EMV-Grundlagen in der Installation

Ein Frequenzumrichter läuft an, und plötzlich meldet ein Näherungsschalter zehn Meter weiter Geisterimpulse. Ein Bus fällt sporadisch aus, ohne dass jemand etwas geändert hat. Solche Effekte haben fast immer dieselbe Wurzel: elektromagnetische Störungen, die sich über die Installation ausbreiten. Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV) beschreibt die Fähigkeit eines Geräts, in seiner Umgebung zu funktionieren, ohne andere Geräte unzulässig zu stören – und ohne selbst gestört zu werden.

Das Gute daran: Die meisten EMV-Probleme entstehen nicht durch exotische Physik, sondern durch vermeidbare Fehler bei Leitungsführung, Schirmung und Erdung. Wer beim Verdrahten ein paar Grundregeln beachtet, spart sich später stundenlange Fehlersuche.

Vorwissen

  • Schaltschrankaufbau und Verdrahtung
  • Schutzleiter und Potentialausgleich
  • Elektrisches und magnetisches Feld

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, was Störaussendung und Störfestigkeit bedeuten und wie das Modell Störquelle–Kopplung–Störsenke aufgebaut ist
  • die vier Kopplungsarten unterscheiden und einschätzen, welche in einer konkreten Situation dominiert
  • Leistungs- und Signalleitungen EMV-gerecht trennen und führen
  • entscheiden, wann ein Schirm beidseitig und wann einseitig aufzulegen ist, und ihn korrekt anbinden
  • einen Schaltschrank so aufbauen, dass Erdung und Potentialausgleich die EMV unterstützen statt verschlechtern

1. Was EMV bedeutet und warum sie zählt

Jedes elektrische Betriebsmittel erzeugt im Betrieb Störungen und ist gleichzeitig anfällig für fremde Störungen. EMV hat deshalb immer zwei Seiten. Die Störaussendung beschreibt, wie stark ein Gerät seine Umgebung beeinflusst. Die Störfestigkeit beschreibt, wie gut ein Gerät fremde Einflüsse verträgt, ohne Fehlfunktionen zu zeigen. Beides muss stimmen, damit eine Anlage zuverlässig läuft.

Um Störungen zu verstehen, hilft ein einfaches Dreiteilungsmodell. Jede Störung braucht eine Störquelle, einen Kopplungsweg und eine Störsenke – das gestörte Gerät. Fällt eines der drei Glieder weg, gibt es kein Problem. Genau hier setzt jede EMV-Maßnahme an: Man dämpft die Quelle, unterbricht den Kopplungsweg oder macht die Senke unempfindlicher. In der Installation hat man auf den Kopplungsweg den größten Einfluss, deshalb dreht sich der größte Teil dieses Beitrags darum.

Typische Störquellen in einer Anlage sind Frequenzumrichter mit ihren steilen Schaltflanken, getaktete Netzteile, schaltende Schütze und Relais, Schweißgeräte und teils auch Leuchtmittel mit elektronischem Vorschaltgerät. Empfindliche Störsenken sind analoge Sensorsignale, Bussysteme, Messleitungen und die Eingänge von Steuerungen. Wenn ein Sensor sporadisch falsche Werte liefert, ein Bus immer wieder abbricht oder ein FI grundlos auslöst, steckt häufig ein EMV-Problem dahinter.

Rechtlich ist EMV kein freiwilliges Thema. Auf europäischer Ebene regelt die EMV-Richtlinie 2014/30/EU die grundlegenden Anforderungen. In Österreich ist sie über das EMV-Gesetz (EMVG) national umgesetzt und damit für das Inverkehrbringen von Betriebsmitteln verbindlich. Für den Errichter einer Anlage ist daneben die fachgerechte Ausführung entscheidend – ein einzelnes CE-gekennzeichnetes Gerät garantiert noch keine störungsfreie Gesamtanlage.

Ein analoger Drucksensor liefert seit dem Einbau eines Frequenzumrichters schwankende Werte. Wo liegt der wirksamste Ansatzpunkt für den Errichter?

