Verbindungs- und Klemmtechnik
Eine elektrische Leitung ist nur so gut wie ihre Verbindungsstellen. Der Leiter selbst macht selten Probleme – das durchgehende Kupfer leitet zuverlässig. Kritisch wird es überall dort, wo zwei Leiter aufeinandertreffen: in der Klemme, am Kabelschuh, in der Verbindungsdose. Genau dort entstehen die meisten Fehler, und genau dort entstehen die meisten Brände in Verteilern. Dieser Beitrag zeigt, wie eine elektrisch und mechanisch saubere Verbindung zustande kommt, welche Klemmverfahren es gibt und wie man sie fachgerecht ausführt und prüft.
Vorwissen
- Widerstand und spezifischer Widerstand
- Elektrische Leistung und Arbeit
- Kabel- und Leitungsarten
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, warum die Verbindungsstelle das schwächste Glied einer Leitung ist
- den Zusammenhang zwischen Übergangswiderstand, Kontaktkraft und Erwärmung beschreiben
- die gängigen Klemmverfahren – Schraub-, Federkraft-, Schneid- und Crimpverbindung – unterscheiden und ihre Einsatzgebiete benennen
- die Besonderheiten beim Klemmen von feindrähtigen und von Aluminiumleitern erklären
- eine Verbindung im Verteiler fachgerecht ausführen und nach den geltenden Regeln prüfen
1. Warum die Verbindung das schwächste Glied ist
Stell dir eine Leitung vor, die Strom zu einem Motor führt. Über die ganze Länge ist das Kupfer homogen – ein durchgehender Leiter mit definiertem Querschnitt und bekanntem Widerstand. Sobald die Leitung aber in eine Klemme geht, ändert sich die Lage. Hier pressen zwei Metalloberflächen aufeinander, und an dieser Pressstelle muss der Strom von einem Bauteil ins andere übertreten.
Diese Übertrittstelle ist die Schwachstelle. Sie kann sich lockern, korrodieren oder von Anfang an schlecht ausgeführt sein. Eine lose Klemme im Verteiler ist eine der häufigsten Brandursachen in elektrischen Anlagen – sie erwärmt sich schleichend, oft über Monate, bis Isolierung oder umliegendes Material zündet.
An jede Verbindung werden vier Grundanforderungen gestellt:
- dauerhaft niedriger Übergangswiderstand – der Strom soll ohne nennenswerten Verlust übertreten
- mechanische Festigkeit – die Verbindung darf sich durch Vibration, Temperaturwechsel oder Zug nicht lösen
- Korrosionsbeständigkeit – die Kontaktstelle darf nicht durch Oxidation langsam unbrauchbar werden
- Zugentlastung – an der eigentlichen Kontaktstelle darf keine Zugkraft ziehen
Das Wort „dauerhaft“ ist dabei entscheidend. Eine Verbindung, die heute funktioniert, muss auch nach zehn Jahren Betrieb noch gut sein. Genau daran scheitern schlechte Verbindungen: Sie sind anfangs unauffällig und verschlechtern sich über die Zeit.
Warum gilt die Verbindungsstelle und nicht der durchgehende Leiter als Schwachstelle einer Installation?
- a) Weil an der Kontaktstelle zwei Oberflächen aufeinandertreffen, die sich lockern, korrodieren oder schlecht ausgeführt sein können
- b) Weil der Leiter einen höheren spezifischen Widerstand hat als die Klemme
- c) Weil der Leiterquerschnitt an der Klemme immer reduziert wird
- d) Weil die Klemme grundsätzlich aus schlechter leitendem Material besteht
Richtig: a)
Der durchgehende Leiter ist homogen und stabil. An der Verbindung müssen dagegen zwei getrennte Metalloberflächen Strom übertragen – diese Stelle kann altern, sich lösen oder oxidieren. Antwort b und d unterstellen pauschal schlechteres Material, was nicht der Kern des Problems ist; c trifft nur auf Sonderfälle zu, nicht auf das Grundprinzip.
Eine Klemme funktioniert nach der Montage einwandfrei, verursacht aber zwei Jahre später einen Schaden. Welche Eigenschaft einer guten Verbindung wurde hier am ehesten verfehlt?
- a) Die mechanische Festigkeit beim Anschluss
- b) Der niedrige Übergangswiderstand zum Montagezeitpunkt
- c) Die Isolation der umliegenden Leitungen
- d) Die Dauerhaftigkeit der Verbindung über die Betriebszeit
Richtig: d)
Anfangs war die Verbindung in Ordnung, sonst hätte sie nicht funktioniert. Das Problem ist die fehlende Dauerhaftigkeit – die Verbindung hat sich über die Zeit verschlechtert, etwa durch Lockern oder Korrosion. b beschreibt den Anfangszustand, der ja gut war; a und c betreffen nicht den schleichenden Verlauf.
2. Übergangswiderstand und Kontaktkraft
Zwei Metalloberflächen sehen glatt aus, sind es aber nicht. Unter dem Mikroskop besteht jede Oberfläche aus Bergen und Tälern. Wenn man zwei solche Flächen aufeinanderpresst, berühren sie sich nicht flächig, sondern nur an den höchsten Spitzen – an einer Vielzahl winziger Punkte. Diese tatsächlichen Berührungspunkte nennt man Mikrokontakte (auch A-Spots). Die echte stromführende Fläche ist nur ein Bruchteil der scheinbaren, geometrischen Fläche.
