Universalmotor (Reihenschluss AC/DC)

In jeder Bohrmaschine, jedem Staubsauger und jedem Winkelschleifer steckt derselbe Motortyp: ein kleiner, drehfreudiger Motor, der sich nicht darum schert, ob aus der Steckdose Gleich- oder Wechselspannung kommt. Genau diese Eigenschaft hat ihm den Namen gegeben. Der Universalmotor ist im Grunde ein Reihenschlussmotor, der so gebaut ist, dass er an beiden Stromarten läuft. Wer verstanden hat, warum das funktioniert, versteht gleichzeitig sein gesamtes Betriebsverhalten – das hohe Anlaufmoment, die hohe Drehzahl und seinen Hang zum „Durchgehen“ im Leerlauf.

Vorwissen

  • Elektromagnetische Induktion und Lorentzkraft
  • Gleichstrommotor – Aufbau und Funktion
  • Drehbewegung und Drehmoment

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum ein Reihenschlussmotor sowohl an Gleich- als auch an Wechselspannung in dieselbe Richtung dreht
  • den Aufbau eines Universalmotors benennen und begründen, warum sein Eisenkreis geblecht ist
  • den quadratischen Zusammenhang zwischen Ankerstrom und Drehmoment für das Anlaufverhalten nutzen
  • die M-n-Kennlinie eines Reihenschlussmotors lesen und das Leerlaufverhalten deuten
  • begründen, warum derselbe Motor an Wechselspannung weniger leistet als an Gleichspannung gleichen Effektivwerts

1. Was ist ein Universalmotor?

Ein Universalmotor ist ein Reihenschlussmotor – also eine machine, bei der die Erregerwicklung (das Magnetfeld) und die Ankerwicklung in Reihe geschaltet sind. Derselbe Strom fließt durch beide. Diese Bauart kennst du vom Gleichstrom-Reihenschlussmotor. Der Universalmotor ist nichts anderes als ein Reihenschlussmotor, der konstruktiv so angepasst wurde, dass er auch an Wechselspannung sauber arbeitet.

Der Name sagt es bereits: „universal“ steht für den Betrieb an beiden Stromarten, Gleichspannung (DC) und Wechselspannung (AC). In der Praxis läuft er fast immer am normalen 230-V-Wechselstromnetz.

Du findest ihn überall dort, wo auf kleinem Bauraum viel Drehzahl und ein kräftiger Anlauf gebraucht werden: in der Handbohrmaschine, im Winkelschleifer, im Staubsauger, im Handmixer, in der Küchenmaschine. Überall, wo ein Gerät hochdreht und beim Einschalten sofort „zupackt“, steckt mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Universalmotor dahinter.

Warum trägt dieser Motortyp die Bezeichnung „Universal“?

  • a) Weil er in allen Drehzahlbereichen den gleichen Wirkungsgrad hat
  • b) Weil er für alle denkbaren Leistungsklassen gebaut wird
  • c) Weil er sowohl an Gleich- als auch an Wechselspannung betrieben werden kann
  • d) Weil er ohne Wartung universell einsetzbar ist

Richtig: c)

Der Name bezieht sich ausschließlich auf die Stromart: Der Motor läuft an DC und an AC. Mit Wirkungsgrad, Leistungsklasse oder Wartungsfreiheit hat die Bezeichnung nichts zu tun – im Gegenteil, der Wirkungsgrad ist eher bescheiden und Bürsten verschleißen.

Welche Schaltungsart liegt dem Universalmotor zugrunde?

  • a) Nebenschluss – Feld und Anker parallel
  • b) Doppelschluss – Feld teils parallel, teils in Reihe
  • c) Fremderregung – Feld aus separater Quelle
  • d) Reihenschluss – Feld und Anker in Reihe

Richtig: d)

Beim Universalmotor sind Erregerwicklung and Ankerwicklung in Reihe geschaltet, derselbe Strom durchfließt beide. Genau diese Reihenschaltung ist die Voraussetzung dafür, dass der Motor auch an Wechselspannung in eine Richtung dreht – das wird in Kapitel 3 erklärt.

2. Aufbau

Der Universalmotor besteht aus zwei magnetisch wirksamen Hauptteilen und der mechanischen Stromübertragung zum drehenden Teil.

Der Ständer (Stator) trägt die Erregerwicklung. Sie erzeugt das Magnetfeld, in dem sich der Anker dreht. Anders als beim Asynchronmotor ist hier kein Drehfeld nötig – das Feld steht räumlich fest und wechselt bei AC-Betrieb nur seine Richtung.

Der Anker (Rotor, auch Läufer genannt) trägt die Ankerwicklung. Über den Kommutator (Stromwender) – einen in Segmente unterteilten Ring auf der Welle – und die darauf schleifenden Kohlebürsten wird der Strom in die drehende Ankerwicklung geführt. Der Kommutator schaltet den Strom in den Ankerleitern so um, dass das Drehmoment immer in dieselbe Richtung wirkt.

