Anlaufverfahren im Überblick (DOL, Y/Δ, Sanftanlauf, FU, Anlasstrafo)

Ein Drehstrom-Asynchronmotor mit Käfigläufer ist ein robustes, günstiges Arbeitspferd. Doch im Moment des Einschaltens hat er eine unangenehme Eigenschaft: Er zieht ein Vielfaches seines normalen Betriebsstroms aus dem Netz. Bei kleinen Motoren stört das niemanden. Bei größeren Maschinen flackert das Licht, Sicherungen fallen, und das Energieversorgungsunternehmen schreibt Grenzwerte vor.

Genau hier setzen die Anlaufverfahren an. DOL, Stern-Dreieck, Sanftanlauf, Frequenzumrichter, Anlasstrafo — auf den ersten Blick fünf völlig verschiedene Techniken. Im Kern beantworten sie aber alle dieselbe Frage: Wie bringe ich den Motor auf Drehzahl, ohne dass Anlaufstrom oder Anlaufmoment zum Problem werden? Dieser Beitrag ordnet die Verfahren ein und zeigt, wann welches passt.

Vorwissen

  • Drehstrom-Asynchronmotor – Aufbau und Funktion
  • Schaltungsarten Stern und Dreieck am Motor
  • Schlupf und M-n-Kennlinie beim ASM

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum ein Käfigläufer beim Einschalten einen so hohen Strom zieht
  • den physikalischen Zusammenhang zwischen Klemmenspannung, Anlaufstrom und Anlaufmoment beschreiben
  • die fünf gängigen Anlaufverfahren nach Anlaufstrom, Anlaufmoment und Aufwand einordnen
  • beurteilen, warum die Anlaufzeit und die thermische Belastung ein Verfahren ausschließen können
  • für eine gegebene Last ein passendes Anlaufverfahren begründet auswählen

1. Warum Anlaufverfahren überhaupt nötig sind

Stell dir einen stehenden Käfigläufer vor, an den du die volle Netzspannung legst. Der Rotor dreht sich noch nicht — der Schlupf beträgt 100 %. Aus Sicht des Drehfelds verhält sich der Käfigläufer in diesem Augenblick fast wie ein kurzgeschlossener Transformator: Das Statorfeld läuft mit voller relativer Geschwindigkeit an den Rotorstäben vorbei, induziert dort eine hohe Spannung, und durch die niederohmigen Stäbe fließt ein entsprechend großer Strom. Dieser Rotorstrom spiegelt sich als hoher Stromaufnahme im Stator wider.

Das Ergebnis ist der Anlaufstrom I_A. Bei Standardmotoren liegt das Verhältnis von Anlaufstrom zu Nennstrom typischerweise im Bereich:

I_A / I_N = 5 … 8

  • I_A … Anlaufstrom in A
  • I_N … Nennstrom in A

Ein 22-kW-Motor mit rund 40 A Nennstrom kann beim Direkteinschalten also kurzzeitig 200 bis 320 A ziehen. Erst wenn der Rotor hochläuft, sinkt der Schlupf und mit ihm der Strom — am Betriebspunkt bleibt der Nennstrom übrig.

Was der hohe Anlaufstrom anrichtet

Drei Folgen sind in der Praxis relevant:
Erstens der Spannungseinbruch im Netz. Der hohe Strom erzeugt an den Leitungs- und Transformatorwiderständen einen Spannungsabfall. In schwachen Netzen sackt die Spannung kurz eins — andere Verbraucher reagieren mit flackerndem Licht, EDV-Anlagen können stören. Deshalb verlangen die Netzbetreiber ab bestimmten Motorleistungen eine Anlaufstrombegrenzung.
Zweitens die mechanische Belastung. Beim Direkteinschalten steht sofort das volle Anlaufmoment an. Dieser Drehmomentstoß schlägt durch Kupplung, Getriebe und Welle — Riemen rutschen oder reißen, Zahnflanken werden belastet, ruckartiges Anfahren kann Fördergut beschädigen.
Drittens — und in der Praxis oft unterschätzt — die thermische Belastung des Motors selbst. Solange der Motor hochläuft, fließt der erhöhte Anlaufstrom. Dauert dieser Hochlauf zu lange, heizen sich die Wicklungen stark auf. Die im Anlauf umgesetzte Verlustwärme hängt grob vom Quadrat des Stroms und von der Anlaufzeit ab. Bei einem kurzen Hochlauf von ein bis zwei Sekunden ist das unkritisch. Zieht sich der Anlauf aber über viele Sekunden, wird die Erwärmung zum begrenzenden Faktor.

Schweranlauf

Genau hier kommt der Begriff Schweranlauf ins Spiel: Eine Last gilt als Schweranlauf, wenn sie ein hohes Gegenmoment und/oder eine große Massenträgheit hat und der Motor entsprechend lange braucht, um sie auf Drehzahl zu bringen. Große Zentrifugen, Ventilatoren mit schwerem Laufrad, Mühlen oder Förderbänder mit viel Material darauf sind typische Beispiele.

Beim Schweranlauf entsteht ein heikler Zusammenhang: Ein Verfahren, das den Anlaufstrom stark reduziert, senkt zwangsläufig auch das Anlaufmoment. Reicht dieses reduzierte Moment nicht aus, um die Last zügig zu beschleunigen, verlängert sich die Anlaufzeit — und der ohnehin erhöhte Strom fließt umso länger. Im Extremfall „hängt“ der Motor bei niedriger Drehzahl fest und wird durch den andauernden Anlaufstrom thermisch zerstört, bevor er die Betriebsdrehzahl erreicht. Diese Gefahr ist der Grund, warum bei schweren Lasten manche stromsparenden Verfahren von vornherein ausscheiden.

Gelöstes Beispiel

Ein Käfigläufer hat einen Nennstrom von 40 A. Das Verhältnis von Anlaufstrom zu Nennstrom beträgt laut Typenschild 6,5. Wie groß ist der Anlaufstrom beim Direkteinschalten?

Gegeben: I_N = 40 A; I_A / I_N = 6,5

Gesucht: I_A in A

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Formel umstellen:
    I_A = (I_A / I_N) · I_N
  2. Schritt 2 — Werte einsetzen:
    I_A = 6,5 · 40 A

Ergebnis: I_A = 260 A

Übungen

Ein Motor hat I_N = 12 A und ein Anlaufstromverhältnis von 5. Wie hoch ist der Anlaufstrom?

I_A = 5 · 12 A = 60 A

Ein Anlaufstrom von 308 A wurde gemessen, der Nennstrom beträgt 44 A. Wie groß das Verhältnis I_A/I_N?

