Korrosion – Arten und Ursachen
Stahl rostet, Aluminium läuft an, eine Schraube frisst sich in ein Alublech fest – all das ist Korrosion. Was nach reinem Materialverschleiß aussieht, folgt einem klaren physikalisch-chemischen Prinzip. Wer dieses Prinzip versteht, kann jede Korrosionsart einordnen, vorhersehen wo sie auftritt und teure Konstruktionsfehler vermeiden. Genau darum geht es in diesem Beitrag.
Vorwissen
- Eisen und Stahl – Grundlagen
- NE-Metalle: Aluminium, Kupfer, Messing
- Chemische Grundlagen: Atome, Ionen, Oxidation und Reduktion
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, was Korrosion is und warum Metalle überhaupt korrodieren
- das elektrochemische Grundprinzip mit Anode, Kathode und Elektrolyt beschreiben
- die wichtigsten Erscheinungsformen der Korrosion erkennen und voneinander unterscheiden
- die Faktoren benennen, die Korrosion antreiben oder beschleunigen
- typische Schadensbilder in der Praxis der jeweils richtigen Korrosionsart zuordnen
1. Was ist Korrosion?
Die meisten Gebrauchsmetalle kommen in der Natur nicht als reines Metall vor, sondern als Erz – also als chemische Verbindung, meist als Oxid. Eisen steckt im Eisenerz als Eisenoxid. Erst im Hochofen wird unter hohem Energieaufwand das reine Metall herausgeholt. Dieses Metall ist energetisch betrachtet in einem „unnatürlichen“, angehobenen Zustand und hat das Bestreben, in seine energieärmere Ausgangsform zurückzukehren. Rost ist nichts anderes als Eisen, das wieder zu Eisenoxid geworden ist.
Korrosion ist die Reaktion eines Werkstoffs mit seiner Umgebung, die zu einer messbaren Veränderung des Werkstoffs führt und seine Funktion beeinträchtigen kann. Bei Metallen ist diese Reaktion fast immer eine Oxidation – das Metall gibt Elektronen ab und geht in eine Verbindung über.
Man unterscheidet zwei grundsätzliche Mechanismen:
- Chemische Korrosion läuft ohne Beteiligung von Wasser ab, typischerweise bei hohen Temperaturen. Beispiel: Zunderbildung – eine dunkle, spröde Schicht aus Eisenoxiden – an glühendem Stahl. Das Metall reagiert dabei direkt mit dem Sauerstoff der Luft.
- Elektrochemische Korrosion läuft bei Anwesenheit von Feuchtigkeit ab und ist der mit Abstand häufigste Fall in der Praxis. Hier fließen tatsächlich elektrische Ströme. Diesem Mechanismus widmet sich das nächste Kapitel ausführlich, weil er fast alle praktisch relevanten Korrosionsschäden erklärt.
Der Schaden durch Korrosion ist enorm: Schätzungen zufolge gehen jährlich mehrere Prozent der Wirtschaftsleistung von Industriestaaten durch Korrosion und ihre Folgen verloren. Für die tägliche Arbeit zählt aber vor allem: Korrosion is kein Zufall, sondern folgt nachvollziehbaren Regeln.
Warum besitzen die meisten reinen Gebrauchsmetalle das Bestreben zu korrodieren?
- a) Weil sie aus einem energiereicheren Zustand in ihre energieärmere Verbindungsform zurückstreben
- b) Weil sie elektrisch geladen sind und sich entladen wollen
- c) Weil sich ihre Kristallstruktur bei Raumtemperatur ständig umwandelt
- d) Weil sie Feuchtigkeit chemisch binden müssen
Richtig: a)
Reines Metall wird unter Energieaufwand aus dem Erz gewonnen und befindet sich dadurch in einem energetisch angehobenen Zustand. Es strebt zurück in die energieärmere Verbindung (z.B. Oxid) – das ist Korrosion. b beschreibt keinen korrekten Mechanismus, die Ladung ist nicht der Antrieb. c ist falsch, Gefügeumwandlungen finden bei Raumtemperatur nicht laufend statt und sind keine Korrosion. d verwechselt Ursache und Begleitumstand: Feuchtigkeit begünstigt Korrosion, ist aber nicht das „Bestreben“ des Metalls.
Worin unterscheidet sich chemische von elektrochemischer Korrosion grundsätzlich?
