EMV-gerechte Verkabelung von FU und Motor

Ein Frequenzumrichter ist eine der häufigsten Quellen für Störungen in einer Anlage. Nicht weil er schlecht gebaut wäre, sondern weil er physikalisch gar nicht anders kann: Sein Funktionsprinzip erzeugt zwangsläufig elektromagnetische Störungen. Ein FU, der an seinem Prüfstand sauber läuft, kann nach der Montage trotzdem den danebenliegenden Sensor flattern lassen, das Bussystem zum Absturz bringen oder den FI auslösen. In fast allen Fällen liegt die Ursache nicht im Gerät, sondern in der Verkabelung.

Dieser Beitrag zeigt, warum der FU stört, wie sich diese Störungen ausbreiten und mit welchen konkreten Maßnahmen bei Leitung, Schirmung, Erdung und Schaltschrankaufbau man sie verhindert. Das Ziel ist EMV – die elektromagnetische Verträglichkeit, also der Zustand, in dem ein Gerät weder unzulässig stört noch selbst unzulässig gestört wird.

Vorwissen

  • Frequenzumrichter – Funktion und Anwendung
  • Schutzleiter und Potentialausgleich
  • Kondensator & Spule

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum die Schaltvorgänge im FU die eigentliche Störquelle sind und was du/dt damit zu tun hat
  • die vier Kopplungsmechanismen unterscheiden und benennen, über welchen Weg eine konkrete Störung wandert
  • eine geschirmte Motorleitung fachgerecht auflegen und beurteilen, warum ein „Pigtail“ ein Fehler ist
  • einen Schaltschrank so aufbauen und erden, dass Störquelle und Störsenke getrennt bleiben
  • entscheiden, wann Netzfilter, Drosseln oder du/dt-Filter zusätzlich nötig sind

1. Warum der FU stört — die Ursache verstehen

Der FU macht aus dem starren Drehstromnetz eine in Frequenz und Spannung einstellbare Versorgung für den Motor. Im Zwischenkreis liegt eine Gleichspannung an, und ein schneller elektronischer Schalter – der IGBT (Insulated Gate Bipolar Transistor) – schaltet diese Gleichspannung tausende Male pro Sekunde auf die Motorklemmen. Aus dieser gepulsten Spannung formt der Motor durch seine Induktivität wieder einen nahezu sinusförmigen Strom. Dieses Verfahren heißt PWM (Pulsweitenmodulation). Wie genau das funktioniert, steht im eigenen Beitrag zum Frequenzumrichter – hier interessiert uns nur eine Eigenschaft davon.

Diese eine Eigenschaft ist der Knackpunkt: Der IGBT schaltet die volle Zwischenkreisspannung – mehrere hundert Volt – in extrem kurzer Zeit ein und aus. Die Spannung springt also nicht gemächlich, sondern in wenigen Mikrosekunden oder schneller von null auf den vollen Wert. Diese Steilheit beschreibt man als du/dt, die Spannungsänderung pro Zeit. Je steiler die Flanke, desto besser für den Wirkungsgrad des Umrichters – und desto schlimmer für die EMV.

Warum? Eine steile Flanke ist mathematisch nichts anderes als ein Signal, das sehr viele hohe Frequenzanteile enthält. Ein langsamer Sinus von 50 Hz is EMV-technisch harmlos. Eine Rechteckflanke mit steiler du/dt enthält Frequenzanteile bis weit in den Megahertz-Bereich hinein. Und Signale im MHz-Bereich verhalten sich völlig anders als der Strom in der Steckdose: Sie koppeln über kleinste Kapazitäten, strahlen von Leitungen ab und suchen sich Wege zurück zur Quelle, die man auf einem normalen Stromlaufplan gar nicht sieht.

Hier hilft eine Unterscheidung, die den ganzen Beitrag durchzieht. Ein Gerät kann in zwei Rollen auftreten. Emission ist das, was es an Störung aussendet – beim FU is das die steile Schaltflanke. Störfestigkeit (auch Störfestigkeit oder Immunität genannt) ist die Fähigkeit, von außen kommende Störungen auszuhalten – das braucht etwa der empfindliche Sensor daneben. EMV bedeutet, beide Seiten in den Griff zu bekommen: die Quelle leiser machen und die Senke unempfindlicher.

Und noch eine zweite Unterscheidung ist wichtig, weil sie später die Gegenmaßnahmen bestimmt. Eine Gegentaktstörung fließt auf dem Hinleiter hin und auf dem Rückleiter zurück – sie bleibt im Nutzstromkreis. Eine Gleichtaktstörung dagegen fließt auf allen Leitern in dieselbe Richtung und schließt sich über die Erde wieder zurück. Genau diese Gleichtaktstörung ist beim FU das große Thema.

Der Grund liegt in den parasitären Kapazitäten. Zwischen den Motorwicklungen und dem geerdeten Motorgehäuse, und ebenso zwischen den Adern der Motorleitung und ihrer Umgebung, besteht immer eine kleine, ungewollte Kapazität – ein Kondensator, den niemand eingebaut hat, der aber trotzdem da ist. Bei 50 Hz ist diese Kapazität bedeutungslos. Bei den steilen Schaltflanken mit ihren hohen Frequenzanteilen aber wird sie zum Durchgang: Bei jeder Flanke fließt ein kurzer Stromimpuls über diese Kapazität ins Gehäuse und von dort über die Erde zurück zum FU. Dieser Ableitstrom ist der eigentliche Störstrom. Er ist der Grund, warum ein FI auslösen kann, obwohl gar kein Fehler vorliegt, und er ist der Strom, dem wir mit der gesamten Verkabelung einen sauberen, kontrollierten Rückweg bauen müssen.

Nutzsignal (langsamer Sinus) vs. Schaltflanke (steile du/dt) U t Nutzsignal: harmlos, niederfrequent U t Schaltflanke: steile du/dt, hohe Frequenzanteile steile Flanke = du/dt

Ein FU wird auf dem Prüfstand getestet und arbeitet einwandfrei. Nach dem Einbau in die Anlage treten Störungen auf. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Der FU ist defekt und muss getauscht werden
  • b) Die Netzspannung in der Anlage ist zu hoch
  • c) Die Verkabelung und der Aufbau in der Anlage sind nicht EMV-gerecht
  • d) Der Motor hat die falsche Polzahl

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. Das Gerät selbst ist in Ordnung – auf dem Prüfstand lief es einwandfrei. EMV-Probleme entstehen ganz überwiegend durch Verkabelung, Schirmung und Aufbau vor Ort. Ein Defekt ist nach bestandenem Prüfstandstest unwahrscheinlich; zu hohe Netzspannung oder eine falsche Polzahl würden andere Symptome erzeugen (Überspannungsabschaltung, falsche Drehzahl), keine typischen EMV-Störungen.

