Riemen- und Kettengetriebe
Wenn eine Welle eine andere antreiben soll, die ein paar Zentimeter oder mehrere Meter entfernt sitzt, sind Riemen- und Kettengetriebe oft die beste Lösung. Beide übertragen Drehbewegung und Drehmoment über einen Achsabstand hinweg – aber nach grundverschiedenen Prinzipien: Riemen meist reibschlüssig, Ketten formschlüssig. Wer den Unterschied versteht, kann gezielt auswählen, die Übersetzung berechnen und Verschleißursachen zuverlässig erkennen.
Vorwissen
- Drehbewegung und Drehmoment
- Zahnräder und Getriebe (inkl. Übersetzungsverhältnis)
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- den Unterschied zwischen Reib- und Formschluss bei Riemen- und Kettengetrieben erklären
- die wichtigsten Riemen- und Kettenarten und ihre typischen Einsatzbereiche unterscheiden
- Übersetzungsverhältnis, Abtriebsdrehzahl, Riemengeschwindigkeit und Riemenlänge berechnen
- Schlupf beschreiben und seinen Einfluss auf die reale Drehzahl berücksichtigen
- Trumkräfte und Umfangskraft an einem Riementrieb bestimmen
- eine sinnvolle Auswahl zwischen Riemen, Kette und Zahnradgetriebe treffen
1. Drehbewegung über Distanz übertragen
Ein Motor läuft links, eine Pumpe steht rechts daneben. Beide Wellen sollen sich drehen, aber nicht direkt ineinander greifen. Genau das ist die Aufgabe eines Umschlingungsgetriebes: Es nimmt das Drehmoment der treibenden Welle, transportiert es über ein flexibles Zugmittel und gibt es an der getriebenen Welle wieder ab.
Ein Umschlingungsgetriebe besteht aus einer treibenden Scheibe oder einem Kettenrad, einem flexiblen Zugmittel – Riemen oder Kette – und einer getriebenen Scheibe beziehungsweise einem Kettenrad. Das Zugmittel umschlingt beide Räder und überträgt die Bewegung zwischen ihnen.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Art der Kraftübertragung:
- Reibschluss: Bei Flachriemen, Keilriemen und Keilrippenriemen wird die Kraft durch Reibung zwischen Riemen und Scheibe übertragen. Damit das funktioniert, muss der Riemen vorgespannt sein.
- Formschluss: Bei Zahnriemen, Synchronriemen und allen Kettenarten greifen Zähne oder Rollen mechanisch in passende Aussparungen am Rad. Ein nennenswertes Verrutschen ist ausgeschlossen.
Im Vergleich zum Zahnradgetriebe haben Umschlingungsgetriebe klare Vorteile: Der Achsabstand kann groß sein – mehrere Meter sind kein Problem. Sie laufen ruhig und dämpfen Schwingungen. Sie sind günstig herzustellen und einfach zu warten. Die Schattenseite: meist etwas niedrigerer Wirkungsgrad als das Zahnradgetriebe, größerer Bauraum bei vergleichbarer Leistung, und bei klassischen Riemen ein gewisser Schlupf.
Welche Aussage über reibschlüssige Riementriebe ist korrekt?
- a) Ohne ausreichende Vorspannung rutscht der Riemen durch
- b) Sie übertragen das Drehmoment ohne Vorspannung
- c) Sie sind grundsätzlich für hohe Drehzahlen ungeeignet
- d) Sie können nur Drehzahl, aber kein Drehmoment übertragen
Richtig: a)
Reibschluss setzt eine Anpresskraft zwischen Riemen und Scheibe voraus, die nur durch Vorspannung entsteht. Ohne sie ist die Reibung zu klein, der Riemen rutscht. Hohe Drehzahlen sind kein Problem (Flachriemen kommen problemlos auf 60 m/s), und Drehmoment wird sehr wohl übertragen – sonst wäre der Antrieb nutzlos.
Wann wäre ein Kettentrieb einem klassischen Keilriemen klar vorzuziehen?
- a) Wenn der Antrieb möglichst geräuschlos sein soll
- b) Wenn der Achsabstand sehr klein ist
- c) Wenn die Umgebung sehr staubarm ist
- d) Wenn hohes Drehmoment ohne Schlupf übertragen werden muss
Richtig: d)
Der formschlüssige Eingriff der Kettenrollen erlaubt hohe Drehmomente ohne Schlupfverlust. Bei Geräuscharmut ist der Riemen klar besser, bei kleinem Achsabstand und staubarmer Umgebung sind beide möglich.
2. Riemenarten und Aufbau
Ein Keilriemen sieht anders aus als ein Zahnriemen, und beide unterscheiden sich vom flachen Stück Gummi, das auf manchen alten Maschinen läuft. Hinter jeder Bauart steckt eine konkrete Überlegung: Wieviel Leistung soll übertragen werden, wie hoch sind die Drehzahlen, darf der Riemen rutschen, wieviel Platz ist verfügbar?
Flachriemen sind die älteste Bauart. Ein flacher Streifen aus Kunststoff, Polyurethan oder Leder läuft über zylindrische Scheiben. Vorteile: sehr hohe Drehzahlen möglich, geringe Walkarbeit, einfache Geometrie. Nachteile: braucht große Umschlingungswinkel und hohe Vorspannung, kann seitlich ablaufen.
Keilriemen haben einen trapezförmigen Querschnitt. Sie laufen in V-förmigen Nuten der Riemenscheiben. Durch die Keilwirkung steigt der effektive Reibwert deutlich gegenüber dem Flachriemen – schon eine moderate Vorspannung reicht für hohe Übertragungskräfte. Klassische Profile (Y, Z, A, B, C, D, E) und Schmalkeilriemen (SPZ, SPA, SPB, SPC) sind nach ÖNORM EN ISO 4184 genormt.
Schmalkeilriemen sind eine Weiterentwicklung mit größerer Höhe im Verhältnis zur Breite. Sie übertragen bei gleichem Bauraum mehr Leistung und haben die klassischen Keilriemen in vielen Industrieanwendungen abgelöst.
Keilrippenriemen, auch Poly-V-Riemen genannt, kombinieren Flachriemen-Flexibilität mit Keilriemen-Reibung. Mehrere kleine Keilrippen laufen parallel auf der Innenseite. Sie laufen ruhig, lassen sich gut um kleine Umlenkrollen führen und sind im Kfz-Nebenantrieb (Lichtmaschine, Klima, Wasserpumpe) Standard.
