Oszilloskop – Grundlagen und Anwendung
Ein Multimeter sagt dir, dass eine Spannung 12 Volt beträgt. Aber ist das eine saubere Gleichspannung, eine pulsierende Spannung mit Brummen oder ein verzerrtes Wechselsignal? Das Multimeter verrät es nicht – es gibt nur eine einzige Zahl aus. Genau hier setzt das Oszilloskop an: Es zeichnet den zeitlichen Verlauf einer Spannung als Kurve auf den Bildschirm. Du siehst nicht mehr nur einen Wert, sondern die ganze Form des Signals.
Dieser Beitrag zeigt, wie ein Oszilloskop aufgebaut ist, wie das Schirmbild zu lesen ist und wie du Spannung, Periodendauer, Frequenz und Tastverhältnis direkt am Raster abliest. Am Ende kannst du ein Signal selbst einstellen, ein stehendes Bild erzeugen und die wichtigsten Messungen in der Praxis durchführen.
Vorwissen
- Elektrische Spannung – Definition und Erzeugung
- Wechselspannung und ihre Kenngrößen
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, was ein Oszilloskop gegenüber einem Multimeter zusätzlich leistet
- das Schirmbild als Koordinatensystem aus Zeit- und Spannungsachse lesen
- aus der Anzahl der Kästchen und den Einstellungen Spannung, Periodendauer und Frequenz berechnen
- die Triggerung erklären und ein stehendes, stabiles Bild erzeugen
- ein Signal in der Praxis richtig anschließen und typische Größen wie Amplitude, Frequenz und Tastverhältnis messen
1. Wozu ein Oszilloskop? Vom Zahlenwert zum Signalbild
Ein Multimeter ist hervorragend, wenn du einen einzelnen Wert brauchst – etwa die Versorgungsspannung an einer Klemme oder den Strom durch einen Verbraucher. Es zeigt dir aber immer nur eine Zahl: bei Wechselspannung meist den Effektivwert, bei Gleichspannung den Mittelwert. Wie sich die Spannung im Verlauf der Zeit verhält, bleibt verborgen.
Das Oszilloskop macht genau das sichtbar. Es stellt die Spannung als Kurve über der Zeit dar – ähnlich wie ein Diagramm, bei dem die Zeit nach rechts läuft und die Spannung nach oben aufgetragen ist. Aus dieser Kurve liest du auf einen Blick ab, ob ein Signal sinusförmig, rechteckig oder verzerrt ist, wie schnell es sich wiederholt und ob es von Störungen überlagert wird.
Damit lassen sich Dinge erkennen, die ein Multimeter nie zeigen würde: das Brummen auf einer Versorgungsspannung, die steile Flanke eines Schaltsignals, eine eingekoppelte Störspitze oder die genaue Form eines Sensorausgangs. Wo das Multimeter eine Momentaufnahme in Zahlen liefert, liefert das Oszilloskop den ganzen Film.
Praktisch arbeitet man heute fast ausschließlich mit dem Digital-Oszilloskop (oft als DSO bezeichnet, von Digital Storage Oscilloscope). Es tastet das Eingangssignal in vielen Punkten ab, speichert die Werte und zeichnet daraus die Kurve. Ältere Analog-Oszilloskope lenkten einen Elektronenstrahl direkt ab; das Prinzip des Schirmbilds – Zeit nach rechts, Spannung nach oben – ist aber bei beiden gleich, und genau dieses Bild musst du lesen können.
Begriffe wie Spitzenwert, Effektivwert und Frequenz tauchen beim Arbeiten am Oszilloskop ständig auf. Ihre genaue Definition wird hier vorausgesetzt – sie gehört zu den Kenngrößen der Wechselspannung. In diesem Beitrag geht es darum, diese Größen am Schirmbild abzulesen und einzustellen.
Ein Mechatroniker misst an einem Sensorausgang mit dem Multimeter exakt 4,8 V und vermutet alles in Ordnung. Warum kann das Oszilloskop hier trotzdem einen Fehler aufdecken, den das Multimeter nicht zeigt?
- a) Das Oszilloskop zeigt kurzzeitige Einbrüche oder Störungen im Verlauf, die das Multimeter zu einem Mittel- oder Effektivwert verrechnet
- b) Das Oszilloskop misst Spannungen genauer als jedes Multimeter
- c) Das Multimeter kann grundsätzlich keine Gleichspannung messen
- d) Das Oszilloskop rechnet den Effektivwert automatisch in den Spitzenwert um
Richtig: a)
Das Multimeter bildet über die Messzeit einen einzigen Wert (Mittel- bzw. Effektivwert) und glättet damit kurze Aussetzer weg. Das Oszilloskop zeigt den Verlauf Punkt für Punkt und macht solche kurzen Einbrüche sichtbar (a). Die Genauigkeit (b) ist nicht der Punkt – ein gutes Multimeter misst stationäre Werte sehr genau. Multimeter messen sehr wohl Gleichspannung (c), und eine automatische Umrechnung (d) löst das Problem des Zeitverlaufs nicht.
Welche Aussage über das Digital-Oszilloskop (DSO) trifft zu?
- a) Es lenkt einen Elektronenstrahl direkt mit der Eingangsspannung ab
- b) It can exclusively represent sine signals
- c) Es tastet das Eingangssignal in vielen Punkten ab, speichert die Werte und zeichnet daraus die Kurve
- d) Es zeigt im Gegensatz zum Analog-Oszilloskop die Zeit auf der senkrechten Achse
Richtig: c)
Das DSO digitalisiert das Signal durch Abtasten und speichert die Werte (c). Die direkte Strahlablenkung mit der Eingangsspannung (a) ist das Prinzip des klassischen Analog-Oszilloskops. Beliebige Signalformen sind darstellbar, nicht nur Sinus (b). Die Zeit liegt bei beiden Bauarten auf der waagrechten Achse (d).
