Gleichungen umstellen

Du kennst das Ohmsche Gesetz: U = R · I. Aber was, wenn nicht die Spannung gesucht ist, sondern der Widerstand? Dann musst du die Formel umstellen — sie so umschreiben, dass die gesuchte Größe allein auf einer Seite steht. Das ist keine Zauberei, sondern folgt einem einzigen, sehr einfachen Prinzip. Wer dieses Prinzip einmal verstanden hat, kann jede technische Formel nach jeder beliebigen Größe auflösen. Genau darum geht es hier.

Vorwissen

  • Grundrechenarten und Rechengesetze
  • Bruch- und Prozentrechnung
  • Variablen und Terme

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum eine Gleichung wie eine Waage funktioniert
  • die vier Äquivalenzumformungen sicher anwenden, ohne die Lösung zu verfälschen
  • mit Umkehroperationen eine gesuchte Variable Schritt für Schritt freistellen
  • technische Formeln wie das Ohmsche Gesetz nach jeder beliebigen Größe auflösen
  • Gleichungen mit Klammern, Brüchen und Variablen auf beiden Seiten umformen

1. Was eine Gleichung wirklich ist – das Waagen-Prinzip

Eine Gleichung ist nichts anderes als die Behauptung, dass zwei Dinge gleich groß sind. Links vom Gleichheitszeichen steht ein Ausdruck, rechts ein anderer — und das „=“ sagt: Diese beiden haben denselben Wert.

Bevor wir weitermachen, drei Begriffe sauber getrennt. Ein Term ist ein Rechenausdruck, etwa 3 · x + 5. Eine Variable ist ein Platzhalter für eine Zahl, meist ein Buchstabe wie x, U oder R. Eine Konstante ist ein fester Zahlenwert, der sich nicht ändert.

Das beste Bild für eine Gleichung ist eine Balkenwaage. Auf der linken Schale liegt der linke Term, auf der rechten Schale der rechte. Weil beide gleich schwer sind, steht die Waage exakt im Gleichgewicht. Genau dieses Gleichgewicht ist der Schlüssel zu allem, was folgt.

„Eine Gleichung nach einer Variablen umstellen“ heißt: Wir formen die Gleichung so um, dass die gesuchte Variable allein auf einer Seite steht und alles andere auf der anderen. Bei U = R · I ist U schon allein — die Gleichung ist nach U aufgelöst. Suchst du aber R, musst du arbeiten.

Die Gleichung als Waage im Gleichgewicht U R · I = Was du auf der einen Seite tust, musst du auf der anderen genauso tun.

Eine Gleichung lautet 2 · a + 3 = b − 4. Welche Aussage trifft zu?

  • a) Links und rechts vom Gleichheitszeichen stehen zwei Terme mit gleichem Wert
  • b) Der linke Term ist 2 · a, der Rest gehört nicht dazu
  • c) a und b sind Konstanten, 3 und 4 sind Variablen
  • d) Eine Gleichung mit zwei Buchstaben lässt sich grundsätzlich nicht umstellen

Richtig: a)

Das Gleichheitszeichen sagt aus, dass der gesamte linke Term (2 · a + 3) denselben Wert hat wie der gesamte rechte Term (b − 4). b) ist falsch, weil der ganze Ausdruck links der Term ist, nicht nur ein Teil. c) verwechselt Variablen (Buchstaben als Platzhalter) mit Konstanten (feste Zahlen). d) ist falsch — gerade das Umstellen nach einer Variablen ist Sinn der Sache.

Warum ist das Waagen-Bild für das Umstellen so nützlich?

  • a) Weil eine Gleichung immer schwerer wird, je länger sie ist
  • b) Weil es zeigt, dass jede Änderung auf beiden Seiten gleich erfolgen muss, damit das Gleichgewicht erhalten bleibt
  • c) Weil man Gleichungen nur mit echten Waagen lösen kann
  • d) Weil die linke Seite immer wichtiger ist als die rechte

Richtig: b)

Die Waage steht im Gleichgewicht, solange beide Schalen gleich belastet sind. Nimmt man nur von einer Seite etwas weg, kippt sie. Übertragen heißt das: Jede Rechenoperation muss auf beiden Seiten gleich durchgeführt werden — das ist der Kern des Umstellens. Die anderen Antworten haben mit dem Prinzip nichts zu tun.

