Induktive Näherungsschalter
Ein kleiner Zylinder mit Gewinde, vorne eine glatte Stirnfläche, hinten ein Kabel oder Stecker – so sieht der meistgenutzte Sensor in der Fertigung aus. Der induktive Näherungsschalter meldet, ob ein Metallteil in der Nähe ist, ohne es zu berühren. Kein Hebel, der verschleißt, kein Kontakt, der prellt.
Dieser Beitrag erklärt, wie er funktioniert, welche Kenngrößen bei der Auswahl zählen, wie er angeschlossen wird und worauf es beim Einbau ankommt.
Vorwissen
- Das magnetische Feld
- Elektromagnetische Induktion und Wirbelströme
- Sensoren – Signalarten (binär, analog, digital)
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- das Wirkprinzip eines induktiven Näherungsschalters in eigenen Worten erklären
- Nennschaltabstand, Realschaltabstand und Schalthysterese unterscheiden
- den reduzierten Schaltabstand für verschiedene Metalle über den Korrekturfaktor berechnen
- einen passenden Sensor anhand von Material, Bauform und Einbausituation auswählen
- typische Einbaufehler erkennen und vermeiden
1. Was ist ein induktiver Näherungsschalter?
Ein induktiver Näherungsschalter ist ein elektronischer Sensor, der das Vorhandensein von Metall berührungslos erkennt. Sobald ein metallisches Objekt in einen definierten Bereich vor der Stirnfläche gelangt, schaltet der Ausgang. Es gibt also nur zwei Zustände – Metall da oder nicht da. Das ist ein binäres Signal.
Der Unterschied zum mechanischen Endschalter liegt auf der Hand: Beim Endschalter drückt das Werkstück gegen einen Hebel oder Stößel, ein Kontakt wird mechanisch betätigt. Das funktioniert, verschleißt aber und prellt. Der induktive Sensor hat keine beweglichen Teile und keinen Kontakt zum Objekt. Er hält dadurch viele Millionen Schaltspiele aus und arbeitet auch bei hoher Schaltfrequenz zuverlässig. (Die mechanischen Schalter werden in einem eigenen Beitrag behandelt – hier reicht die Abgrenzung.)
Wichtig von Anfang an: Ein induktiver Näherungsschalter reagiert ausschließlich auf Metall. Holz, Kunststoff, Glas, Papier oder Flüssigkeiten erkennt er nicht. Für nichtmetallische Objekte braucht man andere Sensorprinzipien.
Die gängigen Bauformen sind zylindrisch mit Gewinde – typisch M8, M12, M18 und M30 – sowie quaderförmige Bauformen für flache Einbausituationen. Die Größe bestimmt mit, wie weit der Sensor „sehen“ kann: Ein M30-Sensor hat einen deutlich größeren Schaltabstand als ein M8.
Eine Anlage soll erkennen, ob eine Kunststoffflasche an einer bestimmten Position steht. Warum ist ein induktiver Näherungsschalter dafür ungeeignet?
- a) Weil er nur auf metallische Objekte reagiert
- b) Weil er zu langsam schaltet
- c) Weil er ein analoges Signal liefert
- d) Weil er mechanischen Kontakt benötigt
Richtig: a)
Das induktive Prinzip beruht auf der Wechselwirkung mit Metall (Wirbelströme). Kunststoff beeinflusst das Sensorfeld praktisch nicht, daher bleibt der Ausgang ungeschaltet. b ist falsch, weil induktive Sensoren sehr schnell sind; c ist falsch, weil das Ausgangssignal binär ist; d beschreibt gerade das Gegenteil – der Sensor arbeitet berührungslos.
Worin liegt der wesentliche Vorteil des induktiven Näherungsschalters gegenüber einem mechanischen Endschalter bei einer hochfrequenten Zählaufgabe?
- a) Er kann auch nichtmetallische Teile zählen
- b) Er liefert einen analogen Messwert der Objektgröße
- c) Er arbeitet verschleißfrei und ohne Kontaktprellen
- d) Er benötigt keine Betriebsspannung
Richtig: c)
Ohne bewegliche Teile gibt es keinen mechanischen Verschleiß und kein Prellen, das bei hoher Schaltfrequenz Fehlzählungen verursachen würde. a ist falsch (nur Metall), b ist falsch (binäres Signal), d ist falsch – als aktives elektronisches Gerät braucht der Sensor eine Versorgungsspannung.
2. Das Wirkprinzip: Schwingkreis und Bedämpfung
Im Inneren des Sensors steckt ein Oszillator – eine Schaltung, die eine elektrische Schwingung erzeugt und aufrechterhält. Zu diesem Oszillator gehört eine Spule, die in einem Ferrit-Schalenkern sitzt. Dieser Kern ist an der Stirnseite offen und bündelt das Magnetfeld nach vorne. So entsteht an der aktiven Fläche ein hochfrequentes magnetisches Wechselfeld, das ein Stück weit aus dem Sensor herausreicht.