Zahnriemen, auch Synchronriemen, haben quergerichtete Zähne, die in entsprechende Zahnscheiben greifen. Damit arbeiten sie formschlüssig – kein Schlupf, exakte Winkellage zwischen den Wellen. Typische Einsatzgebiete: Steuerriemen im Verbrennungsmotor, Vorschübe an Werkzeugmaschinen, 3D-Drucker, Servoantriebe mit hoher Positioniergenauigkeit.
Moderne Riemen sind mehrschichtig aufgebaut. Ein Zugträger aus Polyester, Aramid oder Stahlseilen nimmt die Zugkräfte auf. Eine Gummi- oder Polyurethan-Matrix gibt die Form und sorgt für Reibung an der Scheibe. Bei Zahnriemen liegt eine verschleißfeste Gewebebeschichtung über den Zahnflanken.
Welche Aussage zum Keilriemen ist richtig?
- a) Er überträgt Kraft formschlüssig durch Zähne
- b) Er nutzt die Keilwirkung, um die nötige Reibung zu erhöhen
- c) Er ist die erste Wahl für exakte Synchronisation zweier Wellen
- d) Er läuft über flache, zylindrische Scheiben
Richtig: b)
Die Trapezform des Keilriemens erzeugt in der V-Nut der Scheibe eine deutlich höhere Normalkraft pro Trumkraft als ein Flachriemen – das ist die Keilwirkung. Formschluss durch Zähne ist Sache des Zahnriemens, exakte Synchronisation ebenfalls.
Wofür eignet sich der Zahnriemen besonders gut?
- a) Übertragung sehr hoher Leistungen bei niedriger Drehzahl
- b) Antriebe mit häufigem Stop-and-Go bei sehr großem Achsabstand
- c) Pumpen, die dauerhaft mit Schmierfett benetzt sind
- d) Anwendungen mit zwingend synchronem Lauf der Wellen
Richtig: d)
Der formschlüssige Eingriff der Zähne garantiert eine feste Winkelbeziehung zwischen treibender und getriebener Welle – kein Schlupf, keine Drift. Bei sehr großen Leistungen ist die Kette meist besser, bei Schmierstoffkontakt würden viele Riemenwerkstoffe versagen.
3. Kettenarten und Aufbau
Eine Kette ist kein Riemen aus Stahl – sie hat eine ganz eigene innere Logik. Wer schon einmal eine Fahrradkette zerlegt hat, kennt das Prinzip: Innenglieder mit Hülsen, Außenglieder mit Bolzen, dazwischen die Rollen. Industriell wird daraus eine sehr robuste Lösung für hohe Drehmomente.
Die Rollenkette ist die Standardbauart in der Antriebstechnik und nach ÖNORM EN ISO 606 genormt. Sie besteht aus folgenden Bauteilen:
- Außenglied: zwei Außenlaschen, in die zwei Bolzen eingepresst sind.
- Innenglied: zwei Innenlaschen, in die zwei Hülsen eingepresst sind.
- Hülse: sitzt fest in den Innenlaschen, dreht sich aber frei um den Bolzen.
- Rolle: läuft frei auf der Hülse und kommt mit dem Kettenrad in Kontakt.
Beim Eingriff in das Kettenrad rollt die Rolle in den Zahn-Aussparungen ab. Dadurch wird der Gleitanteil minimiert und der Verschleiß am Kettenrad sinkt – genau dafür sind Hülse und Rolle da. Die Bolzen-Hülse-Paarung gleitet zwar weiterhin, aber innerhalb der Kette und gut geschützt.
Die Teilung ist die wichtigste Kenngröße einer Kette – der Mittenabstand zweier benachbarter Bolzen. Sie wird in Millimetern oder Zoll angegeben. Übliche Teilungen für Industrieketten reichen von etwa 6 mm bis weit über 50 mm. Die ersten zwei Ziffern der Kettenbezeichnung nach ISO 606 geben die Teilung in 1/16 Zoll an: Eine Kette 08B-1 hat 8/16 Zoll = 12,7 mm Teilung. Die Endung „-1″ steht für Einfachkette.
Hülsenketten sind ohne lose Rolle aufgebaut. Die Hülse greift direkt in das Kettenrad. Sie sind günstiger als Rollenketten, verschleißen aber schneller und kommen vorwiegend in einfachen, langsam laufenden Anwendungen zum Einsatz.
Mehrfachketten (Duplex, Triplex) bestehen aus zwei oder drei parallelen Kettensträngen mit gemeinsamen, längeren Bolzen. Bei gleichem Bauraum übertragen sie das Mehrfache der Leistung einer Einfachkette.
Zahnketten, auch Lamellenketten, sind aus vielen profilierten Laschen aufgebaut, die wie eine Verzahnung in das Kettenrad greifen. Sie laufen sehr ruhig, sind aber teuer und werden in präzisen, schnell laufenden Antrieben verwendet.
Welche Funktion erfüllt die Rolle in einer Rollenkette?
- a) Sie rollt auf der Hülse ab und minimiert den Verschleiß am Kettenrad
- b) Sie nimmt die Zugkräfte der Kette auf
- c) Sie hält Innen- und Außenlaschen zusammen
- d) Sie sorgt für die korrekte Teilung der Kette
Richtig: a)
Die Rolle dreht sich frei auf der Hülse. Beim Eingriff in den Kettenrad-Zahn rollt sie ab statt zu gleiten, was den Verschleiß am Zahn deutlich reduziert. Zugkräfte tragen Bolzen und Laschen, der Bolzen hält die Glieder zusammen, die Teilung wird durch den Bolzenabstand bestimmt.
Eine Kette mit der Bezeichnung 12B-1 nach ISO 606 hat welche Teilung?
- a) 12 mm
- b) 12,7 mm
- c) 19,05 mm
- d) 25,4 mm
Richtig: c)
Die ersten zwei Ziffern bezeichnen die Teilung in 1/16 Zoll: 12 × 1/16 Zoll = 12 × 1,5875 mm = 19,05 mm. Die Endung „-1″ steht für eine Einfachkette.
4. Übersetzung, Drehzahl und Riemengeschwindigkeit
Wenn eine treibende Scheibe mit einer bestimmten Drehzahl läuft, dreht die getriebene Scheibe mit einem passenden Wert. Damit das auch quantitativ funktioniert, brauchen wir zwei Hauptformeln – Übersetzung und Riemengeschwindigkeit – und einen dritten Aspekt, der bei reibschlüssigen Riemen wichtig ist: den Schlupf.