2. Die Äquivalenzumformungen – die vier Grundoperationen

Damit das Gleichgewicht der Waage erhalten bleibt, gibt es eine eiserne Regel: Was du auf der einen Seite tust, musst du auf der anderen genauso tun. Eine Umformung, die das Gleichgewicht — und damit die Lösung — nicht verändert, heißt Äquivalenzumformung. „Äquivalent“ bedeutet gleichwertig: Vorher und nachher beschreiben dieselbe Aussage.

Es gibt vier solche Grundoperationen. Auf beiden Seiten darfst du:

+ a auf beiden Seiten dieselbe Zahl addieren

  • − a auf beiden Seiten dieselbe Zahl subtrahieren
  • · a beide Seiten mit derselben Zahl multiplizieren
  • : a beide Seiten durch dieselbe Zahl dividieren
  • a … beliebiger Term oder Zahl (bei Division: a ungleich 0)

Bei Multiplikation und Division gibt es eine wichtige Einschränkung: Du darfst niemals durch null dividieren. Division durch null ist nicht definiert. Das klingt theoretisch, wird aber in Kapitel 4 sehr praktisch, sobald eine Variable im Nenner steht.

In der Technik schreibt man die Umformung sauber mit einem senkrechten Strich rechts neben der Zeile auf. Dahinter steht, was man gerade tut. Ein Beispiel mit der Gleichung x + 7 = 12:

x + 7 = 12 | − 7
x = 5

Wir haben auf beiden Seiten 7 abgezogen. Links bleibt x übrig, rechts 12 − 7 = 5. Die Lösung steht da. Diese Schreibweise wirkt penibel, hat aber einen Grund: Du kannst jeden Schritt später nachvollziehen und Fehler schnell finden.

Gelöstes Beispiel

Löse die Gleichung 3 · x − 5 = 16 nach x auf.

Gegeben: Gleichung: 3 · x − 5 = 16

Gesucht: x

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Konstante auf die rechte Seite bringen:

    3 · x − 5 = 16 | + 5
    3 · x = 21
  2. Schritt 2 — Faktor vor x beseitigen:

    3 · x = 21 | : 3
    x = 7

Ergebnis: x = 7

Übungen

Löse x − 4 = 9 nach x auf.

x = 13 (auf beiden Seiten + 4)

Löse x + 12 = 5 nach x auf.

x = −7 (auf beiden Seiten − 12)

Löse 4 · x = 28 nach x auf.

x = 7 (beide Seiten : 4)

Löse 2 · x + 6 = 20 nach x auf.

Erst − 6 ergibt 2 · x = 14, dann : 2 ergibt x = 7

Löse 5 · x − 8 = 3 · x + 4 nach x auf.

− 3 · x ergibt 2 · x − 8 = 4, dann + 8 ergibt 2 · x = 12, dann : 2 ergibt x = 6

Du formst x + 5 = 12 um zu x + 5 − 3 = 12. Was ist hier passiert?

  • a) Eine korrekte Äquivalenzumformung
  • b) Ein Fehler, weil man nicht subtrahieren darf
  • c) Eine korrekte Umformung, weil 3 kleiner als 5 ist
  • d) Ein Fehler, weil nur auf der linken Seite − 3 gerechnet wurde

Richtig: d)

Es wurde nur links 3 abgezogen, rechts blieb 12 unverändert. Damit kippt die Waage — die Gleichung stimmt nicht mehr. Korrekt wäre x + 5 − 3 = 12 − 3. Subtrahieren ist erlaubt (b falsch), und die Größe der Zahlen plays keine Rolle (c falsch).

Welche Umformung is verboten?

  • a) Beide Seiten durch 0 dividieren
  • b) Auf beiden Seiten 10 addieren
  • c) Beide Seiten mit 4 multiplizieren
  • d) Auf beiden Seiten denselben Term abziehen

Richtig: a)

Division durch null ist mathematisch nicht definiert und damit keine zulässige Umformung. Die anderen drei Operationen sind erlaubt, solange sie auf beiden Seiten gleich erfolgen.

Was bedeutet das Wort „äquivalent“ bei einer Äquivalenzumformung?

  • a) Die Gleichung wird einfacher
  • b) Die umgeformte Gleichung hat dieselbe Lösung wie die ursprüngliche
  • c) Die Gleichung wird länger
  • d) Die Variable verschwindet

Richtig: b)

Äquivalent heißt gleichwertig: Vor und nach der Umformung beschreiben beide Gleichungen exakt dieselbe Lösung. Ob die Gleichung dabei kürzer, länger oder gleich lang wird, ist nebensächlich.