Solange kein Metall in der Nähe ist, schwingt der Oszillator ungestört mit voller Amplitude.
Nähert sich nun ein Metallteil, geschieht Folgendes: Das Wechselfeld durchdringt die Metalloberfläche und erzeugt darin Wirbelströme – im Metall kreisende Ströme, die das wechselnde Magnetfeld induziert. Diese Wirbelströme entziehen dem Schwingkreis Energie. Die Schwingung wird bedämpft, ihre Amplitude sinkt.
Eine nachgeschaltete Auswertestufe überwacht ständig die Amplitude. Fällt sie unter eine festgelegte Schwelle – typisch in der Größenordnung von rund 70 % der ungedämpften Amplitude –, wertet die Elektronik das als „Metall erkannt“ und kippt das Ausgangssignal. Entfernt sich das Metall wieder, steigt die Amplitude über die Schwelle, und der Ausgang schaltet zurück. Der genaue Schwellenwert ist herstellerabhängig und im Gerät fest eingestellt.
Der gesamte Signalfluss in einem Satz: Oszillator erzeugt Feld → Metall bedämpft die Schwingung → Auswertestufe erkennt den Amplitudeneinbruch unter die Schaltschwelle → Endstufe schaltet den Ausgang.
Den prinzipiellen Aufbau und die Bedämpfung mit eingezeichneter Schaltschwelle zeigt die folgende Darstellung:
Welcher physikalische Effekt ist die unmittelbare Ursache dafür, dass der Oszillator beim Annähern von Metall an Amplitude verliert?
- a) Magnetisierung des Metalls
- b) Eine Erhöhung der Spuleninduktivität
- c) Eine kapazitive Kopplung zur Metalloberfläche
- d) Wirbelströme im Metall entziehen dem Schwingkreis Energie
Richtig: d)
Das hochfrequente Wechselfeld induziert im annähernden Metall Wirbelströme. Diese verbrauchen Energie, die dem Schwingkreis fehlt – die Amplitude sinkt. a beschreibt nur einen Nebeneffekt bei ferromagnetischem Material; b ist kein zutreffendes Wirkprinzip; c wäre das Prinzip eines kapazitiven, nicht eines induktiven Sensors.
In welcher Reihenfolge läuft die Signalverarbeitung im Sensor korrekt ab?
- a) Endstufe → Oszillator → Auswertestufe
- b) Auswertestufe → Oszillator → Endstufe
- c) Oszillator → Auswertestufe → Endstufe
- d) Oszillator → Endstufe → Auswertestufe
Richtig: c)
Der Oszillator erzeugt das Feld und die Schwingung, die Auswertestufe überwacht deren Amplitude und entscheidet, die Endstufe schaltet schließlich den Ausgang. Nur c gibt diese Kette richtig wieder.
Ein Sensor erkennt einen Aluminiumblock, obwohl Aluminium nicht ferromagnetisch ist. Wie ist das möglich?
- a) In jedem elektrischen Leiter entstehen Wirbelströme
- b) Aluminium wird durch das Feld magnetisiert
- c) Der Sensor misst die Wärmeleitfähigkeit
- d) Aluminium reflektiert das Magnetfeld vollständig
Richtig: a)
Wirbelströme entstehen in allen elektrisch leitfähigen Metallen, unabhängig vom Magnetismus. Deshalb werden auch Nichteisenmetalle erkannt – allerdings mit reduziertem Schaltabstand. b ist falsch (Alu ist nicht ferromagnetisch), c ist kein induktives Prinzip, d ist physikalisch unzutreffend.
3. Schaltabstand und Korrekturfaktoren
Der wichtigsten Auswahlwert ist der Schaltabstand – die Entfernung, ab der der Sensor ein annäherndes Metallobjekt erkennt. Bei diesem Wert lohnt es sich, genau hinzuschauen, denn es gibt mehrere davon.
Der Nennschaltabstand sₙ ist ein genormter Bezugswert unter festgelegten Bedingungen: Bezugsobjekt aus Baustahl (eine quadratische Platte aus weichem Stahl, z. B. Fe 360 / S235), Raumtemperatur, Nennspannung. Dieser Wert steht im Datenblatt und auf dem Sensor. Er ist ideal – im realen Betrieb erreicht man ihn fast nie exakt.
Daraus leiten sich die praxisrelevanten Werte ab:
- Realschaltabstand sᵣ: der tatsächliche Schaltabstand eines konkreten Sensors bei Nennspannung und Raumtemperatur. Er darf um ±10 % vom Nennschaltabstand abweichen.
