Industrial Ethernet und EtherCAT
Ethernet steckt heute in fast jedem Büro – schnell, billig, überall verfügbar. Der Gedanke liegt nahe, dasselbe Kabel auch in der Maschine zu verwenden. Genau das tut die Automatisierungstechnik, aber nicht einfach so. Ein normaler Ethernet-Switch im Büro stört sich nicht daran, ob eine E-Mail eine Tausendstelsekunde früher oder später ankommt. Eine Maschinensteuerung, die zehn Servoachsen im Gleichtakt fahren muss, stört sich sehr wohl daran.
Dieser Beitrag zeigt, was Ethernet von der Büro- in die Industriewelt holt, und erklärt am Beispiel EtherCAT, wie man aus einem an sich „unpünktlichen“ Netzwerk ein hartes Echtzeitsystem macht.
Vorwissen
- Feldbus-Grundlagen
- Grundlagen industrieller Kommunikation
- Was ist eine SPS? Aufbau und Funktion
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, warum Standard-Ethernet ohne Anpassung nicht echtzeitfähig ist
- die wesentlichen Merkmale von Industrial Ethernet gegenüber Office-Ethernet benennen
- das Durchlaufprinzip von EtherCAT und die Rolle des EtherCAT Slave Controllers beschreiben
- die Buszykluszeit eines EtherCAT-Netzes grob abschätzen
- die wichtigsten Diagnosegrößen bei der Inbetriebnahme einordnen
1. Warum normales Ethernet in der Automatisierung nicht reicht
Ein Feldbus hat eine klare Aufgabe: Steuerung, Sensoren und Aktoren so miteinander zu verbinden, dass Signale verlässlich und in vorhersehbarer Zeit ankommen. Klassische Feldbusse wie PROFIBUS lösen das gut, stoßen aber bei Datenmenge und Geschwindigkeit an Grenzen. Ethernet wäre die naheliegende Lösung – schnell und standardisiert. (Den grundsätzlichen Aufbau und die Aufgaben eines Feldbusses behandelt ein eigener Beitrag.)
Das Problem steckt im Determinismus – der Eigenschaft eines Systems, dass eine Reaktion garantiert innerhalb einer festen Zeit erfolgt. Genau das fehlt dem klassischen Ethernet. Im ursprünglichen Ethernet teilen sich mehrere Teilnehmer eine Leitung. Wollen zwei gleichzeitig senden, kommt es zur Kollision. Das Verfahren dahinter, CSMA/CD (Carrier Sense Multiple Access with Collision Detection), erkennt die Kollision, lässt beide eine zufällige Zeit warten und neu senden. Für eine E-Mail egal. Für eine Maschine ein Albtraum: Niemand kann garantieren, wann ein Telegramm ankommt.
Zwei Begriffe sind hier zentral. Die Latenz ist die Verzögerung, bis ein Signal sein Ziel erreicht. Der Jitter ist die Schwankung dieser Verzögerung von Mal zu Mal. Für eine Regelung ist nicht primär eine kleine Latenz entscheidend, sondern ein kleiner Jitter – die Steuerung muss sich darauf verlassen können, dass jeder Wert im immer gleichen Takt eintrifft. Diesen festen Takt nennt man Zykluszeit.
Die erste Voraussetzung, um Ethernet überhaupt brauchbar zu machen, schafft moderne Technik fast nebenbei: Heutige Netze sind geschaltet (Switched Ethernet) und arbeiten im Vollduplex-Betrieb. Jeder Teilnehmer hat seine eigene Punkt-zu-Punkt-Verbindung zum Switch, senden und empfangen laufen gleichzeitig auf getrennten Adernpaaren. Kollisionen im alten Sinn gibt es damit nicht mehr – CSMA/CD ist praktisch arbeitslos. Das allein macht Ethernet aber noch nicht echtzeitfähig, denn ein Switch kann Telegramme zwischenpuffern und verzögern. Der eigentliche Trick kommt erst in den folgenden Kapiteln.
Warum ist für eine Achsregelung ein geringer Jitter wichtiger als eine besonders kleine Latenz?
- a) Weil eine kleine Latenz technisch unmöglich ist
- b) Weil die Regelung konstante, vorhersehbare Zeitabstände zwischen den Werten braucht
- c) Weil Jitter den Energieverbrauch senkt
- d) Weil die Latenz nur bei Funkverbindungen eine Rolle spielt
Richtig: b)
Eine Regelung rechnet mit festen Abtastzeitpunkten. Schwankt der Abstand zwischen den Werten (Jitter), passt das interne Zeitmodell nicht mehr, und die Regelung wird instabil. Eine konstant etwas größere Latenz lässt sich dagegen einrechnen. Antworten a, c und d treffen den Zusammenhang nicht.
Welche Aussage zu CSMA/CD im Zusammenhang mit moderner Automatisierung ist korrekt?
- a) Es wird in geschaltetem Vollduplex-Ethernet praktisch nicht mehr gebraucht
- b) Es garantiert feste Übertragungszeiten
- c) Es erhöht die Datenrate gegenüber Vollduplex
- d) Es ist Voraussetzung für Echtzeitbetrieb
Richtig: a)
CSMA/CD is ein Verfahren zur Kollisionsbehandlung auf gemeinsam genutzten Leitungen. In geschaltetem Vollduplex-Betrieb hat jeder Teilnehmer eine eigene Verbindung, Kollisionen treten nicht mehr auf, das Verfahren läuft ins Leere. Es garantiert keine festen Zeiten (b), erhöht keine Datenrate (c) und ist gerade kein Echtzeit-Garant (d).