I_A/I_N = 308 A / 44 A = 7

Ein Motor soll laut Netzbetreiber maximal 150 A Anlaufstrom ziehen. Sein Nennstrom ist 30 A, das Verhältnis I_A/I_N = 6. Wird die Vorgabe beim Direkteinschalten eingehalten?

I_A = 6 · 30 A = 180 A. 180 A > 150 A, die Vorgabe wird nicht eingehalten — ein Anlaufverfahren ist nötig.

Zwei baugleiche Motoren mit je I_N = 25 A und I_A/I_N = 6 laufen gleichzeitig direkt an. Welcher gesamte Anlaufstrom fließt im ungünstigsten Fall?

Pro Motor I_A = 6 · 25 A = 150 A, zusammen 300 A.

Ein Motor zieht im Anlauf 280 A. Beim Direkteinschalten dauert der Hochlauf 2 s. Wie viel länger fließt dieser Strom relativ, wenn ein zu schwaches Anlaufmoment die Anlaufzeit auf 8 s vervierfacht — und warum ist das thermisch kritisch?

Die Zeit vervierfacht sich (2 s → 8 s). Da die Verlustwärme näherungsweise mit Stromquadrat und Zeit steigt und der Strom bei festsitzendem Motor hoch bleibt, steigt die Wärmeeinbringung etwa um den Faktor 4 — der Motor kann dabei thermisch überlastet werden.

Warum zieht ein Käfigläufer im Einschaltmoment einen besonders hohen Strom?

  • a) Weil der Rotor stillsteht, der Schlupf 100 % beträgt und sich der Motor wie ein kurzgeschlossener Transformator verhält
  • b) Weil die Spannung beim Einschalten kurzzeitig überhöht ist
  • c) Weil der Wicklungswiderstand im kalten Zustand am höchsten ist
  • d) Weil das Drehfeld erst aufgebaut werden muss und dabei Energie speichert

Richtig: a)

Bei Stillstand läuft das Drehfeld mit voller relativer Geschwindigkeit an den Rotorstäben vorbei und induziert über die niederohmige Kurzschlusswicklung einen hohen Strom — wie bei einem kurzgeschlossenen Trafo (a). Die Spannung ist nicht überhöht (b), der kalte Widerstand ist eher niedriger (c), und der Feldaufbau erklärt den dauerhaft hohen Anlaufstrom nicht (d).

Welche Folge des hohen Anlaufstroms betrifft direkt andere Verbraucher im selben Netz?

  • a) Der Drehmomentstoß auf die Kupplung
  • b) Die Erwärmung der Motorwicklung
  • c) Der Spannungseinbruch im Netz
  • d) Der erhöhte Schlupf im Betriebspunkt

Richtig: c)

Der Anlaufstrom erzeugt an Leitungs- und Trafoimpedanzen einen Spannungsabfall, der bei anderen Verbrauchern als Spannungseinbruch ankommt. Drehmomentstoß (a) und Wicklungserwärmung (b) betreffen den eigenen Antrieb, und im Betriebspunkt liegt der Schlupf wieder niedrig (d).

Eine Last gilt als Schweranlauf. Welche Aussage trifft zu?

  • a) Hohes Gegenmoment oder große Trägheit verlängern die Anlaufzeit und erhöhen die thermische Belastung
  • b) Schweranlauf bedeutet, dass der Motor besonders schwer gebaut ist
  • c) Schweranlauf tritt nur bei Direkteinschaltung auf
  • d) Beim Schweranlauf ist der Anlaufstrom niedriger als bei Leichtlast

Richtig: a)

Hohes Gegenmoment und große Trägheit ziehen den Hochlauf in die Länge, der erhöhte Strom fließt länger, die Wicklung wird wärmer (a). Schweranlauf bezieht sich auf die Last, nicht auf das Motorgewicht (b). Das Phänomen ist unabhängig vom Verfahren (c), und der Anlaufstrom ist eher höher bzw. fließt länger (d).

2. Die Stellgrößen: Strom, Moment, Zeit

Wenn man den Anlauf eines Motors zähmen will, gibt es nur eine begrenzte Zahl von Stellschrauben. Jedes Verfahren greift an einer davon an:

  • die Klemmenspannung am Motor (Stern-Dreieck, Sanftanlauf, Anlasstrafo)
  • die Frequenz der Speisespannung (Frequenzumrichter)
  • ein in den Rotorkreis geschalteter Widerstand (nur beim Schleifringläufer möglich)

Beim mit Abstand häufigsten Hebel — der Spannungsabsenkung — lohnt es sich, den physikalischen Zusammenhang genau zu verstehen, denn er erklärt den zentralen Zielkonflikt aller spannungsreduzierenden Verfahren.

Strom sinkt linear, Moment quadratisch

Senkt man die Klemmenspannung auf einen Bruchteil der Nennspannung, verhält sich der Anlaufstrom proportional zur Spannung:

I ~ U

  • I … Anlaufstrom
  • U … Klemmenspannung

Das Anlaufmoment dagegen sinkt mit dem Quadrat der Spannung:

M ~ U²

  • M … Anlaufmoment
  • U … Klemmenspannung

Warum das Moment quadratisch reagiert, lässt sich physikalisch nachvollziehen. Das Drehmoment einer Asynchronmaschine entsteht aus dem Zusammenwirken zweier Größen: dem magnetischen Statorfluss und dem induzierten Rotorstrom. Beide hängen an der Klemmenspannung:

  • Der Statorfluss ist näherungsweise proportional zur angelegten Spannung. Halbiert man die Spannung, halbiert sich grob der Fluss.
  • Der im Rotor induzierte Strom hängt von der vom Statorfeld induzierten Spannung ab — und die ist wiederum proportional zum Fluss, also ebenfalls proportional zur Klemmenspannung.

Das Drehmoment ist im Kern das Produkt aus Fluss und Rotorstrom. Wenn beide Faktoren proportional zur Spannung sind, ergibt ihr Produkt eine quadratische Abhängigkeit:

M ~ Fluss · Rotorstrom ~ U · U = U²

Das ist der ganze Trick hinter der oft nur auswendig gelernten Formel M ~ U². Und er hat eine unbequeme Konsequenz.

Der Zielkonflikt

Senkt man die Spannung auf 58 % (das entspricht 1/√3, dem Wert beim Stern-Dreieck-Anlauf), dann:

  • sinkt der Strom auf 58 % → angenehm fürs Netz
  • sinkt das Moment auf 0,58² ≈ 33 %, also auf ein Drittel → kritisch für die Last

Man bekommt die Strombegrenzung also nie geschenkt: Jede Spannungsabsenkung kostet überproportional Anlaufmoment. Ob das vertretbar ist, entscheidet sich am Vergleich zweier Kennlinien — der Motormomentkennlinie (welches Moment liefert der Motor bei welcher Drehzahl) und der Lastmomentkennlinie (welches Moment fordert die Arbeitsmaschine bei welcher Drehzahl). Solange die Motorkennlinie über der Lastkennlinie liegt, beschleunigt der Antrieb. Die Differenz ist das Beschleunigungsmoment.

