Schleifenwiderstand und RCD-Prüfung
Eine neue Anlage ist verlegt, alles sitzt fest, die Klemmen sind angezogen. Trotzdem ist die Arbeit nicht fertig. Erst die Messung zeigt, ob die Schutzmaßnahme im Fehlerfall wirklich greift — ob also bei einem Körperschluss genug Strom fließt, damit die Sicherung rechtzeitig auslöst, und ob der Fehlerstromschutzschalter beim richtigen Strom schnell genug abschaltet. Genau darum geht es bei der Messung des Schleifenwiderstands und bei der RCD-Prüfung. Beides sind Pflichtmessungen, und beides entscheidet darüber, ob eine Anlage als sicher gilt oder nicht.
Vorwissen
- Schutz bei indirektem Berühren
- Netzsysteme: TN, TT, IT
- Multimeter: Spannung, Strom, Widerstand messen
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, warum Schleifenwiderstand und RCD-Auslösung überhaupt gemessen werden und welche Abschaltbedingung dahintersteckt
- die Fehlerschleife benennen und beschreiben, aus welchen Anteilen sich die Schleifenimpedanz zusammensetzt
- aus dem gemessenen Schleifenwiderstand den prospektiven Kurzschlussstrom berechnen und mit dem 2/3-Bewertungskriterium prüfen, ob die Abschaltbedingung eingehalten ist
- die drei Kernmesswerte einer RCD-Prüfung — Auslösestrom, Auslösezeit und Berührungsspannung — nennen und gegen die zulässigen Grenzwerte abgleichen
- einen sinnvollen Prüfablauf in der Wiederholungsprüfung aufstellen und typische Fehlerursachen einordnen
1. Warum gemessen wird — die Abschaltbedingung
Der Schutz bei indirektem Berühren beruht auf einer einfachen Idee: Wenn ein Außenleiter ein leitfähiges Gehäuse berührt — ein Körperschluss —, soll die Schutzeinrichtung den fehlerhaften Stromkreis so schnell abschalten, dass keine gefährliche Spannung an berührbaren Teilen stehen bleibt. Die Schutzeinrichtung ist dabei je nach Netzsystem entweder die vorgeschaltete Überstromschutzeinrichtung (Sicherung, Leitungsschutzschalter) oder ein Fehlerstromschutzschalter.
Damit das funktioniert, müssen zwei Dinge stimmen. Im Fehlerfall muss erstens genug Strom fließen, damit die Schutzeinrichtung anspricht — und zweitens muss sie schnell genug abschalten. Beides lässt sich nicht am Schaltplan ablesen. Eine schlecht angezogene Klemme, ein zu langer Leitungsweg oder ein unterbrochener Schutzleiter verändern die Verhältnisse so stark, dass eine theoretisch korrekte Anlage in der Realität durchfallen kann. Deshalb wird gemessen.
In Österreich ist das keine freiwillige Übung. Die ÖVE/ÖNORM E 8101 schreibt diese Messungen sowohl bei der Erstprüfung nach Errichtung als auch bei Wiederholungsprüfungen im laufenden Betrieb vor. Das Ergebnis wandert ins Prüfprotokoll und ist die Grundlage dafür, dass eine Anlage in Betrieb gehen darf.
Wie genau die Schutzmaßnahme bei indirektem Berühren aufgebaut ist und worin sich TN-, TT- und IT-System unterscheiden, ist ein eigenes großes Thema — hier reicht der Kerngedanke: Die Messung prüft nach, ob die geplante Schutzmaßnahme im Ernstfall auch wirklich auslöst.
Warum genügt es nicht, die Abschaltbedingung nur rechnerisch aus dem Anlagenplan nachzuweisen?
- a) Weil reale Übergangswiderstände, Leitungslängen und Klemmstellen vom Plan abweichen und nur die Messung den Ist-Zustand erfasst
- b) Weil die Berechnung in Österreich verboten ist
- c) Weil die Netzspannung im Plan immer falsch angegeben ist
- d) Weil nur die Messung die Leistung der Anlage bestimmt
Richtig: a)
Die rechnerische Auslegung ist die Grundlage der Planung, sagt aber nichts über den tatsächlich verlegten Zustand aus. Eine lose Klemme oder ein zu dünner Querschnitt erhöht den Schleifenwiderstand real, ohne dass der Plan das zeigt. Antwort b und c sind sachlich falsch, d verwechselt Schutzprüfung mit Leistungsmessung.
Welche zwei Bedingungen müssen im Fehlerfall gemeinsam erfüllt sein, damit der Schutz bei indirektem Berühren greift?
- a) Hohe Spannung und niedriger Strom
- b) Ausreichend großer Fehlerstrom und ausreichend kurze Abschaltzeit
- c) Kleiner Querschnitt und langer Leitungsweg
- d) Geringer Fehlerstrom und lange Abschaltzeit
Richtig: b)
Die Schutzeinrichtung spricht nur an, wenn der Fehlerstrom groß genug ist, und sie schützt nur, wenn sie zugleich schnell genug abschaltet. Fällt eine der beiden Bedingungen weg, bleibt eine gefährliche Berührungsspannung stehen. Die übrigen Antworten kehren genau diese Logik um.
2. Die Fehlerschleife verstehen
Damit im Fehlerfall ein Strom pfad finden kann, muss er einen geschlossenen Weg finden. Diesen Weg nennt man die Fehlerschleife. Im TN-System läuft sie typischerweise so: vom Trafo über den Außenleiter zur Fehlerstelle, von dort über das fehlerhafte Gehäuse in den Schutzleiter (PE bzw. PEN), und über diesen zurück zum Sternpunkt des Transformators. Der Strom durchläuft also eine komplette Schleife aus Hin- und Rückweg.
