Dehnungsmessstreifen (DMS)
Wenn sich ein Stahlträger unter Last durchbiegt, dehnt sich sein Material an der Oberfläche um Bruchteile eines Promille. Mit bloßem Auge sieht man davon nichts. Ein Dehnungsmessstreifen macht genau diese winzige Verformung sichtbar — er wandelt sie in eine elektrische Größe um, die man messen, verstärken und weiterverarbeiten kann. Das Prinzip steckt heute in fast jeder elektronischen Waage, in Kranüberwachungen, in Drehmomentprüfständen und in der Bauteilüberwachung. Dieser Beitrag zeigt, wie ein DMS aufgebaut ist, warum sich sein Widerstand mit der Dehnung ändert und warum man ihn fast nie allein, sondern in einer Brückenschaltung betreibt.
Vorwissen
- Elektrischer Widerstand und spezifischer Widerstand
- Festigkeitslehre: Spannung und Dehnung
- Die Kirchhoffschen Gesetze
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, wie ein DMS eine mechanische Dehnung in eine Widerstandsänderung umwandelt
- den k-Faktor anwenden und aus einer Dehnung die Widerstandsänderung berechnen — und umgekehrt
- begründen, warum DMS in einer Wheatstone-Brücke betrieben werden, und Viertel-, Halb- und Vollbrücke unterscheiden
- den Einfluss von Temperatur und Leitungswiderstand auf das Messergebnis abschätzen
- eine DMS-Messstelle sinnvoll anschließen und typische Fehlerquellen erkennen
1. Was ein DMS macht und wofür man ihn braucht
Jedes Bauteil verformt sich unter Last. Ein Zugstab wird länger, eine Welle verdreht sich, ein Träger biegt sich durch. Diese Verformung ist meist so klein, dass man sie nicht sieht — aber sie ist da, und sie verrät, wie stark das Bauteil belastet wird. Genau hier setzt der Dehnungsmessstreifen an, kurz DMS.
Ein DMS ist ein flacher Streifen, der fest auf die Oberfläche eines Bauteils geklebt wird. Verformt sich das Bauteil, verformt sich der DMS mit. Und diese Verformung verändert seinen elektrischen Widerstand. Man misst also keinen Druck und keine Kraft direkt, sondern die Dehnung — also die relative Längenänderung des Materials — und schließt daraus auf die eigentliche Belastung.
Die Dehnung bezeichnet man mit dem Formelzeichen ε (Epsilon). Sie ist das Verhältnis von Längenänderung zur ursprünglichen Länge und damit eine reine Verhältniszahl ohne Einheit. Wie aus mechanischer Spannung Dehnung wird und wie beide über den Elastizitätsmodul zusammenhängen, ist Stoff der Festigkeitslehre — hier reicht uns, dass ein belastetes Bauteil sich dehnt und dass diese Dehnung das ist, was der DMS erfasst.
Wofür braucht man das in der Praxis? Überall dort, wo man eine Kraft, ein Gewicht, einen Druck oder ein Drehmoment elektrisch erfassen will:
- Wägezellen in elektronischen Waagen — vom Küchengerät bis zur LKW-Brückenwaage
- Kraftaufnehmer in Prüfmaschinen und Pressen
- Drehmomentmessung an Wellen und Prüfständen
- Bauteil- und Bauwerksüberwachung, etwa an Kranauslegern, Brücken oder Tankbehältern
Eine Wägezelle zeigt bei korrekter Kalibrierung trotzdem ein vom Lastwechsel abhängiges Gewicht an, obwohl die aufgelegte Masse konstant bleibt. Welche Aussage beschreibt das zugrunde liegende Messprinzip korrekt?
- a) Der DMS erfasst die Dehnung des Wägekörpers, aus der das Gewicht berechnet wird
- b) Der DMS misst direkt die Gewichtskraft über eine eingebaute Federwaage
- c) Der DMS misst die Masse über die Trägheit des Wägekörpers
- d) Der DMS wandelt Druck unmittelbar in eine Spannung um, ohne Verformung
Richtig: a)
Ein DMS erfasst immer die Dehnung der Oberfläche, auf die er geklebt ist. In einer Wägezelle verformt die Last einen Metallkörper, dessen Dehnung der DMS misst — daraus wird das Gewicht berechnet. Antwort b und c unterstellen ein direktes Kraft- oder Massemessprinzip, das es beim DMS nicht gibt; d übergeht, dass ohne Verformung des Trägermaterials keine Widerstandsänderung entsteht.
Warum spricht man beim DMS von einem indirekten Messverfahren für Kraft?
- a) Weil der DMS nur bei Wechsellast funktioniert
- b) Weil der DMS die Kraft nur über Umwege per Funk überträgt
- c) Weil die Kraft erst über die Dehnung des Bauteils erfasst und dann zurückgerechnet wird
- d) Weil die Messung ausschließlich nach dem Entlasten erfolgt
Richtig: c)
Der DMS erfasst die Dehnung als Zwischengröße; die eigentlich gesuchte Kraft wird über den bekannten Zusammenhang zwischen Last und Dehnung des Bauteils berechnet. Deshalb ist es ein indirektes Verfahren. Die anderen Antworten beschreiben keine Eigenschaft des Messprinzips.
2. Aufbau und Funktionsprinzip
Ein DMS besteht im CORE aus einem dünnen elektrischen Leiter, der in vielen engen Schlaufen hin- und herläuft — das sogenannte Messgitter. Bei den heute üblichen Folien-DMS ist dieses Gitter eine geätzte Metallfolie, nur wenige Mikrometer dick, aufgebracht auf eine dünne Trägerfolie aus Kunststoff. An den beiden Enden des Gitters sitzen die Anschlusspunkte für die Messleitungen.
