Temperatursensoren: PT100, NTC, Thermoelement
Temperatur ist die Messgröße, die in der Praxis am häufigsten überwacht wird — vom Lagerschutz am Motor über die Vorlauftemperatur in der Heizung bis zur Prozesskontrolle in der Fertigung. Drei Sensorbauarten decken fast alles ab, was im Anlagenbau vorkommt: der PT100, der NTC und das Thermoelement. Jeder dieser drei nutzt einen anderen physikalischen Effekt, hat eine andere Kennlinie und passt zu anderen Einsatzfällen.
Wer versteht, wie ein Sensor aus Wärme ein elektrisches Signal macht, kann die richtige Bauart auswählen, die Anschlussart richtig wählen und typische Messfehler vermeiden. Genau darum geht es hier.
Vorwissen
- Elektrischer Widerstand und spezifischer Widerstand
- Sensoren – Signalarten (binär, analog, digital)
- Sensor-Anschlussarten: 2-, 3-, 4-Leiter, PNP/NPN
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die drei Wirkprinzipien Metallwiderstand, Halbleiterwiderstand und Thermospannung den Sensortypen PT100, NTC und Thermoelement zuordnen
- den Widerstand eines PT100 für eine gegebene Temperatur über die lineare Näherung berechnen
- erklären, warum ein NTC stark nichtlinear ist und seinen Widerstand über den B-Wert abschätzen
- das Funktionsprinzip eines Thermoelements und die Rolle der Vergleichsstelle beschreiben
- für einen konkreten Anwendungsfall begründet den passenden Temperatursensor auswählen
1. Warum Temperatur messbar wird
Temperatur selbst lässt sich nicht direkt elektrisch erfassen. Man braucht einen effekt, der sich mit der Temperatur ändert und sich als Strom oder Spannung auslesen lässt. Drei Effekte haben sich durchgesetzt:
Widerstandsänderung beim Metall. Der elektrische Widerstand von Metallen steigt mit der Temperatur. Bei Platin ist dieser Zusammenhang besonders stabil und gut reproduzierbar — das ist die Grundlage des PT100.
Widerstandsänderung beim Halbleiter. Auch Halbleiter ändern ihren Widerstand mit der Temperatur, allerdings viel stärker und in die andere Richtung: Beim NTC sinkt der Widerstand bei Erwärmung. Das macht ihn empfindlich, aber stark nichtlinear.
Thermospannung am Metallübergang. Verbindet man zwei unterschiedliche Metalle und erwärmt die Verbindungsstelle, entsteht eine kleine Spannung. Dieser Seebeck-Effekt ist das Funktionsprinzip des Thermoelements.
Schon eine grobe Vorschau zeigt, dass die drei Bauarten unterschiedliche Stärken haben:
| Sensortyp | Prinzip | Typischer Messbereich | Kennlinie |
|---|---|---|---|
| PT100 | Metallwiderstand (Platin) | −200 bis +600 °C | nahezu linear |
| NTC | Halbleiterwiderstand | −40 bis +150 °C | stark nichtlinear |
| Thermoelement | Thermospannung | −200 bis +1300 °C | annähernd linear, kleine Signale |
Die Details — und warum man genau diese Werte erwartet — kommen in den folgenden Kapitel.
Ein Sensor liefert ohne eigene Versorgungsspannung von sich aus eine kleine elektrische Spannung, sobald an seiner Messstelle eine andere Temperatur herrscht als am Anschluss. Welcher Sensortyp ist das?
- a) PT100
- b) NTC
- c) PTC-Kaltleiter
- d) Thermoelement
Richtig: d)
Nur das Thermoelement erzeugt selbst eine Spannung (Seebeck-Effekt), ohne von außen mit Strom oder Spannung versorgt zu werden. PT100, NTC und PTC sind passive Widerstände — sie ändern nur ihren Widerstandswert und brauchen einen Messstrom, um ein Signal zu liefern.
Bei welchem der drei Hauptsensortypen steigt der Widerstand mit zunehmender Temperatur?
- a) PT100
- b) NTC
- c) Thermoelement
- d) Bei keinem, alle sinken
Richtig: a)
Platin hat einen positiv Temperaturkoeffizienten, der Widerstand des PT100 steigt also mit der Temperatur. Der NTC sinkt im Widerstand (negativer Koeffizient). Das Thermoelement ist kein Widerstandssensor, sondern liefert eine Spannung.
2. PT100 – der Platin-Widerstandssensor
Der PT100 ist der Standard-Temperatursensor in der Industrie, wenn es auf Genauigkeit und einen weiten Messbereich ankommt. Der Name sagt fast alles: „Pt“ steht für Platin, „100″ für den Widerstand von genau 100 Ω bei 0 °C.
Platin hat einen positiven Temperaturkoeffizienten — der Widerstand steigt also mit steigender Temperatur. Über einen großen Bereich ist dieser Anstieg fast geradlinig. Diese Linearität ist der eigentliche Vorteil: Die Auswertung ist einfach und die Messung sehr gut vorhersagbar.