Drehzahl n (0 = Stillstand, n_s = Synchrondrehzahl) Moment M n_N n_s Motor bei U_N Motor bei reduzierter U (M ~ U²) Last M_A
Die durchgezogene blaue Linie ist die Motorkennlinie bei voller Spannung, die gestrichelte bei reduzierter Spannung — sie liegt deutlich tiefer, weil das Moment quadratisch einbricht. Die rote Lastkennlinie steigt hier mit der Drehzahl an (typisch für Lüfter und Kreiselpumpen). Entscheidend ist: Die Motorkennlinie muss über der gesamten Hochlaufstrecke oberhalb der Lastkennlinie bleiben, sonst bleibt der Antrieb stecken.

Gelöstes Beispiel

Ein Motor zieht bei 400 V Nennspannung einen Anlaufstrom von 240 A und liefert ein Anlaufmoment von 150 Nm. Die Spannung wird auf 230 V abgesenkt. Wie groß sind Anlaufstrom und Anlaufmoment dann?

Gegeben: U_N = 400 V; U_red = 230 V; I_A bei U_N = 240 A; M_A bei U_N = 150 Nm

Gesucht: reduzierter Anlaufstrom und reduziertes Anlaufmoment

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Spannungsverhältnis:
    U_red / U_N = 230 V / 400 V = 0,575
  2. Schritt 2 — Strom (linear):
    I_A,red = 240 A · 0,575 = 138 A
  3. Schritt 3 — Moment (quadratisch):
    M_A,red = 150 Nm · 0,575² = 150 Nm · 0,3306 ≈ 49,6 Nm

Ergebnis: Der Anlaufstrom sinkt auf rund 138 A, das Anlaufmoment auf rund 49,6 Nm.

Übungen

Ein Motor hat bei Nennspannung 300 A Anlaufstrom. Die Spannung wird auf 50 % abgesenkt. Wie groß ist der Anlaufstrom?

300 A · 0,5 = 150 A.

Bei Nennspannung beträgt das Anlaufmoment 200 Nm. Die Spannung wird auf 50 % abgesenkt. Wie groß ist das Anlaufmoment?

200 Nm · 0,5² = 200 Nm · 0,25 = 50 Nm.

Auf welchen Anteil sinkt das Anlaufmoment, wenn die Spannung auf 58 % (1/√3) reduziert wird?

0,58² ≈ 0,333, also auf rund ein Drittel.

Ein Antrieb braucht zum Losbrechen mindestens 60 Nm. Der Motor liefert bei Nennspannung 180 Nm Anlaufmoment. Reicht das Moment noch, wenn die Spannung auf 60 % gesenkt wird?

180 Nm · 0,6² = 180 · 0,36 = 64,8 Nm. 64,8 Nm > 60 Nm — es reicht knapp.

Die Spannung soll so gewählt werden, dass der Anlaufstrom von 250 A auf höchstens 150 A sinkt. Welcher Spannungsanteil ist nötig, und welches Anlaufmoment bleibt dann (Nennmoment 120 Nm)?

Stromanteil = 150/250 = 0,6, also 60 % der Spannung. Moment = 120 Nm · 0,6² = 120 · 0,36 = 43,2 Nm.

Die Klemmenspannung eines Motors wird auf die Hälfte abgesenkt. Wie verhalten sich Anlaufstrom und Anlaufmoment?

  • a) Der Strom sinkt auf die Hälfte, das Moment auf ein Viertel
  • b) Beide sinken auf die Hälfte
  • c) Der Strom sinkt auf ein Viertel, das Moment auf die Hälfte
  • d) Beide sinken auf ein Viertel

Richtig: a)

Der Strom folgt der Spannung linear (0,5), das Moment dem Quadrat der Spannung (0,5² = 0,25). Damit ist a richtig. Die anderen Kombinationen verwechseln die linearen und quadratischen Abhängigkeiten.

Worauf beruht die quadratische Abhängigkeit des Anlaufmoments von der Spannung?

  • a) Darauf, dass sowohl der Statorfluss als auch der induzierte Rotorstrom proportional zur Spannung sind und das Moment ihr Produkt ist
  • b) Auf der quadratischen Zunahme des Schlupfes
  • c) Auf der Verdopplung der Frequenz bei halber Spannung
  • d) Auf dem ohmschen Widerstand der Zuleitung

Richtig: a)

Fluss und Rotorstrom sind jeweils spannungsproportional; das Moment als ihr Produkt wird damit quadratisch (a). Der Schlupf (b) ändert sich beim Einschalten nicht mit der Spannung, die Frequenz bleibt bei reiner Spannungsabsenkung konstant (c), und die Zuleitung (d) spielt für den physikalischen Zusammenhang keine Rolle.

Warum reicht es nicht, bei der Verfahrensauswahl nur den Anlaufstrom zu betrachten?

  • a) Weil der Strom im Betrieb ohnehin konstant ist
  • b) Weil der Anlaufstrom keinen Einfluss auf das Netz hat
  • c) Weil das Anlaufmoment unabhängig von der Spannung ist
  • d) Weil jede Stromabsenkung das Anlaufmoment überproportional senkt und das Moment für die Last ausreichen muss

Richtig: d)

Strom und Moment hängen gekoppelt an der Spannung, wobei das Moment quadratisch stärker einbricht. Wer nur den Strom senkt, riskiert ein zu kleines Moment (d). Der Strom ist im Anlauf gerade nicht konstant (a), beeinflusst das Netz sehr wohl (b), und das Moment hängt klar von der Spannung ab (c).

Eine Lastkennlinie steigt quadratisch mit der Drehzahl an. Um welche Art von Arbeitsmaschine handelt es sich typischerweise?

  • a) Hubwerk mit konstanter Last
  • b) Förderband mit konstantem Reibmoment
  • c) Lüfter oder Kreiselpumpe
  • d) Werkzeugmaschine mit konstantem Schnittmoment

Richtig: c)

Strömungsmaschinen wie Lüfter und Kreiselpumpen haben ein etwa quadratisch mit der Drehzahl steigendes Gegenmoment. Hubwerke (a) und Förderbänder (b) zeigen eher ein konstantes Lastmoment, und auch das Schnittmoment einer Werkzeugmaschine (d) ist nicht typisch quadratisch drehzahlabhängig.

3. Direktanlauf (DOL)

Der Direktanlauf — englisch Direct On Line (DOL) — ist der einfachste Fall: Der Motor wird über ein Schütz direkt mit der vollen Netzspannung verbunden. Es gibt keine Strombegrenzung, also fließt der volle Anlaufstrom und es steht das volle Anlaufmoment zur Verfügung. Das macht DOL zur Referenz, an der man alle anderen Verfahren misst.

