Gleichstrommotor – Aufbau und Funktion

Der Gleichstrommotor ist einer der ältesten Elektromotoren überhaupt — und trotzdem in modernen Maschinen, Fahrzeugen und Werkzeugen noch überall zu finden. Das Prinzip ist erstaunlich einfach: Strom durch einen Leiter, dieser Leiter im Magnetfeld — daraus entsteht eine Kraft, und am Ende dreht sich eine Welle. Wer den Kommutator verstanden hat und weiß, was die induzierte Gegenspannung im Anker macht, hat das Fundament für alle weiteren Themen rund um Gleichstrommaschinen.

Vorwissen

  • Das magnetische Feld
  • Elektromagnetische Induktion
  • Drehbewegung und Drehmoment

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die wichtigsten Bauteile eines Gleichstrommotors benennen und ihre Aufgabe erklären
  • das Wirkprinzip beschreiben und die Funktion des Kommutators in eigenen Worten wiedergeben
  • die Spannungsgleichung anwenden, Ankerstrom und Anlaufstrom berechnen
  • Drehmoment und mechanische Leistung aus den Grundgrößen berechnen
  • die Drehrichtung eines Gleichstrommotors korrekt umkehren

1. Was ist ein Gleichstrommotor?

Ein Gleichstrommotor ist eine elektrische Maschine, die elektrische Energie aus einer Gleichspannungsquelle in mechanische Drehbewegung umwandelt. Speist man ihn umgekehrt mechanisch an, arbeitet er als Generator und liefert Gleichspannung — er ist also reversibel. Diese Doppeleigenschaft hat ihn historisch zum Arbeitstier der frühen Elektrotechnik gemacht.

Auch heute steckt der Gleichstrommotor an vielen Stellen, an denen man ihn nicht sofort vermutet:

  • Anlasser, Scheibenwischer, Fensterheber und Sitzverstellung in Fahrzeugen
  • Akkuschrauber, Bohrmaschinen und andere bürstenbehaftete Elektrowerkzeuge
  • Stellantriebe in der Automatisierung und Robotik
  • Modellbau, Spielzeug, kleine Lüfter und Pumpen
  • Bahnantriebe in älteren Zügen und Straßenbahnen

Seine Stärken sind hohes Anlaufmoment, einfache Drehzahlregelung über die Spannung und ein gutmütiges Verhalten. Sein größter Schwachpunkt: Bürsten und Kommutator unterliegen Verschleiß und brauchen Wartung. Aus diesem Grund werden klassische Gleichstrommotoren in vielen Anwendungen heute durch bürstenlose Varianten (BLDC) ersetzt.

Welche der folgenden Aussagen zum Gleichstrommotor ist korrekt?

  • a) Er kann nur als Motor betrieben werden, nicht als Generator
  • b) Er benötigt zwingend eine Wechselspannung am Eingang
  • c) Er ist reversibel und kann auch als Generator arbeiten
  • d) Er arbeitet ausschließlich mit Permanentmagneten

Richtig: c)

Jede Gleichstrommaschine ist reversibel — treibt man die Welle mechanisch an, induziert sich im Anker eine Spannung, die genutzt werden kann. Permanentmagnete sind eine mögliche, aber nicht die einzige Erregerart. Wechselspannung würde den Motor nicht in eine definierte Richtung drehen.

Welcher Nachteil ist beim klassischen Gleichstrommotor besonders relevant?

  • a) Verschleiß an Bürsten und Kommutator
  • b) Sehr geringes Anlaufmoment
  • c) Notwendigkeit eines Frequenzumrichters
  • d) Drehzahl lässt sich nicht beeinflussen

Richtig: a)

Bürsten und Kommutator sind mechanisch belastete Reibstellen — sie nutzen sich ab und erzeugen unter Umständen Funken. Genau das ist ein Grund für bürstenlose Bauarten. Anlaufmoment and Drehzahlregelung sind hingegen Stärken des Gleichstrommotors.

2. Wirkprinzip – Kraft auf einen stromdurchflossenen Leiter

Die ganze Idee des Gleichstrommotors beruht auf einem einzigen physikalischen Effekt: Ein Leiter, durch den ein Strom fließt, erfährt in einem Magnetfeld eine Kraft. Diese Kraft steht senkrecht auf der Stromrichtung und senkrecht auf dem Magnetfeld. Der genaue Hintergrund — die Lorentzkraft — wird in einem eigenen Beitrag behandelt; hier reicht das anschauliche Bild.

Qualitativ gilt:

F = B * I * l

  • F … Kraft in Newton
  • B … magnetische Flussdichte in Tesla
  • I … Strom durch den Leiter in Ampere
  • l … wirksame Leiterlänge im Feld in Meter

Mehr Strom oder ein stärkeres Feld bedeutet mehr Kraft. Die Richtung der Kraft bestimmt man mit der Drei-Finger-Regel der rechten Hand: Daumen für die Stromrichtung, Zeigefinger für die Feldrichtung, dann zeigt der Mittelfinger die Kraftrichtung. (Bei der linken Hand gilt das Ganze für die Bewegung positiver Ladungsträger entgegen der technischen Stromrichtung — hier reicht die rechte Hand mit technischer Stromrichtung.)

Was passiert, wenn man eine rechteckige Drahtschleife zwischen zwei Magnetpole hängt und Strom hineinschickt? Auf der einen Längsseite der Schleife wirkt eine Kraft nach oben, auf der anderen — weil dort der Strom in die andere Richtung fließt — eine Kraft nach unten. Die Schleife dreht sich. Genau das ist der Kern jedes Gleichstrommotors.