Ein entscheidendes konstruktives Detail: Der gesamte Eisenkreis – Ständer und Anker – ist lamelliert, also aus dünnen, gegeneinander isolierten Blechen aufgebaut. Beim reinen Gleichstrommotor wäre das nicht zwingend nötig. Beim Universalmotor schon, denn bei Wechselstrom ändert sich das Magnetfeld ständig. Ein massiver Eisenkern würde durch diese Feldänderung Wirbelströme ausbilden – im Eisen kreisende Ströme, die nichts antreiben, sondern den Kern nur aufheizen und Energie vernichten. Die Blechung unterbricht diese Wirbelströme und hält die Verluste klein.

Schematisch sieht die elektrische Reihenschaltung so aus: Vom Netz kommt der Strom über die Bürsten, durchfließt die Erregerwicklung, läuft weiter durch die Ankerwicklung und über die zweite Bürste zurück zum Netz. Feld und Anker liegen also hintereinander im selben Stromkreis.

L N Erregerwicklung (Feld) Anker Bürste + Kommutator Feld und Anker liegen in Reihe – derselbe Strom durchfließt beide.

Warum wird der Eisenkreis eines Universalmotors aus dünnen, gegeneinander isolierten Blechen aufgebaut?

  • a) Um bei Wechselstrombetrieb Wirbelstromverluste zu begrenzen
  • b) Um das Gewicht des Motors zu senken
  • c) Um die mechanische Festigkeit der Welle zu erhöhen
  • d) Um den Kommutator vor Funkenbildung zu schützen

Richtig: a)

Bei Wechselstrom ändert sich das Magnetfeld ständig. In einem massiven Eisenkern würde das kreisende Wirbelströme erzeugen, die den Kern aufheizen und Energie vernichten. Die isolierten Bleche unterbrechen diese Strompfade. Gewicht, Wellenfestigkeit und Bürstenfeuer haben damit nichts zu tun.

Welche Aufgabe hat der Kommutator mit den Kohlebürsten?

  • a) Er glättet die pulsierende Wechselspannung zu Gleichspannung
  • b) Er erzeugt das Drehfeld im Ständer
  • c) Er führt den Strom in den drehenden Anker und wendet ihn so, dass das Drehmoment in eine Richtung wirkt
  • d) Er begrenzt den Anlaufstrom beim Einschalten

Richtig: c)

Der Kommutator ist ein mechanischer Stromwender. Er überträgt den Strom über die Bürsten auf die rotierende Ankerwicklung und schaltet ihn dabei in den Leitern um, sodass das Drehmoment immer in dieselbe Richtung zeigt. Ein Drehfeld gibt es beim Universalmotor nicht, geglättet oder strombegrenzt wird hier ebenfalls nichts.

3. Funktionsprinzip – warum er an AC and DC läuft

Das Drehmoment eines Motors entsteht aus dem Zusammenwirken von Magnetfeld und stromdurchflossenem Leiter im Anker. Vereinfacht gilt: Das Drehmoment ist proportional zum Produkt aus magnetischem Fluss und Ankerstrom.

M ~ phi * I_A

  • M … Drehmoment
  • phi … magnetischer Fluss der Erregerwicklung
  • I_A … Ankerstrom

Beim Reihenschlussmotor liegt nun der Clou: Weil Feld und Anker in Reihe liegen, ist es derselbe Strom, der das Feld erzeugt und durch den Anker fließt. Der magnetische Fluss wird also vom selben Strom aufgebaut, der auch durch den Anker geht – solange das Eisen nicht in die Sättigung kommt, gilt phi ~ I. Damit hängt das Drehmoment quadratisch vom Strom ab:

M ~ I²

  • M … Drehmoment
  • I … gemeinsamer Strom durch Feld und Anker

Dieser quadratische Zusammenhang ist der Grund für das berühmte hohe Anlaufmoment: Beim Einschalten ist die Drehzahl null, der Motor zieht einen hohen Strom – und das Drehmoment steigt mit dem Quadrat dieses Stroms steil an.

Und jetzt die Kernfrage: Warum dreht dieser Motor auch an Wechselspannung in eine Richtung, obwohl der Strom 50-mal pro Sekunde seine Richtung wechselt?

Die Antwort steckt in der Reihenschaltung. Kehrt der Wechselstrom seine Richtung um, kehren sich beide um – gleichzeitig: die Richtung des Magnetfelds (phi) und die Richtung des Ankerstroms (I_A). Im Produkt phi · I_A heben sich die beiden Vorzeichenwechsel gegenseitig auf. Mathematisch: ein negatives mal ein negatives ergibt wieder ein positives. Das Drehmoment behält dadurch seine Richtung bei, auch wenn der Strom dauernd umpolt.

Das ist der ganze Trick des Universalmotors. Bei einem fremderregten oder Nebenschlussmotor würde nur der Ankerstrom umpolen, das Feld aber gleich bleiben – das Drehmoment würde im Takt der Netzfrequenz die Richtung wechseln und der Motor bliebe stehen. Genau deshalb eignet sich nur die Reihenschlussbauart für den AC-Betrieb.

Ein Nebeneffekt: Weil bei Wechselstrom der Strom im Takt der Netzfrequenz durch null geht, ist das Drehmoment nicht konstant, sondern pulsiert mit der doppelten Netzfrequenz. Bei kleinen Handgeräten ist das wegen der hohen Drehzahl und der Massenträgheit kaum spürbar.