Zulässig ist DOL bei kleinen Motorleistungen und an ausreichend starken Netzen, wo der Stromstoß weder die Spannung nennenswert einbrechen lässt noch Schutzorgane auslöst. Die genaue Grenze hängt vom Netzbetreiber und der Anschlusssituation ab.

Die schaltungstechnische Umsetzung mit Schütz, Motorschutz und Steuerstromkreis ist ein Thema für sich — sie wird im eigenen Beitrag zur Direkteinschaltung behandelt.

Was kennzeichnet den Direktanlauf gegenüber allen anderen Verfahren?

  • a) Er liefert das geringste Anlaufmoment
  • b) Er begrenzt den Anlaufstrom elektronisch
  • c) Er legt die volle Netzspannung an — voller Strom und volles Moment
  • d) Er erlaubt eine stufenlose Drehzahlverstellung

Richtig: c)

DOL schaltet den Motor ohne jede Reduzierung direkt ans Netz, daher voller Strom und volles Moment (c). Das größte Anlaufmoment liefert gerade DOL (a), eine elektronische Begrenzung gibt es nicht (b), und eine Drehzahlverstellung ebenso wenig (d).

Wann ist ein Direktanlauf sinnvoll?

  • a) Bei sehr großen Motoren an schwachen Netzen
  • b) Immer, da er das geringste Moment liefert
  • c) Nur bei Schweranlauf großer Massen
  • d) Bei kleinen Leistungen an ausreichend starken Netzen

Richtig: d)

Der hohe Stromstoß ist nur dort unproblematisch, wo die Leistung klein und das Netz stark genug ist (d). An schwachen Netzen mit großen Motoren (a) bricht die Spannung ein, und gerade beim Schweranlauf (c) ist der lange hohe Strom kritisch.

4. Stern-Dreieck-Anlauf (Y/Δ)

Der Stern-Dreieck-Anlauf nutzt genau den Spannungshebel aus Kapitel 2. Die Idee: Man betreibt den Motor zum Anlaufen in Sternschaltung und schaltet erst nach dem Hochlaufen auf Dreieckschaltung um.

Voraussetzung ist, dass der Motor für den Dauerbetrieb in Dreieckschaltung am vorhandenen Netz ausgelegt ist und alle sechs Wicklungsenden am Klemmenbrett herausgeführt sind. An einem 400-V-Netz heißt das: Der Motor trägt die Typenschildangabe 400 V Δ / 690 V Y, läuft also normal in Dreieck.

Schaltet man die Wicklungen für den Anlauf in Stern, liegt an jeder einzelnen Wicklung nur noch die Strangspannung an — das ist das 1/√3-fache, also rund 58 % der Spannung, die sie in Dreieck bekäme. Aus dem Zusammenhang von Kapitel 2 folgt sofort:

  • Anlaufstrom in Y = 1/3 · Anlaufstrom in Δ
  • Anlaufmoment in Y = 1/3 · Anlaufmoment in Δ

Sowohl der ans Netz abgegebene Anlaufstrom als auch das Anlaufmoment sinken auf ein Drittel. Das drittelt zwar angenehm den Strom, drittelt aber eben auch das Moment — der Zielkonflikt in Reinform.

Beim Umschalten von Stern auf Dreieck tritt zudem ein kurzer Stromstoß auf, weil der Motor noch nicht ganz auf Drehzahl ist und im Moment der Umschaltung sprunghaft die volle Spannung sieht. Deshalb eignet sich der Y/Δ-Anlauf vor allem für Antriebe, die im Leerlauf oder bei kleiner Last anlaufen — etwa Antriebe, die erst nach Erreichen der Drehzahl belastet werden. Für Schweranlauf ist er meist ungeeignet, weil das gedrittelte Anlaufmoment die Last nicht zügig genug beschleunigt.

Die konkrete Schützschaltung mit Netz-, Stern- und Dreieckschütz sowie der Umschaltlogik ist ein eigenes Thema und wird gesondert behandelt.

Gelöstes Beispiel

Ein Motor zieht im Direktanlauf (Dreieck) 270 A und liefert dabei 180 Nm Anlaufmoment. Wie groß sind Anlaufstrom und Anlaufmoment beim Anlauf in Sternschaltung?

Gegeben: I_A,Δ = 270 A; M_A,Δ = 180 Nm

Gesucht: I_A,Y und M_A,Y

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Strom auf ein Drittel:
    I_A,Y = 270 A / 3 = 90 A
  2. Schritt 2 — Moment auf ein Drittel:
    M_A,Y = 180 Nm / 3 = 60 Nm

Ergebnis: Im Sternanlauf fließen 90 A bei 60 Nm Anlaufmoment.

Übungen

Ein Motor hat im Dreieck einen Anlaufstrom von 300 A. Wie hoch ist er im Sternanlauf?

300 A / 3 = 100 A.

Das Dreieck-Anlaufmoment beträgt 240 Nm. Wie groß ist das Sternanlaufmoment?

240 Nm / 3 = 80 Nm.

Eine Last fordert beim Losbrechen 70 Nm. Der Motor liefert in Dreieck 195 Nm Anlaufmoment. Reicht das Sternanlaufmoment zum Anfahren?

195 Nm / 3 = 65 Nm. 65 Nm < 70 Nm — es reicht nicht, der Motor fährt in Stern nicht an.

Ein Netzbetreiber erlaubt höchstens 110 A Anlaufstrom. Der Motor zieht in Dreieck 300 A. Genügt der Sternanlauf der Vorgabe?

300 A / 3 = 100 A. 100 A < 110 A — die Vorgabe wird eingehalten.

Ein Motor benötigt zum Hochfahren seiner Last über den gesamten Drehzahlbereich mindestens 0,5-faches Nennmoment. Sein Anlaufmoment in Dreieck beträgt das 1,8-fache Nennmoment. Ist ein Sternanlauf möglich?

In Stern: 1,8 / 3 = 0,6-faches Nennmoment. 0,6 > 0,5 — der Sternanlauf ist möglich, allerdings mit geringer Reserve.

Auf welchen Anteil sinken Anlaufstrom und Anlaufmoment beim Sternanlauf gegenüber dem Dreieckbetrieb?

  • a) Auf 1/√3
  • b) Auf die Hälfte
  • c) Auf ein Drittel
  • d) Strom auf ein Drittel, Moment auf 1/√3

Richtig: c)

Die Strangspannung im Stern beträgt das 1/√3-fache, der Strom sinkt entsprechend, aber bezogen auf den Netzstrom und das Moment ergibt sich der Faktor 1/3 (das Quadrat von 1/√3). Beide sinken auf ein Drittel (c).