Übersetzungsverhältnis am Umschlingungsgetriebe
An einem Riemen- oder Kettentrieb verhalten sich die Drehzahlen umgekehrt wie die Durchmesser der Scheiben:
i = n_1 / n_2 = d_2 / d_1
- i … Übersetzungsverhältnis (dimensionslos)
- n_1 … Drehzahl treibend in 1/min
- n_2 … theoretische Drehzahl getrieben in 1/min
- d_1 … Durchmesser treibende Scheibe in mm
- d_2 … Durchmesser getriebene Scheibe in mm
Bei Kettenrädern ersetzt die Zähnezahl z den Durchmesser. Die Theorie hinter der Übersetzung – ins Langsame, ins Schnelle, Wirkungsgradketten – ist im Beitrag „Zahnräder und Getriebe (inkl. Übersetzungsverhältnis)“ ausführlich behandelt. Hier nutzen wir die Formel als Werkzeug.
Schlupf bei reibschlüssigen Riemen
Bei Flach-, Keil- und Keilrippenriemen entsteht durch die elastische Dehnung des Riemens beim Übergang vom Last- ins Leertrum ein kleiner Geschwindigkeitsverlust. Dieser Effekt heißt Dehnschlupf und ist kein Fehler des Antriebs, sondern eine Eigenschaft des Reibschlusses.
s = (n_2_theoretisch – n_2_real) / n_2_theoretisch
- s … Schlupf (dimensionslos oder in %)
Daraus folgt die reale Abtriebsdrehzahl:
n_2_real = n_1 * (d_1 / d_2) * (1 – s)
- n_2_real … reale Abtriebsdrehzahl
- n_1 … Antriebsdrehzahl
- d_1 … Durchmesser treibend
- d_2 … Durchmesser getrieben
- s … Schlupf
Typische Werte: 1 % bis 2 % bei modernen Keilriemen, weniger bei Keilrippenriemen, praktisch null bei Zahnriemen und allen Ketten. Wesentlich höhere Werte deuten auf zu geringe Vorspannung oder Überlastung hin. Genau diese Eigenschaft wird in modernen Förderanlagen genutzt: Eine Schlupfüberwachung am Antrieb erkennt sofort, wenn das Förderband blockiert oder ungewöhnlich stark belastet wird.
Riemengeschwindigkeit
Die Umfangsgeschwindigkeit der Riemenscheibe entspricht der Riemengeschwindigkeit (vom Schlupf abgesehen):
v = π * d * n / 60000
- v … Riemengeschwindigkeit in m/s
- d … Durchmesser der Scheibe in mm
- n … Drehzahl in 1/min
Der Faktor 60000 wandelt mm/min in m/s. In der Praxis liegen Riemengeschwindigkeiten meist zwischen 5 m/s und 30 m/s. Höhere Werte are möglich, erfordern aber spezielle Riemen und sorgfältige Auswuchtung.
Gelöstes Beispiel
Ein Elektromotor mit 2880 1/min treibt über einen Keilriemen eine Bohrspindel. Die Motorscheibe hat einen Durchmesser von 80 mm, die Spindelscheibe 200 mm. Der gemessene Schlupf beträgt 2 %.
Gegeben: n_1 = 2880 1/min, d_1 = 80 mm, d_2 = 200 mm, s = 2 % = 0,02
Gesucht: reale Spindeldrehzahl n_2_real und Riemengeschwindigkeit v
Lösungsweg:
- Schritt 1 — reale Abtriebsdrehzahl:
n_2_real = n_1 · (d_1 / d_2) · (1 − s)
n_2_real = 2880 · (80 / 200) · (1 − 0,02)
n_2_real = 2880 · 0,4 · 0,98
n_2_real ≈ 1129 1/min - Schritt 2 — Riemengeschwindigkeit:
v = π · d_1 · n_1 / 60000
v = π · 80 · 2880 / 60000
v ≈ 12,06 m/s
Ergebnis: Spindeldrehzahl rund 1129 1/min, Riemengeschwindigkeit etwa 12,1 m/s.
Übungen
Eine Motorscheibe hat 90 mm, die getriebene Scheibe 270 mm. Wie groß ist das Übersetzungsverhältnis?
Lösung: i = d_2 / d_1 = 270 / 90 = 3,0
Ein Motor mit 1450 1/min treibt über einen Riemen mit d_1 = 100 mm and d_2 = 200 mm. Wie hoch ist die theoretische Abtriebsdrehzahl?
Lösung: n_2 = n_1 · d_1 / d_2 = 1450 · 100 / 200 = 725 1/min
Die treibende Scheibe (d = 120 mm) dreht mit 1500 1/min. Wie hoch ist die Riemengeschwindigkeit?
Lösung: v = π · 120 · 1500 / 60000 ≈ 9,42 m/s
Theoretisch sollte eine Spindel mit 800 1/min laufen. Gemessen werden 776 1/min. Wie groß ist der Schlupf?
Lösung: s = (800 − 776) / 800 = 0,03 = 3 %
Ein Antrieb hat n_1 = 1450 1/min, d_1 = 112 mm, d_2 = 280 mm und einen Schlupf von 2 %. Berechne reale Abtriebsdrehzahl und Riemengeschwindigkeit.
Lösung: n_2_real = 1450 · (112 / 280) · 0,98 ≈ 568,4 1/min; v = π · 112 · 1450 / 60000 ≈ 8,50 m/s
Eine treibende Scheibe (d_1 = 100 mm, n_1 = 1500 1/min) treibt eine Scheibe mit d_2 = 300 mm. Wie hoch ist die theoretische Abtriebsdrehzahl?
- a) 4500 1/min
- b) 1500 1/min
- c) 300 1/min
- d) 500 1/min
Richtig: d)
n_2 = n_1 · d_1 / d_2 = 1500 · 100 / 300 = 500 1/min. Bei der Übersetzung ins Langsame wird die Abtriebsdrehzahl kleiner.
Bei welchem Zugmittel tritt im Normalbetrieb der größte Schlupf auf?
- a) Zahnriemen
- b) Rollenkette
- c) Klassischer Keilriemen
- d) Zahnkette
Richtig: c)
Reibschlüssige Riemen wie der Keilriemen haben typischen Dehnschlupf von 1 % bis 2 %. Zahnriemen und alle Kettenarten arbeiten formschlüssig und haben praktisch keinen Schlupf.
Welche Riemengeschwindigkeit hat eine Scheibe mit 200 mm Durchmesser bei 1200 1/min?
- a) 12,57 m/s
- b) 1,26 m/s
- c) 6,28 m/s
- d) 25,13 m/s
Richtig: a)
v = π · d · n / 60000 = π · 200 · 1200 / 60000 ≈ 12,57 m/s.
5. Riemenlänge und Achsabstand
Beim Bestellen eines neuen Riemens oder beim Tausch braucht man die richtige Länge. Sie hängt vom Achsabstand der beiden Scheiben und ihren Durchmessern ab – über eine Näherungsformel, die in der Praxis genau genug ist.