N S B I (heraus) I (hinein) F F Drahtschleife im Magnetfeld — beide Längsseiten erfahren eine Kraft in entgegengesetzter Richtung

Wovon hängt die Kraft auf einen stromdurchflossenen Leiter im Magnetfeld ab?

  • a) Nur von der Spannung der Versorgungsquelle
  • b) Nur von der Temperatur des Leiters
  • c) Vom Material des Magneten allein
  • d) Von Flussdichte, Strom und wirksamer Leiterlänge

Richtig: d)

Es gilt F = B · I · l. Spannung erscheint indirekt über den Strom, ist aber nicht direkt in der Formel. Temperatur und Magnetmaterial gehen nur indirekt über B ein und sind nicht die eigentlichen Einflussgrößen der Kraftgleichung.

Warum dreht sich eine Drahtschleife im Magnetfeld, wenn Strom hindurchfließt?

  • a) Weil der Strom Wärme erzeugt und Luft umwälzt
  • b) Weil auf gegenüberliegenden Längsseiten Kräfte in entgegengesetzter Richtung wirken
  • c) Weil das Magnetfeld die Schleife polarisiert
  • d) Weil der Leiterwiderstand richtungsabhängig ist

Richtig: b)

In den beiden Längsseiten der Schleife fließt der Strom in entgegengesetzter Richtung. Im selben Magnetfeld ergeben sich dadurch Kräfte in entgegengesetzter Richtung — und diese erzeugen ein Drehmoment um die Schleifenachse. Wärme und Polarisation spielen für die Drehbewegung keine Rolle.

3. Aufbau im Detail

Ein Gleichstrommotor besteht aus zwei Hauptbaugruppen: dem feststehenden Stator und dem drehbaren Rotor. Zwischen den beiden liegt der Luftspalt — der Bereich, in dem das Magnetfeld auf den stromdurchflossenen Leiter wirkt.

Stator (das Feststehende):

  • Hauptpole mit der Erregerwicklung oder, bei kleineren Motoren, Permanentmagnete. Die Hauptpole erzeugen das Magnetfeld, in dem der Anker arbeitet.
  • Joch (Gehäuserückschluss) aus ferromagnetischem Material, das den magnetischen Kreis schließt.
  • Wendepole (kleinere Hilfspole zwischen den Hauptpolen) bei größeren Maschinen — sie verbessern den Stromwechsel im Kommutator und reduzieren das Bürstenfeuer.
  • Kompensationswicklung in den Polschuhen bei hochbelasteten Maschinen, um die Verzerrung des Hauptfeldes durch den Ankerstrom (Ankerrückwirkung) auszugleichen.

Rotor / Anker (das Drehende):

  • Ankerblechpaket aus gegeneinander isolierten Stahlblechen, in denen Nuten eingestanzt sind. Die Blechung reduziert Wirbelstromverluste.
  • Ankerwicklung in den Nuten — many Einzelspulen, die so verschaltet sind, dass der Strom immer durch die Leiter unter den richtigen Polen fließt.
  • Kommutator (Stromwender) aus Kupferlamellen, gegeneinander isoliert, auf die Welle aufgezogen. Jede Lamelle ist mit einer Spule der Ankerwicklung verbunden.
  • Welle mit den Lagern und gegebenenfalls einem Lüfterrad.

Bürsten und Bürstenhalter:
Die Bürsten sind meist aus Kohle oder Kohle-Metall-Mischungen. Sie werden durch Federn auf den Kommutator gedrückt und leiten den Strom von außen in die Ankerwicklung. Kohlebürsten sind so gewählt, dass sie schneller verschleißen als der Kommutator — die Bürste ist das günstige Verschleißteil.

Gehäuse / Joch N Hauptpol mit Erregerwicklung S Hauptpol mit Erregerwicklung Anker mit Wicklung Kommutator Bürste Lager Lager Welle

Welche Aufgabe hat das Joch im Stator eines Gleichstrommotors?

  • a) Es schließt den magnetischen Kreis und führt den Fluss zwischen den Polen
  • b) Es leitet den Ankerstrom in die Wicklung
  • c) Es kühlt die Bürsten
  • d) Es erzeugt selbst die Hauptmagnetisierung

Richtig: a)

Das Joch ist der ferromagnetische Rückschluss, durch den der magnetische Fluss von einem Pol zum anderen geführt wird. Den Strom führen die Bürsten und der Kommutator. Die Magnetisierung erzeugt die Erregerwicklung oder ein Permanentmagnet, nicht das Joch.

Wozu dienen Wendepole bei größeren Gleichstrommaschinen?

  • a) Sie verhindern den Anlauf bei zu hoher Last
  • b) Sie ersetzen die Hauptpole
  • c) Sie verbessern den Stromwechsel am Kommutator und mindern Bürstenfeuer
  • d) Sie kühlen den Anker durch Luftumwälzung

Richtig: c)

Wendepole erzeugen ein lokales Hilfsfeld in der Kommutierungszone und unterstützen den Stromwechsel in der gerade umpolenden Wicklungsmasche. Dadurch entstehen weniger Funken an den Bürsten. Sie ersetzen weder die Hauptpole noch übernehmen sie eine Kühlfunktion.

Warum wird der Anker aus dünnen, gegeneinander isolierten Blechen aufgebaut?