- a) Chemische Korrosion betrifft nur Nichteisenmetalle
- b) Elektrochemische Korrosion läuft nur bei reinen Edelmetallen ab
- c) Chemische Korrosion tritt ausschließlich unter Wasser auf
- d) Elektrochemische Korrosion benötigt Feuchtigkeit und es fließen dabei elektrische Ströme
Richtig: d)
Das Unterscheidungsmerkmal ist der Mechanismus: Elektrochemische Korrosion setzt einen Feuchtigkeitsfilm voraus, in dem Ionen wandern und Ströme fließen. Chemische Korrosion läuft trocken bei hohen Temperaturen ab (z.B. Zunder). a ist falsch, chemische Korrosion ist nicht auf NE-Metalle beschränkt. b ist falsch, gerade unedle Metalle korrodieren elektrochemisch stark. c kehrt den Sachverhalt um – chemische Korrosion läuft trocken, nicht unter Wasser.
2. Das elektrochemische Grundprinzip
Sobald ein Metall mit einem feuchten Film bedeckt ist, kann man sich den Vorgang wie eine winzige, kurzgeschlossene Batterie vorstellen. Diese „Batterie“ nennt man Korrosionselement. Sie braucht drei Bestandteile, damit sie funktioniert.
Der erste Bestandteil ist die Anode. Das ist die Stelle, an der sich das Metall auflöst. Hier findet die Oxidation statt: Metallatome geben Elektronen ab und gehen als positiv geladene Metall-Ionen in den Feuchtigkeitsfilm über. An der Anode entsteht der eigentliche Materialabtrag.
Der zweite Bestandteil ist die Kathode. Hier werden die Elektronen wieder verbraucht – es findet eine Reduktion statt. In den meisten praktischen Fällen reagieren die Elektronen mit dem im Wasser gelösten Sauerstoff (Sauerstoffkorrosion). Im sauren Milieu können stattdessen Wasserstoff-Ionen reduziert werden, sodass Wasserstoffgas entsteht (Säurekorrosion oder Wasserstofftyp). An der Kathode selbst wird kein Metall abgetragen.
Der dritte Bestandteil ist der Elektrolyt: ein elektrisch leitfähiger Feuchtigkeitsfilm, in dem Ionen wandern können. Schon ein dünner Wasserfilm mit etwas gelöstem Salz genügt. Ohne Elektrolyt keine Ionenwanderung, ohne Ionenwanderung kein Korrosionsstrom.
Die Elektronen fließen im Metall selbst von der Anode zur Kathode, während sich im Elektrolyt der Stromkreis über die wandernden Ionen schließt. Beides zusammen ergibt einen geschlossenen Kreis – die Korrosion läuft. Das folgende Schema zeigt dieses Lokalelement unter einem Wassertropfen.
Ob ein Metall eher zur Anode (Auflösung) oder zur Kathode (geschützt) wird, hängt davon ab, wie edel oder unedel es ist. Diese Rangordnung liefert die elektrochemische Spannungsreihe. In ihr sind die Metalle nach ihrem Standardpotenzial geordnet – einem Spannungswert, der angibt, wie stark ein Metall dazu neigt, Elektronen abzugeben. Wichtig dabei: Dieser Wert ist kein Absolutwert, sondern ein relatives Potenzial, gemessen gegen einen festen Bezugspunkt, die Standard-Wasserstoffelektrode. Ihr Potenzial wird per Definition auf null gesetzt; alle anderen Werte sind die Spannungsdifferenz dazu.
Unedle Metalle wie Magnesium, Zink oder Aluminium haben ein negatives Standardpotenzial – sie geben leicht Elektronen ab und werden in einem Korrosionselement zur Anode, lösen sich also auf. Edle Metalle wie Kupfer, Silber oder Gold haben ein positives Standardpotenzial und werden zur Kathode. Treffen zwei verschieden edle Metalle im selben Elektrolyt aufeinander, wird immer das unedlere geopfert.
An welcher Stelle eines Korrosionselements findet der eigentliche Materialabtrag statt?
- a) An der Kathode, wo Sauerstoff reduziert wird
- b) Im Elektrolyt, wo die Ionen wandern
- c) An der Anode, wo das Metall oxidiert und als Ion in Lösung geht
- d) Gleichmäßig an Anode und Kathode zugleich
Richtig: c)
Der Abtrag findet ausschließlich an der Anode statt – dort gibt das Metall Elektronen ab und löst sich als Ion auf. a ist falsch, an der Kathode wird kein Metall abgetragen, dort werden nur Elektronen verbraucht. b beschreibt den Ionentransport, nicht den Abtrag. d ist falsch, die beiden Vorgänge sind örtlich getrennt.
Was gibt das Standardpotenzial eines Metalls in der elektrochemischen Spannungsreihe an?
- a) Den absoluten Energiegehalt des Metalls in Joule
- b) Die relative Neigung, Elektronen abzugeben, gemessen gegen die Standard-Wasserstoffelektrode
- c) Die elektrische Leitfähigkeit des Metalls
- d) Die Temperatur, ab der das Metall zu korrodieren beginnt
Richtig: b)
Das Standardpotenzial ist ein relativer Spannungswert gegenüber der Standard-Wasserstoffelektrode (Nullpunkt) und beschreibt, wie leicht ein Metall Elektronen abgibt. a ist falsch, es ist kein Absolutwert. c verwechselt das Potenzial mit der Leitfähigkeit. d hat nichts mit dem Potenzial zu tun.