Für den Zusammenhang zwischen Temperatur und Widerstand gilt im einfachsten Fall die lineare Näherung:
R_t = R_0 * (1 + alpha * t)
- R_t … Widerstand bei Temperatur t in Ohm
- R_0 … Widerstand bei 0 °C, beim PT100 = 100 Ohm
- alpha … Temperaturkoeffizient in 1/K
- t … Temperatur in °C
Der genormte Temperaturkoeffizient für Platin-Messwiderstände (ÖNORM EN 60751) beträgt:
alpha = 0,00385 1/K
Das bedeutet praktisch: Pro 1 °C steigt der Widerstand um etwa 0,385 Ω. Bei 100 °C liegt der PT100 also rund 38,5 Ω über seinem Grundwert, also bei etwa 138,5 Ω. Über einen großen Bereich reicht diese lineare Näherung für die Praxis aus; nur bei sehr hoher Genauigkeit oder weit weg von 0 °C wird ein quadratischer Korrekturterm verwendet.
Eine gängige Variante ist der PT1000: gleicher Werkstoff, gleiches Prinzip, aber 1000 Ω bei 0 °C. Der höhere Grundwert macht den Einfluss des Leitungswiderstands kleiner — dazu gleich mehr.
Empfindlich gegenüber Leitungswiderstand: Weil der PT100 nur 100 Ω Grundwert hat, fallen schon wenige Ohm Leitungswiderstand im Anschlusskabel als Messfehler ins Gewicht. Deshalb gibt es ihn in 2-, 3- und 4-Leiter-Ausführung, wobei die 3- und 4-Leiter-Schaltung den Leitungswiderstand rechnerisch herausnehmen. Wie diese Anschlussarten im Detail funktionieren, ist allgemein bei den Sensor-Anschlussarten beschrieben — für den PT100 zählt vor allem: je niedriger der Grundwiderstand, desto wichtiger die Kompensation. Beim PT1000 mit zehnfachem Grundwert ist der relative Fehler entsprechend kleiner.
Gelöstes Beispiel
Ein PT100 wird in einem Ofen verbaut. Bei Betriebstemperatur misst die Auswerteelektronik einen Widerstand von 138,5 Ω. Welche Temperatur herrscht am Fühler?
Gegeben: R_0 = 100 Ω, alpha = 0,00385 1/K, R_t = 138,5 Ω
Gesucht: t in °C
Lösungsweg:
- Grundgleichung nach t umstellen: R_t = R_0 * (1 + alpha * t) → t = (R_t / R_0 – 1) / alpha
- Werte einsetzen: t = (138,5 / 100 – 1) / 0,00385 → t = (1,385 – 1) / 0,00385 → t = 0,385 / 0,00385
Ergebnis: t = 100 °C
Übungen
Welchen Widerstand zeigt ein PT100 bei 50 °C in der linearen Näherung?
R_t = 100 · (1 + 0,00385 · 50) = 100 · 1,1925 = 119,25 Ω
Ein PT1000 (R_0 = 1000 Ω) wird bei 20 °C betrieben. Wie hoch ist sein Widerstand?
R_t = 1000 · (1 + 0,00385 · 20) = 1000 · 1,077 = 1077 Ω
Ein PT100 zeigt 92,3 Ω. Welche Temperatur liegt vor?
t = (92,3/100 − 1) / 0,00385 = (−0,077) / 0,00385 = −20 °C
Um wie viel Ohm ändert sich der Widerstand eines PT100, wenn die Temperatur von 0 °C auf 200 °C steigt (lineare Näherung)?
ΔR = R_0 · alpha · Δt = 100 · 0,00385 · 200 = 77 Ω
Bei einer 2-Leiter-Messung addieren sich 2 Ω Leitungswiderstand zum PT100. Die Elektronik misst 121,25 Ω und rechnet daraus eine Temperatur. Um wie viele °C ist die Anzeige zu hoch, wenn der echte Sensorwiderstand 119,25 Ω wäre?
Angezeigt: t = (121,25/100 − 1)/0,00385 = 55,2 °C. Echt: t = (119,25/100 − 1)/0,00385 = 50,0 °C. Fehler ≈ +5,2 °C durch den Leitungswiderstand.
Ein PT100 und ein PT1000 sitzen am selben Messort, beide über je 3 Ω Leitungswiderstand in 2-Leiter-Schaltung angeschlossen. Bei welchem ist der durch die Leitung verursachte Temperaturfehler größer?
- a) Beim PT100, weil 3 Ω relativ zu 100 Ω stärker ins Gewicht fallen
- b) Beim PT1000, weil er einen höheren Grundwiderstand hat
- c) Bei beiden exakt gleich, der absolute Fehler ist identisch
- d) Bei keinem, der Leitungswiderstand spielt keine Rolle
Richtig: a)
Der absolute Leitungswiderstand ist in beiden Fällen 3 Ω. Beim PT100 entspricht das einem viel größeren Anteil am Gesamtwiderstand als beim PT1000 und damit einem größeren Temperaturfehler. Genau deshalb ist der PT1000 in langen Leitungen oder einfacher 2-Leiter-Anbindung im Vorteil.
Ein PT100 misst in der linearen Näherung bei 0 °C genau 100 Ω. Welcher Wert ist bei −100 °C zu erwarten?
- a) 0 Ω
- b) 61,5 Ω
- c) 100 Ω
- d) 138,5 Ω
Richtig: b)
R_t = 100 · (1 + 0,00385 · (−100)) = 100 · (1 − 0,385) = 61,5 Ω. Der Widerstand sinkt unter den Grundwert, weil Platin bei tieferer Temperatur einen kleineren Widerstand hat. 138,5 Ω entspräche dagegen +100 °C.
Warum wird Platin als Werkstoff für genaue Widerstandsthermometer bevorzugt?