  • a) Damit er leichter wird
  • b) Um Wirbelstromverluste im Ankereisen zu reduzieren
  • c) Damit die Wicklung beweglich bleibt
  • d) Um das Gewicht der Welle auszugleichen

Richtig: b)

Im rotierenden Eisen ändert sich der magnetische Fluss ständig. Ein massiver Eisenkörper würde dadurch große Wirbelströme entwickeln, die als Wärme verloren gehen. Geblecht und isoliert werden diese Ströme auf kleine Kreisflächen begrenzt und drastisch reduziert.

4. Funktionsweise – Wie der Kommutator den Strom wendet

Schaut man sich nur eine einzelne Drahtschleife im Magnetfeld an, ergibt sich ein Problem: Sobald die Schleife eine halbe Umdrehung gemacht hat, liegt die Seite, die vorher unter dem Nordpol war, jetzt unter dem Südpol. Bei gleicher Stromrichtung in der Schleife würde die Kraft auf diese Seite jetzt in die andere Richtung wirken — der Motor würde bremsen statt weiterdrehen.

Genau hier setzt der Kommutator an. Er ist der entscheidende Trick des Gleichstrommotors. Über die Bürsten wird von außen ein gleichbleibender Gleichstrom zugeführt. Der Kommutator polt aber, mechanisch gekoppelt an die Drehung, den Strom in der Ankerwicklung jedes Mal um, wenn eine Wicklungsmasche den kritischen Punkt zwischen den Polen passiert. Das Ergebnis: Die Kraft auf jede Wicklung wirkt immer in dieselbe Drehrichtung, der Motor läuft kontinuierlich.

In der Praxis hat ein Anker nicht eine einzige Schleife mit zwei Lamellen, sondern viele Spulen mit vielen Lamellen — typisch sind 20 oder mehr. Das hat zwei wichtige Konsequenzen: Erstens überlagern sich die Drehmomente der vielen Spulen so, dass das Gesamtmoment gleichmäßig statt pulsierend wird. Zweitens steht der Anker nie in einer „toten Stellung“, in der gar kein Drehmoment vorhanden wäre — er läuft aus jeder Position selbständig an.

Kommutator-Prinzip: Stromrichtung in der Wicklung kehrt sich bei jeder Halbumdrehung um Stellung A + Strom in Schleife fließt in eine Richtung Stellung B (180° später) + Lamellen unter den Bürsten vertauscht → Strom umgepolt Resultat: Kraftrichtung in jeder Schleifenseite bleibt im Raum konstant — der Motor dreht in eine Richtung weiter. Mit vielen Lamellen statt nur zwei wird der Stromwechsel feiner verteilt, das Drehmoment gleichmäßiger und der Anlauf aus jeder Stellung möglich.

Was wäre die Folge, wenn der Kommutator den Strom in der Ankerwicklung nicht umpolen würde?

  • a) Der Motor würde nach einer halben Umdrehung stehen bleiben oder sogar rückwärts laufen
  • b) Der Motor würde sich unendlich beschleunigen
  • c) Der Motor würde lautlos laufen
  • d) Der Motor würde mit doppelter Drehzahl laufen

Richtig: a)

Ohne Stromumpolung würde die Kraft auf die jeweilige Schleifenseite nach einer halben Umdrehung ihre Richtung umkehren und der Motor bremsen, in vielen Stellungen sogar in die Gegenrichtung beschleunigen. Eine kontinuierliche Drehung wäre nicht möglich. Beschleunigung ohne Grenze widerspricht den physikalischen Gegebenheiten.

Welche Aussage zum Strom im Gleichstrommotor ist richtig?

  • a) In der einzelnen Ankerwicklung kehrt sich der Strom mit der Drehung um, von außen liegt Gleichstrom an
  • b) In der Ankerwicklung fließt durchgehend Gleichstrom in eine Richtung
  • c) Bürsten und Kommutator wandeln den Gleichstrom in Drehstrom um
  • d) Der Strom im Anker hat dieselbe Frequenz wie das Stromnetz

Richtig: a)

Der Kommutator polt den Strom in den einzelnen Wicklungsmaschen periodisch um. Von außen sieht der Stromkreis das nicht — dort fließt Gleichstrom. Mit Drehstrom oder Netzfrequenz hat das nichts zu tun.

Warum hat ein realer Anker viele Lamellen statt nur zwei?

  • a) Damit er teurer wird
  • b) Aus Symmetriegründen — funktional kein Unterschied
  • c) Für gleichmäßigeres Drehmoment und sicheren Anlauf aus jeder Stellung
  • d) Damit weniger Bürsten benötigt werden

Richtig: c)

Mit nur zwei Lamellen würde das Drehmoment stark pulsieren und es gäbe tote Stellungen, in denen kein Drehmoment vorhanden ist. Viele Lamellen verteilen den Stromwechsel über den Umfang und sorgen für gleichförmigen Lauf. Bürstenzahl und Kosten sind dabei nicht der Punkt.

5. Spannungsgleichung und Anlaufstrom

Sobald sich der Anker dreht, geschieht im Hintergrund noch etwas anderes: Seine Wicklungen bewegen sich durch das Magnetfeld der Hauptpole und es wird in ihnen eine Spannung induziert — die induzierte Gegenspannung U_i, manchmal auch EMK genannt. Diese Spannung ist nach der Lenzschen Regel so gerichtet, dass sie der angelegten Klemmenspannung U entgegenwirkt. Sie wächst mit der Drehzahl und mit der Stärke des Erregerflusses.