Der Strom muss durch genau diese Mikrokontakte. Je weniger und kleiner sie sind, desto höher der Widerstand an der Übertrittstelle – der Übergangswiderstand. Er ist der zusätzliche Widerstand, der allein durch die Kontaktstelle entsteht, unabhängig vom Leiterwiderstand.
Was hilft? Kontaktkraft. Je stärker man die beiden Flächen zusammenpresst, desto mehr werden die Mikrokontakte plattgedrückt, neue entstehen, die echte Berührungsfläche wächst. Der Übergangswiderstand sinkt. Deshalb hat fast jede Klemmtechnik ein Element, das dauerhaft Druck erzeugt: die Schraube, die Feder, der gecrimpte Mantel.
Hohe Kontaktkraft bewirkt noch etwas Zweites. Sie drückt die Oberflächen so fest zusammen, dass keine Luft mehr dazwischenkommt. Damit kann sich keine Oxidschicht bilden. Eine solche Verbindung nennt man gasdicht. Gasdicht heißt nicht luftdicht im Wortsinn, sondern: an der Kontaktstelle selbst ist kein Sauerstoff mehr wirksam. Das ist das Ziel jeder dauerhaften Verbindung.
Der Übergangswiderstand hat eine unangenehme Folge. An ihm fällt eine Verlustleistung ab:
P = I² · R
- P … Verlustleistung an der Klemmstelle in Watt
- I … Strom durch die Verbindung in Ampere
- R … Übergangswiderstand in Ohm
Das Quadrat ist der Knackpunkt. Verdoppelt sich der Strom, vervierfacht sich die Verlustleistung. Diese Leistung heizt die Klemme auf. Eine erwärmte Klemme oxidiert schneller, der Übergangswiderstand steigt weiter, die Erwärmung nimmt zu – ein Teufelskreis, der am Ende zum thermischen Versagen führt.
Zusätzlich fällt an der Übertrittstelle eine Spannung ab:
ΔU = I · R
- ΔU … Spannungsfall an der Klemmstelle in Volt
- I … Strom durch die Verbindung in Ampere
- R … Übergangswiderstand in Ohm
Dieser Spannungsfall ist für die Fehlersuche praktisch. Eine schlechte Klemme verrät sich durch einen messbaren Spannungsfall über der Verbindung, schon bevor sie sichtbar heiß wird.
Gelöstes Beispiel
Durch eine Klemme mit einem Übergangswiderstand von 4 mΩ fließt ein Strom von 20 A. Wie groß sind Verlustleistung und Spannungsfall an dieser Klemme?
Gegeben: I = 20 A; R = 4 mΩ = 0,004 Ω
Gesucht: P in W, ΔU in mV
Lösungweg:
- Schritt 1 — Verlustleistung: P = I² · R = (20 A)² · 0,004 Ω = 400 · 0,004 W = 1,6 W
- Schritt 2 — Spannungsfall: ΔU = I · R = 20 A · 0,004 Ω = 0,08 V = 80 mV
Ergebnis: P = 1,6 W, ΔU = 80 mV
Übungen
Eine Verbindung hat 2 mΩ Übergangswiderstand bei 10 A Strom. Berechne die Verlustleistung.
P = (10)² · 0,002 = 0,2 W
Bei welchem Spannungsfall liegt eine Klemme mit 3 mΩ, wenn 25 A fließen?
ΔU = 25 · 0,003 = 0,075 V = 75 mV
Der Strom durch eine Klemme verdoppelt sich von 16 A auf 32 A. Um welchen Faktor steigt die Verlustleistung?
Faktor 4, da P mit dem Quadrat des Stroms steigt.
Eine schlecht ausgeführte Klemme hat 12 mΩ statt der angestrebten 2 mΩ. Bei 20 A: Wie viel mehr Verlustleistung entsteht gegenüber der guten Klemme?
Gut: (20)²·0,002 = 0,8 W. Schlecht: (20)²·0,012 = 4,8 W. Differenz = 4,0 W (sechsfache Verlustleistung).
Eine Klemme darf maximal 1 W Verlustleistung erzeugen. Bei einem Dauerstrom von 25 A – welchen Übergangswiderstand darf sie höchstens haben?
R = P / I² = 1 / (25)² = 1 / 625 = 0,0016 Ω = 1,6 mΩ
Warum sorgt der Übergangswiderstand einer Klemme dafür, dass er sinkt, wenn die Kontaktkraft erhöht wird?
- a) Weil der spezifische Widerstand des Kupfers mit dem Druck abnimmt
- b) Weil die Spannung an der Klemme dadurch steigt
- c) Weil mehr und größere Mikrokontakte entstehen und die echte Berührungsfläche wächst
- d) Weil sich der Leiterquerschnitt unter Druck vergrößert
Richtig: c)
Strom fließt nur über die tatsächlichen Berührungspunkte. Mehr Kontaktkraft drückt die Oberflächenspitzen platt, neue Kontaktpunkte entstehen, die stromführende Fläche wird größer und der Widerstand sinkt. Der spezifische Widerstand (a) ist eine Materialkonstante; b und d beschreiben Effekte, die so nicht auftreten.
Eine Klemme führt 30 A bei einem Übergangswiderstand von 3 mΩ. Welche Aussage zur Verlustleistung ist korrekt?