- a) Weil es den höchsten spezifischen Widerstand aller Metalle hat
- b) Weil sein Widerstand mit der Temperatur sinkt und so empfindlicher ist
- c) Weil sein Widerstands-Temperatur-Verhalten stabil, reproduzierbar und nahezu linear ist
- d) Weil es eine Thermospannung erzeugt
Richtig: c)
Platin ist chemisch beständig und sein Widerstandsverlauf über die Temperatur ist sehr gut reproduzierbar und annähernd linear — ideal für genaue Messungen. Der Widerstand sinkt nicht, sondern steigt mit der Temperatur, und eine Thermospannung erzeugt Platin in diesem Aufbau nicht.
3. NTC und PTC – Heißleiter und Kaltleiter
Halbleiter-Temperatursensoren arbeiten ebenfalls über den Widerstand, reagieren aber viel stärker auf Temperatur als Metalle — dafür deutlich nichtlinearer. Es gibt zwei Familien:
Der NTC (Negative Temperature Coefficient), auch Heißleiter genannt, verliert mit steigender Temperatur an Widerstand. „Heißleiter“ heißt also: leitet besser, wenn es heiß ist. Die Widerstandsänderung ist groß, was den NTC empfindlich macht — aber der Verlauf ist eine ausgeprägte Kurve, kein gerader Strich wie beim PT100.
Der PTC (Positive Temperature Coefficient), der Kaltleiter, verhält sich umgekehrt: höherer Widerstand bei höherer Temperatur. Hier ist aber Vorsicht geboten, weil der Begriff „PTC“ zwei sehr unterschiedliche Dinge meinen kann (siehe Stolpersteine).
Für den NTC lässt sich der Widerstand über die B-Wert-Gleichung abschätzen. Der B-Wert ist eine Materialkonstante des jeweiligen NTC und beschreibt, wie steil die Kennlinie verläuft:
R_T = R_N * exp( B * (1/T – 1/T_N) )
- R_T … Widerstand bei Temperatur T in Ohm
- R_N … Nennwiderstand bei Nenntemperatur T_N in Ohm
- B … Materialkonstante (B-Wert) in Kelvin
- T … Temperatur in Kelvin
- T_N … Nenntemperatur in Kelvin (meist 298,15 K = 25 °C)
- exp … e-Funktion
Wichtig: In dieser Formel werden die Temperaturen in Kelvin eingesetzt, nicht in °C. Ein typischer Mess-NTC hat zum Beispiel R_N = 10 kΩ bei 25 °C und einen B-Wert um 3950 K.
Gelöstes Beispiel
Ein Mess-NTC hat R_N = 10 kΩ bei 25 °C und einen B-Wert von 3950 K. Welchen Widerstand hat er bei 75 °C?
Gegeben: R_N = 10000 Ω, B = 3950 K, T_N = 25 °C = 298,15 K, T = 75 °C = 348,15 K
Gesucht: R_T in Ω
Lösungsweg:
- Exponent berechnen: 1/T – 1/T_N = 1/348,15 – 1/298,15 = 0,002872 – 0,003354 = -0,000482 1/K → B * (1/T – 1/T_N) = 3950 * (-0,000482) = -1,904
- e-Funktion und Multiplikation: R_T = 10000 * exp(-1,904) = 10000 * 0,149
Ergebnis: R_T ≈ 1490 Ω
Der Widerstand ist von 10 kΩ auf rund 1,5 kΩ gefallen — diese starke Änderung über nur 50 °C zeigt die hohe Empfindlichkeit des NTC.
Übungen
Sinkt oder steigt der Widerstand eines NTC, wenn er von 25 °C auf 60 °C erwärmt wird, und warum?
Er sinkt. Der NTC ist ein Heißleiter mit negativem Temperaturkoeffizienten — höhere Temperatur bedeutet kleineren Widerstand.
Warum muss in der B-Wert-Gleichung die Temperatur in Kelvin eingesetzt werden?
Die Gleichung enthält die Kehrwerte 1/T. In °C käme bei 0 °C eine Division durch null vor und negative Temperaturwerte würden die Formel verfälschen. Kelvin ist eine absolute Skala ohne negative Werte.
Ein NTC mit R_N = 10 kΩ und B = 3950 K wird auf 0 °C (273,15 K) abgekühlt. Schätze, ob sein Widerstand über oder unter 10 kΩ liegt.
Über 10 kΩ. Bei tieferer Temperatur als der Nenntemperatur (25 °C) steigt der Widerstand des Heißleiters an; konkret ergibt die Formel rund 27 bis 28 kΩ.
Was beschreibt der B-Wert eines NTC anschaulich?
Er ist ein Maß für die Steilheit der Kennlinie — ein höherer B-Wert bedeutet eine stärkere Widerstandsänderung pro Grad Temperaturänderung.
Ein Motorschutz-Kaltleiter (Halbleiter-PTC) zeigt bei 80 °C 250 Ω und bei 120 °C über 4000 Ω. Warum eignet sich dieses Verhalten zum Schalten, aber nicht zum genauen Messen?
Der Widerstand springt in einem engen Temperaturfenster um Größenordnungen, sodass sich ein Schwellwert sehr sicher erkennen lässt. Außerhalb dieses Sprungs ändert sich der Widerstand kaum eindeutig pro Grad, weshalb keine genaue Temperatur ablesbar ist — ideal als Schaltschwelle, ungeeignet als Messkennlinie.