Daraus ergibt sich die zentrale Spannungsgleichung des Gleichstrommotors:

U = U_i + I_a * R_a

  • U … Klemmenspannung in V
  • U_i … induzierte Gegenspannung in V
  • I_a … Ankerstrom in A
  • R_a … Ankerwiderstand in Ohm

Die Gegenspannung selbst hängt linear von Drehzahl und Fluss ab. Der Faktor c heißt Maschinenkonstante und fasst die konstruktiven Eigenschaften der Wicklung in einer Zahl zusammen:

U_i = c * n * Phi

  • U_i … induzierte Gegenspannung in V
  • c … Maschinenkonstante (bauartabhängig)
  • n … Drehzahl in 1/s
  • Phi … Erregerfluss in Vs

Was bedeutet das praktisch? Stellt man den Motor stromlos an die Klemmenspannung und schaltet ein, ist im ersten Moment n = 0. Damit ist auch U_i = 0 — und der Ankerstrom wird allein durch den kleinen Ankerwiderstand begrenzt:

I_a, Anlauf = U / R_a

Da R_a typischerweise sehr klein ist (oft Bruchteile von Ohm), ist der Anlaufstrom ein Vielfaches des Nennstroms. Sobald der Anker hochläuft, wächst U_i, der Spannungsabfall U − U_i wird kleiner und damit auch I_a. Das System pendelt sich auf einen stationären Arbeitspunkt ein, in dem der Strom gerade das nötige Drehmoment liefert, um die Last zu treiben. Der Ankerwiderstand R_a ist dabei nicht nur die Strombremse im Anlauf, sondern verursacht im Betrieb auch die ohmschen Verluste in der Wicklung.

Gelöstes Beispiel

Ein Gleichstrommotor hat eine Klemmenspannung von 220 V und einen Ankerwiderstand von 0,8 Ω. Im Nennbetrieb läuft er mit einer induzierten Gegenspannung von 210 V.

Gegeben: U = 220 V, R_a = 0,8 Ω, U_i = 210 V

Gesucht: Ankerstrom im Nennbetrieb I_a und Anlaufstrom I_a,Anlauf

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Ankerstrom im Nennbetrieb: I_a = (U − U_i) / R_a = (220 V − 210 V) / 0,8 Ω = 12,5 A
  2. Schritt 2 — Anlaufstrom (n = 0, also U_i = 0): I_a,Anlauf = U / R_a = 220 V / 0,8 Ω = 275 A

Ergebnis: Im Nennbetrieb fließen 12,5 A; der Anlaufstrom wäre ohne Begrenzung 275 A — also das 22-fache.

Übungen

Ein Motor liegt an 24 V. Bei stillstehendem Anker und Ankerwiderstand 0,6 Ω — wie groß ist der Anlaufstrom?

I = 24 V / 0,6 Ω = 40 A

Ein Motor zieht im Nennbetrieb 8 A bei 230 V Klemmenspannung. Der Ankerwiderstand beträgt 1,2 Ω. Wie groß ist die induzierte Gegenspannung?

U_i = U − I_a · R_a = 230 V − 8 A · 1,2 Ω = 230 V − 9,6 V = 220,4 V

Ein Motor hat U = 60 V, R_a = 0,4 Ω und im Betrieb U_i = 52 V. Bestimme den Ankerstrom.

I_a = (60 V − 52 V) / 0,4 Ω = 8 V / 0,4 Ω = 20 A

Bei welcher induzierten Gegenspannung würde durch denselben Motor (U = 60 V, R_a = 0,4 Ω) nur noch 5 A fließen?

U_i = U − I_a · R_a = 60 V − 5 A · 0,4 Ω = 58 V

Ein Motor an 400 V mit R_a = 0,25 Ω soll im Anlauf einen Strom von höchstens 100 A führen. Welcher Vorwiderstand R_v muss in Reihe zum Anker geschaltet werden?

Im Anlauf gilt U = I · (R_a + R_v). Daraus R_v = U/I − R_a = 400 V / 100 A − 0,25 Ω = 4 Ω − 0,25 Ω = 3,75 Ω

Welche Aussage zur induzierten Gegenspannung U_i ist korrekt?

  • a) Sie ist gleich groß wie die Klemmenspannung
  • b) Sie steigt mit der Drehzahl und dem Erregerfluss
  • c) Sie ist unabhängig vom Erregerfluss
  • d) Sie ist negativ, wenn der Motor läuft

Richtig: b)

Es gilt U_i = c · n · Φ. Höhere Drehzahl und stärkerer Fluss erhöhen die Gegenspannung. Sie ist kleiner als die Klemmenspannung — die Differenz treibt den Ankerstrom. Vorzeichenangaben hängen von der Zählrichtung ab und sind im Motorbetrieb so gewählt, dass U_i positiv erscheint.

Warum ist der Anlaufstrom eines Gleichstrommotors deutlich größer als der Nennstrom?

  • a) Weil der Motor im Anlauf mehr Last hat
  • b) Weil sich der Ankerwiderstand bei Kälte erhöht
  • c) Weil die Bürsten neu sind
  • d) Weil im Stillstand keine Gegenspannung induziert wird

Richtig: d)

Bei n = 0 is U_i = 0. Der gesamte Spannungsabfall liegt am kleinen Ankerwiderstand an, der Strom ist entsprechend hoch. Lastverhältnisse, Temperatur und Bürstenzustand sind nicht der entscheidende Punkt.

Was ist die Standardformel zur Berechnung des Ankerstroms im Motorbetrieb?