Jeder Abschnitt dieser Schleife hat einen Widerstand. Die Summe all dieser Anteile ist die Schleifenimpedanz Z_s — die Größe, auf die es bei der Messung ankommt. Sie setzt sich zusammen aus dem Innenwiderstand des Transformators, dem Widerstand des Außenleiters auf dem Hinweg und dem Widerstand des Rückleiters (PE oder PEN) auf dem Rückweg.
Streng genommen ist Z_s eine Impedanz, also eine Kombination aus Wirkwiderständen R und Blindwiderständen X:
Z_s = √( (R_Trafo + R_L + R_PE)² + (X_Trafo + X_L + X_PE)² )
- Z_s …… Schleifenimpedanz in Ohm
- R_Trafo .. Wirkwiderstandsanteil des Trafos
- R_L …… Wirkwiderstand des Außenleiters
- R_PE ….. Wirkwiderstand des Schutz-/PEN-Leiters
- X …….. jeweilige Blindwiderstandsanteile
In der Praxis der Endstromkreise, mit denen man als Prüfer am häufigsten zu tun hat, sind die Blindanteile klein. Bei üblichen Leitungsquerschnitten und überschaubaren Längen überwiegt der ohmsche Anteil deutlich, sodass man die Schleifenimpedanz gut als reine Widerstandssumme abschätzen kann:
Z_s ≈ R_Trafo + R_L + R_PE
- Z_s …… Schleifenimpedanz in Ohm
Daraus folgt eine wichtige Konsequenz: Je länger die Leitung und je kleiner der Querschnitt, desto größer wird Z_s — und desto kleiner der Strom, der im Fehlerfall fließt. Genau deshalb gibt es für jede Schutzeinrichtung eine maximal zulässige Schleifenimpedanz.
Der Unterschied zwischen TN- und TT-System wirkt sich hier stark aus: Im TT-System läuft der Rückweg über das Erdreich und den Anlagenerder, der Schleifenwiderstand ist dadurch in der Regel deutlich höher. Welches System wann vorliegt, ist ein eigenes Thema — für die Messung genügt das Verständnis, dass der Rückweg den Schleifenwiderstand maßgeblich mitbestimmt.
Aus welchen Hauptanteilen setzt sich die Schleifenimpedanz Z_s im TN-System zusammen?
- a) Nur aus dem Widerstand des Außenleiters
- b) Aus dem Isolationswiderstand und dem Erdübergangswiderstand
- c) Aus Trafo-Innenwiderstand, Außenleiterwiderstand und Schutz-/PEN-Leiterwiderstand
- d) Aus dem Verbraucherwiderstand und der Netzspannung
Richtig: c)
Z_s ist die Summe aller Widerstände entlang der geschlossenen Fehlerschleife — Hinweg über L, Rückweg über PE/PEN und der Trafoanteil. Antwort a unterschlägt den Rückweg und den Trafo, b und d nennen Größen, die nicht zur Schleife gehören.
Eine Endstromleitung wird bei gleichem Querschnitt deutlich verlängert. Wie wirkt sich das auf Z_s und den Fehlerstrom aus?
- a) Z_s sinkt, der Fehlerstrom steigt
- b) Z_s steigt, der Fehlerstrom sinkt
- c) Z_s bleibt gleich, der Fehlerstrom bleibt gleich
- d) Z_s steigt, der Fehlerstrom steigt ebenfalls
Richtig: b)
Mehr Leitungslänge bedeutet mehr Leiterwiderstand, also größeres Z_s. Da der Fehlerstrom umgekehrt von Z_s abhängt, fällt er entsprechend kleiner aus. Antwort d ist physikalisch widersprüchlich.
Warum darf man die Blindanteile bei Z_s in typischen Endstromkreisen meist vernachlässigen?
- a) Weil Blindwiderstände in Kabeln gesetzlich verboten sind
- b) Weil Blindwiderstände nur im Gleichstromnetz auftreten
- c) Weil das Messgerät Blindanteile nicht erfassen kann
- d) Weil bei üblichen Querschnitten und Längen der ohmsche Anteil deutlich überwiegt
Richtig: d)
Bei den kurzen, niederohmigen Leitungen von Endstromkreisen ist X gegenüber R klein, deshalb genügt die Widerstandssumme als gute Näherung. Bei langen Kabeln großer Querschnitte oder in der Hauptverteilung kann der Blindanteil dagegen relevant werden. Antwort a und b sind Unsinn, c ist falsch — moderne Geräte erfassen die Impedanz.
3. Schleifenwiderstand messen und bewerten
Die Messung des Schleifenwiderstands läuft nach dem Lastverfahren ab. Das Prüfgerät schaltet für einen kurzen Augenblick einen definierten Lastwiderstand zwischen Außenleiter und Schutzleiter und misst den dabei auftretenden Spannungsfall. Aus dem Verhältnis von Spannungsänderung zu Laststrom errechnet es die Schleifenimpedanz. Das Ganze dauert nur Sekundenbruchteile, damit kein vorgeschalteter RCD auslöst.
Gemessen wird dort, wo es darauf ankommt — am Ende des Stromkreises, also an der Steckdose oder direkt am Betriebsmittel. Denn der ungünstigste Fall ist der am weitesten entfernte Punkt, weil dort der Schleifenwiderstand am größten ist.