Ein NTC wird von 25 °C auf 50 °C erwärmt. Was passiert mit seinem Widerstand und wie verhält sich die Änderung im Vergleich zu einem PT100 über dieselbe Spanne?
- a) Er steigt, und zwar weniger stark als beim PT100
- b) Er sinkt, und zwar deutlich stärker als der PT100 steigt
- c) Er bleibt konstant, weil der B-Wert das ausgleicht
- d) Er sinkt genau um denselben Betrag, um den der PT100 steigt
Richtig: b)
Der NTC ist ein Heißleiter, sein Widerstand sinkt bei Erwärmung. Die Änderung ist exponentiell und damit über 25 °C erheblich größer als die kleine, lineare Zunahme beim PT100. Genau diese hohe Empfindlichkeit bei gleichzeitig schlechter Linearität ist typisch für den NTC.
In welcher Einheit müssen die Temperaturen in die B-Wert-Gleichung des NTC eingesetzt werden?
- a) Grad Celsius
- b) Grad Fahrenheit
- c) Beliebig, solange beide gleich sind
- d) Kelvin
Richtig: d)
Die Gleichung verwendet die Kehrwerte 1/T und 1/T_N. Das funktioniert nur auf einer absoluten Temperaturskala ohne null- oder Negativwerte, also in Kelvin. In °C würden Vorzeichenwechsel und die Nähe zu 0 °C die Rechnung verfälschen.
Ein Hersteller bezeichnet ein Bauteil als „PTC-Thermistor zum Motorschutz“. Was beschreibt sein Verhalten korrekt?
- a) Nahezu lineare Widerstandszunahme wie beim PT100, geeignet zum genauen Messen
- b) Stark fallender Widerstand bei Erwärmung, geeignet als empfindlicher Messfühler
- c) Sprunghafter Widerstandsanstieg bei der Nennansprechtemperatur, geeignet zum Schalten
- d) Konstanter Widerstand unabhängig von der Temperatur
Richtig: c)
Der Halbleiter-PTC (Kaltleiter) hat eine Sprungkennlinie: niedriger Widerstand bis zur Ansprechtemperatur, dann schlagartiger Anstieg. Damit erkennt ein Auslösegerät die Schwelle sicher — gemessen wird nicht. Der fast lineare Verlauf gehört zum PT100, der fallende Widerstand zum NTC.
4. Thermoelement – Spannung aus dem Temperaturunterschied
Das Thermoelement funktioniert grundlegend anders als die beiden Widerstandssensoren: Es liefert selbst eine Spannung, ohne von außen versorgt zu werden. Verbindet man zwei unterschiedliche Metalle an einem Punkt und erwärmt diese Verbindungsstelle, entsteht zwischen den freien Enden eine kleine elektrische Spannung. Das ist der Seebeck-Effekt.
Entscheidend ist: Diese Thermospannung hängt nicht von der absoluten Temperatur ab, sondern vom Temperaturunterschied zwischen der heißen Verbindungsstelle (der Messstelle) und den kühleren freien Enden (der Vergleichsstelle, auch Kaltstelle genannt). Vereinfacht gilt:
U_th = k * (T_mess – T_vergleich)
- U_th … Thermospannung in mV
- k … Empfindlichkeit des Thermoelements in mV/K
- T_mess … Temperatur der Messstelle in °C
- T_vergleich … Temperatur der Vergleichsstelle in °C
Der Wert k ist typenabhängig und liegt grob im Bereich einiger Dutzend Mikrovolt pro Grad — die Signale sind also klein, im Millivoltbereich. Das ist auch der Grund, warum Thermoelemente eine empfindliche Auswerteelektronik brauchen.
Weil nur die Differenz zählt, muss die Vergleichsstellentemperatur bekannt sein. Würde man sie ignorieren, läge die Messung um den Betrag der Umgebungstemperatur daneben. In der Praxis übernimmt die Kaltstellenkompensation im Messumformer diese Aufgabe: Sie misst die Temperatur an der Klemmenstelle separat (oft mit einem kleinen NTC oder PT-Sensor) und rechnet sie heraus.
Thermoelemente gibt es in mehreren genormten Typen, die sich in der Metallpaarung und damit im Messbereich unterscheiden. Gängig sind:
| Typ | Werkstoffpaarung (vereinfacht) | Typischer Bereich |
|---|---|---|
| Typ K | Nickel-Chrom / Nickel | −200 bis +1200 °C |
| Typ J | Eisen / Kupfer-Nickel | −40 bis +750 °C |
| Typ N | Nickel-Chrom-Silizium / Nickel-Silizium | −200 bis +1300 °C |
Der große Vorteil des Thermoelements ist der weite Messbereich bis zu sehr hohen Temperaturen — dort, wo PT100 und NTC längst aufgeben. Der Preis dafür sind die kleinen Signale, die Notwendigkeit der Kaltstellenkompensation und eine etwas geringere Genauigkeit als beim PT100.
Gelöstes Beispiel
Ein Thermoelement mit einer Empfindlichkeit von k = 0,041 mV/K wird verwendet. Die Messstelle liegt bei 220 °C, die Vergleichsstelle bei 20 °C. Welche Thermospannung entsteht?
Gegeben: k = 0,041 mV/K, T_mess = 220 °C, T_vergleich = 20 °C
Gesucht: U_th in mV
Lösungsweg:
- Temperaturdifferenz: T_mess – T_vergleich = 220 – 20 = 200 K
- Thermospannung: U_th = 0,041 mV/K * 200 K
Ergebnis: U_th = 8,2 mV
Übungen
Warum liefert ein Thermoelement 0 mV, wenn Mess- und Vergleichsstelle dieselbe Temperatur haben?