  • a) I_a = (U − U_i) / R_a
  • b) I_a = U / U_i
  • c) I_a = U · R_a
  • d) I_a = U_i / R_a

Richtig: a)

Aus U = U_i + I_a · R_a folgt durch Umstellen unmittelbar I_a = (U − U_i) / R_a. Die anderen Optionen ergeben physikalisch keinen sinnvollen Zusammenhang.

6. Drehmoment und Leistung

So wie die induzierte Gegenspannung mit der Drehzahl steigt, hängt das Drehmoment des Motors mit dem Ankerstrom zusammen. Je mehr Strom durch die Ankerwicklungen fließt, desto größer ist die Kraft auf jeden Leiter im Magnetfeld — und desto größer ist das Drehmoment an der Welle.

M = c * I_a * Phi

  • M … Drehmoment in Nm
  • c … Maschinenkonstante (dieselbe wie bei U_i)
  • I_a … Ankerstrom in A
  • Phi … Erregerfluss in Vs

Aus dem Drehmoment und der Drehzahl ergibt sich die mechanische Leistung an der Welle:

P_mech = M * 2 * Pi * n

  • P_mech … mechanische Leistung in W
  • M … Drehmoment in Nm
  • n … Drehzahl in 1/s

Achtung bei der Einheit der Drehzahl. Im Maschinenbau steht n meist für 1/min, in der Leistungsformel braucht man aber 1/s. Vor dem Rechnen also stets durch 60 teilen — sonst kommt ein um den Faktor 60 zu großes Ergebnis heraus.

Lastverhalten: Wird der Motor mit mehr Last beaufschlagt, sinkt die Drehzahl zunächst leicht. Dadurch wird U_i kleiner, der Spannungsabfall an R_a größer und I_a steigt — bis das neue Drehmoment der erhöhten Last entspricht. Der Motor reagiert also automatisch auf Lastschwankungen. Wie genau diese Kennlinie aussieht, hängt von der Bauart der Erregung ab (Nebenschluss, Reihenschluss, Doppelschluss) und wird in einem eigenen Beitrag detailliert behandelt. Auch die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Drehzahlsteuerung gehören in einen eigenen Beitrag und werden hier nur am Rand gestreift.

Gelöstes Beispiel

Ein Gleichstrommotor hat eine Maschinenkonstante mal Fluss von c · Φ = 0,2 Vs. Bei einem Ankerstrom von 10 A läuft er mit 1200 1/min.

Gegeben: c · Φ = 0,2 Vs, I_a = 10 A, n = 1200 1/min

Gesucht: Drehmoment M und mechanische Leistung P_mech

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Drehmoment: M = c · Φ · I_a = 0,2 Vs · 10 A = 2 Nm
  2. Schritt 2 — Drehzahl in 1/s umrechnen: n = 1200 / 60 = 20 1/s
  3. Schritt 3 — Mechanische Leistung: P_mech = M · 2 · π · n = 2 Nm · 2 · π · 20 1/s = 251,3 W

Ergebnis: M = 2 Nm, P_mech ≈ 251 W

Übungen

Ein Motor liefert bei c · Φ = 0,12 Vs und I_a = 5 A welches Drehmoment?

M = 0,12 Vs · 5 A = 0,6 Nm

Wie groß ist die mechanische Leistung eines Motors mit M = 0,5 Nm bei 3000 1/min?

n = 50 1/s; P = 0,5 Nm · 2 · π · 50 1/s ≈ 157,1 W

Ein Motor soll 1,5 Nm Drehmoment liefern. Bei c · Φ = 0,3 Vs — welcher Ankerstrom ist nötig?

I_a = M / (c · Φ) = 1,5 Nm / 0,3 Vs = 5 A

Ein Motor läuft mit 900 1/min und gibt 200 W mechanische Leistung an die Welle ab. Welches Drehmoment liefert er?

n = 15 1/s; M = P / (2 · π · n) = 200 W / (2 · π · 15 1/s) ≈ 2,12 Nm

Ein Gleichstrommotor zieht 6 A bei c · Φ = 0,18 Vs und einer Drehzahl von 1800 1/min. Berechne Drehmoment und mechanische Leistung.

M = 0,18 · 6 = 1,08 Nm; n = 30 1/s; P = 1,08 · 2 · π · 30 ≈ 203,6 W

Welche Größe geht direkt proportional in das Drehmoment des Gleichstrommotors?

  • a) Die Drehzahl
  • b) Die Klemmenspannung
  • c) Der Ankerstrom
  • d) Der Ankerwiderstand

Richtig: c)

Nach M = c · I_a · Φ steigt das Drehmoment linear mit dem Ankerstrom (bei konstantem Fluss). Spannung und Widerstand beeinflussen es nur indirekt über den Ankerstrom. Die Drehzahl steht in der Drehmomentgleichung nicht.

Worauf muss man achten, wenn die Drehzahl in 1/min angegeben ist und man die mechanische Leistung berechnen will?

  • a) Auf nichts — die Einheit ist beliebig
  • b) Drehzahl durch 60 teilen, um auf 1/s zu kommen
  • c) Drehmoment durch 60 teilen
  • d) Mit 60 multiplizieren, um auf Drehzahl in 1/s zu kommen

Richtig: b)

P = M · 2π · n verlangt n in 1/s. 1/min wird durch 60 geteilt, um auf 1/s zu kommen. Mit 60 multiplizieren wäre der falsche Weg. Das Drehmoment bleibt unverändert.

Was passiert in einem Gleichstrommotor, wenn die Last plötzlich erhöht wird?