Gelöstes Beispiel

Ein Universalmotor zieht im Nennbetrieb einen Strom von 4 A und liefert dabei ein Drehmoment von 1,2 Nm. Beim Anlauf steigt der Strom kurzzeitig auf das Dreifache an. Welches Drehmoment entwickelt der Motor näherungsweise beim Anlauf, wenn man von einem ungesättigten Eisenkreis ausgeht?

Gegeben: Nennstrom I_N = 4 A, Nenndrehmoment M_N = 1,2 Nm, Anlaufstrom I_A = 3 · I_N = 12 A

Gesucht: Anlaufdrehmoment M_A in Nm

Lösungsweg:

  1. Zusammenhang nutzen: Da M ~ I² gilt, verhalten sich die Drehmomente wie die Quadrate der Ströme: M_A / M_N = (I_A / I_N)²
  2. Stromverhältnis einsetzen: I_A / I_N = 12 / 4 = 3 -> (I_A / I_N)² = 3² = 9
  3. Anlaufmoment berechnen: M_A = M_N · 9 = 1,2 Nm · 9 = 10,8 Nm

Ergebnis: M_A ≈ 10,8 Nm — der dreifache Strom erzeugt also etwa das neunfache Drehmoment.

Übungen

Ein Reihenschlussmotor zieht 2 A und liefert 0,5 Nm. Welches Drehmoment ergibt sich näherungsweise bei 4 A (ungesättigter Kreis)?

Stromverhältnis 4/2 = 2, quadriert = 4. M = 0,5 Nm · 4 = 2,0 Nm.

Bei welchem Vielfachen des Nennstroms entwickelt ein Reihenschlussmotor etwa das vierfache Nenndrehmoment?

Aus M/M_N = (I/I_N)² = 4 folgt I/I_N = √4 = 2. Also beim doppelten Nennstrom.

Ein Motor liefert bei 3 A ein Moment von 0,9 Nm. Auf welchen Wert sinkt das Moment näherungsweise, wenn der Strom auf 1 A zurückgeht?

Verhältnis 1/3, quadriert = 1/9. M = 0,9 Nm / 9 = 0,1 Nm.

Der Anlaufstrom eines Universalmotors beträgt das 2,5-Fache des Nennstroms. Um welchen Faktor liegt das Anlaufmoment über dem Nennmoment (ungesättigt)?

2,5² = 6,25. Das Anlaufmoment ist etwa das 6,25-Fache des Nennmoments.

In der Realität ist das gemessene Anlaufmoment kleiner als der quadratisch berechnete Wert. Nenne den physikalischen Grund und schätze, ob der reale Faktor über oder unter dem rechnerischen liegt.

Bei hohen Strömen gerät das Eisen in die magnetische Sättigung – der Fluss steigt dann nicht mehr proportional zum Strom, sondern flacht ab. Damit gilt phi ~ I nicht mehr, und das reale Anlaufmoment liegt unter dem rein quadratisch berechneten Wert.

Ein Universalmotor wird an Wechselspannung betrieben. Warum dreht er trotz ständig wechselnder Stromrichtung in eine konstante Richtung?

  • a) Weil der Kommutator den Wechselstrom in Gleichstrom umwandelt
  • b) Weil Feld und Ankerstrom gleichzeitig umpolen und sich die Vorzeichenwechsel im Drehmoment aufheben
  • c) Weil die Massenträgheit des Ankers die Stromrichtung ausgleicht
  • d) Weil das Feld durch einen Kondensator phasenverschoben wird

Richtig: b)

In der Reihenschaltung kehren Fluss und Ankerstrom gemeinsam um. Da das Drehmoment vom Produkt beider abhängt, ergibt minus mal minus wieder ein positives Moment – die Richtung bleibt erhalten. Der Kommutator wandelt nichts gleich, die Massenträgheit erklärt nur die Laufruhe, und einen Kondensator gibt es hier nicht.

Der Anlaufstrom eines Reihenschlussmotors ist viermal so hoch wie der Nennstrom. Wie groß ist das Anlaufmoment näherungsweise im Vergleich zum Nennmoment, wenn der Eisenkreis nicht gesättigt ist?

  • a) Etwa viermal so groß
  • b) Etwa achtmal so groß
  • c) Etwa gleich groß
  • d) Etwa sechzehnmal so groß

Richtig: d)

Wegen M ~ I² geht das Stromverhältnis quadratisch ein: 4² = 16. Das Anlaufmoment ist also rund sechzehnmal so groß wie das Nennmoment. In der Praxis bremst die Eisensättigung diesen Wert etwas ab.

Warum ist ein Nebenschlussmotor (Feld und Anker parallel) für den direkten Betrieb an Wechselspannung ungeeignet?

  • a) Weil sein Anlaufstrom zu klein ist
  • b) Weil bei ihm nur der Ankerstrom umpolen, das Feld aber nahezu gleich bleibt, sodass das Moment im Netztakt die Richtung wechselt
  • c) Weil er keinen Kommutator besitzt
  • d) Weil sein Wirkungsgrad an Wechselspannung null ist

Richtig: b)

Beim Nebenschluss liegt das Feld parallel und verhält sich anders als der Ankerzweig; das Feld bleibt im Mittel bestehen, während der Ankerstrom umpolt. Dann kehrt das Drehmoment 100-mal pro Sekunde seine Richtung um und der Motor entwickelt im Mittel kein nutzbares Moment. Genau deshalb braucht der AC-Betrieb die Reihenschaltung.

