Belastung und Spannungsverhalten

Ein Transformator, der nur an der Steckdose hängt und sonst nichts versorgt, liefert auf der Sekundärseite ziemlich genau die Spannung, die das Übersetzungsverhältnis verspricht. Schließt man aber einen Verbraucher an, sinkt diese Spannung – mal kaum merklich, mal deutlich. Wie stark, hängt davon ab, wie viel Strom gezogen wird und welche Art von Last angeschlossen ist. Dieser Beitrag erklärt, woher dieser Spannungseinbruch kommt, wie man ihn berechnet und warum eine kapazitive Last die Spannung sogar anheben kann.

Vorwissen

  • Transformator – Aufbau und Funktion
  • Leerlauf und Kurzschluss des Transformators
  • Wirk-, Blind- und Scheinleistung

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum die Sekundärspannung eines Transformators bei Belastung absinkt
  • die relative Kurzschlussspannung als Kennzahl deuten und vom Typenschild ablesen
  • den Spannungsfall und die verbleibende Sekundärspannung unter Last berechnen
  • den Einfluss von ohmscher, induktiver und kapazitiver Last auf die Spannung beurteilen
  • den Zielkonflikt bei der Wahl der Kurzschlussspannung beschreiben

1. Vom Leerlauf zur Belastung

Im Leerlauf ist die Sekundärseite offen – es fließt kein Laststrom. Wie sich der Transformator dabei verhält und wie man seine Kennwerte aus Leerlauf- und Kurzschlussversuch ermittelt, ist ein eigenes Thema. Hier setzen wir genau dort an, wo ein Verbraucher angeschlossen wird.

Sobald ein Verbraucher an der Sekundärwicklung hängt, fließt ein Sekundärstrom I₂. Dieser Strom erzeugt im Eisenkern ein zusätzliches Magnetfeld, das dem ursprünglichen Feld entgegenwirkt. Damit das Gleichgewicht im Kern erhalten bleibt, steigt der Primärstrom I₁ automatisch mit. Genau so überträgt der Transformator Leistung von der Primär- auf die Sekundärseite.

Wie weit ein Transformator belastet ist, beschreibt der Auslastungsgrad – das Verhältnis des tatsächlichen Laststroms zum Nennstrom. Ein zu 50 % ausgelasteter Transformator führt also den halben Nennstrom. Diese Größe brauchen wir gleich für die Berechnung des Spannungsfalls.

Ein Transformator wird von Leerlauf auf Nennlast gebracht. Was passiert mit dem Primärstrom?

  • a) Er steigt, weil der Sekundärstrom ein Gegenfeld erzeugt, das durch mehr Primärstrom ausgeglichen wird
  • b) Er bleibt konstant, weil die Primärspannung sich nicht ändert
  • c) Er sinkt, weil die Sekundärseite jetzt Strom übernimmt
  • d) Er steigt nur bei rein ohmscher Last, sonst bleibt er gleich

Richtig: a)

Der Sekundärstrom erzeugt ein Magnetfeld, das dem Hauptfeld entgegenwirkt. Damit der Kernfluss erhalten bleibt, muss der Primärstrom steigen – das ist der eigentliche Mechanismus der Leistungsübertragung. Antwort b verwechselt konstante Spannung mit konstantem Strom. c kehrt die Wirkung um. d erfindet eine Abhängigkeit von der Lastart, die hier nicht besteht.

Ein Transformator mit 100 A Nennstrom führt aktuell 60 A. Wie hoch ist his Auslastungsgrad?

  • a) 40 %
  • b) 167 %
  • c) lässt sich ohne die Spannung nicht bestimmen
  • d) 60 %

Richtig: d)

Der Auslastungsgrad ist das Verhältnis von Laststrom zu Nennstrom: 60 A / 100 A = 0,6 = 60 %. a rechnet fälschlich den fehlenden Anteil zur Vollauslastung. b dreht den Bruch um. c ist falsch, weil der Auslastungsgrad allein über die Ströme definiert ist.

2. Warum die Spannung einbricht – das Ersatzschaltbild

Ein idealer Transformator hätte keinen Spannungsfall. In der Realität hat jede Wicklung aber zwei „Bremsen“:

Der Wicklungswiderstand ist der ohmsche Widerstand des Kupferdrahts. Fließt Strom, fällt an ihm eine Spannung ab – genau wie an jedem anderen Leiter.