  • a) Am Kopplungsweg zwischen Umrichter und Sensorleitung
  • b) An der Störsenke, weil der Sensor grundsätzlich zu empfindlich ist
  • c) An der Störquelle, weil der Umrichter ausgetauscht werden muss
  • d) Es gibt keinen Ansatzpunkt, da beide Geräte CE-konform sind

Richtig: a)

Beide Geräte sind einzeln konform, das Problem entsteht durch die Kopplung in der Installation. Der Errichter beeinflusst am leichtesten den Kopplungsweg, etwa durch getrennte Leitungsführung und Schirmung. Quelle und Senke sind als fertige Geräte kaum veränderbar, ein Austausch wäre unverhältnismäßig.

Was beschreibt der Begriff Störfestigkeit?

  • a) Wie stark ein Gerät seine Umgebung elektromagnetisch beeinflusst
  • b) Wie gut ein Gerät fremde Einflüsse ohne Fehlfunktion verträgt
  • c) Die mechanische Robustheit des Gehäuses
  • d) Die Höhe der zulässigen Betriebsspannung

Richtig: b)

Störfestigkeit is die Unempfindlichkeit gegenüber äußeren Einflüssen. Antwort a) beschreibt die Störaussendung, also die andere Seite der EMV. Mechanische Robustheit und Betriebsspannung haben mit EMV nichts zu tun.

2. Wie Störungen koppeln

Der Kopplungsweg ist das Glied, das man in der Installation am besten in den Griff bekommt. Dafür muss man wissen, auf welchen Wegen sich Störungen überhaupt übertragen. Es gibt vier Mechanismen.

Die galvanische Kopplung entsteht, wenn zwei Stromkreise eine gemeinsame Leitung oder eine gemeinsame Masse nutzen. Der Strom des einen Kreises erzeugt am gemeinsamen Widerstand einen Spannungsabfall, den der andere Kreis als Störung sieht. Typisch ist das bei einer gemeinsamen Masseleitung, über die sowohl ein Lastkreis als auch eine Messleitung geführt werden.

Die kapazitive Kopplung überträgt Störungen über das elektrische Feld. Zwischen zwei nahe beieinander liegenden Leitern wirkt eine Streukapazität. Schnelle Spannungsänderungen – etwa die Schaltflanken eines Umrichters – koppeln darüber in die Nachbarleitung ein. Je höher die Frequenz und je dichter die Leiter, desto stärker der Effekt.

Die induktive Kopplung überträgt über das magnetische Feld. Ein veränderlicher Strom in einer Leitung erzeugt ein Magnetfeld, das in einer benachbarten Leiterschleife eine Störspannung induziert. Entscheidend ist hier die Fläche der Schleife: Je größer die von Hin- und Rückleiter aufgespannte Fläche, desto mehr Feld wird eingefangen. Eine große Leiterschleife wirkt wie eine Antenne.

Die Strahlungskopplung schließlich überträgt über elektromagnetische Wellen durch den Raum. Sie spielt vor allem bei hohen Frequenzen und größeren Abständen eine Rolle und ist in der klassischen Installation seltener das Hauptproblem als die drei leitungsgebundenen Mechanismen.

Grob gilt: Bei kurzen Abständen und niedrigen Frequenzen dominieren galvanische und induktive Kopplung, bei steilen Flanken und höheren Frequenzen gewinnen kapazitive und Strahlungskopplung an Bedeutung. Für die Praxis ist die wichtigste Erkenntnis, dass fast alle Gegenmaßnahmen denselben drei Hebeln folgen: Abstand vergrößern, Schleifenflächen klein halten und sauber schirmen.

Die folgende Skizze zeigt die vier Kopplungswege zwischen einem störenden und einem gestörten Stromkreis.

Die vier Kopplungswege Störquelle z. B. Frequenzumrichter Störsenke z. B. Sensorleitung 1. Galvanisch gemeinsame Masse / Leitung 2. Kapazitiv elektrisches Feld (Streukapazität) 3. Induktiv magnetisches Feld (Leiterschleife) 4. Strahlung elektromagnetische Welle

Eine ungeschirmte Signalleitung verläuft als große Schleife parallel zu einem Motorkabel und fängt Störungen ein. Welche Maßnahme greift hier am direktesten?