Das Mäander-Muster hat einen guten Grund: Es bringt eine möglichst große Leiterlänge in der Messrichtung auf engem Raum unter. Je länger der Leiter in Messrichtung, desto deutlicher die Widerstandsänderung bei Dehnung. Die Querverbindungen der Schlaufen sind dagegen breit ausgeführt, damit eine Dehnung quer zur Messrichtung das Ergebnis möglichst wenig verfälscht.
Der DMS wird mit einem speziellen Klebstoff vollflächig auf das Bauteil geklebt. Diese Klebung ist nicht nur Befestigung — sie ist Teil der Messung. Nur wenn der DMS die Verformung des Bauteils vollständig und ohne Schlupf mitmacht, misst er die Dehnung richtig. Die Richtung, in der das Messgitter verläuft, ist die Messrichtung: Der DMS reagiert vor allem auf Dehnung entlang dieser Richtung.
Warum ändert sich nun der Widerstand? Erinnern wir uns an den Zusammenhang für den Widerstand eines Leiters:
R = rho * l / A
- R … Widerstand in Ohm
- rho … spezifischer Widerstand in Ohm·mm²/m
- l … Leiterlänge in m
- A … Querschnittsfläche in mm²
Wird der DMS gedehnt, passieren zwei Dinge gleichzeitig: Der Leiter wird länger (l steigt), und durch die Querkontraktion wird er gleichzeitig dünner (A sinkt). Beide Effekte erhöhen den Widerstand. Bei vielen Werkstoffen kommt noch eine kleine Änderung des spezifischen Widerstands hinzu. Unterm Strich gilt: Dehnung vergrößert den Widerstand, Stauchung verkleinert ihn.
Ein DMS wird so aufgeklebt, dass seine Messrichtung quer zur erwarteten Hauptdehnungsrichtung des Bauteils liegt. Welche Folge hat das?
- a) Die Messung wird empfindlicher, weil die Querdehnung größer ist
- b) Die Klebung löst sich durch die Fehlausrichtung
- c) Der Widerstand bleibt grundsätzlich konstant
- d) Der DMS misst kaum die eigentliche Hauptdehnung und liefert ein stark verfälschtes Ergebnis
Richtig: d)
Ein DMS reagiert vor allem auf Dehnung entlang seiner Messrichtung. Liegt diese quer zur Hauptdehnung, erfasst er hauptsächlich die meist kleinere Querdehnung und unterschätzt die eigentliche Belastung erheblich. Die Empfindlichkeit steigt dadurch nicht (a), die Klebung ist von der Ausrichtung unabhängig (b), und der Widerstand ändert sich sehr wohl, nur eben passend zur falschen Richtung (c).
Warum sind die Querverbindungen im Mäander-Messgitter breiter ausgeführt als die Längsbahnen?
- a) Um die Querempfindlichkeit gering zu halten
- b) Um den Gesamtwiderstand zu erhöhen
- c) Um die Klebefläche zu vergrößern
- d) Um die Trägerfolie zu verstärken
Richtig: a)
Breite Querverbindungen haben in Querrichtung einen kleinen Widerstandsanteil und ändern sich bei Querdehnung kaum. So bleibt der DMS überwiegend in Längsrichtung empfindlich. Die Breite senkt den Widerstand eher, statt ihn zu erhöhen (b); mit Klebefläche oder Trägerverstärkung hat das nichts zu tun (c, d).
Beim Dehnen eines DMS steigt sein Widerstand. Welche Kombination von Effekten ist dafür verantwortlich?
- a) Leiter wird kürzer und dicker
- b) Nur der spezifische Widerstand sinkt
- c) Leiter wird länger und dünner
- d) Nur die Querschnittsfläche steigt
Richtig: c)
Beim Dehnen nimmt die Leiterlänge zu und der Querschnitt durch Querkontraktion ab. Nach R = rho·l/A erhöhen beide Effekte den Widerstand. Antwort a beschreibt eine Stauchung, b und d nennen jeweils nur einen unvollständigen oder falsch gerichteten Einzeleffekt.
3. Der k-Faktor und die Grundgleichung
Wir brauchen jetzt einen handfesten Zusammenhang zwischen Dehnung und Widerstandsänderung. Beginnen wir mit der Dehnung selbst. Sie ist definiert als Längenänderung bezogen auf die Ausgangslänge:
epsilon = delta_L / L
- epsilon … Dehnung (ohne Einheit)
- delta_L … Längenänderung in mm
- L … ursprüngliche Länge in mm
Dehnungen im Maschinenbau sind klein. Ein hoch belasteter Stahlbauteil dehnt sich vielleicht um 0,001 — also ein Promille. Damit man nicht ständig mit vielen Nullen hantiert, gibt man Dehnung oft in Mikrostrain an, kurz µε. Dabei gilt: 1 µε entspricht einer Dehnung von 0,000001. Eine Dehnung von 0,001 sind also 1000 µε.
Nun der zentrale Zusammenhang des DMS. Die relative Widerstandsänderung ist proportional zur Dehnung. Der Proportionalitätsfaktor ist der k-Faktor (auch Gauge-Faktor genannt):
delta_R / R = k * epsilon
- delta_R … Widerstandsänderung in Ohm
- R … Grundwiderstand des DMS in Ohm
- k … k-Faktor (ohne Einheit)
- epsilon … Dehnung (ohne Einheit)
Der k-Faktor beschreibt, wie empfindlich der DMS auf Dehnung reagiert. Bei den üblichen Metallfolien-DMS liegt er bei etwa 2. Das heißt: Eine relative Dehnung wird mit dem Faktor 2 in eine relative Widerstandsänderung übersetzt. Der genaue Wert steht im Datenblatt des jeweiligen DMS und geht in jede Auswertung ein.