Welche Voraussetzung muss ein Motor für den Stern-Dreieck-Anlauf erfüllen?

  • a) Er muss für Dreieckbetrieb am vorhandenen Netz ausgelegt sein und sechs Klemmen besitzen
  • b) Er muss als Schleifringläufer gebaut sein
  • c) Er muss einen Frequenzumrichter besitzen
  • d) Er muss polumschaltbar sein

Richtig: a)

Damit die Stern-Verschaltung als Spannungsabsenkung wirkt, muss der Motor im Betrieb in Dreieck am Netz arbeiten und alle sechs Wicklungsenden herausführen (a). Schleifringläufer (b), Umrichter (c) und Polumschaltung (d) haben mit dem Y/Δ-Prinzip nichts zu tun.

Warum ist der Y/Δ-Anlauf für einen Schweranlauf meist ungeeignet?

  • a) Weil der Anlaufstrom in Stern zu hoch bleibt
  • b) Weil in Stern keine Spannung anliegt
  • c) Weil der Motor in Stern überhitzt, bevor er sich dreht
  • d) Weil das auf ein Drittel reduzierte Anlaufmoment die schwere Last nicht zügig beschleunigt

Richtig: d)

Beim Schweranlauf braucht man viel Moment; das gedrittelte Sternmoment reicht oft nicht, der Hochlauf zieht sich, und genau das ist das Problem (d). Der Strom ist in Stern gerade reduziert (a), Spannung liegt sehr wohl an (b), und die Überhitzung ist eine mögliche Folge, nicht die Ursache der Ungeeignetheit (c).

5. Elektronische und sonstige Verfahren: Sanftanlauf, FU, Anlasstrafo

Neben dem mechanisch-simplen Y/Δ-Anlauf gibt es Verfahren, die feiner steuern — teils elektronisch, teils mit zusätzlichem Trafo. Hier ein einordnender Überblick; die einzelnen Geräte werden in eigenen Beiträgen vertieft.

Sanftanlaufgerät. Ein Sanftanlaufgerät (Softstarter) sitzt zwischen Netz und Motor und senkt die Spannung über Leistungshalbleiter im Phasenanschnitt stufenlos ab. Statt einer einzigen Stufe wie beim Y/Δ-Anlauf fährt es die Spannung über eine einstellbare Rampe hoch — der Motor beschleunigt weich, ohne Stromstoß beim Umschalten. Es gilt aber derselbe Zielkonflikt: Auch hier sinkt mit der Spannung das Moment quadratisch. Drehzahl im Betrieb stellen kann der Softstarter nicht. Details im eigenen Beitrag zu Sanftanlaufgeräten.

Frequenzumrichter (FU). Der Frequenzumrichter ist das einzige der hier genannten Verfahren, das Spannung und Frequenz gemeinsam verstellt. Indem er beim Hochlauf Frequenz und Spannung im richtigen Verhältnis zueinander anhebt, hält er den magnetischen Fluss konstant und kann so das volle Moment bei kleinem Strom bereitstellen. Damit umgeht er den klassischen Zielkonflikt und ermöglicht zusätzlich eine stufenlose Drehzahlstellung im laufenden Betrieb. Diese Flexibilität hat ihren Preis — sowohl beim Gerät als auch bei der Einbindung. Mehr dazu im eigenen Beitrag zum Frequenzumrichter.

Anlasstrafo (Spartransformator-Anlauf). Hier wird die Motorspannung über einen Spartransformator in einer oder mehreren Stufen abgegriffen und so reduziert. Nach dem Hochlaufen schaltet man auf volle Netzspannung um. Der Vorteil gegenüber Y/Δ: Die Spannungsstufe lässt sich über die Trafoanzapfung gezielt wählen, statt fest auf 58 % festgelegt zu sein. Dadurch lässt sich das Verhältnis von Strombegrenzung zu verbleibendem Moment besser an die Last anpassen. Eingesetzt wird der Anlasstrafo vor allem bei großen Maschinen, wo diese Anpassbarkeit den höheren Aufwand rechtfertigt.

Zur Abgrenzung noch ein Sonderweg: Beim Schleifringläufer lässt sich der Anlauf nicht über die Statorspannung, sondern über einen in den Rotorkreis geschalteten Widerstand zähmen. Dieser Anlasswiderstand begrenzt den Anlaufstrom und hebt gleichzeitig das Anlaufmoment an — ein Vorteil, den die spannungsreduzierenden Verfahren nicht bieten. Das geht aber nur bei der Bauart Schleifringläufer, nicht beim Käfigläufer, und ist ein Thema für sich.

Welches Verfahren kann als einziges das volle Anlaufmoment bei zugleich kleinem Anlaufstrom liefern?

  • a) Stern-Dreieck-Anlauf
  • b) Sanftanlaufgerät
  • c) Frequenzumrichter
  • d) Anlasstrafo

Richtig: c)

Nur der Frequenzumrichter verstellt Spannung und Frequenz gemeinsam und hält dadurch den Fluss konstant — so bleibt das Moment voll erhalten, während der Strom klein ist (c). Y/Δ (a), Softstarter (b) und Anlasstrafo (d) senken nur die Spannung und unterliegen damit dem quadratischen Momentverlust.

Worin liegt der Vorteil des Anlasstrafos gegenüber dem Stern-Dreieck-Anlauf?

  • a) Er benötigt keine Halbleiter
  • b) Er liefert grundsätzlich das volle Anlaufmoment
  • c) Er stellt die Drehzahl stufenlos
  • d) Die Spannungsstufe ist über die Trafoanzapfung wählbar statt fest auf 58 %

Richtig: d)

Der Anlasstrafo erlaubt über die Anzapfung eine an die Last angepasst Spannungsstufe, während Y/Δ fest bei ≈ 58 % liegt (d). Volles Moment (b) bietet nur der FU, eine Drehzahlstellung (c) ebenfalls, und das Fehlen von Halbleitern (a) ist kein funktionaler Vorteil beim Anlauf.

Warum kann der Schleifringläufer mit Anlasswiderstand etwas, das spannungsreduzierende Verfahren nicht können?

  • a) Er senkt die Frequenz automatisch
  • b) Der Rotorwiderstand begrenzt den Strom und hebt gleichzeitig das Anlaufmoment an
  • c) Er kommt ohne jeden Anlaufstrom aus
  • d) Er ist ein Käfigläufer mit zusätzlichen Stäben

Richtig: b)

Über den in den Rotorkreis geschalteten Widerstand verschiebt sich die Kennlinie so, dass bei begrenztem Strom ein hohes Anlaufmoment entsteht (b). Die Frequenz wird nicht verändert (a), ein Anlaufstrom fließt weiterhin (c), und ein Schleifringläufer ist gerade kein Käfigläufer (d).