Die Streureaktanz entsteht durch magnetischen Streufluss: Nicht jede Feldlinie der Primärwicklung erreicht auch die Sekundärwicklung. Dieser „verlorene“ Teil des Feldes wirkt wie eine in Reihe liegende Induktivität und erzeugt unter Wechselstrom ebenfalls einen Spannungsabfall.

Fasst man beide Wicklungen zusammen, lässt sich der Transformator stark vereinfacht als eine Reihenschaltung aus einem Wirkwiderstand R und einer Reaktanz X darstellen, hinter der die ideale Spannungsquelle sitzt. R und X zusammen ergeben die Kurzschlussimpedanz Z_k:

Z_k = Wurzel(R**2 + X**2)

  • Z_k … Kurzschlussimpedanz in Ohm
  • R … gesamter Wicklungswiderstand in Ohm
  • X … gesamte Streureaktanz in Ohm

Wie man R und X konkret aus dem Kurzschlussversuch bestimmt, gehört zum Thema Leerlauf und Kurzschluss und wird dort behandelt. Hier interessiert uns nur, was diese Impedanz mit der Spannung macht, sobald Strom fließt.

Wodurch entsteht die Streureaktanz eines Transformators?

  • a) Durch den ohmschen Widerstand des Kupferdrahts
  • b) Durch Wirbelströme im Eisenkern
  • c) Durch Feldlinien, die die andere Wicklung nicht erreichen und wie eine Reiheninduktivität wirken
  • d) Durch die Sättigung des Eisenkerns bei Überlast

Richtig: c)

Die Streureaktanz beruht auf magnetischem Streufluss – dem Anteil des Feldes, der die jeweils andere Wicklung nicht durchsetzt. Dieser Anteil verhält sich wie eine in Reihe liegende Induktivität. a beschreibt den Wicklungswiderstand. b und d nennen reale Effekte, die aber Verluste bzw. Kernverhalten betreffen, nicht die Streureaktanz.

Ein Transformator hat R = 1 Ω und X = 3 Ω. Wie groß ist die Kurzschlussimpedanz?

  • a) 3,16 Ω
  • b) 4,00 Ω
  • c) 2,00 Ω
  • d) 3,00 Ω

Richtig: a)

R und X liegen elektrisch um 90° versetzt, deshalb werden sie geometrisch addiert: Z_k = √(1² + 3²) = √10 ≈ 3,16 Ω. b addiert die Beträge einfach (falsch bei Phasenverschiebung). c und d ignorieren jeweils einen der beiden Anteile.

Warum darf man bei der Kurzschlussimpedanz R und X nicht einfach addieren?

  • a) Weil R und X unterschiedliche Einheiten haben
  • b) Weil X immer viel kleiner als R ist
  • c) Weil der Wicklungswiderstand temperaturabhängig ist
  • d) Weil R und X eine Phasenverschiebung von 90° zueinander haben und geometrisch addiert werden müssen

Richtig: d)

Wirkwiderstand und Reaktanz stehen im Zeigerbild senkrecht aufeinander. Die resultierende Impedanz ergibt sich daher als Hypotenuse über den Satz des Pythagoras. a ist falsch, beide haben die Einheit Ohm. b ist sachlich unzutreffend. c ist zwar richtig, erklärt aber nicht die geometrische Addition.

3. Der Spannungsfall und die relative Kurzschlussspannung

Statt mit absoluten Ohm-Werten zu hantieren, beschreibt man das Spannungsverhalten in der Praxis über eine handliche Kennzahl: die relative Kurzschlussspannung u_k. Sie steht auf jedem Trafo-Typenschild und sagt aus, welcher Anteil der Nennspannung an der Kurzschlussimpedanz abfällt, wenn der Nennstrom fließt.

Ein typischer Verteiltransformator hat ein u_k von etwa 4 bis 6 %. Ein u_k von 5 % bedeutet: Würde man die Sekundärseite kurzschließen, genügen 5 % der Nennspannung auf der Primärseite, um bereits den vollen Nennstrom zu treiben.