Zwei verschieden edle Metalle stehen leitend im selben Elektrolyt in Kontakt. Welches Metall korrodiert?
- a) Das unedlere Metall, weil es zur Anode wird und sich auflöst
- b) Das edlere Metall, weil es zur Anode wird
- c) Beide gleich stark
- d) Keines, solange überhaupt ein Kontakt besteht
Richtig: a)
Das unedlere Metall (negativeres Standardpotenzial) wird zur Anode und opfert sich, das edlere wird zur Kathode und bleibt geschützt. b kehrt die Rollen um. c ist falsch, gerade die Potenzialdifferenz sorgt für ungleichen Abtrag. d ist falsch, der leitende Kontakt im Elektrolyt ist genau die Voraussetzung für den beschleunigten Angriff.
3. Erscheinungsformen der Korrosion
Korrosion sieht nicht immer gleich aus. Je nachdem, wie Anode und Kathode räumlich verteilt sind und welche Bedingungen herrschen, entstehen sehr unterschiedliche Schadensbilder. Wer die Formen unterscheiden kann, erkennt aus dem Schadensbild oft schon die Ursache.
Gleichmäßige Flächenkorrosion trägt das Metall mehr oder weniger gleichmäßig über die ganze Oberfläche ab. Anodische und kathodische Bereiche wechseln ständig ihren Ort. Das ist die „gutmütigste“ Form: Der Abtrag ist sichtbar, vorhersehbar und lässt sich mit einem Korrosionszuschlag bei der Wandstärke einplanen. Typisch für unlegierten Stahl an feuchter Luft.
Lochkorrosion (Lochfraß, Pitting) ist deutlich tückischer. Hier konzentriert sich der Angriff auf sehr kleine Stellen und frisst nadelstichartig in die Tiefe, während die übrige Oberfläche blank bleibt. Die Gefahr: Von außen wirkt das Bauteil intakt, ist aber innen schon durchlöchert. Lochfraß tritt besonders an nichtrostenden Stählen auf, wenn deren schützende Passivschicht örtlich durchbrochen wird – meist durch Chlorid-Ionen, etwa in Meerwasser, Schwimmbädern oder durch Streusalz.
Spaltkorrosion entsteht in engen Spalten, etwa unter Dichtungen, Ablagerungen oder in überlappenden Blechverbindungen. Im Spalt wird der Sauerstoff schneller verbraucht als er nachgeliefert werden kann. Dadurch entsteht ein Sauerstoffunterschied zwischen Spalt und freier Oberfläche, der die Korrosion im Spalt antreibt.
Kontaktkorrosion (galvanische Korrosion) tritt auf, wenn zwei verschieden edle Metalle leitend verbunden sind und beide im selben Elektrolyt liegen. Das unedlere Metall wird zur Anode und korrodiert beschleunigt, das edlere bleibt geschützt. Entscheidend – und in der Praxis oft unterschätzt – ist hier das Flächenverhältnis von Anode zu Kathode: Eine kleine anodische Fläche neben einer großen kathodischen Fläche ist der gefährlichste Fall, weil sich der gesamte Korrosionsangriff auf die kleine unedle Fläche konzentriert und sie regelrecht „auffrisst“. Eine kleine Edelstahlschraube in einem großen Aluminiumblech ist relativ unkritisch (große unedle Fläche, kleiner Angriff je Stelle). Umgekehrt ist eine kleine Aluminiumschraube in einem großen Edelstahlblech ein massives Problem – die kleine unedle Schraube korrodiert sehr schnell durch. Die Faustregel lautet: große Kathode plus kleine Anode gleich hohes Risiko.
Interkristalline Korrosion läuft entlang der Korngrenzen im Gefüge und ist von außen kaum zu sehen, schwächt das Bauteil aber bis zum plötzlichen Bruch. Sie tritt vor allem an bestimmten nichtrostenden Stählen auf, wenn diese in einem ungünstigen Temperaturbereich verarbeitet wurden, etwa neben Schweißnähten.
Spannungsrisskorrosion ist das Zusammenwirken von mechanischer Zugspannung und einem korrosiven Medium. Erst beides zusammen erzeugt Risse, die ohne die Spannung nicht und ohne das Medium ebenfalls nicht entstehen würden. Gefährlich, weil das Bauteil ohne sichtbaren Materialverlust spröde aufreißen kann.