2. Der Bildschirm: Raster, X- und Y-Achse
Das Schirmbild eines Oszilloskops ist im Kern ein Koordinatensystem. Über den ganzen Bildschirm liegt ein gleichmäßiges Gitter aus Linien – das Raster. Die einzelnen Felder dieses Gitters nennt man Division (kurz „div“), auf Deutsch schlicht Kästchen.
Die waagrechte Achse (X-Achse) ist die Zeitachse: Von links nach rechts läuft die Zeit. Die senkrechte Achse (Y-Achse) ist die Spannungsachse: Nach oben steigt die Spannung, nach unten wird sie negativer. In der Mitte liegen meist zwei kräftiger gezeichnete Mittellinien, die als Nulllinien und zum genauen Ablesen dienen.
Üblich ist ein Raster mit 10 Kästchen in der Breite und 8 Kästchen in der Höhe. Jedes Kästchen ist oft noch durch kleine Teilstriche auf der Mittellinie in fünf Unterteilungen geteilt, sodass du auch Bruchteile eines Kästchens genau ablesen kannst.
Der entscheidende Punkt: Ein Kästchen hat keinen festen Wert. Wie viel Spannung ein vertikales Kästchen darstellt und wie viel Zeit ein horizontales Kästchen bedeutet, legst du an zwei Stellschrauben selbst fest – an der vertikalen und der horizontalen Skalierung. Wie das genau funktioniert, klären die nächsten beiden Kapitel.
Raster: Breite = 10 Kästchen (Zeitachse, X)
Höhe = 8 Kästchen (Spannungsachse, Y)
1 Kästchen = 1 Division (div)
Auf einem Oszilloskop-Schirm wird ein Signal angezeigt. Was bedeutet es, wenn sich der Kurvenzug nach rechts bewegt?
- a) Die Spannung wird größer
- b) Der Widerstand der Schaltung steigt
- c) Das Signal wird verstärkt
- d) Es vergeht Zeit – die X-Achse stellt den zeitlichen Verlauf dar
Richtig: d)
Die waagrechte Achse ist die Zeitachse; eine Bewegung nach rechts entspricht fortschreitender Zeit (d). Eine größere Spannung würde sich als Auslenkung nach oben zeigen (a), nicht nach rechts. Widerstand (b) und Verstärkung (c) werden nicht direkt als Achse dargestellt.
Warum lässt sich nicht allgemein sagen, „ein Kästchen am Oszilloskop bedeutet 1 Volt“?
- a) Weil der Wert eines Kästchens von der eingestellten Skalierung abhängt und frei wählbar ist
- b) Weil jedes Oszilloskop ein anderes Raster hat
- c) Weil Kästchen nur die Zeit, niemals die Spannung darstellen
- d) Weil ein Kästchen immer genau dem Effektivwert entspricht
Richtig: a)
Der Spannungswert eines vertikalen Kästchens wird über die vertikale Skalierung eingestellt und ist frei wählbar (a). Das Raster selbst ist meist genormt auf 10 × 8 Kästchen (b). Vertikale Kästchen stellen sehr wohl Spannung dar (c), und mit dem Effektivwert (d) hat die Kästchengröße nichts zu tun.
3. Vertikale Ablenkung: Volt pro Division
Die vertikale Skalierung bestimmt, wie viel Spannung ein Kästchen in der Höhe darstellt. Der dazugehörige Einstellwert heißt Volt pro Division (V/div). Stellst du zum Beispiel 2 V/div ein, dann entspricht jedes vertikale Kästchen 2 Volt. Eine Kurve, die vier Kästchen hoch ausschlägt, zeigt damit 8 Volt.
Daraus ergibt sich die zentrale Ablese-Regel der senkrechten Achse:
U = n · K
- U … abgelesene Spannung in Volt (V)
- n … Anzahl der Kästchen in der Höhe (Divisions)
- K … eingestellte Skalierung in Volt pro Division (V/div)
Wichtig ist, von welchem Bezugspunkt aus du zählst. Für eine Wechselspannung misst du oft die volle Auslenkung von der untersten bis zur obersten Stelle der Kurve – das ist der Spitze-Spitze-Wert. Für eine Gleichspannung zählst du die Kästchen von der Nulllinie bis zur Kurve.
Wie die Kurve überhaupt auf den Schirm kommt, hängt von der Kopplung ab. Es gibt drei Einstellungen:
- DC-Kopplung: Das Signal wird vollständig durchgelassen, mit Gleich- und Wechselanteil. So siehst du auch eine Gleichspannung oder den Gleichanteil eines Signals.
- AC-Kopplung: Der Gleichanteil wird abgetrennt, nur der Wechselanteil bleibt. Praktisch, wenn du ein kleines Brummen auf einer hohen Gleichspannung untersuchen willst – das Signal wird dann um die Nulllinie zentriert.
- GND-Kopplung: Der Eingang wird intern auf Masse gelegt. Die Kurve liegt dann auf der Nulllinie – damit findest du die Bezugslinie, von der aus du später zählst.
Eine zweite Sache beeinflusst, was du abliest: der Tastkopf. Ein Tastkopf 1:1 leitet das Signal unverändert weiter. Ein Tastkopf 10:1 teilt die Spannung im Verhältnis zehn zu eins, schwächt das Signal also auf ein Zehntel ab. Das hat den Vorteil, dass die Messung die Schaltung kaum belastet und höhere Spannungen messbar werden. Du musst aber daran denken: Bei einem 10:1-Tastkopf ist der wahre Spannungswert das Zehnfache des aus dem Raster berechneten Werts – sofern das Oszilloskop den Teiler nicht automatisch berücksichtigt. Viele Geräte erkennen den Tastkopf und zeigen den korrekten Wert direkt an; bei älteren Geräten musst du selbst mit zehn multiplizieren.