  • a) Den Schirm der Signalleitung beidseitig auflegen
  • b) Das Motorkabel mit einer höheren Frequenz betreiben
  • c) Die Schleifenfläche verkleinern, indem Hin- und Rückleiter eng zusammengeführt werden
  • d) Die Betriebsspannung der Signalleitung erhöhen

Richtig: c)

Eine große Leiterschleife fängt magnetisches Feld ein, das ist induktive Kopplung. Dagegen hilft das Verkleinern der Schleifenfläche. Ein Schirm wirkt vor allem gegen kapazitive Kopplung und nützt hier wenig. Die anderen Optionen verändern das Problem nicht oder verschärfen es.

Zwei Stromkreise teilen sich eine gemeinsame Masseleitung. Der Laststrom des einen Kreises erzeugt eine Störspannung im anderen. Um welche Kopplungsart handelt es sich?

  • a) Kapazitive Kopplung
  • b) Induktive Kopplung
  • c) Strahlungskopplung
  • d) Galvanische Kopplung

Richtig: d)

Eine gemeinsam genutzte Leitung mit ihrem Widerstand ist das Kennzeichen der galvanischen Kopplung. Kapazitiv und induktiv koppeln über Felder ohne galvanische Verbindung, Strahlung über den freien Raum. Die Lösung wäre eine getrennte oder sternförmige Masseführung.

3. Leitungsführung und Trennung

Die meisten Kopplungsprobleme entstehen, weil störende und empfindliche Leitungen zu nah und zu lang nebeneinander laufen. Eine durchdachte Leitungsführung ist deshalb die wirksamste und billigste EMV-Maßnahme überhaupt – sie kostet beim Errichten nichts außer ein wenig Planung.

Die Grundregel lautet: Leistungs- und Signalleitungen trennen. Energiereiche, störende Leitungen – Motorzuleitungen, Umrichterausgänge, geschaltete Lasten – gehören in eigene Kabelkanäle, getrennt von Sensor-, Bus- und Messleitungen. Wo eine gemeinsame Trasse unvermeidlich ist, setzt man einen geerdeten Trennsteg oder hält einen Mindestabstand ein. Je größer der Abstand und je kürzer die parallele Strecke, desto schwächer die Kopplung.

Lässt sich eine Kreuzung von Leistungs- und Signalleitung nicht vermeiden, kreuzt man im rechten Winkel. Bei einer rechtwinkligen Kreuzung ist die gemeinsame Strecke minimal, und die induktive Kopplung wird klein gehalten. Parallel geführte Leitungen über lange Strecken sind dagegen der klassische Fehler.

Ein weiterer Hebel ist die Schleifenfläche. Hin- und Rückleiter eines Stromkreises sollten möglichst eng beieinander liegen, idealerweise verdrillt. Dann heben sich ihre Magnetfelder weitgehend auf, und es bleibt kaum Fläche, in die etwas einkoppeln kann. Verdrillte Adernpaare sind aus genau diesem Grund bei Busleitungen Standard.

Zur Orientierung lassen sich Leitungen grob in Kategorien einteilen, die man beim Verlegen auseinanderhält:

Kategorie Beispiele Störverhalten
Sehr empfindlich Analoge Messsignale, Sensorleitungen, Bus leicht störbar
Empfindlich Digitale Signale, kleine Steuerspannungen mäßig störbar
Störend Geschaltete Lasten, Schützspulen mäßig störend
Stark störend Motor- und Umrichterleitungen stark störend

Die Faustregel: Kategorien mit großem Unterschied im Störverhalten möglichst weit auseinanderlegen, gleichartige dürfen zusammen.

Eine Motorleitung muss eine empfindliche Sensorleitung kreuzen. Wie führt man die Kreuzung EMV-gerecht aus?

