Freikörperbild und Kräftegleichgewicht
Einkonsolenträger an der Wand bewegt sich nicht. Eine Lampe hängt ruhig an zwei Seilen. Ein Maschinengestell trägt sein Eigengewicht, ohne nachzugeben. In all diesen Fällen wirken Kräfte – aber nichts bewegt sich, weil sie sich gegenseitig aufheben.
Genau das ist der Kern der Statik: das Teilgebiet der Mechanik, das ruhende Körper und die Kräfte an ihnen untersucht. Damit man die unbekannten Kräfte in so einer Konstruktion überhaupt berechnen kann, braucht es zwei Werkzeuge, die immer zusammen auftreten. Das Freikörperbild macht alle Kräfte sichtbar, die auf ein Bauteil wirken. Das Kräftegleichgewicht liefert die Gleichungen, mit denen man die unbekannten davon ausrechnet.
Im Folgenden geht es darum, wie man ein Bauteil gedanklich freischneidet, welche Kräfte an Auflagern entstehen und wie man mit den drei Gleichgewichtsbedingungen in der Ebene konkrete Werte berechnet – von der einfachen Seilaufhängung bis zum belasteten Träger mit verteilter Last.
Vorwissen
- Kräfte: Darstellung, Zerlegung und Zusammensetzung
- Trigonometrie am rechtwinkligen Dreieck
- Drehbewegung und Drehmoment
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- ein Bauteil korrekt freischneiden und ein vollständiges Freikörperbild zeichnen
- die Reaktionskräfte der wichtigsten Lagertypen richtig in ein Freikörperbild eintragen
- die drei Gleichgewichtsbedingungen der Ebene aufstellen und anwenden
- unbekannte Seil- und Stabkräfte an einem zentralen Kraftsystem berechnen
- Auflagerkräfte an einem belasteten Träger bestimmen, auch bei gleichmäßiger Streckenlast
1. Was ist ein Freikörperbild – und wozu?
Stell dir einen Stahlträger vor, der in eine Wand eingemauert ist und an seinem freien Ende eine Last trägt. Du sollst wissen, wie stark die Wand den Träger halten muss. Das Problem: Solange der Träger in der Wand steckt, siehst du nicht, welche Kräfte dort wirklich übertragen werden. Sie sind im Mauerwerk versteckt.
Der Trick heißt Freischneiden: Man löst das Bauteil gedanklich komplett aus seiner Umgebung heraus. Überall dort, wo vorher eine Verbindung war – eine Wand, ein Seil, ein Bolzen, der Boden – ersetzt man die Verbindung durch die Kraft, die sie ausübt. Was übrig bleibt, ist der „freie Körper“, an dem nur noch Kräfte und Momente angreifen, keine Bauteile mehr.
Das Ergebnis dieser Überlegung zeichnet man auf. Diese Skizze ist das Freikörperbild: eine Darstellung des isolierten Bauteils mit allen von außen angreifenden Kräften und Momenten, mit Richtung und Angriffspunkt. Bekannte Kräfte wie das Eigengewicht oder eine aufgebrachte Last trägt man mit ihrem Wert ein, unbekannte Reaktionskräfte zunächst mit einer angenommenen Richtung.
Die einzelnen Kräfte selbst – wie man sie zeichnerisch darstellt, in Komponenten zerlegt oder zu einer Resultierenden zusammensetzt – werden hier vorausgesetzt. Wenn du dabei unsicher bist, hilft der eigene Beitrag zu Darstellung, Zerlegung und Zusammensetzung von Kräften.
Der entscheidende Punkt: Jede physische Bindung wird durch eine Kraft ersetzt. Die Wand, die den Träger festhält, verschwindet aus dem Bild – an ihre Stelle treten die Kräfte, die sie auf den Träger ausübt. Genau dieser Übergang macht die versteckten Kräfte berechenbar.
Warum reicht es nicht, die Last und das Eigengewicht eines eingemauerten Trägers ins Freikörperbild einzutragen?
- a) Weil zusätzlich die Reaktionskräfte und das Moment der Einspannung eingetragen werden müssen
- b) Weil das Eigengewicht vernachlässigbar ist
- c) Weil Lasten grundsätzlich nicht ins Freikörperbild gehören
- d) Weil nur waagrechte Kräfte berücksichtigt werden
Richtig: a)
Beim Freischneiden ersetzt man jede Bindung durch ihre Kräfte. Die Einspannung in der Wand überträgt eine waagrechte und eine senkrechte Kraft sowie ein Moment – fehlen diese, ist das Bild unvollständig und nicht lösbar. Antwort b ist falsch, weil das Eigengewicht je nach Aufgabe sehr wohl relevant sein kann; c widerspricht dem Grundgedanken; d ignoriert die senkrechten Kräfte und das Moment.
Was bedeutet es konkret, einen Körper „freizuschneiden“?
- a) Das Bauteil physisch aus der Maschine ausbauen
- b) Alle Maße des Bauteils zu vermessen
- c) Das schwächste Bauteil einer Baugruppe herauszusuchen
- d) Das Bauteil gedanklich von der Umgebung trennen und jede Bindung durch ihre Kraftwirkung ersetzen
Richtig: d)
Freischneiden ist eine reine Denk- und Zeichenoperation, kein physischer Vorgang. Man isoliert das Bauteil auf dem Papier und trägt anstelle jeder entfernten Verbindung die zugehörige Kraft ein. a ist falsch, weil nichts ausgebaut wird; b und c haben mit dem Verfahren nichts zu tun.