3. Umkehroperationen – wie man Schritt für Schritt isoliert

Beim Umstellen willst du die gesuchte Variable freistellen — alles andere muss von ihr „weg“. Dafür nutzt du Umkehroperationen: die Gegenoperation zu dem, was die Variable gerade festhält.

Jede Rechenoperation hat eine Umkehrung:

Addition umgekehrt durch Subtraktion

  • Subtraktion umgekehrt durch Addition
  • Multiplikation umgekehrt durch Division
  • Division umgekehrt durch Multiplikation
  • Quadrat umgekehrt durch Wurzel
  • Potenz umgekehrt durch Logarithmus

Steht also + 7 bei der Variablen, beseitigst du es mit − 7. Steht · 3, beseitigst du es mit : 3. Quadrat und Wurzel sowie Potenz und Logarithmus sind ebenfalls Umkehrpaare — diese beiden Paare brauchst du beim Umstellen seltener und sie werden in einem eigenen Beitrag ausführlich behandelt.

Entscheidend ist die Reihenfolge. Beim Auflösen arbeitest du dich von außen nach innen vor — also genau umgekehrt zur normalen Rechenreihenfolge. Normalerweise gilt Punkt vor Strich. Beim Umstellen drehst du das um: Zuerst beseitigst du, was per Strichrechnung (+, −) an der Variablen hängt, danach die Punktrechnung (·, :).

Schau dir 3 · x + 5 = 20 an. An x klebt zuerst · 3, dann + 5. Beim Auflösen gehst du von außen: zuerst die + 5 weg (mit − 5), dann die · 3 weg (mit : 3).

3 · x + 5 = 20 | − 5
3 · x = 15 | : 3
x = 5

Erst die äußere Schicht (das + 5), dann die innere (· 3). Wie beim Schälen einer Zwiebel von außen nach innen.

Gelöstes Beispiel

Löse 6 · x − 9 = 33 nach x auf und benenne bei jedem Schritt die Umkehroperation.

Gegeben: Gleichung: 6 · x − 9 = 33

Gesucht: x

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — äußere Operation (− 9) umkehren mit + 9:

    6 · x − 9 = 33 | + 9
    6 · x = 42
  2. Schritt 2 — innere Operation (· 6) umkehren mit : 6:

    6 · x = 42 | : 6
    x = 7

Ergebnis: x = 7

Übungen

Löse x + 15 = 40 nach x. Welche Umkehroperation brauchst du?

Subtraktion: − 15 auf beiden Seiten, x = 25

Löse 8 · x = 72 nach x.

Division: : 8 auf beiden Seiten, x = 9

Löse 4 · x + 10 = 38 nach x.

Erst − 10 (x-Term: 4 · x = 28), dann : 4, also x = 7

Löse x : 5 − 2 = 6 nach x.

Erst + 2 ergibt x : 5 = 8, dann · 5 (Umkehrung der Division) ergibt x = 40

Löse 7 · x + 13 = 2 · x + 48 nach x.

− 2 · x ergibt 5 · x + 13 = 48, dann − 13 ergibt 5 · x = 35, dann : 5 ergibt x = 7

In welcher Reihenfolge löst du 5 · x + 8 = 43 nach x auf?

  • a) Zuerst durch 5 teilen, dann 8 abziehen
  • b) Zuerst 8 addieren, dann mit 5 multiplizieren
  • c) Zuerst 8 abziehen, dann durch 5 teilen
  • d) Die Reihenfolge ist egal

Richtig: c)

Beim Auflösen geht man von außen nach innen. Die äußerste Operation an x ist hier + 8, also wird sie zuerst durch − 8 beseitigt. Erst danach kommt die · 5 mit : 5 an die Reihe. a) dreht die Reihenfolge falsch herum. b) verwendet die falschen Operationen. d) stimmt nicht — eine falsche Reihenfolge führt fast immer zu einem Rechenfehler.

Was ist die Umkehroperation zur Division?

  • a) Eine weitere Division
  • b) Die Subtraktion
  • c) Die Multiplikation
  • d) Die Addition

Richtig: c)

Division und Multiplikation sind ein Umkehrpaar. Eine Division durch 5 hebst du auf, indem du mit 5 multiplizierst. Addition und Subtraktion bilden das andere Umkehrpaar, haben aber mit der Division nichts zu tun.