Daneben gibt es Sonderformen wie die Erosionskorrosion (Korrosion plus mechanischer Abtrag durch strömendes Medium) und die Kavitationskorrosion (durch zusammenfallende Dampfblasen an schnell durchströmten Bauteilen wie Pumpenlaufrädern).
Warum gilt Lochkorrosion als besonders gefährlich, obwohl der gesamte Materialverlust gering sein kann?
- a) Weil sie immer die ganze Oberfläche gleichmäßig schwächt
- b) Weil sie nur an Edelmetallen wie Gold auftritt
- c) Weil sie ausschließlich bei hohen Temperaturen ohne Feuchtigkeit entsteht
- d) Weil sie nadelstichartig in die Tiefe geht und das Bauteil von außen intakt wirkt, während es innen durchlöchert ist
Richtig: d)
Lochfraß konzentriert sich auf kleine Stellen und durchdringt das Material punktuell, während die Oberfläche blank bleibt – die Schäden werden oft zu spät entdeckt. a beschreibt die Flächenkorrosion. b ist falsch, Lochfraß tritt typisch an nichtrostenden Stählen mit beschädigter Passivschicht auf. c verwechselt Lochfraß mit chemischer Hochtemperaturkorrosion.
Eine kleine Schraube aus unedlem Metall sitzt in einem großen Blech aus edlerem Metall, beide leitend im selben Elektrolyt. Wie ist das Korrosionsrisiko einzuschätzen?
- a) Hoch, weil sich der Angriff einer großen Kathode auf die kleine anodische Fläche der Schraube konzentriert
- b) Gering, weil die Schraube sehr klein ist
- c) Gering, weil das große Blech die Korrosion auf sich zieht
- d) Es entsteht keine Korrosion, weil zwei Metalle sich gegenseitig schützen
Richtig: a)
Das Flächenverhältnis ist entscheidend: Große Kathode plus kleine Anode bedeutet, dass der gesamte Korrosionsstrom auf die kleine unedle Fläche konzentriert wird – die Schraube korrodiert sehr schnell durch. b und c verkennen genau dieses Verhältnis. d ist falsch, die Potenzialdifferenz treibt die Korrosion gerade an.
In einem engen Spalt unter einer Dichtung tritt verstärkt Korrosion auf. Welche Erklärung passt am besten?
- a) Im Spalt ist die Temperatur deutlich höher als außen
- b) Der Spalt wirkt als Isolator und unterbindet jeden Stromfluss
- c) Im Spalt wird der Sauerstoff verbraucht und kaum nachgeliefert, wodurch ein Sauerstoffunterschied die Korrosion antreibt
- d) Dichtungen geben grundsätzlich korrosive Stoffe ab
Richtig: c)
In engen Spalten entsteht ein Sauerstoffgefälle zwischen Spaltinnerem und freier Oberfläche – dieser Unterschied bildet ein Korrosionselement und treibt den Angriff im Spalt an. a ist nicht die Ursache. b ist falsch, der Elektrolyt im Spalt leitet weiterhin. d ist eine unzutreffende Pauschalaussage.
4. Ursachen und Einflussfaktoren
Die Erscheinungsformen aus Kapitel 3 entstehen nicht von selbst – sie brauchen bestimmte Bedingungen. Wer die treibenden Faktoren kennt, kann abschätzen, wo und wie schnell ein Bauteil korrodiert.
Der wichtigste Faktor ist Feuchtigkeit, denn sie bildet den Elektrolyt. Ohne leitfähigen Feuchtigkeitsfilm läuft die elektrochemische Korrosion praktisch nicht ab. Trockene Innenräume sind deshalb weit weniger kritisch als der Außenbereich oder feuchte Produktionshallen.
Der zweite Faktor ist gelöster Sauerstoff. Bei der häufigen Sauerstoffkorrosion ist er der Reaktionspartner an der Kathode – mehr Sauerstoff bedeutet meist mehr Korrosion. Gleichzeitig sind es gerade Sauerstoffunterschiede, die Spalt- und Belüftungselemente antreiben.
Salze, besonders Chloride, beschleunigen Korrosion gleich doppelt: Sie erhöhen die Leitfähigkeit des Elektrolyts und greifen zusätzlich die schützenden Passivschichten nichtrostender Stähle an. Streusalz im Winter, salzhaltige Luft an der Küste und Chloride in Reinigungsmitteln sind klassische Treiber von Lochfraß.
Der pH-Wert entscheidet über den Korrosionstyp: Im sauren Bereich dominiert die Wasserstoffkorrosion, im neutralen die Sauerstoffkorrosion. Stark saure oder stark alkalische Medien können den Angriff erheblich verstärken.
Die Temperatur wirkt wie ein Beschleuniger: Höhere Temperatur bedeutet in der Regel schnellere Reaktionen und damit höhere Korrosionsgeschwindigkeit.