Für einen offenen Riementrieb mit Achsabstand a und Scheibendurchmessern d_1 (kleine Scheibe) und d_2 (große Scheibe) gilt:
L = 2 · a + π · (d_1 + d_2) / 2 + (d_2 − d_1)² / (4 · a)
- L … Riemenlänge in mm
- a … Achsabstand der Wellen in mm
- d_1 … Durchmesser kleine Scheibe in mm
- d_2 … Durchmesser große Scheibe in mm
Die ersten beiden Terme sind die zwei geraden Trumlängen plus die halben Scheibenumschlingungen. Der dritte Term ist eine kleine Korrektur für die Schräglage des Riemens zwischen unterschiedlich großen Scheiben. Die Näherung ist sehr genau, solange der Achsabstand deutlich größer als der Radius der großen Scheibe ist.
In der Praxis kauft man Standardlängen nach ÖNORM EN ISO 4184 ein. Der Achsabstand wird so gewählt, dass eine Standardlänge passt – wobei ein Verstellbereich für Montage und Nachspannen vorgesehen sein muss.
Achsabstand in der Praxis
Als Richtwert sollte der Achsabstand mindestens dem Durchmesser der großen Scheibe entsprechen und höchstens das Drei- bis Vierfache davon betragen. Zu kleine Abstände führen zu schlechtem Umschlingungswinkel an der kleinen Scheibe und damit zu reduzierter Kraftübertragung. Zu große Abstände machen den Riemen anfällig für Schwingungen.
Spannweg
Damit der Riemen montiert und nachgespannt werden kann, muss der Achsabstand verstellbar sein – meist über eine Spannschiene oder eine verschiebbare Motorplatte. Üblich sind etwa 3 % des Riemenumfangs als Spannweg zum Nachspannen und nochmal rund 1,5 % zum Einlegen eines neuen Riemens.
Gelöstes Beispiel
Zwei Scheiben mit d_1 = 100 mm und d_2 = 250 mm sollen mit einem Riemen verbunden werden. Der Achsabstand beträgt 600 mm. Welche Riemenlänge wird benötigt?
Gegeben: a = 600 mm, d_1 = 100 mm, d_2 = 250 mm
Gesucht: Riemenlänge L
Lösungsweg:
- Schritt 1 — gerade Trumlängen:
2 · a = 2 · 600 = 1200 mm - Schritt 2 — mittlere Umschlingung:
π · (d_1 + d_2) / 2 = π · (100 + 250) / 2 = π · 175 ≈ 549,8 mm - Schritt 3 — Korrekturterm:
(d_2 − d_1)² / (4 · a) = 150² / 2400 = 22500 / 2400 ≈ 9,4 mm - Schritt 4 — Summe:
L = 1200 + 549,8 + 9,4 ≈ 1759,2 mm
Ergebnis: Die berechnete Länge beträgt rund 1759 mm. In der Praxis wählt man die nächste Standardlänge (z. B. 1760 mm) und stellt den Achsabstand minimal nach.
Übungen
d_1 = 80 mm, d_2 = 200 mm, a = 400 mm. Berechne die Riemenlänge.
Lösung: L = 2·400 + π·(80+200)/2 + (200−80)²/(4·400) = 800 + 439,8 + 9,0 ≈ 1248,8 mm
Zwei gleich große Scheiben (d_1 = d_2 = 160 mm) sind mit a = 500 mm verbunden. Welche Riemenlänge ergibt sich?
Lösung: L = 2·500 + π·160 = 1000 + 502,7 ≈ 1502,7 mm (Korrekturterm null, weil d_2 − d_1 = 0)
Antrieb mit d_1 = 112 mm, d_2 = 280 mm und a = 700 mm. Wie lang muss der Riemen sein?
Lösung: L = 1400 + π·196 + 168²/2800 = 1400 + 615,8 + 10,1 ≈ 2025,9 mm
d_1 = 90 mm, d_2 = 180 mm, gewünschte Riemenlänge L = 1500 mm. Schätze den Achsabstand a, indem du den Korrekturterm vernachlässigst.
Lösung: L ≈ 2a + π·(d_1+d_2)/2 → 1500 = 2a + π·135 → 2a ≈ 1500 − 424,1 = 1075,9 → a ≈ 538 mm. In der Praxis wird dieser Wert dann am Antrieb feinjustiert.
d_1 = 100 mm, d_2 = 315 mm, a = 800 mm. Berechne L.
Lösung: L = 1600 + π·207,5 + 215²/3200 = 1600 + 651,9 + 14,4 ≈ 2266,3 mm
Was passiert mit der Riemenlängenformel, wenn beide Scheiben gleich groß sind?
- a) Sie kann nicht berechnet werden
- b) Es muss ein anderer Riementyp verwendet werden
- c) Die Formel gilt nicht mehr
- d) Der Korrekturterm fällt weg
Richtig: d)
Mit d_1 = d_2 wird (d_2 − d_1)² = 0, der Korrekturterm verschwindet, und es bleibt L = 2a + π · d. Der Riemen läuft dann parallel zwischen den Scheiben.
Warum wird in der Praxis der Achsabstand verstellbar ausgeführt?
- a) Damit der Riemen ausgetauscht und nachgespannt werden kann
- b) Damit der Motor die Drehrichtung wechseln kann
- c) Weil die Scheibendurchmesser sich bei Belastung ändern
- d) Um den Schlupf zu erhöhen
Richtig: a)
Ein Riemen längt sich im Betrieb und muss nachgespannt werden. Außerdem ist Spielraum nötig, um einen neuen Riemen überhaupt einlegen zu können.
Welcher Wert ist ein sinnvoller Mindest-Achsabstand für einen Riementrieb mit großer Scheibe von 250 mm?
- a) 50 mm
- b) 120 mm
- c) etwa 250 mm
- d) mindestens 1000 mm
Richtig: c)
Als Richtwert mindestens der Durchmesser der großen Scheibe – sonst wird der Umschlingungswinkel an der kleinen Scheibe zu gering und die Kraftübertragung leidet.
6. Vorspannung, Trumkräfte und Spannrollen
Ein Riemen, der nur lose über zwei Scheiben gelegt ist, überträgt keine nennenswerte Kraft – er würde sofort durchrutschen. Erst die Vorspannung erzeugt die Normalkraft an der Scheibe und damit die Reibung. Hinter dieser einfachen Aussage steht eine mathematische Beziehung, die seit Anfang des 19. Jahrhunderts bekannt ist.
Last- und Leertrum, Umfangskraft
Beim laufenden Riementrieb ist die Zugkraft im Lasttrum (ziehende Seite) höher als im Leertrum (abgehende Seite). Die Differenz dieser beiden Trumkräfte ist die Umfangskraft – das, was letztlich an der Scheibe als Drehmoment ankommt.