Wodurch erreicht der Sanftanlauf einen weicheren Hochlauf als der Y/Δ-Anlauf?

  • a) Durch Anheben der Frequenz
  • b) Durch eine stufenlose Spannungsrampe statt einer einzigen Umschaltstufe
  • c) Durch Zuschalten eines Rotorwiderstands
  • d) Durch volles Moment von Beginn an

Richtig: b)

Der Softstarter fährt die Spannung über eine einstellbare Rampe hoch, sodass der ruckartige Übergang und der Umschaltstromstoß des Y/Δ-Anlaufs entfallen (b). Die Frequenz bleibt unverändert (a), einen Rotorwiderstand nutzt er nicht (c), und volles Moment von Beginn an liefert er gerade nicht (d).

6. Auswahl in der Praxis

Welches Verfahren das richtige ist, hängt von drei Fragen ab: Wie stark ist das Netz, und welche Anlaufstrombegrenzung fordert der Betreiber? Wie sieht die Lastkennlinie aus — Leerlaufanlauf oder Schweranlauf? Und wie viel darf das Ganze kosten? Die folgende Tabelle fasst die Verfahren entlang dieser Achsen zusammen.

Verfahren Anlaufstrom Anlaufmoment Drehzahlstellung Aufwand/Kosten Typischer Einsatz
Direktanlauf (DOL) voll (5–8·I_N) voll nein sehr gering kleine Motoren, starkes Netz
Stern-Dreieck (Y/Δ) ~1/3 ~1/3 nein gering Leerlauf-/Schwachlastanlauf mittlerer Motoren
Sanftanlauf einstellbar, reduziert reduziert (quadratisch) nein mittel weicher Anlauf, Riemen-/Pumpenantriebe
Frequenzumrichter klein voll möglich ja, stufenlos hoch Drehzahlregelung, anspruchsvolle Antriebe
Anlasstrafo über Stufe wählbar über Stufe wählbar nein mittel–hoch große Maschinen mit Strombegrenzung

Die Anlaufzeit als Auswahlkriterium

Der Stromwert allein verrät noch nicht, ob ein Verfahren taugt. Mindestens ebenso wichtig ist, ob das verbleibende Anlaufmoment die Last in vernünftiger Zeit hochfährt. Hier schließt sich der Kreis zum Schweranlauf aus Kapitel 1: Je größer die Massenträgheit und je höher das Gegenmoment, desto länger die Anlaufzeit — und desto länger fließt der erhöhte Strom.

Daraus ergibt sich eine harte Grenze. Reduziert ein Verfahren das Moment so stark, dass die Anlaufzeit über das thermisch Zulässige hinaus ansteigt, scheidet es aus, egal wie gut die Strombegrenzung aussieht. Ein Stern-Dreieck-Anlauf kann beim Strom überzeugen und trotzdem unbrauchbar sein, weil der Motor bei gedritteltem Moment zu lange im Anlaufbereich verharrt und thermisch überlastet wird. Genau in solchen Fällen greift man zum Frequenzumrichter, der volles Moment bei kleinem Strom liefert, oder zum Anlasstrafo mit gezielt gewählter Stufe.

Faustregeln

Ein paar Orientierungen aus der Praxis:

  • Strömungsmaschinen (Lüfter, Kreiselpumpen) haben ein bei niedriger Drehzahl kleines Lastmoment. Sie verzeihen ein reduziertes Anlaufmoment — Y/Δ oder Sanftanlauf passen oft.
  • Konstantmoment-Lasten mit hoher Trägheit (Förderbänder mit Material, Mühlen, große Zentrifugen) sind Schweranlauf-Kandidaten. Hier ist volles oder gut dosiertes Moment gefragt — FU oder Anlasstrafo.
  • Häufiges Schalten und sanftes Anfahren (Transportbänder mit empfindlichem Gut, Riementriebe) sprechen für den Sanftanlauf wegen des stoßfreien Hochlaufs.
  • Wo ohnehin die Drehzahl geregelt werden soll, ist der FU gesetzt — die Anlaufproblematik löst er nebenbei mit.

Eine schwere Zentrifuge mit großer Massenträgheit soll angetrieben werden. Welches Verfahren scheidet am ehesten aus und warum?

  • a) Frequenzumrichter, weil er kein Moment liefert
  • b) Stern-Dreieck, weil das gedrittelte Moment die Anlaufzeit zu stark verlängert
  • c) Anlasstrafo, weil er den Strom nicht begrenzt
  • d) DOL, weil er zu wenig Anlaufmoment hat

Richtig: b)

Bei großer Trägheit braucht man viel Moment; Y/Δ drittelt es und verlängert die Anlaufzeit so stark, dass der Motor thermisch gefährdet ist (b). Der FU liefert gerade volles Moment (a), der Anlasstrafo begrenzt den Strom über die Stufe (c), und DOL hat das höchste Anlaufmoment (d).

Welcher zusammenhang macht die Anlaufzeit zu einem thermischen Risiko?

  • a) Längere Anlaufzeit bedeutet niedrigeren Strom
  • b) Während des Hochlaufs fließt der erhöhte Anlaufstrom; je länger das dauert, desto mehr Wärme entsteht
  • c) Die Anlaufzeit beeinflusst nur die Mechanik, nicht die Temperatur
  • d) Mit die Anlaufzeit sinkt das Lastmoment automatisch

Richtig: b)

Solange der Motor nicht auf Drehzahl ist, fließt der hohe Anlaufstrom; eine lange Anlaufzeit summiert entsprechend viel Verlustwärme in der Wicklung (b). Der Strom sinkt nicht mit der Zeit (a), die Temperatur ist sehr wohl betroffen (c), und das Lastmoment ändert sich nicht von selbst mit der Zeit (d).

Für eine drehzahlgeregelte Anwendung mit gleichzeitig begrenztem Anlaufstrom ist welches Verfahren die naheliegende Wahl?

  • a) Direktanlauf
  • b) Stern-Dreieck
  • c) Frequenzumrichter
  • d) Anlasstrafo

Richtig: c)

Nur der FU vereint geregelte Betriebsdrehzahl mit kleinem Anlaufstrom und vollem Moment (c). DOL (a) begrenzt nichts, Y/Δ (b) und Anlasstrafo (d) können die Betriebsdrehzahl nicht stellen.

Warum verträgt eine Kreiselpumpe (quadratisch steigende Lastkennlinie) einen Stern-Dreieck- oder Sanftanlauf meist gut?