Du sollst x : 4 + 3 = 11 nach x auflösen. Welcher erste Schritt ist richtig?

  • a) Auf beiden Seiten 3 subtrahieren
  • b) Beide Seiten mit 4 multiplizieren
  • c) Beide Seiten durch 4 dividieren
  • d) Auf beiden Seiten 3 addieren

Richtig: a)

Die äußerste Operation an x ist das + 3, also wird zuerst auf beiden Seiten 3 abgezogen: x : 4 = 8. Erst danach folgt die Multiplikation mit 4, um die Division aufzuheben. Wer mit b) beginnt, übersieht die richtige Reihenfolge von außen nach innen.

4. Formeln nach einer Größe umstellen – der Praxisfall

Jetzt wird es praktisch. Technische Formeln sind nichts anderes als Gleichungen — nur stehen statt x eben Größen wie U, R, I, P oder F. Die Spielregeln bleiben exakt dieselben.

Nehmen wir das Ohmsche Gesetz:

U = R · I

  • U … Spannung in Volt (V)
  • R … Widerstand in Ohm (Ω)
  • I … Strom in Ampere (A)

So wie es dasteht, ist es nach U aufgelöst. Brauchst du den Widerstand R, stellst du um. An R klebt · I, also teilst du beide Seiten durch I:

U = R · I | : I
U / I = R

Damit ist die Formel nach R aufgelöst: R = U / I. Genauso bekommst du den Strom, indem du durch R teilst: I = U / R. Aus einer einzigen Formel werden so drei.

Ein zweites Beispiel mit einer Größe, die schon im Nenner steht — der Druck:

p = F / A

  • p … Druck in Pascal (Pa)
  • F … Kraft in Newton (N)
  • A … Fläche in Quadratmeter (m²)

Willst du nach A umstellen, steht A im Nenner und muss zuerst da heraus. Dafür multiplizierst du beide Seiten mit A, danach teilst du durch p:

p = F / A | · A
p · A = F | : p
A = F / p

Wichtig dabei: Führe die Einheiten immer mit. Wenn du F in Newton und p in Pascal einsetzt, kommt A automatisch in Quadratmeter heraus. Das ist eine gute Kontrolle — passt die Einheit am Ende nicht, steckt irgendwo ein Fehler.

Hinweis zur Bedienung: Du gibst Spannung und Strom ein, der Rechner liefert den umgestellten Widerstand R = U / I. Die zweite Ausgabe zeigt die eingegebene Spannung — multiplizierst du sie gedanklich mit dem Strom durch den Widerstand, landest du wieder bei genau dieser Spannung. So siehst du, dass die Umstellung aufgeht.

Gelöstes Beispiel

An einem Widerstand liegen 24 V an, es fließt ein Strom von 0,5 A. Wie groß ist der Widerstand?

Gegeben: U = 24 V, I = 0,5 A

Gesucht: R in Ω

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Formel nach R umstellen:

    U = R · I | : I
    R = U / I
  2. Schritt 2 — Werte einsetzen:

    R = 24 V / 0,5 A = 48 Ω

Ergebnis: R = 48 Ω

Übungen

Stelle P = U · I nach I um.

Beide Seiten : U ergibt I = P / U

An einem Bauteil liegen 12 V an, der Widerstand beträgt 4 Ω. Berechne den Strom.

I = U / R = 12 V / 4 Ω = 3 A

Stelle p = F / A nach F um.

Beide Seiten · A ergibt F = p · A

Eine Fläche von 0,02 m² wird mit einer Kraft von 500 N belastet. Berechne den Druck.

p = F / A = 500 N / 0,02 m² = 25 000 Pa = 25 kPa

Stelle v = s / t zuerst nach s, dann nach t um.

nach s: beide Seiten · t ergibt s = v · t. Nach t: aus s = v · t beide Seiten : v ergibt t = s / v

Die Formel P = U · I soll nach U umgestellt werden. Wie lautet das Ergebnis?

  • a) U = P / I
  • b) U = P · I
  • c) U = I / P
  • d) U = P − I

Richtig: a)

An U hängt the Faktor · I. Um ihn zu beseitigen, teilt man beide Seiten durch I: P / I = U. b) und d) verwenden falsche Operationen, c) vertauscht Zähler und Nenner.