- a) Sie beträgt 0,09 W und ist vernachlässigbar
- b) Sie beträgt 90 W
- c) Sie lässt sich aus diesen Angaben nicht berechnen
- d) Sie beträgt 2,7 W und entsteht punktuell an einer kleinen Stelle
Richtig: d)
P = I²·R = (30)²·0,003 = 900·0,003 = 2,7 W. Diese Leistung wirkt konzentriert an der kleinen Kontaktstelle und kann sie deutlich erwärmen. a verwechselt Verlustleistung mit Spannungsfall-Größenordnung, b rechnet falsch, c ist falsch, weil alle nötigen Größen gegeben sind.
Was bedeutet „gasdichte Verbindung“ im Zusammenhang mit der Kontaktstelle?
- a) An der Kontaktstelle wirkt durch hohen Druck kein Sauerstoff mehr, sodass keine Oxidschicht entsteht
- b) Die Klemme ist hermetisch gegen Gase aus der Umgebung verschlossen
- c) Die Verbindung gibt im Fehlerfall keine Gase ab
- d) Die Klemme ist für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen zugelassen
Richtig: a)
Gasdicht bezieht sich auf die Kontaktstelle selbst: Der Pressdruck schließt die Mikrokontakte so dicht, dass kein Sauerstoff mehr eindringt und keine Oxidation stattfindet. Es geht nicht um die ganze Klemme (b), nicht um Gasaustritt (c) und nicht um Ex-Zulassung (d).
3. Schraubklemmen
Die Schraubklemme ist die klassische Lösung. Eine Schraube presst den Leiter gegen ein Metallteil und erzeugt so die Kontaktkraft. Es gibt zwei Bauformen, die man nicht verwechseln sollte.
Bei der einfachen Schraubklemme drückt die Schraubenspitze direkt auf den Leiter. Das funktioniert, hat aber einen Nachteil: Die Spitze kann feindrähtige Leiter quetschen, einzelne Drähtchen abscheren und so den Querschnitt schwächen. Bei der Käfigzugklemme (auch Käfigzugbügel) dreht die Schraube einen Bügel, der den Leiter gegen eine Stromschiene zieht. Der Druck verteilt sich über eine Fläche, nicht über eine Spitze. Das schont den Leiter und ist die heute übliche Bauform in Reihenklemmen.
Beim Anzugsdrehmoment geht es hier rein um den elektrischen Aspekt: Es muss so hoch sein, dass die nötige Kontaktkraft entsteht und der Übergangswiderstand niedrig bleibt – aber nicht so hoch, dass der Leiter plastisch verformt und dauerhaft geschwächt wird. Der Hersteller gibt für jede Klemme einen Wert an, der mit dem Drehmomentschlüssel einzuhalten ist. Die mechanischen Grundlagen von Schraube und Gewinde behandelt der eigene Beitrag zu Schraubenverbindungen.
Ein besonderer Fall sind feindrähtige Leiter (flexible Litzen). Sie dürfen in vielen Schraubklemmen nicht ohne Schutz geklemmt werden, weil die Einzeldrähte unter Druck seitlich wegfließen – das nennt man Kaltfließen. Die Folge: Die Kontaktkraft lässt mit der Zeit nach, die Klemme lockert sich. Die Lösung ist die Aderendhülse, eine aufgecrimpte Metallhülse, die alle Drähtchen bündelt und einen festen, fließstabilen Anschlusskörper bildet.
Noch heikler verhält sich Aluminium als Leiterwerkstoff. Aluminium neigt von sich aus zum Kaltfließen: Unter dauerndem Druck weicht das Metall langsam zur Seite aus, die Schraubverbindung verliert an Kontaktkraft. Deshalb müssen Aluminiumverbindungen regelmäßig nachgezogen oder mit speziell dafür zugelassenen Klemmen ausgeführt werden, die den Druck über eine Feder konstant halten. Dazu kommt die Oxidschicht: Aluminium überzieht sich an Luft sofort mit einer dünnen, schlecht leitenden Oxidhaut. Diese Schicht muss beim Klemmen aufgebrochen und mit einer Kontaktpaste am Neubilden gehindert werden. Beim direkten Übergang von Kupfer auf Aluminium kommt die Kontaktkorrosion hinzu: Kupfer und Aluminium liegen in der elektrochemischen Spannungsreihe weit auseinander. Kommt Feuchtigkeit dazu, wirkt sie als Elektrolyt, und zwischen den beiden Metallen entsteht ein galvanisches Element – das unedlere Aluminium wird dabei abgetragen und die Verbindung zerstört. Genau deshalb setzt man Zwischenstücke aus Cupal (ein Kupfer-Aluminium-Verbund) ein, damit nicht blankes Kupfer direkt auf Aluminium trifft.
Worin liegt der Vorteil der Käfigzugklemme gegenüber der einfachen Schraubklemme?
- a) Sie kommt ohne Anzugsdrehmoment aus
- b) Der Druck verteilt sich über eine Fläche statt über eine Schraubenspitze und schont so den Leiter
- c) Sie eignet sich ausschließlich für Aluminiumleiter
- d) Sie hat grundsätzlich einen geringeren Übergangswiderstand als jede andere Klemme
Richtig: b)
Bei der Käfigzugklemme zieht ein Bügel den Leiter flächig gegen die Schiene, statt ihn mit einer Spitze zu quetschen. Das schont besonders feindrähtige Leiter. Ein Drehmoment braucht auch sie (a), sie ist nicht auf Aluminium beschränkt (c), und eine pauschal beste Klemme gibt es nicht (d).