- Nutzschaltabstand sᵤ: der Schaltabstand über den gesamten zulässigen Temperatur- und Spannungsbereich. Er liegt nochmals niedriger und beträgt im ungünstigsten Fall nur etwa 81 % von sₙ.
- Gesicherter Schaltabstand: der Bereich, in dem das Schalten unter allen zulässigen Bedingungen garantiert ist – üblicherweise bis 0 … 0,81 · sₙ.
Als grobe Faustregel für die Projektierung gilt: das Bezugsobjekt nicht weiter als auf etwa die Hälfte des Nennschaltabstands annähern. Dann hat man Reserve für Temperatur, Streuung und kleinere Objekte.
Korrekturfaktor für das Material
Der Nennschaltabstand gilt für Baustahl. Andere Metalle bedämpfen das Feld schwächer und werden erst auf kürzere Distanz erkannt. Diesen Zusammenhang beschreibt der Korrekturfaktor:
s_red = s_n * k
- s_red … reduzierter (materialabhängiger) Schaltabstand in mm
- s_n … Nennschaltabstand in mm
- k … Korrekturfaktor des Materials (dimensionslos)
Typische Anhaltswerte für den Korrekturfaktor:
| Material | Korrekturfaktor k (ca.) |
|---|---|
| Baustahl (Bezug) | 1,00 |
| Edelstahl (austenitisch) | 0,70 – 0,85 |
| Messing | 0,40 – 0,50 |
| Aluminium | 0,35 – 0,45 |
| Kupfer | 0,25 – 0,40 |
Die Werte sind herstellerabhängig und gelten als Anhaltspunkt – im Zweifel ins Datenblatt schauen. Die Reihenfolge bleibt aber immer gleich: Stahl ergibt den größten Schaltabstand, Kupfer den kleinsten.
Zusätzlich spielt die Objektgröße eine Rolle. Ist das Metallteil kleiner als das genormte Bezugsobjekt, sinkt der Schaltabstand weiter. Hierfür gibt es einen Reduzierfaktor, der bei kleinen Objekten wie der Korrekturfaktor wirkt.
Schalthysterese
Ein Sensor, der beim selben Abstand ein- und ausschaltet, würde bei der kleinsten Erschütterung am Schaltpunkt flattern – ständiges Ein-Aus-Ein. Um das zu verhindern, haben alle Näherungsschalter eine Schalthysterese: Der Einschaltpunkt liegt etwas näher am Sensor als der Ausschaltpunkt. Das Objekt muss sich also erst ein Stück wieder entfernen, bevor der Ausgang zurückschaltet.
Die Hysterese wird meist als Prozentsatz des Realschaltabstands angegeben, typisch 1 bis 15 %, oft um 10 %. Der Rücklaufpunkt (Ausschaltpunkt) ergibt sich aus dem Einschaltabstand zuzüglich der Hysterese.
Gelöstes Beispiel
Ein induktiver Näherungsschalter hat einen Nennschaltabstand von 10 mm. Er soll ein Werkstück aus Messing (Korrekturfaktor 0,45) erkennen. Wie groß ist der materialabhängige Schaltabstand?
Gegeben: s_n = 10 mm, k = 0,45
Gesucht: s_red in mm
Lösungsweg:
- Formel ansetzen: s_red = s_n · k
- Werte einsetzen: s_red = 10 mm · 0,45 = 4,5 mm
Ergebnis: s_red = 4,5 mm. Messing wird also erst auf rund 4,5 mm erkannt, deutlich näher als Stahl.
Übungen
Ein Sensor mit sₙ = 4 mm soll Baustahl erkennen (k = 1,0). Welcher reduzierte Schaltabstand ergibt sich?
s_red = 4 mm · 1,0 = 4 mm.
Derselbe Sensor (sₙ = 4 mm) wird auf Aluminium (k = 0,4) angewendet. Wie weit reicht der Schaltabstand jetzt?
s_red = 4 mm · 0,4 = 1,6 mm.
Ein M18-Sensor hat sₙ = 8 mm. Berechne den ungünstigsten Nutzschaltabstand sᵤ, wenn dieser mit 81 % von sₙ angesetzt wird.
sᵤ = 8 mm · 0,81 = 6,48 mm.
Ein Edelstahlteil (k = 0,75) soll bei genau 6 mm sicher erkannt werden. Welchen Nennschaltabstand muss der Sensor mindestens haben?
aus s_red = sₙ · k folgt sₙ = s_red / k = 6 mm / 0,75 = 8 mm.
Ein Sensor mit sₙ = 12 mm erkennt Stahl (k = 1,0). Die Hysterese beträgt 10 %. Bei welchem Abstand schaltet der Ausgang beim Entfernen des Objekts wieder zurück?
Einschaltabstand = 12 mm · 1,0 = 12 mm. Rücklaufpunkt = 12 mm · (1 + 0,10) = 13,2 mm.