Beim Umstellen von R = U / I nach I — warum muss man aufpassen, ob I null ist?

  • a) Weil ein Strom nie negativ sein kann
  • b) Weil die Division durch null nicht definiert ist und in einem Programm einen Fehler auslösen kann
  • c) Weil die Spannung dann auch null sein muss
  • d) Weil sich sonst die Einheit ändert

Richtig: b)

R = U / I enthält eine Division durch I. Wird I null, ist der Ausdruck nicht definiert — in einer Steuerung führt das zu einer Division-durch-null und möglicherweise zum Absturz. Das hat nichts mit dem Vorzeichen des Stroms (a) oder mit der Spannung (c) zu tun, und die Einheit bleibt davon unberührt (d).

Du stellst p = F / A nach A um. Welcher erste Schritt ist richtig?

  • a) Beide Seiten durch F dividieren
  • b) Auf beiden Seiten A subtrahieren
  • c) Beide Seiten mit A multiplizieren
  • d) Beide Seiten mit p multiplizieren

Richtig: c)

A steht im Nenner. Um es herauszuholen, multipliziert man beide Seiten mit A, sodass p · A = F entsteht. Danach teilt man durch p. Der Weg über a), b) oder d) bringt A nicht aus dem Nenner.

Warum ist das Mitführen der Einheiten beim Umstellen sinnvoll?

  • a) Es macht die Rechnung länger
  • b) Einheiten ändern das Ergebnis
  • c) Ohne Einheiten darf man nicht dividieren
  • d) Eine falsche Endeinheit verrät einen Rechenfehler

Richtig: d)

Setzt man konsistente Einheiten ein, muss am Ende die physikalisch richtige Einheit herauskommen. Stimmt sie nicht, steckt irgendwo ein Fehler — eine kostenlose Kontrolle. b) ist falsch, weil die Einheit den Zahlenwert nicht verändert, und c) ist erfunden.

5. Klammern, Brüche und Variablen auf beiden Seiten

Bisher waren die Gleichungen überschaubar. In der Praxis treten aber drei Komplikationen auf: Klammern, Brüche und eine Variable, die auf beiden Seiten vorkommt. Für jede gibt es einen festen Griff.

Klammern auflösen. Steht ein Faktor vor einer Klammer, multiplizierst du ihn in die Klammer hinein — das ist das Distributivgesetz:

a · (b + c) = a · b + a · c

Aus 3 · (x + 4) wird also 3 · x + 12. Erst danach stellst du wie gewohnt um.

Brüche beseitigen. Stört ein Nenner, multiplizierst du die ganze Gleichung mit diesem Nenner. Aus x / 4 = 5 wird durch Multiplikation mit 4 die einfache Gleichung x = 20. Kommen mehrere Nenner vor, multiplizierst du mit dem Hauptnenner, also dem gemeinsamen Vielfachen aller Nenner.

Variablen auf beiden Seiten. Taucht die gesuchte Variable links und rechts auf, sortierst du: Alle Glieder mit der Variablen bringst du auf eine Seite, alles andere auf die andere. Bei 5 · x + 3 = 2 · x + 18 ziehst du 2 · x ab und kommst auf 3 · x + 3 = 18, dann weiter wie gewohnt.

Ein Sonderfall: Steht die gesuchte Variable nach dem Sortieren in mehreren Gliedern, klammerst du sie aus. Aus a · x + b · x wird x · (a + b), und durch diesen Klammerausdruck teilst du anschließend.

Gelöstes Beispiel

Löse 2 · (x + 3) = 4 · x − 6 nach x auf.

Gegeben: Gleichung: 2 · (x + 3) = 4 · x − 6

Gesucht: x

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Klammer auflösen (Distributivgesetz):

    2 · x + 6 = 4 · x − 6
  2. Schritt 2 — x-Glieder auf eine Seite (− 2 · x):

    2 · x + 6 = 4 · x − 6 | − 2 · x
    6 = 2 · x − 6
  3. Schritt 3 — Konstante auf die andere Seite (+ 6):

    6 = 2 · x − 6 | + 6
    12 = 2 · x
  4. Schritt 4 — durch den Faktor teilen (: 2):

    12 = 2 · x | : 2
    6 = x

Ergebnis: x = 6

Übungen

Löse x / 3 = 7 nach x.

Beide Seiten · 3 ergibt x = 21

Löse 5 · (x − 2) = 25 nach x.