Eine flexible Litze soll in eine Schraubklemme. Warum wird zuerst eine Aderendhülse aufgecrimpt?
- a) Weil die Einzeldrähte sonst unter Druck wegfließen und die Kontaktkraft mit der Zeit nachlässt
- b) Um die Litze isoliert anschließen zu können
- c) Um den Leiterquerschnitt zu vergrößern
- d) Weil ohne Hülse kein Strom über die Klemme fließen kann
Richtig: a)
Feindrähtige Leiter zeigen Kaltfließen: Die Einzeldrähte weichen unter Dauerdruck seitlich aus, die Verbindung lockert sich. Die Aderendhülse bündelt die Drähte zu einem festen Körper. Der Querschnitt wird nicht vergrößert (c), die Hülse isoliert nicht den Kontakt (b), und Strom flösse auch ohne Hülse – nur eben unzuverlässig (d).
Warum darf Aluminium nicht direkt auf einen Kupferleiter geklemmt werden?
- a) Weil Aluminium besser leitet als Kupfer und die Verbindung überlastet
- b) Weil die beiden Metalle die gleiche Härte haben und sich nicht verpressen lassen
- c) Weil Kupfer das Aluminium mechanisch zerschneidet
- d) Weil beide Metalle in der elektrochemischen Spannungsreihe weit auseinanderliegen und mit Feuchtigkeit ein galvanisches Element bilden, das das Aluminium zerstört
Richtig: d)
Kupfer und Aluminium bilden bei Feuchtigkeit ein galvanisches Element; das unedlere Aluminium wird abgetragen (Kontaktkorrosion). Ein Cupal-Zwischenstück verhindert den direkten Kontakt. a, b und c geben den physikalischen Hintergrund falsch wieder.
4. Federkraftklemmen und Schneidklemmen
Bei der Schraubklemme muss eine Person die richtige Kraft aufbringen und über die Jahre kontrollieren. Die Federkraftklemme nimmt dieser Person die Arbeit ab. Statt einer Schraube erzeugt eine vorgespannte Metallfeder die Kontaktkraft. Man steckt den Leiter ein, die Feder drückt ihn gegen die Stromschiene – fertig.
Das hat mehrere Vorteile. Die Kontaktkraft ist immer gleich, unabhängig vom Geschick der montierenden Person. Sie bleibt über die Zeit konstant, weil die Feder nachfedert, wenn das Material minimal nachgibt. Und sie ist vibrationssicher: Eine Feder kann sich nicht losdrehen wie eine Schraube. Deshalb gelten Federkraftklemmen als wartungsfrei – sie müssen im Betrieb nicht nachgezogen werden.
Man unterscheidet zwei Bedienarten. Bei der Push-in-Klemme lässt sich ein starrer Leiter oder ein Leiter mit Aderendhülse direkt einstecken, die Feder gibt nach und schnappt zu. Für feindrähtige Leiter ohne Hülse oder zum Lösen öffnet man die Feder mit einem Hebel oder einem Werkzeug im Betätigungsschlitz.
Eine andere Familie ist die Schneid-Klemm-Technik (englisch IDC, Insulation Displacement Connection). Hier wird der Leiter nicht abisoliert. Stattdessen drückt man ihn in einen schmalen Metallschlitz mit scharfen Kanten. Die Kanten schneiden durch die Isolierung bis auf den Leiter und bilden gleichzeitig eine gasdichte Kontaktstelle. Das ist schnell und reproduzierbar, weshalb man es in der Massenfertigung und bei mehradrigen Datenleitungen findet – etwa in Netzwerk- und Telefonsteckverbindern.
Warum gelten Federkraftklemmen als wartungsfrei, Schraubklemmen aber nicht?
- a) Federkraftklemmen haben grundsätzlich einen kleineren Übergangswiderstand
- b) Die Feder hält die Kontaktkraft konstant und kann sich nicht losdrehen, während sich eine Schraube durch Vibration lockern kann
- c) Federkraftklemmen führen nur kleine Ströme, die nie Probleme machen
- d) Schraubklemmen sind nicht für Dauerbetrieb zugelassen
Richtig: b)
Die vorgespannte Feder federt nach und hält die Kontaktkraft konstant; sie kann sich nicht losdrehen. Eine Schraube dagegen kann sich durch Vibration und thermische Wechsel lockern und must deshalb kontrolliert werden. a ist nicht allgemein richtig, c und d sind falsch.
Bei welcher Technik wird der Leiter bewusst nicht abisoliert?
- a) Push-in-Federklemme
- b) Käfigzugklemme
- c) Schneid-Klemm-Technik (IDC)
- d) Crimpverbindung mit Aderendhülse
Richtig: c)
Bei der Schneid-Klemm-Technik schneiden scharfe Kanten beim Eindrücken selbst durch die Isolierung bis auf den Leiter. Alle anderen genannten Verfahren setzen einen abisolierten beziehungsweise vorbereiteten Leiter voraus.
5. Crimpverbindungen und Aderendhülsen
Crimpen heißt: Ein Metallteil – eine Hülse, ein Kabelschuh – wird mit hohem Druck dauerhaft um den Leiter herum verformt. Bei richtig ausgeführtem Crimp presst sich das Material so fest um die Einzeldrähte und in die Zwischenräume, dass eine gasdichte, dauerhafte Verbindung entsteht. Man spricht von einer Kaltverschweißung: Die Metalle verbinden sich unter Druck, ohne Hitze, fast wie verschweißt.