  • a) Weil ihr Lastmoment bei niedriger Drehzahl klein ist
  • b) Weil sie ein konstant hohes Losbrechmoment hat
  • c) Weil sie keine Massenträgheit besitzt
  • d) Weil sie nur mit Frequenzumrichter betrieben werden darf

Richtig: a)

Als Strömungsmaschine fordert die Kreiselpumpe bei niedriger Drehzahl nur ein kleines Moment, das mit der Drehzahl ansteigt — das reduzierte Anlaufmoment reicht daher zum Hochfahren (a). Ein hohes Losbrechmoment (b) hat sie gerade nicht, eine Trägheit ist vorhanden (c), und ein FU ist nicht zwingend (d).

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Käfigläufer hat einen Nennstrom von 35 A und ein Anlaufstromverhältnis von 6,5.

Gegeben: I_N = 35 A; I_A/I_N = 6,5

Gesucht: Anlaufstrom I_A beim Direkteinschalten

Lösungsweg:

I_A = 6,5 · 35 A

Ergebnis: I_A = 227,5 A

Aufgabe 2: Der Motor aus Aufgabe 1 wird im Sternanlauf betrieben.

Gegeben: I_A,Δ = 227,5 A

Gesucht: Anlaufstrom in Sternschaltung

Lösungsweg:

I_A,Y = 227,5 A / 3

Ergebnis: I_A,Y ≈ 75,8 A

Aufgabe 3: Ein Motor liefert bei 400 V ein Anlaufmoment von 210 Nm. Die Spannung wird über einen Anlasstrafo auf 280 V abgesenkt.

Gegeben: U_N = 400 V; U_red = 280 V; M_A bei U_N = 210 Nm

Gesucht: reduziertes Anlaufmoment

Lösungsweg:

M_A,red = 210 Nm · (280/400)² = 210 Nm · 0,49

Ergebnis: M_A,red = 102,9 Nm

Aufgabe 4: Beim selben Motor (Aufgabe 3) beträgt der Anlaufstrom bei 400 V 230 A.

Gegeben: U_N = 400 V; U_red = 280 V; I_A bei U_N = 230 A

Gesucht: reduzierter Anlaufstrom

Lösungsweg:

I_A,red = 230 A · (280/400) = 230 A · 0,7

Ergebnis: I_A,red = 161 A

Aufgabe 5: Eine Last fordert über den gesamten Hochlauf mindestens das 0,4-fache Nennmoment. Ein Motor hat in Dreieck ein Anlaufmoment vom 1,6-fachen Nennmoment.

Gegeben: M_Last,min = 0,4·M_N; M_A,Δ = 1,6·M_N

Gesucht: Ist ein Sternanlauf möglich?

Lösungsweg:

M_A,Y = 1,6·M_N / 3 ≈ 0,53·M_N; Vergleich mit 0,4·M_N

Ergebnis: 0,53·M_N > 0,4·M_N — Sternanlauf möglich (mit Reserve).

Aufgabe 6: Ein Netzbetreiber begrenzt den Anlaufstrom auf 130 A. Der Motor zieht in Dreieck 360 A. Welche Spannungsabsenkung in Prozent ist mindestens nötig, und welcher Anteil des Anlaufmoments bleibt dann?

Gegeben: I_A,Δ = 360 A; I_A,max = 130 A

Gesucht: Spannungsanteil und verbleibendes Momentverhältnis

Lösungsweg:

Spannungsanteil = 130/360 ≈ 0,361; Momentanteil = 0,361² ≈ 0,130

Ergebnis: Spannung auf rund 36 % absenken; es bleiben nur rund 13 % des Anlaufmoments — vermutlich zu wenig.

Frage 1: Das Verhältnis I_A/I_N eines Standard-Käfigläufers liegt typischerweise im Bereich:

  • a) 1 bis 2
  • b) 2 bis 4
  • c) 5 bis 8
  • d) 10 bis 15

Richtig: c)

Übliche Käfigläufer ziehen das 5- bis 8-fache des Nennstroms (c). Werte um 1–4 (a, b) wären untypisch niedrig, 10–15 (d) deutlich zu hoch für Standardmotoren.

Frage 2: Wird die Klemmenspannung auf 70 % abgesenkt, beträgt das Anlaufmoment noch:

  • a) 70 %
  • b) 49 %
  • c) 84 %
  • d) 35 %

Richtig: b)

Das Moment folgt dem Quadrat der Spannung: 0,7² = 0,49, also 49 % (b). 70 % (a) wäre die lineare Stromabsenkung, die anderen Werte passen zu keiner der Abhängigkeiten.

Frage 3: Welches Verfahren verändert als einziges auch die Frequenz?

  • a) Stern-Dreieck
  • b) Sanftanlauf
  • c) Frequenzumrichter
  • d) Anlasstrafo

Richtig: c)

Nur der FU stellt Spannung und Frequenz gemeinsam (c). Y/Δ (a), Softstarter (b) und Anlasstrafo (d) arbeiten ausschließlich über die Spannung.

Frage 4: Beim Umschalten von Stern auf Dreieck tritt ein kurzer Stromstoß auf, weil:

  • a) der Motor noch nicht ganz auf Drehzahl ist und sprunghaft die volle Spannung sieht
  • b) die Wicklungen kurzgeschlossen werden
  • c) der Anlasstrafo sich entlädt
  • d) die Frequenz kurz ansteigt

Richtig: a)

Im Umschaltmoment liegt der Motor noch unter Nenndrehzahl und erhält schlagartig die volle Dreieckspannung — der Reststrom steigt kurz an (a). Es gibt keinen Kurzschluss (b), keinen Anlasstrafo beim Y/Δ (c) und keine Frequenzänderung (d).

Frage 5: Warum kann ein Stern-Dreieck-Anlauf beim Schweranlauf scheitern, obwohl der Anlaufstrom gut begrenzt ist?

  • a) Weil das gedrittelte Moment die träge Last zu langsam beschleunigt und der Motor thermisch überlastet
  • b) Weil der Strom in Stern doch zu hoch ist
  • c) Weil die Netzspannung in Stern zusammenbricht
  • d) Weil das Drehfeld in Stern stillsteht

Richtig: a)

Der niedrige Strom hilft nicht, wenn das ebenfalls gedrittelte Moment die schwere Last nicht zügig hochbringt — die lange Anlaufzeit überhitzt den Motor (a). Der Strom ist in Stern reduziert (b), die Netzspannung bricht nicht zusammen (c), und das Drehfeld läuft normal (d).

Frage 6: Ein Antrieb soll später drehzahlgeregelt laufen. Welche Anlauflösung ist am sinnvollsten?

  • a) DOL und später nachrüsten
  • b) Stern-Dreieck
  • c) Anlasstrafo
  • d) Frequenzumrichter

Richtig: d)

Wird ohnehin Drehzahlregelung benötigt, deckt der FU Anlauf und Betrieb in einem ab (d). Die anderen Lösungen lösen das Drehzahlthema nicht und müssten ergänzt werden.