Warum ist eine steile Spannungsflanke (großes du/dt) EMV-technisch problematischer als ein langsamer 50-Hz-Sinus, obwohl beide dieselbe Spitzenspannung haben können?

  • a) Weil die steile Flanke viele hochfrequente Anteile enthält, die leicht koppeln und abstrahlen
  • b) Weil die steile Flanke mehr Wirkleistung überträgt
  • c) Weil die steile Flanke einen höheren Effektivwert hat
  • d) Weil der Sinus keine Oberschwingungen besitzt

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Die Steilheit der Flanke bedeutet einen breiten Anteil hoher Frequenzen bis in den MHz-Bereich, und gerade diese koppeln kapazitiv und strahlen ab. Mit der übertragenen Wirkleistung hat EMV nichts zu tun, und der Effektivwert sagt nichts über die Frequenzanteile aus. Dass der Sinus keine Oberschwingungen besäße, erklärt das Problem der Flanke ebenfalls nicht.

Ein Anlagenelektriker stellt fest, dass der FI-Schutzschalter ohne erkennbaren Isolationsfehler auslöst, sobald der FU läuft. Welche Erklärung passt am besten?

  • a) Der Motor zieht zu viel Wirkstrom
  • b) Die Gegentaktstörung schließt sich im Nutzstromkreis und belastet den FI
  • c) Der Schutzleiter ist unterbrochen
  • d) Die parasitären Kapazitäten führen hochfrequente Ableitströme gegen Erde, die der FI als Fehlerstrom wertet

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Die Ableitströme über die parasitären Kapazitäten fließen gegen Erde und werden vom FI als Differenzstrom erkannt – ein klassisches FU-Phänomen. Zu hoher Wirkstrom würde eher den Motorschutz auslösen, nicht den FI. Gegentaktströme fließen im Nutzkreis und erzeugen keinen Differenzstrom, und ein unterbrochener Schutzleiter würde den Schutz unwirksam machen, nicht auslösen.

Was beschreibt the Begriff „Gleichtaktstörung“ beim FU-Antrieb korrekt?

  • a) Eine Störung, die nur zwischen Hin- und Rückleiter auftritt
  • b) Eine Störung, bei der auf allen Leitern gleichgerichtete Ströme fließen, die sich über Erde schließen
  • c) Eine Störung, die ausschließlich im Zwischenkreis bleibt
  • d) Eine niederfrequente Schwankung der Netzspannung

Richtig: b)

Erklärung: Richtig ist b. Gleichtaktströme fließen auf allen Adern in dieselbe Richtung und nehmen den Rückweg über die Erde – das ist beim FU der dominierende Störmechanismus. Eine Störung nur zwischen Hin- und Rückleiter wäre die Gegentaktstörung; im Zwischenkreis bleibt die Störung gerade nicht, sie verlässt ihn über Leitung und Kapazitäten; eine niederfrequente Netzschwankung ist etwas ganz anderes.

2. Wie sich Störungen ausbreiten — Kopplungsmechanismen

Eine Störung muss von der Quelle zur Senke gelangen. Den Weg dorthin nennt man Kopplung. Wer das Problem lösen will, muss zuerst wissen, über welchen dieser Wege die konkrete Störung wandert – denn jede Kopplung hat ihre eigene Gegenmaßnahme.

Ganz grob teilt man zunächst in zwei Welten: leitungsgebundene Störungen wandern entlang von Leitern – Kabel, Schienen, Schirme, Erdverbindungen. Gestrahlte Störungen breiten sich als elektromagnetische Welle durch den Raum aus, ganz ohne durchgehenden Leiter. Beim FU-Antrieb hat man fast immer beides, und die lange Motorleitung spielt in beiden Welten eine Hauptrolle.

Im Detail unterscheidet man vier Kopplungsmechanismen.

Die galvanische Kopplung entsteht über einen gemeinsam genutzten Leiter. Wenn der Störstrom des FU und ein Signalstromkreis denselben Erdungs- oder Rückleiter teilen, erzeugt der Störstrom an dessen Widerstand einen Spannungsabfall – und dieser Spannungsabfall liegt dann ungewollt auch im Signalkreis. Typisches Beispiel: Mehrere Geräte hängen hintereinander an derselben Erdungsleitung statt jedes für sich am zentralen Punkt.

Die kapazitive Kopplung überträgt über das elektrische Feld. Zwei nebeneinanderliegende Leiter bilden den schon erwähnten parasitären Kondensator. Eine schnelle Spannungsänderung auf der einen Leitung schiebt über diese Kapazität einen Störstrom auf die benachbarte. Je steiler die Flanke und je näher und länger die parallele Verlegung, desto stärker. Das ist der Grund, warum man die Motorleitung niemals dicht und lang parallel zu Signalleitungen legt.

Die induktive Kopplung überträgt über das magnetische Feld. Der pulsierende Strom in der Motorleitung baut ein wechselndes Magnetfeld auf, und dieses Feld induziert in einer benachbarten Leiterschleife eine Störspannung – genau das Induktionsprinzip aus den Grundlagen, hier in unerwünschter Form. Große aufgespannte Schleifen und parallele Nähe verstärken den Effekt.

Die Strahlungskopplung schließlich ist die gestrahlte Variante: Bei den hohen Frequenzanteilen wirkt eine ungeschirmte Motorleitung wie eine Antenne. Sie sendet ein elektromagnetisches Feld aus, das weiter entfernte Geräte direkt erreicht, ohne dass eine Leitung dazwischen liegen muss.

Ein eigenes, hartnäckiges Problem sind Erdschleifen. Wenn zwei Geräte an unterschiedlichen Stellen geerdet sind und zusätzlich durch eine Signalleitung verbunden, entsteht eine große geschlossene Schleife. In diese Schleife koppelt jedes Störfeld bereitwillig ein. Erdschleifen sind eine der häufigsten Ursachen für unerklärliche Signalstörungen.

Die vier Kopplungsmechanismen Galvanisch gemeinsamer Leiter Quelle Senke gemeinsame Rückleitung Kapazitiv elektrisches Feld Störer Opfer Induktiv magnetisches Feld Störstrom Schleife Strahlung EM-Welle durch den Raum Antenne Empfänger

Eine Signalleitung verläuft über mehrere Meter dicht parallel zur Motorleitung. Auf dem Signal treten Störungen auf, die mit dem Abstand abnehmen. Welche Kopplungsarten sind hier am wahrscheinlichsten beteiligt?

  • a) Kapazitive und induktive Kopplung
  • b) Galvanische Kopplung und Strahlungskopplung
  • c) Ausschließlich galvanische Kopplung
  • d) Ausschließlich Strahlungskopplung

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Kapazitive und induktive Kopplung sind Nahfeldeffekte, die stark von Abstand und paralleler Länge abhängen – nimmt die Störung mit dem Abstand ab, deutet das genau darauf hin. Galvanische Kopplung hängt nicht vom Abstand ab, sondern vom gemeinsamen Leiter; reine Strahlungskopplung ist im Nahbereich typischerweise weniger stark abstandsabhängig.