Aus der gemessenen Schleifenimpedanz lässt sich der prospektive Kurzschlussstrom berechnen — der Strom, der im Fehlerfall fließen würde:
I_k = U_0 / Z_s
- I_k … prospektiver Kurzschlussstrom in A
- U_0 … Nennspannung gegen Erde, in Österreich 230 V
- Z_s … gemessene Schleifenimpedanz in Ohm
Dieser Strom muss groß genug sein, damit die vorgeschaltete Schutzeinrichtung in der geforderten Zeit auslöst. Jeder Leitungsschutzschalter hat dafür einen Auslösestrom I_a, bei dem er innerhalb der zulässigen Abschaltzeit sicher anspricht (bei einem Schalter der Charakteristik B etwa das Fünffache des Nennstroms, bei C das Zehnfache). Die Bewertung lautet also: Der vorhandene Kurzschlussstrom muss mindestens so groß sein wie der nötige Auslösestrom.
Hier kommt ein praktischer Punkt ins Spiel, der oft übersehen wird. Gemessen wird an einer Anlage, die kalt oder nur handwarm ist. Im echten Kurzschlussfall erwärmen sich die Leiter aber stark, und mit der Temperatur steigt ihr Widerstand. Ein Leiter, der bei die Messung 20 °C hat, kann im Fehlerfall deutlich heißer werden — und damit wird Z_s real größer als gemessen. Dazu kommt die Messunsicherheit des Geräts. Beides zusammen darf man nicht ignorieren, sonst bewertet man eine Anlage als gut, die es im Ernstfall nicht mehr ist.
Deshalb wird die Bewertung mit einer Sicherheitsmarge gerechnet. Die gemessene Schleifenimpedanz wird nicht voll mit dem Grenzwert verglichen, sondern es bleibt ein Reserveanteil. Praktisch fordert man:
Z_s ≤ (2/3) · (U_0 / I_a)
- Z_s … gemessene Schleifenimpedanz in Ohm
- U_0 … Nennspannung gegen Erde in V
- I_a … Auslösestrom der Schutzeinrichtung in A
Der Faktor 2/3 sorgt dafür, dass auch bei warmen Leitern und unter Berücksichtigung der Messtoleranz noch genug Strom für die sichere Auslösung übrig bleibt. Gleichbedeutend kann man sagen: Der gemessene Kurzschlussstrom sollte mit Reserve über dem nötigen Auslösestrom liegen.
Ist die Bewertungsreserve positiv, liegt die gemessene Schleifenimpedanz unter dem mit Sicherheitsmarge gerechneten Grenzwert — die Abschaltbedingung ist erfüllt.
Gelöstes Beispiel
An einer Steckdose wird eine Schleifenimpedanz von 0,75 Ω gemessen. Der Stromkreis ist mit einem Leitungsschutzschalter B16 abgesichert, der zur sicheren Auslösung das Fünffache des Nennstroms benötigt. Erfüllt die Anlage die Abschaltbedingung?
Gegeben: U_0 = 230 V, Z_s = 0,75 Ω, I_a = 5 · 16 A = 80 A
Gesucht: maximal zulässige Schleifenimpedanz und Bewertung
Lösungsweg:
- Schritt 1 — nötiger Auslösestrom:
I_a = 5 · 16 A = 80 A - Schritt 2 — maximal zulässige Schleifenimpedanz mit 2/3-Marge:
Z_max = (2/3) · (230 V / 80 A) = (2/3) · 2,875 Ω = 1,917 Ω - Schritt 3 — Vergleich:
gemessen 0,75 Ω < zulässig 1,917 Ω → Bedingung erfüllt
Ergebnis: Die Anlage besteht die Bewertung, gemessen 0,75 Ω liegt deutlich unter dem Grenzwert von rund 1,92 Ω.
Übungen
Eine Schleifenimpedanz von 1,2 Ω wurde gemessen. U_0 = 230 V. Berechne den prospektiven Kurzschlussstrom.
I_k = 230 V / 1,2 Ω = 191,7 A
Ein Stromkreis ist mit B13 abgesichert (Auslösestrom 5 · 13 A). Berechne die maximal zulässige Schleifenimpedanz mit 2/3-Marge bei U_0 = 230 V.
I_a = 65 A; Z_max = (2/3) · (230/65) = (2/3) · 3,538 Ω = 2,359 Ω
Gemessen werden 2,5 Ω an einem mit B13 abgesicherten Kreis (siehe Übung 2). Besteht die Anlage?
zulässig 2,359 Ω, gemessen 2,5 Ω → Bedingung nicht erfüllt, die Anlage fällt durch.
Ein C16-Automat löst beim Zehnfachen des Nennstroms sicher aus. Berechne Z_max mit 2/3-Marge, U_0 = 230 V.
I_a = 160 A; Z_max = (2/3) · (230/160) = (2/3) · 1,4375 Ω = 0,958 Ω
An einem C16-Kreis (siehe Übung 4) werden 0,9 Ω gemessen. Wie groß ist die Bewertungsreserve, und besteht die Anlage?
Reserve = 0,958 Ω − 0,9 Ω = 0,058 Ω, knapp positiv → die Anlage besteht gerade noch, aber mit sehr geringer Marge.
Warum wird the Schleifenwiderstand am entferntesten Punkt eines Stromkreises gemessen?