  • a) Im rechten Winkel kreuzen, um die gemeinsame Strecke zu minimieren
  • b) Beide Leitungen über eine möglichst lange Strecke parallel führen
  • c) Die Sensorleitung um die Motorleitung wickeln
  • d) Beide Leitungen verdrillen

Richtig: a)

Eine rechtwinklige Kreuzung minimiert die parallele Strecke und damit die Kopplung. Paralleles Führen über lange Strecken ist genau der Fehler, den man vermeiden will. Das Umwickeln vergrößert die Kopplung, und das Verdrillen zweier unterschiedlicher Leitungen ist hier sinnlos.

Warum werden Hin- und Rückleiter eines Signalkreises bevorzugt verdrillt?

  • a) Damit die Leitung mechanisch stabiler wird
  • b) Damit der Leitungswiderstand sinkt
  • c) Damit die Leitung weniger Platz im Kanal braucht
  • d) Damit die aufgespannte Schleifenfläche klein bleibt und sich die Felder weitgehend aufheben

Richtig: d)

Durch das Verdrillen wird die Schleifenfläche minimal, und die Magnetfelder von Hin- und Rückleiter heben sich weitgehend auf. Das reduziert die induktive Kopplung deutlich. Mechanik, Widerstand und Platzbedarf sind nicht der Grund.

4. Schirmung richtig anwenden

Wenn Abstand und Leitungsführung nicht ausreichen, kommt die Schirmung ins Spiel. Ein Schirm ist ein leitfähiges Geflecht oder eine Folie, die den oder die Innenleiter umgibt und Störungen ableitet. Entscheidend ist nicht, ob ein Schirm vorhanden ist, sondern wie er angebunden wird. Ein falsch aufgelegter Schirm wirkt im schlimmsten Fall wie eine Antenne und verschlechtert die Sache.

Die erste Frage ist immer: ein- oder beidseitig auflegen? Beide Varianten haben ihren Platz. Bei beidseitiger Auflage wird der Schirm an beiden Enden mit der Bezugsmasse verbunden. Das schirmt sowohl gegen kapazitive als auch gegen hochfrequente Einkopplungen sehr gut – allerdings kann bei Potentialunterschieden zwischen den Enden ein Ausgleichsstrom über den Schirm fließen. Bei einseitiger Auflage wird der Schirm nur an einem Ende geerdet. Das vermeidet den Ausgleichsstrom, schützt aber nur gegen kapazitive Kopplung und versagt bei hohen Frequenzen.

Die praktische Regel: Für hochfrequente Störungen – also alles rund um Umrichter, Takt- und Busleitungen – legt man den Schirm beidseitig auf und sorgt über einen guten Potentialausgleich dafür, dass kein nennenswerter Ausgleichsstrom entsteht. Für rein analoge, niederfrequente Messsignale, bei denen ein Brummen durch Ausgleichsströme stört, wählt man oft die einseitige Auflage.

Genauso wichtig wie die Frage ein- oder beidseitig ist die Art der Anbindung. Der Schirm muss großflächig mit der Bezugsfläche verbunden werden, am besten über eine Schirmschelle rund um den abgesetzten Schirm. Ein häufiger und schwerer Fehler ist der sogenannte Pigtail – der Schirm wird zu einem dünnen Zopf zusammengedreht und über ein kurzes Drähtchen angeklemmt. Dieser Zopf bildet eine Induktivität, die gerade die hohen Frequenzen, gegen die man schirmen will, wieder durchlässt. Eine schöne, teure geschirmte Leitung verliert durch einen Pigtail einen Großteil ihrer Wirkung.

Die Skizze zeigt links die richtige, großflächige Anbindung über eine Schirmschelle und rechts den fehlerhaften Pigtail.

Schirmanbindung: richtig und falsch Richtig: Schirmschelle großflächig auf Bezugsfläche Schelle umschließt den Schirm rundum Falsch: Pigtail dünner Zopf = Induktivität lange, dünne Anbindung

Eine geschirmte Busleitung ist verlegt, der Schirm aber zu einem kurzen Zopf gedreht und über ein Drähtchen geklemmt. Warum ist das problematisch?