Die Thermospannung hängt von der Temperaturdifferenz ab. Ist die Differenz null, ist auch die Spannung null.
Ein Thermoelement (k = 0,04 mV/K) zeigt 12 mV bei einer Vergleichsstelle von 25 °C. Wie heiß ist die Messstelle?
ΔT = 12 / 0,04 = 300 K. T_mess = 25 + 300 = 325 °C.
Wieso braucht ein Thermoelement eine Kaltstellenkompensation, ein PT100 dagegen nicht?
Das Thermoelement misst nur die Differenz zwischen Mess- und Vergleichsstelle, daher muss die Vergleichsstellentemperatur bekannt sein. Der PT100 hat einen festen Bezug (100 Ω bei 0 °C) und misst die absolute Temperatur direkt.
Ein Messumformer rechnet ohne Kaltstellenkompensation. Die echte Messstelle liegt bei 300 °C, die Klemme bei 30 °C. Welche Temperatur würde fälschlich angezeigt, wenn die Elektronik die Vergleichsstelle mit 0 °C annimmt?
Die Spannung entspricht der Differenz 300 − 30 = 270 K. Bei angenommener Vergleichsstelle 0 °C wird daraus 0 + 270 = 270 °C angezeigt — also rund 30 °C zu niedrig, weil die reale Vergleichsstelle bei 30 °C lag.
Warum eignet sich ein Thermoelement vom Typ K besser für einen 1000-°C-Ofen als ein PT100?
Der PT100 ist nur bis etwa 600 °C spezifiziert. Das Typ-K-Thermoelement reicht bis rund 1200 °C und deckt den Ofenbereich problemlos ab.
Wovon hängt die Thermospannung eines Thermoelements unmittelbar ab?
- a) Von der absoluten Temperatur der Messstelle allein
- b) Von der Temperaturdifferenz zwischen Mess- und Vergleichsstelle
- c) Vom ohmschen Widerstand der Messleitung
- d) Von der Versorgungsspannung des Sensors
Richtig: b)
Der Seebeck-Effekt erzeugt eine Spannung proportional zur Differenz zwischen Mess- und Vergleichsstelle. Deshalb muss die Vergleichsstellentemperatur bekannt sein. Eine Versorgungsspannung braucht das Thermoelement nicht, es erzeugt die Spannung selbst.
Ein Thermoelement zeigt bei gleicher Messstellentemperatur einen falschen Messwert, sobald sich die Temperatur am Klemmenkopf ändert. Welche Maßnahme behebt das?
- a) Ein größerer Leitungsquerschnitt
- b) Eine höhere Versorgungsspannung
- c) Ein Vorwiderstand in der Messleitung
- d) Eine funktionierende Kaltstellenkompensation
Richtig: d)
Der Fehler entsteht, weil die Vergleichsstellentemperatur (am Klemmenkopf) in die Differenz eingeht. Die Kaltstellenkompensation misst diese Temperatur separat und rechnet sie heraus. Leitungsquerschnitt, Versorgungsspannung oder Vorwiderstand ändern an diesem prinzipiellen Effekt nichts.
Für eine Temperaturmessung bei rund 1100 °C in einem Schmelzofen — welcher Sensortyp ist geeignet?
- a) NTC, wegen seiner hohen Empfindlichkeit
- b) PT100, wegen seiner Linearität
- c) Thermoelement vom Typ K oder N
- d) Halbleiter-PTC als Messfühler
Richtig: c)
Nur das Thermoelement (Typ K bis ~1200 °C, Typ N bis ~1300 °C) deckt diesen Hochtemperaturbereich ab. NTC und PT100 sind weit darunter begrenzt, der Halbleiter-PTC ist ohnehin ein Schaltelement und kein Messfühler.
5. Auswahl in der Praxis – welcher Sensor wofür
Die Wahl des Temperatursensors ist immer ein Abwägen mehrerer Kriterien. Selten ist ein Typ in allem überlegen — entscheidend ist der konkrete Einsatzfall.
Messbereich. Das härteste Ausschlusskriterium. Geht es über ein paar Hundert Grad hinaus, bleibt praktisch nur das Thermoelement. Im moderaten Bereich um Raum- und Prozesstemperatur sind PT100 und NTC zu Hause.
Genauigkeit. Wenn es auf einen exakten, reproduzierbaren Wert ankommt, ist der PT100 erste Wahl. Das Thermoelement ist gröber, der NTC ist genau, aber nur nach Kennlinienkorrektur und über einen begrenzten Bereich.
Ansprechzeit. Kleine NTCs reagieren sehr schnell auf Temperaturänderungen, was sie für Geräte mit schnellem Regelverhalten attraktiv macht. Massive PT100-Fühler im Schutzrohr sind träger.
Kosten und Robustheit. Der NTC ist günstig und für Massenanwendungen prädestiniert. Der PT100 ist teurer, aber stabil und langzeitgenau. Thermoelemente sind robust gegen hohe Temperaturen, brauchen aber die Kaltstellenkompensation und passende Ausgleichsleitungen.