  • a) Die Drehzahl steigt sofort
  • b) Der Ankerwiderstand wird größer
  • c) Der Erregerfluss verschwindet
  • d) Drehzahl sinkt leicht, U_i sinkt, I_a steigt, Drehmoment passt sich an

Richtig: d)

Bei steigender Last sinkt die Drehzahl zunächst leicht — damit fällt U_i, der Spannungsabfall an R_a wird größer und I_a steigt. Das größere Drehmoment fängt die zusätzliche Last ab. Der Motor regelt sich also selbstständig in einen neuen Arbeitspunkt.

7. Drehrichtungsumkehr und Bürstenwartung

Um die Drehrichtung eines Gleichstrommotors zu ändern, muss man die Richtung der Kraft auf den Anker umkehren. Aus F = B · I · l folgt: Entweder dreht man B um (Polarität des Magnetfelds), oder man dreht I um (Stromrichtung im Anker). Beides gleichzeitig würde die Wirkung wieder aufheben und die Drehrichtung bliebe gleich.

Daraus ergeben sich die zwei praktischen Wege:

  • Ankerstrom umpolen: Die Klemmen des Ankerkreises werden vertauscht, die Erregung bleibt unverändert. Dies ist die übliche Methode bei kleineren Maschinen und bei Servoanwendungen, weil sich der Ankerstrom schneller umpolen lässt als der Erregerstrom.
  • Erregerstrom umpolen: Die Klemmen der Erregerwicklung werden vertauscht, der Ankeranschluss bleibt. Wird seltener angewandt, ist aber bei bestimmten Bauarten der Standardweg.

Bei einem Motor mit Permanentmagneten gibt es keine Erregerwicklung. Hier bleibt nur das Vertauschen der Ankeranschlüsse — was bei diesen kleinen Motoren ohnehin der einfachste Weg ist.

Wie kehrt man die Drehrichtung eines fremderregten Gleichstrommotors um?

  • a) Entweder Ankeranschlüsse oder Erregeranschlüsse vertauschen, aber nicht beide
  • b) Beide gleichzeitig vertauschen
  • c) Klemmenspannung verdoppeln
  • d) Bürsten umstecken

Richtig: a)

Die Kraftrichtung kehrt sich um, wenn entweder das Feld oder der Strom umgekehrt wird. Werden beide gleichzeitig umgekehrt, heben sich die Wirkungen auf. Klemmenspannung verändert die Drehzahl, nicht die Richtung. Bürsten haben keinen Einfluss auf die Drehrichtung.

Was ist ein typisches Warnzeichen an einem Gleichstrommotor, das auf einen Wartungsbedarf hinweist?

  • a) Ein leicht warmes Gehäuse
  • b) Drehrichtungsumkehr bei Lastwechsel
  • c) Helle, sprühende Funken oder ein ringförmiges Bürstenfeuer
  • d) Geräuscharmer Lauf

Richtig: c)

Helle Funken und ein ringförmiges Bürstenfeuer deuten auf verschlissene Bürsten, einen verschmutzten oder beschädigten Kommutator oder verstellte Wendepole hin. Ein warmes Gehäuse ist im Betrieb normal. Drehrichtungsumkehr durch Last allein darf nicht auftreten — wenn doch, läge ein anderes, schwerwiegendes Problem vor. Ruhiger Lauf ist erwünscht.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Gleichstrommotor liegt an 110 V Klemmenspannung. Der Ankerwiderstand beträgt 0,5 Ω, im Nennbetrieb misst man eine induzierte Gegenspannung von 100 V.

Gegeben: U = 110 V; R_a = 0,5 Ω; U_i = 100 V

Gesucht: Ankerstrom I_a und Anlaufstrom I_a,Anlauf

Lösungsweg:

  1. I_a = (U − U_i) / R_a = (110 − 100) / 0,5 = 20 A
  2. I_a,Anlauf = U / R_a = 110 / 0,5 = 220 A

Ergebnis: I_a = 20 A; I_a,Anlauf = 220 A (Faktor 11 über Nennstrom)

Aufgabe 2: Ein Permanentmagnet-Gleichstrommotor hat c · Φ = 0,08 Vs und zieht im Betrieb einen Ankerstrom von 12 A. Wie groß sind Drehmoment und mechanische Leistung bei 2400 1/min?

Gegeben: c · Φ = 0,08 Vs; I_a = 12 A; n = 2400 1/min

Gesucht: M und P_mech

Lösungsweg:

  1. M = c · Φ · I_a = 0,08 · 12 = 0,96 Nm
  2. n = 2400 / 60 = 40 1/s
  3. P_mech = M · 2 · π · n = 0,96 · 2 · π · 40 ≈ 241,3 W

Ergebnis: M ≈ 0,96 Nm; P_mech ≈ 241 W

Aufgabe 3: Welcher Anlasswiderstand R_v ist nötig, damit ein Motor an 230 V mit R_a = 0,3 Ω im Anlauf maximal 80 A zieht?

Gegeben: U = 230 V; R_a = 0,3 Ω; I_max = 80 A

Gesucht: R_v

Lösungsweg:

  1. Im Anlauf: U = I · (R_a + R_v) ⇒ R_v = U/I − R_a = 230 / 80 − 0,3 = 2,875 − 0,3 = 2,575 Ω

Ergebnis: R_v ≈ 2,58 Ω

Aufgabe 4: Ein Gleichstrommotor hat einen Ankerwiderstand von 0,4 Ω und führt im Nennbetrieb einen Strom von 15 A. Die Klemmenspannung beträgt 200 V. Wie groß ist die induzierte Gegenspannung?