2. Was Industrial Ethernet ausmacht
Industrial Ethernet ist kein einzelnes Produkt, sondern ein Sammelbegriff für Ethernet, das für den industriellen Einsatz angepasst wurde. Die Anpassung passiert auf zwei Ebenen: physikalisch robust und zeitlich verlässlich.
Physikalisch heißt das: geschirmte Leitungen gegen elektromagnetische Störungen, verriegelbare und vibrationsfeste Steckverbinder statt der wackeligen Büro-Variante, eine hohe Schutzart gegen Staub und Feuchtigkeit sowie eine ausgelegte EMV (elektromagnetische Verträglichkeit). Im Schaltschrank und an der Maschine herrschen andere Bedingungen als unter dem Schreibtisch.
Zeitlich unterscheidet man grob drei Echtzeitklassen. Nicht-echtzeitfähiger Verkehr läuft über den normalen Protokollstapel und ist für Parametrierung oder Diagnose völlig ausreichend. Weiche Echtzeit toleriert gelegentliche Verzögerungen, etwa bei einfacher Visualisierung. Harte Echtzeit verlangt garantierte Zeiten im Mikrosekundenbereich, oft sogar isochron – alle Teilnehmer arbeiten synchron im selben Takt, wie es Motion Control für die Achssynchronisation braucht.
Bei der Topologie, der physikalischen Anordnung der Teilnehmer, sind in der Industrie vor allem drei Formen verbreitet:
- Stern: Jeder Teilnehmer hängt einzeln am zentralen Switch.
- Linie: Teilnehmer in Reihe durchverkabelt, einer nach dem anderen.
- Ring: Linie zum geschlossenen Ring – bietet Redundanz bei Kabelbruch.
Die Linientopologie spart in der Maschine viel Kabel, weil man von Gerät zu Gerät weiterverdrahtet, statt jedes Gerät einzeln zum Schaltschrank zu führen. Der Ring ergänzt das um Ausfallsicherheit: Bricht eine Leitung, läuft die Kommunikation über den anderen Weg weiter.
Auf dem Markt gibt es mehrere Industrial-Ethernet-Systeme, die sich technisch teils deutlich unterscheiden. Die wichtigsten sind PROFINET (im Siemens-Umfeld weit verbreitet), EtherNet/IP (vor allem im amerikanischen Raum), POWERLINK (aus dem B&R-Ökosystem, im deutschsprachigen Raum und besonders in Österreich stark vertreten) und EtherCAT, das den Rest dieses Beitrags trägt. PROFINET wird in einem eigenen Beitrag ausführlich behandelt; hier reicht das Wissen, dass es eines der führenden Systeme ist.
Ein Maschinenbauer will mit möglichst wenig Kabelaufwand zehn Antriebe entlang einer langen Förderstrecke anbinden und braucht keine Redundanz. Welche Topologie passt am besten?
- a) Linie
- b) Stern mit zentralem Switch und Einzelkabeln
- c) Doppelstern
- d) Punkt-zu-Punkt zu jedem Antrieb separat
Richtig: a)
Bei der Linientopologie wird von Gerät zu Gerät weiterverdrahtet, das spart bei einer langen Strecke erheblich Kabel. Ein Stern (b) oder separate Einzelverbindungen (d) würden jeweils ein eigenes Kabel bis zum Schaltschrank verlangen. Ein Doppelstern (c) ist hier überdimensioniert. Redundanz ist nicht gefordert, also braucht es keinen Ring.
Welche Eigenschaft beschreibt isochrone harte Echtzeit am treffendsten?
- a) Daten kommen irgendwann zuverlässig an
- b) Gelegentliche Verzögerungen sind erlaubt
- c) Alle Teilnehmer arbeiten synchron im selben festen Takt
- d) Die Übertragung läuft ausschließlich über TCP/IP
Richtig: c)
Isochron bedeutet gleichgetaktet – alle Teilnehmer führen ihre Aktionen im selben, exakt synchronisierten Takt aus, was für Achssynchronisation nötig ist. Antwort a beschreibt nicht-echtzeitfähigen Verkehr, b weiche Echtzeit. TCP/IP (d) ist gerade nicht der Weg für harte Echtzeit.
Warum wird in Industrieumgebungen meist geschirmte Leitung mit ausgelegter EMV verwendet?
- a) Um die Datenrate über 100 Mbit/s zu heben
- b) Weil ungeschirmte Leitung in der Industrie verboten ist
- c) Um die Leitung mechanisch steifer zu machen
- d) Um Störeinflüsse durch Motoren, Umrichter und Schaltvorgänge abzuwehren
Richtig: d)
In der Maschine erzeugen Frequenzumrichter, schaltende Schütze und Motoren starke elektromagnetische Störungen. Schirmung und EMV-gerechter Aufbau halten diese vom Signal fern. Die Datenrate (a) hängt nicht an der Schirmung, ein generelles Verbot (b) gibt es nicht, mechanische Steifigkeit (c) ist nicht der Zweck.
3. Echtzeit auf Ethernet – wie schafft man Determinismus?
Wenn geschaltetes Vollduplex-Ethernet allein noch keine Garantie gibt, wie kommt der Determinismus dann zustande? Es gibt drei grundsätzlich verschiedene Wege, und sie unterscheiden sich darin, wie tief sie in das normale Ethernet eingreifen.
Der erste Weg lässt das normale Ethernet unangetastet und schickt die Automatisierungsdaten einfach über den üblichen TCP/IP-Stapel. Das ist unkompliziert und reicht für unkritische Aufgaben wie Parametrierung oder Datenaufzeichnung. Echtzeit ist damit aber nicht zu machen, weil der Protokollstapel selbst schwankende Verzögerungen einbaut.