- a) Weil dort die Spannung am höchsten ist
- b) Weil die Steckdose dort am leichtesten erreichbar ist
- c) Weil dort der Schleifenwiderstand am größten und damit der Fehlerstrom am kleinsten ist
- d) Weil das Messgerät nur dort funktioniert
Richtig: c)
Der entfernteste Punkt ist der ungünstigste Fall: maximale Leitungslänge, maximales Z_s, minimaler Fehlerstrom. Besteht die Anlage hier, besteht sie überall davor. Die anderen Antworten haben mit der Sicherheitslogik nichts zu tun.
Ein Prüfer vergleicht den gemessenen Z_s direkt mit U_0/I_a ohne Sicherheitsfaktor und bewertet die Anlage als gut. Welches Risiko entsteht?
- a) Keines, das ist das korrekte Vorgehen
- b) Bei Leitererwärmung im Fehlerfall steigt Z_s real an, sodass der Strom für die rechtzeitige Auslösung womöglich nicht reicht
- c) Die Anlage löst im Sommer schneller aus als im Winter
- d) Das Messgerät wird beschädigt
Richtig: b)
Ohne die 2/3-Marge fehlt die Reserve für die temperaturbedingte Widerstandserhöhung und die Messunsicherheit. Eine knapp bestandene Anlage kann im realen, warmen Fehlerfall durchfallen. Das ist genau der Grund für die Bewertung mit Faktor 2/3.
Bei U_0 = 230 V und einem nötigen Auslösestrom von 50 A — wie groß ist die maximal zulässige Schleifenimpedanz mit 2/3-Marge?
- a) etwa 3,07 Ω
- b) etwa 4,6 Ω
- c) etwa 2,3 Ω
- d) etwa 1,5 Ω
Richtig: a)
Z_max = (2/3) · (230/50) = (2/3) · 4,6 Ω = 3,07 Ω. Antwort b ist der value ohne Marge, c und d sind zu niedrig.
4. RCD-Prüfung: Auslösestrom, Auslösezeit und Berührungsspannung
Beim Fehlerstromschutzschalter — kurz RCD (residual current device) — geht es um etwas anderes als beim Schleifenwiderstand. Der RCD überwacht die Summe der zu- und abfließenden Ströme. Stimmt sie nicht mehr, weil ein Teil über einen Fehler zur Erde abfließt, schaltet er ab. Geprüft wird, ob er das beim richtigen Strom und schnell genug tut. Die Prüfung nach ÖNORM E 8101 umfasst dabei drei zusammengehörige Kernmesswerte: den tatsächlichen Auslösestrom, die Auslösezeit und die Berührungsspannung.
Auslösestrom. Das Prüfgerät erhöht den Fehlerstrom langsam (steigender Strom) und merkt sich, bei welchem Wert der RCD auslöst. Dieser tatsächliche Auslösestrom I_a muss zwischen dem halben und dem vollen Nennfehlerstrom liegen:
0,5 · I_ΔN ≤ I_a ≤ I_ΔN
- I_a …. gemessener tatsächlicher Auslösestrom in mA
- I_ΔN … Nennfehlerstrom des RCD in mA, z. B. 30 mA
Löst er schon unter dem halben Nennfehlerstrom aus, neigt er zu unerwünschten Fehlauslösungen. Löst er erst über dem Nennfehlerstrom aus, schützt er nicht zuverlässig. Zusätzlich wird mit dem halben Nennfehlerstrom (0,5 · I_ΔN) geprüft, dass der RCD dabei nicht auslöst.
Auslösezeit. Mit dem vollen Nennfehlerstrom (1 · I_ΔN) wird gemessen, wie schnell der RCD abschaltet. Und mit dem fünffachen Nennfehlerstrom (5 · I_ΔN) wird der schnelle Personenschutz geprüft. Die zulässigen Höchstzeiten nach ÖNORM E 8101 für allgemeine RCD (Typ AC und A) sind:
| Prüfstrom | maximale Auslösezeit |
|---|---|
| 1 · I_ΔN | 300 ms |
| 5 · I_ΔN | 40 ms |
Diese Zeiten gelten für den RCD selbst. Davon zu unterscheiden sind die geforderten Abschaltzeiten der Stromkreise, die das Netzsystem vorgibt: für Endstromkreise bis 32 A bei 230 V sind das 0,4 s im TN-System und 0,2 s im TT-System. Der RCD muss innerhalb dieser Vorgaben bleiben — was er mit seinen 300 ms bei Nennfehlerstrom in aller Regel deutlich tut.
Berührungsspannung. Sie ist die Spannung, die im Fehlerfall an einem berührbaren Teil gegen Erde anstehen würde, bevor der RCD abschaltet. Sie ergibt sich aus dem Erdungswiderstand und dem Fehlerstrom:
U_B = R_E · I_ΔN
- U_B … Berührungsspannung in V
- R_E … Erdungswiderstand in Ohm
- I_ΔN .. Nennfehlerstrom des RCD in A
Diese Spannung darf den vereinbarten Grenzwert der zulässigen dauernden Berührungsspannung von 50 V (Wechselspannung, Normalbedingungen) nicht überschreiten. Genau hier zeigt sich der Vorteil des RCD: Schon ein kleiner Nennfehlerstrom hält die Berührungsspannung niedrig, selbst wenn der Erdungswiderstand vergleichsweise hoch ist.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der Prüftaste am Gerät und der Messung mit dem Prüfgerät. Die Prüftaste bestätigt nur, dass die Mechanik grundsätzlich auslöst — sie sagt nichts über Auslösestrom, Auslösezeit oder Berührungsspannung. Für die Prüfung im Sinne der Norm braucht es das Prüfgerät.