Gelöstes Beispiel
Ein sinusförmiges Signal wird mit einem 1:1-Tastkopf gemessen. Die Skalierung steht auf 0,5 V/div. Die Kurve schlägt von der untersten bis zur obersten Spitze über 6 Kästchen aus. Wie groß ist der Spitze-Spitze-Wert?
Gegeben: n = 6 div, K = 0,5 V/div, Tastkopf 1:1
Gesucht: Spitze-Spitze-Spannung U in V
Lösungsweg:
- Spannung aus Raster:
U = n · K = 6 · 0,5 V = 3 V - Tastkopf berücksichtigen:
Bei 1:1 bleibt der Wert unverändert.
Ergebnis: 3 V Spitze-Spitze
Übungen
Bei 1 V/div schlägt eine Gleichspannung 3,5 Kästchen über die Nulllinie aus, Tastkopf 1:1. Wie groß ist die Spannung?
U = 3,5 · 1 V = 3,5 V
Ein Signal wird mit 2 V/div dargestellt und ist 4 Kästchen hoch. Tastkopf 1:1. Wie groß ist die Auslenkung in Volt?
U = 4 · 2 V = 8 V
Mit einem 10:1-Tastkopf und 0,2 V/div wird ein Ausschlag von 5 Kästchen gemessen. Das Gerät erkennt den Tastkopf nicht. Wie groß ist die tatsächliche Spannung?
Schirmwert U = 5 · 0,2 V = 1 V; tatsächlich 1 V · 10 = 10 V
Eine Spannung von 6 V soll genau 3 Kästchen hoch dargestellt werden, Tastkopf 1:1. Welche Skalierung musst du wählen?
K = U / n = 6 V / 3 = 2 V/div
Mit einem 10:1-Tastkopf misst du an einer Schaltung. Bei 50 mV/div ergibt sich ein Spitze-Spitze-Ausschlag von 4,4 Kästchen. Wie groß ist der tatsächliche Spitze-Spitze-Wert?
Schirmwert = 4,4 · 50 mV = 220 mV; tatsächlich 220 mV · 10 = 2,2 V
Ein Signal wird mit 0,5 V/div dargestellt und schlägt mit einem 1:1-Tastkopf 5 Kästchen Spitze-Spitze aus. Wie groß ist der Spitze-Spitze-Wert?
- a) 0,5 V
- b) 5 V
- c) 10 V
- d) 2,5 V
Richtig: d)
U = n · K = 5 · 0,5 V = 2,5 V (d). Der 1:1-Tastkopf ändert nichts. 0,5 V (a) ist nur die Skalierung, 5 V (b) und 10 V (c) ergeben sich aus falschen Multiplikationen.
Du untersuchst ein kleines Brummen, das auf einer Gleichspannung von 24 V liegt. Welche Kopplung ist am sinnvollsten?
- a) GND-Kopplung, damit die Kurve auf der Nulllinie liegt
- b) DC-Kopplung, damit die 24 V mit dargestellt werden
- c) AC-Kopplung, damit der Gleichanteil abgetrennt wird und nur das Brummen sichtbar bleibt
- d) Es spielt keine Rolle, welche Kopplung gewählt wird
Richtig: c)
Die AC-Kopplung trennt den 24-V-Gleichanteil ab, sodass das kleine Brummen empfindlich und zentriert um die Nulllinie dargestellt werden kann (c). Bei DC-Kopplung (b) würde die Kurve weit oben liegen und man müsste sehr unempfindlich einstellen, das Brummen ginge unter. GND (a) trennt den Eingang ganz ab und zeigt gar kein Signal. Die Wahl der Kopplung ist also entscheidend (d).
Mit einem 10:1-Tastkopf, den das Oszilloskop nicht automatisch erkennt, liest du bei 1 V/div einen Ausschlag von 2 Kästchen ab. Welcher tatsächliche Spannungswert liegt vor?
- a) 2 V
- b) 0,2 V
- c) 20 V
- d) 200 mV
Richtig: c)
Der Schirmwert beträgt 2 · 1 V = 2 V. Weil der Tastkopf auf ein Zehntel teilt und das Gerät das nicht berücksichtigt, ist der wahre Wert 2 V · 10 = 20 V (c). 2 V (a) ist der nicht korrigierte Schirmwert, die übrigen Werte beruhen auf falscher Richtung der Korrektur.
4. Horizontale Ablenkung: Zeit pro Division
So wie die vertikale Skalierung die Spannung pro Kästchen festlegt, bestimmt die Zeit pro Division (t/div) die Zeit pro Kästchen in der Breite. Diese horizontale Skalierung heißt auch Zeitbasis. Steht die Zeitbasis auf 1 ms/div, dann entspricht jedes horizontale Kästchen einer Millisekunde.
Damit kannst du die Periodendauer eines periodischen Signals direkt ablesen. Die Periodendauer T ist die Zeit für einen vollständigen Durchlauf des Signals – etwa von einem Nulldurchgang bis zum nächsten gleichartigen Nulldurchgang einer Sinuskurve. Du zählst die Kästchen, über die sich eine Periode erstreckt, und multiplizierst mit der Zeitbasis:
T = n · K_t
- T … Periodendauer in Sekunden (s)
- n … Anzahl der Kästchen für eine Periode (Divisions)
- K_t … eingestellte Zeitbasis in Sekunden pro Division (s/div)
Aus der Periodendauer ergibt sich die Frequenz – der Zusammenhang zwischen beiden ist als bekannt vorausgesetzt:
f = 1 / T
- f … Frequenz in Hertz (Hz)
- T … Periodendauer in Sekunden (s)
Am Oszilloskop läuft die Frequenzbestimmung also indirekt: Du misst zuerst die Periodendauer über die Rasterkästchen und rechnest sie dann in die Frequenz um. Je breiter du eine Periode über den Schirm ziehst, desto genauer kannst du T ablesen – deshalb wählt man die Zeitbasis so, dass ein bis zwei Perioden gut sichtbar sind.