2. Auflager und ihre Reaktionskräfte
Damit das Freikörperbild stimmt, muss man wissen, welche Kraft ein Auflager überhaupt übertragen kann. Ein Auflager, das nur senkrecht stützt, darf im Bild auch nur eine senkrechte Kraft bekommen. Genau hier entscheidet sich, ob die spätere Rechnung aufgeht.
Für die Praxis reichen drei Grundtypen. Sie unterscheiden sich darin, wie viele Bewegungen sie sperren – und damit, wie viele Reaktionsgrößen sie liefern.
Das Loslager stützt nur in einer Richtung, meist senkrecht zur Auflagerfläche. Es liefert genau eine Reaktionskraft. In der Richtung der Auflagerfläche kann sich das Bauteil frei verschieben – wie ein Balken, der auf einer Rolle liegt.
Das Festlager hält das Bauteil an einem Punkt fest, lässt aber Drehung zu. Es nimmt Kräfte in zwei Richtungen auf – waagrecht und senkrecht – und liefert damit zwei Reaktionskräfte. Ein Gelenkbolzen ist das typische Beispiel.
Die feste Einspannung sperrt alles: Verschiebung in beide Richtungen und Drehung. Sie liefert drei Reaktionsgrößen – zwei Kräfte und ein Moment. Der eingemauerte Träger aus Kapitel 1 ist eine feste Einspannung.
| Lagertyp | Gesperrte Bewegungen | Reaktionsgrößen |
|---|---|---|
| Loslager | Verschiebung in 1 Richtung | 1 Kraft |
| Festlager | Verschiebung in 2 Richtungen | 2 Kräfte |
| Feste Einspannung | Verschiebung in 2 Richtungen + Drehung | 2 Kräfte + 1 Moment |
Ein Balken liegt an einem Ende auf einem Loslager, am anderen Ende auf einem Festlager. Wie viele unbekannte Reaktionsgrößen sind im Freikörperbild insgesamt einzutragen?
- a) 3
- b) 2
- c) 4
- d) 5
Richtig: a)
Das Loslager liefert 1 Kraft, das Festlager liefert 2 Kräfte – zusammen 3 unbekannte Reaktionsgrößen. Das passt genau zu den 3 Gleichgewichtsbedingungen der Ebene, die Aufgabe ist damit lösbar. b unterschlägt eine Festlager-Komponente, c und d zählen zu viele.
Welche Reaktionsgröße kann ein Loslager NICHT aufnehmen?
- a) Eine Kraft senkrecht zur Auflagerfläche
- b) Eine senkrechte Druckkraft
- c) Das Eigengewicht des aufliegenden Balkens
- d) Eine Kraft längs der Auflagerfläche
Richtig: d)
Ein Loslager stützt nur senkrecht zur Auflagerfläche; in Längsrichtung kann sich das Bauteil frei verschieben, also wird dort keine Kraft übertragen. a, b und c beschreiben alle senkrechte Stützwirkungen, die das Loslager sehr wohl aufnimmt.
Warum braucht eine feste Einspannung im Freikörperbild ein Reaktionsmoment, ein Festlager dagegen nicht?
- a) Weil die Einspannung aus stärkerem Material besteht
- b) Weil das Festlager keine Kräfte überträgt
- c) Weil die Einspannung auch die Drehung sperrt, das Festlager die Drehung aber zulässt
Richtig: c)
Ein Moment entsteht im Lager nur, wenn die Drehung verhindert wird. Das Festlager lässt das Bauteil sich drehen und überträgt daher kein Moment, die Einspannung sperrt die Drehung und muss das Moment aufnehmen. a verwechselt Material mit Lagerart, b ist falsch (das Festlager überträgt zwei Kräfte), d ist sachlich falsch.
3. Die Gleichgewichtsbedingungen
Ein Körper ist im Gleichgewicht, wenn er in Ruhe bleibt – er verschiebt sich nicht und er dreht sich nicht. Daraus folgen zwei Bedingungen. Erstens darf die Summe aller Kräfte keine resultierende Verschiebung erzeugen. Zweitens darf die Summe aller Drehwirkungen keine resultierende Drehung erzeugen.
In der Ebene zerlegt man jede Kraft in eine waagrechte und eine senkrechte Komponente. Dadurch wird die Kräftebedingung zu zwei getrennten Gleichungen, dazu kommt die Momentenbedingung. Das ergibt die drei Gleichgewichtsbedingungen der Ebene:
ΣF_x = 0
- ΣF_x … Summe aller Kräfte in waagrechter Richtung in Newton
ΣF_y = 0
- ΣF_y … Summe aller Kräfte in senkrechter Richtung in Newton
ΣM = 0
- ΣM … Summe aller Momente um einen frei wählbaren Bezugspunkt in Newtonmeter
Das Moment einer Kraft beschreibt ihre Drehwirkung um einen Punkt. Es ist das Produkt aus Kraft und senkrechtem Abstand des Punktes zur Wirkungslinie der Kraft:
M = F * a
- M … Moment in Newtonmeter
- F … Kraft in Newton
- a … senkrechter Abstand (Hebelarm) in Meter
Damit die Vorzeichen stimmen, legt man vorab Richtungen fest. Üblich ist: Kräfte nach rechts und nach oben positiv, Momente gegen den Uhrzeigersinn positiv. Die Wahl ist frei, sie muss nur innerhalb einer Aufgabe konsequent durchgehalten werden. Kommt für eine angenommene Reaktionskraft am Ende ein negativer Wert heraus, heißt das schlicht: die Kraft zeigt in Wirklichkeit andersherum als angenommen.