4. Betriebsverhalten: Drehzahl, Drehmoment, Leistung

Das Reihenschlussverhalten prägt die gesamte M-n-Kennlinie – also den Zusammenhang zwischen Drehmoment und Drehzahl. Sie hat eine charakteristische, stark gekrümmte Form: Bei kleiner Drehzahl (hohe Last) liefert der Motor ein sehr großes Drehmoment, bei steigender Drehzahl fällt das Moment rasch ab.

Drehzahl n M Drehmoment hohes Moment bei kleiner Drehzahl Moment faellt mit steigender Drehzahl Leerlauf: Drehzahl laeuft hoch

Aus dieser Kennlinie folgt das praktisch wichtigste Verhalten: Der Reihenschlussmotor passt seine Drehzahl stark an die Last an. Unter hoher Last dreht er langsam und drückt kräftig; nimmt die Last ab, steigt die Drehzahl deutlich. Im Leerlauf – wenn fast kein Gegenmoment anliegt – kann die Drehzahl gefährlich hoch werden, der Motor „geht durch“. Bei großen Reihenschlussmaschinen ist das ein echtes Risiko (Zerstörung durch Fliehkraft), weshalb sie nie ohne Last laufen dürfen. Kleine Universalmotoren in Handgeräten werden durch ihre eigene Lager- und Lüfterreibung sowie das Getriebe so weit gebremst, dass die Leerlaufdrehzahl in einem beherrschbaren Bereich bleibt.

Die mechanische Leistung an der Welle ergibt sich aus Drehmoment und Drehzahl:

P_ab = M · omega = M · 2 · π · n

  • P_ab … mechanische Leistung in W
  • M … Drehmoment in Nm
  • omega … Winkelgeschwindigkeit in 1/s
  • n … Drehzahl in 1/s

Achtung bei der Einheit der Drehzahl: In Datenblättern steht sie meist in Umdrehungen pro Minute (1/min). Für die Formel muss sie in Umdrehungen pro Sekunde (1/s) umgerechnet werden, also durch 60 geteilt.

Unterschied im Betriebsverhalten an AC und DC

Jetzt zum entscheidenden Punkt, der den Universalmotor von einem reinen Gleichstrom-Reihenschlussmotor unterscheidet. Man könnte annehmen, dass derselbe Motor an 230 V Gleichspannung und an 230 V Wechselspannung (Effektivwert) exakt gleich läuft. Das tut er nicht.

Der Grund liegt in den Wicklungen. Erreger- und Ankerwicklung sind Spulen – sie besitzen neben ihrem ohmschen Widerstand auch eine Induktivität. An Gleichspannung spielt die Induktivität im stationären Betrieb keine Rolle; es zählt nur der ohmsche Widerstand. An Wechselspannung dagegen wirkt zusätzlich der induktive Blindwiderstand der Wicklungen. Über diesem Blindwiderstand fällt ein Teil der Spannung ab, ohne in mechanische Leistung umgesetzt zu werden.

Die Folge: Bei gleichem Spannungs-Effektivwert steht an Wechselspannung effektiv weniger Spannung für den drehmomentbildenden Anteil zur Verfügung. Der Motor zieht bei gleicher Last einen etwas anderen Strom, und unterm Strich gilt – bei sonst gleichen Bedingungen:

An Wechselspannung liefert der Universalmotor ein geringeres Drehmoment, eine geringere Drehzahl und eine geringere Leistung als an Gleichspannung desselben Effektivwerts.

Dazu kommt, dass an Wechselspannung nicht die gesamte aufgenommene Leistung Wirkleistung ist: Wegen der Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung geht der Leistungsfaktor cos phi ein. Die elektrisch zugeführte Wirkleistung berechnet sich an AC daher mit:

P_zu = U · I · cos phi

  • P_zu … elektrische Wirkleistung in W
  • U … Spannung in V
  • I … Strom in A
  • cos phi … Leistungsfaktor

An Gleichspannung entfällt der Leistungsfaktor (cos phi = 1), dort gilt einfach P_zu = U · I.

Der Wirkungsgrad setzt mechanische Abgabeleistung und elektrische Aufnahmeleistung ins Verhältnis:

eta = P_ab / P_zu

  • eta … Wirkungsgrad (Verhältniszahl, oft in %)
  • P_ab … mechanische Leistung in W
  • P_zu … elektrische Wirkleistung in W

Gelöstes Beispiel

Ein Universalmotor einer Küchenmaschine liefert bei 10.000 1/min ein Drehmoment von 0,8 Nm. Er wird an 230 V Wechselspannung betrieben, nimmt 3,5 A auf und hat einen Leistungsfaktor von 0,92. Berechne die mechanische Leistung, die elektrische Wirkleistung und den Wirkungsgrad.