Der häufigste Crimp im Alltag ist die schon erwähnte Aderendhülse. Sie wird über das abisolierte Ende einer Litze geschoben und mit der Crimpzange verpresst. Wichtig ist die richtige Hülsengröße zum Leiterquerschnitt und die passende Zange – das Crimpprofil prägt die endgültige Form. Gängige Profile sind der Vierkant-, der Sechskant- und der Trapezcrimp; welches verwendet wird, hängt von Hülse und Zange ab. Ein guter Crimp ist gleichmäßig verpresst und sitzt fest; die Hülse darf sich nicht von Hand abziehen lassen.
Für größere Querschnitte und für die Verbindung an Schienen oder Bolzen verwendet man Kabelschuhe und Quetschverbinder. Auch sie werden aufgecrimpt. Bei Aluminium-Kabelschuhen gelten dieselben Vorsichtsmaßnahmen wie beim Schraubanschluss: Die Oxidschicht muss beim Crimpen aufgebrochen werden, und es sind speziell für Aluminium vorgesehene Kabelschuhe und Werkzeuge zu verwenden, häufig mit Kontaktfett gefüllt.
Typische Fehler beim Crimpen: die falsche Hülsengröße, eine ungeeignete oder verschlissene Zange, zu wenig oder zu weit abisolierter Leiter, oder ein Crimp, der nicht vollständig geschlossen wurde. Jeder dieser Fehler erhöht den Übergangswiderstand oder schwächt die mechanische Festigkeit.
Crimpen ist eine von mehreren Möglichkeiten, einen Leiter dauerhaft zu kontaktieren. Eine andere ist das Löten – das hat aber eigene Besonderheiten und wird getrennt behandelt.
Warum bezeichnet man eine gute Crimpverbindung als „Kaltverschweißung“?
- a) Weil das Metall unter hohem Druck ohne Hitze eine gasdichte, dauerhafte Verbindung bildet
- b) Weil sie bei tiefen Temperaturen ausgeführt werden muss
- c) Weil dabei Lötzinn ohne Erwärmung aufgetragen wird
- d) Weil die Verbindung nur bei Kälte hält
Richtig: a)
Beim Crimpen presst sich das Material kalt, also ohne zugeführte Wärme, so fest um den Leiter, dass eine gasdichte Verbindung wie bei einer Verschweißung entsteht. Es geht nicht um die Umgebungstemperatur (b, d) und nicht um Lötzinn (c).
Welcher der folgenden Punkte ist ein typischer Crimpfehler, der den Übergangswiderstand erhöht?
- a) Verwendung der zum Querschnitt passenden Aderendhülse
- b) Einhalten des vom Hersteller angegebenen Crimpprofils
- c) Eine verschlissene Zange, die den Crimp nicht vollständig schließt
- d) Abisolieren auf die vorgesehene Länge
Richtig: c)
Eine verschlissene oder ungeeignete Zange presst die Hülse nicht vollständig, sodass kein gasdichter Kontakt entsteht und der Übergangswiderstand hoch bleibt. a, b und d beschreiben dagegen die korrekte Ausführung.
6. Verbindung im Verteiler und Prüfung
Im Verteiler laufen viele Leiter zusammen, und sie müssen geordnet und sicher verbunden werden. Das gängige Bauteil ist die Reihenklemme – einzelne Klemmen, die auf eine Tragschiene aufgereiht werden, meist als Käfigzug- oder Federkraftklemme. Schutzleiter und Neutralleiter bekommen eigene Sammelschienen: die PE-Schiene und die N-Schiene, an denen die jeweiligen Leiter zusammengeführt werden.
In der Installationsdose, etwa hinter Schaltern und Steckdosen, verbindet man die Adern mit Verbindungsklemmen. Verbreitet sind Steck- und Hebelklemmen, die mehrere Leiter aufnehmen und nach dem Federkraftprinzip arbeiten. Sie haben die früher üblichen Lüsterklemmen weitgehend abgelöst, weil sie schneller und zuverlässiger sind und auch feindrähtige Leiter sicher aufnehmen.
An jeder Verbindung gilt: Die Zugentlastung liegt nicht auf der Kontaktstelle. Die Leitung wird mechanisch gehalten – durch eine Schelle, einen Zugentlastungsbügel oder die Gehäuseführung – bevor sie zur Klemme geht. So zieht keine Kraft am eigentlichen Kontakt.
Für die Errichtung und Prüfung elektrischer Anlagen gilt in Österreich die ÖNORM E 8101. Sie regelt unter anderem, dass Verbindungsstellen grundsätzlich zugänglich sein müssen, damit man sie kontrollieren und warten kann. Eine wichtige Ausnahme bilden wartungsfreie Verbindungen – etwa dauerhaft verpresste oder bestimmte Federkraftverbindungen –, die auch unzugänglich verbaut werden dürfen, weil sie kein Nachziehen brauchen. Vor der Inbetriebnahme ist eine Erstprüfung vorgeschrieben, die eine Sichtprüfung und Erprobung einschließt.
Die Prüfung einer Verbindung läuft in mehreren Stufen:
- Sichtprüfung: Sitzt der Leiter vollständig in der Klemme? Ist nicht zu viel blanker Leiter sichtbar? Stimmt die Hülse, ist der Crimp sauber?