Worin unterscheidet sich die galvanische Kopplung grundsätzlich von den drei anderen Mechanismen?

  • a) Sie tritt nur bei Gleichstrom auf
  • b) Sie wirkt nur über das magnetische Feld
  • c) Sie benötigt einen gemeinsam genutzten Leiter, über den der Störstrom einen Spannungsabfall erzeugt
  • d) Sie ist die einzige gestrahlte Kopplung

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. Galvanische Kopplung setzt eine echte leitende Verbindung voraus – der Störstrom erzeugt am gemeinsamen Leiterwiderstand einen Spannungsabfall, der in den Opferkreis gelangt. Sie tritt bei jedem Strom auf, nicht nur bei Gleichstrom; über das magnetische Feld wirkt die induktive Kopplung; und gestrahlt ist sie gerade nicht, sondern leitungsgebunden.

Warum wirkt eine ungeschirmte Motorleitung bei den hochfrequenten Störanteilen wie eine Antenne?

  • a) Weil sie eine hohe Gleichstromlast trägt
  • b) Weil ihre Länge und die hohen Frequenzanteile zusammen eine wirksame Abstrahlung ermöglichen
  • c) Weil sie immer parallel zum Schutzleiter liegt
  • d) Weil der Motor selbst ein Sender ist

Richtig: b)

Erklärung: Richtig ist b. Eine Leitung strahlt umso wirksamer, je besser ihre Länge zur Wellenlänge der geführten Frequenzanteile passt – die MHz-Anteile der Flanken machen die lange Motorleitung zur Antenne. Eine Gleichstromlast strahlt nicht; die Nähe zum Schutzleiter ist nicht die Ursache; und der Motor ist nicht der Sender – die Abstrahlung erfolgt über die Leitung.

Zwei Geräte sind an verschiedenen Stellen geerdet und zusätzlich durch eine Signalleitung verbunden. Welches Problem ist dadurch besonders zu erwarten?

  • a) Eine zu geringe Spannungsfestigkeit der Signalleitung
  • b) Ein dauerhafter Kurzschluss
  • c) Eine Erhöhung der Taktfrequenz des FU
  • d) Eine Erdschleife, in die Störfelder einkoppeln

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Zwei getrennte Erdungspunkte plus Signalverbindung bilden eine große geschlossene Schleife – eine klassische Erdschleife, die Störungen einfängt. Um Spannungsfestigkeit geht es dabei nicht; ein Kurzschluss entsteht nicht; und mit der Taktfrequenz des FU hat die Verdrahtungstopologie nichts zu tun.

3. Die geschirmte Motorleitung — Herzstück der EMV

Wenn man aus diesem Beitrag nur eine einzige Maßnahme mitnimmt, dann diese: eine geschirmte Motorleitung, beidseitig großflächig aufgelegt. Damit ist der größte Teil der EMV-Arbeit erledigt. Alles andere ist Feinschliff.

Eine geschirmte Motorleitung besteht aus den drei Leistungsadern (und dem Schutzleiter) und einem darüberliegenden Schirmgeflecht – einem Metallgeflecht, das die Adern umschließt. Gute Motorleitungen sind zudem symmetrisch aufgebaut: Die drei Außenleiter sind gleichmäßig angeordnet, oft mit drei symmetrisch verteilten Schutzleitern dazwischen. Diese Symmetrie sorgt dafür, dass sich die Magnetfelder der drei Phasen nach außen weitgehend aufheben.

Der entscheidende Punkt ist, was der Schirm leisten soll. Er ist nicht nur eine passive Abschirmung gegen abstrahlende Felder. Seine wichtigste Aufgabe ist es, dem Ableitstrom – jenem Gleichtakt-Störstrom aus Kapitel 1 – einen definierten, kurzen Rückweg zur Quelle zu bieten. Der Störstrom soll im Schirm zum FU zurücklaufen, eng entlang der Adern, statt sich einen weiten, unkontrollierten Weg über fremde Erdverbindungen und Gehäuse zu suchen. Damit das funktioniert, muss der Schirm an beiden Enden mit dem Gehäuse verbunden sein: am FU und am Motor.

Hier liegt ein häufiger Streitpunkt. In der reinen Signaltechnik legt man Schirme manchmal nur einseitig auf, um Erdschleifen zu vermeiden. Bei der FU-Motorleitung ist das anders: Hier wird der Schirm beidseitig aufgelegt. Nur so kann der hochfrequente Ableitstrom zurückfließen. Die Sorge vor der Erdschleife tritt hier hinter die Notwendigkeit des HF-Rückwegs zurück.

Genauso wichtig wie das Ob ist das Wie der Schirmauflage. Der Schirm muss großflächig und rundum (360°) mit dem Gehäuse oder einer Schirmschiene verbunden werden – idealerweise mit einer EMV-Verschraubung oder einer Schirmschelle, die das Geflecht ringsum kontaktiert. Der klassische Fehler ist das Pigtail: Man dreht das Schirmgeflecht zu einem dünnen Zopf zusammen und klemmt es mit einer Aderendhülse irgendwo an. Für die niedrigen Netzfrequenzen reicht das, für die hochfrequenten Störströme aber nicht: Ein solcher Zopf hat für hohe Frequenzen eine viel zu hohe Impedanz und macht die gesamte aufwändige Schirmung praktisch wirkungslos. Schon wenige Zentimeter Pigtail können den Schirm um ein Vielfaches schlechter machen.

Neben der Schirmung selbst entscheidet die Verlegung über den Erfolg. Drei Leitungsgruppen sollten getrennt geführt werden: Leistungsleitungen (Netz, Motor, Bremswiderstand), Steuerleitungen (24 V, Schützansteuerung) und empfindliche Signalleitungen (Analogwerte, Encoder, Bus). Diese Trennung gibt es im eigenen Beitrag zur Leitungsverlegung ausführlich – für den FU gilt verkürzt: möglichst großer Abstand zwischen Leistungs- und Signalleitung, keine lange parallele Führung, und wenn sich Leitungen kreuzen müssen, dann im rechten Winkel. Bei einer Kreuzung im 90°-Winkel ist die gemeinsame Koppelstrecke minimal, die kapazitive und induktive Kopplung damit am kleinsten.

Als grobe Orientierung dienen folgende Richtwerte aus gängigen Installationsempfehlungen. Sie sind Erfahrungswerte, keine berechenbaren Größen – die genauen Vorgaben des FU-Herstellers gehen immer vor.