Der zweite Weg lässt den Standard-Verkehr weiterlaufen, schiebt aber den zeitkritischen Datenverkehr an diesem Stapel vorbei und priorisiert ihn. Damit lassen sich weiche und sogar harte Echtzeit erreichen. Wichtig wird hier die Zeitsynchronisation: Alle Teilnehmer brauchen eine gemeinsame, sehr genaue Uhr, damit sie ihre Aktionen im selben Moment ausführen.
Der dritte Weg geht am radikalsten vor und verlagert die zeitkritische Verarbeitung in dedizierte Hardware. Nicht mehr ein Software-Stapel entscheidet, wann ein Teilnehmer Daten liest oder schreibt, sondern ein spezieller Baustein erledigt das im Takt der durchlaufenden Telegramme. Genau diesen Weg geht EtherCAT – und gerade weil er die Verarbeitung aus der Software herauszieht, erreicht er die höchsten Geschwindigkeiten.
Eine Anlage überträgt Maschinenparameter zur Dokumentation an einen Server, ohne Zeitanforderung, und steuert gleichzeitig Servoachsen im Mikrosekundentakt. Welche Einordnung passt?
- a) Beide Aufgaben brauchen harte Echtzeit
- b) Die Dokumentation kann über den normalen Stapel laufen, die Achssteuerung braucht harte Echtzeit
- c) Beide Aufgaben kommen mit nicht-echtzeitfähigem Verkehr aus
- d) Die Achssteuerung läuft am besten über TCP/IP
Richtig: b)
Die Dokumentation ist zeitunkritisch und kann den normalen Protokollstapel nutzen. Die Achssteuerung dagegen verlangt garantierte Zeiten und damit harte Echtzeit. Antwort a überzieht, c unterschätzt die Achssteuerung, und d wählt für die kritische Aufgabe ausgerechnet den nicht-echtzeitfähigen Weg.
Warum ist eine genaue gemeinsame Zeitbasis für harte Echtzeit über einen priorisierten Kanal wichtig?
- a) Damit die Datenrate steigt
- b) Damit der TCP/IP-Stapel schneller arbeitet
- c) Damit weniger Kabel nötig ist
- d) Damit die Teilnehmer ihre Aktionen exakt im selben Moment ausführen können
Richtig: d)
Synchrones Handeln setzt voraus, dass alle Teilnehmer dieselbe Uhrzeit kennen. Nur so feuern Ein- und Ausgänge im gleichen Augenblick. Datenrate (a), Stapelgeschwindigkeit (b) und Kabelmenge (c) hängen nicht an der Zeitsynchronisation.
4. EtherCAT – das Durchlaufprinzip
EtherCAT arbeitet nach dem Master/Slave-Prinzip. Ein einziger Master – meist die Steuerung – gibt den Takt vor und schickt Telegramme los. Die Slaves sind die Teilnehmer an der Strecke: Antriebe, E/A-Module, Sensoren. Das Besondere ist, wie die Daten verteilt werden.
Bei klassischen Systemen schickt der Master für jeden Teilnehmer ein eigenes Telegramm und wartet jeweils auf Antwort. Das kostet Zeit. EtherCAT macht es umgekehrt: Der Master schickt ein einziges Telegramm los, das durch alle Slaves nacheinander hindurchläuft. Jeder Slave liest im Vorbeifluss die für ihn bestimmten Daten heraus und schreibt seine eigenen Daten in dasselbe Telegramm hinein – während das Telegramm weiterläuft. Dieses Prinzip heißt Processing on the fly (Verarbeitung im Durchlauf).
Physikalisch sind die Slaves meist als Linie verdrahtet, logisch bilden sie aber einen Ring: Das Telegramm läuft bis zum letzten Teilnehmer durch, wird dort umgekehrt und kehrt durch dieselben Geräte zum Master zurück. Auf dem Hinweg und Rückweg passiert es jeden Slave – die eigentliche Verarbeitung erledigt der Slave im Durchlauf.
Damit das funktioniert, kann kein gewöhnlicher Ethernet-Controller eingesetzt werden. Der liest erst das ganze Telegramm ein, gibt es an die Software weiter und schickt erst dann eine Antwort – viel zu langsam. EtherCAT-Slaves enthalten stattdessen einen dedizierten Hardware-Baustein, den EtherCAT Slave Controller (ESC). Dieser ist als ASIC oder FPGA ausgeführt und verarbeitet das durchlaufende Telegramm direkt in Hardware: Er erkennt die für ihn bestimmten Datenbereiche und liest beziehungsweise schreibt sie quasi „im Vorbeifahren“, während das Telegramm weiterläuft. Genau hier liegt der Geschwindigkeitsvorteil – die Verzögerung pro Slave liegt nur im Bereich weniger Nanosekunden, weil kein Software-Stapel dazwischenfunkt.
Was beschreibt das Processing-on-the-fly-Prinzip bei EtherCAT korrekt?
- a) Der Master fragt jeden Slave einzeln nacheinander ab
- b) Jeder Slave speichert das Telegramm komplett und sendet ein neues
- c) Ein durchlaufendes Telegramm wird von jedem Slave im Vorbeifluss gelesen und beschrieben
- d) Die Daten werden per WLAN übertragen
Richtig: c)
Bei EtherCAT durchläuft ein gemeinsames Telegramm alle Slaves, jeder entnimmt und ergänzt seine Daten während des Durchlaufs. Einzelabfrage (a) ist gerade der langsame klassische Weg, vollständiges Zwischenspeichern (b) würde den Vorteil zunichtemachen, und WLAN (d) spielt hier keine Rolle.
Warum reicht ein gewöhnlicher Ethernet-Controller für einen EtherCAT-Slave nicht aus?