Ein Sensor mit sₙ = 5 mm wird für ein Kupferteil (k = 0,3) eingesetzt. Welcher Schaltabstand ist realistisch zu erwarten?
- a) etwa 5 mm
- b) etwa 1,5 mm
- c) etwa 0,3 mm
- d) etwa 15 mm
Richtig: b)
s_red = 5 mm · 0,3 = 1,5 mm. a ignoriert den Korrekturfaktor, c verwechselt den Faktor mit dem Ergebnis, d multipliziert in die falsche Richtung.
Warum gibt der Hersteller neben dem Nennschaltabstand auch einen gesicherten Schaltabstand von 0 … 0,81·sₙ an?
- a) Weil der Sensor bei größeren Abständen Schaden nimmt
- b) Weil 81 % der gesetzliche Mindestwert in Österreich sind
- c) Weil bei 0,81·sₙ die Hysterese verschwindet
- d) Weil in diesem Bereich auch bei ungünstiger Temperatur und Spannung sicher geschaltet wird
Richtig: d)
Der gesicherte Bereich berücksichtigt Toleranzen, Temperatur- und Spannungseinflüsse, sodass das Schalten garantiert ist. a ist falsch (kein Schaden), b ist erfunden, c hat mit der Hysterese nichts zu tun.
Welche Aussage zur Schalthysterese ist korrekt?
- a) Der Ausschaltpunkt liegt weiter vom Sensor entfernt als der Einschaltpunkt
- b) Ein- und Ausschaltpunkt liegen exakt gleich
- c) Der Ausschaltpunkt liegt näher am Sensor als der Einschaltpunkt
- d) Die Hysterese vergrößert den Nennschaltabstand
Richtig: a)
Das Objekt muss sich nach dem Einschalten erst wieder ein Stück entfernen, bis abgeschaltet wird – der Rücklaufpunkt liegt also weiter weg. b würde Flattern bedeuten, c kehrt die Richtung um, d verwechselt Hysterese mit Schaltabstand.
Ein Edelstahlteil soll bei 7 mm sicher erkannt werden, k = 0,7. Welcher Nennschaltabstand ist nötig?
- a) 4,9 mm
- b) 7 mm
- c) 10 mm
- d) 0,7 mm
Richtig: c)
sₙ = s_red / k = 7 / 0,7 = 10 mm. a rechnet 7·0,7 (falsche Richtung), b ignoriert das Material, d ist sinnlos klein.
4. Anschluss und Ausgangsstufen
Beim Anschließen gibt es ein paar sensorspezifische Werte, die man kennen sollte. Die allgemeine Leitungsart-Systematik – 2-, 3- und 4-Leiter sowie PNP/NPN – ist Thema eines eigenen Beitrags und wird hier nur kurz eingeordnet.
Kurz zur Einordnung: 3-Leiter-Sensoren haben getrennte Leitungen für Versorgung (+), Masse (−) und Schaltausgang; sie sind in der Industrie der Standard. PNP schaltet das Plus-Potenzial auf den Ausgang (Last gegen Masse), NPN schaltet gegen Masse (Last gegen Plus). In Europa und damit in Österreich überwiegt PNP deutlich. Die übliche Betriebsspannung ist 24 V Gleichspannung. Die Aderfarben und Pin-Belegung folgen der europäischen Norm EN 60947-5-2: braun = +, blau = −, schwarz = Ausgang, bei 4-Leiter zusätzlich weiß = zweiter Ausgang.
Interessanter sind hier die sensorspezifischen elektrischen Kenngrößen:
Leerlaufstrom (Eigenstromaufnahme): Der Strom, den die Sensorelektronik selbst zum Arbeiten braucht, auch wenn der Ausgang nicht schaltet. Bei 3-Leiter-Sensoren fließt dieser über die getrennte Versorgungsleitung und stört nicht.
2-Leiter-Sensoren und der Reststrom: Ein 2-Leiter-Sensor wird wie ein mechanischer Schalter in Reihe zur Last geschaltet. Versorgung und Schaltsignal teilen sich dieselben zwei Leitungen. Das hat eine wichtige Konsequenz: Auch im gesperrten Zustand muss ein kleiner Reststrom durch die Last fließen, damit die Elektronik versorgt bleibt. Dieser Reststrom liegt typisch bei wenigen Milliampere. Bei hochohmigen Lasten – etwa einem SPS-Eingang – kann dieser Reststrom ausreichen, um fälschlich ein „Ein“-Signal vorzutäuschen. Deshalb muss man prüfen, ob der Reststrom unter der Abschaltschwelle des Eingangs bleibt.