Gegeben: R_a = 0,4 Ω; I_a = 15 A; U = 200 V

Gesucht: U_i

Lösungsweg:

  1. U_i = U − I_a · R_a = 200 − 15 · 0,4 = 200 − 6 = 194 V

Ergebnis: U_i = 194 V

In welcher Baugruppe eines Gleichstrommotors befindet sich die Erregerwicklung?

  • a) Im Anker
  • b) Im Stator
  • c) Auf dem Kommutator
  • d) In den Bürsten

Richtig: b)

Die Erregerwicklung sitzt an den Hauptpolen des Stators und erzeugt das Hauptmagnetfeld. Im Anker liegt die Ankerwicklung. Kommutator und Bürsten dienen der Stromzufuhr in die Ankerwicklung.

Welche Funktion erfüllen die Bürsten in einem klassischen Gleichstrommotor?

  • a) Sie leiten den Strom vom feststehenden Anschluss in die drehende Ankerwicklung
  • b) Sie erzeugen das Magnetfeld
  • c) Sie speichern elektrische Energie
  • d) Sie messen die Drehzahl

Richtig: a)

Bürsten sind das Bindeglied zwischen feststehenden Anschlussklemmen und drehendem Kommutator. Über sie fließt der Strom in die Ankerwicklung. Das Magnetfeld kommt vom Stator, gespeichert wird im Motor nichts dauerhaft, und die Drehzahl wird über andere Sensoren erfasst.

Was sagt die Gleichung U = U_i + I_a · R_a aus?

  • a) Spannung und Strom sind immer gleich groß
  • b) Klemmenspannung hat keinen Einfluss auf den Ankerstrom
  • c) Die Klemmenspannung deckt die Gegenspannung plus den Spannungsabfall am Ankerwiderstand
  • d) Die Klemmenspannung ist immer kleiner als U_i

Richtig: c)

Die Spannungsgleichung beschreibt das Kräftegleichgewicht im Ankerkreis: Die angelegte Spannung muss die induzierte Gegenspannung überwinden und außerdem den Spannungsabfall am Ankerwiderstand decken. Die Differenz U − U_i ist es, die den Ankerstrom treibt.

Wodurch entsteht im drehenden Anker die induzierte Gegenspannung U_i?

  • a) Durch die Erwärmung des Kupfers
  • b) Durch das Bürstenfeuer
  • c) Durch den ohmschen Widerstand der Wicklung
  • d) Durch die Bewegung der Ankerleiter im Magnetfeld

Richtig: d)

Sobald Ankerleiter durchs Magnetfeld bewegt werden, wird in ihnen nach dem Induktionsgesetz eine Spannung induziert. Diese ist im Motorbetrieb der Klemmenspannung entgegengerichtet. Wärme, Bürstenfeuer und Wicklungswiderstand erzeugen keine Spannung.

Ein Gleichstrommotor läuft mit konstanter Last. Plötzlich sinkt die Klemmenspannung. Was passiert mit der Drehzahl?

  • a) Sie sinkt
  • b) Sie steigt
  • c) Sie bleibt exakt gleich
  • d) Sie pendelt um den doppelten Wert

Richtig: a)

Niedrigere Klemmenspannung führt — bei gleichbleibendem Fluss — zu niedrigerer U_i, also niedrigerer Drehzahl. Der neue Arbeitspunkt liegt bei geringerer Drehzahl. Steigen oder Pendeln widerspräche dem Verhalten der Spannungsgleichung.

Welcher Zusammenhang gilt für das Drehmoment des Gleichstrommotors?

  • a) M ist umgekehrt proportional zum Ankerstrom
  • b) M ist nur von der Drehzahl abhängig
  • c) M ist proportional zu Ankerstrom und Erregerfluss
  • d) M ist konstant, egal welche Last anliegt

Richtig: c)

Aus M = c · I_a · Φ folgt direkt die Proportionalität zu Ankerstrom und Erregerfluss. Eine umgekehrte Proportionalität gilt nicht; die Drehzahl steht nicht in dieser Beziehung. Konstantes Drehmoment unabhängig von der Last würde dem Lastverhalten widersprechen.

Was bewirken Wendepole bei größeren Gleichstrommaschinen?

  • a) Sie ersetzen die Bürsten
  • b) Sie verbessern den Stromwechsel im Kommutator und reduzieren Funken
  • c) Sie erhöhen den Anlaufstrom
  • d) Sie kühlen die Welle

Richtig: b)

Wendepole erzeugen ein kleines Zusatzfeld in der Kommutierungszone und unterstützen den Umpolvorgang in der gerade kommutierenden Wicklung. Das mindert das Bürstenfeuer deutlich. Bürsten werden nicht ersetzt, Anlaufstrom und Welle stehen mit den Wendepolen nicht in Zusammenhang.

Wie kehrt man die Drehrichtung eines fremderregten Gleichstrommotors fachgerecht um?

  • a) Klemmenspannung erhöhen
  • b) Bürsten gegen andere Type tauschen
  • c) Lüfter abklemmen
  • d) Polung im Anker- oder im Erregerkreis umkehren (genau eines davon)

Richtig: d)

Drehrichtung kehrt sich um, wenn entweder B oder I umgekehrt wird. Werden beide gleichzeitig umgekehrt, bleibt die Richtung gleich. Spannungserhöhung beeinflusst die Drehzahl, Bürstentyp und Lüfter sind irrelevant.