Im Überblick:
| Kriterium | PT100 | NTC | Thermoelement |
|---|---|---|---|
| Messbereich | −200 bis +600 °C | −40 bis +150 °C | −200 bis +1300 °C |
| Genauigkeit | sehr hoch | hoch (nach Korrektur) | mittel |
| Linearität | nahezu linear | stark nichtlinear | annähernd linear |
| Signalgröße | Widerstand, gut auswertbar | Widerstand, große Spreizung | Spannung im mV-Bereich |
| Ansprechzeit | mittel bis träge | schnell | schnell bis mittel |
| Kosten | höher | niedrig | mittel |
| Besonderheit | Leitungswiderstand kompensieren | nichtlinear, Kennlinie nötig | Kaltstellenkompensation nötig |
Typische Zuordnung aus der Praxis: PT100 für die genaue Prozess- und Anlagenüberwachung, NTC für günstige Messpunkte und schnelle Regelungen in Geräten, Thermoelement für alles, was richtig heiß wird — Öfen, Abgas, Schmelzen.
Für eine schnelle Temperaturregelung in einem kompakten Gerät bei maximal 120 °C, bei der niedrige Stückkosten wichtig sind — welcher Sensor passt am besten?
- a) NTC
- b) PT100 im Schutzrohr
- c) Thermoelement Typ K
- d) Halbleiter-PTC als Messfühler
Richtig: a)
Der kleine NTC ist günstig, sehr schnell und für den Bereich bis 150 °C gut geeignet — ideal für kompakte Geräteregelungen. Das Thermoelement wäre für diesen niedrigen Bereich unnötig aufwendig, der PT100 im Schutzrohr träger und teurer, und ein Halbleiter-PTC ist ein Schaltelement, kein Messfühler.
Eine Anwendung verlangt höchste Genauigkeit und Langzeitstabilität bei 250 °C in einer industriellen Prozessüberwachung. Welcher Sensor ist die erste Wahl?
- a) NTC, wegen der hohen Empfindlichkeit
- b) PT100, wegen Genauigkeit und Stabilität
- c) Thermoelement, wegen des großen Messbereichs
- d) Kaltleiter, wegen der Sprungkennlinie
Richtig: b)
250 °C liegt im Bereich des PT100, der hier seine Stärken Genauigkeit, Reproduzierbarkeit und Langzeitstabilität voll ausspielt. Der NTC wäre bei 250 °C bereits außerhalb seines üblichen Bereichs und nichtlinear, das Thermoelement gröber, der Kaltleiter ungeeignet zum Messen.
Welche Aussage zur Sensorauswahl ist korrekt?
- a) Das Thermoelement ist in jeder Hinsicht genauer als der PT100
- b) Der NTC eignet sich besonders für sehr hohe Temperaturen über 1000 °C
- c) Bei sehr hohen Temperaturen bleibt praktisch nur das Thermoelement, während der PT100 bei der Genauigkeit führt
- d) Alle drei Sensortypen decken denselben Messbereich ab
Richtig: c)
PT100 und NTC sind im Messbereich begrenzt; oberhalb einiger Hundert Grad bleibt nur das Thermoelement. Beim genauen Messen im mittleren Bereich führt dagegen der PT100. Das Thermoelement ist nicht generell genauer, und die Messbereiche der drei Typen unterscheiden sich deutlich.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein PT100 wird bei 150 °C betrieben. Welchen Widerstand zeigt er in der linearen Näherung?
Gegeben: R_0 = 100 Ω, alpha = 0,00385 1/K, t = 150 °C
Gesucht: R_t in Ω
Lösungsweg:
- R_t = 100 · (1 + 0,00385 · 150) = 100 · (1 + 0,5775) = 100 · 1,5775
Ergebnis: R_t = 157,75 Ω
Aufgabe 2: Ein PT1000 (R_0 = 1000 Ω) zeigt 1115 Ω. Welche Temperatur liegt vor?
Gegeben: R_0 = 1000 Ω, alpha = 0,00385 1/K, R_t = 1115 Ω
Gesucht: t in °C
Lösungsweg:
- t = (R_t/R_0 − 1)/alpha = (1115/1000 − 1)/0,00385 = 0,115/0,00385
Ergebnis: t ≈ 29,9 °C
Aufgabe 3: Ein Mess-NTC mit R_N = 10 kΩ bei 25 °C und B = 3950 K wird auf 0 °C abgekühlt. Welchen Widerstand hat er?
Gegeben: R_N = 10000 Ω, B = 3950 K, T_N = 298,15 K, T = 273,15 K
Gesucht: R_T in Ω
Lösungsweg:
- 1/T − 1/T_N = 1/273,15 − 1/298,15 = 0,003661 − 0,003354 = 0,000307 1/K
- Exponent: 3950 · 0,000307 = 1,213
- R_T = 10000 · exp(1,213) = 10000 · 3,364
Ergebnis: R_T ≈ 33 640 Ω (rund 33,6 kΩ)
Aufgabe 4: Derselbe NTC bei 50 °C (323,15 K). Welcher Widerstand ergibt sich?
Gegeben: R_N = 10000 Ω, B = 3950 K, T_N = 298,15 K, T = 323,15 K
Gesucht: R_T in Ω
Lösungsweg:
- 1/T − 1/T_N = 1/323,15 − 1/298,15 = 0,003095 − 0,003354 = −0,000259 1/K
- Exponent: 3950 · (−0,000259) = −1,024
- R_T = 10000 · exp(−1,024) = 10000 · 0,359
Ergebnis: R_T ≈ 3590 Ω
Aufgabe 5: Ein Thermoelement mit k = 0,041 mV/K hat die Messstelle bei 500 °C und die Vergleichsstelle bei 25 °C. Welche Thermospannung entsteht?