Spannungsfall: Im durchgeschalteten Zustand fällt am elektronischen Ausgang eine kleine Spannung ab (anders als beim idealen mechanischen Kontakt). Dieser Spannungsfall – typisch unter 2 bis 3 V – verringert die an der Last anliegende Spannung. Bei 2-Leiter-Sensoren ist das relevanter als bei 3-Leiter-Typen.
Schaltstrom und Schutz: Jeder Sensorausgang hat einen maximal zulässigen Dauer-Schaltstrom (oft 100 bis 200 mA). Hochwertige Sensoren sind kurzschlussfest und verpolungssicher ausgeführt, sodass ein Verdrahtungsfehler die Elektronik nicht sofort zerstört.
Ein 2-Leiter-Näherungsschalter ist an einen hochohmigen SPS-Eingang angeschlossen. Der Eingang meldet dauerhaft „1″, obwohl kein Metall erkannt wird. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?
- a) Der Spannungsfall im durchgeschalteten Zustand ist zu hoch
- b) Der Sensor ist verpolt angeschlossen
- c) Der Reststrom im gesperrten Zustand überschreitet die Schaltschwelle des Eingangs
- d) Der Schaltstrom ist zu niedrig eingestellt
Richtig: c)
Der 2-Leiter-Sensor braucht im gesperrten Zustand einen Reststrom zur Eigenversorgung. Ist die Last hochohmig, reicht dieser Strom, um den Eingang scheinbar zu aktivieren. a beträfe den Ein-Zustand, b würde meist gar keine Funktion ergeben, d ist kein einstellbarer Parameter in diesem Sinn.
Was bezeichnet bei einem 3-Leiter-Sensor der schwarze Leiter nach EN 60947-5-2?
- a) den Schaltausgang
- b) die positive Versorgung
- c) die Masse
- d) den Schutzleiter
Richtig: a)
Braun is +, blau ist −, schwarz ist der Schaltausgang. Ein Schutzleiter ist bei diesen Kleinspannungssensoren nicht vorgesehen.
Warum entsteht bei einem elektronischen Sensorausgang im durchgeschalteten Zustand ein Spannungsfall, bei einem idealen mechanischen Kontakt dagegen nicht?
- a) Weil der mechanische Kontakt einen höheren Widerstand hat
- b) Weil die elektronische Endstufe (Transistor) einen Restwiderstand besitzt
- c) Weil the Sensor im Ein-Zustand keinen Strom führt
- d) Weil die Hysterese den Strom begrenzt
Richtig: b)
Die als Schalter arbeitende Transistor-Endstufe hat einen Durchlasswiderstand und damit einen Spannungsfall. Ein idealer mechanischer Kontakt hätte näherungsweise null Widerstand. a kehrt die Verhältnisse um, c ist falsch, d hat mit dem Spannungsfall nichts zu tun.
5. Praxis: Auswahl, Einbau und typische Fehler
Die Sensorauswahl folgt einer überschaubaren Logik: erst das Material des zu erkennenden Objekts (bestimmt über den Korrekturfaktor den nötigen Schaltabstand), dann die Bauform und der verfügbare Bauraum, dann die Einbausituation und schließlich die Umgebungsbedingungen.
Bündig oder nicht bündig einbauen
Ein zentrales Auswahlkriterium ist, ob der Sensor bündig (flächenbündig in Metall einbaubar) oder nicht bündig ausgeführt ist.
- Bündige Sensoren dürfen vollständig in Metall eingelassen werden – die Stirnfläche schließt mit dem umgebenden Metall ab. Das umgebende Metall beeinflusst das Feld nicht, weil es seitlich abgeschirmt ist. Der Preis dafür ist ein kleinerer Schaltabstand.
- Nicht bündige Sensoren müssen frei stehen; um die aktive Fläche herum muss ein metallfreier Bereich bleiben. Sie bieten dafür einen größeren Schaltabstand.
Wer einen nicht bündigen Sensor versehentlich bündig in Metall einbaut, bekommt eine Dauerbedämpfung: Das umgebende Metall wird ständig „erkannt“, der Sensor schaltet nicht mehr sauber.
Gegenseitige Beeinflussung
Sitzen mehrere Sensoren zu nah beieinander, können sich ihre Felder stören. Dafür gibt es Mindestabstände – seitlich und gegenüberliegend –, die der Hersteller angibt. Faustregel: nebeneinander mindestens den Sensordurchmesser, gegenüberliegend mehr. Bei Sensoren, die auf dieselbe Position gerichtet sind, kann es sonst zu Fehlschaltungen kommen.
Schaltfrequenz
Bei schnellen Bewegungen zählt die Schaltfrequenz – wie oft der Sensor pro Sekunde sauber ein- und ausschalten kann. Größere Sensoren (M30) sind dabei meist langsamer als kleine (M8). Wenn an einem schnell drehenden Zahnrad jede Zahnflanke erfasst werden soll, muss die Schaltfrequenz des Sensors zur Zahnfrequenz passen.