Drei Gleichungen können drei Unbekannte bestimmen. Deshalb ist eine Konstruktion mit genau drei unbekannten Reaktionsgrößen – etwa Loslager plus Festlager – sauber berechenbar.
Gelöstes Beispiel
An einem Punkt greifen drei Kräfte an: 200 N nach rechts, 150 N nach links und eine unbekannte waagrechte Kraft F. Der Punkt ist im Gleichgewicht. Wie groß ist F und in welche Richtung zeigt sie?
Gegeben:
F_1 = 200 N (nach rechts)
F_2 = 150 N (nach links)
Gesucht: F in N
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Gleichgewicht in waagrechter Richtung ansetzen (rechts positiv):
ΣF_x = 0
200 N − 150 N + F = 0 - Schritt 2 — nach F auflösen:
F = −50 N
Ergebnis: F = 50 N nach links. Das negative Vorzeichen zeigt, dass die Kraft entgegen der positiv angenommenen Richtung (rechts) wirkt.
Übungen
Auf einen Körper wirken in senkrechter Richtung 400 N nach oben und 250 N nach unten. Welche senkrechte Kraft hält ihn im Gleichgewicht?
ΣF_y = 0 → 400 − 250 − F = 0 → F = 150 N nach unten.
Eine Kraft von 80 N wirkt im Abstand von 0,5 m von einem Drehpunkt. Wie groß ist ihr Moment um diesen Punkt?
M = F · a = 80 N · 0,5 m = 40 Nm.
Ein Hebel ist im Gleichgewicht. Links wirkt 120 N im Abstand 0,3 m, rechts wirkt eine Kraft F im Abstand 0,4 m. Wie groß ist F?
ΣM = 0 → 120 · 0,3 = F · 0,4 → F = 36 / 0,4 = 90 N.
An einem Punkt greifen drei Kräfte in waagrechter Richtung an: 300 N rechts, F nach links und 120 N nach links. Gleichgewicht liegt vor. Bestimme F.
ΣF_x = 0 → 300 − F − 120 = 0 → F = 180 N nach links.
Ein waagrechter Balken wird in seiner Mitte (Abstand 0,6 m von beiden Auflagern) mit 600 N belastet. Bestimme über die Momentenbedingung um das linke Auflager die Kraft am rechten Auflager.
ΣM(links) = 0 → 600 · 0,6 − B · 1,2 = 0 → B = 360 / 1,2 = 300 N. (Bei mittiger Last erwartungsgemäß die Hälfte der Last.)
Ein ebenes Kraftsystem hat vier unbekannte Reaktionskräfte. Was folgt daraus für die Berechnung allein mit den Gleichgewichtsbedingungen?
- a) Mit den drei Gleichungen der Ebene ist das System nicht eindeutig lösbar
- b) Die Aufgabe ist eindeutig lösbar
- c) Es müssen vier Momentengleichungen aufgestellt werden
- d) Das Gleichgewicht ist verletzt
Richtig: a)
In der Ebene stehen nur drei voneinander unabhängige Gleichgewichtsbedingungen zur Verfügung. Vier Unbekannte lassen sich damit nicht eindeutig bestimmen. a is richtig; b übersieht das, c ist falsch, weil zusätzliche Momentengleichungen um andere Punkte keine neue unabhängige Information liefern; d verwechselt Lösbarkeit mit Gleichgewicht.
Bei der Berechnung einer angenommenen Auflagerkraft kommt −80 N heraus. Wie ist das zu deuten?
- a) Es liegt ein Rechenfehler vor, Kräfte sind nie negativ
- b) Der Betrag der Kraft ist null
- c) Das Bauteil ist nicht im Gleichgewicht
- d) Die Kraft beträgt 80 N und wirkt entgegen der angenommenen Richtung
Richtig: d)
Das negative Vorzeichen bedeutet nur, dass die wirkliche Richtung der angenommenen entgegengesetzt ist. Der Betrag ist 80 N. a ist falsch, weil das Vorzeichen aus der Annahme folgt; b und c sind sachlich falsch.
Warum darf der Bezugspunkt für die Momentenbedingung frei gewählt werden?
- a) Weil das Moment vom Bezugspunkt unabhängig ist
- b) Weil im Gleichgewicht die Summe der Momente um jeden beliebigen Punkt null ergibt
- c) Weil nur senkrechte Kräfte ein Moment erzeugen
- d) Weil der Bezugspunkt immer im Schwerpunkt liegen muss
Richtig: b)
Ist ein Körper im Gleichgewicht, verschwindet die Momentensumme um jeden Punkt – das nutzt man, um den Bezugspunkt geschickt in eine unbekannte Kraft zu legen und diese aus der Gleichung zu eliminieren. a ist falsch (das Moment einer einzelnen Kraft hängt sehr wohl vom Punkt ab), c und d sind unzutreffend.
4. Kräftegleichgewicht am zentralen Kraftsystem
Wenn sich die Wirkungslinien aller Kräfte in einem einzigen Punkt schneiden, spricht man vom zentralen Kraftsystem. Eine Lampe an zwei Seilen, ein Knotenpunkt eines Fachwerks, ein Ring, an dem mehrere Seile ziehen – immer laufen alle Kräfte durch denselben Punkt.