- a) Weil er das Telegramm erst komplett einliest und per Software verarbeitet, was zu langsam ist
- b) Weil er keine Schirmung
- c) Weil er nur Vollduplex kann
- d) Weil er keine IP-Adressen kennt
Richtig: a)
Ein Standard-Controller nimmt das ganze Telegramm auf, reicht es an die Software weiter und antwortet erst danach – diese Software-Latenz ist für das Durchlaufprinzip zu hoch. Der ESC verarbeitet stattdessen in Hardware. Schirmung (b) ist eine Eigenschaft der Leitung, Vollduplex (c) ist erwünscht, IP-Adressen (d) sind hier nebensächlich.
Welche Rolle spielt der EtherCAT Slave Controller (ESC)?
- a) Er versorgt den Slave mit Spannung
- b) Er ist ein dedizierter Hardware-Baustein, der Prozessdaten im Durchlauf verarbeitet
- c) Er ersetzt den Master
- d) Er speichert das Anwenderprogramm der SPS
Richtig: b)
Der ESC ist als ASIC oder FPGA realisiert und entnimmt beziehungsweise schreibt die Prozessdaten direkt im durchlaufenden Telegramm – das ist der Kern der hohen Geschwindigkeit. Spannungsversorgung (a), Master-Funktion (c) und SPS-Programmspeicher (d) sind nicht seine Aufgabe.
5. Zykluszeit und Datenrate berechnen
Wie schnell ein EtherCAT-Netz seine Daten austauscht, hängt von drei Größen ab: wie viele Teilnehmer es gibt, wie viele Prozessdaten jeder davon austauscht und mit welcher Übertragungsrate gefahren wird. Daraus lässt sich die Buszykluszeit grob abschätzen.
Zuerst die reine Datenmenge. Jeder Slave trägt eine gewisse Anzahl Bytes an Prozessdaten bei. Bei N Slaves mit jeweils B Bytes ergibt das die Nutzdatenmenge:
D = N * B
- D … Nutzdaten in Byte
- N … Anzahl der Slaves
- B … Prozessdaten je Slave in Byte
Die Übertragungszeit dieser Nutzdaten ergibt sich aus der Datenmenge und der Übertragungsrate. Ein Byte hat 8 Bit, die Rate ist in Bit pro Sekunde anzusetzen:
t_daten = (D * 8) / v
- t_daten … reine Datenübertragungszeit in s
- D … Nutzdaten in Byte
- v … Übertragungsrate in Bit/s
Damit is es aber nicht getan. Jeder Ethernet-Rahmen schleppt einen festen Overhead mit – Präambel, Header, Prüfsumme (FCS) und die Pause zwischen zwei Rahmen (Interframe Gap). Dieser Overhead beträgt rund 38 Byte je Rahmen und muss zur Nutzdatenmenge addiert werden, um die tatsächliche Rahmenlaufzeit zu bekommen:
t_rahmen = ((D + O) * 8) / v
- t_rahmen … gesamte Rahmenlaufzeit in s
- D … Nutzdaten in Byte
- O … Overhead in Byte (rund 38)
- v … Übertragungsrate in Bit/s
Aus der Rahmenlaufzeit folgt die theoretisch maximale Zyklusfrequenz – wie oft pro Sekunde sich der Datensatz im Idealfall austauschen ließe:
f_max = 1 / t_rahmen
- f_max … maximale Zyklusfrequenz in 1/s
- t_rahmen … gesamte Rahmenlaufzeit in s
Das ist eine optimistische Abschätzung. In der Praxis kommen Laufzeiten in den Leitungen, die Durchlaufverzögerung der ESC und Sicherheitsreserven hinzu, sodass die real eingestellte Zykluszeit größer ausfällt. Für ein Gefühl der Größenordnung reicht die Rechnung aber gut.
Gelöstes Beispiel
Ein EtherCAT-Netz hat 40 Slaves, jeder tauscht 6 Byte Prozessdaten aus. Die Übertragungsrate beträgt 100 Mbit/s. Wie groß ist die reine Datenübertragungszeit und die gesamte Rahmenlaufzeit?
Gegeben: N = 40 Slaves, B = 6 Byte, v = 100 Mbit/s = 100 000 000 Bit/s, O = 38 Byte
Gesucht: t_daten in µs und t_rahmen in µs
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Nutzdaten: D = N * B = 40 * 6 = 240 Byte
- Schritt 2 — reine Datenübertragungszeit: t_daten = (240 * 8) / 100 000 000 = 1920 / 100 000 000 = 0,0000192 s = 19,2 µs
- Schritt 3 — Rahmenlaufzeit mit Overhead: t_rahmen = ((240 + 38) * 8) / 100 000 000 = 2224 / 100 000 000 = 0,00002224 s = 22,24 µs
Ergebnis: Die reine Datenübertragungszeit beträgt 19,2 µs, die gesamte Rahmenlaufzeit rund 22,24 µs.
Übungen
Ein Netz hat 10 Slaves mit je 4 Byte Prozessdaten bei 100 Mbit/s. Berechne die reine Datenübertragungszeit.
D = 10 · 4 = 40 Byte; t_daten = (40 · 8) / 100 000 000 = 3,2 µs.
Wie groß ist bei derselben Konfiguration (10 Slaves, 4 Byte, 100 Mbit/s) die gesamte Rahmenlaufzeit inklusive 38 Byte Overhead?
t_rahmen = ((40 + 38) · 8) / 100 000 000 = 624 / 100 000 000 = 6,24 µs.
Ein Netz hat 60 Slaves mit je 10 Byte bei 100 Mbit/s. Berechne die gesamte Rahmenlaufzeit.