Bei einem laufenden Gleichstrommotor wird die Last sprunghaft erhöht. Welche Reaktion ist korrekt beschrieben?

  • a) Drehzahl sinkt etwas, U_i sinkt, I_a steigt, M wächst — neuer Arbeitspunkt
  • b) Drehzahl bleibt exakt gleich, der Strom verändert sich nicht
  • c) Der Motor schaltet sich automatisch ab
  • d) Die Klemmenspannung steigt von alleine

Richtig: a)

Lastzuwachs verzögert den Anker leicht, wodurch U_i sinkt. Aus (U − U_i)/R_a folgt mehr Ankerstrom und damit mehr Drehmoment, das die neue Last trägt. Die anderen Antworten widersprechen dem Verhalten der Maschine.

Warum wird die Ankerwicklung in viele kleine Spulen mit vielen Kommutatorlamellen aufgeteilt?

  • a) Aus optischen Gründen
  • b) Weil dann weniger Strom fließt
  • c) Für gleichmäßiges Drehmoment und sicheren Anlauf aus jeder Position
  • d) Damit die Bürsten länger halten

Richtig: c)

Viele Spulen und Lamellen sorgen dafür, dass zu jedem Zeitpunkt mehrere Wicklungen unter den Polen wirken — das Drehmoment wird gleichmäßig und es gibt keine tote Stellung. Strommenge, Optik und Bürstenstandzeit hängen nicht direkt davon ab.

Welche Aussage zur mechanischen Leistung am Wellenausgang ist korrekt?

  • a) Sie ist gleich der elektrisch aufgenommenen Leistung
  • b) Sie ergibt sich aus Drehmoment mal Winkelgeschwindigkeit
  • c) Sie ist konstant, unabhängig von der Drehzahl
  • d) Sie ist nur vom Ankerwiderstand abhängig

Richtig: b)

Es gilt P_mech = M · ω = M · 2π · n. Die elektrische Aufnahmeleistung ist immer größer (Wirkungsgrad < 1). Drehzahl und Drehmoment bestimmen die Leistung, der Ankerwiderstand nur indirekt über die Verluste.

Welche Komponente führt im Gleichstrommotor den eigentlichen „Trick“ aus, der die einseitige Drehrichtung sicherstellt?

  • a) Die Bürsten
  • b) Die Erregerwicklung
  • c) Das Lager
  • d) Der Kommutator

Richtig: d)

Der Kommutator polt mechanisch gekoppelt an die Drehung den Strom in der Ankerwicklung um. Erst dadurch wirkt die Kraft auf die Wicklungsleiter immer in derselben Drehrichtung. Bürsten leiten nur den Strom zu, die Erregerwicklung baut das Feld auf, das Lager ist mechanische Stütze.

Glossar

Gleichstrommotor
Elektrische Maschine, die elektrische Energie aus einer Gleichspannungsquelle in mechanische Drehbewegung umwandelt. Sie ist reversibel und kann auch als Generator arbeiten.
Stator
Feststehender Teil des Motors. Trägt Hauptpole mit Erregerwicklung oder Permanentmagnete, Joch, Wendepole und Lager.
Rotor / Anker
Drehender Teil des Motors. Besteht aus dem geblechten Ankerblechpaket mit der Ankerwicklung in den Nuten und der Welle.
Erregerwicklung
Wicklung am Stator, die das Hauptmagnetfeld erzeugt. Bei kleinen Motoren oft durch Permanentmagnete ersetzt.
Ankerwicklung
Wicklung im Rotor. Wird über Kommutator und Bürsten bestromt; in ihr wirkt die Kraft, die die Drehbewegung erzeugt.
Kommutator
Aus voneinander isolierten Kupferlamellen aufgebauter Stromwender auf der Welle. Polt den Strom in den einzelnen Wicklungsmaschen mechanisch um.
Bürsten
Federgespannte Kohleblöcke, die den Strom von außen auf den drehenden Kommutator übertragen. Verschleißteil.
Wendepole
Hilfspole zwischen den Hauptpolen, die den Stromwechsel im Kommutator unterstützen und das Bürstenfeuer reduzieren.
Kompensationswicklung
Wicklung in den Polschuhen, die die Ankerrückwirkung in hochbelasteten Maschinen kompensiert.
Induzierte Gegenspannung U_i
Spannung, die im drehenden Anker durch die Bewegung im Magnetfeld induziert wird. Wirkt der Klemmenspannung entgegen.
Spannungsgleichung
Zusammenhang U = U_i + I_a · R_a, der Klemmenspannung, Gegenspannung, Ankerstrom und Ankerwiderstand verbindet.
Maschinenkonstante
Konstruktiv festgelegter Faktor c, der Wicklungsverhältnisse und Bauart zusammenfasst. Erscheint in U_i = c · n · Φ und M = c · I_a · Φ.
Ankerwiderstand
Ohmscher Widerstand der gesamten Ankerwicklung. Begrenzt im Anlauf den Strom und verursacht im Betrieb Verluste.
Anlaufstrom
Im Moment des Einschaltens fließender Strom bei n = 0 and damit U_i = 0. Wird nur durch R_a (und ggf. Vorwiderstand) begrenzt und ist deshalb sehr groß.
Bürstenfeuer
Funkenbildung an den Bürsten beim Stromwechsel im Kommutator. Leichtes Streufeuer ist normal, helles oder ringförmiges Bürstenfeuer ein Warnzeichen.

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