Der praktische Vorteil: Weil keine Kraft einen Hebelarm zum gemeinsamen Punkt hat, entsteht dort kein Moment. Die Momentenbedingung ist automatisch erfüllt. Es bleiben nur die beiden Kräftebedingungen:
ΣF_x = 0
ΣF_y = 0
Schräge Kräfte zerlegt man dafür in ihre waagrechte und senkrechte Komponente. Eine Kraft F unter dem Winkel alpha gegen die Waagrechte hat die Komponenten:
F_x = F * cos(alpha)
- F_x … waagrechte Komponente in Newton
- F … Betrag der Kraft in Newton
- alpha … Winkel gegen die Waagrechte in Grad
F_y = F * sin(alpha)
- F_y … senkrechte Komponente in Newton
Hängt eine Last an zwei Seilen, hat jedes Seil seinen eigenen Winkel gegen die Waagrechte. Das linke Seil steht unter dem Winkel alpha, das rechte unter dem Winkel beta. Jede Seilkraft wird mit ihrem eigenen Winkel zerlegt – die senkrechte Komponente des linken Seils ist S_1 · sin(alpha), die des rechten S_2 · sin(beta). Stehen beide Seile symmetrisch, ist alpha = beta, und beide Seile tragen gleich viel. Im allgemeinen, unsymmetrischen Fall sind die Winkel verschieden, und das flachere Seil – der kleinere Winkel – trägt die größere Kraft.
Gelöstes Beispiel
Eine Last von 1000 N hängt an einem Knoten, der von zwei Seilen gehalten wird. Beide Seile stehen symmetrisch unter 60° gegen die Waagrechte. Wie groß ist die Kraft in jedem Seil?
Gegeben:
G = 1000 N
alpha = 60° (beide Seile symmetrisch)
Gesucht: Seilkraft S in N
Lösungsweg:
- Schritt 1 — senkrechtes Gleichgewicht am Knoten ansetzen:
Beide Seile tragen zusammen das Gewicht. Jede senkrechte Komponente ist S · sin(60°).
ΣF_y = 0 → 2 · S · sin(60°) − G = 0 - Schritt 2 — nach S auflösen:
S = G / (2 · sin(60°)) = 1000 / (2 · 0,866)
Ergebnis: S ≈ 577 N je Seil.
Übungen
Eine Kraft von 600 N wirkt unter 45° gegen die Waagrechte. Bestimme ihre waagrechte und senkrechte Komponente.
F_x = 600 · cos(45°) ≈ 424 N; F_y = 600 · sin(45°) ≈ 424 N.
An einem Knoten ziehen zwei waagrechte Seile entgegengesetzt: 350 N nach links, S nach rechts. Gleichgewicht liegt vor. Wie groß ist S?
ΣF_x = 0 → S − 350 = 0 → S = 350 N.
Eine Last von 800 N hängt an zwei symmetrischen Seilen unter je 45° gegen die Waagrechte. Bestimme die Kraft in einem Seil.
S = 800 / (2 · sin45°) = 800 / 1,414 ≈ 566 N.
Eine Kraft von 1000 N unter 30° gegen die Waagrechte soll durch eine waagrechte und eine senkrechte Kraft im Gleichgewicht gehalten werden. Bestimme beide.
waagrechte Haltekraft = 1000 · cos30° ≈ 866 N; senkrechte Haltekraft = 1000 · sin30° = 500 N (jeweils entgegengesetzt zur Komponente).
Zwei symmetrische Anschlagketten halten eine Last von 2000 N. Verkleinert man den Winkel jeder Kette gegen die Waagrechte von 60° auf 30°, um welchen Faktor steigt die Kettenkraft?
S(60°) = 2000/(2·sin60°) ≈ 1155 N; S(30°) = 2000/(2·sin30°) = 2000 N. Faktor ≈ 1,73 – also rund 73 % mehr.
Eine Last hängt an zwei symmetrischen Seilen. Wird der Winkel der Seile gegen die Waagrechte kleiner (Seile flacher), wie ändert sich die Seilkraft?
- a) Sie wird kleiner
- b) Sie wird größer
- c) Sie bleibt gleich, weil das Gewicht gleich bleibt
- d) Sie wird null
Richtig: b)
Nur die senkrechten Komponenten tragen das Gewicht. Bei flacherem Winkel wird die senkrechte Komponente pro Seil kleiner, also muss die Seilkraft selbst steigen, damit die Summe weiter das Gewicht trägt. b ist richtig; c übersieht die Komponentenzerlegung, a ist das Gegenteil, d ist physikalisch unmöglich.
Warum muss man beim zentralen Kraftsystem die Momentenbedingung nicht gesondert aufstellen?
- a) Weil keine Kräfte wirken
- b) Weil die Kräfte alle gleich groß sind
- c) Weil Momente in der Ebene nicht auftreten
- d) Weil alle Wirkungslinien durch denselben Punkt gehen und dort keinen Hebelarm haben
Richtig: d)
Geht jede Kraft durch den gemeinsamen Schnittpunkt, ist ihr Hebelarm zu diesem Punkt null, also auch ihr Moment. Die Momentenbedingung ist damit von selbst erfüllt. d ist richtig; a, b und c sind sachlich falsch.
Eine Kraft von 500 N wirkt unter 60° gegen die Waagrechte. Welche Aussage über ihre Komponenten ist korrekt?
- a) Die waagrechte Komponente ist größer als die senkrechte
- b) Beide Komponenten sind gleich groß
- c) Die senkrechte Komponente ist größer als die waagrechte
- d) Die senkrechte Komponente ist null
Richtig: c)
Bei 60° gegen die Waagrechte ist sin60° ≈ 0,87 größer als cos60° = 0,5, daher ist die senkrechte Komponente (≈ 433 N) größer als die waagrechte (250 N). c ist richtig; a ist das Gegenteil, b gilt nur bei 45°, d wäre nur bei 0° der Fall.