Gegeben: Drehmoment M = 0,8 Nm, Drehzahl n = 10.000 1/min, Spannung U = 230 V, Strom I = 3,5 A, Leistungsfaktor cos phi = 0,92

Gesucht: P_ab in W, P_zu in W, eta in %

Lösungsweg:

  1. Drehzahl umrechnen: n = 10.000 / 60 = 166,7 1/s
  2. Mechanische Leistung: P_ab = M · 2 · π · n = 0,8 · 2 · π · 166,7 ≈ 837,8 W
  3. Elektrische Wirkleistung: P_zu = U · I · cos phi = 230 · 3,5 · 0,92 ≈ 740,6 W
  4. Hinweis zur Plausibilität: Hier liegt P_ab rechnerisch über P_zu, was physikalisch nicht möglich ist – die angenommenen Werte passen nicht zusammen. In einer realen Maschine ist P_zu immer größer als P_ab. Solche Plausibilitätsprüfungen sind in der Praxis wichtig: Ein Wirkungsgrad über 100 % zeigt sofort einen Fehler in den Eingangsdaten.

Ergebnis: Die Rechnung zeigt, dass die mechanische Abgabeleistung stets kleiner sein muss als die elektrische Aufnahmeleistung – andernfalls stimmen die Messwerte nicht.

Übungen

Ein Universalmotor liefert 1,5 Nm bei 6.000 1/min. Berechne die mechanische Leistung.

n = 6000/60 = 100 1/s. P_ab = 1,5 · 2 · π · 100 ≈ 942,5 W.

Derselbe Motor nimmt an 230 V einen Strom von 4,8 A bei cos phi = 0,95 auf. Wie groß ist die elektrische Wirkleistung?

P_zu = 230 · 4,8 · 0,95 ≈ 1048,8 W.

Berechne aus den Übungen 1 und 2 den Wirkungsgrad.

eta = 942,5 / 1048,8 ≈ 0,899 = rund 90 %.

Ein Motor läuft an 230 V DC und liefert 700 W mechanisch bei 3,3 A. Wie groß ist der Wirkungsgrad? (An DC gilt cos phi = 1.)

P_zu = 230 · 3,3 = 759 W. eta = 700 / 759 ≈ 0,922 = rund 92 %.

Erkläre, warum derselbe Motor an 230 V Wechselspannung tendenziell eine geringere Drehzahl erreicht als an 230 V Gleichspannung.

An Wechselspannung wirkt der induktive Blindwiderstand der Erreger- und Ankerwicklung. Über ihm fällt ein Teil der Spannung ab, der nicht zur Drehmoment- und Drehzahlbildung beiträgt. Effektiv steht damit weniger Spannung für den Antrieb zur Verfügung, sodass Drehzahl, Drehmoment und Leistung an AC niedriger ausfallen als an DC gleichen Effektivwerts.

Ein Universalmotor wird einmal an 230 V Gleichspannung und einmal an 230 V Wechselspannung (Effektivwert) am gleichen Lastmoment betrieben. Welche Aussage trifft zu?

  • a) Drehzahl und Leistung sind in beiden Fällen identisch
  • b) An Wechselspannung sind Drehzahl, Moment und Leistung tendenziell geringer als an Gleichspannung
  • c) An Wechselspannung ist die Drehzahl höher, weil der Strom schneller wechselt
  • d) An Gleichspannung läuft der Motor gar nicht an

Richtig: b)

An Wechselspannung wirkt zusätzlich der induktive Blindwiderstand der Wicklungen. Über ihm fällt ein Teil der Spannung ab, der nicht zur mechanischen Leistung beigetragen. Dadurch fallen Drehzahl, Moment und Leistung an AC geringer aus. Die Stromfrequenz erhöht keine Drehzahl, und an Gleichspannung läuft der Reihenschlussmotor problemlos – er ist sogar besonders gut für DC geeignet.

Ein Universalmotor liefert 0,9 Nm bei 9.000 1/min. Wie groß ist seine mechanische Leistung näherungsweise?

  • a) Etwa 8.100 W
  • b) Etwa 480 W
  • c) Etwa 135 W
  • d) Etwa 848 W

Richtig: d)

Zuerst die Drehzahl umrechnen: 9000/60 = 150 1/s. Dann P = M · 2 · pi · n = 0,9 · 2 · pi · 150 ≈ 848 W. Antwort a verwechselt die Drehzahleinheit (1/min statt 1/s), die anderen Werte ergeben sich aus falschen Faktoren.

Warum darf ein großer Reihenschlussmotor nicht ohne Last betrieben werden?

  • a) Weil die Drehzahl im Leerlauf stark ansteigt und die Maschine durch Fliehkraft zerstört werden kann
  • b) Weil er ohne Last keinen Strom zieht und stehen bleibt
  • c) Weil der Kommutator ohne Last verklebt
  • d) Weil der Wirkungsgrad im Leerlauf negativ wird

Richtig: a)

Beim Reihenschlussmotor steigt die Drehzahl mit sinkender Last stark an. Ohne Gegenmoment „geht der Motor durch“ – die Drehzahl wird so hoch, dass die Fliehkräfte den Anker zerstören können. Bei kleinen Universalmotoren begrenzen Eigenreibung und Lüfter die Leerlaufdrehzahl auf einen beherrschbaren Wert.

