig, damit ein Netzteil mit B2-Brücke (50 Hz Netz), I_L = 1,5 A maximale Brummspannung von 0,5 V Spitze-Spitze einhält?
Gegeben: I_L = 1,5 A, f_br = 100 Hz, U_br_max = 0,5 V
Gesucht: C_min
Lösungsweg:
C ≥ I_L / (f_br · U_br) = 1,5 / (100 · 0,5) = 0,03 F = 30.000 µF
Ergebnis: C_min ≈ 30.000 µF; in der Praxis 33.000 µF oder 47.000 µF einsetzen.
Aufgabe 4: Ein Frequenzumrichter mit B6-Eingang ist an 400 V Drehstrom angeschlossen. Im Zwischenkreis ist C = 680 µF verbaut, der Antrieb zieht I_L = 4 A. Berechne U_DC, U_R_min und U_br.
Gegeben: U_LL = 400 V, C = 680 µF, I_L = 4 A, f_br = 300 Hz
Gesucht: U_DC, U_R_min, U_br
Lösungsweg:
U_DC = 1,35 · 400 = 540 V
U_R_min = √2 · 400 ≈ 565,7 V
U_br = 4/(300 · 680·10⁻⁶) = 4/0,204 ≈ 19,61 V
Ergebnis: U_DC = 540 V, U_R_min ≈ 565,7 V, U_br ≈ 19,61 V (≈ 3,6 % Welligkeit).
Aufgabe 5: Vergleiche M1, B2 und B6 bei jeweils 230 V Eingang (M1, B2: 230 V einphasig effektiv; B6: 230 V verkettet effektiv). Wie groß ist U_DC jeweils, ohne Berücksichtigung der Diodenverluste?
Gegeben: U_eff = 230 V (M1, B2 einphasig), U_LL = 230 V (B6)
Gesucht: U_DC für jede Topologie
Lösungsweg:
M1: U_max = 230·√2 ≈ 325 V; U_DC = U_max/π ≈ 103,5 V
B2: U_DC = 2·U_max/π ≈ 207 V
B6: U_DC = 1,35 · 230 ≈ 310,5 V
Ergebnis: M1 ≈ 103,5 V, B2 ≈ 207 V, B6 ≈ 310,5 V. Die B2 erreicht knapp doppelt so viel wie die M1, die B6 nutzt die höhere verkettete Spannung am besten aus.
Welche Brummfrequenz erzeugt eine B6-Brücke am 50-Hz-Drehstromnetz?
- a) 300 Hz
- b) 100 Hz
- c) 50 Hz
- d) 600 Hz
Richtig: a)
Sechs Pulse pro 20-ms-Periode ergeben 300 Hz. 100 Hz wäre der einphasige Brückengleichrichter B2, 50 Hz der Einweggleichrichter M1, 600 Hz würde einer B12 entsprechen.
Bei einem Einweggleichrichter mit Si-Diode wird U_max = 12 V gemessen. Welcher Mittelwert ist näherungsweise zu erwarten?
- a) Etwa 12 V
- b) Etwa 3,6 V
- c) Etwa 7,6 V
- d) Etwa 6 V
Richtig: b)
U_DC = (12 − 0,7)/π ≈ 3,6 V. „6 V“ wäre der halbe Spitzenwert (also der Effektivwert), „12 V“ der Spitzenwert selbst, „7,6 V“ entspräche etwa einem Brückengleichrichter ohne Verluste.
Wodurch lässt sich die Brummspannung bei gleichbleibender Last am wirksamsten verringern?
- a) Höhere Eingangsspannung
- b) Diode mit geringerem U_F
- c) Höhere Brummfrequenz (z.B. Wechsel von M1 zu B2 oder B6) und/oder größere Kapazität
- d) Kleinerer Lastwiderstand
Richtig: c)
U_br = I_L/(f_br·C) – also wirken sowohl höhere Brummfrequenz als auch größere Kapazität direkt. U_F und Eingangsspannung wirken auf U_DC, nicht auf U_br. Ein kleinerer Lastwiderstand bedeutet sogar größeren Strom und damit mehr Brummspannung.
Eine Brücke wird in einem 12-V-Netzteil eingesetzt. Welche Diodenart bietet hier den größten Nutzen?
- a) Standard-Si-Diode 1N4007
- b) Suppressordiode
- c) Z-Diode
- d) Schottky-Diode (geringes U_F ≈ 0,3 V)
Richtig: d)
Bei Niederspannung dominieren die Diodenverluste den Wirkungsgrad. Schottky-Dioden mit U_F ≈ 0,3 V statt 0,7 V sparen pro Strompfad rund 0,8 V Verlust. Z-Dioden dienen zur Spannungsstabilisierung, Suppressordioden zum Überspannungsschutz, eine 1N4007 hat höhere U_F als nötig.
In einem Schaltbild siehst du vier Dioden in Diamantanordnung. Was kannst du daraus schließen?
- a) Es handelt sich um einen Brückengleichrichter (B2)
- b) Es ist ein Spannungsverdoppler
- c) Es ist eine Mittelpunktschaltung mit Anzapfung
- d) Es ist eine B6-Drehstrombrücke
Richtig: a)
Die Diamantanordnung mit vier Dioden ist das klassische Schaltbild des Brückengleichrichters B2 (Graetz). Spannungsverdoppler haben Kondensatoren in Reihe und Dioden, Mittelpunktschaltungen brauchen einen Mittelabgriff am Trafo, eine B6 hat sechs Dioden.