Gelöstes Beispiel
Eine Sinuskurve erstreckt sich über 5 Kästchen für eine volle Periode. Die Zeitbasis steht auf 2 ms/div. Bestimme Periodendauer und Frequenz.
Gegeben: n = 5 div, K_t = 2 ms/div
Gesucht: Periodendauer T in ms, Frequenz f in Hz
Lösungsweg:
- Periodendauer:
T = n · K_t = 5 · 2 ms = 10 ms - Frequenz:
f = 1 / T = 1 / 0,01 s = 100 Hz
Ergebnis: T = 10 ms, f = 100 Hz
Übungen
Eine Periode erstreckt sich über 4 Kästchen bei 1 ms/div. Wie groß ist die Periodendauer?
T = 4 · 1 ms = 4 ms
Bei 0,5 ms/div umfasst eine Periode 8 Kästchen. Bestimme T und f.
T = 8 · 0,5 ms = 4 ms; f = 1 / 0,004 s = 250 Hz
Eine Periode misst 10 Kästchen bei 20 µs/div. Wie groß ist die Frequenz?
T = 10 · 20 µs = 200 µs = 0,0002 s; f = 1 / 0,0002 s = 5000 Hz = 5 kHz
Ein Signal hat eine bekannte Frequenz von 50 Hz. Bei welcher Zeitbasis erstreckt sich genau eine Periode über 5 Kästchen?
T = 1 / 50 Hz = 20 ms; K_t = T / n = 20 ms / 5 = 4 ms/div
Auf dem Schirm sind bei 2 ms/div genau 2,5 Perioden über die vollen 10 Kästchen verteilt. Bestimme T und f.
Gesamtzeit = 10 · 2 ms = 20 ms für 2,5 Perioden; T = 20 ms / 2,5 = 8 ms; f = 1 / 0,008 s = 125 Hz
Eine Periode eines Signals erstreckt sich über 4 Kästchen, die Zeitbasis steht auf 0,5 ms/div. Wie groß ist die Frequenz?
- a) 2 ms
- b) 250 Hz
- c) 2000 Hz
- d) 500 Hz
Richtig: d)
T = n · K_t = 4 · 0,5 ms = 2 ms = 0,002 s; f = 1 / T = 1 / 0,002 s = 500 Hz (d). 2 ms (a) ist die Periodendauer, keine Frequenz; 250 Hz (b) und 2000 Hz (c) beruhen auf falscher Rechnung.
Warum ermittelt man am Oszilloskop die Frequenz fast immer über den Umweg der Periodendauer?
- a) Weil das Oszilloskop keine Frequenz darstellen kann
- b) Weil die Zeitachse die Zeit darstellt und sich daraus zuerst die Periodendauer ablesen lässt, aus der die Frequenz berechnet wird
- c) Weil die Frequenz auf der senkrechten Achse abgelesen wird
- d) Weil die Periodendauer immer genau ein Kästchen breit ist
Richtig: b)
Die waagrechte Achse zeigt die Zeit; daraus liest man unmittelbar die Periodendauer ab und berechnet mit f = 1/T die Frequenz (b). Moderne Geräte können die Frequenz auch automatisch anzeigen (a ist falsch), die Frequenz steht nicht auf der Y-Achse (c), und die Breite einer Periode hängt von der Einstellung ab (d).
Bei 20 µs/div umfasst eine volle Periode 10 Kästchen. Welche Frequenz liegt vor?
- a) 200 µs
- b) 50 Hz
- c) 5 kHz
- d) 500 Hz
Richtig: c)
T = 10 · 20 µs = 200 µs = 0,0002 s; f = 1 / 0,0002 s = 5000 Hz = 5 kHz (c). 200 µs (a) ist die Periodendauer, keine Frequenz; die übrigen Werte beruhen auf falscher Zehnerpotenz.
5. Triggerung: Das stehende Bild
Schließt du ein Wechselsignal an und stellst Skalierung und Zeitbasis passend ein, passiert am Anfang oft etwas Verwirrendes: Das Bild steht nicht still, sondern läuft seitlich durch oder flackert. Der Grund ist, dass das Oszilloskop immer wieder neue Aufzeichnungen über die alten zeichnet – und jede beginnt an einem etwas anderen Punkt des Signals. Die Bilder liegen nicht übereinander, das Auge sieht ein wanderndes Durcheinander.
Hier kommt die Triggerung ins Spiel. Der Trigger ist eine Bedingung, die festlegt, an welchem Punkt jede einzelne Aufzeichnung beginnt. Erst wenn das Signal diese Bedingung erfüllt, startet das Oszilloskop eine neue Kurve. Dadurch beginnt jede Aufzeichnung am exakt gleichen Punkt des Signals, alle Kurven liegen deckungsgleich übereinander – und das Bild steht still.
Zwei Einstellungen bestimmen den Trigger:
- Der Triggerpegel legt fest, bei welcher Spannung ausgelöst wird. Du verschiebst eine waagrechte Schwelle so weit, bis sie das Signal an der gewünschten Stelle schneidet.
- Die Triggerflanke bestimmt, ob beim Anstieg oder beim Abfall des Signals ausgelöst wird. Bei steigender Flanke startet die Aufzeichnung, wenn das Signal den Pegel von unten nach oben durchläuft, bei fallender Flanke umgekehrt.
Dazu kommen die Trigger-Modi:
- Auto: Das Oszilloskop zeichnet auch dann, wenn keine Triggerbedingung erfüllt wird – praktisch zum schnellen Finden eines Signals, das Bild kann aber leicht wandern.
- Normal: Es zeichnet nur, wenn die Triggerbedingung erfüllt ist. Ohne passendes Signal bleibt der Schirm leer, dafür steht ein erkanntes Signal sauber.