Klammer auflösen: 5 · x − 10 = 25, dann + 10 ergibt 5 · x = 35, dann : 5 ergibt x = 7

Löse 4 · x + 7 = 2 · x + 19 nach x.

− 2 · x ergibt 2 · x + 7 = 19, dann − 7 ergibt 2 · x = 12, dann : 2 ergibt x = 6

Löse x / 2 + x / 4 = 9 nach x. (Hauptnenner 4)

Mit 4 multiplizieren: 2 · x + x = 36, also 3 · x = 36, dann : 3 ergibt x = 12

Löse a · x + 3 · x = 20 nach x (mit a = 1).

Ausklammern: x · (a + 3) = 20, mit a = 1 also x · 4 = 20, dann : 4 ergibt x = 5

Wie löst du die Klammer in 4 · (x − 2) korrekt auf?

  • a) 4 · x − 2
  • b) 4 · x − 8
  • c) 4 · x + 8
  • d) x − 8

Richtig: b)

Der Faktor 4 wird mit jedem Glied in der Klammer multipliziert: 4 · x und 4 · (−2) = −8. a) multipliziert die 2 nicht mit, c) hat das falsche Vorzeichen, d) lässt den Faktor bei x weg.

Du hast x / 5 = 8. Was ist der schnellste Weg zur Lösung?

  • a) Beide Seiten durch 5 teilen
  • b) Auf beiden Seiten 5 addieren
  • c) Auf beiden Seiten 5 subtrahieren
  • d) Beide Seiten mit 5 multiplizieren

Richtig: d)

x steht über dem Nenner 5. Multipliziert man beide Seiten mit 5, fällt der Nenner weg und es bleibt x = 40. Die Division (a) würde den Bruch noch verschärfen, Addition und Subtraktion (b, c) helfen hier nicht.

Bei 6 · x − 4 = 4 · x + 10 — welcher Schritt sortiert die Variablen sinnvoll?

  • a) Auf beiden Seiten − 4 · x
  • b) Auf beiden Seiten + 4 · x
  • c) Beide Seiten durch x teilen
  • d) Auf beiden Seiten − 6 · x

Richtig: a)

Zieht man auf beiden Seiten 4 · x ab, verschwindet die Variable rechts und es bleibt 2 · x − 4 = 10. Danach lässt sich einfach weiterrechnen. b) würde die x-Glieder noch vermehren, d) bringt zwar links die Variable weg, lässt aber einen negativen x-Term rechts stehen, was unpraktischer ist. Durch x teilen (c) ist hier sinnlos.

Warum klammert man die gesuchte Variable aus, wenn sie in mehreren Gliedern steht?

  • a) Damit die Gleichung länger wird
  • b) Um sie als einzelnen Faktor zu isolieren und dann durch den Rest zu teilen
  • c) Weil Ausklammern immer Pflicht ist
  • d) Um die Klammer aufzulösen

Richtig: b)

Steht die Variable etwa in a · x + b · x, fasst man sie zu x · (a + b) zusammen. Dann steht x als einzelner Faktor da und man kann durch (a + b) teilen, um sie freizustellen. Das ist der einzige Weg, eine mehrfach auftretende Variable sauber aufzulösen — Ausklammern ist hier also nicht Selbstzweck (c), sondern Mittel zum Ziel.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Löse die Gleichung nach x auf.

Gegeben: 4 · x − 7 = 21

Gesucht: x

Lösungsweg:

  1. + 7 ergibt 4 · x = 28
  2. dann : 4

Ergebnis: x = 7

Aufgabe 2: Löse die Gleichung nach x auf.

Gegeben: 9 · x + 5 = 3 · x + 29

Gesucht: x

Lösungsweg:

  1. − 3 · x ergibt 6 · x + 5 = 29
  2. dann − 5 ergibt 6 · x = 24
  3. dann : 6

Ergebnis: x = 4

Aufgabe 3: Stelle das Ohmsche Gesetz nach dem Strom um und berechne ihn.

Gegeben: U = R · I, U = 60 V, R = 12 Ω

Gesucht: I in A

Lösungsweg:

  1. umstellen I = U / R
  2. einsetzen 60 V / 12 Ω

Ergebnis: I = 5 A

Aufgabe 4: Berechne die Fläche aus der Druckformel.