D = 60 · 10 = 600 Byte; t_rahmen = ((600 + 38) · 8) / 100 000 000 = 5104 / 100 000 000 = 51,04 µs.
Welche maximale Zyklusfrequenz ergibt sich aus Aufgabe 3?
f_max = 1 / 51,04 µs = 1 / 0,00005104 s ≈ 19 592 1/s, also rund 19,6 kHz.
Ein Netz mit 100 Slaves zu je 8 Byte soll mit einer Zykluszeit von höchstens 250 µs laufen. Reicht 100 Mbit/s rechnerisch für die Rahmenlaufzeit, und wie viel Reserve bleibt?
D = 100 · 8 = 800 Byte; t_rahmen = ((800 + 38) · 8) / 100 000 000 = 6704 / 100 000 000 = 67,04 µs. Das liegt deutlich unter 250 µs, es bleiben rund 183 µs Reserve für Leitungslaufzeiten, ESC-Durchlauf und Sicherheitsabstand.
Ein Netz mit 20 Slaves zu je 5 Byte läuft mit 100 Mbit/s. Welche Aussage zur reinen Datenübertragungszeit ist korrekt?
- a) Sie beträgt rund 0,8 µs
- b) Sie beträgt rund 80 µs
- c) Sie ist unabhängig von der Datenmenge
- d) Sie beträgt rund 8 µs
Richtig: d)
D = 20 · 5 = 100 Byte; t = (100 · 8) / 100 000 000 = 800 / 100 000 000 = 8 · 10⁻⁶ s = 8 µs. Antwort a ist um Faktor 10 zu klein, b um Faktor 10 zu groß, und c widerspricht der Formel.
Warum liegt die tatsächlich eingestellte Zykluszeit über dem rein rechnerischen Wert?
- a) Weil der Overhead in der Rechnung vergessen wurde
- b) Weil die Übertragungsrate in der Praxis höher ist
- c) Weil Leitungslaufzeiten, ESC-Durchlaufverzögerung und Sicherheitsreserven hinzukommen
- d) Weil die Slaves langsamer senden als der Master
Richtig: c)
Die Formel erfasst Nutzdaten und Rahmen-Overhead, aber nicht die physikalische Signallaufzeit auf den Kabeln, die kleine Verzögerung in jedem ESC und nötige Reserven. Deshalb liegt der reale Wert höher. Der Overhead ist gerade einbezogen (a), eine höhere Rate (b) würde die Zeit verkürzen, und d trifft das Prinzip nicht.
Welchen Einfluss hat eine Verdopplung der Prozessdaten je Slave auf die Rahmenlaufzeit, wenn der Overhead konstant bleibt?
- a) Der Nutzdatenanteil der Laufzeit verdoppelt sich, der Overhead-Anteil bleibt gleich
- b) Die Rahmenlaufzeit verdoppelt sich exakt
- c) Die Rahmenlaufzeit bleibt unverändert
- d) Die Rahmenlaufzeit halbiert sich
Richtig: a)
Nur der Nutzdatenteil (N · B) wächst mit den Prozessdaten, der feste Overhead von 38 Byte bleibt gleich. Die Gesamtlaufzeit steigt also, aber nicht exakt aufs Doppelte, weil der Overhead-Anteil unverändert bleibt. Daher sind b, c und d falsch.
6. Anwendung, Diagnose und Inbetriebnahme
EtherCAT ist überall dort zu Hause, wo viele Teilnehmer schnell und synchron arbeiten müssen. Klassisch sind das Maschinensteuerungen mit vielen E/A-Punkten und vor allem Motion Control – die koordinierte Bewegung mehrerer Achsen. Wenn ein Portalroboter zwei Achsen exakt gleichzeitig fahren muss oder eine Druckmaschine Dutzende Walzen im Gleichlauf hält, ist die synchrone Datenverteilung der entscheidende Vorteil.
In der Verkabelung profitiert man vom Durchlaufprinzip: Die Geräte werden in Linie verdrahtet, von einem zum nächsten, oft direkt an der Maschine entlang. Ein eigener Switch ist nicht nötig, die Slaves leiten das Telegramm selbst weiter. Die Adressierung der Teilnehmer erledigt der Master automatisch über ihre physikalische Position in der Linie – beim Hochlauf zählt er die Slaves der Reihe nach durch. Man muss also nicht jeden Teilnehmer von Hand mit einer Adresse versehen.
Für die Inbetriebnahme und Fehlersuche ist eine Größe besonders wichtig: der CRC-Fehlerzähler. Jeder Slave prüft per CRC (Cyclic Redundancy Check, zyklische Blockprüfung) jedes ankommende Telegramm auf Übertragungsfehler. Stimmt die Prüfsumme nicht, zählt der Slave intern einen CRC-Fehlerzähler hoch. Steigende CRC-Fehlerzähler an einer bestimmten Stelle der Strecke sind das deutlichste Zeichen für ein Problem auf der Leitung – ein schlecht aufgelegter Stecker, eine mangelhafte Schirmung oder ein angeschlagenes Kabel. Weil der Zähler genau dem Slave zugeordnet ist, an dem die Fehler auftreten, lässt sich die fehlerhafte Stelle eingrenzen, ohne die ganze Strecke abzusuchen.
Bei einer EtherCAT-Inbetriebnahme steigen die CRC-Fehlerzähler ausschließlich ab einem bestimmten Slave und allen dahinter. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?