Jetzt wird klar, warum die Sache messtechnisch knifflig ist. Nehmen wir einen 350-Ω-DMS mit k = 2 and eine kräftige Dehnung von 1000 µε:
delta_R = k * epsilon * R = 2 * 0,001 * 350 Ohm = 0,7 Ohm
Aus 350 Ω werden 350,7 Ω. Die Änderung beträgt gerade einmal zwei Promille des Grundwiderstands — und das schon bei kräftiger Last. Bei realistischen Betriebslasten reden wir oft über Änderungen im Bereich von Hundertstel-Ohm. Ein normales Ohmmeter kann so etwas am rauschenden Grundwiderstand nicht zuverlässig auflösen. Diese Winzigkeit ist der Grund, warum man im nächsten Kapitel zur Brückenschaltung greift.
In der Praxis braucht man den Zusammenhang in beide Richtungen. Mal kennt man die Dehnung und will wissen, wie groß die Widerstandsänderung wird (etwa bei der Auslegung). Mal hat man die Widerstandsänderung gemessen und will daraus die tatsächliche Dehnung — und über die ursprüngliche Länge auch die Längenänderung — bestimmen. Letzteres ist bei der Bauteilüberwachung der Normalfall.
Gelöstes Beispiel
An einem Zugstab ist ein Folien-DMS mit einem Grundwiderstand von 120 Ω und einem k-Faktor von 2,05 aufgeklebt. Unter Last wird eine Widerstandsänderung von 0,18 Ω gemessen. Wie groß ist die Dehnung in µε?
Gegeben: R = 120 Ω, k = 2,05, delta_R = 0,18 Ω
Gesucht: Dehnung epsilon in µε
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Grundgleichung nach ε umstellen: epsilon = (delta_R / R) / k
- Schritt 2 — Werte einsetzen: epsilon = (0,18 / 120) / 2,05 = 0,0015 / 2,05 = 0,000732
- Schritt 3 — in Mikrostrain umrechnen: epsilon = 0,000732 * 1000000 = 732 µε
Ergebnis: Die Dehnung beträgt rund 732 µε.
Übungen
Ein DMS hat R = 350 Ω und k = 2,0. Welche Widerstandsänderung entsteht bei einer Dehnung von 500 µε?
delta_R = k · ε · R = 2,0 · 0,0005 · 350 = 0,35 Ω
Ein DMS mit k = 2,1 and R = 120 Ω zeigt eine Widerstandsänderung von 0,063 Ω. Wie groß ist die Dehnung in µε?
ε = (0,063/120)/2,1 = 0,00025 = 250 µε
Bei einer Messstrecke von 60 mm Ausgangslänge wird eine Dehnung von 800 µε ermittelt. Wie groß ist die Längenänderung ΔL?
ΔL = ε · L = 0,0008 · 60 mm = 0,048 mm
Ein DMS mit R = 350 Ω und k = 2,0 wird gestaucht; gemessen werden −0,21 Ω. Welche Dehnung in µε liegt vor und welches Vorzeichen hat sie?
ε = (−0,21/350)/2,0 = −0,0003 = −300 µε; negatives Vorzeichen, also Stauchung
Zwei DMS sollen verglichen werden: DMS A (k = 2,0) und DMS B (k = 2,2), beide R = 350 Ω, beide bei 600 µε. Wie groß ist der Unterschied der Widerstandsänderungen in Prozent?
delta_R fuer A = 2,0 · 0,0006 · 350 = 0,42 Ω; delta_R fuer B = 2,2 · 0,0006 · 350 = 0,462 Ω; Unterschied = (0,462 − 0,42)/0,42 = 0,10 = 10 % (entspricht dem k-Faktor-Verhältnis 2,2/2,0)
Ein 350-Ω-DMS mit k = 2 wird mit 200 µε gedehnt. Welche Widerstandsänderung ergibt sich, und warum ist sie messtechnisch anspruchsvoll?
- a) 0,14 Ω — anspruchsvoll, weil sie im Verhältnis zum Grundwiderstand sehr klein ist
- b) 1,4 Ω — anspruchsvoll, weil sie den Grundwiderstand übersteigt
- c) 14 Ω — unkritisch, leicht direkt messbar
- d) 0,0014 Ω — unkritisch, weil vernachlässigbar
Richtig: a)
ΔR = k·ε·R = 2·0,0002·350 = 0,14 Ω. Das sind nur 0,04 % des Grundwiderstands, also schwer von Rauschen und Temperaturdrift zu trennen — genau deshalb braucht man eine Brückenschaltung. b und c liegen rechnerisch um Faktor 10 bzw. 100 daneben, d um Faktor 100 zu niedrig.
Warum gibt man Dehnungen beim DMS meist in Mikrostrain statt als reine Verhältniszahl an?
- a) Weil Mikrostrain eine andere physikalische Größe ist
- b) Weil der k-Faktor nur in Mikrostrain gilt
- c) Weil Mikrostrain temperaturunabhängig ist
- d) Weil die Werte sonst sehr viele Nachkommastellen hätten
Richtig: d)
Dehnungen liegen typisch im Bereich 0,000xxx. In Mikrostrain wird daraus eine handliche Zahl wie 300 oder 1000. Es ist dieselbe Größe, nur anders skaliert (a falsch); der k-Faktor ist von der Schreibweise unabhängig (b), und mit Temperatur hat die Einheit nichts zu tun (c).
Ein DMS zeigt eine negative Widerstandsänderung. Was bedeutet das mechanisch?
- a) Das Bauteil wird gestaucht statt gedehnt
- b) Der DMS ist defekt
- c) Der k-Faktor ist negativ geworden
- d) Die Temperatur ist gesunken
Richtig: a)
Negative Dehnung bedeutet Stauchung; der Leiter wird kürzer und dicker, der Widerstand sinkt. Das ist ein völlig normaler Betriebszustand, etwa auf der Druckseite eines gebogenen Trägers. Der k-Faktor bleibt positiv (c), und ein Defekt (b) oder reiner Temperatureffekt (d) lässt sich daraus nicht ableiten.