Die Materialpaarung ist beim Konstruieren der vielleicht wichtigste beeinflussbare Faktor. Je weiter zwei verbundene Metalle in der Spannungsreihe auseinanderliegen, desto stärker die Kontaktkorrosion. Wer Metalle mit ähnlichem Potenzial kombiniert oder sie elektrisch voneinander isoliert, vermeidet das Problem von vornherein.
Auch der Oberflächenzustand spielt mit: Kratzer, raue Stellen und Beschädigungen schützender Schichten sind bevorzugte Startpunkte. Und schließlich kann mechanische Spannung im Bauteil – etwa durch Schweißen, Kaltverformung oder Betriebslasten – in Verbindung mit einem korrosiven Medium zu Spannungsrisskorrosion führen.
Ein wiederkehrendes Muster verbindet mehrere dieser Faktoren: das Belüftungselement. Liegt an einer Stelle des Bauteils mehr Sauerstoff vor als an einer anderen, bildet sich ein Korrosionselement. Die sauerstoffärmere Stelle – etwa der Spaltgrund oder die Stelle unter einem Wassertropfen – wird zur Anode und korrodiert. Das erklärt, warum gerade verdeckte, schlecht belüftete Bereiche überraschend stark betroffen sind.
Warum beschleunigen Chloride die Korrosion nichtrostender Stähle besonders stark?
- a) Sie senken die Temperatur des Elektrolyts
- b) Sie erhöhen die Leitfähigkeit des Elektrolyts und durchbrechen örtlich die schützende Passivschicht
- c) Sie verdrängen den gesamten Sauerstoff aus dem Wasser
- d) Sie wandeln den Stahl chemisch in Aluminium um
Richtig: b)
Chloride wirken doppelt: bessere Leitfähigkeit des Elektrolyts und gezielter Angriff auf die Passivschicht, was Lochfraß auslöst. a ist falsch und ohnehin nicht korrosionsfördernd. c ist falsch, sie verdrängen den Sauerstoff nicht. d ist chemisch unsinnig.
Wodurch entsteht ein Belüftungselement und welche Stelle korrodiert dabei?
- a) Durch einen Temperaturunterschied; die wärmere Stelle korrodiert
- b) Durch einen Druckunterschied; die Stelle mit höherem Druck korrodiert
- c) Durch einen Sauerstoffunterschied; die sauerstoffärmere Stelle wird zur Anode und korrodiert
- d) Durch Lichteinfall; die beschattete Stelle korrodiert
Richtig: c)
Unterschiedliche Sauerstoffkonzentrationen bilden ein Korrosionselement. Die sauerstoffärmere Zone (z.B. Spaltgrund, unter einem Tropfen) wird anodisch und löst sich auf. a, b und d nennen Faktoren, die hier nicht der Auslöser sind.
Warum ist die Wahl der Materialpaarung der beim Konstruieren entscheidende Hebel gegen Kontaktkorrosion?
- a) Weil die Materialpaarung die Umgebungstemperatur festlegt
- b) Weil teure Metalle grundsätzlich nicht korrodieren
- c) Weil die Paarung den pH-Wert des Elektrolyts bestimmt
- d) Weil ähnliche Potenziale oder elektrische Trennung die treibende Potenzialdifferenz verringern oder ausschalten
Richtig: d)
Kontaktkorrosion wird durch die Potenzialdifferenz zweier Metalle getrieben. Wählt man Metalle mit ähnlichem Potenzial oder isoliert sie elektrisch, entfällt der Antrieb. a und c sind sachlich falsch, die Paarung bestimmt weder Temperatur noch pH-Wert. b ist falsch, auch edle Metalle korrodieren unter passenden Bedingungen.
5. Korrosion in der Praxis erkennen und einordnen
Im Betrieb begegnet einem Korrosion selten als Lehrbuchfall, sondern als konkretes Schadensbild – und genau das gilt es richtig zu deuten. Drei typische Situationen aus der mechatronischen Praxis:
Mischverbindung Aluminium an Stahl. Werden Aluminiumbauteile mit Stahlschrauben oder an Stahlkonstruktionen befestigt und kommt Feuchtigkeit dazu, ist Kontaktkorrosion vorprogrammiert. Aluminium ist das unedlere Metall und wird zur Anode. Kritisch wird es, wenn die Aluminiumfläche im Verhältnis zur Stahlfläche klein ist. Abhilfe schafft eine elektrische Trennung der beiden Metalle – aber das gehört schon zum Thema Schutz.