- Zugprobe: Ein leichter, definierter Zug am Leiter zeigt, ob er fest sitzt. Er darf sich nicht herausziehen lassen.
- Drehmomentkontrolle: Bei Schraubklemmen wird das vorgeschriebene Anzugsdrehmoment mit dem Drehmomentschlüssel geprüft, gegebenenfalls nachgezogen.
- Thermografie: Im laufenden Betrieb zeigt eine Wärmebildkamera überhitzte Klemmen, bevor ein Schaden entsteht – ein wertvolles Werkzeug der vorbeugenden Instandhaltung.
Warum müssen Verbindungsstellen nach der ÖNORM E 8101 grundsätzlich zugänglich sein, und welche Verbindungen sind ausgenommen?
- a) Damit man sie schneller demontieren kann; ausgenommen sind alle Schraubklemmen
- b) Aus optischen Gründen; ausgenommen sind nur Lötverbindungen
- c) Damit Wärme entweichen kann; es gibt keine Ausnahmen
- d) Damit man sie kontrollieren und warten kann; ausgenommen sind wartungsfreie Verbindungen wie verpresste oder bestimmte Federkraftklemmen
Richtig: d)
Zugänglichkeit erlaubt Kontrolle und Nachziehen. Verbindungen, die kein Nachziehen brauchen – dauerhaft verpresste oder bestimmte Federkraftverbindungen –, dürfen auch unzugänglich verbaut werden. a, b und c geben Grund oder Ausnahmen falsch wieder.
Welche Prüfmethode findet eine lose Klemme im laufenden Betrieb, bevor ein Schaden entsteht?
- a) Die Zugprobe am abgeschalteten Leiter
- b) Die Thermografie unter Last
- c) Die reine Sichtprüfung der geschlossenen Klemme
- d) Die Isolationsmessung
Richtig: b)
Eine lose Klemme erwärmt sich durch den erhöhten Übergangswiderstand. Die Wärmebildkamera macht das unter Last sichtbar, ohne die Anlage zu öffnen. Zugprobe (a) erfolgt spannungsfrei, die Sichtprüfung (c) erkennt Erwärmung nicht, und die Isolationsmessung (d) prüft etwas anderes.
Wo muss die Zugentlastung einer angeschlossenen Leitung wirken?
- a) Vor der Kontaktstelle, sodass keine Zugkraft am eigentlichen Kontakt zieht
- b) Direkt an der Kontaktstelle, um sie zu verstärken
- c) Sie ist bei Federkraftklemmen überflüssig
- d) Am abisolierten Leiterende
Richtig: a)
Die mechanische Halterung greift, bevor die Leitung zur Klemme geht, damit der Kontakt selbst zugfrei bleibt. Zug an der Kontaktstelle (b, d) würde die Verbindung lockern; eine Zugentlastung ist unabhängig von der Klemmenart nötig (c).
Abschlusstest
Aufgabe 1: Durch eine Reihenklemme fließt ein Dauerstrom von 24 A. Der Übergangswiderstand beträgt 2,5 mΩ. Berechne Verlustleistung und Spannungsfall an der Klemme.
Gegeben: I = 24 A; R = 2,5 mΩ = 0,0025 Ω
Gesucht: P in W, ΔU in mV
Lösungsweg:
- P = I² · R = (24)² · 0,0025 = 576 · 0,0025 = 1,44 W
- ΔU = I · R = 24 · 0,0025 = 0,06 V = 60 mV
Ergebnis: P = 1,44 W; ΔU = 60 mV
Aufgabe 2: Eine Klemme soll bei 40 A Dauerstrom höchstens 2 W Verlustleistung erzeugen. Welchen Übergangswiderstand darf sie maximal haben?
Gegeben: I = 40 A; P = 2 W
Gesucht: R in mΩ
Lösungsweg:
- R = P / I² = 2 / (40)² = 2 / 1600 = 0,00125 Ω
Ergebnis: R = 1,25 mΩ
Aufgabe 3: Zwei Klemmen werden verglichen: eine gute mit 1,5 mΩ und eine schlechte mit 9 mΩ. Durch beide fließen 20 A. Wie groß ist der Unterschied der Verlustleistung?
Gegeben: I = 20 A; R₁ = 1,5 mΩ; R₂ = 9 mΩ
Gesucht: Differenz von P
Lösungsweg:
- P₁ = (20)² · 0,0015 = 400 · 0,0015 = 0,6 W
- P₂ = (20)² · 0,009 = 400 · 0,009 = 3,6 W
- Differenz = 3,6 − 0,6 = 3,0 W
Ergebnis: Die schlechte Klemme erzeugt 3,0 W mehr (sechsfache Verlustleistung).
Aufgabe 4: An einer Klemme misst man unter Last einen Spannungsfall von 90 mV bei einem Strom von 30 A. Wie groß ist der Übergangswiderstand, und welche Verlustleistung entsteht?
Gegeben: ΔU = 90 mV = 0,09 V; I = 30 A
Gesucht: R in mΩ, P in W
Lösungsweg:
- R = ΔU / I = 0,09 / 30 = 0,003 Ω = 3 mΩ
- P = I² · R = (30)² · 0,003 = 900 · 0,003 = 2,7 W
Ergebnis: R = 3 mΩ; P = 2,7 W
Über die echte Berührungsfläche an einer Kontaktstelle gilt:
- a) Sie entspricht der vollen geometrischen Fläche der Klemme
- b) Sie ist unabhängig von der Kontaktkraft
- c) Sie wird mit steigender Kontaktkraft kleiner
- d) Sie ist nur ein Bruchteil der scheinbaren Fläche und besteht aus vielen Mikrokontakten
Richtig: d)
Strom fließt nur über die tatsächlichen Berührungspunkte (A-Spots), die zusammen viel kleiner sind als die scheinbare Fläche. Mit steigender Kontaktkraft wächst diese echte Fläche – a, b und c widersprechen dem.