4. Die Wheatstone-Brücke — warum man sie braucht
Im letzten Kapitel haben wir gesehen, dass die Widerstandsänderung eines DMS winzig ist — Bruchteile eines Ohm bei einem Grundwiderstand von einigen hundert Ohm. Diese kleine Änderung direkt am großen Grundwiderstand abzulesen, ist wie einen Wassertropfen in einem vollen Eimer zu wiegen. Die Lösung ist eine Wheatstone-Brücke: eine Schaltung aus vier Widerständen, die nicht den Absolutwert, sondern die Abweichung sichtbar macht.
Die Brücke besteht aus vier Widerständen in einer Raute. An zwei gegenüberliegenden Eckpunkten wird die Speisespannung U_B angelegt, an den beiden anderen wird die Ausgangsspannung U_A abgegriffen.
Sind alle vier Widerstände gleich groß, ist die Brücke abgeglichen: Die Ausgangsspannung U_A ist null. Ändert sich nun einer der Widerstände — weil ein DMS gedehnt wird — gerät die Brücke aus dem Gleichgewicht, und am Abgriff erscheint eine kleine Spannung U_A. Diese Spannung nennt man die Brückenverstimmung. Sie ist null im unbelasteten Zustand und wächst proportional mit der Dehnung. Genau das wollten wir: ein Signal, das bei null beginnt und nicht im großen Grundwiderstand untergeht.
Für DMS interessiert nur der Fall kleiner Widerstandsänderungen, also ΔR sehr viel kleiner als R. In diesem Bereich gilt für eine Viertelbrücke — ein aktiver DMS, drei feste Widerstände — näherungsweise:
U_A = (U_B / 4) * k * epsilon
- U_A … Brücken-Ausgangsspannung in mV
- U_B … Speisespannung der Brücke in V
- k … k-Faktor (ohne Einheit)
- epsilon … Dehnung (ohne Einheit)
Den Nullabgleich-Betrieb klassischer Messbrücken zur reinen Widerstandsbestimmung lassen wir bewusst weg — beim DMS arbeitet man immer im verstimmten Bereich mit kleinen Änderungen.
Jetzt der entscheidende Trick: Man muss nicht nur einen DMS einsetzen. Setzt man mehrere aktive DMS sinnvoll in die Brückenzweige, addieren sich ihre Beiträge.
- Viertelbrücke: ein aktiver DMS, Faktor 1. Einfachster Aufbau, kleinstes Signal.
- Halbbrücke: zwei aktive DMS, Faktor 2. Werden sie so angeordnet, dass einer gedehnt und einer gestaucht wird (etwa Ober- und Unterseite eines Biegebalkens), verdoppelt sich das Signal.
- Vollbrücke: vier aktive DMS, Faktor 4. Maximales Signal und beste Störungsunterdrückung.
Allgemein gilt für das Brückensignal:
U_A = (U_B / 4) * n * k * epsilon
- U_A … Brücken-Ausgangsspannung in mV
- U_B … Speisespannung der Brücke in V
- n … Brückenfaktor (1 Viertel-, 2 Halb-, 4 Vollbrücke)
- k … k-Faktor (ohne Einheit)
- epsilon … Dehnung (ohne Einheit)
Die Vollbrücke liefert bei gleicher Dehnung das vierfache Signal einer Viertelbrücke. Dazu kommt ein zweiter, ebenso wichtiger Vorteil: Temperaturkompensation. Erwärmt sich das Bauteil, ändern alle DMS in der Brücke ihren Widerstand gleichsinnig. In der Brückenanordnung heben sich diese gleichsinnigen Änderungen weitgehend auf, weil die Brücke nur auf Unterschiede zwischen den Zweigen reagiert. Eine reine Temperaturdehnung verstimmt die Brücke also kaum — nur die mechanische Last tut es.
Gelöstes Beispiel
Eine Viertelbrücke wird mit 5 V gespeist. Der DMS hat k = 2,0. Bei Belastung tritt eine Dehnung von 800 µε auf. Wie groß ist die Brücken-Ausgangsspannung in mV?
Gegeben: U_B = 5 V, n = 1 (Viertelbrücke), k = 2,0, ε = 800 µε = 0,0008
Gesucht: U_A in mV
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Grundgleichung: U_A = (U_B / 4) · n · k · ε
- Schritt 2 — Werte einsetzen: U_A = (5 / 4) · 1 · 2,0 · 0,0008 = 1,25 · 2,0 · 0,0008 = 0,002 V
- Schritt 3 — in mV umrechnen: U_A = 0,002 V · 1000 = 2,0 mV
Ergebnis: Die Ausgangsspannung beträgt 2,0 mV.
Übungen
Dieselbe Brücke wie im Beispiel, aber als Vollbrücke (n = 4). Wie groß ist U_A?
U_A = (5/4)·4·2,0·0,0008 = 0,008 V = 8,0 mV
Eine Halbbrücke mit U_B = 10 V, k = 2,05 und ε = 500 µε. Wie groß ist U_A in mV?
U_A = (10/4)·2·2,05·0,0005 = 2,5·2·2,05·0,0005 = 0,005125 V ≈ 5,13 mV
Eine Viertelbrücke liefert 1,5 mV bei U_B = 5 V und k = 2,0. Wie groß ist die Dehnung in µε?
ε = U_A·4/(U_B·k) = 0,0015·4/(5·2,0) = 0,0006 = 600 µε
Um welchen Faktor steigt das Signal, wenn man von Viertel- auf Vollbrücke wechselt — bei sonst gleichen Werten?
Faktor n: von 1 auf 4, also vierfaches Signal
Eine Vollbrücke (U_B = 5 V, k = 2,1) soll bei Volllast 12 mV liefern. Welche Dehnung muss bei Volllast auftreten?
ε = U_A·4/(U_B·n·k) = 0,012·4/(5·4·2,1) = 0,048/42 = 0,001143 ≈ 1143 µε
Eine Vollbrücke und eine Viertelbrücke werden mit identischer Speisespannung, gleichem k-Faktor und gleicher Dehnung betrieben. Wie verhalten sich ihre Ausgangsspannungen?