Situation Empfehlung
Abstand Leistungs- zu Signalleitung möglichst groß, als Richtwert ab ca. 20 cm
Parallele Verlegung über längere Strecken vermeiden, sonst Abstand vergrößern
Kreuzung unvermeidbar im rechten Winkel (90°)
Schirmauflage Motorleitung beidseitig, 360° rundum
Schirm als einziger Schutzleiter unzulässig – separater PE zusätzlich
Leitungslänge Motorleitung so kurz wie möglich, Herstellergrenze beachten

Ein Wort zur Leitungslänge: Je länger die Motorleitung, desto größer die wirksame Antennenfläche, desto höher die parasitäre Kapazität und damit die Ableitströme. Jeder FU-Hersteller gibt eine maximal zulässige geschirmte Leitungslänge an. Wird sie überschritten, sind Zusatzmaßnahmen wie Drosseln oder Filter nötig (siehe Kapitel 5). Eine unnötig lange, aufgerollte Reserveschleife ist EMV-technisch eine schlechte Idee.

360°-Schirmauflage (richtig) vs. Pigtail (falsch) richtig: 360° rundum Schirm Schirmschiene Adern niederimpedant für HF falsch: Pigtail Schirm verdrillter Zopf hohe Impedanz für HF Schirmwirkung verloren

Warum wird der Schirm der FU-Motorleitung beidseitig aufgelegt, obwohl man Schirme bei reinen Signalleitungen oft nur einseitig erdet?

  • a) Weil sonst der Motor nicht anläuft
  • b) Weil die einseitige Auflage bei Drehstrom verboten ist
  • c) Weil der Schirm sonst keine mechanische Festigkeit hat
  • d) Weil nur die beidseitige Auflage dem hochfrequenten Ableitstrom einen Rückweg zur Quelle bietet

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Der Gleichtakt-Ableitstrom muss zur Quelle zurückfließen können – das geht nur, wenn der Schirm an beiden Enden kontaktiert ist. Der Anlauf des Motors hängt nicht am Schirm; ein Verbot der einseitigen Auflage bei Drehstrom ist erfunden; und die mechanische Festigkeit ist nicht der Grund. Bei reinen Signalleitungen will man dagegen Erdschleifen vermeiden, dort kann einseitig sinnvoll sein.

Ein Schaltschrank zeigt EMV-Probleme. Bei der Kontrolle stellt sich heraus, dass der Schirm der Motorleitung zu einem Zopf verdrillt und mit einer Aderendhülse an die Schirmschiene geklemmt ist. Wie ist das zu bewerten?

  • a) Korrekt, solange der Zopf kurz ist
  • b) Fehlerhaft, weil der Zopf für hohe Frequenzen eine zu hohe Impedanz hat und die Schirmwirkung stark mindert
  • c) Korrekt, weil die Schiene den Kontakt sicherstellt
  • d) Unkritisch, weil der Schirm ohnehin nur abschirmt

Richtig: b)

Erklärung: Richtig ist b. Der „Pigtail“ wirkt für die Störfrequenzen als hochohmige Verbindung und macht den Schirm weitgehend wirkungslos. Schon kurze Pigtails verschlechtern das Verhalten deutlich, der bloße Kontaktpunkt genügt ohne 360°-Anbindung nicht, und der Schirm dient hier vor allem als HF-Rückweg, nicht nur als Abschirmung.

Zwei Leitungen – eine Motorleitung und eine Encoderleitung – müssen sich im Kabelkanal kreuzen. Wie sollte die Kreuzung ausgeführt werden, um die Kopplung gering zu halten?

  • a) Im rechten Winkel (90°)
  • b) Möglichst flach parallel über eine kurze Strecke
  • c) Beide eng zusammen verzurrt
  • d) Mit maximaler Überlappung

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Bei einer Kreuzung im rechten Winkel is die gemeinsame Koppelstrecke minimal, dadurch sind kapazitive und induktive Kopplung am kleinsten. Flach paralleles Führen, enges Verzurren oder maximale Überlappung erhöhen jeweils die parallele Nähe und damit die Kopplung – genau das Gegenteil des Ziels.

Welche Aussage zur Länge der Motorleitung trifft zu?

  • a) Die Länge ist für die EMV bedeutungslos
  • b) Eine längere Leitung verringert die Ableitströme
  • c) Eine längere Leitung erhöht parasitäre Kapazität und Abstrahlung; die Herstellergrenze ist einzuhalten
  • d) Reserveleitung sollte als enger Ring aufgewickelt werden

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. Mehr Länge bedeutet mehr parasitäre Kapazität, höhere Ableitströme und eine größere Antennenwirkung; deshalb gibt der Hersteller eine Maximallänge vor. Die Länge ist also keineswegs bedeutungslos, und eine längere Leitung verringert die Ableitströme nicht, sondern erhöht sie. Eine als enger Ring aufgewickelte Reserve bildet eine Spule und verschlechtert die Lage.

Darf der Schirm der Motorleitung die Funktion des Schutzleiters (PE) übernehmen?

  • a) Ja, der Schirm ersetzt den PE vollständig
  • b) Nein, der Schutzleiter muss zusätzlich und eigenständig vorhanden sein
  • c) Ja, sofern der Schirm beidseitig aufgelegt ist
  • d) Nur bei kurzen Leitungen

Richtig: b)

Erklärung: Richtig ist b. Der Schirm dient der EMV, nicht dem Personenschutz; der Schutzleiter muss als eigener, zuverlässiger Leiter zusätzlich geführt werden. Den PE durch den Schirm zu ersetzen – ganz gleich ob beidseitig aufgelegt oder nur bei kurzen Leitungen – würde eine sicherheitsrelevante Schutzfunktion einer EMV-Maßnahme aufbürden und ist unzulässig.

4. Erdung, Potentialausgleich und Schaltschrankaufbau

Schirmung und Erdung gehören untrennbar zusammen. Der beste Schirm nützt nichts, wenn der Störstrom danach keinen niederimpedanten Weg zurück findet. Beim FU-Antrieb geht es bei der Erdung um zwei verschiedene Dinge, die man auseinanderhalten muss.

Das eine ist der Schutzleiter und der Potentialausgleich im klassischen Sinn – der Personenschutz, behandelt im eigenen Beitrag dazu. Das andere ist die HF-Erdung: eine Erdung, die nicht nur bei 50 Hz, sondern auch bei den Störfrequenzen im MHz-Bereich niederohmig ist. Und genau hier liegt der Unterschied, den man verinnerlichen muss: Für hohe Frequenzen zählt nicht der Querschnitt eines Drahtes, sondern seine Impedanz – und die wird bei einem langen, dünnen Draht durch dessen Induktivität schnell groß. Ein dicker, aber langer Erdungsdraht kann bei 50 Hz ausgezeichnet und bei einem MHz fast eine Sperre sein.

Daraus folgt die zentrale Regel der HF-Erdung: Fläche statt Draht, kurz statt lang. Eine breite, kurze, flächige Verbindung hat eine niedrige Impedanz auch für hohe Frequenzen. Deshalb ist die blanke, leitfähige Montageplatte im Schaltschrank das Rückgrat des EMV-Konzepts. FU, Netzfilter und Drossel werden mit ihrer Metallrückseite großflächig und blank – also nicht über lackierte Flächen – direkt auf diese Platte geschraubt. Lack ist ein Isolator; an der Kontaktstelle muss er entfernt sein.