Der Spannungsfall ΔU im Betrieb hängt von drei Dingen ab: von u_k, vom Auslastungsgrad und vom Leistungsfaktor cos φ der Last. Eine gute Näherung lautet:

dU = U_20 * (u_k / 100) * a * cos_phi

  • dU … Spannungsfall in Volt
  • U_20 … Leerlauf-Sekundärspannung in Volt
  • u_k … relative Kurzschlussspannung in Prozent
  • a … Auslastungsgrad (1 = Nennlast)
  • cos_phi … Leistungsfaktor der Last

Der Leistungsfaktor gehört zwingend in die Formel: Er bestimmt, welcher Teil des Spannungsfalls überhaupt als Absenkung der Ausgangsspannung sichtbar wird. Warum das so ist und warum der induktive und der ohmsche Anteil unterschiedlich wirken, klärt das nächste Kapitel. Die verbleibende Sekundärspannung unter Last ergibt sich dann einfach als Differenz:

U_2 = U_20 – dU

  • U_2 … Sekundärspannung unter Last in Volt
  • U_20 … Leerlauf-Sekundärspannung in Volt
  • dU … Spannungsfall in Volt

Gelöstes Beispiel

Ein Transformator hat eine Leerlauf-Sekundärspannung von 400 V und ein u_k von 5 %. Er wird zu 80 % ausgelastet, die Last hat einen Leistungsfaktor von 0,9. Wie hoch ist die Sekundärspannung unter Last?

Gegeben: U₂₀ = 400 V, u_k = 5 %, a = 0,8, cos φ = 0,9

Gesucht: U₂ in V

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Spannungsfall berechnen: ΔU = 400 V · (5 / 100) · 0,8 · 0,9 ΔU = 400 V · 0,05 · 0,8 · 0,9 = 14,4 V
  2. Schritt 2 — Sekundärspannung berechnen: U₂ = 400 V − 14,4 V = 385,6 V

Ergebnis: U₂ ≈ 385,6 V

Übungen

Ein Trafo mit U₂₀ = 230 V und u_k = 4 % wird zu 50 % ausgelastet, cos φ = 1. Berechne den Spannungsfall.

ΔU = 230 · 0,04 · 0,5 · 1 = 4,6 V

Ein Trafo mit U₂₀ = 400 V und u_k = 6 % läuft bei Nennlast (a = 1) mit cos φ = 0,8. Wie hoch ist die Sekundärspannung?

ΔU = 400 · 0,06 · 1 · 0,8 = 19,2 V → U₂ = 400 − 19,2 = 380,8 V

Ein Transformator soll bei Nennlast und cos φ = 0,85 einen Spannungsfall von höchstens 10 V haben. U₂₀ = 230 V. Welches u_k darf er maximal haben?

u_k = ΔU / (U₂₀ · a · cos φ) · 100 = 10 / (230 · 1 · 0,85) · 100 ≈ 5,1 %

Zwei gleiche Trafos (U₂₀ = 400 V, u_k = 4 %, cos φ = 0,9) speisen eine Reihe von Verbrauchern, jeder zu 75 % ausgelastet. Wie groß ist der Spannungsfall pro Trafo, und wie viel Spannung bleibt nach beiden?

ΔU pro Trafo = 400 · 0,04 · 0,75 · 0,9 = 10,8 V → nach zwei Trafos: 400 − 2·10,8 = 378,4 V

Ein Trafo mit U₂₀ = 690 V, u_k = 6 % wird zu 120 % überlastet, cos φ = 0,8. Berechne Spannungsfall und Sekundärspannung. Beurteile, ob der Betrieb sinnvoll ist.

ΔU = 690 · 0,06 · 1,2 · 0,8 = 39,7 V → U₂ = 690 − 39,7 = 650,3 V. Der Spannungsfall ist groß, vor allem aber führt die Überlast zu erhöhter Erwärmung – Dauerbetrieb über Nennlast ist nicht zulässig.

Was bedeutet ein u_k von 5 % konkret?

  • a) Im Leerlauf fehlen 5 % der Sekundärspannung
  • b) Bei Nennstrom fällt an der inneren Impedanz ein Spannungsanteil ab, der 5 % der Nennspannung entspricht
  • c) Der Transformator hat 5 % Verluste
  • d) Die Sekundärspannung sinkt bei jeder Last um genau 5 %

Richtig: b)

u_k beschreibt die Spannung, die nötig ist, um bei kurzgeschlossener Sekundärseite den Nennstrom zu treiben – bezogen auf die Nennspannung. a ist falsch, im Leerlauf fließt kein Strom und es fällt nichts ab. c verwechselt u_k mit dem Wirkungsgrad. d ignoriert Auslastung und Leistungsfaktor.