F_u = F_1 − F_2
- F_u … Umfangskraft in N
- F_1 … Trumkraft im Lasttrum in N
- F_2 … Trumkraft im Leertrum in N
Aus der Umfangskraft folgt direkt das übertragene Drehmoment an der Scheibe:
M = F_u · d / 2
- M … Drehmoment in Nmm
- F_u … Umfangskraft in N
- d … Durchmesser der Scheibe in mm
Die Eytelweinsche Gleichung
Wie groß das Verhältnis von Last- zu Leertrum maximal werden darf, hat Johann Albert Eytelwein 1808 beschrieben. Das Maximum hängt nur vom Reibwert μ zwischen Riemen und Scheibe und vom Umschlingungswinkel β ab:
F_1 / F_2 ≤ e^(μ · β)
- F_1 … Trumkraft Lasttrum in N
- F_2 … Trumkraft Leertrum in N
- μ … Reibwert zwischen Riemen und Scheibe (dimensionslos)
- β … Umschlingungswinkel in Bogenmaß (rad)
- e … Eulersche Zahl ≈ 2,718
Hinweis zur Berechnung: Der Umschlingungswinkel muss von Grad in Bogenmaß umgerechnet werden: β_rad = β_Grad · π / 180. Ein Umschlingungswinkel von 180° entspricht also π rad ≈ 3,14.
Wird das Verhältnis größer, rutscht der Riemen durch. Praktisch heißt das: Ein hoher Umschlingungswinkel und eine reibungsstarke Paarung erlauben ein höheres Trumkraftverhältnis – und damit mehr Umfangskraft bei gleicher Vorspannung.
Beim Keilriemen tritt anstelle des reinen Reibwerts μ ein effektiver Reibwert μ‘, der durch die Keilwirkung deutlich größer ausfällt als beim Flachriemen mit der gleichen Materialpaarung. Genau das ist der Grund für die hohe Kraftdichte des Keilriemens.
Vorspannung in der Praxis
Damit der Riemen das geforderte Drehmoment dauerhaft überträgt, wird er mit einer Vorspannkraft eingebaut. Diese sorgt dafür, dass auch im Leertrum noch eine Restkraft anliegt – sonst würde der Riemen abheben.
Zu hohe Vorspannung erzeugt unnötige Lagerkräfte, der Riemen wird heiß, dehnt sich und altert beschleunigt. Zu niedrige Vorspannung führt zu Durchrutschen, glänzenden Flanken und im Extremfall zu Hitzeschäden am Riemen.
Die richtige Vorspannung wird heute meist mit einem Frequenzmessgerät oder per Eindrückprüfung kontrolliert. Faustregel für die Eindrückprüfung: Bei einer Prüfkraft, die je nach Riemenprofil im Bereich von 1 % bis 2 % der zulässigen Riemenkraft liegt, sollte sich der Riemen auf der Trumlänge um etwa 1,5 % eindrücken lassen. Hersteller geben dafür konkrete Tabellenwerte aus.
Spannrollen
Wenn der Achsabstand fest ist oder zusätzlich der Umschlingungswinkel vergrößert werden soll, kommt eine Spannrolle zum Einsatz. Drei bauformen sind verbreitet:
- Feste Spannrolle: einmalig eingestellt, bei Wartung manuell nachjustiert.
- Federbelastete Spannrolle: kompensiert Riemenlängung selbsttätig – typisch im Kfz-Nebenantrieb.
- Hydraulische oder pneumatische Spannrolle: bei großen Industrieantrieben.
Spannrollen drücken bevorzugt am Leertrum gegen den Riemen, weil dort die Beanspruchung am geringsten ist.
Vorspannung bei Ketten
Eine Kette muss nicht reibschlüssig vorgespannt werden – sie greift formschlüssig. Sie braucht aber einen leichten Durchhang im Leertrum, damit Längungen durch Verschleiß ausgeglichen werden können. Faustregel: Der Durchhang im Leertrum soll etwa 1 % bis 2 % des Achsabstandes betragen, bei stark belasteten oder schnell laufenden Ketten weniger. Zu wenig Durchhang führt zu erhöhter Lagerbelastung, zu viel zu Aufschwingen und Überspringen am Kettenrad.
Gelöstes Beispiel
Keilriemen überträgt eine Umfangskraft von 800 N. Die treibende Scheibe hat einen Durchmesser von 160 mm. Welches Drehmoment wird übertragen, und welche Trumkräfte F_1 und F_2 stellen sich ein, wenn das Trumkraftverhältnis F_1 / F_2 = 4 beträgt?
Gegeben: F_u = 800 N, d = 160 mm, F_1 / F_2 = 4
Gesucht: Drehmoment M, Trumkräfte F_1 und F_2
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Drehmoment:
M = F_u · d / 2 = 800 · 160 / 2 = 64000 Nmm = 64 Nm - Schritt 2 — Trumkräfte aus zwei Gleichungen:
F_u = F_1 − F_2 = 800 N
F_1 = 4 · F_2
Einsetzen: 4 · F_2 − F_2 = 800 → 3 · F_2 = 800 → F_2 ≈ 266,7 N
Dann: F_1 = 4 · 266,7 ≈ 1066,7 N
Ergebnis: M = 64 Nm; F_1 ≈ 1067 N; F_2 ≈ 267 N.
Übungen
Welche Umfangskraft ergibt sich bei F_1 = 500 N und F_2 = 200 N?
Lösung: F_u = 500 − 200 = 300 N
Welches Drehmoment liefert eine Scheibe mit 200 mm Durchmesser bei einer Umfangskraft von 1200 N?
Lösung: M = 1200 · 200 / 2 = 120000 Nmm = 120 Nm
Ein Riementrieb überträgt 50 Nm. Die treibende Scheibe hat 125 mm Durchmesser. Wie hoch ist die Umfangskraft?
Lösung: F_u = 2 · M / d = 2 · 50000 / 125 = 800 N
Bei F_1 / F_2 = 3 und F_u = 600 N: Wie groß sind F_1 und F_2?
Lösung: F_2 · (3 − 1) = 600 → F_2 = 300 N; F_1 = 900 N
Bei einer Kette mit Achsabstand a = 1200 mm: Welcher Durchhang im Leertrum entspricht etwa 1,5 % des Achsabstandes?
Lösung: 0,015 · 1200 = 18 mm
Wie groß ist die Umfangskraft an einem Riementrieb mit F_1 = 1000 N und F_2 = 400 N?
- a) 600 N
- b) 1400 N
- c) 400 N
- d) 200 N
Richtig: a)
F_u = F_1 − F_2 = 1000 − 400 = 600 N. Die Summe wäre die gesamte Trumzugbelastung, die Differenz das wirksame Antriebsmoment.