Der gemessener Auslösestrom I_a muss zwischen der unteren Grenze (0,5 · I_ΔN) und dem vollen Nennfehlerstrom liegen. Die Berührungsspannung muss unter 50 V bleiben — ist die Reserve zur 50-V-Grenze positiv, ist diese Bedingung erfüllt. Der Nennfehlerstrom wird in der Formel durch 1000 geteilt, weil er in mA eingegeben, die Berührungsspannung aber aus Ampere gerechnet wird.
Gelöstes Beispiel
Ein RCD mit 30 mA Nennfehlerstrom sitzt in einer Anlage mit einem Erdungswiderstand von 100 Ω. Wie hoch ist die Berührungsspannung im Fehlerfall, und ist der 50-V-Grenzwert eingehalten?
Gegeben: I_ΔN = 30 mA = 0,03 A, R_E = 100 Ω
Gesucht: Berührungsspannung U_B und Bewertung
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Berührungsspannung:
U_B = R_E · I_ΔN = 100 Ω · 0,03 A = 3 V - Schritt 2 — Vergleich mit Grenzwert:
3 V < 50 V → Bedingung erfüllt
Ergebnis: Die Berührungsspannung beträgt 3 V und liegt weit unter dem Grenzwert von 50 V. Die Schutzmaßnahme ist auch bei diesem vergleichsweise hohen Erdungswiderstand wirksam.
Übungen
Ein RCD hat 30 mA Nennfehlerstrom. Zwischen welchem unteren und oberen Wert muss der gemessene Auslösestrom liegen?
zwischen 0,5 · 30 mA = 15 mA und 30 mA.
Berechne die Berührungsspannung bei R_E = 200 Ω und einem 30-mA-RCD.
U_B = 200 Ω · 0,03 A = 6 V, deutlich unter 50 V.
Ein RCD mit 300 mA Nennfehlerstrom sitzt an einem Erder mit R_E = 150 Ω. Berechne U_B und beurteile.
U_B = 150 Ω · 0,3 A = 45 V, knapp unter 50 V — gerade noch zulässig, aber ohne Reserve.
Welcher maximale Erdungswiderstand ist bei einem 300-mA-RCD zulässig, damit die 50-V-Grenze gerade eingehalten wird?
R_E = U_B / I_ΔN = 50 V / 0,3 A = 166,7 Ω.
Welcher maximale Erdungswiderstand ist bei einem 30-mA-RCD zulässig, damit 50 V nicht überschritten werden?
R_E = 50 V / 0,03 A = 1666,7 Ω — der kleine Nennfehlerstrom erlaubt einen sehr hohen Erdungswiderstand.
In welchem Bereich muss der gemessene Auslösestrom eines RCD liegen?
- a) zwischen dem Nennfehlerstrom und dem doppelten Nennfehlerstrom
- b) zwischen dem halben und dem vollen Nennfehlerstrom
- c) genau beim doppelten Nennfehlerstrom
- d) unterhalb des halben Nennfehlerstroms
Richtig: b)
Löst er unter 0,5 · I_ΔN aus, kommt es zu Fehlauslösungen; löst er über I_ΔN aus, ist der Schutz unsicher. Der zulässige Bereich liegt genau dazwischen. Die anderen Werte liegen außerhalb der Norm.
Ein RCD mit I_ΔN = 30 mA sitzt an einem Erder mit R_E = 80 Ω. Welche Berührungsspannung ergibt sich, und ist sie zulässig?
- a) 2,4 V, zulässig
- b) 24 V, zulässig
- c) 80 V, nicht zulässig
- d) 50 V, Grenzfall
Richtig: a)
U_B = 80 Ω · 0,03 A = 2,4 V, weit unter der 50-V-Grenze. Antwort b verschiebt das Komma, c und d sind frei erfunden.
Welche maximale Auslösezeit darf ein RCD vom Typ A beim fünffachen Nennfehlerstrom haben?
- a) 300 ms
- b) 200 ms
- c) 40 ms
- d) 1 s
Richtig: c)
Beim fünffachen Nennfehlerstrom gilt die verschärfte Grenze von 40 ms für den schnellen Personenschutz. 300 ms ist der Wert beim einfachen Nennfehlerstrom; die anderen Werte gehören nicht zu dieser Prüfung.
Warum erlaubt ein RCD mit kleinem Nennfehlerstrom einen höheren Erdungswiderstand als ein Überstromschutz allein?
- a) Weil der RCD die Spannung erhöht
- b) Weil der RCD den Erdungswiderstand misst
- c) Weil schon ein kleiner Fehlerstrom zur Auslösung genügt und U_B = R_E · I_ΔN dadurch klein bleibt
- d) Weil der RCD keinen Erder braucht
Richtig: c)
Da U_B mit dem kleinen I_ΔN multipliziert wird, bleibt die Berührungsspannung selbst bei hohem R_E unter 50 V. Genau das ist der Vorteil des RCD im TT-System.
5. Prüfablauf in der Praxis und RCD-Typen
In der Wiederholungsprüfung folgen die Messungen einer sinnvollen Reihenfolge, weil eine Messung die nächste beeinflussen kann. Üblich ist: zuerst die Sichtprüfung, dann die Durchgängigkeit der Schutzleiter, danach die Isolationsmessung (am besten bei freigeschalteter Anlage), anschließend die Schleifenimpedanz und zuletzt die RCD-Prüfung. Die Schleifenmessung kommt vor der RCD-Prüfung, weil das Lastverfahren sonst den RCD auslösen könnte — moderne Geräte messen die Schleife zwar RCD-schonend, die Reihenfolge bleibt aber sinnvoll.