Welche Maßnahme macht eine Kontaktstelle gasdicht?
- a) Eine möglichst große scheinbare Berührungsfläche
- b) Eine ausreichend hohe Kontaktkraft, die Sauerstoff von der Kontaktstelle fernhält
- c) Eine dünne Oxidschicht zwischen den Leitern
- d) Ein möglichst kleiner Leiterquerschnitt
Richtig: b)
Hoher Pressdruck schließt die Mikrokontakte so dicht, dass kein Sauerstoff mehr wirkt und keine Oxidschicht entsteht. Die scheinbare Fläche (a) ist nicht entscheidend, eine Oxidschicht (c) ist gerade das Gegenteil des Ziels, und der Querschnitt (d) betrifft den Leiter, nicht die Kontaktstelle.
Eine flexible Litze wird ohne Aderendhülse in eine einfache Schraubklemme geklemmt. Was ist das Hauptrisiko?
- a) Die Einzeldrähte fließen unter Druck weg, die Kontaktkraft lässt nach, die Klemme lockert sich
- b) Der Leiterquerschnitt wird zu groß
- c) Die Litze leitet grundsätzlich keinen Strom
- d) Die Klemme wird gasdicht und damit unlösbar
Richtig: a)
Feindrähtige Leiter zeigen Kaltfließen – die Drähte weichen seitlich aus, die Verbindung verliert Kontaktkraft. Die Aderendhülse verhindert das. b, c und d sind sachlich falsch.
Welche Aussage zu Aluminium als Leiterwerkstoff in Klemmverbindungen ist korrekt?
- a) Aluminium bildet keine Oxidschicht und ist daher unkritisch
- b) Aluminium darf ohne Zwischenstück direkt auf Kupfer geklemmt werden
- c) Aluminiumverbindungen haben grundsätzlich einen niedrigeren Übergangswiderstand als Kupfer
- d) Aluminium neigt zum Kaltfließen und braucht Nachziehen oder Federklemmen sowie Schutz der Kontaktstelle gegen Oxidation
Richtig: d)
Aluminium fließt unter Dauerdruck kalt und oxidiert an Luft sofort. Deshalb braucht es Nachziehen oder geeignete Federklemmen, Kontaktpaste und beim Übergang zu Kupfer ein Cupal-Zwischenstück. a, b und c sind falsch und führen in der Praxis zu Schäden.
Warum verschlechtert sich eine schlechte Klemmstelle oft fortschreitend?
- a) Der Leiterquerschnitt nimmt von selbst ab
- b) Erwärmung fördert Oxidation, dadurch steigt der Übergangswiderstand, was wiederum die Erwärmung verstärkt
- c) Die Netzspannung steigt an der Klemme mit der Zeit
- d) Der Strom durch die Klemme nimmt automatisch zu
Richtig: b)
Höherer Übergangswiderstand erzeugt mehr Wärme, Wärme fördert Oxidation, Oxidation erhöht den Widerstand weiter – ein sich selbst verstärnder Kreislauf. Querschnitt (a), Spannung (c) und Strom (d) ändern sich dabei nicht von selbst.
Welche Klemmtechnik gilt als wartungsfrei und vibrationssicher?
- a) Die einfache Schraubklemme mit Schraubenspitze
- b) Die Lüsterklemme
- c) Die Federkraftklemme
- d) Jede Klemme mit Anzugsdrehmoment
Richtig: c)
Die vorgespannte Feder hält die Kontaktkraft konstant und kann sich nicht losdrehen – deshalb wartungsfrei und vibrationssicher. Schraubklemmen (a, d) können sich lockern, die Lüsterklemme (b) ist gerade ein Beispiel für die anfälligere ältere Bauart.
Bei der Schneid-Klemm-Technik (IDC) gilt:
- a) Der Leiter muss vorher sorgfältig abisoliert werden
- b) Scharfe Kanten schneiden beim Eindrücken durch die Isolierung und bilden eine gasdichte Kontaktstelle
- c) Sie eignet sich nur für große Querschnitte im Verteiler
- d) Sie benötigt zwingend ein Anzugsdrehmoment
Richtig: b)
IDC arbeitet ohne Abisolieren – die Kanten durchtrennen die Isolierung selbst und kontaktieren den Leiter gasdicht. Deshalb ist a falsch; eingesetzt wird sie vor allem bei dünnen Datenleitungen (c falsch), ein Drehmoment gibt es nicht (d falsch).
Eine Crimpverbindung wird oft als „Kaltverschweißung“ bezeichnet, weil:
- a) das Metall unter hohem Druck ohne Wärmezufuhr gasdicht und dauerhaft verbunden wird
- b) sie nur bei niedrigen Temperaturen verarbeitet werden kann
- c) dabei Lötzinn kalt aufgetragen wird
- d) die Verbindung nur in kalter Umgebung hält
Richtig: a)
Der hoher Pressdruck verbindet die Metalle kalt zu einer gasdichten Einheit, vergleichbar mit einer Verschweißung. Umgebungstemperatur (b, d) und Lötzinn (c) spielen keine Rolle.