Ein Trafo mit U₂₀ = 230 V und u_k = 4 % läuft bei halber Last (a = 0,5), cos φ = 1. Wie groß ist der Spannungsfall?

  • a) 9,2 V
  • b) 18,4 V
  • c) 2,3 V
  • d) 4,6 V

Richtig: d)

ΔU = 230 · 0,04 · 0,5 · 1 = 4,6 V. a rechnet mit Nennlast statt halber Last. c halbiert zusätzlich noch einmal fälschlich. b setzt einen doppelten u_k-Wert an.

Warum gehört der Leistungsfaktor cos φ in die Formel für den Spannungsfall?

  • a) Weil er bestimmt, welcher Teil des inneren Spannungsabfalls als Absenkung der Ausgangsspannung wirksam wird
  • b) Weil er den Wirkungsgrad des Trafos angibt
  • c) Weil er die Frequenz der Last beschreibt
  • d) Weil ohne ihn die Einheiten nicht stimmen

Richtig: a)

Die Phasenlage der Last entscheidet, wie sich der Spannungsabfall an R und X auf die resultierende Ausgangsspannung auswirkt. b verwechselt cos φ mit dem Wirkungsgrad. c ist sachlich falsch. d ist unzutreffend, cos φ is dimensionslos.

4. Einfluss der Lastart – ohmsch, induktiv, kapazitiv

Jetzt zur entscheidenden Frage: Warum führt derselbe Strom bei unterschiedlicher Last zu unterschiedlich starkem Spannungsfall? Die Antwort liegt in der Phasenlage zwischen Strom und Spannung – und die versteht man am besten geometrisch.

Der innere Spannungsabfall hat zwei Teile: einen ohmschen Anteil (an R, in phase mit dem Strom) und einen induktiven Anteil (an X, um 90° voreilend). Zeichnet man diese beiden Spannungszeiger an die Lastspannung an, entsteht das sogenannte Kappsche Dreieck – ein rechtwinkliges Spannungsdreieck, das den gesamten inneren Spannungsabfall darstellt.

Der Witz dabei: Es kommt nicht auf den Betrag des Spannungsabfalls an, sondern auf seinen Anteil in Richtung der Lastspannung. Und genau diese Richtung verschiebt sich mit der Lastart:

  • Bei ohmscher Last sind Strom und Spannung in Phase. Der Spannungsfall ist moderat.
  • Bei ohmsch-induktiver Last (der häufigste Fall, z. B. Motoren) eilt der Strom der Spannung nach. Der induktive innere Abfall addiert sich fast vollständig zur Lastspannung – der Spannungsfall ist am größten.
  • Bei kapazitiver Last eilt der Strom voraus. Jetzt dreht sich die Geometrie so, dass der induktive innere Abfall die Lastspannung teilweise anhebt. Bei stark kapazitiver Last kann die Sekundärspannung sogar über die Leerlaufspannung steigen.

U_2 ungefähr U_20 – I_2 * (R * cos_phi + X * sin_phi)

  • U_2 … Sekundärspannung unter Last in Volt
  • U_20 … Leerlaufspannung in Volt
  • I_2 … Laststrom in Ampere
  • R … Wirkwiderstand in Ohm
  • X … Reaktanz in Ohm
  • cos_phi, sin_phi … Leistungs- und Blindfaktor der Last

Der Blindfaktor sin φ ist dabei nichts Neues: Er folgt direkt aus dem Leistungsfaktor über den trigonometrischen Pythagoras sin φ = √(1 − cos²φ). Wer also cos φ = 0,8 kennt, hat damit auch sin φ = √(1 − 0,64) = 0,6. Bei kapazitiver Last wird sin φ negativ – der zweite Term kehrt sein Vorzeichen um, und die Spannung steigt. Das ist kein Rechentrick, sondern lässt sich im Kappschen Dreieck direkt ablesen.

Trägt man die Sekundärspannung über dem Laststrom auf, ergibt sich für jede Lastart eine andere Lastkennlinie: induktiv fällt am steilsten, ohmsch dazwischen, kapazitiv kann ansteigen.