Alle Messwerte gehören ins Prüfprotokoll: gemessene Schleifenimpedanz, prospektiver Kurzschlussstrom, Auslösestrom und Auslösezeit des RCD, Berührungsspannung. Erst das vollständige, unterschriebene Protokoll macht die Prüfung nachvollziehbar und rechtlich verwertbar.
Typische Fehlerursachen, die eine Anlage durchfallen lassen: zu hoher Schleifenwiderstand durch zu lange oder zu dünne Leitungen, lose oder korrodierte Klemmstellen, ein unterbrochener oder schlecht angebundener Schutzleiter, ein gealterter RCD mit zu langer Auslösezeit oder ein zu hoher Erdungswiderstand im TT-System.
Für die Prüfung muss man die Bauart des verbauten RCD kennen, denn sie bestimmt, was das Prüfgerät erfassen kann: Typ AC nur Wechselfehlerströme, Typ A zusätzlich pulsierende Gleichfehlerströme, Typ B auch glatte Gleichfehlerströme (etwa hinter Frequenzumrichtern). Welcher Typ wo eingesetzt werden muss und wie der RCD intern funktioniert, ist Thema eines eigenen Beitrags — hier zählt nur, dass man das Prüfgerät auf den vorhandenen Typ einstellt.
Warum wird die Schleifenimpedanz üblicherweise vor der RCD-Prüfung gemessen?
- a) Weil die RCD-Prüfung den Schleifenwiderstand verändert
- b) Weil die Norm jede andere Reihenfolge verbietet
- c) Weil die Schleifenmessung länger dauert
- d) Weil das Lastverfahren der Schleifenmessung sonst den RCD auslösen könnte und die Reihenfolge dadurch sauberer bleibt
Richtig: d)
Das Lastverfahren treibt kurzzeitig einen Strom durch die Schleife, der einen RCD auslösen kann. Eine durchdachte Reihenfolge vermeidet unnötige Auslösungen. Antwort a ist falsch, b überzeichnet die Norm, c ist kein Grund für die Reihenfolge.
Welcher RCD-Typ ist nötig, wenn glatte Gleichfehlerströme — etwa hinter einem Frequenzumrichter — sicher erfasst werden müssen?
- a) Typ AC
- b) Typ B
- c) Typ A
- d) ein einfacher Leitungsschutzschalter
Richtig: b)
Nur Typ B erfasst auch glatte Gleichfehlerströme. Typ AC erfasst nur Wechselfehlerströme, Typ A zusätzlich pulsierende Gleichfehlerströme, aber keine glatten. Ein Leitungsschutzschalter erfasst gar keine Fehlerströme im Sinne des RCD.
Welcher Befund würde eine Anlage in der Schleifenmessung am ehesten durchfallen lassen?
- a) Ein sehr niedriger Schleifenwiderstand
- b) Eine lose, korrodierte Klemmstelle, die den Schleifenwiderstand stark erhöht
- c) Eine kurze Leitung mit großem Querschnitt
- d) Ein neuer, fest angezogener Schutzleiteranschluss
Richtig: b)
Lose oder korrodierte Verbindungen treiben den Schleifenwiderstand nach oben und damit den Fehlerstrom nach unten — die Abschaltbedingung kann reißen. Die übrigen Antworten beschreiben günstige, niederohmige Verhältnisse.
Abschlusstest
Aufgabe 1: An einer Steckdose werden 0,9 Ω Schleifenimpedanz gemessen. Berechne den prospektiven Kurzschlussstrom bei U_0 = 230 V.
Gegeben: U_0 = 230 V; Z_s = 0,9 Ω
Gesucht: I_k
Lösungsweg:
I_k = U_0 / Z_s = 230 V / 0,9 Ω
Ergebnis: I_k = 255,6 A
Aufgabe 2: Berechne die Berührungsspannung eines 30-mA-RCD an einem Erder mit R_E = 300 Ω und beurteile gegen die 50-V-Grenze.
Gegeben: I_ΔN = 0,03 A; R_E = 300 Ω
Gesucht: U_B und Bewertung
Lösungsweg:
U_B = R_E · I_ΔN = 300 Ω · 0,03 A
Ergebnis: U_B = 9 V, deutlich unter 50 V → zulässig.
Aufgabe 3: Ein Stromkreis ist mit einem B16-Automaten abgesichert (Auslösestrom 5 · 16 A). Berechne die maximal zulässige Schleifenimpedanz mit 2/3-Marge bei U_0 = 230 V und beurteile, ob ein gemessener Wert von 1,5 Ω besteht.
Gegeben: U_0 = 230 V; I_a = 80 A; Z_s gemessen = 1,5 Ω
Gesucht: Z_max und Bewertung
Lösungsweg:
Z_max = (2/3) · (230/80) = (2/3) · 2,875 Ω
Ergebnis: Z_max = 1,917 Ω; gemessen 1,5 Ω < 1,917 Ω → besteht.
Aufgabe 4: Welcher maximale Erdungswiderstand ist bei einem 100-mA-RCD zulässig, damit die Berührungsspannung 50 V nicht überschreitet?
Gegeben: U_B,max = 50 V; I_ΔN = 0,1 A
Gesucht: R_E,max
Lösungsweg:
R_E = U_B / I_ΔN = 50 V / 0,1 A
Ergebnis: R_E,max = 500 Ω
Aufgabe 5: Ein Endstromkreis im TT-System ist mit einem 30-mA-RCD geschützt, der Anlagenerder hat R_E = 400 Ω. Berechne die Berührungsspannung im Fehlerfall, beurteile gegen die 50-V-Grenze und gib an, bis zu welchem R_E die Bedingung noch erfüllt wäre.