- Single: Das Oszilloskop wartet auf ein einziges Auslöseereignis, zeichnet genau eine Aufzeichnung auf und hält sie fest. Ideal für einmalige Vorgänge wie einen Einschaltvorgang.
Stell dir den Trigger wie einen abgesprochenen Startpunkt bei einem Rennen vor: Wenn jeder Läufer immer von derselben Startlinie losläuft, liegen alle Bahnen übereinander. Lässt man jeden irgendwo starten, ergibt sich ein wirres Bild. Der Triggerpegel ist die Startlinie, die Flanke die Laufrichtung.
Ein Wechselsignal ist sauber eingestellt, das Bild läuft aber seitlich durch. Woran liegt das am ehesten?
- a) Die Spannung ist zu hoch eingestellt
- b) Die Zeitbasis ist defekt
- c) Der Tastkopf ist auf 10:1 gestellt
- d) Der Trigger ist nicht passend gesetzt, sodass jede Aufzeichnung an einem anderen Punkt beginnt
Richtig: d)
Ein wanderndes Bild bei sonst sauberer Einstellung ist das klassische Zeichen eines fehlenden oder falsch gesetzten Triggers – die Aufzeichnungen beginnen nicht am gleichen Signalpunkt (d). Die vertikale Skalierung (a) und der Tastkopf (c) beeinflussen die Amplitudendarstellung, nicht das Stillstehen. Ein Defekt der Zeitbasis (b) ist sehr unwahrscheinlich und nicht die typische Ursache.
Wozu dient der Trigger-Modus „Single“?
- a) Er stellt automatisch die optimale Zeitbasis ein
- b) Er zeichnet fortlaufend und überschreibt alte Kurven
- c) Er wartet auf ein einziges Auslöseereignis, zeichnet eine Aufzeichnung auf und hält sie fest
- d) Er trennt den Gleichanteil des Signals ab
Richtig: c)
Im Single-Modus fängt das Oszilloskop genau ein Ereignis ein und hält das Bild fest – ideal für einmalige Vorgänge (c). Automatisches Einstellen (a) leistet eine Autoset-Funktion, das fortlaufende Überschreiben (b) ist der Auto-/Normal-Betrieb, und das Abtrennen des Gleichanteils (d) ist Aufgabe der AC-Kopplung.
Was bewirkt die Einstellung der Triggerflanke auf „steigend“?
- a) Die Aufzeichnung startet, wenn das Signal den Triggerpegel von unten nach oben durchläuft
- b) Das Signal wird invertiert dargestellt
- c) Die Amplitude des Signals wird vergrößert
- d) Die Aufzeichnung startet bei der höchsten Spannung des Signals
Richtig: a)
Steigende Flanke bedeutet: Ausgelöst wird, wenn das Signal den eingestellten Pegel im Anstieg durchschreitet, also von unten nach oben (a). Eine Invertierung (b) oder Amplitudenänderung (c) hat damit nichts zu tun, und ausgelöst wird am Pegel, nicht zwingend am Maximum (d).
6. Messen in der Praxis: Anschluss, Tastkopf, typische Messungen
In der Werkstatt entscheidet vor allem der richtige Anschluss über eine brauchbare und gefahrlose Messung. Ein Tastkopf hat zwei Anschlüsse: die Messspitze und die Masseklemme. Diese Masseklemme liegt im Oszilloskop fest auf dem Schutzleiter und damit auf Erdpotential. Das ist der wichtigste Punkt, der oft übersehen wird.
Klemmst du die Masse irgendwo an, legst du diesen Punkt der Schaltung zwangsläufig auf Erdpotential. Liegt dieser Punkt in der Schaltung nicht auf Masse, sondern führt eine Spannung, erzeugst du einen Kurzschluss gegen Erde – mit Funkenflug, durchgebrannten Bauteilen oder ausgelöstem FI. Besonders heikel ist das bei netzbezogenen Schaltungen, wo Punkte gegenüber Erde gefährlich hohe Spannungen führen können. Hier gilt: niemals einfach die Masseklemme an einen beliebigen Punkt klemmen. Sind zwei Punkte zu messen, die beide nicht auf Erde liegen, braucht man einen Differenztastkopf, der die Spannung zwischen zwei Punkten potentialfrei misst. Ein normaler Tastkopf kann das nicht.
Ein weiterer Routinepunkt ist der Tastkopf-Abgleich. Ein 10:1-Tastkopf enthält einen kleinen Abgleichkondensator, der auf das Oszilloskop eingestellt werden muss. Dazu legt man die Messspitze an das Rechteck-Kalibriersignal des Geräts und dreht so lange an der Schraube, bis die Rechteckkanten sauber rechtwinklig stehen – nicht verschliffen und nicht überschwingend. Ein schlecht abgeglichener Tastkopf verfälscht vor allem schnelle Signale und Flanken.
Sind Anschluss und Abgleich erledigt, sind das die typischen Messungen im Alltag: die Amplitude eines Signals (über V/div), seine Frequenz (über die Periodendauer), die Form der Kurve, das Brummen auf einer Versorgung – und das Tastverhältnis bei Schaltsignalen. Das Tastverhältnis (englisch Duty Cycle) beschreibt, welcher Anteil einer Periode das Signal auf High-Pegel liegt. Es ist zentral bei pulsweitenmodulierten Signalen, wie sie zur Ansteuerung von Ventilen, Motoren oder LED-Dimmern verwendet werden.