Rost an Schweißnähten. An und neben Schweißnähten finden sich oft die ersten Korrosionsstellen. Gründe sind veränderte Gefüge, Eigenspannungen aus dem Schweißprozess und – bei nichtrostenden Stählen – die Gefahr interkristalliner Korrosion im wärmebeeinflussten Bereich. Eine Schweißnaht, die früher rostet als der Rest, ist also kein Zufall, sondern ein erwartbares Muster.
Lochfraß an Edelstahl in chloridhaltiger Umgebung. Nichtrostender Stahl gilt als „rostfrei“, ist es aber nur, solange seine Passivschicht intakt bleibt. In Schwimmbädern, Meerwassernähe oder bei salzhaltiger Reinigung greifen Chloride diese Schicht an und es entsteht punktueller Lochfraß. Eine blank wirkende Edelstahloberfläche mit einzelnen winzigen Löchern ist ein klares Indiz.
Wie man Bauteile dauerhaft vor diesen Schäden schützt – etwa durch Feuerverzinken, geeignete Beschichtungen oder kathodischen Korrosionsschutz – ist ein eigenes, umfangreiches Thema und wird in einem gesonderten Beitrag zum Korrosionsschutz behandelt. Hier genügt die Einordnung: Wer das Schadensbild der richtigen Korrosionsart zuordnet, kennt bereits die Ursache und damit den Ansatzpunkt für jede Schutzmaßnahme.
An einer Aluminiumkonstruktion, die mit Stahlschrauben befestigt ist, zeigt sich nach feuchter Witterung Korrosion vor allem am Aluminium rund um die Schrauben. Welche Korrosionsart liegt vor?
- a) Spannungsrisskorrosion, ausgelöst durch das Anziehen der Schrauben
- b) Interkristalline Korrosion entlang der Korngrenzen des Aluminiums
- c) Reine Flächenkorrosion ohne Beteiligung der Schrauben
- d) Kontaktkorrosion, weil das unedlere Aluminium zur Anode wird
Richtig: d)
Zwei verschieden edle Metalle (Aluminium und Stahl) im feuchten Kontakt bilden ein Korrosionselement; das unedlere Aluminium wird zur Anode und korrodiert bevorzugt – Kontaktkorrosion. a setzt zusätzliche Zugspannung und ein rissförmiges Bild voraus. b betrifft das Korngefüge, nicht die Metallpaarung. c ignoriert die offensichtliche Rolle der Materialpaarung.
Eine Edelstahloberfläche in einem Schwimmbad zeigt einzelne winzige, tiefe Löcher bei sonst blanker Fläche. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?
- a) Chlorid-induzierter Lochfraß durch Durchbruch der Passivschicht
- b) Gleichmäßige Flächenkorrosion durch Luftfeuchtigkeit
- c) Kavitationskorrosion durch strömendes Wasser
- d) Chemische Zunderbildung bei hoher Temperatur
Richtig: a)
Das Bild – blanke Fläche mit punktuellen, tiefen Löchern – ist typisch für chloridinduzierten Lochfraß; die chloridreiche Schwimmbadluft durchbricht die Passivschicht. b passt nicht zum punktuellen Bild. c setzt schnell strömendes Medium und Dampfblasen voraus. d ist eine Hochtemperatur-Trockenform und passt nicht.
Warum rostet eine Schweißnaht an einem Bauteil häufig früher als das umgebende Grundmaterial?
- a) Weil Schweißnähte immer aus einem edleren Werkstoff bestehen
- b) Weil Schweißnähte grundsätzlich keinen Sauerstoff abbekommen
- c) Weil veränderte Gefüge, Eigenspannungen und bei nichtrostendem Stahl interkristalline Anfälligkeit im wärmebeeinflussten Bereich zusammenkommen
- d) Weil das Schweißen den pH-Wert der Umgebung dauerhaft senkt
Richtig: c)
Der Wärmeeintrag beim Schweißen verändert das Gefüge, hinterlässt Eigenspannungen und kann bei nichtrostenden Stählen interkristalline Korrosion begünstigen – mehrere Faktoren wirken zusammen. a ist falsch, das Zusatzmaterial ist nicht zwangsläufig edler. b ist unzutreffend. d ist sachlich falsch, Schweißen verändert den pH der Umgebung nicht dauerhaft.
Abschlusstest
What is the most accurate definition of corrosion?
- a) Das mechanische Abschleifen einer Metalloberfläche durch Reibung
- b) Das Schmelzen eines Metalls bei Überhitzung
- c) Die Reaktion eines Werkstoffs mit seiner Umgebung, die ihn verändert und seine Funktion beeinträchtigen kann
- d) Die Verformung eines Metalls unter Dauerlast
Richtig: c)
Korrosion ist definitionsgemäß die Reaktion des Werkstoffs mit seiner Umgebung. a beschreibt Verschleiß/Abrasion, b einen rein thermischen Vorgang, d ist Kriechen bzw. plastische Verformung.