5. Kräfte und Momente am allgemeinen Kraftsystem
Beim allgemeinen Kraftsystem greifen die Kräfte an verschiedenen Punkten an, ihre Wirkungslinien schneiden sich nicht in einem gemeinsamen Punkt. Der typische Fall ist ein Träger auf zwei Stützen, der irgendwo dazwischen belastet wird. Jetzt reichen die beiden Kräftebedingungen nicht mehr – die Lasten erzeugen Drehwirkungen, und man braucht die Momentenbedingung, um sie zu erfassen.
Hier zahlt sich die freie Wahl des Bezugspunkts aus. Legt man den Bezugspunkt für die Momentengleichung genau in ein Auflager, fällt dessen unbekannte Kraft aus der Gleichung (ihr Hebelarm is null). Übrig bleibt eine Gleichung mit nur einer Unbekannten – die andere Auflagerkraft. Danach liefert die Kräftebedingung in senkrechter Richtung die zweite.
Für eine Einzellast F im Abstand a vom linken Auflager A und b vom rechten Auflager B (Gesamtlänge l = a + b) ergibt die Momentenbedingung um A:
B = F * a / l
- B … Auflagerkraft am rechten Lager in Newton
- F … Einzellast in Newton
- a … Abstand der Last vom linken Auflager in Meter
- l … Stützweite in Meter
A = F – B
- A … Auflagerkraft am linken Lager in Newton
Streckenlasten
In der Realität wirkt die Last oft nicht punktförmig, sondern verteilt über eine Länge – das Eigengewicht eines Trägers, eine aufliegende Schüttung, eine durchgehende Auflast. Das nennt man Streckenlast, angegeben als Last pro Längeneinheit q in N/m.
Für das Freikörperbild gilt eine einfache Regel: Eine gleichmäßige Streckenlast wird durch eine resultierende Einzellast ersetzt. Ihr Betrag ist die Streckenlast mal die belastete Länge, und sie greift im Schwerpunkt der Lastfläche an – bei gleichmäßiger Last also in der Mitte der belasteten Strecke.
F_R = q * l_q
- F_R … resultierende Einzellast in Newton
- q … Streckenlast in Newton pro Meter
- l_q … belastete Länge in Meter
Mit dieser Ersatzkraft rechnet man dann genau wie mit einer normalen Einzellast weiter. Der Angriffspunkt – die Mitte der belasteten Strecke – liefert den Hebelarm für die Momentenbedingung.
Gelöstes Beispiel
Ein Träger der Stützweite 6 m liegt links auf einem Festlager A und rechts auf einem Loslager B. Im Abstand 2 m von A wirkt eine senkrechte Einzellast von 9000 N. Bestimme die Auflagerkräfte.
Gegeben:
l = 6 m
F = 9000 N
a = 2 m (Abstand von A)
Gesucht: A und B in N
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Momentenbedingung um A (so fällt A heraus):
ΣM(A) = 0 → F · a − B · l = 0
9000 · 2 − B · 6 = 0 - Schritt 2 — nach B auflösen:
B = 18000 / 6 = 3000 N - Schritt 3 — senkrechtes Kräftegleichgewicht:
ΣF_y = 0 → A + B − F = 0 → A = 9000 − 3000
Ergebnis: A = 6000 N, B = 3000 N.
Übungen
Ein Träger mit Stützweite 4 m trägt mittig eine Last von 2000 N. Bestimme beide Auflagerkräfte.
B = 2000 · 2 / 4 = 1000 N; A = 2000 − 1000 = 1000 N. (Mittige Last → gleichmäßig verteilt.)
Stützweite 5 m, Einzellast 4000 N im Abstand 1 m vom linken Auflager A. Bestimme A und B.
B = 4000 · 1 / 5 = 800 N; A = 4000 − 800 = 3200 N.
Ein Träger der Länge 8 m trägt eine gleichmäßige Streckenlast von 500 N/m über die gesamte Länge. Bestimme die resultierende Einzellast und ihren Angriffspunkt.
F_R = 500 · 8 = 4000 N, Angriffspunkt in der Mitte bei 4 m.
Derselbe Träger aus Übung 3 (8 m, 500 N/m über die ganze Länge) liegt auf zwei Auflagern an den Enden. Bestimme die Auflagerkräfte.
F_R = 4000 N greift mittig an → symmetrisch je 2000 N pro Auflager.
Ein Träger der Stützweite 6 m trägt eine gleichmäßige Streckenlast von 800 N/m über die gesamte Länge sowie zusätzlich eine Einzellast von 3000 N in der Mitte. Bestimme die Auflagerkräfte.
F_R = 800 · 6 = 4800 N mittig; Einzellast 3000 N ebenfalls mittig. Beide symmetrisch → A = B = (4800 + 3000) / 2 = 3900 N.
Warum legt man den Bezugspunkt der Momentenbedingung bei einem Träger sinnvollerweise in ein Auflager?
- a) Weil die unbekannte Auflagerkraft dort keinen Hebelarm hat und aus der Gleichung fällt
- b) Weil dort die Last angreift
- c) Weil das Moment nur an Auflagern berechnet werden darf
- d) Weil der Schwerpunkt immer im Auflager liegt
Richtig: a)
Eine Kraft, deren Wirkungslinie durch den Bezugspunkt geht, hat Hebelarm null und damit kein Moment um diesen Punkt. Legt man den Bezugspunkt ins Auflager, verschwindet dessen unbekannte Kraft aus der Gleichung – man erhält eine Gleichung mit nur einer Unbekannten. a ist richtig; b, c und d sind sachlich falsch.
Eine gleichmäßige Streckenlast von 600 N/m wirkt über 5 m. Wie groß ist die resultierende Ersatzkraft und wo greift sie an?