- a) Die Vollbrücke liefert das vierfache Signal
- b) Gleich, weil die Dehnung gleich ist
- c) Die Vollbrücke liefert das doppelte Signal
- d) Die Viertelbrücke liefert das größere Signal
Richtig: a)
Das Signal ist proportional zum Brückenfaktor n: Viertelbrücke n = 1, Vollbrücke n = 4. Bei sonst gleichen Größen ergibt sich das vierfache Signal. Der Faktor 2 (c) gilt für die Halbbrücke; b und d widersprechen der Grundgleichung U_A = (U_B/4)·n·k·ε.
Warum kompensiert eine geeignet aufgebaute Brücke den Temperatureinfluss weitgehend?
- a) Weil DMS temperaturunabhängig sind
- b) Weil die Speisespannung mit der Temperatur sinkt
- c) Weil sich gleichsinnige Widerstandsänderungen in der Brücke aufheben
- d) Weil der k-Faktor mit der Temperatur konstant null wird
Richtig: c)
Die Brücke reagiert nur auf Unterschiede zwischen den Zweigen. Eine Temperaturänderung wirkt auf alle DMS gleichsinnig und verstimmt die Brücke daher kaum. DMS sind sehr wohl temperaturempfindlich (a), die Speisespannung ist nicht der Grund (b), und der k-Faktor wird nicht null (d).
Im abgeglichenen Zustand einer DMS-Brücke gilt für die Ausgangsspannung:
- a) U_A = U_B
- b) U_A ist maximal
- c) U_A schwankt zufällig
- d) U_A = 0
Richtig: d)
Sind die Brückenzweige im Gleichgewicht, ist die Spannungsdifferenz am Abgriff null. Erst eine Verstimmung durch Dehnung erzeugt ein Signal. U_A = U_B (a) und „maximal“ (b) widersprechen dem Brückenprinzip; ein zufälliges Schwanken (c) wäre ein Störungsbild, kein Sollzustand.
Eine Halbbrücke soll das doppelte Signal einer Viertelbrücke liefern. Welche Bedingung muss erfüllt sein?
- a) Beide DMS müssen exakt gleich gedehnt werden
- b) Der zweite DMS muss gegensinnig zum ersten arbeiten und im passenden Zweig sitzen
- c) Die Speisespannung muss verdoppelt werden
- d) Beide DMS müssen denselben Grundwiderstand wie das Bauteil haben
Richtig: b)
Der Faktor 2 entsteht nur, wenn der zweite DMS gegensinnig wirkt (z. B. Stauchung gegen Dehnung am Biegebalken) und richtig in die Brücke geschaltet ist. Gleichsinnige Dehnung (a) brings diesen Gewinn nicht; eine verdoppelte Speisespannung (c) wäre ein anderer Hebel, kein Halbbrücken-Effekt; d ist für die Signalverdopplung irrelevant.
5. Anschluss, Fehlerquellen und Praxis
Eine DMS-Messung ist nur so gut wie ihr Anschluss. Drei Themen entscheiden in der Praxis über brauchbare oder unbrauchbare Ergebnisse: Temperatur, Leitungswiderstand und die mechanische Ausführung der Messstelle.
Temperatureinfluss. Ein DMS ändert seinen Widerstand nicht nur durch Dehnung, sondern auch durch Temperatur — und zwar in einer Größenordnung, die echte Messsignale überdecken kann. Die wirksamste Gegenmaßnahme haben wir schon kennengelernt: die Brückenschaltung. In Halb- und Vollbrücken heben sich gleichsinnige Temperatureffekte weitgehend auf. Arbeitet man mit einer Viertelbrücke, setzt man oft einen zweiten, mechanisch unbelasteten Kompensations-DMS ein. Er sitzt auf demselben Material, erfährt dieselbe Temperatur, aber keine Last — und hebt so den Temperaturanteil in der Brücke auf.
Leitungswiderstand. Das ist der am meisten unterschätzte Fehler. Die Zuleitungen vom DMS zum Messverstärker haben selbst einen Widerstand, und der liegt bei der einfachen Zweileiter-Schaltung in Reihe mit dem DMS. Rechnen wir das durch. Eine Viertelbrücke wertet das Verhältnis ΔR/R aus. Bei Zweileiter-Anschluss addiert sich der Leitungswiderstand R_L beider Adern zum DMS-Widerstand:
delta_R / (R + R_L) statt delta_R / R
- delta_R … Widerstandsänderung in Ohm
- R … DMS-Grundwiderstand in Ohm
- R_L … gesamter Leitungswiderstand in Ohm
Der Leitungswiderstand vergrößert den Nenner, ohne zum Nutzsignal ΔR beizutragen. Das Messsignal wird dadurch zu klein — die Anzeige unterschätzt die Dehnung. Ein Zahlenbeispiel macht die Dimension klar: Eine 50 m lange Zuleitung mit dünnem Querschnitt kann durchaus einige Ohm pro Ader bringen. Bei einem 120-Ω-DMS bedeuten 2 × 3 Ω Leitung bereits 6 Ω zusätzlich — das sind 5 % des Grundwiderstands und führen zu einem entsprechenden systematischen Messfehler. Bei langen Kabelwegen, wie sie im Kran- und Anlagenbau Standard sind, wird die Zweileiter-Schaltung damit praktisch unbrauchbar.
Die Dreileiter-Schaltung löst das Problem elegant. Statt beide Zuleitungen in denselben Brückenzweig zu legen, verteilt man sie auf zwei benachbarte Zweige: Eine Ader liegt im DMS-Zweig, eine im Nachbarzweig, die dritte ist die gemeinsame Messleitung, die (nahezu) stromlos bleibt. Da beide stromführenden Adern gleich lang sind, gleichen Querschnitt und dieselbe Temperatur haben, ist ihr Widerstand gleich groß. In der Brücke stehen sie in benachbarten Zweigen und heben sich in der Verstimmungsrechnung gegenseitig auf. Der Leitungsfehler verschwindet dadurch weitgehend — und das sogar temperaturstabil, weil sich beide Adern bei Erwärmung gleich verhalten.