Was passiert mit der Sperrspannung der Dioden in einer B2-Brücke, wenn die Eingangsspannung verdoppelt wird?
- a) Sie bleibt gleich
- b) Sie verdoppelt sich
- c) Sie vervierfacht sich
- d) Sie wird durch den Lade-Kondensator begrenzt
Richtig: b)
U_R_min = U_max, also direkt proportional zur Eingangsamplitude. Verdoppelt sich U_eff_AC, verdoppelt sich auch U_max und damit die Sperrbelastung jeder Diode. Der Kondensator beeinflusst die Sperrspannung nicht.
Welche Aussage zur B6-Brücke im Frequenzumrichter ist falsch?
- a) Sie erzeugt eine Zwischenkreisspannung von etwa 540 V an 400-V-Drehstrom
- b) Die Sperrspannung der Dioden beträgt etwa √2 · U_LL
- c) Sie benötigt keinen Glättungs-Kondensator
- d) Die Brummfrequenz beträgt 300 Hz
Richtig: c)
Selbst bei einer B6 mit der inhärent kleinen Welligkeit (rund 4 % ohne Glättung) wird in der Praxis immer ein Zwischenkreis-Kondensator eingesetzt, um Lastsprünge zu puffern und die Welligkeit weiter zu reduzieren. Die anderen drei Aussagen sind korrekt.
Bei welcher Schaltung würde eine Diode mit nur U_RRM = 50 V an einem 230-V-Sekundärtrafo eingesetzt zum Defekt führen?
- a) Bei einer Brücke an U_eff_AC = 24 V
- b) Bei einer Brücke an U_eff_AC = 230 V
- c) Bei einem Einweggleichrichter an U_eff_AC = 12 V
- d) Bei einer B6 an 12-V-Sekundär-Drehstrom
Richtig: b)
U_R_min = U_max. Bei 230 V eff sind das ≈ 325 V – eine 50-V-Diode würde sofort durchbrechen. Bei 24 V eff sind es nur 34 V, bei 12 V nur 17 V – beides unter 50 V. Bei 12 V Drehstrom verkettet wären es 17 V – ebenfalls unkritisch.
Welche Reihenfolge der Topologien entspricht aufsteigendem Mittelwert U_DC bei gleichem Spitzenwert?
- a) B2, M1, B6
- b) B6, B2, M1
- c) M1, B6, B2
- d) M1, B2, B6
Richtig: d)
M1 = U_max/π, B2 = 2·U_max/π. Wenn man bei gleicher Strangspannung vergleicht und bei B6 die verkettete Spannung als Bezug nimmt, liegt B6 mit ≈ 1,35·U_LL deutlich über B2. Ranking: M1 < B2 < B6.
Glossar
- Gleichrichter
- Schaltung, die aus Wechselspannung eine Gleichspannung erzeugt. Grundbaustein in praktisch jedem Netzteil und Antriebs-Zwischenkreis.
- Einweggleichrichter (M1)
- Einfachste Gleichrichterschaltung mit nur einer Diode. Nutzt nur eine Halbwelle der Eingangsspannung. Mittelwert U_DC = U_max/π.
- Brückengleichrichter (B2, Graetz)
- Vier Dioden in Diamantanordnung. Nutzt beide Halbwellen, Mittelwert U_DC = 2·U_max/π. Standard in einphasigen Netzteilen.
- B6-Brücke (Sechspulsbrücke)
- Drehstrom-Brückenschaltung mit sechs Dioden. Mittelwert U_DC ≈ 1,35·U_LL. Standard-Eingangsstufe von Frequenzumrichtern.
- Durchlassspannung U_F
- Spannungsabfall an einer leitenden Diode (ca. 0,7 V bei Silizium, 0,3 V bei Schottky). Bedeutet Verlust, der bei Niederspannungs-Schaltungen nicht vernachlässigbar ist.
- Sperrspannung U_R
- Spannung, die in Sperrrichtung an der Diode anliegt. Überschreitet sie U_RRM (maximal zulässige periodische Sperrspannung), bricht die Diode durch und wird zerstört.
- Mittelwert U_DC
- Arithmetischer Mittelwert der gleichgerichteten Spannung über eine Periode. Das, was ein Gleichspannungs-Messgerät anzeigt.
- Lade-Kondensator
- Kondensator parallel zur Last, der die pulsierende Gleichspannung glättet. Lädt sich auf die Spitze und versorgt die Last in der Pausenphase.
- Brummspannung U_br
- Spitze-Spitze-Wert der verbleibenden Wechselspannung am geglätteten Ausgang. Näherung: U_br = I_L/(f_br·C).
- Brummfrequenz f_br
- Frequenz, mit der die Brummspannung pulsiert. Bei 50-Hz-Netz: 50 Hz (M1), 100 Hz (B2), 300 Hz (B6).
- Welligkeit w
- Verhältnis U_br/U_DC, Qualitätsmaß für die Glättung. Wird oft in Prozent angegeben.
- Einschaltstromstoß
- Sehr hoher, kurzzeitiger Ladestrom beim Einschalten eines Netzteils mit leerem Glättungs-Kondensator. Belastet Dioden, Trafo und Sicherung.