Welche Größe begrenzt das maximale Verhältnis F_1 / F_2 nach Eytelwein NICHT direkt?
- a) Reibwert zwischen Riemen und Scheibe
- b) Umschlingungswinkel
- c) Riemenmaterial (über den Reibwert)
- d) Riemenbreite
Richtig: d)
In der Eytelweinschen Gleichung F_1 / F_2 ≤ e^(μ · β) erscheint die Riemenbreite nicht. Sie bestimmt die zulässigen Absolutkräfte (über Querschnitt und Werkstoff), beeinflusst aber nicht das Kraftverhältnis.
Was ist die Folge einer dauerhaft zu hohen Riemenvorspannung?
- a) Der Riemen läuft schneller als berechnet
- b) Lagerschäden und beschleunigte Riemenalterung
- c) Der Umschlingungswinkel nimmt ab
- d) Der Schlupf wird größer
Richtig: b)
Überspannung erzeugt hohe Querkräfte an den Lagern und verstärkt die Walkarbeit im Riemen. Beides führt zu vorzeitigem Verschleiß.
Warum wird in einem Riementrieb eine Spannrolle bevorzugt am Leertrum eingesetzt?
- a) Weil dort die Riemengeschwindigkeit niedriger ist
- b) Weil der Umschlingungswinkel sonst nicht beeinflusst werden kann
- c) Weil die Beanspruchung des Riemens dort geringer ist
- d) Weil sie am Lasttrum durchdrehen würde
Richtig: c)
Die Spannrolle erzeugt eine zusätzliche Biege- und Walkbeanspruchung. Am ohnehin weniger belasteten Leertrum ist diese Belastung für die Riemenlebensdauer am verträglichsten.
7. Wartung, Verschleiß und Auswahl
Ein gut ausgewählter Riemen oder eine richtig dimensionierte Kette laufen jahrelang ohne nennenswerten Service. Trotzdem altern sie – und wer typische Verschleißbilder kennt, erkennt Probleme rechtzeitig.
Verschleiß an Riemen
Riemen altern hauptsächlich durch Walkarbeit, Hitze und Umwelteinflüsse. Typische Erscheinungen:
- Querrisse in der Riemenrückseite oder im Zahngrund deuten auf Überlastung, zu kleine Rollendurchmesser oder fortgeschrittene Alterung hin.
- Glänzende Flanken an einem Keilriemen entstehen durch Schlupf bei zu geringer Vorspannung – ein Warnzeichen, das vor dem eigentlichen Versagen kommt.
- Längung ist normal, aber begrenzt. Übersteigt sie den Spannweg, muss der Riemen gewechselt werden.
- Ölverunreinigung greift viele Gummimischungen an. Der Riemen wird weich und verliert Reibwert.
Verschleiß an Ketten
Ketten verschleißen vor allem an Bolzen und Hülse. Dadurch wird die Kette als Ganzes länger. Wichtige Punkte:
- Kettenlängung wird mit einer Verschleißlehre gemessen oder durch Vergleich mit einer bekannten Strecke. Übliche Grenze: 1 % bis 3 % Längung, dann tauschen.
- Hakenförmige Kettenradzähne entstehen, wenn eine verschlissene Kette zu lange weiter läuft. Das Kettenrad muss dann meist mitgetauscht werden.
- Rost und Verharzung bei mangelhafter Schmierung machen die Kette steif – sie springt unter Last über den Kettenrad-Zahn.
Schmierung von Ketten
Für Ketten ist die richtige Schmierung essenziell. Sie reduziert Reibung an Bolzen und Hülse und schwemmt feinen Abrieb aus. Je nach Geschwindigkeit kommen Tropfschmierung, Tauchbadschmierung oder Druckumlaufschmierung zum Einsatz. Welcher Schmierstoff bei welchen Bedingungen passt, ist im Beitrag „Schmierung und Schmierstoffe“ beschrieben.
Riemen sind im Gegenteil wartungsfrei zu schmieren – Öl oder Fett würde sie zerstören.
Auswahl: Riemen, Kette oder Zahnradgetriebe?
Welche Lösung wann sinnvoll ist, lässt sich an wenigen Kriterien festmachen:
| Kriterium | Klassischer Riemen | Zahnriemen | Kette | Zahnradgetriebe |
|---|---|---|---|---|
| Achsabstand | mittel bis groß | klein bis mittel | klein bis groß | klein |
| Schlupf | 1–2 % | praktisch null | null | null |
| Geräuschpegel | sehr leise | leise | laut | mittel bis laut |
| Wirkungsgrad | 92–96 % | 96–98 % | 95–98 % | 96–99 % |
| Schmierung | nein | nein | ja | ja |
| Drehmoment | mittel | hoch | sehr hoch | sehr hoch |
| Umgebung | trocken | trocken | offen oder gekapselt | gekapselt |
| typisches Beispiel | Lüfter, Kompressor | Steuerriemen, Werkzeugmaschine | Förderanlage, Motorrad | Industriegetriebe |
Wer einen großen Achsabstand und Geräuscharmut braucht, nimmt einen Riemen. Wer hohe Drehmomente bei geringem Bauraum und ohne Schlupftoleranz übertragen muss, greift zur Kette oder zum Zahnradgetriebe.
Wann sollte eine Rollenkette getauscht werden?
- a) Sobald sie sich verschmutzt anfühlt
- b) Wenn die Längung den Grenzwert von etwa 1 % bis 3 % überschreitet
- c) Wenn der Riemen daneben schon getauscht wurde
- d) Nach jeder 50. Betriebsstunde fix
Richtig: b)
Ketten dehnen sich durch Bolzen- und Hülsenverschleiß. Bei Längung über etwa 1 % bis 3 % beginnt das Kettenrad zu „haken“, und die Kette wird unkontrollierbar. Vorher ist meist kein Wechsel nötig, danach besteht akute Ausfallgefahr.
Glänzende Flanken an einem Keilriemen sind ein Hinweis auf:
- a) Korrekte Vorspannung
- b) Eine zu große Scheibe
- c) Eine zu lange Riemenlänge
- d) Längeren Lauf unter Schlupf bei zu geringer Vorspannung
Richtig: d)
Wenn ein Keilriemen unterspannt ist, rutscht er in den Scheibennuten. Die Reibflächen werden mit der Zeit blank poliert – die Glanzstellen sind das sichtbare Symptom des Schlupfs.
Für einen leisen Antrieb mit großem Achsabstand und mittlerem Drehmoment ist welche Lösung typischerweise am besten?