Gegeben: I_ΔN = 0,03 A; R_E = 400 Ω; U_B,max = 50 V
Gesucht: U_B, Bewertung und R_E,max
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Berührungsspannung: U_B = 400 Ω · 0,03 A = 12 V
- Schritt 2 — Vergleich: 12 V < 50 V → erfüllt
- Schritt 3 — maximaler Erdungswiderstand: R_E,max = 50 V / 0,03 A = 1666,7 Ω
Ergebnis: U_B = 12 V, die Bedingung ist mit großer Reserve erfüllt; zulässig bis R_E ≈ 1666,7 Ω.
Aufgabe 6: Ein mit B16 abgesicherter Kreis (Auslösestrom 5 · 16 A) wird bei 20 °C mit Z_s = 1,7 Ω gemessen. Im Fehlerfall ist mit einer Leitererwärmung zu rechnen, die den Schleifenwiderstand auf etwa das 1,2-fache ansteigen lässt. Prüfe die Anlage zuerst gegen den theoretischen Grenzwert ohne Marge und dann gegen die 2/3-Bewertung, U_0 = 230 V.
Gegeben: U_0 = 230 V; I_a = 80 A; Z_s (kalt) = 1,7 Ω; Erwärmungsfaktor 1,2
Gesucht: warmer Z_s, theoretischer Grenzwert, 2/3-Grenzwert, Bewertung
Lösungsweg:
- Schritt 1 — warmer Schleifenwiderstand: Z_s,warm = 1,7 Ω · 1,2 = 2,04 Ω
- Schritt 2 — theoretischer Grenzwert ohne Marge: U_0 / I_a = 230 / 80 = 2,875 Ω → kalt bestanden, auch warm noch unter 2,875 Ω
- Schritt 3 — 2/3-Grenzwert: Z_max = (2/3) · 2,875 Ω = 1,917 Ω
- Schritt 4 — Vergleich kalt gegen 2/3-Grenzwert: 1,7 Ω < 1,917 Ω → erfüllt, aber knapp
Ergebnis: Ohne Marge wirkt die Anlage unkritisch (2,04 Ω warm liegt unter 2,875 Ω). Erst die 2/3-Bewertung zeigt, dass der kalte Messwert 1,7 Ω die Reserve fast aufzehrt — genau hierfür ist die Marge gedacht. Die Anlage besteht, aber mit geringem Spielraum.
Was beschreibt die Schleifenimpedanz Z_s?
- a) Die Summe aller Widerstände entlang der geschlossenen Fehlerschleife
- b) Den Isolationswiderstand zwischen Leiter und Erde
- c) Den Widerstand des Verbrauchers im Normalbetrieb
- d) Die Spannung im Fehlerfall
Richtig: a)
Z_s is die Gesamtimpedanz des Fehlerstromwegs aus Hinleiter, Rückleiter und Trafoanteil. Isolationswiderstand, Verbraucherwiderstand und Spannung sind andere Größen.
Eine Anlage zeigt im Lastverfahren 2,0 Ω. Abgesichert ist sie mit C16 (Auslösestrom 10 · 16 A). Besteht sie die 2/3-Bewertung bei 230 V?
- a) Ja, mit großer Reserve
- b) Nein, der zulässige Wert liegt bei rund 0,96 Ω
- c) Ja, knapp
- d) Das lässt sich ohne Auslösezeit nicht sagen
Richtig: b)
I_a = 160 A; Z_max = (2/3) · (230/160) = 0,958 Ω. Gemessen 2,0 Ω liegt weit darüber, die Anlage fällt durch. C-Charakteristik braucht hohen Strom und damit niedrigen Z_s.
Welche Auslösezeit darf ein Typ-A-RCD beim einfachen Nennfehlerstrom höchstens haben?
- a) 40 ms
- b) 150 ms
- c) 300 ms
- d) 500 ms
Richtig: c)
Beim einfachen Nennfehlerstrom gilt die Grenze von 300 ms; die 40 ms gehören zum fünffachen Nennfehlerstrom.
Warum erlaubt ein RCD mit kleinem Nennfehlerstrom einen höheren Erdungswiderstand als ein Überstromschutz allein?
- a) Weil der RCD die Spannung erhöht
- b) Weil der RCD den Erdungswiderstand misst
- c) Weil der RCD keinen Erder braucht
- d) Weil schon ein kleiner Fehlerstrom zur Auslösung genügt und U_B = R_E · I_ΔN dadurch klein bleibt
Richtig: d)
Da U_B mit dem kleinen I_ΔN multipliziert wird, bleibt die Berührungsspannung selbst bei hohem R_E unter 50 V. Genau das ist der Vorteil des RCD im TT-System.
Eine Schleifenmessung am entferntesten Punkt besteht. Was lässt sich über die näher gelegenen Punkte desselben Stromkreises sagen?
- a) Sie bestehen ebenfalls, da ihr Schleifenwiderstand kleiner ist
- b) Sie könnten durchfallen
- c) Darüber kann man nichts sagen
- d) Sie müssen separat berechnet werden
Richtig: a)
Der entfernteste Punkt ist der ungünstigste mit dem größten Z_s. Punkte davor haben kleineres Z_s und damit größeren Fehlerstrom — sie bestehen automatisch.
Der gemessene Auslösestrom eines 30-mA-RCD beträgt 12 mA. Wie ist das zu bewerten?