Mechanische Ausführung. Die beste Schaltung nützt nichts, wenn die Messstelle schlecht vorbereitet ist. In der Praxis zählt: die Klebefläche sauber und fettfrei vorbereiten, den DMS exakt in Messrichtung ausrichten, mit dem passenden Klebstoff vollflächig und blasenfrei aufbringen und die stelle gegen Feuchtigkeit und mechanische Beschädigung schützen. Feuchtigkeit unter dem DMS ist eine klassische Fehlerquelle, weil sie den Isolationswiderstand herabsetzt und das Signal driften lässt.
Die Frage, welche Signalart ein angeschlossener Messverstärker liefert und wie Sensoren grundsätzlich angeschlossen werden — Zwei-, Drei- oder Vierleiter, analoge und digitale Schnittstellen — wird in den entsprechenden Beiträgen zu Sensor-Signalarten und Sensor-Anschlussarten vertieft. Auch die Auswahl eines geeigneten Sensors für eine konkrete Messaufgabe ist ein eigenes Thema. Für den DMS gilt als Faustregel: Brückentyp nach gewünschtem Signal und Temperaturverhalten wählen, Grundwiderstand und k-Faktor zur Auswertelektronik passend, und bei langen Leitungen immer mindestens Dreileiter-Technik.
Ein 120-Ω-DMS wird über eine lange Leitung in Zweileiter-Technik angeschlossen; der gesamte Leitungswiderstand beträgt 6 Ω. Welche Auswirkung hat das auf eine Viertelbrücken-Messung?
- a) Keine, der Leitungswiderstand ist immer vernachlässigbar
- b) Das Signal wird zu groß, die Dehnung wird überschätzt
- c) Das Signal wird zu klein, die Dehnung wird systematisch unterschätzt
- d) Die Brücke lässt sich gar nicht mehr abgleichen
Richtig: c)
Der Leitungswiderstand vergrößert den Nenner ΔR/(R+R_L), ohne zum Nutzsignal beizutragen. Das relative Signal sinkt, also wird die Dehnung unterschätzt — hier um rund 5 %. Vernachlässigbar ist das bei 6 Ω an 120 Ω nicht (a); das Signal wird kleiner, nicht größer (b); ein Abgleich bleibt grundsätzlich möglich (d).
Worauf beruht die Wirkung der Dreileiter-Schaltung beim DMS?
- a) Sie erhöht die Speisespannung automatisch
- b) Sie legt zwei gleich lange Adern in benachbarte Brückenzweige, deren Widerstände sich aufheben
- c) Sie ersetzt den DMS durch einen Kompensations-DMS
- d) Sie verdoppelt den k-Faktor
Richtig: b)
In der Dreileiter-Schaltung liegen zwei gleich lange, gleich warme Adern in benachbarten Zweigen. Ihre gleich großen Widerstände kürzen sich in der Verstimmungsrechnung heraus, der Leitungsfehler verschwindet. Mit Speisespannung (a), Kompensations-DMS (c) oder k-Faktor (d) hat das nichts zu tun.
Wozu dient ein mechanisch unbelasteter Kompensations-DMS bei einer Viertelbrücke?
- a) Er erhöht das Nutzsignal um den Faktor 2
- b) Er ersetzt die Speisespannung
- c) Er misst die Längenänderung doppelt
- d) Er gleicht den Temperatureinfluss aus, ohne selbst Last zu erfassen
Richtig: d)
Der Kompensations-DMS sitzt auf gleichem Material bei gleicher Temperatur, aber ohne mechanische Last. Seine rein thermische Widerstandsänderung hebt in der Brücke den Temperaturanteil des aktiven DMS auf. Eine Signalverdopplung (a) entsteht nur bei gegensinnig belasteten aktiven DMS; b und c treffen nicht zu.
Eine DMS-Messstelle im Freien driftet nach einigen Wochen langsam weg, obwohl die Last unverändert ist. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?
- a) Eingedrungene Feuchtigkeit senkt den Isolationswiderstand
- b) Der k-Faktor hat sich von selbst halbiert
- c) Die Speisespannung ist exakt konstant geblieben
- d) Die Dehnung ist physikalisch verschwunden
Richtig: a)
Feuchtigkeit unter dem DMS senkt den Isolationswiderstand und lässt das Signal über die Zeit driften — eine klassische Fehlerquelle bei unzureichendem Feuchteschutz. Ein k-Faktor halbiert sich nicht von selbst (b), eine konstante Speisespannung erklärt keine Drift (c), und die Last ist laut Angabe unverändert (d).
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein DMS mit R = 350 Ω und k = 2,0 wird mit 750 µε gedehnt. Berechne die Widerstandsänderung.
Gegeben: R = 350 Ω; k = 2,0; ε = 750 µε = 0,00075
Gesucht: ΔR in Ω
Lösungsweg: ΔR = k · ε · R = 2,0 · 0,00075 · 350
Ergebnis: ΔR = 0,525 Ω
Aufgabe 2: An einem DMS (R = 120 Ω, k = 2,05) wird eine Widerstandsänderung von 0,123 Ω gemessen. Berechne die Dehnung in µε.
Gegeben: R = 120 Ω; k = 2,05; ΔR = 0,123 Ω
Gesucht: ε in µε
Lösungsweg: ε = (ΔR/R)/k = (0,123/120)/2,05 = 0,0010250/2,05 = 0,0005
Ergebnis: ε = 500 µε
Aufgabe 3: Eine Messstrecke ist 80 mm lang. Es wird eine Dehnung von 625 µε ermittelt. Berechne die Längenänderung ΔL.