- a) Stirnradgetriebe
- b) Keilrippenriemen
- c) Rollenkette
- d) Schnecke-Schneckenrad-Getriebe
Richtig: b)
Riemenantriebe sind die leiseste Lösung und erlauben große Achsabstände. Ketten sind lauter, Zahnradgetriebe sind eher für kleine Achsabstände gedacht.
Welche Aussage zum Wirkungsgrad ist korrekt?
- a) Riemen erreichen typischerweise höhere Wirkungsgrade als Zahnradgetriebe
- b) Klassische Keilriemen haben einen Wirkungsgrad von 80 % bis 85 %
- c) Zahnriemen und Ketten erreichen Wirkungsgrade im Bereich 95 % bis 98 %
- d) Der Wirkungsgrad eines Riementriebs hängt nicht von der Vorspannung ab
Richtig: c)
Sowohl Zahnriemen als auch Ketten liegen bei rund 95 % bis 98 % Wirkungsgrad. Klassische Keilriemen erreichen 92 % bis 96 %, je nach Vorspannung und Schlupf – Riemen sind also nicht prinzipiell besser als Zahnräder, und die Vorspannung hat direkten Einfluss auf den Verlust durch Schlupf.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Motor läuft mit 1450 1/min und treibt über einen Keilriemen mit d_1 = 125 mm und d_2 = 250 mm eine Pumpe an. Der Schlupf beträgt 1,5 %. Berechne die reale Pumpendrehzahl und die Riemengeschwindigkeit.
Gegeben: n_1 = 1450 1/min, d_1 = 125 mm, d_2 = 250 mm, s = 0,015
Gesucht: n_2_real, v
Lösungsweg:
n_2_real = 1450 · (125 / 250) · (1 − 0,015) = 1450 · 0,5 · 0,985 ≈ 714,1 1/min
v = π · 125 · 1450 / 60000 ≈ 9,49 m/s
Ergebnis: Pumpendrehzahl rund 714 1/min, Riemengeschwindigkeit etwa 9,49 m/s.
Aufgabe 2: Ein Riementrieb hat d_1 = 100 mm, d_2 = 280 mm und Achsabstand a = 600 mm. Welche Riemenlänge wird benötigt?
Gegeben: d_1 = 100 mm, d_2 = 280 mm, a = 600 mm
Gesucht: L
Lösungsweg:
L = 2 · 600 + π · (100 + 280) / 2 + (280 − 100)² / (4 · 600)
L = 1200 + π · 190 + 32400 / 2400
L = 1200 + 596,9 + 13,5 ≈ 1810,4 mm
Ergebnis: L ≈ 1810 mm.
Aufgabe 3: Ein Riemen überträgt eine Umfangskraft von 1500 N. Die treibende Scheibe hat 200 mm Durchmesser. Welches Drehmoment ergibt sich?
Gegeben: F_u = 1500 N, d = 200 mm
Gesucht: M
Lösungsweg:
M = F_u · d / 2 = 1500 · 200 / 2 = 150000 Nmm = 150 Nm
Ergebnis: M = 150 Nm.
Aufgabe 4: An einem Riementrieb sind F_1 = 1200 N und F_2 = 300 N. Berechne die Umfangskraft und das Drehmoment an der treibenden Scheibe (d = 180 mm).
Gegeben: F_1 = 1200 N, F_2 = 300 N, d = 180 mm
Gesucht: F_u, M
Lösungsweg:
F_u = F_1 − F_2 = 1200 − 300 = 900 N
M = F_u · d / 2 = 900 · 180 / 2 = 81000 Nmm = 81 Nm
Ergebnis: F_u = 900 N; M = 81 Nm.
Aufgabe 5: Eine Riemengeschwindigkeit von 15 m/s soll mit einer Scheibe von 160 mm Durchmesser erreicht werden. Welche Drehzahl ist nötig?
Gegeben: v = 15 m/s, d = 160 mm
Gesucht: n
Lösungsweg:
n = v · 60000 / (π · d) = 15 · 60000 / (π · 160) ≈ 1790 1/min
Ergebnis: n ≈ 1790 1/min.
Aufgabe 6: Eine Rollenkette mit Teilung p = 19,05 mm läuft auf einem Kettenrad mit z = 21 Zähnen bei n = 600 1/min. Welche Kettengeschwindigkeit ergibt sich?
Gegeben: p = 19,05 mm, z = 21, n = 600 1/min
Gesucht: v_K
Lösungsweg:
v_K = p · z · n / 60000 = 19,05 · 21 · 600 / 60000 ≈ 4,0 m/s
Ergebnis: v_K ≈ 4,0 m/s.
Welcher Riementyp arbeitet formschlüssig?
- a) Zahnriemen
- b) Klassischer Keilriemen
- c) Flachriemen
- d) Keilrippenriemen
Richtig: a)
Nur der Zahnriemen hat Zähne, die in entsprechende Zahnscheiben greifen – also Formschluss. Alle anderen aufgeführten Bauarten übertragen die Kraft reibschlüssig.
Welche Aussage zum Schlupf an einem reibschlüssigen Riementrieb ist korrekt?
- a) Er hängt nur vom Durchmesserverhältnis ab
- b) Er ist bei Zahnriemen besonders groß
- c) Er ist immer null
- d) Der Dehnschlupf verringert die reale Abtriebsdrehzahl gegenüber dem theoretischen Wert
Richtig: d)
Bei reibschlüssigen Riemen entsteht durch die elastische Dehnung zwischen Last- und Leertrum ein Geschwindigkeitsverlust, der Dehnschlupf. Typisch 1 % bis 2 %. Zahnriemen arbeiten formschlüssig und haben praktisch keinen Schlupf.
Welche Bauart hat einen trapezförmigen Querschnitt und nutzt die Keilwirkung?
- a) Flachriemen
- b) Keilriemen
- c) Zahnriemen
- d) Lamellenkette
Richtig: b)
Der trapezförmige Querschnitt ist das Erkennungsmerkmal des Keilriemens. Durch die Keilwirkung in der V-Nut der Scheibe entsteht aus moderater Vorspannung eine hohe Normalkraft – und damit Reibung.
Welche Kenngröße steht bei einer Kette nach ISO 606 im Mittelpunkt der Bezeichnung?
- a) Die Riemenbreite
- b) Die Wandstärke der Lasche
- c) Die Teilung
- d) Der Reibwert
Richtig: c)
Die Teilung (Bolzenabstand) ist die zentrale Kenngröße. Die ersten beiden Ziffern der Kettenbezeichnung geben die Teilung in 1/16 Zoll an, z. B. 12B-1 → 19,05 mm.
Eine Motorscheibe mit 80 mm Durchmesser dreht mit 2880 1/min, die getriebene Scheibe hat 240 mm. Wie hoch ist die theoretische Abtriebsdrehzahl?