Für den Potentialausgleich gilt eine sternförmige Anordnung mit einem zentralen Erdungspunkt. Alle Erdverbindungen laufen auf einen Punkt zu, statt von Gerät zu Gerät durchgeschleift zu werden. Das verhindert die galvanische Kopplung aus Kapitel 2: Wenn jedes Gerät seinen eigenen Weg zum zentralen Punkt hat, teilen sich Störstrom und Signalstrom keinen gemeinsamen Leiter mehr.

Der Aufbau im Schaltschrank folgt dem Gedanken, „schmutzige“ und „saubere“ Bereiche zu trennen. Der schmutzige Bereich ist alles rund um den FU und die Leistungsverkabelung – die Störquelle. Der sauberer Bereich beherbergt Steuerung, SPS und empfindliche Signalverarbeitung. Diese beiden Bereiche werden räumlich getrennt, und auch die zugehörigen Leitungen werden getrennt geführt. Das Netzfilter gehört dabei direkt an den Schrankeintritt der Netzleitung und mit kurzer, flächiger Anbindung an die Montageplatte – steht es mitten im Schrank, koppelt die noch ungefilterte Netzleitung ihre Störung längst in den Rest ein, bevor das Filter überhaupt wirkt.

Schließlich die Schirmschiene: eine an die Montageplatte angebundene Metallschiene, an der die Schirme von Motor- und Signalleitungen mit Schirmschellen großflächig aufgelegt werden. Sie ist der praktische Ort, an dem die 360°-Schirmauflage aus Kapitel 3 im Schrank stattfindet, am besten direkt am Eintritt der Leitung in den Schaltschrank.

EMV-gerechter Schaltschrankaufbau (Prinzip) blanke, leitfähige Montageplatte = HF-Bezugsfläche „schmutziger“ Bereich Netzfilter FU Drossel „sauberer“ Bereich SPS / Steuerung Signalverarbeitung Schirmschiene (360°-Auflage am Eintritt) zentraler Erdungspunkt (Stern)

Warum ist eine lange, dünne Erdungslitze für die FU-EMV oft unwirksam, obwohl sie bei 50 Hz ausreicht?

  • a) Weil die Induktivität der langen Litze ihre Impedanz für hohe Frequenzen stark anhebt
  • b) Weil Kupfer bei hohen Frequenzen nicht mehr leitet
  • c) Weil dünne Litzen grundsätzlich keinen Schutzleiter bilden dürfen
  • d) Weil die Litze bei 50 Hz bereits überlastet ist

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Mit steigender Frequenz dominiert die Induktivität des Leiters; eine lange, dünne Verbindung wird dadurch hochohmig, obwohl ihr Gleichstromwiderstand gering is. Kupfer leitet auch bei hohen Frequenzen weiter; ein generelles Verbot dünner Litzen als Schutzleiter ist erfunden; und um eine Überlastung bei 50 Hz geht es nicht, sondern um die HF-Impedanz.

Was ist der Hauptgrund, das Netzfilter direkt an den Schrankeintritt der Netzleitung zu setzen?

  • a) Damit es leichter zugänglich ist
  • b) Weil das Filter sonst zu warm wird
  • c) Weil die Netzleitung sonst zu kurz ist
  • d) Damit die noch ungefilterte Netzleitung im Schrank nicht ihre Störungen einkoppelt, bevor das Filter wirkt

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Steht das Filter weit drinnen, läuft die ungefilterte, störbehaftete Netzleitung erst durch den Schrank und koppelt unterwegs ein – das Filter kommt dann zu spät. Die Zugänglichkeit ist nur ein Nebenaspekt, die Position ändert die Erwärmung nicht maßgeblich, und um die Leitungslänge geht es dabei nicht.

Welche Erdungstopologie verhindert die galvanische Kopplung zwischen Stör- und Signalkreis am besten?

  • a) Reihenschaltung aller Erdverbindungen von Gerät zu Gerät
  • b) Erdung nur am FU
  • c) Sternförmiger Potentialausgleich mit zentralem Erdungspunkt
  • d) Gar keine Erdung der Signalgeräte

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. Wenn jedes Gerät einen eigenen Weg zum zentralen Punkt hat, teilen sich Stör- und Signalstrom keinen gemeinsamen Leiter – die galvanische Kopplung entfällt. Eine Reihenschaltung der Erdverbindungen erzeugt genau den gemeinsamen Leiter, der die Kopplung verursacht; Erdung nur am FU oder gar keine Erdung der Signalgeräte ist unsicher und EMV-technisch nicht zielführend.

Warum montiert man FU, Filter und Drossel blank (lackfrei an der Kontaktstelle) auf die Montageplatte?

  • a) Aus optischen Gründen
  • b) Weil Lack ein Isolator ist und eine niederimpedante HF-Verbindung zur Bezugsfläche verhindert
  • c) Weil Lack die Geräte überhitzen lässt
  • d) Weil blanke Montage die Tragfähigkeit erhöht

Richtig: b)

Erklärung: Richtig ist b. Die flächige, blanke Anbindung an die Montageplatte stellt die niederimpedante HF-Verbindung her; eine Lackschicht würde isolieren und diese Wirkung zunichtemachen. Optik, eine angebliche Überhitzung durch Lack oder die Tragfähigkeit sind nicht der Grund.

5. Zusätzliche Maßnahmen und typische Fehler in der Praxis

Geschirmte Leitung, saubere 360°-Auflage und eine flächige HF-Erdung lösen die meisten Fälle. Reicht das nicht – etwa bei langen Motorleitungen, vielen Antrieben oder besonders empfindlicher Umgebung – kommen Zusatzkomponenten ins Spiel. Sie ersetzen die Grundmaßnahmen nicht, sondern ergänzen sie.

Das Netzfilter (EMV-Filter) sitzt zwischen Netz und FU und dämpft die leitungsgebundenen Störungen, die der FU sonst ins Versorgungsnetz zurückschickt. Viele FU haben bereits ein Filter integriert; für strengere Anforderungen gibt es externe Filter mit höherer Dämpfung.

Eine Netzdrossel auf der Netzseite glättet den Stromverlauf, reduziert Netzrückwirkungen und Oberschwingungen und schützt den Zwischenkreis. Eine Motordrossel auf der Motorseite verringert die Steilheit der Spannungsflanken, die am Motor ankommen – sie senkt also das du/dt und damit die Ableitströme und die Belastung der Motorisolation. Geht es gezielt um die Flankensteilheit, spricht man von einem du/dt-Filter. Die stärkste, aber auch aufwändigste Variante ist das Sinusfilter: Es formt aus der gepulsten Spannung am FU-Ausgang wieder eine nahezu sinusförmige Spannung. Damit verschwindet das Flankenproblem weitgehend, lange Motorleitungen werden möglich und der Motor läuft leiser – um den Preis von Baugröße, Kosten und etwas Verlustleistung.