Gegeben: p = F / A, F = 800 N, p = 20 000 Pa

Gesucht: A in m²

Lösungsweg:

  1. umstellen A = F / p
  2. einsetzen 800 N / 20 000 Pa

Ergebnis: A = 0,04 m²

Aufgabe 5: Löse die Klammergleichung nach x auf.

Gegeben: 3 · (x + 2) = 5 · x − 4

Gesucht: x

Lösungsweg:

  1. Klammer auflösen 3 · x + 6 = 5 · x − 4
  2. dann − 3 · x ergibt 6 = 2 · x − 4
  3. dann + 4 ergibt 10 = 2 · x
  4. dann : 2

Ergebnis: x = 5

Aufgabe 6: Stelle die Formel der elektrischen Leistung nach der Spannung um und berechne sie.

Gegeben: P = U · I, P = 1500 W, I = 6,25 A

Gesucht: U in V

Lösungsweg:

  1. umstellen U = P / I
  2. einsetzen 1500 W / 6,25 A

Ergebnis: U = 240 V

Eine Äquivalenzumformung zeichnet sich dadurch aus, dass sie

  • a) die Lösungsmenge der Gleichung unverändert lässt
  • b) die Gleichung immer kürzer macht
  • c) nur auf der linken Seite ausgeführt wird
  • d) eine Variable hinzufügt

Richtig: a)

Eine Äquivalenzumformung lässt die Lösung gleich — sie wird auf beiden Seiten ausgeführt (c falsch). Ob die Gleichung kürzer wird (b) oder Variablen dazukommen (d), ist nicht das Kennzeichen.

Du sollst 8 · x − 12 = 20 nach x auflösen. Welche Schrittfolge ist korrekt?

  • a) Erst : 8, dann + 12
  • b) Erst − 12, dann · 8
  • c) Erst · 8, dann + 12
  • d) Erst + 12, dann : 8

Richtig: d)

Von außen nach innen: zuerst die − 12 mit + 12 aufheben (8 · x = 32), dann die · 8 mit : 8 (x = 4). Die anderen Reihenfolgen verletzen das Prinzip oder verwenden falsche Operationen.

Welche Umstellung von U = R · I nach R ist richtig?

  • a) R = U / I
  • b) R = U · I
  • c) R = I / U
  • d) R = U − I

Richtig: a)

R ist mit · I verknüpft, also teilt man beide Seiten durch I: R = U / I. Die anderen Varianten verwenden falsche Operationen oder vertauschen Zähler und Nenner.

Beim Umstellen einer Formel, bei der eine Variable im Nenner steht, gilt:

  • a) Man darf den Nenner einfach streichen
  • b) Man addiert die Nenner-Variable auf beiden Seiten
  • c) Eine Variable darf nie im Nenner stehen
  • d) Man multipliziert beide Seiten mit der Nenner-Variablen, sofern sie nicht null ist

Richtig: d)

Um eine Variable aus dem Nenner zu holen, multipliziert man beide Seiten mit ihr — erlaubt, solange sie nicht null ist. Streichen (a) oder Addieren (b) ist mathematisch falsch, und Variablen dürfen sehr wohl im Nenner stehen (c).

Warum ist das Mitführen der Einheiten beim Formelumstellen in der Praxis hilfreich?

  • a) Eine unstimmige Endeinheit deckt einen Fehler in der Rechnung auf
  • b) Die Einheit verändert den Zahlenwert
  • c) Ohne Einheit darf man nicht multiplizieren
  • d) Einheiten ersetzen die Umkehroperation

Richtig: a)

Die Endeinheit muss zur gesuchten Größe passen. Stimmt sie nicht, liegt ein Fehler vor — eine einfache Kontrolle. Den Zahlenwert ändert die Einheit nicht (b), und die übrigen Aussagen sind erfunden.

Wie löst du 5 · (x − 3) = 2 · x + 6 als ersten sinnvollen Schritt?

  • a) Beide Seiten durch 5 teilen
  • b) Auf beiden Seiten 3 addieren
  • c) Beide Seiten mit 2 multiplizieren
  • d) Die Klammer mit dem Distributivgesetz auflösen

Richtig: d)

Solange die Klammer steht, lässt sich nicht sauber sortieren. Zuerst löst man sie auf: 5 · x − 15 = 2 · x + 6. Durch 5 teilen (a) würde auch die rechte Seite und die Klammer betreffen und alles verkomplizieren.