- a) 3000 N, am Ende der belasteten Strecke
- b) 600 N, in der Mitte
- c) 120 N, am Anfang der Strecke
- d) 3000 N, in der Mitte der belasteten Strecke
Richtig: d)
F_R = q · l_q = 600 · 5 = 3000 N. Bei gleichmäßiger Verteilung liegt der Schwerpunkt der Lastfläche in der Mitte, dort greift die Ersatzkraft an. d ist richtig; a hat den falschen Angriffspunkt, b und c sind falsch berechnet.
Ein Träger trägt eine Einzellast nahe dem linken Auflager A. Was gilt für die Auflagerkräfte?
- a) Beide Auflager tragen gleich viel
- b) Das rechte Auflager B trägt mehr
- c) Das linke Auflager A trägt mehr
- d) Das rechte Auflager wird entlastet auf null
Richtig: c)
Je näher die Last an einem Auflager liegt, desto mehr trägt dieses Auflager. Liegt die Last nahe A, übernimmt A den größeren Anteil. c ist richtig; a gilt nur bei mittiger Last, b ist das Gegenteil, d wäre nur bei einer Last direkt über B der Fall.
Ein Träger der Stützweite 4 m trägt 1200 N im Abstand 3 m von A. Welche Auflagerkraft ergibt sich am rechten Lager B?
- a) 300 N
- b) 600 N
- c) 900 N
- d) 1200 N
Richtig: c)
B = F · a / l = 1200 · 3 / 4 = 900 N. Die Last liegt nahe B, deshalb trägt B den größeren Teil. a und b sind zu klein, d würde bedeuten, A trägt nichts.
Abschlusstest
Aufgabe 1: An einem Punkt greifen drei waagrechte Kräfte an: 450 N nach rechts, 200 N nach links und eine unbekannte Kraft F. Der Punkt ist im Gleichgewicht. Bestimme F nach Betrag und Richtung.
Gegeben: F_1 = 450 N rechts, F_2 = 200 N links
Gesucht: F in N
Lösungsweg:
ΣF_x = 0 → 450 − 200 + F = 0 → F = −250 N
Ergebnis: F = 250 N nach links.
Aufgabe 2: Eine Kraft von 700 N wirkt unter 40° gegen die Waagrechte. Bestimme die waagrechte und senkrechte Komponente.
Gegeben: F = 700 N, alpha = 40°
Gesucht: F_x, F_y in N
Lösungsweg:
F_x = 700 · cos40° ≈ 700 · 0,766; F_y = 700 · sin40° ≈ 700 · 0,643
Ergebnis: F_x ≈ 536 N, F_y ≈ 450 N.
Aufgabe 3: Eine Last von 1200 N hängt an zwei symmetrischen Seilen unter je 50° gegen die Waagrechte. Bestimme die Kraft in einem Seil.
Gegeben: G = 1200 N, alpha = 50°
Gesucht: Seilkraft S in N
Lösungsweg:
2 · S · sin50° = 1200 → S = 1200 / (2 · 0,766)
Ergebnis: S ≈ 783 N.
Aufgabe 4: Ein Träger der Stützweite 6 m liegt links auf Festlager A, rechts auf Loslager B. Im Abstand 4 m von A wirkt eine Last von 6000 N. Bestimme die Auflagerkräfte.
Gegeben: l = 6 m, F = 6000 N, a = 4 m
Gesucht: A, B in N
Lösungsweg:
ΣM(A) = 0 → 6000 · 4 − B · 6 = 0 → B = 24000 / 6 = 4000 N; A = 6000 − 4000 = 2000 N
Ergebnis: A = 2000 N, B = 4000 N.
Aufgabe 5: Ein Träger der Länge 10 m trägt eine gleichmäßige Streckenlast von 400 N/m über die gesamte Länge. Er liegt an beiden Enden auf je einem Auflager. Bestimme die Auflagerkräfte.
Gegeben: l = 10 m, q = 400 N/m
Gesucht: A, B in N
Lösungsweg:
F_R = 400 · 10 = 4000 N, greift mittig an → symmetrisch
Ergebnis: A = B = 2000 N.
Aufgabe 6: Ein Hebel ist im Gleichgewicht. Links wirkt 240 N im Abstand 0,5 m vom Drehpunkt, rechts eine Kraft F im Abstand 0,3 m. Bestimme F.
Gegeben: F_l = 240 N, a_l = 0,5 m, a_r = 0,3 m
Gesucht: F in N
Lösungsweg:
ΣM = 0 → 240 · 0,5 = F · 0,3 → F = 120 / 0,3
Ergebnis: F = 400 N.
Aufgabe 7: Ein Träger der Stützweite 8 m liegt links auf Festlager A, rechts auf Loslager B. Eine gleichmäßige Streckenlast von 600 N/m wirkt über die gesamte Länge, zusätzlich eine Einzellast von 4000 N im Abstand 6 m von A. Bestimme die Auflagerkräfte.
Gegeben: l = 8 m, q = 600 N/m, F = 4000 N, a = 6 m
Gesucht: A, B in N
Lösungsweg:
F_R = 600 · 8 = 4800 N, greift bei 4 m an. ΣM(A) = 0 → 4800 · 4 + 4000 · 6 − B · 8 = 0 → B = (19200 + 24000) / 8 = 43200 / 8 = 5400 N; ΣF_y = 0 → A = 4800 + 4000 − 5400 = 3400 N
Ergebnis: A = 3400 N, B = 5400 N.