Für einzelne hartnäckige Störungen sind Ferritkerne (Klappferrite) ein einfaches Mittel. Über eine Leitung geschoben, erhöhen sie gezielt die Impedanz für Gleichtaktströme und dämpfen so eine konkrete Störung, ohne den Nutzstrom zu beeinflussen. Sie sind kein Ersatz für die Grundmaßnahmen, aber oft der schnelle Helfer bei einem verbleibenden Problem.

Wann braucht man was? Eine grobe Orientierung:

Maßnahme Wann sinnvoll
Netzfilter fast immer; Pflicht zum Einhalten der Emissionsgrenzen
Netzdrossel bei Netzrückwirkungen, Oberschwingungen, zum Schutz des Zwischenkreises
Motordrossel / du-dt-Filter bei längeren Motorleitungen, zum Schutz der Motorisolation
Sinusfilter bei sehr langen Leitungen, empfindlicher Umgebung, mehreren Motoren
Ferritkern gegen einzelne verbleibende Gleichtaktstörungen

Bei der Inbetriebnahme und Fehlersuche lohnt es sich ein methodisches Vorgehen statt blindem Tauschen. Zuerst die Grundlagen prüfen: Ist der Schirm wirklich beidseitig und 360° aufgelegt, oder verbirgt sich da ein Pigtail? Sind Leistungs- und Signalleitungen getrennt? Ist die Erdung flächig und kurz? Erst danach denkt man an Filter und Ferrite. Oft hilft das Eingrenzen der Kopplungsart aus Kapitel 2: Tritt die Störung nur bei laufendem Motor auf, nur bei hoher Drehzahl, nur bei hoher Taktfrequenz? Jede dieser Beobachtungen zeigt in eine Richtung.

Zum Normbezug: Für drehzahlveränderbare elektrische Antriebe gilt in Österreich die übernommene europäische Produktnorm der Reihe EN IEC 61800-3. Sie ordnet Antriebe nach ihrer Einsatzumgebung in Kategorien ein – vereinfacht unterscheidet man Wohnbereiche (mit strengeren Emissionsgrenzen) und Industriebereiche (mit etwas weniger strengen Grenzen, dafür Verantwortung beim Betreiber). Welche Kategorie ein Antrieb erfüllen muss, hängt vom Aufstellort ab. Für die Praxis genügt es zu wissen: Es gibt eine verbindliche Norm, sie unterscheidet nach Umgebung, und das passende Filter ist Teil der Norm-Einhaltung. Die genaue Kategorie und die zugehörigen Grenzwerte entnimmt man der Norm und der Herstellerdokumentation.

Ein Antrieb hält die Emissionsgrenzen knapp nicht ein. Schirm, Verlegung und Erdung sind nachweislich korrekt ausgeführt. Welche Maßnahme ist als Nächstes am sinnvollsten?

  • a) Die Motorleitung verlängern
  • b) Ein passendes Netzfilter bzw. ein stärkeres EMV-Filter einsetzen
  • c) Den Schutzleiter entfernen
  • d) Die Taktfrequenz auf das Maximum stellen

Richtig: b)

Erklärung: Sind die Aufbaugrundlagen korrekt, ist das Filter die folgerichtige Ergänzung, um die leitungsgebundenen Emissionen unter den Grenzwert zu drücken. Die Motorleitung zu verlängern verschlechtert die Lage; den Schutzleiter zu entfernen ist sicherheitswidrig und unzulässig; die Taktfrequenz zu maximieren erhöht die Störungen tendenziell.

Wozu dient ein Sinusfilter am FU-Ausgang im Unterschied zu einer einfachen Motordrossel?

  • a) Es erhöht die Taktfrequenz
  • b) Es ersetzt den Schutzleiter
  • c) Es verkürzt die Hochlaufzeit des Motors
  • d) Es formt die gepulste Ausgangsspannung nahezu sinusförmig und beseitigt das Flankenproblem weitgehend

Richtig: d)

Erklärung: Das Sinusfilter glättet die Spannung am Ausgang so weit, dass am Motor nahezu ein Sinus ankommt – damit verschwinden steile Flanken und ihre Folgen weitgehend, deutlich umfassender als bei einer reinen Drossel. Mit der Taktfrequenz hat es nichts zu tun, es ersetzt den Schutzleiter nicht, und die Hochlaufzeit zu verkürzen ist nicht sein Zweck.

Wie wirkt ein über eine Leitung geschobener Klappferrit?

  • a) Er erhöht gezielt die Impedanz für Gleichtaktströme und dämpft so eine Störung
  • b) Er senkt den Gleichstromwiderstand der Leitung
  • c) Er ersetzt die geschirmte Leitung vollständig
  • d) Er erhöht die übertragbare Wirkleistung

Richtig: a)

Erklärung: Der Ferrit wirkt als frequenzabhängige Impedanz vor allem für Gleichtaktströme und dämpft eine konkrete verbleibende Störung, ohne den Nutzstrom zu stören. Den Gleichstromwiderstand senkt er nicht; die geschirmte Leitung ersetzt er nicht, er ist nur eine Ergänzung; und die übertragbare Wirkleistung erhöht er nicht.

Was ist der Kerngedanke der EN IEC 61800-3 für die Praxis?

  • a) Sie schreibt eine feste Motorleitungslänge für alle Antriebe vor
  • b) Sie verbietet den Einsatz von Frequenzumrichtern in der Industrie
  • c) Sie teilt Antriebe nach Einsatzumgebung in Kategorien mit unterschiedlichen Emissionsanforderungen ein

Richtig: c)

Erklärung: Die Norm unterscheidet nach Umgebung – etwa Wohn- gegenüber Industriebereich – und knüpft daran unterschiedlich strenge Emissionsanforderungen. Eine feste Motorleitungslänge gibt sie nicht pauschal vor (das tut der Hersteller); FU in der Industrie verbietet sie nicht; und die mechanische Festigkeit von Schaltschränken regelt sie ebenfalls nicht.

Beim ersten Auftreten eines EMV-Problems greift ein Monteur sofort zum teuersten Sinusfilter. Warum ist das oft nicht die beste Vorgehensweise?

  • a) Weil Sinusfilter grundsätzlich nicht funktionieren
  • b) Weil Filter die Motordrehzahl begrenzen
  • c) Weil Filter in Österreich nicht zulässig sind
  • d) Weil die Ursache häufig ein Aufbaufehler wie ein Pigtail oder eine schlechte Erdung ist, den ein Filter nicht behebt

Richtig: d)

Erklärung: Sehr oft liegt das Problem in der Verdrahtung – ein Filter überdeckt das nicht, wenn der Schirm falsch aufgelegt oder die Erdung hochohmig ist. Erst die Grundlagen prüfen. Sinusfilter wirken durchaus sehr gut, eine Begrenzung der Motordrehzahl ist kein zutreffender Grund, und unzulässig sind Filter in Österreich keineswegs.