Umgebung
Späne, Kühlmittel, Temperatur und elektromagnetische Störungen wirken auf den Einsatz ein. Metallspäne, die sich an der Stirnfläche sammeln, werden als Dauerobjekt erkannt – hier hilft eine geschützte Einbaulage. Hohe Temperaturen verringern den Schaltabstand (siehe Nutzschaltabstand). In Umgebungen mit starken elektromagnetischen Feldern – etwa nahe Schweißanlagen oder Frequenzumrichtern – sollte man auf geschirmte Leitungen und EMV-feste Sensoren achten.
Ein nicht bündiger Sensor wurde flächenbündig in einen Metallhalter eingebaut. Welches Verhalten ist zu erwarten?
- a) Größerer Schaltabstand als angegeben
- b) Dauerbedämpfung – der Sensor schaltet nicht mehr sauber
- c) Keine Auswirkung, solange das Objekt aus Stahl ist
- d) Erhöhte Schaltfrequenz
Richtig: b)
Das umgebende Metall liegt im aktiven Feld des nicht bündigen Sensors und bedämpfen ihn dauerhaft. Der Ausgang bleibt quasi ständig geschaltet. a und d sind falsch, c verkennt, dass das Halter-Metall selbst stört.
Zwei induktive Sensoren werden direkt nebeneinander montiert und schalten unzuverlässig. Was ist die naheliegende Ursache und Abhilfe?
- a) Zu hohe Betriebsspannung – Spannung senken
- b) Falsche Aderfarbe – Leiter tauschen
- c) Zu niedrige Schaltfrequenz – größeren Sensor wählen
- d) Gegenseitige Feldbeeinflussung – Mindestabstand einhalten
Richtig: d)
Zu eng montierte Sensoren beeinflussen sich über ihre Felder. Die Herstellerangaben zum Mindestabstand schaffen Abhilfe. Die übrigen Optionen beschreiben unzusammenhängende Effekte.
Ein Sensor soll die Zähne eines schnell drehenden Stahlzahnrads einzeln erfassen, zählt aber zu wenige Impulse. Welche Kenngröße wurde wahrscheinlich falsch dimensioniert?
- a) der Spannungsfall
- b) der Reststrom
- c) die Schaltfrequenz
- d) der Korrekturfaktor
Richtig: c)
Wenn die Zahnflanken schneller vorbeikommen, als der Sensor schalten kann, gehen Impulse verloren – die Schaltfrequenz ist zu niedrig. Spannungsfall und Reststrom betreffen den Anschluss, der Korrekturfaktor das Material, nicht die Geschwindigkeit.
Warum projektiert man den Einbauabstand oft auf etwa die halbe Nenndistanz statt auf den vollen Nennschaltabstand?
- a) Um den Reststrom zu senken
- b) Um Reserve für Material, Temperatur und Streuung zu haben
- c) Weil der Sensor sonst überhitzt
- d) Weil die Norm genau 50 % vorschreibt
Richtig: b)
Korrekturfaktor, Temperatureinfluss und Fertigungsstreuung verringern den realen Schaltabstand. Eine Reserve sichert zuverlässiges Schalten. c ist falsch, d ist erfunden – es ist eine Faustregel, keine Vorschrift.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein induktiver Näherungsschalter mit Nennschaltabstand 6 mm soll ein Aluminiumteil (k = 0,4) erkennen. Wie groß ist der materialabhängige Schaltabstand?
Gegeben: sₙ = 6 mm; k = 0,4
Gesucht: s_red in mm
Lösungsweg:
- s_red = sₙ · k = 6 mm · 0,4 = 2,4 mm
Ergebnis: 2,4 mm
Aufgabe 2: Ein Messingobjekt (k = 0,45) soll bei genau 4,5 mm sicher erkannt werden. Welchen Nennschaltabstand muss der Sensor mindestens haben?
Gegeben: s_red = 4,5 mm; k = 0,45
Gesucht: sₙ in mm
Lösungsweg:
- sₙ = s_red / k = 4,5 mm / 0,45 = 10 mm
Ergebnis: 10 mm
Aufgabe 3: Ein M18-Sensor hat sₙ = 8 mm and eine Hysterese von 10 %. Bei einem Stahlobjekt (k = 1,0): Bei welchem Abstand schaltet der Ausgang beim Entfernen zurück?
Gegeben: sₙ = 8 mm; k = 1,0; H = 10 %
Gesucht: Rücklaufpunkt in mm
Lösungsweg:
- Einschaltabstand = 8 mm · 1,0 = 8 mm; Rücklaufpunkt = 8 mm · (1 + 0,10) = 8,8 mm
Ergebnis: 8,8 mm
Aufgabe 4: Ein Sensor mit sₙ = 10 mm wird über den vollen Temperaturbereich betrieben. Berechne den ungünstigsten Nutzschaltabstand sᵤ mit 81 % von sₙ.