Ein Rechtecksignal besteht aus einer High-Zeit (t_on) und einer Low-Zeit (t_off). Beide zusammen ergeben die Periodendauer, und das Verhältnis von High-Zeit zur Periode ist das Tastverhältnis:
T = t_on + t_off
- T … Periodendauer in Sekunden (s)
- t_on … High-Zeit in Sekunden (s)
- t_off … Low-Zeit in Sekunden (s)
D = (t_on / T) · 100
- D … Tastverhältnis in Prozent (%)
- t_on … High-Zeit in Sekunden (s)
- T … Periodendauer in Sekunden (s)
Gelöstes Beispiel
Ein PWM-Signal hat eine High-Zeit von 2 ms und eine Low-Zeit von 6 ms. Bestimme Periodendauer, Frequenz und Tastverhältnis.
Gegeben: t_on = 2 ms, t_off = 6 ms
Gesucht: Periodendauer T, Frequenz f, Tastverhältnis D
Lösungsweg:
- Periodendauer:
T = t_on + t_off = 2 ms + 6 ms = 8 ms - Frequenz:
f = 1 / T = 1 / 0,008 s = 125 Hz - Tastverhältnis:
D = (t_on / T) · 100 = (2 / 8) · 100 = 25 %
Ergebnis: T = 8 ms, f = 125 Hz, D = 25 %
Übungen
Ein Rechtecksignal hat t_on = 4 ms und t_off = 4 ms. Wie groß ist das Tastverhältnis?
T = 8 ms; D = (4/8)·100 = 50 %
Bei t_on = 1 ms und t_off = 9 ms: Bestimme Periodendauer und Frequenz.
T = 10 ms; f = 1/0,01 s = 100 Hz
Ein PWM-Signal hat eine Periodendauer von 5 ms und ein Tastverhältnis von 60 %. Wie lang ist die High-Zeit?
t_on = D/100 · T = 0,6 · 5 ms = 3 ms
Du liest am Schirm bei 0,5 ms/div ab: High-Zeit 3 Kästchen, Low-Zeit 1 Kästchen. Bestimme T, f und D.
t_on = 3·0,5 ms = 1,5 ms; t_off = 1·0,5 ms = 0,5 ms; T = 2 ms; f = 1/0,002 s = 500 Hz; D = (1,5/2)·100 = 75 %
Ein Motor soll mit 20 % Tastverhältnis bei 200 Hz angesteuert werden. Bestimme Periodendauer, High-Zeit und Low-Zeit.
T = 1/200 Hz = 5 ms; t_on = 0,2·5 ms = 1 ms; t_off = T − t_on = 4 ms
Warum darf die Masseklemme eines normalen Tastkopfs nicht an einen beliebigen Punkt einer netzbezogenen Schaltung geklemmt werden?
- a) Weil die Masseklemme das Signal abschwächt
- b) Weil sie fest auf dem Schutzleiter und damit auf Erde liegt und an einem spannungsführenden Punkt einen Kurzschluss gegen Erde erzeugt
- c) Weil dadurch das Tastverhältnis verfälscht wird
- d) Weil die Masseklemme nur für Gleichspannung zugelassen ist
Richtig: b)
Die Masseklemme liegt über das Oszilloskop fest auf Erdpotential. Wird sie an einen spannungsführenden Punkt geklemmt, fließt ein Kurzschlussstrom gegen Erde (b). Eine Abschwächung (a) leistet der Teiler im Tastkopf, nicht die Masseklemme; mit dem Tastverhältnis (c) hat das nichts zu tun, und eine Beschränkung auf Gleichspannung (d) existiert nicht.
Ein PWM-Signal hat eine Periodendauer von 4 ms und eine High-Zeit von 1 ms. Wie groß sind Tastverhältnis und Frequenz?
- a) D = 25 %, f = 250 Hz
- b) D = 75 %, f = 250 Hz
- c) D = 25 %, f = 1000 Hz
- d) D = 40 %, f = 250 Hz
Richtig: a)
D = (t_on/T)·100 = (1/4)·100 = 25 %; f = 1/T = 1/0,004 s = 250 Hz (a). Ein Tastverhältnis von 75 % (b) entspräche einer High-Zeit von 3 ms, 1000 Hz (c) einer Periode von 1 ms; beide passen nicht zu den gegebenen Werten.
Wann ist ein Differenztastkopf zwingend nötig?
- a) Immer, wenn ein 10:1-Tastkopf verwendet wird
- b) Nur bei Gleichspannungsmessungen
- c) Nur bei sehr niedrigen Frequenzen
- d) Wenn die Spannung zwischen zwei Punkten gemessen werden soll, die beide nicht auf Erdpotential liegen
Richtig: d)
Ein normaler Tastkopf misst immer gegen Erde. Sollen zwei Punkte gemessen werden, die beide nicht auf Erde liegen, ist ein potentialfrei messender Differenztastkopf nötig (d). Mit dem Teilerverhältnis (a), der Signalart (b) oder der Frequenz (c) hat das nichts zu tun.
Wozu dient der Tastkopf-Abgleich am Rechteck-Kalibriersignal?
- a) Er stellt die richtige Zeitbasis ein
- b) Er gleicht den Abgleichkondensator des Tastkopfs so ab, dass Rechteckkanten sauber und unverfälscht dargestellt werden
- c) Er kalibriert die Masseklemme gegen Erde
- d) Er erhöht die maximale Messspannung des Tastkopfs
Richtig: b)
Der Abgleich passt den Kondensator im Tastkopf an das Oszilloskop an, sodass Rechtecksignale ohne Über- oder Unterschwingen, mit rechtwinkligen Kanten erscheinen (b). Die Zeitbasis (a) wird separat eingestellt, die Masseklemme wird nicht abgeglichen (c), und die maximale Messspannung (d) hängt von der Bauart ab, nicht vom Abgleich.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Signal wird mit 0,2 V/div and einem 1:1-Tastkopf dargestellt und schlägt 4,5 Kästchen Spitze-Spitze aus.