Bei x / 2 + x / 3 = 5 ist der Hauptnenner

  • a) 6
  • b) 2
  • c) 3
  • d) 5

Richtig: a)

Der Hauptnenner ist das kleinste gemeinsame Vielfache der Nenner 2 und 3, also 6. Multipliziert man die Gleichung mit 6, verschwinden beide Brüche: 3 · x + 2 · x = 30. Die 5 (d) ist die rechte Seite, kein Nenner.

Die gesuchte Variable kommt nach dem Sortieren in zwei Gliedern vor: a · x + 4 · x = 36. Was tust du?

  • a) Die beiden Glieder voneinander abziehen
  • b) Durch a teilen
  • c) Die 36 halbieren
  • d) x ausklammern zu x · (a + 4) und durch den Klammerausdruck teilen

Richtig: d)

Mit Ausklammern fasst man x · (a + 4) = 36 zusammen und teilt dann durch (a + 4). So wird x freigestellt. Die anderen Wege führen nicht zur Lösung.

Ein Strom von 0 A wird in die umgestellte Formel R = U / I eingesetzt. Was passiert?

  • a) R wird null
  • b) R wird gleich U
  • c) Der Ausdruck ist nicht definiert, weil durch null geteilt wird
  • d) R wird negativ

Richtig: c)

Eine Division durch null ist nicht definiert. Physikalisch passt das auch: Ohne Strom lässt sich aus Spannung allein kein Widerstand bestimmen. Die anderen Antworten unterstellen ein definiertes Ergebnis, das es nicht gibt.

Löse gedanklich 2 · x + 9 = 5 · x − 6 und bestimme x.

  • a) x = 3
  • b) x = 5
  • c) x = 7
  • d) x = 15

Richtig: b)

− 2 · x ergibt 9 = 3 · x − 6, dann + 6 ergibt 15 = 3 · x, schließlich : 3 ergibt x = 5. Die anderen Werte erfüllen die Gleichung nicht — Einsetzen von x = 5 liefert auf beiden Seiten 19.

Welche Aussage über die Reihenfolge beim Auflösen ist richtig?

  • a) Man arbeitet sich von innen nach außen vor
  • b) Man Beseitigt immer zuerst die Multiplikation
  • c) Man arbeitet sich von außen nach innen vor, also Strich- vor Punktrechnung beseitigen
  • d) Die Reihenfolge spielt nie eine Rolle

Richtig: c)

Beim Auflösen kehrt man die normale Rechenreihenfolge um: zuerst die äußeren Strichoperationen (+, −), dann die inneren Punktoperationen (·, :). Wer zuerst die Multiplikation beseitigt (b), muss anschließend mit Brüchen kämpfen.

Stelle v = s / t nach t um. Das Ergebnis lautet

  • a) t = v · s
  • b) t = v / s
  • c) t = s − v
  • d) t = s / v

Richtig: d)

Zuerst beide Seiten mit t multiplizieren: v · t = s. Dann durch v teilen: t = s / v. b) vertauscht Zähler und Nenner, a) und c) verwenden falsche Operationen.

Glossar

Gleichung
Eine Aussage, dass zwei Terme denselben Wert haben, verbunden durch das Gleichheitszeichen.
Term
Ein Rechenausdruck aus Zahlen, Variablen und Rechenzeichen, zum Beispiel 3 · x + 5.
Variable
Ein Platzhalter für eine Zahl, meist als Buchstabe geschrieben.
Konstante
Ein fester Zahlenwert in einer Gleichung, der sich nicht ändert.
Äquivalenzumformung
Eine Umformung, die auf beiden Seiten gleich ausgeführt wird und die Lösung der Gleichung nicht verändert.
Umkehroperation
Die Gegenoperation, die eine Rechenoperation aufhebt (z. B. Division als Umkehrung der Multiplikation).
Distributivgesetz
Die Regel a · (b + c) = a · b + a · c zum Auflösen von Klammern.
Hauptnenner
Das kleinste gemeinsame Vielfache aller Nenner in einer Gleichung; damit lassen sich Brüche beseitigen.
Ausklammern
Das Zusammenfassen eines gemeinsamen Faktors aus mehreren Gliedern, etwa a · x + b · x = x · (a + b).
Definitionsmenge
Die Menge aller Werte, die eine Variable annehmen darf, ohne dass die Gleichung ungültig wird (etwa keine Division durch null).

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