Gegeben: sₙ = 10 mm; Faktor 0,81
Gesucht: sᵤ in mm
Lösungsweg:
- sᵤ = 10 mm · 0,81 = 8,1 mm
Ergebnis: 8,1 mm
Welches der folgenden Objekte erkennt ein induktiver Näherungsschalter NICHT?
- a) eine Aluminiumplatte
- b) ein Edelstahlbolzen
- c) ein Kunststoffgehäuse
- d) ein Messingring
Richtig: c)
Nur elektrisch leitende Metalle erzeugen Wirbelströme. Kunststoff bedämpft das Feld nicht und bleibt unerkannt. Aluminium, Edelstahl und Messing werden – mit reduziertem Schaltabstand – erkannt.
Was beschreibt der Korrekturfaktor k?
- a) den materialabhängigen Faktor, der den Schaltabstand gegenüber Baustahl verändert
- b) das Verhältnis von Ein- zu Ausschaltpunkt
- c) den Temperatureinfluss auf die Betriebsspannung
- d) den maximalen Schaltstrom des Ausgangs
Richtig: a)
k bezieht den Schaltabstand auf das Baustahl-Bezugsobjekt; andere Metalle ergeben k < 1. b beschreibt die Hysterese, c und d sind andere Kenngrößen.
Ein Sensor mit sₙ = 5 mm soll Edelstahl (k = 0,8) erfassen. Welcher Schaltabstand ist realistisch?
- a) 5 mm
- b) 4 mm
- c) 6,25 mm
- d) 0,8 mm
Richtig: b)
s_red = 5 · 0,8 = 4 mm. a ignoriert das Material, c rechnet 5/0,8 (falsche Richtung), d verwechselt Faktor und Ergebnis.
Welche Aussage zum Wirkprinzip ist richtig?
- a) Der Sensor magnetisiert das Objekt und misst die Kraft
- b) Der Sensor misst die Kapazität zwischen Stirnfläche und Objekt
- c) Der Sensor sendet Ultraschall aus und wertet das Echo aus
- d) Wirbelströme im Metall bedämpfen den Oszillator
Richtig: d)
Das induktive Prinzip beruht auf der Energieentnahme durch Wirbelströme. d ist korrekt; b beschreibt einen kapazitiven, c einen Ultraschallsensor.
Warum hat ein induktiver Näherungsschalter eine Schalthysterese?
- a) um den Schaltabstand zu vergrößern
- b) um Flattern des Ausgangs am Schaltpunkt zu verhindern
- c) um den Reststrom zu begrenzen
- d) um Nichteisenmetalle erkennen zu können
Richtig: b)
Getrennte Ein- und Ausschaltpunkte verhindern ständiges Umschalten bei kleinen Schwankungen am Schaltpunkt. Die übrigen Optionen beschreiben andere Eigenschaften.
Ein 2-Leiter-Sensor verursacht an einem SPS-Eingang ein dauerhaftes „1″-Signal trotz fehlenden Objekts. Welche Maßnahme behebt das Problem grundsätzlich?
- a) Betriebsspannung erhöhen
- b) Sensor verpolen
- c) Lastwiderstand parallel zum Eingang oder 3-Leiter-Sensor verwenden
- d) Schaltfrequenz reduzieren
Richtig: c)
Der Reststrom des 2-Leiter-Sensors aktiviert den hochohmigen Eingang. Ein Parallelwiderstand leitet ihn ab, oder man wechselt auf 3-Leiter-Technik. Die anderen Maßnahmen wirken nicht auf die Ursache.
Welcher Sensor darf flächenbündig in Metall eingebaut werden?
- a) der bündige Sensor
- b) der nicht bündige Sensor
- c) jeder induktive Sensor
- d) nur 2-Leiter-Sensoren
Richtig: a)
Nur bündige (abgeschirmte) Sensoren vertragen umgebendes Metall ohne Dauerbedämpfung. Nicht bündige brauchen Freiraum; die Leiterzahl spielt dafür keine Rolle.
Ein Konstrukteur stellt fest, dass der reale Schaltabstand bei hoher Umgebungstemperatur deutlich kleiner ist als der Nennschaltabstand. Welcher Wert beschreibt diesen ungünstigsten Fall?
- a) Realschaltabstand
- b) Nennschaltabstand
- c) Nutzschaltabstand
- d) gesicherter Schaltabstand bei Raumtemperatur
Richtig: c)
Der Nutzschaltabstand gilt über den gesamten Temperatur- und Spannungsbereich und liegt im ungünstigsten Fall bei rund 0,81·sₙ. a gilt nur bei Raumtemperatur und Nennspannung, b ist der Idealwert.