Gegeben: L = 80 mm; ε = 625 µε = 0,000625
Gesucht: ΔL in mm
Lösungsweg: ΔL = ε · L = 0,000625 · 80
Ergebnis: ΔL = 0,05 mm
Aufgabe 4: Eine Viertelbrücke wird mit U_B = 5 V gespeist, k = 2,0, Dehnung 1000 µε. Berechne U_A in mV.
Gegeben: U_B = 5 V; n = 1; k = 2,0; ε = 0,001
Gesucht: U_A in mV
Lösungsweg: U_A = (U_B/4)·n·k·ε = (5/4)·1·2,0·0,001 = 0,0025 V
Ergebnis: U_A = 2,5 mV
Aufgabe 5: Dieselben Werte wie in Aufgabe 4, aber als Vollbrücke (n = 4). Berechne U_A in mV.
Gegeben: U_B = 5 V; n = 4; k = 2,0; ε = 0,001
Gesucht: U_A in mV
Lösungsweg: U_A = (5/4)·4·2,0·0,001 = 0,010 V
Ergebnis: U_A = 10 mV
Aufgabe 6: Eine Halbbrücke (n = 2) liefert bei U_B = 10 V und k = 2,1 eine Ausgangsspannung von 6,3 mV. Berechne die Dehnung in µε.
Gegeben: U_B = 10 V; n = 2; k = 2,1; U_A = 0,0063 V
Gesucht: ε in µε
Lösungsweg: ε = U_A·4/(U_B·n·k) = 0,0063·4/(10·2·2,1) = 0,0252/42 = 0,0006
Ergebnis: ε = 600 µε
Aufgabe 7: Ein 120-Ω-DMS wird über eine Leitung mit insgesamt 6 Ω in Zweileiter-Technik angeschlossen. Um wie viel Prozent ist das relative Signal ΔR/(R+R_L) gegenüber dem idealen ΔR/R kleiner?
Gegeben: R = 120 Ω; R_L = 6 Ω
Gesucht: relative Verkleinerung in %
Lösungsweg: Verhältnis = R/(R+R_L) = 120/126 = 0,9524; Verkleinerung = 1 − 0,9524 = 0,0476
Ergebnis: rund 4,8 % kleiner
Aufgabe 8: Ein DMS mit R = 350 Ω, k = 2,0 wird gestaucht; gemessen werden −0,28 Ω. Berechne die Dehnung in µε mit Vorzeichen.
Gegeben: R = 350 Ω; k = 2,0; ΔR = −0,28 Ω
Gesucht: ε in µε
Lösungsweg: ε = (ΔR/R)/k = (−0,28/350)/2,0 = −0,0008/2,0 = −0,0004
Ergebnis: ε = −400 µε (Stauchung)
Frage 1: Welche Größe erfasst ein DMS unmittelbar?
- a) Die Kraft
- b) Die Dehnung
- c) Die Masse
- d) Den Druck
Richtig: b)
Der DMS misst die Dehnung der Oberfläche, auf die er geklebt ist. Kraft, Masse oder Druck werden erst über den bekannten Zusammenhang mit der Dehnung berechnet.
Frage 2: Ein DMS hat k = 2,0 und R = 350 Ω. Bei welcher Dehnung beträgt die Widerstandsänderung genau 1 Ω?
- a) Etwa 700 µε
- b) Etwa 1000 µε
- c) Etwa 1429 µε
- d) Etwa 2000 µε
Richtig: c)
ε = (ΔR/R)/k = (1/350)/2,0 = 0,001429 = 1429 µε. Die anderen Werte ergeben sich aus falscher Reihenfolge oder vergessenem k-Faktor.
Frage 3: Warum kann man die Widerstandsänderung eines DMS nicht einfach mit einem gewöhnlichen Ohmmeter ablesen?
- a) Weil die Änderung im Verhältnis zum Grundwiderstand zu klein ist
- b) Weil DMS keinen messbaren Widerstand haben
- c) Weil das Ohmmeter den DMS zerstört
- d) Weil der k-Faktor das verhindert
Richtig: a)
Die Änderung liegt oft bei Bruchteilen eines Ohm an einem Grundwiderstand von Hunderten Ohm. Diese winzige relative Änderung verschwindet im Messrauschen — deshalb die Brücke. Ein DMS hat sehr wohl Widerstand (b), das Messen zerstört ihn nicht (c), der k-Faktor ist nur ein Proportionalitätsfaktor (d).
Frage 4: Welcher Brückentyp liefert bei gleicher Dehnung das größte Signal?
- a) Viertelbrücke
- b) Halbbrücke
- c) Alle gleich
- d) Vollbrücke
Richtig: d)
Das Signal ist proportional zum Brückenfaktor n; die Vollbrücke hat mit n = 4 den höchsten Wert und damit das vierfache Signal der Viertelbrücke.
Frage 5: Eine Vollbrücke wird mit U_B = 5 V, k = 2,0 betrieben. Welche Dehnung erzeugt eine Ausgangsspannung von 5 mV?
- a) 250 µε
- b) 750 µε
- c) 1000 µε
- d) 500 µε
Richtig: d)
ε = U_A·4/(U_B·n·k) = 0,005·4/(5·4·2,0) = 0,02/40 = 0,0005 = 500 µε. Die anderen Werte folgen aus falschem Brückenfaktor oder Rechenfehler.
Frage 6: Was passiert mit dem Brückensignal bei reiner, gleichmäßiger Erwärmung einer gut aufgebauten Vollbrücke?
- a) Es steigt stark an
- b) Es bleibt nahezu unverändert
- c) Es kehrt sein Vorzeichen um
- d) Es wird zufällig
Richtig: b)
Gleichsinnige Temperatureffekte heben sich in der Brücke weitgehend auf, weil sie nur auf Unterschiede zwischen den Zweigen reagiert. Deshalb bleibt das Signal bei reiner Erwärmung nahezu stabil.
Frage 7: Bei welcher Anschlussart wird der Fehler durch Leitungswiderstand bei langen Kabeln weitgehend aufgehoben?