Kappsches Dreieck (ohmsch-induktive Last) U₂ (Lastspannung) I·R I·X U₂₀ (Leerlauf) Einspeisepunkt Der innere Abfall (I·R + I·X) verlängert U₂ zu U₂₀ – die Lastspannung ist kleiner als die Leerlaufspannung. Lastkennlinien U₂ über I₂ I₂ U₂ U₂₀ kapazitiv ohmsch ohmsch-induktiv
Kappsches Dreieck und Lastkennlinien

Bei welcher Lastart ist der Spannungsfall am größten?

  • a) bei rein ohmscher Last
  • b) bei kapazitiver Last
  • c) bei ohmsch-induktiver Last
  • d) der Spannungsfall ist bei gleichem Strom immer gleich groß

Richtig: c)

Bei ohmsch-induktiver Last addieren sich ohmscher und induktiver innerer Abfall in Richtung der Lastspannung am ungünstigsten, der Spannungsfall ist maximal. a liegt dazwischen, b kann die Spannung sogar anheben. d ignoriert den Einfluss der Phasenlage – genau darum geht es in diesem Kapitel.

Was beschreibt das Kappsche Dreieck?

  • a) die geometrische Zusammensetzung des inneren Spannungsabfalls aus ohmschem und induktivem Anteil
  • b) das Verhältnis von Primär- zu Sekundärwindungen
  • c) die Verluste im Eisenkern
  • d) den zeitlichen Verlauf des Einschaltstroms

Richtig: a)

Das Kappsche Dreieck setzt den ohmschen Abfall (I·R, in Phase) und den induktiven Abfall (I·X, um 90° versetzt) zum gesamten inneren Spannungsabfall zusammen. b betrifft das Übersetzungsverhältnis. c und d nennen andere Effekte ohne Bezug zum Spannungsdreieck.

Eine Anlage zeigt am Trafo-Ausgang eine Spannung über der Leerlaufspannung. Welche Last ist am wahrscheinlichsten angeschlossen?

  • a) ein großer Asynchronmotor
  • b) eine ohmsche Heizung
  • c) ein kurzgeschlossener Verbraucher
  • d) eine stark kapazitive Last, etwa eine überdimensionierte Kondensatorbank

Richtig: d)

Nur kapazitive Last kann die Sekundärspannung über die Leerlaufspannung heben, weil der induktive innerer Abfall dann anhebend statt absenkend wirkt. a und b senken die Spannung. c würde zu einem starken Einbruch und Auslösen der Schutzeinrichtungen führen.

Warum hilft eine Blindleistungskompensation gegen Spannungseinbruch bei induktiver Last?

  • a) Sie verschiebt die Phasenlage in Richtung kapazitiv und wirkt so dem induktiven Spannungsfall entgegen
  • b) Sie erhöht den Wirkungsgrad des Trafos
  • c) Sie verringert den Laststrom auf null
  • d) Sie senkt den Wicklungswiderstand

Richtig: a)

Zugeschaltete Kondensatoren liefern Blindleistung, die den induktiven Blindstromanteil teilweise ausgleicht. Damit wird die Last insgesamt weniger induktiv, und der spannungssenkende Effekt nimmt ab. b ist ein Nebeneffekt, nicht der Mechanismus. c ist falsch. d ist physikalisch nicht möglich.

5. Spannungsänderung in der Praxis

Für den Betrieb zählt am Ende: Die Spannung am Verbraucher muss innerhalb zulässiger Grenzen bleiben. In Österreich gibt die ÖNORM EN 50160 den Rahmen vor – sie beschreibt die Merkmale der Spannung in öffentlichen Versorgungsnetzen und nennt für die meisten Netze eine zulässige Schwankung von etwa ±10 % um die Nennspannung. Wer Anlagen plant oder Transformatoren auswählt, muss diesen Korridor einhalten.

Daraus ergibt sich ein Zielkonflikt bei der Wahl der Kurzschlussspannung:

Ein kleines u_k bedeutet wenig Spannungsfall unter Last – die Ausgangsspannung bleibt schön konstant. Das wäre für die Spannungsqualität ideal. Allerdings begrenzt u_k auch den Kurzschlussstrom: Je kleiner u_k, desto höher der Strom im Fehlerfall. Ein zu kleines u_k führt also zu gewaltigen Kurzschlussströmen, die Schaltgeräte und Leitungen aushalten müssen.