Welche drei Bestandteile braucht ein Korrosionselement zwingend?
- a) Pluspol, Minuspol und eine Spannungsquelle
- b) Anode, Kathode und ein leitfähiger Elektrolyt
- c) Zwei gleiche Metalle und trockene Luft
- d) Sauerstoff, Stickstoff und Wärme
Richtig: b)
Anode (Auflösung), Kathode (Reduktion) und Elektrolyt (Ionenleitung) bilden zusammen den geschlossenen Stromkreis. a überträgt das Batteriebild zu wörtlich, c und d nennen keine vollständigen Voraussetzungen.
Ein unedles und ein edles Metall sind leitend verbunden und liegen im selben Elektrolyt. Welche Aussage stimmt?
- a) Das edlere Metall löst sich auf
- b) Das unedlere Metall wird zur Anode und korrodiert beschleunigt
- c) Beide lösen sich gleich schnell auf
- d) Es passiert nichts, solange die Metalle sich berühren
Richtig: b)
Das unedlere Metall mit dem negativeren Potenzial wird zur Anode und opfert sich; das edlere bleibt geschützt. Die übrigen Antworten widersprechen der Spannungsreihe.
Welche Rolle spielt das Flächenverhältnis bei Kontaktkorrosion?
- a) Eine große Kathode neben einer kleinen Anode ergibt das höchste Risiko
- b) Es hat keinen Einfluss, nur die Metallart zählt
- c) Eine große Anode neben einer kleinen Kathode ist am gefährlichsten
- d) Nur gleich große Flächen können überhaupt korrodieren
Richtig: a)
Bei großer Kathode und kleiner Anode konzentriert sich der gesamte Angriff auf die kleine unedle Fläche und frisst sie schnell durch. c kehrt das Verhältnis um, b und d sind falsch.
Welche Korrosionsart geht nadelstichartig in die Tiefe, während die Oberfläche blank bleibt?
- a) Flächenkorrosion
- b) Spannungsrisskorrosion
- c) Lochkorrosion
- d) Erosionskorrosion
Richtig: c)
Lochfraß konzentriert den Angriff punktuell in die Tiefe. a ist gleichmäßig, b erzeugt Risse unter Zugspannung, d kombiniert Korrosion mit Strömungsabtrag.
Warum ist gerade ein enger Spalt unter einer Dichtung korrosionsanfällig?
- a) Dort ist die mechanische Belastung am höchsten
- b) Dichtungen leiten den Strom besonders gut
- c) Spalten sind immer wärmer als die Umgebung
- d) Im Spalt entsteht ein Sauerstoffunterschied, der die sauerstoffarme Zone zur Anode macht
Richtig: d)
Sauerstoffmangel im Spalt erzeugt ein Belüftungselement; der Spaltgrund wird anodisch. Die anderen Optionen treffen die Ursache nicht.
Welche Kombination führt zur Spannungsrisskorrosion?
- a) Mechanische Zugspannung zusammen mit einem korrosiven Medium
- b) Trockene Wärme allein
- c) Reine Druckbelastung ohne Feuchtigkeit
- d) Ausschließlich ein niedriger pH-Wert ohne Last
Richtig: a)
Erst das Zusammenwirken von Zugspannung und korrosivem Medium erzeugt die typischen Risse; jede Komponente allein reicht nicht. Die übrigen Antworten nennen nur einen Teilaspekt.
Ein Stahlbauteil soll im trockenen, beheizten Innenraum eingesetzt werden. Wie ist das elektrochemische Korrosionsrisiko grundsätzlich einzuschätzen?
- a) Sehr hoch, weil Wärme die Korrosion immer dominiert
- b) Unabhängig von der Feuchtigkeit immer gleich
- c) Nur bei Edelmetallen niedrig
- d) Gering, weil ohne ausreichenden Feuchtigkeitsfilm der Elektrolyt für die elektrochemische Korrosion fehlt
Richtig: d)
Elektrochemische Korrosion braucht einen leitfähigen Feuchtigkeitsfilm; trockene Innenräume bieten den kaum, daher ist das Risiko gering. a überschätzt die Wärme isoliert, b und c sind sachlich falsch.
Warum schützt ein Zinküberzug Stahl auch dann noch, wenn er bereits verkratzt ist?
- a) Weil Zink eine besonders harte, kratzfeste Schicht bildet
- b) Weil Zink als unedleres Metall zur Anode wird und sich opfert, während der Stahl als Kathode geschützt bleibt
- c) Weil Zink den Sauerstoff vollständig aus der Luft entfernt
- d) Weil Zink edler ist als Stahl und deshalb nicht korrodiert
Richtig: b)
Zink ist unedler als Stahl, wird zur Anode und opfert sich – der Stahl bleibt geschützt, selbst bei kleinen Schäden im Überzug. a verwechselt Schutzwirkung mit Härte. c ist falsch. d kehrt die Edelkeit um.