- a) Einwandfrei
- b) Zu hoch
- c) Zu niedrig — unter 0,5 · I_ΔN, Neigung zu Fehlauslösungen
- d) Genau an der oberen Grenze
Richtig: c)
0,5 · 30 mA = 15 mA. Ein Auslösestrom von 12 mA liegt darunter, der RCD löst zu früh aus und neigt zu unerwünschten Auslösungen.
Welche Reihenfolge der Messungen ist sinnvoll?
- a) RCD-Prüfung, dann Isolationsmessung, dann Schleifenmessung
- b) Schleifenmessung zuerst, danach Sichtprüfung
- c) Nur RCD-Prüfung, der Rest ist verzichtbar
- d) Sichtprüfung, Schutzleiterdurchgang, Isolationsmessung, Schleifenmessung, RCD-Prüfung
Richtig: d)
Die übliche Reihenfolge geht von der Sichtprüfung über die spannungsfreien Messungen zu den Messungen unter Spannung und endet mit der RCD-Prüfung. So beeinflussen sich die Schritte am wenigsten.
Bei welchem Erdungswiderstand erreicht ein 30-mA-RCD gerade die 50-V-Grenze?
- a) 1666,7 Ω
- b) 833 Ω
- c) 500 Ω
- d) 5000 Ω
Richtig: a)
R_E = U_B / I_ΔN = 50 V / 0,03 A = 1666,7 Ω. Der kleine Nennfehlerstrom erlaubt einen sehr hohen Erdungswiderstand.
Warum darf der gemessene Z_s nicht direkt mit U_0/I_a verglichen werden?
- a) Weil U_0 im Fehlerfall steigt
- b) Weil I_a im Fehlerfall sinkt
- c) Weil die Leitererwärmung im Fehlerfall Z_s erhöht und die Messunsicherheit eine Reserve verlangt
- d) Weil der Vergleich gesetzlich verboten ist
Richtig: c)
Warme Leiter haben höheren Widerstand, und das Messgerät hat eine Toleranz. Die 2/3-Marge deckt beides ab, deshalb der reduzierte Grenzwert.
Welcher Befund deutet am ehesten auf einen unterbrochenen Schutzleiter hin?
- a) Ein sehr niedriger Schleifenwiderstand
- b) Eine Berührungsspannung von 0 V
- c) Ein Auslösestrom genau bei I_ΔN
- d) Eine sehr hohe oder nicht messbare Schleifenimpedanz
Richtig: d)
Ist der Rückweg über den Schutzleiter unterbrochen, kann sich die Fehlerschleife nicht schließen — die Schleifenimpedanz wird extrem hoch oder lässt sich nicht messen. Das ist ein klassisches Alarmzeichen.
Ein Typ-AC-RCD ist in einem Stromkreis mit Frequenzumrichter verbaut. Wo liegt das Problem?
- a) Typ AC ist zu schnell
- b) Typ AC erfasst zu viele Fehlerströme
- c) Es gibt kein Problem
- d) Typ AC erfasst keine glatten Gleichfehlerströme, die hinter dem Umrichter auftreten können
Richtig: d)
Typ AC reagiert nur auf reine Wechselfehlerströme. Glatte Gleichfehlerströme aus dem Umrichter kann er übersehen — hier ist mindestens Typ A, oft Typ B nötig.
Glossar
- Schleifenimpedanz (Z_s)
- Gesamtimpedanz der geschlossenen Fehlerschleife aus Außenleiter, Rückleiter (PE/PEN) und Transformatoranteil; maßgeblich für den Fehlerstrom im Körperschlussfall.
- Fehlerschleife
- Geschlossener Strompfad, den der Fehlerstrom bei einem Körperschluss durchläuft: vom Trafo über den Außenleiter zur Fehlerstelle und über den Schutzleiter zurück.
- Körperschluss
- Leitende Verbindung zwischen einem aktiven Leiter und einem berührbaren Gehäuseteil; löst im Fehlerfall den Schutzmechanismus aus.
- Prospektiver Kurzschlussstrom (I_k)
- Strom, der im Fehlerfall fließen würde; berechnet aus I_k = U_0 / Z_s. Muss groß genug sein, damit die Schutzeinrichtung rechtzeitig auslöst.
- Lastverfahren
- Messprinzip für die Schleifenimpedanz, bei dem das Prüfgerät kurzzeitig einen definierten Laststrom durch die Schleife treibt und aus dem Spannungsfall die Impedanz berechnet.
- RCD
- Fehlerstromschutzschalter (residual current device); überwacht die Differenz von zu- und abfließendem Strom und schaltet beim Überschreiten des Nennfehlerstroms ab.
- Nennfehlerstrom (I_ΔN)
- Fehlerstrom, bei dem ein RCD bestimmungsgemäß auslösen soll, z. B. 30 mA. Der tatsächliche Auslösestrom muss zwischen dem halben und vollen Nennfehlerstrom liegen.
- Berührungsspannung (U_B)
- Spannung, die im Fehlerfall an einem berührbaren Teil gegen Erde ansteht; U_B = R_E · I_ΔN. Darf den Grenzwert von 50 V (Wechselspannung) nicht überschreiten.
- Erdungswiderstand (R_E)
- Widerstand zwischen Anlagenerder und Bezugserde; bestimmt im TT-System maßgeblich die Höhe der Berührungsspannung.
- 2/3-Bewertung
- Bewertungskriterium für die Schleifenimpedanz mit Sicherheitsmarge: Z_s ≤ (2/3) · U_0/I_a, das Leitererwärmung im Fehlerfall und Messunsicherheit berücksichtigt.