Welche Prüfung gehört nach ÖNORM E 8101 zur Erstprüfung vor der Inbetriebnahme?
- a) Ausschließlich eine Thermografie unter Last
- b) Nur die Messung der Netzspannung
- c) Keine Prüfung, solange die Klemmen wartungsfrei sind
- d) Eine Sichtprüfung und Erprobung der Anlage
Richtig: d)
Die Erstprüfung umfasst unter anderem Sichtprüfung und Erprobung. Thermografie (a) ist ein zusätzliches Werkzeug, die reine Spannungsmessung (b) genügt nicht, und auch bei wartungsfreien Klemmen ist eine Erstprüfung vorgeschrieben (c).
An einer Klemme misst man unter Last einen ungewöhnlich hohen Spannungsfall. Was bedeutet das am ehesten?
- a) Die Klemme ist überdimensioniert
- b) Der Leiterquerschnitt ist zu groß gewählt
- c) Der Übergangswiderstand ist erhöht, die Klemme sollte nachgezogen oder erneuert werden
- d) Die Netzspannung ist generell zu niedrig
Richtig: c)
Ein hoher Spannungsfall über der Klemme bei gegebenem Strom bedeutet nach ΔU = I·R einen erhöhten Übergangswiderstand – ein Warnzeichen für eine lockere oder oxidierte Verbindung. a, b und d erklären den lokal an der Klemme gemessenen Spannungsfall nicht.
Welche Rolle spielt das Anzugsdrehmoment einer Schraubklemme aus rein elektrischer Sicht?
- a) Es ist beliebig, solange die Schraube fest sitzt
- b) Es muss hoch genug für die nötige Kontaktkraft sein, aber nicht so hoch, dass der Leiter plastisch geschwächt wird
- c) Je höher das Drehmoment, desto besser die Verbindung
- d) Es hat keinen Einfluss auf den Übergangswiderstand
Richtig: b)
Das Drehmoment stellt die Kontaktkraft her und senkt damit den Übergangswiderstand – zu viel verformt aber den Leiter dauerhaft und schwächt ihn. Deshalb gibt es einen Herstellerwert. a, c und d verkennen diesen Zusammenhang.
Glossar
- Übergangswiderstand
- Der zusätzliche elektrische Widerstand, der allein an der Kontaktstelle zwischen zwei Leitern entsteht, unabhängig vom Widerstand der Leiter selbst.
- Mikrokontakte (A-Spots)
- Die winzigen tatsächlichen Berührungspunkte zwischen zwei zusammengepressten Oberflächen, über die der Strom übertritt; ihre Gesamtfläche ist viel kleiner als die scheinbare Berührungsfläche.
- Kontaktkraft
- Die Kraft, mit der zwei Kontaktflächen aufeinandergepresst werden; sie bestimmt die Größe der echten Berührungsfläche und damit den Übergangswiderstand.
- Gasdichte Verbindung
- Eine Kontaktstelle, an der durch hohen Pressdruck kein Sauerstoff mehr wirkt, sodass sich keine Oxidschicht bilden kann.
- Käfigzugklemme
- Schraubklemme, bei der ein durch die Schraube bewegter Bügel den Leiter flächig gegen eine Stromschiene zieht, statt ihn mit der Schraubenspitze zu quetschen.
- Federkraftklemme
- Klemme, bei der eine vorgespannte Feder die Kontaktkraft erzeugt und konstant hält; gilt als wartungsfrei und vibrationssicher.
- Push-in-Klemme
- Federkraftklemme, bei der ein starrer Leiter oder ein Leiter mit Aderendhülse direkt eingesteckt wird.
- Schneid-Klemm-Technik (IDC)
- Verbindungstechnik, bei der scharfe Metallkanten beim Eindrücken durch die Isolierung schneiden und gasdicht kontaktieren, ohne vorheriges Abisolieren.
- Crimpen
- Dauerhaftes Verpressen eines Metallteils um einen Leiter unter hohem Druck; erzeugt eine gasdichte Verbindung ohne Wärme (Kaltverschweißung).
- Aderendhülse
- Aufgecrimpte Metallhülse, die die Einzeldrähte einer flexiblen Litze bündelt und einen fließstabilen, festen Anschlusskörper bildet.
- Kaltfließen
- Langsames seitliches Ausweichen eines Metalls unter dauerndem Druck; tritt bei feindrähtigen Leitern und besonders bei Aluminium auf und führt zum Nachlassen der Kontaktkraft.
- Kontaktkorrosion
- Korrosion zwischen zwei Metallen, die in der elektrochemischen Spannungsreihe weit auseinanderliegen; in Anwesenheit von Feuchtigkeit als Elektrolyt wird das unedlere Metall abgetragen.
- Cupal
- Kupfer-Aluminium-Verbundstück, das beim Übergang von Kupfer- auf Aluminiumleiter eingesetzt wird, um direkten Kontakt und Kontaktkorrosion zwischen den beiden Metallen zu vermeiden.
- Reihenklemme
- Einzelne Klemme, die mit anderen auf eine Tragschiene aufgereiht wird, um Leiter im Verteiler geordnet zu verbinden.
- Zugentlastung
- Mechanische Halterung der Leitung vor der Kontaktstelle, damit keine Zugkraft am eigentlichen elektrischen Kontakt zieht.