  • a) Der Zopf erhöht den Schirmungsquerschnitt unzulässig
  • b) Der Zopf führt zu einem zu niedrigen Schleifenwiderstand
  • c) Der Zopf bildet eine Induktivität und lässt gerade die hohen Frequenzen wieder durch
  • d) Ein Pigtail ist nur bei einseitiger Auflage zulässig

Richtig: c)

Der dünne, lange Zopf wirkt als Induktivität und hebt die Schirmwirkung gerade im hochfrequenten Bereich weitgehend auf. Eine großflächige Schelle vermeidet das. Mit Querschnitt, Schleifenwiderstand oder der Auflageseite hat der Effekt nichts zu tun.

Für eine umrichternahe Leitung mit hochfrequenten Störungen und gutem Potentialausgleich – welche Schirmauflage ist üblich?

  • a) Gar keine Auflage, damit kein Ausgleichsstrom fließt
  • b) Einseitige Auflage, weil das immer am sichersten ist
  • c) Beidseitige Auflage, weil sie auch gegen hochfrequente Einkopplung wirkt
  • d) Beidseitige Auflage nur, wenn die Leitung kürzer als ein Meter ist

Richtig: c)

Gegen hochfrequente Störungen ist die beidseitige Auflage die richtige Wahl, und der gute Potentialausgleich hält den Ausgleichsstrom klein. Die einseitige Auflage versagt bei hohen Frequenzen. Gar keine Auflage hebt die Schirmwirkung auf, und die Längengrenze von einem Meter gibt es so nicht.

5. Erdung, Potentialausgleich und Schaltschrankaufbau

Erdung und Potentialausgleich sind das Fundament jeder EMV-Maßnahme. Wichtig ist, zwei Aufgaben auseinanderzuhalten. Die Schutzerdung dient dem Personenschutz und sorgt dafür, dass im Fehlerfall die Schutzeinrichtung auslöst. Die EMV-Erdung oder Funktionserdung sorgt für eine gemeinsame, niederohmige Bezugsmasse, damit Störungen sauber abfließen können. Beide nutzen oft dasselbe Leitersystem, verfolgen aber unterschiedliche Ziele – und beide müssen stimmen.

Für die EMV zählt vor allem ein flächiger, gut leitender Potentialausgleich. Im Schaltschrank ist die Montageplatte die zentrale Bezugsfläche. Sie sollte großflächig leitend mit dem Potentialausgleich verbunden sein, und alle EMV-relevanten Anbindungen – Schirmschellen, Filtergehäuse, Geräteerden – gehen kurz und direkt auf diese Fläche. Wichtig sind blanke, lackfreie Kontaktstellen: Eine pulverbeschichtete Montageplatte isoliert, deshalb werden Kontaktflächen freigekratzt oder es kommen Kontaktscheiben zum Einsatz. Erdungsverbindungen hält man so kurz wie möglich, weil jeder zusätzliche Zentimeter Induktivität bei hohen Frequenzen wirksam wird.

Auch die Anordnung der Geräte im Schrank ist eine EMV-Maßnahme. Starke Störer wie Frequenzumrichter und ihre Leitungen hält man räumlich von empfindlichen Steuerungen, Sensoreingängen und Busklemmen getrennt. Ein Netzfilter oder Entstörfilter gehört direkt an die Schnittstelle, an der die störbehaftete Leitung den Bereich verlässt oder betritt – also am Schrankeintritt oder unmittelbar am Umrichter. Sitzt das Filter weit entfernt mit langer ungefilterter Leitung dahinter, wirkt es kaum, weil diese Leitung die Störung gleich wieder einfängt.

Für den Errichter in Österreich ist diese Ausführung nicht nur guter Stil, sondern normativ untermauert. Die ÖVE/ÖNORM E 8101 behandelt im Teilbereich zu Maßnahmen gegen elektromagnetische Einflüsse die Anforderungen an Erdung, Potentialausgleich und Leitungsführung in elektrischen Anlagen und bildet damit die normative Grundlage für die EMV-gerechte Errichtung.

Der eigentliche Schaltschrankaufbau und die Grundlagen des Potentialausgleichs werden in eigenen Beiträgen ausführlich behandelt – hier geht es nur um den EMV-Blickwinkel auf diese Themen.