Gegeben: k = 0,041 mV/K, T_mess = 500 °C, T_vergleich = 25 °C
Gesucht: U_th in mV
Lösungsweg:
- ΔT = 500 − 25 = 475 K
- U_th = 0,041 · 475
Ergebnis: U_th ≈ 19,5 mV
Aufgabe 6: Ein Thermoelement (k = 0,04 mV/K) liefert 16 mV, die Vergleichsstelle liegt bei 30 °C. Wie heiß ist die Messstelle?
Gegeben: k = 0,04 mV/K, U_th = 16 mV, T_vergleich = 30 °C
Gesucht: T_mess in °C
Lösungsweg:
- ΔT = U_th/k = 16/0,04 = 400 K
- T_mess = 30 + 400
Ergebnis: T_mess = 430 °C
Ein passiver Temperatursensor ändert mit der Temperatur seinen Widerstand, und zwar nach oben, wenn es wärmer wird, und das nahezu linear. Um welchen Sensor handelt es sich?
- a) PT100
- b) NTC
- c) Thermoelement Typ J
- d) Halbleiter-Kaltleiter mit Sprungkennlinie
Richtig: a)
Steigender Widerstand bei Erwärmung plus nahezu lineare Kennlinie ist die Signatur des PT100. Der NTC sinkt im Widerstand, das Thermoelement ist kein Widerstandssensor, und der Halbleiter-Kaltleiter hat eine Sprung- statt einer linearen Kennlinie.
Warum reagiert ein PT100 in 2-Leiter-Schaltung empfindlicher auf Leitungswiderstand als ein PT1000?
- a) Weil Platin beim PT100 einen anderen Temperaturkoeffizienten hat
- b) Weil der gleiche Leitungswiderstand beim PT100 einen größeren Anteil am kleineren Grundwiderstand ausmacht
- c) Weil der PT1000 grundsätzlich in 4-Leiter ausgeführt wird
- d) Weil der PT100 eine Thermospannung erzeugt, die stört
Richtig: b)
Der Temperaturkoeffizient ist bei beiden gleich. Entscheidend ist das Verhältnis: Ein paar Ohm Leitungswiderstand wiegen relativ zu 100 Ω deutlich schwerer als relativ zu 1000 Ω. Mit einer Thermospannung hat das nichts zu tun.
Ein NTC und ein PT100 werden beide von 25 °C auf 100 °C erwärmt. Welche Aussage zum Kennlinienverhalten ist richtig?
- a) Beide ändern den Widerstand gleich stark und in dieselbe Richtung
- b) Der PT100 sinkt im Widerstand, der NTC steigt
- c) Der PT100 steigt nahezu linear, der NTC sinkt stark und nichtlinear
- d) Beide bleiben praktisch konstant
Richtig: c)
Der PT100 hat einen positiven, fast linearen Verlauf — der Widerstand steigt. Der NTC ist ein Heißleiter: sein Widerstand sinkt, und zwar exponentiell und damit über die Spanne deutlich stärker. Die Richtungen sind also entgegengesetzt und die Linearität grundverschieden.
Welche Funktion erfüllt die Kaltstellenkompensation bei einem Thermoelement?
- a) Sie ermittelt die Vergleichsstellentemperatur und rechnet sie aus dem Messergebnis heraus
- b) Sie kompensiert den Leitungswiderstand der Messleitung
- c) Sie kühlt die Messstelle auf eine Referenztemperatur ab
- d) Sie verstärkt die Thermospannung auf ein auswertbares Niveau
Richtig: a)
Da das Thermoelement nur die Temperaturdifferenz misst, muss die Vergleichsstellentemperatur bekannt sein. Die Kaltstellenkompensation misst sie separat und korrigiert das Ergebnis. Sie kühlt nichts und ist nicht für Leitungswiderstand oder Signalverstärkung zuständig.
Ein Bauteil hat unterhalb 100 °C einen niedrigen Widerstand und springt bei rund 110 °C schlagartig auf ein Vielfaches. Wozu wird es typischerweise eingesetzt?
- a) Als genauer Messfühler für Prozesstemperaturen
- b) Als Motorschutz, der bei Übertemperatur eine Abschaltung auslöst
- c) Als Thermoelement für Hochtemperaturöfen
- d) Als linearer Referenzwiderstand
Richtig: b)
Die Sprungkennlinie kennzeichnet den Halbleiter-PTC (Kaltleiter). Sie eignet sich, um eine Übertemperaturschwelle sicher zu erkennen und abzuschalten — typisch der Motorschutz-Thermistor in der Wicklung. Zum genauen Messen taugt die Sprungkennlinie nicht.
Für eine Messung bei −150 °C in einer Kälteanlage soll der Sensor noch zuverlässig arbeiten. Welche Bauart scheidet als Erstes aus?
- a) PT100
- b) Thermoelement Typ N
- c) NTC
- d) PT1000
Richtig: c)
Übliche NTCs sind nur bis etwa −40 °C spezifiziert und fallen bei −150 °C aus. PT100/PT1000 reichen bis −200 °C, Typ-N-Thermoelemente ebenfalls bis −200 °C — beide sind hier einsetzbar, der NTC nicht.
Welche Aussage über die Signalgröße eines Thermoelements trifft zu?