Abschlusstest

Was ist die physikalische Wurzel der EMV-Störungen eines Frequenzumrichters?

  • a) Der hohe Wirkstrom des Motors
  • b) Die niedrige Grundfrequenz von 50 Hz
  • c) Die steilen Schaltflanken (du/dt) der IGBTs mit ihren hohen Frequenzanteilen
  • d) Die mechanische Lagerreibung des Motors

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. Die schnellen Schaltvorgänge der IGBTs erzeugen breitbandige hochfrequente Anteile – das ist die Quelle. Der Wirkstrom des Motors, die 50-Hz-Grundfrequenz und die mechanische Lagerreibung haben mit der EMV-Emission nichts zu tun.

Über welchen Pfad schließt sich der dominierende Gleichtakt-Störstrom beim FU-Antrieb?

  • a) Über parasitäre Kapazitäten gegen Erde und über den Schirm/Erde zurück zur Quelle
  • b) Nur zwischen Hin- und Rückleiter im Motorkabel
  • c) Ausschließlich über den Zwischenkreiskondensator
  • d) Über die mechanische Welle des Motors

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Der Gleichtaktstrom fließt über die parasitären Kapazitäten ins Gehäuse und sucht über Schirm und Erde den Rückweg zur Quelle. Der Weg nur zwischen Hin- und Rückleiter beschreibt den Gegentakt; der Zwischenkreiskondensator und die mechanische Welle sind keine Störpfade in diesem Sinn.

Eine Encoderleitung läuft 8 m parallel und dicht an der ungeschirmten Motorleitung; das Signal ist gestört. Welche Sofortmaßnahme adressiert die Ursache am direktesten?

  • a) Die Taktfrequenz des FU verdoppeln
  • b) Abstand vergrößern und/oder geschirmte, getrennt verlegte Leitungen verwenden
  • c) Den Encoder durch einen größeren ersetzen
  • d) Die Motorleitung verlängern

Richtig: b)

Erklärung: Richtig ist b. Die lange, dichte Parallelführung ist die Ursache der kapazitiven/induktiven Kopplung; Abstand und Schirmung mit getrennter Verlegung wirken direkt. Die Taktfrequenz zu verdoppeln verschärft das Problem, ein größerer Encoder behebt die Kopplung nicht, und die Motorleitung zu verlängern verschlechtert die Lage.

Warum entwertet ein Pigtail die Schirmung weitgehend?

  • a) Weil der Zopf den Gleichstromwiderstand erhöht
  • b) Weil der Schirm dadurch zum Schutzleiter wird
  • c) Weil der Zopf den Nutzstrom begrenzt
  • d) Weil the verdrillte Zopf für hohe Frequenzen eine hohe Impedanz hat und den HF-Rückweg blockiert

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Für die Störfrequenzen ist der dünne, lange Zopf hochohmig und unterbricht den eigentlich gewünschten niederimpedanten Rückweg. Es geht dabei nicht um den Gleichstromwiderstand, der Schirm wird durch den Zopf nicht zum Schutzleiter, und der Nutzstrom wird dadurch nicht begrenzt.

Welche Verbindung hat für hochfrequente Störströme die niedrigste Impedanz?

  • a) Eine kurze, breite, flächige Verbindung (Erdungsband, Plattenkontakt)
  • b) Eine lange, dünne, runde Erdungslitze
  • c) Eine zu einem Ring aufgewickelte Leitung
  • d) Eine über Lack verschraubte Kontaktstelle

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Für HF zählt geringe Induktivität – kurz und flächig schlägt lang und dünn. Eine lange, dünne, runde Litze hat hohe Induktivität, eine zum Ring aufgewickelte Leitung bildet eine Spule, und eine über Lack verschraubte Stelle isoliert.

Wofür ist der Schirm der Motorleitung in erster Linie zuständig?

  • a) Als alleiniger Schutzleiter für den Personenschutz
  • b) Zur mechanischen Verstärkung der Leitung
  • c) Als niederimpedanter Rückweg für den Gleichtakt-Ableitstrom und als Abschirmung
  • d) Zur Erhöhung der Stromtragfähigkeit der Adern

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. Der Schirm bietet dem Ableitstrom den niederimpedanten Rückweg und schirmt zugleich ab. Als alleiniger Schutzleiter ist er unzulässig, der PE muss separat sein; mechanische Verstärkung und Erhöhung der Stromtragfähigkeit der Adern sind keine Funktionen des Schirms.

Welche Anordnung im Schaltschrank ist EMV-gerecht?

  • a) Netzfilter mitten im Schrank, Steuer- und Leistungsleitungen gebündelt
  • b) Trennung in „schmutzigen“ und „sauberen“ Bereich, Netzfilter am Schrankeintritt, getrennte Leitungsführung
  • c) Alle Geräte in Reihe geerdet
  • d) FU über lackierte Fläche montiert

Richtig: b)

Erklärung: Richtig ist b. Bereichstrennung, Filter am Eintritt und getrennte Leitungen sind die Kernregeln. Ein Filter mitten im Schrank mit gebündelten Steuer- und Leistungsleitungen koppelt die ungefilterte Netzleitung ein; alle Geräte in Reihe zu erden erzeugt galvanische Kopplung; und eine Montage über lackierte Fläche isoliert die HF-Anbindung.

Ein FU löst ohne Isolationsfehler regelmäßig den FI aus. Was ist die plausibelste Ursache und sinnvolle erste Prüfung?

  • a) Defekter Motor; Motor sofort tauschen
  • b) Zu niedrige Netzspannung; Trafo tauschen
  • c) Falsche Drehrichtung; zwei Phasen tauschen
  • d) Hochfrequente Ableitströme über parasitäre Kapazitäten; Schirmauflage, Erdung und ggf. Taktfrequenz prüfen

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Die Ableitströme werden vom FI als Differenzstrom gewertet; zuerst prüft man Schirmauflage, Erdung und gegebenenfalls die Taktfrequenz. Den Motor sofort zu tauschen, einen Trafo zu wechseln oder zwei Phasen zu tauschen passt nicht zum Symptom.

Welche Aussage zur Motordrossel bzw. zum du/dt-Filter trifft zu?

  • a) Sie verringern die Flankensteilheit (du/dt) und entlasten dadurch Motorisolation und reduzieren Ableitströme
  • b) Sie erhöhen die Flankensteilheit am Motor
  • c) Sie ersetzen die geschirmte Motorleitung
  • d) Sie sind nur bei Gleichstrommotoren nötig

Richtig: a)

Erklärung: Richtig ist a. Motordrossel und du/dt-Filter senken das du/dt, was Motorisolation und EMV zugutekommt. Sie erhöhen die Flankensteilheit also nicht, sondern verringern sie; die Schirmung bleibt weiterhin nötig; und es geht um FU-gespeiste Drehstrommotoren, nicht um Gleichstrommotoren.