Gegeben: n = 4,5 div; K = 0,2 V/div; Tastkopf 1:1
Gesucht: Spitze-Spitze-Spannung U
Lösungsweg:
U = n · K = 4,5 · 0,2 V
Ergebnis: U = 0,9 V
Aufgabe 2: Mit einem 10:1-Tastkopf (vom Gerät nicht erkannt) liest du bei 0,1 V/div einen Spitze-Spitze-Ausschlag von 6 Kästchen ab.
Gegeben: n = 6 div; K = 0,1 V/div; Teiler 10
Gesucht: tatsächliche Spitze-Spitze-Spannung U
Lösungsweg:
Schirmwert = 6 · 0,1 V = 0,6 V; tatsächlich 0,6 V · 10
Ergebnis: U = 6 V
Aufgabe 3: Eine volle Periode erstreckt sich über 6 Kästchen bei 0,5 ms/div.
Gegeben: n = 6 div; K_t = 0,5 ms/div
Gesucht: Periodendauer T, Frequenz f
Lösungsweg:
T = 6 · 0,5 ms = 3 ms; f = 1 / 0,003 s
Ergebnis: T = 3 ms; f ≈ 333,3 Hz
Aufgabe 4: Ein Signal mit bekannter Frequenz 1 kHz soll mit genau zwei sichtbaren Perioden über 10 Kästchen dargestellt werden.
Gegeben: f = 1 kHz; 2 Perioden über 10 div
Gesucht: nötige Zeitbasis K_t
Lösungsweg:
T = 1/1000 Hz = 1 ms; 10 div für 2 Perioden → 5 div je Periode; K_t = T / 5 = 1 ms / 5
Ergebnis: K_t = 0,2 ms/div
Aufgabe 5: Ein PWM-Signal hat t_on = 3 ms und t_off = 1 ms.
Gegeben: t_on = 3 ms; t_off = 1 ms
Gesucht: Periodendauer T, Frequenz f, Tastverhältnis D
Lösungsweg:
T = 3 + 1 = 4 ms; f = 1/0,004 s = 250 Hz; D = (3/4)·100
Ergebnis: T = 4 ms; f = 250 Hz; D = 75 %
Aufgabe 6: Ein Motor soll mit einem Tastverhältnis von 30 % bei einer Frequenz von 500 Hz angesteuert werden.
Gegeben: D = 30 %; f = 500 Hz
Gesucht: Periodendauer T, High-Zeit t_on, Low-Zeit t_off
Lösungsweg:
T = 1/500 Hz = 2 ms; t_on = 0,3 · 2 ms = 0,6 ms; t_off = 2 − 0,6 ms
Ergebnis: T = 2 ms; t_on = 0,6 ms; t_off = 1,4 ms
Was unterscheidet das Oszilloskop grundsätzlich vom Multimeter?
- a) Es kann nur Wechselspannung messen
- b) Es zeigt den zeitlichen Verlauf einer Spannung als Kurve statt nur eines Zahlenwerts
- c) Es misst ausschließlich die Frequenz
- d) Es benötigt keine Masseverbindung
Richtig: b)
Der Kern des Oszilloskops ist die Darstellung des Spannungsverlaufs über die Zeit (b). Es misst Gleich- und Wechselspannung (a falsch), nicht nur die Frequenz (c), und braucht sehr wohl eine Masseverbindung (d).
Auf der horizontalen Achse eines Oszilloskops wird dargestellt:
- a) die Spannung
- b) der Strom
- c) die Zeit
- d) der Widerstand
Richtig: c)
Die waagrechte Achse ist die Zeitachse (c). Die Spannung (a) liegt auf der senkrechten Achse; Strom (b) und Widerstand (d) werden nicht direkt als Achse dargestellt.
Bei 5 V/div und 1:1-Tastkopf schlägt eine Gleichspannung 2,4 Kästchen über der Nulllinie aus. Wie groß ist sie?
- a) 5 V
- b) 2,4 V
- c) 12 V
- d) 7,4 V
Richtig: c)
U = n · K = 2,4 · 5 V = 12 V (c). 5 V (a) ist die Skalierung, 2,4 V (b) die reine Kästchenzahl, 7,4 V (d) eine unzulässige Addition.
Welche Kopplung wählst du, um nur den Wechselanteil eines Signals zu betrachten und den Gleichanteil abzutrennen?
- a) DC-Kopplung
- b) AC-Kopplung
- c) GND-Kopplung
- d) Trigger-Kopplung
Richtig: b)
Die AC-Kopplung trennt den Gleichanteil ab und zeigt nur den Wechselanteil (b). DC (a) lässt alles durch, GND (c) legt den Eingang auf Masse, und eine „Trigger-Kopplung“ (d) im Sinne der Frage gibt es so nicht.
Eine Sinuskurve umfasst 8 Kästchen für eine Periode bei 0,25 ms/div. Wie groß ist die Frequenz?
- a) 2 ms
- b) 500 Hz
- c) 250 Hz
- d) 2000 Hz
Richtig: b)
T = 8 · 0,25 ms = 2 ms = 0,002 s; f = 1/0,002 s = 500 Hz (b). 2 ms (a) ist die Periodendauer, die anderen Werte beruhen auf falscher Rechnung.
Ein Wechselsignal ist eingestellt, aber das Bild läuft. Welche Einstellung bringt das Bild zum Stehen?
- a) Die Skalierung auf einen kleineren V/div-Wert stellen
- b) Auf AC-Kopplung umschalten
- c) Den Tastkopf auf 10:1 gestellt
- d) Den Triggerpegel passend auf das Signal setzen
Richtig: d)
Ein wanderndes Bild bei korrekter Einstellung ist ein Triggerproblem; ein passend gesetzter Triggerpegel stabilisiert das Bild (d). Skalierung (a), Kopplung (b) und Tastkopfteiler (c) ändern Darstellung oder Anschluss, nicht die Bildstabilität.
Welche Aussage zum Trigger-Modus „Normal“ ist richtig?