Ein Motor nimmt an 230 V AC einen Strom von 5 A bei cos phi = 0,9 auf. Wie groß ist die elektrische Wirkleistung?

  • a) 1.150 W
  • b) 1.035 W
  • c) 1.278 W
  • d) 207 W

Richtig: b)

P_zu = U · I · cos phi = 230 · 5 · 0,9 = 1.035 W. Antwort a vergisst den Leistungsfaktor (das wäre die Scheinleistung), die übrigen Werte beruhen auf falschen Operationen.

5. Vor- und Nachteile, Wartung, Praxis

Die Reihenschluss-Bauart bringt einen Satz von Eigenschaften mit, der den Universalmotor für bestimmte Anwendungen ideal und für andere ungeeignet macht.

Die Vorteile liegen im Antriebsverhalten und in der Bauform. Der Motor erreicht sehr hohe Drehzahlen – oft über 10.000 1/min, manche bis 30.000 1/min. Damit lässt sich aus kleinem Bauvolumen viel Leistung holen, der Motor ist leicht und kompakt. Das hohe Anlaufmoment sorgt für kräftiges Andrehen unter Last. Und er ist netzunabhängig in der Stromart: derselbe Motor läuft an AC und an DC, was ihn früher für netz- wie batteriebetriebene Geräte interessant machte.

Die Nachteile hängen fast alle am Kommutator mit seinen Kohlebürsten. Die Bürsten schleifen mechanisch und verschleißen – sie müssen irgendwann getauscht werden, und ihre Lebensdauer begrenzt die des ganzen Motors. An den Bürsten entsteht beim Schalten ein Bürstenfeuer (kleine Funken), das hochfrequente Störungen ins Netz und in die Umgebung abstrahlt. Deshalb braucht jeder Universalmotor eine Funkentstörung, meist mit Kondensatoren und Drosseln. Dazu kommt, dass diese Motoren typischerweise laut sind und ihr Wirkungsgrad eher mäßig ausfällt.

Bei der Wartung ist der Bürstenwechsel die zentrale wiederkehrende Aufgabe. Abgenutzte Kohlebürsten machen sich durch nachlassende Leistung, vermehrtes Funken und Geräusche bemerkbar. Viele Geräte haben dafür von außen zugängliche Bürstenhalter. Wichtig ist, immer die passenden Bürsten zu verwenden und beide Seiten gemeinsam zu tauschen.

Welche Eigenschaft ist ein typischer Vorteil des Universalmotors gegenüber einem netzbetriebenen Asynchronmotor gleicher Leistung?

  • a) Deutlich höhere erreichbare Drehzahl bei kompakter, leichter Bauform
  • b) Höherer Wirkungsgrad
  • c) Wartungsfreiheit
  • d) Geräuscharmer Lauf

Richtig: a)

Der Universalmotor erreicht sehr hohe Drehzahlen und ist dadurch leicht und kompakt – genau das macht ihn für Handgeräte attraktiv. Sein Wirkungsgrad ist eher mäßig, wartungsfrei ist er wegen die Bürsten nicht, und leise ist er ebenfalls nicht.

Warum benötigt jeder Universalmotor eine Funkentstörung?

  • a) Weil der induktive Blindwiderstand das Netz belastet
  • b) Weil die hohe Drehzahl elektromagnetische Wellen erzeugt
  • c) Weil das Bürstenfeuer am Kommutator hochfrequente Störungen abstrahlt
  • d) Weil der Leistungsfaktor sonst über 1 steigt

Richtig: c)

Beim Umschalten an den Bürsten entstehen kleine Funken – das Bürstenfeuer. Diese Funken erzeugen hochfrequente Störsignale, die ohne Entstörung (Kondensatoren, Drosseln) ins Netz und in die Umgebung gelangen. Der Blindwiderstand und die Drehzahl als solche verursachen diese Störungen nicht, und ein cos phi über 1 ist physikalisch nicht möglich.

Ein netzbetriebenes Handgerät zeigt nachlassende Leistung, verstärktes Funken am Kollektor und ungewohnte Geräusche. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Der Leistungsfaktor hat sich verändert
  • b) Die Kohlebürsten sind abgenutzt und sollten getauscht werden
  • c) Die Netzfrequenz ist zu niedrig
  • d) Der Eisenkreis ist nicht ausreichend lamelliert

Richtig: b)

Abgenutzte Kohlebürsten sind die klassische Ursache für genau dieses Bild: schlechter Kontakt am Kommutator führt zu mehr Funken, weniger Leistung und mehr Geräusch. Der Bürstenwechsel ist die übliche Abhilfe. Leistungsfaktor, Netzfrequenz und Blechung ändern sich im Betrieb nicht von selbst.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Universalmotor liefert bei 8.400 1/min ein Drehmoment von 1,1 Nm. Berechne die mechanische Leistung an der Welle.

Gegeben: M = 1,1 Nm; n = 8.400 1/min

Gesucht: P_ab in W

Lösungsweg:

  1. n = 8400/60 = 140 1/s
  2. P_ab = M · 2 · π · n = 1,1 · 2 · π · 140 ≈ 967,6 W

Ergebnis: P_ab ≈ 968 W

Aufgabe 2: Derselbe Motor nimmt an 230 V Wechselspannung 5,2 A bei einem Leistungsfaktor von 0,93 auf. Berechne die elektrische Wirkleistung und den Wirkungsgrad (mit P_ab aus Aufgabe 1).