Ein Netzfilter ist am Schrankboden montiert, der zugehörige Umrichter sitzt ganz oben. Die Anlage stört trotz Filter. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Die lange ungefilterte Leitung zwischen Filter und Umrichter strahlt im Schrank ab
  • b) Das Filter ist grundsätzlich falsch dimensioniert
  • c) Der Schrank ist zu klein
  • d) Das Filter muss einseitig geerdet werden

Richtig: a)

Ein Filter wirkt nur an der Stelle, an der es sitzt. Liegt eine lange ungefilterte Strecke dahinter, fängt diese die Störung wieder ein und verteilt sie. Das Filter gehört direkt an den Umrichter. Dimensionierung, Schrankgröße und Erdungsart sind hier nicht das Kernproblem.

Warum müssen Kontaktstellen einer pulverbeschichteten Montageplatte für die EMV-Erdung freigekratzt werden?

  • a) Damit die Schraube besser hält
  • b) Damit die Platte nicht korrodiert
  • c) Weil die Norm eine bestimmte Farbe vorschreibt
  • d) Weil die Beschichtung isoliert und sonst kein niederohmiger Übergang entsteht

Richtig: d)

Die Pulverbeschichtung ist ein Isolator. Ohne freigelegte Metallfläche oder Kontaktscheibe gibt es keinen niederohmigen Übergang, und die EMV-Erdung wirkt nicht. Mit Schraubenhalt, Korrosion oder Farbvorgaben hat das nichts zu tun.

Worin unterscheiden sich Schutzerdung und EMV-Erdung grundsätzlich?

  • a) Schutzerdung ist freiwillig, EMV-Erdung is vorgeschrieben
  • b) Sie sind identisch und nur unterschiedlich benannt
  • c) Schutzerdung dient dem Personenschutz, EMV-Erdung der gemeinsamen Bezugsmasse für Störableitung
  • d) EMV-Erdung darf nur im Gleichstromkreis verwendet werden

Richtig: c)

Die Schutzerdung sorgt für das Auslösen der Schutzeinrichtung im Fehlerfall, die EMV-Erdung für eine niederohmige gemeinsame Bezugsmasse. Sie nutzen oft dasselbe Leitersystem, verfolgen aber verschiedene Ziele. Sie sind nicht identisch, und keine ist freiwillig oder auf Gleichstrom beschränkt.

Abschlusstest

Welche Aussage zum Modell Störquelle–Kopplung–Störsenke trifft zu?

  • a) Fällt eines der drei Glieder weg, gibt es keine Störung
  • b) Eine Störung tritt nur auf, wenn alle drei Glieder fehlen
  • c) Der Errichter kann nur die Störsenke beeinflussen
  • d) Die Kopplung ist immer der unwichtigste Faktor

Richtig: a)

Ohne Quelle, Kopplungsweg oder Senke entsteht keine Störung – das Wegfallen eines Glieds genügt. Der Errichter hat gerade auf den Kopplungsweg den größten Einfluss, der damit besonders wichtig ist.

Eine analoge Messleitung und ein Lastkreis nutzen dieselbe Masleitungleitung, und es treten Störungen auf. Welche Gegenmaßnahme passt zur Kopplungsart?

  • a) Beidseitige Schirmauflage der Messleitung
  • b) Erhöhen der Messfrequenz
  • c) Eine getrennte oder sternförmige Masseführung
  • d) Verkleinern der Schleifenfläche der Lastleitung

Richtig: c)

Eine gemeinsame Masseleitung ist galvanische Kopplung. Dagegen hilft eine getrennte oder sternförmige Masse, sodass kein gemeinsamer Spannungsabfall entsteht. Schirmung wirkt gegen kapazitive Kopplung, das Verkleinern der Schleifenfläche gegen induktive – beides trifft die Ursache hier nicht.

Welche Kopplungsart hängt am stärksten von der Fläche der Leiterschleife ab?

  • a) Galvanische Kopplung
  • b) Kapazitive Kopplung
  • c) Strahlungskopplung
  • d) Induktive Kopplung

Richtig: d)

Die induktive Kopplung beruht auf dem magnetischen Fluss durch die Schleife, der direkt von deren Fläche abhängt. Galvanische Kopplung hängt am gemeinsamen Widerstand, kapazitive am elektrischen Feld zwischen Leitern, Strahlung am Abstand und der Frequenz.