Eine sehr lange Motorleitung ist unvermeidbar. Welche Kombination ist fachlich am sinnvollsten?

  • a) Ungeschirmte Leitung, dafür dicker Querschnitt
  • b) Schirm nur einseitig auflegen, um Erdschleifen zu vermeiden
  • c) Geschirmte Leitung mit 360°-Auflage plus geeignetem Ausgangsfilter (z. B. Sinusfilter), Herstellergrenzen beachten
  • d) Mehrere kurze Leitungen lose zusammenklemmen

Richtig: c)

Erklärung: Richtig ist c. Bei langen Leitungen kombiniert man die geschirmte Leitung mit einem geeigneten Ausgangsfilter und hält die Herstellergrenzen ein. Eine ungeschirmte Leitung verzichtet auf die wichtigste Maßnahme; der Schirm nur einseitig unterbricht den HF-Rückweg; und mehrere kurze, lose zusammengeklemmte Leitungen sind praktisch wie elektrisch unsinnig.

Was beschreibt die EN IEC 61800-3 im Kern?

  • a) Die mechanischen Abmessungen von Motoren
  • b) EMV-Anforderungen an drehzahlveränderbare Antriebe, eingeteilt nach Einsatzumgebung
  • c) Die Berechnung des Motorwirkungsgrades
  • d) Die Farbcodierung von Aderleitungen

Richtig: b)

Erklärung: Richtig ist b. Die Norm regelt die EMV drehzahlveränderbarer Antriebe und unterscheidet nach Umgebung. Mit den mechanischen Abmessungen von Motoren, der Berechnung des Wirkungsgrades oder der Farbcodierung von Aderleitungen hat sie nichts zu tun.

Welche Beobachtung spricht am ehesten für eine kapazitive/induktive Nahfeldkopplung statt einer Strahlungskopplung?

  • a) Die Störung bleibt unverändert, egal wie die Leitungen liegen
  • b) Die Störung tritt nur bei abgeschaltetem FU auf
  • c) Die Störung hängt nur von der Netzspannung ab
  • d) Die Störung nimmt deutlich ab, sobald die Signalleitung weiter von der Motorleitung entfernt wird

Richtig: d)

Erklärung: Richtig ist d. Nahfeldkopplungen sind stark abstandsabhängig; mehr Abstand bringt sofort Besserung. Eine von der Leitungslage unabhängige Störung deutet eher auf galvanische Kopplung oder Einstrahlung; eine Störung bei abgeschaltetem FU ist unlogisch; und eine reine Abhängigkeit von der Netzspannung wäre ein Netzthema.

Glossar

EMV (elektromagnetische Verträglichkeit)
Zustand, in dem ein Gerät weder andere unzulässig stört noch selbst unzulässig gestört wird.
Emission
Die von einem Gerät ausgesendete elektromagnetische Störung; beim FU vor allem die steilen Schaltflanken.
Störfestigkeit
Fähigkeit eines Geräts, von außen einwirkende Störungen ohne Funktionsbeeinträchtigung auszuhalten.
IGBT
Schneller elektronischer Leistungsschalter im FU, der die Zwischenkreisspannung getaktet auf den Motor schaltet.
PWM (Pulsweitenmodulation)
Verfahren, bei dem aus einer getakteten Gleichspannung durch Variation der Pulsbreiten eine einstellbare Ausgangsspannung geformt wird.
du/dt
Spannungsänderung pro Zeit; ein Maß für die Steilheit der Schaltflanke. Große du/dt bedeutet hohe Frequenzanteile und damit starke Störung.
Gegentaktstörung
Störstrom, der auf Hin- und Rückleiter gegenläufig fließt und im Nutzstromkreis bleibt.
Gleichtaktstörung
Störstrom, der auf allen Leitern gleichgerichtet fließt und sich über die Erde zurück zur Quelle schließt.
Parasitäre Kapazität
Ungewollte, bauartbedingte Kapazität zwischen Leitern bzw. zwischen Wicklung und Gehäuse, über die bei steilen Flanken Ableitströme fließen.
Ableitstrom
Hochfrequenter Störstrom, der über parasitäre Kapazitäten gegen Erde fließt; zentrale Störgröße beim FU-Antrieb.
Galvanische Kopplung
Störübertragung über einen gemeinsam genutzten Leiter, an dem der Störstrom einen Spannungsabfall erzeugt.
Kapazitive Kopplung
Störübertragung über das elektrische Feld zwischen benachbarten Leitern.
Induktive Kopplung
Störübertragung über das magnetische Feld eines stromdurchflossenen Leiters in eine benachbarte Schleife.
Strahlungskopplung
Störübertragung als elektromagnetische Welle durch den Raum; eine ungeschirmte Leitung wirkt dabei als Antenne.
Erdschleife
Große geschlossene Schleife durch zwei getrennte Erdungspunkte und eine verbindende Leitung; fängt Störfelder ein.
Schirmgeflecht
Metallgeflecht um die Adern einer Leitung, das als Abschirmung und als Rückweg für Ableitströme dient.
360°-Schirmauflage
Rundum-Kontaktierung des Schirms über eine Schelle oder EMV-Verschraubung; niederimpedant für hohe Frequenzen.
Pigtail
Zu einem dünnen Zopf verdrillter Schirm; hat für hohe Frequenzen eine zu hohe Impedanz und entwertet die Schirmwirkung.
HF-Erdung
Erdung, die auch bei hohen Frequenzen niederimpedant ist; erfordert kurze, flächige Verbindungen statt langer Drähte.
Montageplatte
Blanke, leitfähige Rückwand im Schaltschrank, die als HF-Bezugsfläche für die flächige Anbindung der Geräte dient.
Schirmschiene
An die Montageplatte angebundene Metallschiene zur großflächigen Auflage der Leitungsschirme.
Netzfilter
Filter zwischen Netz und FU, das die ins Netz zurückwirkenden leitungsgebundenen Störungen dämpft.
Netzdrossel
Drossel auf der Netzseite zur Glättung des Stroms, Reduktion von Oberschwingungen und Schutz des Zwischenkreises.
Motordrossel / du/dt-Filter
Komponente auf der Motorseite, die die Flankensteilheit reduziert und so Ableitströme und Isolationsbelastung senkt.
Sinusfilter
Ausgangsfilter, das die gepulste FU-Spannung nahezu sinusförmig formt; ermöglicht lange Leitungen und entlastet den Motor.
Ferritkern
Über eine Leitung geschobener Magnetkern, der gezielt die Impedanz für Gleichtaktströme erhöht und einzelne Störungen dämpft.

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