Gegeben: U = 230 V; I = 5,2 A; cos phi = 0,93; P_ab ≈ 968 W

Gesucht: P_zu in W; eta in %

Lösungsweg:

  1. P_zu = U · I · cos phi = 230 · 5,2 · 0,93 ≈ 1112,3 W
  2. eta = P_ab / P_zu = 968 / 1112,3 ≈ 0,870

Ergebnis: P_zu ≈ 1112 W; eta ≈ 87 %

Aufgabe 3: Ein Reihenschlussmotor zieht im Nennbetrieb 3 A und entwickelt 1,0 Nm. Beim Anlauf steigt der Strom auf 9 A. Welches Anlaufmoment ergibt sich näherungsweise bei ungesättigtem Eisenkreis?

Gegeben: I_N = 3 A; M_N = 1,0 Nm; I_A = 9 A

Gesucht: M_A in Nm

Lösungsweg:

  1. M_A/M_N = (I_A/I_N)² = (9/3)² = 9
  2. M_A = 1,0 Nm · 9 = 9,0 Nm

Ergebnis: M_A ≈ 9,0 Nm

Aufgabe 4: Ein Motor läuft an 230 V Gleichspannung, nimmt 3,0 A auf und liefert 600 W mechanisch. Berechne den Wirkungsgrad.

Gegeben: U = 230 V; I = 3,0 A; P_ab = 600 W; cos phi = 1 (DC)

Gesucht: eta in %

Lösungsweg:

  1. P_zu = 230 · 3,0 = 690 W
  2. eta = 600 / 690 ≈ 0,870

Ergebnis: eta ≈ 87 %

Was ist die konstruktive Voraussetzung dafür, dass ein Motor sowohl an Gleich- als auch an Wechselspannung in eine Richtung dreht?

  • a) Eine Reihenschaltung von Feld und Anker
  • b) Ein Nebenschluss von Feld und Anker
  • c) Ein permanentmagnetisches Feld
  • d) Eine fremderregte Erregerwicklung

Richtig: a)

Nur in der Reihenschaltung polen Feld und Anker gleichzeitig um, sodass die Drehmomentrichtung erhalten bleibt. Nebenschluss, Permanentmagnet und Fremderregung halten das Feld konstant, während der Ankerstrom umpolt – damit wechselt das Moment an AC seine Richtung.

Der Anlaufstrom eines Reihenschlussmotors beträgt das Fünffache des Nennstroms. Wie groß ist das Anlaufmoment näherungsweise im Vergleich zum Nennmoment (ungesättigt)?

  • a) Fünffach
  • b) Zehnfach
  • c) Gleich groß
  • d) Fünfundzwanzigfach

Richtig: d)

Wegen M ~ I² geht das Stromverhältnis quadratisch ein: 5² = 25. Das hohe Anlaufmoment ist die direkte Folge dieses quadratischen Zusammenhangs.

Welche Aussage zum Leerlaufverhalten eines Reihenschlussmotors ist korrekt?

  • a) Im Leerlauf bleibt die Drehzahl konstant beim Nennwert
  • b) Im Leerlauf sinkt die Drehzahl gegen null
  • c) Im Leerlauf steigt die Drehzahl stark an, große Maschinen können durchgehen
  • d) Im Leerlauf kehrt sich die Drehrichtung um

Richtig: c)

Mit sinkender Last steigt die Drehzahl. Ohne Gegenmoment kann sie so hoch werden, dass große Maschinen durch Fliehkraft zerstört werden. Konstante oder gegen null sinkende Drehzahl wäre Verhalten anderer Motortypen, eine Drehrichtungsumkehr tritt nicht auf.

Warum ist der Eisenkreis eines Universalmotors lamelliert, der eines reinen Gleichstrommotors aber nicht zwingend?

  • a) Weil der Universalmotor schneller dreht
  • b) Weil nur beim Universalmotor Wechselstrom durch das Eisen ständige Feldänderungen und damit Wirbelströme verursacht
  • c) Weil der Universalmotor mehr Leistung hat
  • d) Weil die Bürsten sonst zu heiß werden

Richtig: b)

Wirbelströme entstehen durch sich änderndes Magnetfeld. Bei reinem Gleichstrom ist das Feld im Betrieb konstant, bei Wechselstrom ändert es sich ständig. Nur dann lohnt die Blechung zur Begrenzung der Wirbelströme. Drehzahl, Leistung und Bürstentemperatur sind nicht der Grund.

Ein Universalmotor läuft an 230 V AC und an 230 V DC am gleichen Lastmoment. Wo erreicht er die höhere Drehzahl?

  • a) An Wechselspannung, weil der Strom schneller wechselt
  • b) An Gleichspannung, weil kein induktiver Spannungsabfall auftritt
  • c) In beiden Fällen exakt gleich
  • d) An Wechselspannung, weil der Leistungsfaktor hilft

Richtig: b)

An Gleichspannung fehlt der induktive Spannungsabfall über den Wicklungen. Damit steht mehr Spannung für den Antrieb zur Verfügung und die Drehzahl liegt höher. An AC mindern Blindwiderstand und Leistungsfaktor das Ergebnis.