Eine Motorleitung kreuzt eine Sensorleitung. Wie sollte die Kreuzung ausgeführt werden?

  • a) Über eine lange parallele Strecke
  • b) Im rechten Winkel
  • c) Verdrillt miteinander
  • d) Mit maximalem gemeinsamem Kanalweg

Richtig: b)

Die rechtwinklige Kreuzung minimiert die gemeinsame Strecke und damit die Kopplung. Parallelführung über lange Strecken ist der typische Fehler, gemeinsames Verdrillen unterschiedlicher Leitungen ist sinnlos.

Warum legt man den Schirm einer umrichternahe Leitung in der Regel beidseitig auf?

  • a) Weil nur die beidseitige Auflage gegen hochfrequente Einkopplung wirkt
  • b) Weil das Ausgleichsströme grundsätzlich verhindert
  • c) Weil einseitige Auflage bei keiner Leitung erlaubt ist
  • d) Weil der Schirm dadurch dünner werden darf

Richtig: a)

Gegen hochfrequente Störungen wirkt nur die beidseitige Auflage zuverlässig. Sie kann zwar Ausgleichsströme zulassen, die man über guten Potentialausgleich kleinhält. Einseitige Auflage ist bei reinen Analogsignalen durchaus zulässig.

Was kennzeichnet eine Pigtail-Anbindung des Schirms?

  • a) Eine großflächige Auflage über eine Schelle
  • b) Eine doppelte Erdung an beiden Enden
  • c) Eine kurze, dünne Zopfanbindung, die als Induktivität wirkt
  • d) Eine Anbindung ausschließlich über die Montageplatte

Richtig: c)

Der Pigtail ist der zu einem dünnen Zopf gedrehte Schirm, dessen Induktivität die Schirmwirkung bei hohen Frequenzen aufhebt. Die großflächige Schelle ist genau das Gegenteil und die korrekte Lösung.

Welche Schirmauflage wählt man eher für ein rein analoges, niederfrequentes Messsignal, bei dem Brummen durch Ausgleichsströme stört?

  • a) Beidseitige Auflage
  • b) Gar keine Auflage
  • c) Auflage nur über einen Pigtail
  • d) Einseitige Auflage

Richtig: d)

Bei niederfrequenten Analogsignalen vermeidet die einseitige Auflage den störenden Ausgleichsstrom und schützt zugleich gegen kapazitive Kopplung. Beidseitig würde hier ein Brummen über den Schirmstrom einkoppeln. Gar keine Auflage und ein Pigtail sind keine sinnvollen Optionen.

Warum sollen Erdungsverbindungen in der EMV möglichst kurz sein?

  • a) Weil längere Leitungen mehr kosten
  • b) Weil jede Länge bei hohen Frequenzen als Induktivität wirkt
  • c) Weil lange Leitungen den Schutzleiterquerschnitt verringern
  • d) Weil die Norm eine feste Maximallänge in Zentimetern vorschreibt

Richtig: b)

Jeder Leiter hat eine Induktivität, die mit der Länge steigt und bei hohen Frequenzen einen wirksamen Widerstand bildet. Eine kurze Verbindung bleibt niederohmig. Kosten und Querschnitt sind nicht der Grund, eine starre Zentimetergrenze gibt es nicht.

Eine Montageplatte ist pulverbeschichtet und verschraubt, die EMV-Erdung wirkt trotzdem nicht. Was ist zu prüfen?

  • a) Ob an den Kontaktstellen blankes Metall freigelegt wurde
  • b) Ob die Schrauben fest genug angezogen sind
  • c) Ob die Platte geerdet ist statt genullt
  • d) Ob die Platte aus Aluminium besteht

Richtig: a)

Die Beschichtung isoliert, deshalb braucht es freigelegtes Metall oder Kontaktscheiben für einen niederohmigen Übergang. Ohne diese Kontaktstelle nützt auch festes Anziehen nichts. Material und Erdungsart sind hier nicht der entscheidende Punkt.