Aufgabe 8: Eine Last von 5000 N hängt an zwei unsymmetrischen Seilen: das linke unter 30°, das rechte unter 60° gegen die Waagrechte. Bestimme die beiden Seilkräfte.
Gegeben: G = 5000 N, alpha = 30°, beta = 60°
Gesucht: S_1, S_2 in N
Lösungsweg:
ΣF_x = 0 → S_1 · cos30° = S_2 · cos60° → S_1 · 0,866 = S_2 · 0,5 → S_1 = 0,577 · S_2
ΣF_y = 0 → S_1 · sin30° + S_2 · sin60° = 5000 → 0,577 · S_2 · 0,5 + S_2 · 0,866 = 5000 → S_2 · (0,289 + 0,866) = 5000 → S_2 = 5000 / 1,155 = 4330 N; S_1 = 0,577 · 4330 = 2500 N
Ergebnis: S_1 ≈ 2500 N, S_2 ≈ 4330 N. Das flachere Seil (30°) trägt die größere Kraft.
Aufgabe 9: Ein Kragträger ist links fest eingespannt und 2 m lang. Am freien Ende wirkt eine senkrechte Last von 3000 N, zusätzlich eine gleichmäßige Streckenlast von 500 N/m über die gesamte Länge. Bestimme die senkrechte Auflagerkraft und das Einspannmoment.
Gegeben: l = 2 m, F = 3000 N, q = 500 N/m
Gesucht: A_v in N, M_A in Nm
Lösungsweg:
F_R = 500 · 2 = 1000 N, greift bei 1 m an. ΣF_y = 0 → A_v = 3000 + 1000 = 4000 N; ΣM(Einspannung) = 0 → M_A = 3000 · 2 + 1000 · 1 = 6000 + 1000 = 7000 Nm
Ergebnis: A_v = 4000 N, M_A = 7000 Nm.
Aufgabe 10: Ein Träger der Stützweite 10 m liegt links auf Festlager A, rechts auf Loslager B. Im Abstand 3 m von A wirkt eine schräge Einzellast von 2000 N unter 60° gegen die Waagrechte (nach oben gerichtet, Zugrichtung zur Last hin). Bestimme die senkrechte Auflagerkraft an B sowie die waagrechte Reaktion am Festlager A.
Gegeben: l = 10 m, F = 2000 N, alpha = 60°, a = 3 m
Gesucht: B in N, A_h in N
Lösungsweg:
senkrechte Komponente F_y = 2000 · sin60° = 1732 N, waagrechte F_x = 2000 · cos60° = 1000 N. ΣM(A) = 0 → F_y · 3 − B · 10 = 0 → B = 1732 · 3 / 10 = 519,6 N. Die waagrechte Kraft kann nur das Festlager aufnehmen: ΣF_x = 0 → A_h = 1000 N
Ergebnis: B ≈ 519,6 N, A_h = 1000 N.
Ein eingespannter Kragträger trägt am freien Ende eine senkrechte Last. Welche Reaktionsgrößen treten an der Einspannung auf?
- a) Eine senkrechte Kraft und ein Moment
- b) Eine senkrechte und eine waagrechte Kraft
- c) Nur eine senkrechte Kraft
- d) Nur ein Moment
Richtig: a)
Die senkrechte Last erfordert eine senkrechte Reaktionskraft und – wegen des Hebelarms zur Einspannung – ein Reaktionsmoment. Eine waagrechte Kraft tritt mangels waagrechter Last nicht auf. a ist richtig; c vergisst das Moment, b führt eine nicht vorhandene Kraft ein, d vergisst die Kraft.
Eine Last hängt an zwei symmetrischen Seilen. Bei welchem Winkel gegen die Waagrechte ist die Seilkraft am kleinsten?
- a) Bei sehr flachem Winkel nahe 0°
- b) Bei steilem Winkel nahe 90°
- c) Die Seilkraft ist winkelunabhängig
- d) Bei genau 45°
Richtig: b)
Je steiler die Seile (näher an senkrecht), desto größer die senkrechte Komponente pro Seil und desto kleiner die nötige Seilkraft. Im Grenzfall senkrecht trägt jedes Seil genau die halbe Last. b ist richtig; a liefert die größte Kraft, c und d sind falsch.
Ein Träger liegt auf einem Loslager und einem Festlager. Warum ist dieses System mit den Gleichgewichtsbedingungen lösbar?
- a) Weil beide Lager je drei Kräfte liefern
- b) Weil keine Momente auftreten
- c) Weil die Last immer mittig liegt
- d) Weil insgesamt drei unbekannte Reaktionsgrößen genau drei Gleichungen gegenüberstehen
Richtig: d)
Loslager (1) plus Festlager (2) ergeben drei Unbekannte, denen die drei Gleichgewichtsbedingungen der Ebene gegenüberstehen – eindeutig lösbar. d ist richtig; a zählt falsch, b und c sind unzutreffend.
Bei einer Momentenberechnung wird der senkrechte Abstand zwischen Bezugspunkt und Wirkungslinie der Kraft benötigt. Was passiert mit dem Moment einer Kraft, deren Wirkungslinie durch den Bezugspunkt verläuft?
- a) Es wird maximal
- b) Es ist null
- c) Es ist gleich der Kraft
- d) Es kehrt sein Vorzeichen um
Richtig: b)
Verläuft die Wirkungslinie durch den Bezugspunkt, ist der Hebelarm null, also das Moment null. b ist richtig; a ist das Gegenteil, c verwechselt Größen, d ist falsch.
Eine Streckenlast von 300 N/m wirkt über 4 m. Welche Aussage über die Ersatzkraft ist richtig?