- a) 8640 1/min
- b) 1920 1/min
- c) 2880 1/min
- d) 960 1/min
Richtig: d)
n_2 = n_1 · d_1 / d_2 = 2880 · 80 / 240 = 960 1/min. Die treibende Scheibe ist die kleinere – also Übersetzung ins Langsame.
Welche Riemengeschwindigkeit ergibt sich bei einer Scheibe mit 150 mm Durchmesser und 1000 1/min Drehzahl?
- a) 47,1 m/s
- b) 7,85 m/s
- c) 1,57 m/s
- d) 15,7 m/s
Richtig: b)
v = π · d · n / 60000 = π · 150 · 1000 / 60000 ≈ 7,85 m/s.
Welche Riemenlänge ergibt sich bei d_1 = 100 mm, d_2 = 200 mm und Achsabstand a = 500 mm?
- a) 1000 mm
- b) 1471 mm
- c) 1476 mm
- d) 1700 mm
Richtig: c)
L = 2 · 500 + π · (100 + 200) / 2 + (200 − 100)² / (4 · 500) = 1000 + 471,24 + 5 ≈ 1476 mm.
Was passiert bei einem Keilriemen mit dauerhaft zu hoher Vorspannung?
- a) Die Lager werden überlastet und der Riemen altert beschleunigt
- b) Der Schlupf nimmt sprunghaft zu
- c) Der Wirkungsgrad steigt deutlich
- d) Die Riemenlänge wird kürzer
Richtig: a)
Überspannung erzeugt hohe Querkräfte auf die Lager und verstärkt die Walkarbeit im Riemen – die Folge sind Lagerschäden und vorzeitige Riemenalterung.
Worauf basiert die Eytelweinsche Gleichung im Wesentlichen?
- a) Auf der Riemenbreite und der Riemenlänge
- b) Auf Reibwert und Umschlingungswinkel
- c) Auf der Riemengeschwindigkeit
- d) Auf der Anzahl der Riemen im Antrieb
Richtig: b)
Die Eytelweinsche Gleichung F_1 / F_2 ≤ e^(μ · β) hängt nur von Reibwert μ und Umschlingungswinkel β ab. Geschwindigkeit, Breite und Riemenanzahl spielen rechnerisch keine Rolle für das Verhältnis.
F_1 = 800 N und F_2 = 200 N. Wie groß ist die Umfangskraft?
- a) 1000 N
- b) 800 N
- c) 600 N
- d) 200 N
Richtig: c)
F_u = F_1 − F_2 = 800 − 200 = 600 N. Die Differenz ist die wirksame Antriebskraft, die Summe wäre die gesamte Trumzugbelastung.
An einer Rollenkette wird mit der Verschleißlehre eine Längung von 2,5 % festgestellt. Was ist zu tun?
- a) Nur nachschmieren
- b) Spannrolle nachstellen und weiterfahren
- c) Auf 5 % Längung warten
- d) Kette und meist auch das Kettenrad tauschen
Richtig: d)
Bei Längung über etwa 1 % bis 3 % wird die Eingriffsgeometrie zwischen Kette und Kettenrad gestört. Das Kettenrad nimmt eine Hakenform an. Nachschmieren hilft nicht mehr, und Weiterfahren riskiert akuten Ausfall.
Für einen Antrieb mit hohem Drehmoment, kleinem Achsabstand und ohne Schlupftoleranz ist welche Lösung typischerweise am besten?
- a) Klassischer Flachriemen
- b) Zahnradgetriebe oder Rollenkette
- c) Schmalkeilriemen
- d) Keilrippenriemen
Richtig: b)
Zahnradgetriebe und Kette übertragen hohe Drehmomente bei kleinem Bauraum schlupffrei. Riemen, egal welcher bauart, scheiden bei „kein Schlupf zulässig“ als reibschlüssige Lösungen aus.
Glossar
- Umschlingungsgetriebe
- Sammelbegriff für Riemen- und Kettengetriebe, bei denen die Kraft über ein flexibles Zugmittel zwischen zwei Rädern übertragen wird.
- Reibschluss
- Kraftübertragung durch Reibung zwischen Zugmittel und Scheibe; setzt eine Vorspannung voraus. Typisch für Flach-, Keil- und Keilrippenriemen.
- Formschluss
- Kraftübertragung durch ineinandergreifende Geometrien (Zähne, Rollen) ohne Reibungsabhängigkeit. Typisch für Zahnriemen und alle Ketten.
- Lasttrum
- Die ziehende Seite des Riemens oder der Kette zwischen treibender und getriebener Scheibe, höhere Trumkraft F_1.
- Leertrum
- Die ablaufende Seite mit der niedrigeren Trumkraft F_2.
- Umfangskraft
- Differenz aus Lasttrum- und Leertrumkraft, F_u = F_1 − F_2. Sie erzeugt das übertragene Drehmoment.
- Dehnschlupf
- Verlust an Abtriebsdrehzahl bei reibschlüssigen Riemen durch die elastische Dehnung des Riemens zwischen Last- und Leertrum. Typisch 1 % bis 2 %.
- Eytelweinsche Gleichung
- Grenzbeziehung F_1 / F_2 ≤ e^(μ · β) für das maximale Trumkraftverhältnis eines Reibtriebs als Funktion von Reibwert und Umschlingungswinkel.
- Keilriemen
- Riemen mit trapezförmigem Querschnitt. Durch die Keilwirkung in der V-Nut der Scheibe entsteht aus moderater Vorspannung eine hohe Normalkraft.
- Keilrippenriemen
- Flacher Riemen mit mehreren längs verlaufenden Keilrippen auf der Innenseite. Kombiniert Flexibilität und Reibung.
- Zahnriemen
- Formschlüssig arbeitender Riemen mit quergerichteten Zähnen, auch Synchronriemen genannt. Praktisch schlupffrei.
- Rollenkette
- Standardbauart der Antriebskette nach ÖNORM EN ISO 606, bestehend aus Innen- und Außenlaschen, Bolzen, Hülsen und frei drehenden Rollen.
- Teilung
- Bei Ketten der Mittenabstand zweier benachbarter Bolzen. Wichtigste Kenngröße einer Kette.
- Spannrolle
- Zusätzliche Rolle im Riementrieb, die den Riemen vorspannt und/oder den Umschlingungswinkel vergrößert. Wirkt bevorzugt am Leertrum.
- Verschleißlehre
- Messwerkzeug zur Kontrolle der Kettenlängung. Wird über mehrere Glieder gelegt und zeigt an, ab welchem Verschleißgrad ein Kettentausch nötig ist.