Welche Komponente ist für den größten Teil des Wartungsaufwands und der Verschleißprobleme verantwortlich?

  • a) Der lamellierte Eisenkern
  • b) Die Erregerwicklung
  • c) Das Lüfterrad
  • d) Der Kommutator mit den Kohlebürsten

Richtig: d)

Die schleifenden Kohlebürsten am Kommutator verschleißen mechanisch, erzeugen Bürstenfeuer und begrenzen die Lebensdauer. Eisenkern und Wicklungen sind im Normalbetrieb wartungsfrei, das Lüfterrad spielt keine wesentliche Rolle.

Ein Motor nimmt an 230 V AC 4,5 A bei cos phi = 0,9 auf und gibt 800 W mechanisch ab. Wie groß ist der Wirkungsgrad?

  • a) Etwa 86 %
  • b) Etwa 78 %
  • c) Etwa 95 %
  • d) Etwa 100 %

Richtig: a)

P_zu = 230 · 4,5 · 0,9 ≈ 931,5 W. eta = 800 / 931,5 ≈ 0,86 = rund 86 %. Die übrigen Werte ergeben sich aus falschen Zwischenrechnungen.

Warum verdrängt der bürstenlose Motor (BLDC) den Universalmotor zunehmend aus akkubetriebenen Geräten?

  • a) Weil er ein höheres Anlaufmoment hat
  • b) Weil er an Gleichspannung nicht läuft
  • c) Weil er ohne Bürsten verschleißärmer, leiser und effizienter läuft und keine Funkentstörung am Bürstenfeuer braucht
  • d) Weil er deutlich billiger in der Herstellung ist

Richtig: c)

Der bürstenlose Motor kommt ohne Kommutator und Bürsten aus – dadurch entfallen Verschleiß, Bürstenfeuer und Entstöraufwand, und er arbeitet leiser und effizienter. Billiger ist er meist nicht, und gerade für Gleichspannung (Akku) ist er gemacht.

Welche Größe geht beim Wechselstrombetrieb in die Berechnung der elektrischen Wirkleistung ein, beim Gleichstrombetrieb aber nicht?

  • a) Der Strom
  • b) Die Spannung
  • c) Das Drehmoment
  • d) Der Leistungsfaktor cos phi

Richtig: d)

An AC gilt P = U · I · cos phi, weil Strom und Spannung phasenverschoben sein können. An DC ist cos phi = 1 und entfällt damit; dort gilt P = U · I. Strom und Spannung gehen in beiden Fällen ein, das Drehmoment gehört zur mechanischen Seite.

Ein Reihenschlussmotor entwickelt bei doppeltem Nennstrom näherungsweise welches Vielfache des Nennmoments (ungesättigt) – und was bremst diesen Wert in der Realität?

  • a) Doppeltes Moment; gebremst durch Lagerreibung
  • b) Achtfaches Moment; gebremst durch den Leistungsfaktor
  • c) Vierfaches Moment; gebremst durch magnetische Sättigung des Eisens
  • d) Gleiches Moment; gebremst durch Bürstenfeuer

Richtig: c)

M ~ I² ergibt bei doppeltem Strom das Vierfache des Moments. Bei hohen Strömen gerät das Eisen jedoch in die Sättigung – der Fluss steigt dann nicht mehr proportional zum Strom, sodass das reale Moment unter dem rechnerischen Wert bleibt.

Glossar

Universalmotor
Reihenschlussmotor, der sowohl an Gleich- als auch an Wechselspannung in eine Richtung dreht; typisch in Handgeräten wie Bohrmaschine und Staubsauger.
Reihenschluss
Schaltungsart, bei der Erregerwicklung und Ankerwicklung in Reihe liegen, sodass derselbe Strom beide durchfließt.
Erregerwicklung
Wicklung im Ständer, die das Magnetfeld erzeugt, in dem sich der Anker dreht.
Kommutator
Mechanischer Stromwender auf der Ankerwelle, der über die Bürsten den Strom in die drehende Wicklung führt und so umschaltet, dass das Drehmoment in eine Richtung wirkt.
Kohlebürste
Schleifkontakt aus Kohle, der den Strom auf den drehenden Kommutator überträgt; Verschleißteil, das regelmäßig getauscht wird.
Wirbelstrom
Im massiven Eisen durch ein sich änderndes Magnetfeld induzierter Kreisstrom, der nur Wärme erzeugt; durch Lamellierung des Eisenkreises begrenzt.
M-n-Kennlinie
Darstellung des Zusammenhangs zwischen Drehmoment (M) und Drehzahl (n) eines Motors.
Induktiver Blindwiderstand
Wechselstromwiderstand einer Spule, über dem Spannung abfällt, ohne Wirkleistung umzusetzen; Ursache dafür, dass der Universalmotor an AC schwächer läuft als an DC.
Bürstenfeuer
Funkenbildung an den Kohlebürsten beim Schalten des Kommutators; erzeugt hochfrequente Störungen und macht eine Funkentstörung nötig.
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