- a) Der Master ist falsch parametriert
- b) Die Übertragungsrate ist zu hoch eingestellt
- c) Ein Leitungs- oder Schirmungsproblem genau vor diesem Slave
- d) Die Prozessdaten sind zu klein
Richtig: c)
CRC-Fehler entstehen durch gestörte Übertragung. Treten sie ab einer bestimmten Stelle auf, liegt das Problem auf dem Leitungsabschnitt davor – etwa ein schlechter Stecker oder mangelhafte Schirmung. Ein Master-Fehler (a) würde sich nicht auf einen Streckenabschnitt beschränken, die Rate (b) und die Prozessdatengröße (d) erzeugen keine CRC-Fehler.
Warum muss bei EtherCAT in Linientopologie nicht jeder Slave von Hand adressiert werden?
- a) Weil alle Slaves dieselbe Adresse haben
- b) Weil der Master die Slaves automatisch über ihre Position in der Linie durchzählt
- c) Weil EtherCAT ohne Adressen arbeitet
- d) Weil die Adressen per DHCP-Server vergeben werden
Richtig: b)
Der Master erkennt beim Hochlauf die Reihenfolge der Slaves in der Linie und vergibt die Adressierung anhand der physikalischen Position automatisch. Gleiche Adressen für alle (a) wäre unbrauchbar, ganz ohne Adressen (c) ginge keine gezielte Datenzuordnung, und ein DHCP-Server (d) gehört zur IP-Welt, nicht zum EtherCAT-Durchlaufprinzip.
Eine Maschine nutzt reine Linientopologie. Ein Kabel in der Mitte der Strecke bricht. Was passiert?
- a) Nur der eine Slave direkt am Bruch fällt aus
- b) Die ganze Anlage läuft unverändert weiter
- c) Der Master schaltet automatisch auf WLAN um
- d) Alle Teilnehmer hinter der Bruchstelle sind nicht mehr erreichbar
Richtig: d)
In der Linie läuft das Telegramm von Gerät zu Gerät. Bricht die Verbindung, erreicht es alle dahinterliegenden Slaves nicht mehr. Nur der eine Slave (a) wäre zu optimistisch, unverändertes Weiterlaufen (b) gäbe es nur mit Ringredundanz, und eine WLAN-Umschaltung (c) ist nicht vorgesehen.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein EtherCAT-Netz hat 30 Slaves mit je 8 Byte Prozessdaten bei 100 Mbit/s. Berechne die reine Datenübertragungszeit.
Gegeben: N = 30; B = 8 Byte; v = 100 Mbit/s = 100 000 000 Bit/s
Gesucht: t_daten in µs
Lösungsweg:
D = 30 · 8 = 240 Byte; t_daten = (240 · 8) / 100 000 000 = 1920 / 100 000 000 = 0,0000192 s
Ergebnis: t_daten = 19,2 µs
Aufgabe 2: Berechne für dieselbe Konfiguration (30 Slaves, 8 Byte, 100 Mbit/s) die gesamte Rahmenlaufzeit mit 38 Byte Overhead.
Gegeben: N = 30; B = 8 Byte; O = 38 Byte; v = 100 000 000 Bit/s
Gesucht: t_rahmen in µs
Lösungsweg:
D = 240 Byte; t_rahmen = ((240 + 38) · 8) / 100 000 000 = 2224 / 100 000 000 = 0,00002224 s
Ergebnis: t_rahmen = 22,24 µs
Aufgabe 3: Ein Netz hat 80 Slaves zu je 12 Byte bei 100 Mbit/s. Berechne die gesamte Rahmenlaufzeit.
Gegeben: N = 80; B = 12 Byte; O = 38 Byte; v = 100 000 000 Bit/s
Gesucht: t_rahmen in µs
Lösungsweg:
D = 80 · 12 = 960 Byte; t_rahmen = ((960 + 38) · 8) / 100 000 000 = 7984 / 100 000 000 = 0,00007984 s
Ergebnis: t_rahmen = 79,84 µs
Aufgabe 4: Welche maximale Zyklusfrequenz ergibt sich aus Aufgabe 3?
Gegeben: t_rahmen = 79,84 µs = 0,00007984 s
Gesucht: f_max in 1/s
Lösungsweg:
f_max = 1 / 0,00007984 s ≈ 12 525 1/s
Ergebnis: f_max ≈ 12,5 kHz
Aufgabe 5: Ein Netz mit 25 Slaves zu je 4 Byte läuft bei 100 Mbit/s. Berechne reine Datenübertragungszeit und gesamte Rahmenlaufzeit.
Gegeben: N = 25; B = 4 Byte; O = 38 Byte; v = 100 000 000 Bit/s
Gesucht: t_daten und t_rahmen in µs
Lösungsweg:
D = 25 · 4 = 100 Byte; t_daten = (100 · 8) / 100 000 000 = 8 µs; t_rahmen = ((100 + 38) · 8) / 100 000 000 = 1104 / 100 000 000 = 11,04 µs
Ergebnis: t_daten = 8 µs; t_rahmen = 11,04 µs
Aufgabe 6: Ein Netz mit 50 Slaves zu je 16 Byte soll eine Zykluszeit von höchstens 200 µs einhalten. Reicht die Rahmenlaufzeit bei 100 Mbit/s rechnerisch aus?
Gegeben: N = 50; B = 16 Byte; O = 38 Byte; v = 100 000 000 Bit/s; Vorgabe 200 µs
Gesucht: t_rahmen in µs und Vergleich
Lösungsweg:
D = 50 · 16 = 800 Byte; t_rahmen = ((800 + 38) · 8) / 100 000 000 = 6704 / 100 000 000 = 67,04 µs
Ergebnis: t_rahmen = 67,04 µs, liegt deutlich unter 200 µs – rechnerisch reicht es mit großer Reserve.