- a) Es liefert ein großes Spannungssignal im Voltbereich
- b) Es liefert einen Widerstand von genau 100 Ω bei 0 °C
- c) Es liefert ein digitales Signal direkt für die SPS
- d) Es liefert ein kleines Spannungssignal im Millivoltbereich
Richtig: d)
Die Thermospannung liegt typischerweise im Millivoltbereich, weshalb eine empfindliche Auswertung nötig ist. 100 Ω bei 0 °C ist der PT100, ein direktes Digitalsignal liefert das Thermoelement nicht.
In welcher Einheit müssen Temperaturen in die B-Wert-Gleichung des NTC eingesetzt werden, und warum?
- a) In °C, weil das die übliche Anzeigeeinheit ist
- b) In Kelvin, weil die Gleichung mit den Kehrwerten der absoluten Temperatur arbeitet
- c) In Fahrenheit, weil der B-Wert darauf bezogen ist
- d) Egal, das Ergebnis ist unabhängig von der Einheit
Richtig: b)
Die B-Wert-Gleichung enthält 1/T und 1/T_N. Kehrwerte und die Nähe zu 0 °C machen die °C-Skala unbrauchbar; nur die absolute Kelvin-Skala liefert korrekte Werte. Das Ergebnis ist damit keineswegs einheitenunabhängig.
Ein Anwender will an einer Stelle messen, an der lange Anschlussleitungen unvermeidbar sind, und entscheidet sich gegen eine aufwendige 4-Leiter-Schaltung. Welche Sensorwahl reduziert den Einfluss des Leitungswiderstands am einfachsten?
- a) NTC mit sehr kleinem B-Wert
- b) PT100 in 2-Leiter-Schaltung
- c) Thermoelement ohne Kaltstellenkompensation
- d) PT1000 statt PT100
Richtig: d)
Der zehnfache Grundwiderstand des PT1000 macht denselben Leitungswiderstand relativ kleiner und damit den Fehler geringer — eine einfache konstruktive Lösung. Ein PT100 in 2-Leiter bleibt anfällig, der NTC-B-Wert hat damit nichts zu tun, und ein Thermoelement ohne Kaltstellenkompensation wäre grundsätzlich fehlerhaft.
Welche Kombination aus Sensortyp und typischer Anwendung passt korrekt zusammen?
- a) PT100 – genaue Prozesstemperaturüberwachung in einer Industrieanlage
- b) Thermoelement Typ K – Raumthermostat im Wohnbereich
- c) Halbleiter-PTC – hochgenaue Labormessung im Bereich 0 bis 100 °C
- d) NTC – Temperaturmessung im 1200-°C-Schmelzofen
Richtig: a)
Der PT100 ist mit seiner Genauigkeit und Stabilität die klassische Wahl für die Prozessüberwachung. Ein Typ-K-Thermoelement wäre für einen Raumthermostat überdimensioniert, der Halbleiter-PTC ist ein Schaltelement statt Messfühler, und der NTC ist für 1200 °C völlig ungeeignet.
Zwei Thermoelemente, Mess- und Vergleichsstelle jeweils auf gleicher Temperatur. Wie groß ist die gelieferte Thermospannung?
- a) Maximal, weil beide Stellen aktiv sind
- b) Etwa die halbe Maximalspannung
- c) Null, weil keine Temperaturdifferenz besteht
- d) Unbestimmt, abhängig vom Leitungswiderstand
Richtig: c)
Die Thermospannung ist proportional zur Temperaturdifferenz. Sind beide Stellen gleich warm, ist die Differenz null und damit auch die Spannung. Der Leitungswiderstand spielt hier keine Rolle.
Glossar
- PT100
- Platin-Widerstandsthermometer mit 100 Ω bei 0 °C und positivem, nahezu linearem Temperaturgang; Standardsensor für genaue Messungen.
- PT1000
- Wie PT100, aber mit 1000 Ω Grundwiderstand bei 0 °C; der höhere Grundwert verringert den Einfluss des Leitungswiderstands.
- Temperaturkoeffizient (alpha)
- Maß dafür, wie stark sich der Widerstand eines Materials pro Grad Temperaturänderung ändert; für genormte Platin-Messwiderstände 0,00385 1/K.
- NTC (Heißleiter)
- Halbleiter-Widerstand mit negativem Temperaturkoeffizienten: der Widerstand sinkt bei Erwärmung. Empfindlich, aber stark nichtlinear.
- PTC (Kaltleiter)
- Bauteil mit positivem Temperaturkoeffizienten. Als Halbleiter-Kaltleiter mit Sprungkennlinie wird er zum Schalten und Schützen verwendet, nicht zum genauen Messen.
- B-Wert
- Materialkonstante eines NTC in Kelvin, die die Steilheit seiner Widerstands-Temperatur-Kennlinie beschreibt.
- Thermoelement
- Temperatursensor, der über den Seebeck-Effekt eine Spannung aus dem Temperaturunterschied zwischen Mess- und Vergleichsstelle erzeugt.
- Seebeck-Effekt
- Entstehung einer elektrischen Spannung an der Verbindungsstelle zweier unterschiedlicher Metalle bei einem Temperaturunterschied.
- Vergleichsstelle (Kaltstelle)
- Die freien Enden des Thermoelements, deren Temperatur bekannt sein muss, weil nur die Differenz zur Messstelle die Thermospannung bestimmt.
- Kaltstellenkompensation
- Verfahren im Messumformer, das die Vergleichsstellentemperatur separat erfasst und aus dem Messergebnis herausrechnet.