Zwei gegenüberliegende induktive Sensoren schalten unzuverlässig. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?
- a) zu hoher Korrekturfaktor
- b) gegenseitige Beeinflussung der Felder
- c) zu niedriger Spannungsfall
- d) falsche Bauform (zylindrisch statt quaderförmig)
Richtig: b)
Gegenüberliegende Sensoren können sich über ihre Felder stören, wenn der Mindestabstand unterschritten wird. Korrekturfaktor und Spannungsfall haben damit nichts zu tun, die Bauform allein verursacht das Problem nicht.
Welche Norm bildet in Europa die Grundlage für Näherungsschalter inklusive der Aderfarben-Kennzeichnung?
- a) eine rein nationale Werksnorm
- b) eine Norm ausschließlich für mechanische Endschalter
- c) es gibt keine einheitliche Grundlage
- d) EN 60947-5-2
Richtig: d)
EN 60947-5-2 regelt Näherungsschalter als Niederspannungs-Steuergeräte und ist europaweit – und damit in Österreich – die maßgebliche Grundlage. Rein nationale Werksnormen sind dafür nicht heranzuziehen.
Ein Stahlteil (k = 1,0) wird mit einem Sensor sₙ = 8 mm erfasst; das gleiche Teil aus Kupfer (k = 0,3) wird nicht mehr erkannt. Woran liegt das?
- a) Kupfer ist nicht leitfähig
- b) Der reduzierte Schaltabstand sinkt bei Kupfer auf etwa 2,4 mm, das Teil ist zu weit weg
- c) Kupfer schaltet den Ausgang invertiert
- d) Der Sensor ist defekt
Richtig: b)
s_red = 8 · 0,3 = 2,4 mm. Steht das Teil weiter weg als 2,4 mm, schaltet der Sensor nicht. Kupfer ist sehr wohl leitfähig (a falsch), c und d sind nicht zutreffend.
Warum ist bei 3-Leiter-Sensoren der Reststrom-Effekt am SPS-Eingang in der Regel kein Thema?
- a) weil sie keinen Ausgang haben
- b) weil Versorgung und Schaltausgang über getrennte Leitungen laufen
- c) weil sie keinen Spannungsfall erzeugen
- d) weil sie nur mit Wechselspannung arbeiten
Richtig: b)
Beim 3-Leiter-Typ wird die Elektronik über separate Versorgungsleitungen gespeist, der Ausgang muss im gesperrten Zustand keinen Reststrom durch die Last führen. a ist falsch, c ist nicht der Grund, d ist unzutreffend (typisch 24 V DC).
Glossar
- Induktiver Näherungsschalter
- elektronischer Sensor, der metallische Objekte berührungslos über die Bedämpfung eines hochfrequenten Magnetfelds erkennt und ein binäres Schaltsignal liefert.
- Oszillator
- Schaltung im Sensor, die eine elektrische Dauerschwingung erzeugt und über die Spule das Magnetfeld an der aktiven Fläche aufbaut.
- Aktive Fläche
- die Stirnfläche des Sensors, aus der das Magnetfeld austritt und vor der ein Metallobjekt erkannt wird.
- Bedämpfung
- Energieentzug aus dem Schwingkreis durch Wirbelströme im annähernden Metall; führt zum Absinken der Schwingungsamplitude.
- Nennschaltabstand sₙ
- genormter Bezugswert des Schaltabstands für ein Baustahl-Bezugsobjekt unter Idealbedingungen.
- Realschaltabstand sᵣ
- tatsächlicher Schaltabstand eines konkreten Sensors bei Nennspannung und Raumtemperatur, mit ±10 % Toleranz.
- Nutzschaltabstand sᵤ
- Schaltabstand über den gesamten zulässigen Temperatur- und Spannungsbereich; im ungünstigsten Fall etwa 0,81·sₙ.
- Schalthysterese
- Differenz zwischen Einschalt- und Ausschaltpunkt; verhindert Flattern des Ausgangs am Schaltpunkt.
- Korrekturfaktor k
- materialabhängiger Faktor, der den Schaltabstand gegenüber dem Baustahl-Bezugswert reduziert (Stahl ≈ 1, Nichteisenmetalle < 1).
- Bündiger Sensor
- Bauform, die flächenbündig in Metall eingebaut werden darf; abgeschirmt, mit kleinerem Schaltabstand.
- Nicht bündiger Sensor
- Bauform, die einen metallfreien Bereich um die aktive Fläche braucht; größerer Schaltabstand.
- Reststrom
- kleiner Strom, der bei 2-Leiter-Sensoren im gesperrten Zustand zur Eigenversorgung durch die Last fließt.
- Schaltfrequenz
- maximale Anzahl sauberer Schaltvorgänge pro Sekunde, die ein Sensor verarbeiten kann.