Welche Eigenschaft fehlt dem klassischen Standard-Ethernet, weshalb es ohne Anpassung nicht für harte Echtzeit taugt?
- a) Eine ausreichende Datenrate
- b) Die Möglichkeit, Kabel zu verlegen
- c) Determinismus, also garantierte Reaktionszeiten
- d) Eine Stromversorgung
Richtig: c)
Standard-Ethernet bietet keine Garantie, wann ein Telegramm ankommt – ihm fehlt der Determinismus. Die Datenrate (a) ist reichlich vorhanden, Verkabelung (b) und Stromversorgung (d) sind keine Echtzeitfragen.
Ein Inbetriebnehmer beobachtet konstant null CRC-Fehler über alle Slaves, aber ein einzelner Antrieb läuft nicht synchron. Was lässt sich über die Leitung sagen?
- a) Die Leitung ist die Ursache, die Schirmung ist defekt
- b) Die Übertragung ist physikalisch in Ordnung, das Problem liegt woanders
- c) Der CRC-Zähler ist für diese Beurteilung nutzlos
- d) Alle Slaves müssen neu adressiert werden
Richtig: b)
Null CRC-Fehler bedeuten, dass die Telegramme fehlerfrei ankommen – die physikalische Strecke ist gesund. Das Synchronproblem hat dann eine andere Ursache, etwa Parametrierung oder Konfiguration. Eine defekte Schirmung (a) würde CRC-Fehler erzeugen, der Zähler ist gerade aussagekräftig (c), und Neuadressierung (d) ist nicht angezeigt.
Warum ist der ESC der Schlüssel zur Geschwindigkeit von EtherCAT?
- a) Er erhöht die Übertragungsrate des Kabels
- b) Er verkürzt die physikalische Leitung
- c) Er ersetzt die Prüfsumme
- d) Er verarbeitet das Telegramm in Hardware ohne Software-Latenz
Richtig: d)
Der ESC erledigt das Lesen und Schreiben der Prozessdaten direkt in Hardware, während das Telegramm durchläuft – ohne den Umweg über einen Software-Stapel und dessen Verzögerung. Die Kabel-Datenrate (a) ist davon unberührt, die Leitungslänge (b) ändert er nicht, und die Prüfsumme (c) bleibt erhalten.
Eine Anlage braucht Ausfallsicherheit gegen einen einzelnen Kabelbruch, ohne dass die halbe Strecke wegfällt. Welche Maßnahme greift?
- a) Ringtopologie mit Redundanz
- b) Reine Linientopologie
- c) Höhere Übertragungsrate
- d) Mehr Prozessdaten je Slave
Richtig: a)
Die Ringtopologie hält bei einem Kabelbruch die Kommunikation über den zweiten Weg aufrecht. Die reine Linie (b) verliert alles hinter der Bruchstelle, eine höhere Rate (c) und mehr Prozessdaten (d) haben mit Ausfallsicherheit nichts zu tun.
Welcher der folgenden Wege erreicht KEINE harte Echtzeit?
- a) Priorisierter Kanal neben dem Stapel mit Zeitsynchronisation
- b) Verarbeitung in dedizierter Hardware wie bei EtherCAT
- c) Übertragung der zeitkritischen Daten über den normalen TCP/IP-Stapel
- d) Isochroner Betrieb mit gemeinsamer Zeitbasis
Richtig: c)
Der normale TCP/IP-Stapel baut schwankende Verzögerungen ein und taugt nicht für harte Echtzeit. Der priorisierte Kanal (a), die Hardware-Verarbeitung (b) und der isochrone Betrieb (d) sind gerade die Wege zu garantierten Zeiten.
Ein Slave sitzt direkt neben einem großen Frequenzumrichter, und genau dort steigen die CRC-Fehler. Welche Maßnahme ist am sinnvollsten?
- a) Die Prozessdatenmenge erhöhen
- b) Den Master austauschen
- c) Die Zykluszeit verkürzen
- d) Schirmauflage prüfen und Leitungsführung verbessern
Richtig: d)
CRC-Fehler neben einem Umrichter deuten auf EMV-Einkopplung. Eine saubere Schirmauflage und eine andere Leitungsführung weg von der Störquelle beheben das. Mehr Prozessdaten (a) oder eine kürzere Zykluszeit (c) verschärfen das Problem eher, ein Master-Tausch (b) trifft die Ursache nicht.
Was beschreibt die Linientopologie bei EtherCAT korrekt?
- a) Die Slaves werden von einem zum nächsten durchverkabelt
- b) Jeder Slave hat ein eigenes Kabel zum zentralen Switch
- c) Alle Slaves sind drahtlos verbunden
- d) Es ist nur ein einziger Slave erlaubt
Richtig: a)
Bei der Linientopologie reicht das Telegramm von Gerät zu Gerät weiter, die Geräte sind in Reihe durchverkabelt – das spart Kabel. Einzelkabel zum Switch (b) wäre der Stern, drahtlos (c) ist nicht vorgesehen, und die Teilnehmerzahl (d) ist nicht auf eins begrenzt.
Warum bildet EtherCAT trotz physikalischer Linie logisch einen Ring?
- a) Weil das Kabel rund verlegt wird
- b) Weil das Telegramm bis zum letzten Slave läuft und durch dieselben Geräte zum Master zurückkehrt
- c) Weil jeder Slave ein eigenes Telegramm zurückschickt
- d) Weil ein zweites Kabel parallel verlegt wird
Richtig: b)
Das Telegramm durchläuft alle Slaves bis zum Ende, wird dort umgekehrt und läuft denselben Pfad zum Master zurück – logisch ein Ring, physikalisch eine Linie. Die Kabelverlegung (a) ist nicht gemeint, einzelne Rücktelegramme (c) widersprechen dem Durchlaufprinzip, und ein Parallelkabel (d) gehört zur Ringredundanz, nicht zur logischen Ringstruktur.