Frage 7: Welche Aussage zum Frequenzumrichter ist korrekt?

  • a) Er senkt nur die Spannung und unterliegt damit dem quadratischen Momentverlust
  • b) Er kann nur Schleifringläufer anlaufen lassen
  • c) Er erzeugt grundsätzlich höhere Anlaufströme als DOL
  • d) Er hält durch gemeinsames Anheben von Spannung und Frequenz den Fluss konstant und liefert volles Moment bei kleinem Strom

Richtig: d)

Durch das abgestimmte Hochfahren von Spannung und Frequenz bleibt der Fluss konstant, das Moment voll, der Strom klein (d). Er senkt nicht nur die Spannung (a), arbeitet mit Käfigläufern (b), und erzeugt gerade keine hohen Anlaufströme (c).

Frage 8: Eine Kreiselpumpe (quadratisch steigende Lastkennlinie) soll ohne Drehzahlregelung anlaufen. Welches einfache Verfahren passt gut?

  • a) Es ist zwingend ein FU nötig
  • b) Nur DOL ist möglich
  • c) Anlasstrafo mit voller Spannung
  • d) Stern-Dreieck oder Sanftanlauf, da das Lastmoment bei niedriger Drehzahl klein ist

Richtig: d)

Strömungsmaschinen fordern bei niedriger Drehzahl wenig Moment und verkraften daher das reduzierte Anlaufmoment von Y/Δ oder Sanftanlauf (d). Ein FU ist nicht zwingend (a), DOL nicht das einzige Mittel (b), und „Anlasstrafo mit voller Spannung“ wäre kein reduzierender Anlauf (c).

Frage 9: Worin liegt der prinzipielle Vorteil des Schleifringläufer-Anlaufs mit Rotorwiderstand gegenüber spannungsreduzierenden Verfahren?

  • a) Er kommt ohne Anlaufstrom aus
  • b) Er ist billiger als DOL
  • c) Er stellt die Betriebsdrehzahl stufenlos
  • d) Er begrenzt den Strom und hebt zugleich das Anlaufmoment an

Richtig: d)

Der Rotorwiderstand verschiebt die Kennlinie so, dass bei begrenztem Strom ein hohes Moment entsteht — den Vorteil bieten spannungssenkende Verfahren nicht (d). Ein Anlaufstrom fließt weiterhin (a), billiger als DOL ist er nicht (b), und eine stufenlose Drehzahlstellung im Betrieb leistet er nicht (c).

Frage 10: Welche Größe sinkt bei einer Spannungsabsenkung linear (nicht quadratisch)?

  • a) das Anlaufmoment
  • b) der Anlaufstrom
  • c) die Anlaufzeit
  • d) die Massenträgheit

Richtig: b)

Der Anlaufstrom folgt der Spannung linear (I ~ U), während das Moment quadratisch reagiert (M ~ U²) (b). Das Moment sinkt also gerade nicht linear (a), Anlaufzeit (c) und Trägheit (d) hängen nicht direkt linear an der Spannung.

Frage 11: Ein 30-kW-Motor soll an einem schwachen Netz betrieben werden, der Netzbetreiber fordert Anlaufstrombegrenzung. Die Last ist eine Strömungsmaschine. Welche Lösung ist am wirtschaftlichsten sinnvoll?

  • a) DOL, da am billigsten
  • b) Sanftanlauf oder Stern-Dreieck
  • c) Schleifringläufer mit Rotorwiderstand
  • d) Zwei Frequenzumrichter parallel

Richtig: b)

Eine Strömungsmaschine verträgt reduziertes Moment, und Sanftanlauf bzw. Y/Δ begrenzen den Strom kostengünstig (b). DOL erfüllt die Strombegrenzung nicht (a), ein Schleifringläufer wäre ein anderer Motortyp (c), und zwei FU parallel sind unnötig aufwendig (d).

Frage 12: Warum lässt sich der Zielkonflikt „Strom runter heißt Moment überproportional runter“ mit dem Frequenzumrichter umgehen?

  • a) Weil er die Massenträgheit der Last verringert
  • b) Weil er durch konstanten Fluss das Moment unabhängig von der reinen Spannungsabsenkung hält
  • c) Weil er den Anlaufstrom durch einen Widerstand begrenzt
  • d) Weil er die Lastkennlinie verändert

Richtig: b)

Der FU hebt Spannung und Frequenz gemeinsam an, hält so den Fluss konstant und entkoppelt damit das Moment von der reinen Spannungsabsenkung (b). Er ändert weder Trägheit (a) noch Lastkennlinie (d) und nutzt keinen Anlasswiderstand (c).

Glossar

Anlaufstrom (I_A)
Der Strom, den ein Motor im Moment des Einschaltens aus dem Netz zieht; bei Käfigläufern typischerweise das 5- bis 8-fache des Nennstroms.
Anlaufmoment (M_A)
Das Drehmoment, das der Motor im Stillstand beim Einschalten entwickelt und das die Last in Bewegung setzen muss.
Anlaufzeit
Die Dauer vom Einschalten bis zum Erreichen der Betriebsdrehzahl; je länger sie ist, desto höher die thermische Belastung durch den anhaltenden Anlaufstrom.
Schweranlauf
Ein Anlauf gegen hohes Gegenmoment oder große Massenträgheit, bei dem die Anlaufzeit zum begrenzenden Kriterium wird.
Direktanlauf (DOL)
Direct On Line; direktes Einschalten mit voller Netzspannung, ohne Strom- oder Momentbegrenzung.
Stern-Dreieck-Anlauf (Y/Δ)
Anlaufverfahren, bei dem der Motor zunächst in Sternschaltung läuft (reduzierte Strangspannung) und nach dem Hochlauf auf Dreieck umschaltet; Strom und Moment sinken auf ein Drittel.
Sanftanlaufgerät (Softstarter)
Elektronisches Gerät, das die Motorspannung über Phasenanschnitt stufenlos hochfährt und so einen weichen, stoßfreien Anlauf ermöglicht.
Frequenzumrichter (FU)
Stellgerät, das Spannung und Frequenz gemeinsam verstellt; ermöglicht vollen Moment bei kleinem Anlaufstrom sowie stufenlose Drehzahlregelung im Betrieb.
Anlasstrafo
Spartransformator, der die Motorspannung beim Anlauf in wählbaren Stufen absenkt und nach dem Hochlauf auf volle Spannung umschaltet.
Beschleunigungsmoment
Die Differenz zwischen Motormoment und Lastmoment; nur solange sie positiv ist, beschleunigt der Antrieb.
Phasenanschnitt
Steuerungsverfahren, bei dem Leistungshalbleiter erst nach einem Teil der Halbschwingung durchschalten, wodurch sich die wirksame Spannung stufenlos einstellen lässt.
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