Wo gehört ein Netzfilter im Schaltschrank hin, damit es wirkt?

  • a) Möglichst weit von der Störstelle entfernt
  • b) In der Mitte des Schranks, unabhängig von den Leitungen
  • c) Direkt an der Schnittstelle, an der die störbehaftete Leitung ein- oder austritt
  • d) Ausschließlich am Schutzleiteranschluss

Richtig: c)

Ein Filter wirkt nur dort, wo es sitzt. Liegt eine lange ungefilterte Leitung dahinter, fängt diese die Störung wieder ein. Deshalb gehört das Filter direkt an die Schnittstelle bzw. an den Störer. Eine beliebige Position in der Schrankmitte oder am Schutzleiter erfüllt diesen Zweck nicht.

Gegen welche Kopplungsart hilft ein Schirm am wenigsten, wenn das Problem eine große Leiterschleife ist?

  • a) Kapazitive Kopplung
  • b) Galvanische Kopplung am Schirm
  • c) Strahlungskopplung
  • d) Induktive Kopplung

Richtig: d)

Gegen induktive Kopplung durch eine große Schleife hilft vor allem das Verkleinern der Schleifenfläche, nicht die Schirmung. Ein Schirm wirkt primär gegen kapazitive und hochfrequente Einkopplung. Genau hier wird oft das falsche Mittel gewählt.

Welche Aussage zur rechtlichen Grundlage der EMV in Österreich ist korrekt?

  • a) Die EMV-Richtlinie 2014/30/EU gilt in Österreich ohne nationale Umsetzung gar nicht
  • b) Die EMV-Richtlinie ist über das EMVG national umgesetzt, die ÖVE/ÖNORM E 8101 liefert die Errichtungsanforderungen
  • c) Für die Installation ist allein die CE-Kennzeichnung der Geräte maßgeblich
  • d) EMV is in Österreich rechtlich nicht geregelt

Richtig: b)

Die Richtlinie ist über das EMVG umgesetzt, und die ÖVE/ÖNORM E 8101 regelt die Errichtung elektrischer Anlagen einschließlich der Maßnahmen gegen elektromagnetische Einflüsse. Die CE-Kennzeichnung einzelner Geräte allein garantiert keine störungsfreie Gesamtanlage.

Glossar

Elektromagnetische Verträglichkeit (EMV)
Fähigkeit eines Geräts, in seiner Umgebung zu funktionieren, ohne andere unzulässig zu stören und ohne selbst gestört zu werden.
Störaussendung
Maß dafür, wie stark ein Gerät seine Umgebung elektromagnetisch beeinflusst.
Störfestigkeit
Fähigkeit eines Geräts, fremde elektromagnetische Einflüsse ohne Fehlfunktion zu verkraften.
Störquelle–Kopplung–Störsenke
Grundmodell jeder Störung; eine Störung tritt nur auf, wenn alle drei Glieder vorhanden sind.
Galvanische Kopplung
Störübertragung über eine gemeinsam genutzte Leitung oder Masse und deren Widerstand.
Kapazitive Kopplung
Störübertragung über das elektrische Feld zwischen benachbarten Leitern.
Induktive Kopplung
Störübertragung über das magnetische Feld; hängt stark von der Fläche der Leiterschleife ab.
Strahlungskopplung
Störübertragung über elektromagnetische Wellen durch den Raum, vor allem bei hohen Frequenzen.
Schirm
Leitfähiges Geflecht oder eine Folie um die Innenleiter einer Leitung, die Störungen ableitet.
Schirmschelle
Bauteil zur großflächigen, niederohmigen Anbindung des Leitungsschirms an die Bezugsfläche.
Pigtail
Fehlerhafte Schirmanbindung über einen dünnen, gedrehten Zopf; wirkt als Induktivität und mindert die Schirmwirkung bei hohen Frequenzen.
EMV-Erdung
Funktionserdung, die eine gemeinsame, niederohmige Bezugsmasse für das Ableiten von Störungen schafft.
Netzfilter
Entstörfilter, das hochfrequente Störungen auf einer Leitung dämpft; muss direkt an der Störstelle sitzen.

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