Welche Größe muss zur Nutzdatenmenge addiert werden, um die tatsächliche Rahmenlaufzeit zu berechnen?
- a) Die Anzahl der Switches
- b) Die Leitungslänge in Metern
- c) Der feste Ethernet-Overhead aus Präambel, Header, FCS und Interframe Gap
- d) Die Anzahl der Frequenzumrichter
Richtig: c)
Jeder Ethernet-Rahmen trägt rund 38 Byte festen Overhead, der zur Nutzdatenmenge addiert werden muss. Switches (a), Leitungslänge (b) und Umrichterzahl (d) gehen nicht in diese Grundformel ein.
Welches Industrial-Ethernet-Protokoll stammt aus dem B&R-Ökosystem und ist im deutschsprachigen Raum stark vertreten?
- a) EtherNet/IP
- b) Modbus TCP
- c) PROFIBUS
- d) POWERLINK
Richtig: d)
POWERLINK ist eng mit dem B&R-Ökosystem verbunden und im deutschsprachigen Raum, besonders in Österreich, weit verbreitet. EtherNet/IP (a) ist vor allem im amerikanischen Raum zu Hause, Modbus TCP (b) hat einen anderen Ursprung, und PROFIBUS (c) ist ein klassischer Feldbus, kein Industrial-Ethernet-Protokoll.
Ein Netz verdoppelt seine Slave-Zahl von 40 auf 80 bei gleicher Datenmenge je Slave. Wie verändert sich die reine Datenübertragungszeit?
- a) Sie verdoppelt sich
- b) Sie bleibt gleich
- c) Sie halbiert sich
- d) Sie vervierfacht sich
Richtig: a)
Die reine Datenübertragungszeit hängt linear von der Nutzdatenmenge ab, und die ist N · B. Verdoppelt sich N bei gleichem B, verdoppelt sich auch die Zeit. Gleichbleiben (b), Halbierung (c) und Vervierfachung (d) widersprechen dem linearen Zusammenhang.
Warum ist bei einer Regelung ein konstanter Takt wichtiger als ein besonders niedriger Mittelwert der Verzögerung?
- a) Weil ein hoher Mittelwert die Datenrate senkt
- b) Weil schwankende Zeitabstände das Zeitmodell der Regelung stören und sie instabil machen können
- c) Weil der Takt den Stromverbrauch bestimmt
- d) Weil ein konstanter Takt die Kabel schont
Richtig: b)
Regelungen rechnen mit festen Abtastzeitpunkten. Schwankt der Abstand (Jitter), passt das interne Modell nicht mehr, und die Regelgüte leidet bis zur Instabilität. Datenrate (a), Stromverbrauch (c) und Kabelschonung (d) sind nicht der Punkt.
Glossar
- Determinismus
- Eigenschaft eines Systems, auf eine Anforderung garantiert innerhalb einer festen, vorhersehbaren Zeit zu reagieren.
- Jitter
- Schwankung der Verzögerung von Übertragung zu Übertragung; für Regelungen oft kritischer als die Latenz selbst.
- Latenz
- Verzögerung zwischen Senden und Eintreffen eines Signals.
- Zykluszeit
- Fester Takt, in dem ein Bussystem seine Daten wiederholt austauscht.
- CSMA/CD
- Verfahren des klassischen Ethernet zur Behandlung von Kollisionen auf gemeinsam genutzten Leitungen; in geschaltetem Vollduplex-Betrieb nicht mehr nötig.
- Industrial Ethernet
- Sammelbegriff für an die Industrie angepasstes Ethernet, robust verkabelt und echtzeitfähig erweitert.
- Echtzeitklasse
- Einteilung des Datenverkehrs nach Zeitanforderung: nicht-echtzeit, weiche und harte (oft isochrone) Echtzeit.
- Topologie
- Physikalische Anordnung der Netzteilnehmer, etwa als Stern, Linie oder Ring.
- POWERLINK
- Industrial-Ethernet-Protokoll aus dem B&R-Ökosystem, im deutschsprachigen Raum und besonders in Österreich verbreitet.
- EtherCAT
- Industrial-Ethernet-System mit Durchlaufprinzip, bei dem ein Telegramm alle Slaves nacheinander durchläuft.
- Master
- Teilnehmer, der bei EtherCAT den Takt vorgibt und die Telegramme aussendet; meist die Steuerung.
- Slave
- Teilnehmer an der EtherCAT-Strecke wie Antrieb, E/A-Modul oder Sensor, der Daten im Durchlauf austauscht.
- Processing on the fly
- Verarbeitung im Durchlauf: Jeder Slave liest und schreibt seine Daten im vorbeilaufenden Telegramm.
- EtherCAT Slave Controller (ESC)
- Dedizierter Hardware-Baustein (ASIC oder FPGA) im Slave, der das durchlaufende Telegramm ohne Software-Latenz verarbeitet.
- Overhead
- Fester Zusatzanteil je Ethernet-Rahmen aus Präambel, Header, Prüfsumme und Interframe Gap, rund 38 Byte.
- CRC
- Cyclic Redundancy Check, zyklische Blockprüfung zur Erkennung von Übertragungsfehlern in einem Telegramm.
- CRC-Fehlerzähler
- Zähler im Slave, der fehlerhaft empfangene Telegramme aufsummiert; wichtigstes Diagnosewerkzeug für Leitungs- und Schirmungsprobleme.
- Motion Control
- Koordinierte, oft synchrone Steuerung mehrerer Bewegungsachsen.