- a) Zweileiter-Schaltung
- b) Einleiter-Schaltung
- c) Dreileiter-Schaltung
- d) Die Anschlussart spielt keine Rolle
Richtig: c)
Die Dreileiter-Schaltung legt zwei gleich lange Adern in benachbarte Brückenzweige; ihre gleich großen Widerstände heben sich auf. Die Zweileiter-Schaltung (a) hat genau diesen Fehler; eine Einleiter-Schaltung (b) existiert für DMS nicht sinnvoll.
Frage 8: Ein Biegebalken trägt oben und unten je einen DMS. Wie sollte man sie schalten, um das Signal zu verdoppeln und Temperatur zu kompensieren?
- a) Beide gleichsinnig in denselben Zweig
- b) Beide als Kompensations-DMS ohne Last
- c) Gar nicht, ein DMS reicht immer
- d) Als Halbbrücke, sodass einer Dehnung, der andere Stauchung erfasst
Richtig: d)
Am Biegebalken wird die Oberseite gedehnt, die Unterseite gestaucht. In einer Halbbrücke mit gegensinnigen DMS addieren sich die Beträge zum doppelten Signal, gleichzeitig kompensiert sich der Temperatureinfluss. Gleichsinnig im selben Zweig (a) hebt sich der Effekt auf; zwei lastfreie DMS (b) liefern kein Nutzsignal.
Frage 9: Eine Viertelbrücke wird ohne Kompensation in einer Umgebung mit stark schwankender Temperatur betrieben. Welches Problem ist zu erwarten?
- a) Temperaturbedingte Widerstandsänderungen überlagern das Nutzsignal
- b) Das Signal bleibt exakt stabil
- c) Der k-Faktor wird negativ
- d) Die Speisespannung schwankt zwangsläufig
Richtig: a)
Ohne Kompensation wirkt die Temperaturänderung des aktiven DMS direkt aufs Signal und kann die lastbedingte Dehnung überdecken. Genau deshalb nutzt man Kompensations-DMS oder höhere Brückentypen. Stabilität (b) ist gerade nicht gegeben; k-Faktor (c) und Speisespannung (d) sind davon unabhängig.
Frage 10: Ein DMS-Datenblatt nennt k = 2,1. Was bedeutet ein höherer k-Faktor für die Messung?
- a) Kleineres Signal bei gleicher Dehnung
- b) Keine Auswirkung auf das Signal
- c) Größeres Signal bei gleicher Dehnung
- d) Der DMS misst dann Druck statt Dehnung
Richtig: c)
Da ΔR/R = k·ε gilt, erzeugt ein höherer k-Faktor bei gleicher Dehnung eine größere relative Widerstandsänderung und damit ein größeres Signal. Die Messgröße bleibt die Dehnung (d falsch).
Frage 11: Zwei DMS, k = 2,0 und k = 2,2, werden bei identischer Dehnung verglichen. Um wie viel Prozent ist das Signal des zweiten größer?
- a) 5 %
- b) 20 %
- c) 22 %
- d) 10 %
Richtig: d)
Das Signal ist proportional zu k. Verhältnis 2,2/2,0 = 1,10, also 10 % mehr. Die anderen Werte folgen aus falscher Bezugsgröße.
Frage 12: Warum ist die exakte Ausrichtung des Messgitters in Lastrichtung so wichtig?
- a) Sonst löst sich die Klebung
- b) Weil der DMS überwiegend in Messrichtung empfindlich ist und sonst stark unterschätzt
- c) Weil sich sonst der Grundwiderstand ändert
- d) Weil die Speisespannung sonst nicht passt
Richtig: b)
Ein DMS misst vor allem Dehnung entlang seiner Messrichtung. Eine Fehlausrichtung führt dazu, dass er hauptsächlich die kleinere Querdehnung erfasst und die eigentliche Belastung deutlich unterschätzt. Mit Klebung (a), Grundwiderstand (c) oder Speisespannung (d) hat die Ausrichtung nichts zu tun.
Glossar
- Dehnungsmessstreifen (DMS)
- Sensor, der auf ein Bauteil geklebt wird und dessen mechanische Dehnung in eine messbare Widerstandsänderung umwandelt.
- Dehnung (ε)
- Relative Längenänderung eines Bauteils, definiert als Längenänderung bezogen auf die Ausgangslänge; eine Verhältniszahl ohne Einheit.
- Mikrostrain (µε)
- Praktische Einheit für sehr kleine Dehnungen; 1 µε entspricht einer Dehnung von 0,000001.
- Messgitter
- Der mäanderförmig verlegte elektrische Leiter eines DMS, der die Dehnung in Messrichtung erfasst.
- Messrichtung
- Richtung, in der das Messgitter verläuft und in der der DMS hauptsächlich empfindlich ist.
- k-Faktor
- Empfindlichkeitskennwert eines DMS, der relative Widerstandsänderung und Dehnung verknüpft (ΔR/R = k · ε); bei Metallfolien-DMS typisch um 2.
- Wheatstone-Brücke
- Schaltung aus vier Widerständen, die eine kleine Widerstandsänderung als Spannungsdifferenz sichtbar macht.
- Brückenverstimmung
- Ausgangsspannung einer Brücke, die im abgeglichenen Zustand null ist und mit der Widerstandsänderung wächst.
- Viertel-, Halb-, Vollbrücke
- Brückenvarianten mit einem, zwei oder vier aktiven DMS; mehr aktive DMS bedeuten ein größeres Signal (Faktor 1, 2 bzw. 4).
- Kompensations-DMS
- Mechanisch unbelasteter DMS auf gleichem Material, der den Temperatureinfluss in der Brücke ausgleicht.
- Dreileiter-Schaltung
- Anschlussart, die den Einfluss des Leitungswiderstands aufhebt, indem zwei gleich lange Adern in benachbarte Brückenzweige gelegt werden.