- a) Er zeichnet immer, auch ohne erfülltes Triggerereignis
- b) Er zeichnet nur, wenn die Triggerbedingung erfüllt ist
- c) Er stellt automatisch die Skalierung ein
- d) Er hält nach einem einzigen Ereignis an
Richtig: b)
Im Normal-Modus zeichnet das Gerät ausschließlich bei erfüllter Triggerbedingung (b). Das Zeichnen ohne Trigger (a) ist der Auto-Modus, das Anhalten nach einem Ereignis (d) der Single-Modus, und automatisches Einstellen (c) übernimmt eine Autoset-Funktion.
Warum ist die Masseklemme des Tastkopfs ein Sicherheitsthema?
- a) Weil sie fest auf Erde liegt und an spannungsführenden Punkten einen Kurzschluss verursacht
- b) Weil sie das Signal verstärkt
- c) Weil sie potentialfrei ist und beliebig angeklemmt werden darf
- d) Weil sie die Frequenz verfälscht
Richtig: a)
Die Masseklemme liegt über den Schutzleiter fest auf Erde; an einem spannungsführenden Punkt entsteht ein Kurzschluss gegen Erde (a). Sie verstärkt nichts (b), ist gerade nicht potentialfrei (c) und beeinflusst die Frequenzmessung nicht (d).
Ein PWM-Signal zeigt t_on = 2 ms und eine Periodendauer von 8 ms. Wie groß ist das Tastverhältnis?
- a) 40 %
- b) 75 %
- c) 25 %
- d) 50 %
Richtig: c)
D = (t_on/T)·100 = (2/8)·100 = 25 % (c). 40 % (a), 75 % (b) und 50 % (d) ergeben sich nicht aus den gegebenen Werten.
Du willst ein Brummen von wenigen Millivolt untersuchen, das auf einer Gleichspannung von 30 V liegt. Welche Kombination ist sinnvoll?
- a) DC-Kopplung und große V/div
- b) GND-Kopplung und kleine V/div
- c) DC-Kopplung und 10:1-Tastkopf
- d) AC-Kopplung und kleine V/div
Richtig: d)
Die AC-Kopplung trennt die 30 V ab, und eine kleine V/div-Einstellung macht das Brummen empfindlich sichtbar (d). Bei DC und großer V/div (a) ginge das Brummen optisch unter, GND (b) zeigt gar kein Signal, und ein 10:1-Tastkopf bei DC (c) macht das kleine Signal noch kleiner.
Eine volle Periode erstreckt sich über 4 Kästchen bei 10 µs/div. Welche Frequenz liegt vor?
- a) 40 µs
- b) 25 kHz
- c) 2,5 kHz
- d) 250 kHz
Richtig: b)
T = 4 · 10 µs = 40 µs = 0,00004 s; f = 1/0,00004 s = 25 000 Hz = 25 kHz (b). 40 µs (a) ist die Periodendauer; die übrigen Werte beruhen auf falscher Zehnerpotenz.
Was zeigt ein schlecht abgeglichener 10:1-Tastkopf typischerweise?
- a) Eine völlig fehlende Anzeige
- b) Eine dauerhaft falsche Frequenz
- c) Einen Kurzschluss am Eingang
- d) Verschliffene oder überschwingende Rechteckkanten
Richtig: d)
Der Abgleich passt den Kondensator im Tastkopf an das Oszilloskop an, sodass Rechtecksignale ohne Über- oder Unterschwingen, mit rechtwinkligen Kanten erscheinen (b). Die Zeitbasis (a) wird separat eingestellt, die Masseklemme wird nicht abgeglichen (c), und die maximale Messspannung (d) hängt von der Bauart ab, nicht vom Abgleich.
Glossar
- Oszilloskop
- Messgerät, das den zeitlichen Verlauf einer Spannung als Kurve auf einem Bildschirm darstellt.
- Digital-Oszilloskop (DSO)
- Oszilloskop, das das Eingangssignal abtastet, digital speichert und daraus die Kurve zeichnet; heute die übliche Bauart.
- Division (div)
- Ein Kästchen des Bildschirmrasters; Bezugseinheit für das Ablesen von Spannung und Zeit.
- Raster
- Das gleichmäßige Gitter auf dem Schirm, üblich mit 10 Kästchen Breite und 8 Kästchen Höhe.
- Volt pro Division (V/div)
- Vertikale Skalierung; legt fest, wie viel Spannung ein Kästchen in der Höhe darstellt.
- Zeit pro Division (t/div)
- Horizontale Skalierung (Zeitbasis); legt fest, wie viel Zeit ein Kästchen in der Breite darstellt.
- Kopplung
- Art, wie das Eingangssignal durchgelassen wird: DC (ganzes Signal), AC (nur Wechselanteil), GND (Eingang auf Masse).
- Tastkopf
- Messleitung zwischen Schaltung und Oszilloskop; ein 10:1-Tastkopf teilt die Spannung auf ein Zehntel und belastet die Schaltung weniger.
- Differenztastkopf
- Tastkopf, der die Spannung zwischen zwei Punkten potentialfrei misst, ohne einen davon auf Erde zu legen.
- Tastkopf-Abgleich
- Einstellung des Abgleichkondensators eines 10:1-Tastkopfs am Kalibriersignal, damit Rechteckkanten unverfälscht dargestellt werden.
- Triggerung
- Bedingung, die den Startpunkt jeder Aufzeichnung festlegt, sodass alle Kurven deckungsgleich liegen und das Bild stillsteht.
- Triggerpegel
- Die Spannungsschwelle, bei der die Aufzeichnung ausgelöst wird.
- Triggerflanke
- Festlegung, ob beim Anstieg (steigend) oder Abfall (fallend) des Signals ausgelöst wird.
- Tastverhältnis (Duty Cycle)
- Anteil der High-Zeit an der Periodendauer eines Rechtecksignals, angegeben in Prozent; zentral bei PWM-Signalen.