- a) 1200 N, greift am Anfang der Strecke an
- b) 75 N, greift mittig an
- c) 1200 N, greift in der Mitte der belasteten Strecke an
- d) 300 N, greift mittig an
Richtig: c)
F_R = 300 · 4 = 1200 N; bei gleichmäßiger Last greift sie mittig an. c ist richtig; a hat den falschen Angriffspunkt, b und d sind falsch berechnet.
Warum darf man eine angenommene Richtung für eine unbekannte Reaktionskraft einfach festlegen?
- a) Weil die Richtung das Ergebnis nicht beeinflusst und ein negatives Vorzeichen die wahre Richtung anzeigt
- b) Weil Reaktionskräfte immer nach oben zeigen
- c) Weil die Richtung geraten werden muss und Fehler unvermeidlich sind
- d) Weil nur der Betrag interessiert und Richtungen egal sind
Richtig: a)
Die Annahme dient nur dem Aufstellen der Gleichungen. Stimmt sie nicht, liefert die Rechnung ein negatives Vorzeichen und damit die korrekte Richtung. a ist richtig; b ist falsch, c ist unnötig pessimistisch, d ignoriert die Bedeutung der Richtung.
Ein Träger der Stützweite 5 m trägt 2500 N im Abstand 1 m von A. Welche Auflagerkraft ergibt sich an A?
- a) 500 N
- b) 1250 N
- c) 2500 N
- d) 2000 N
Richtig: d)
B = 2500 · 1 / 5 = 500 N; A = 2500 − 500 = 2000 N. Die Last liegt nahe A, also trägt A mehr. d ist richtig; a ist die Kraft an B, b gilt nur bei mittiger Last, c wäre nur bei Last direkt über A.
Was unterscheidet ein zentrales von einem allgemeinen Kraftsystem in der praktischen Berechnung?
- a) Das zentrale System braucht mehr Gleichungen
- b) Das allgemeine System benötigt zusätzlich die Momentenbedingung
- c) Beim zentralen System treten keine Kräfte auf
- d) Das allgemeine System hat immer nur eine Unbekannte
Richtig: b)
Beim zentralen System genügen die zwei Kräftebedingungen, weil kein Moment entsteht. Beim allgemeinen System greifen die Kräfte an verschiedenen Punkten an, daher ist die Momentenbedingung zusätzlich nötig. b ist richtig; a ist das Gegenteil, c und d sind falsch.
Eine Konstruktion hat fünf unbekannte Reaktionskräfte in der Ebene. Was lässt sich aussagen?
- a) Sie ist statisch überbestimmt und allein mit Gleichgewicht nicht eindeutig lösbar
- b) Sie hat zu wenige Lager
- c) Sie ist mit den Gleichgewichtsbedingungen eindeutig lösbar
- d) Sie ist nicht im Gleichgewicht
Richtig: a)
In der Ebene gibt es nur drei unabhängige Gleichgewichtsbedingungen. Fünf Unbekannte übersteigen das, das System ist überbestimmt und allein mit Statik-Gleichungen nicht eindeutig lösbar. a ist richtig; c zählt falsch, b ist das Gegenteil, d verwechselt Lösbarkeit mit Gleichgewicht.
Beim Freischneiden eines Bauteils mit Festlager und Loslager – welche Kräfte gehören ins Freikörperbild?
- a) Nur die äußeren Lasten
- b) Nur die Auflagerkräfte
- c) Die äußeren Lasten und sämtliche Auflagerreaktionen beider Lager
- d) Nur die senkrechten Kräfte
Richtig: c)
Ein vollständiges Freikörperbild enthält alle äußeren Lasten plus alle Reaktionen jeder entfernten Bindung – hier die zwei Kräfte des Festlagers und die eine des Loslagers. c ist richtig; a und b sind unvollständig, d unterschlägt waagrechte Kräfte.
Glossar
- Statik
- Teilgebiet der Mechanik, das ruhende Körper und die an ihnen wirkenden Kräfte untersucht.
- Freischneiden
- gedankliches Lösen eines Bauteils aus seiner Umgebung, wobei jede Bindung durch die von ihr ausgeübte Kraft ersetzt wird.
- Freikörperbild
- Darstellung des isolierten Bauteils mit allen äußeren Kräften und Momenten samt Richtung und Angriffspunkt.
- Loslager
- Auflager, das nur eine Reaktionskraft (meist senkrecht zur Auflagerfläche) überträgt und Verschiebung in einer Richtung zulässt.
- Festlager
- Auflager, das zwei Reaktionskräfte (waagrecht und senkrecht) überträgt, aber Drehung zulässt.
- Feste Einspannung
- Auflager, das zwei Kräfte und ein Moment überträgt und alle Bewegungen sperrt.
- Gleichgewicht
- Zustand eines Körpers, der weder eine resultierende Verschiebung noch eine resultierende Drehung erfährt.
- Moment
- Drehwirkung einer Kraft um einen Punkt, berechnet als Kraft mal senkrechter Hebelarm.
- Zentrales Kraftsystem
- Kraftsystem, bei dem sich alle Wirkungslinien in einem gemeinsamen Punkt schneiden, sodass kein Moment entsteht.
- Allgemeines Kraftsystem
- Kraftsystem, bei dem die Wirkungslinien sich nicht in einem Punkt schneiden, sodass die Momentenbedingung benötigt wird.
- Streckenlast
- über eine Länge verteilte Last, angegeben als Kraft pro Längeneinheit, die für die Berechnung durch eine resultierende Einzellast im Schwerpunkt der Lastfläche ersetzt wird.