Welcher Faktor wirkt bei der häufigen Sauerstoffkorrosion als Reaktionspartner an der Kathode?
- a) Stickstoff aus der Luft
- b) Reiner Wasserstoff aus dem Metall
- c) Im Wasser gelöster Sauerstoff
- d) Kohlendioxid
Richtig: c)
Bei der Sauerstoffkorrosion wird der im Elektrolyt gelösten Sauerstoff an der Kathode reduziert. Stickstoff (a) ist reaktionsträge, Wasserstoff (b) gehört zur Säurekorrosion, CO2 (d) ist hier nicht der maßgebliche Partner.
Zwei Bauteile aus Metallen mit sehr ähnlichem Standardpotenzial werden leitend verbunden und feucht betrieben. Wie stark ist die zu erwartende Kontaktkorrosion?
- a) Sehr stark, weil jeder Metallkontakt gefährlich ist
- b) Unvorhersehbar, das Potenzial spielt keine Rolle
- c) Null, weil identische Metalle nie korrodieren
- d) Gering, weil die kleine Potenzialdifferenz nur einen schwachen Antrieb liefert
Richtig: d)
Die Kontaktkorrosion wird von der Potenzialdifferenz getrieben; ist sie klein, ist auch der Antrieb klein. a überschätzt jeden Kontakt, b ignoriert die Spannungsreihe, c ist falsch, denn die Metalle sind ähnlich, nicht identisch, und können dennoch korrodieren.
Glossar
- Korrosion
- Reaktion eines Werkstoffs mit seiner Umgebung, die den Werkstoff verändert und seine Funktion beeinträchtigen kann; bei Metallen meist eine Oxidation.
- Zunder
- dunkle, spröde Schicht aus Eisenoxiden, die bei chemischer Korrosion an heißem oder glühendem Stahl durch direkte Reaktion mit dem Luftsauerstoff entsteht.
- Korrosionselement
- Anordnung aus Anode, Kathode und Elektrolyt, die wie eine kurzgeschlossene Batterie wirkt und den Korrosionsvorgang antreibt.
- Anode
- Stelle im Korrosionselement, an der das Metall oxidiert, Elektronen abgibt und sich als Ion auflöst; hier findet der Materialabtrag statt.
- Kathode
- Stelle im Korrosionselement, an der Elektronen werden verbraucht (Reduktion, meist von Sauerstoff); hier wird kein Metall abgetragen.
- Elektrolyt
- leitfähiger Feuchtigkeitsfilm, in dem Ionen wandern und so den Stromkreis des Korrosionselements schließen.
- Elektrochemische Spannungsreihe
- Rangordnung der Metalle nach ihrem Standardpotenzial, geordnet von unedel bis edel.
- Standardpotenzial
- relativer Spannungswert eines Metalls, gemessen gegen die Standard-Wasserstoffelektrode; gibt die Neigung an, Elektronen abzugeben.
- Standard-Wasserstoffelektrode
- definierter Bezugspunkt der Spannungsreihe mit dem Potenzial null, auf den alle anderen Potenzialwerte bezogen sind.
- Flächenkorrosion
- gleichmäßiger Materialabtrag über die gesamte Oberfläche; vorhersehbar und einplanbar.
- Lochkorrosion
- punktueller, nadelstichartiger Angriff in die Tiefe bei blank bleibender Oberfläche; typisch an nichtrostendem Stahl durch Chloride.
- Spaltkorrosion
- verstärkte Korrosion in engen Spalten infolge Sauerstoffmangels im Spaltinneren.
- Kontaktkorrosion
- beschleunigte Korrosion des unedleren Metalls, wenn zwei verschieden edle Metalle leitend im selben Elektrolyt verbunden sind; stark vom Flächenverhältnis abhängig.
- Flächenverhältnis
- Verhältnis von anodischer zu kathodischer Fläche; große Kathode plus kleine Anode ergibt das höchste Korrosionsrisiko.
- Interkristalline Korrosion
- Angriff entlang der Korngrenzen, von außen kaum sichtbar, kann zum plötzlichen Bruch führen.
- Spannungsrisskorrosion
- Rissbildung durch das Zusammenwirken von mechanischer Zugspannung und korrosivem Medium.
- Passivschicht
- dünne, schützende Oxidschicht, die nichtrostende Stähle und Aluminium gegen Korrosion abschirmt, solange sie unbeschädigt bleibt.
- Belüftungselement
- Korrosionselement, das durch unterschiedliche Sauerstoffkonzentrationen entsteht; die sauerstoffärmere Stelle wird zur Anode.