Ein großes u_k dreht das um: gute Strombegrenzung im Kurzschluss, aber stärkerer Spannungsfall im Normalbetrieb. Die typischen 4–6 % bei Verteiltrafos sind der praktische Kompromiss zwischen beiden Anforderungen.

Wo die Spannung trotzdem nicht ausreicht, gleicht man sie über Anzapfungen am Transformator aus – einstellbare Abgriffe an der Wicklung, mit denen sich das Übersetzungsverhältnis in Stufen anpassen lässt. Das ist ein eigenes Thema, gehört aber zum großen Bild der Spannungshaltung dazu.

Welche Norm legt in Österreich die zulässigen Merkmale der Netzspannung fest?

  • a) ÖNORM EN 10027
  • b) ÖNORM EN 50160
  • c) EN ISO 12100
  • d) IEC 60617

Richtig: b)

Die ÖNORM EN 50160 beschreibt die Spannungsmerkmale in öffentlichen Versorgungsnetzen, einschließlich der zulässigen Schwankungsbreite. a betrifft Stahlbezeichnungen, c die Risikobeurteilung an Maschinen, d die Schaltzeichen.

Ein Netzbetreiber wählt für einen Verteiltrafo bewusst ein höheres u_k. Welchen Vorteil erkauft er sich damit – und welchen Nachteil nimmt er in Kauf?

  • a) Vorteil: konstantere Spannung; Nachteil: höherer Kurzschlussstrom
  • b) Vorteil: geringerer Kurzschlussstrom; Nachteil: stärkerer Spannungsfall unter Last
  • c) Vorteil: höherer Wirkungsgrad; Nachteil: mehr Eisenverluste
  • d) Vorteil: kleinere Bauform; Nachteil: lautere Geräusche

Richtig: b)

Ein hohes u_k begrenzt den Kurzschlussstrom wirksam, sorgt aber zugleich für einen größeren Spannungsfall im Normalbetrieb. a verwechselt die Wirkrichtung. c und d nennen unzusammenhängende Effekte.

Warum ist ein extrem kleines u_k trotz guter Spannungskonstanz problematisch?

  • a) Der Transformator wird im Normalbetrieb zu heiß
  • b) Der Wirkungsgrad sinkt stark ab
  • c) Die Leerlaufspannung steigt unzulässig an
  • d) Der Kurzschlussstrom im Fehlerfall wird sehr groß und belastet Schaltgeräte und Leitungen

Richtig: d)

u_k begrenzt den Kurzschlussstrom – ist es zu klein, fließen im Fehlerfall enorme Ströme, die Betriebsmittel beschädigen können. a und b sind keine direkte Folge eines kleinen u_k. c ist sachlich falsch, der Leerlauf ist von u_k unabhängig.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Transformator hat U₂₀ = 400 V, u_k = 5 % und wird bei Nennlast (a = 1) mit cos φ = 0,8 betrieben. Berechne Spannungsfall und Sekundärspannung.

Gegeben: U₂₀ = 400 V, u_k = 5 %, a = 1, cos φ = 0,8

Gesucht: ΔU, U₂

Lösungsweg:

ΔU = 400 · 0,05 · 1 · 0,8 = 16 V; U₂ = 400 − 16 = 384 V

Ergebnis: ΔU = 16 V, U₂ = 384 V

Aufgabe 2: Ein Trafo mit U₂₀ = 230 V und u_k = 4 % wird zu 60 % ausgelastet, cos φ = 0,9. Wie hoch ist die Sekundärspannung?

Gegeben: U₂₀ = 230 V, u_k = 4 %, a = 0,6, cos φ = 0,9

Gesucht: U₂

Lösungsweg:

ΔU = 230 · 0,04 · 0,6 · 0,9 = 4,97 V; U₂ = 230 − 4,97 = 225,03 V

Ergebnis: U₂ ≈ 225,0 V

Aufgabe 3: Ein Transformator mit R = 0,5 Ω und X = 1,5 Ω je Sekundärwicklung. Berechne die Kurzschlussimpedanz.

Gegeben: R = 0,5 Ω, X = 1,5 Ω

Gesucht: Z_k

Lösungsweg:

Z_k = √(0,5² + 1,5²) = √(0,25 + 2,25) = √2,5 ≈ 1,58 Ω

Ergebnis: Z_k ≈ 1,58 Ω

Aufgabe 4: Ein Trafo (U₂₀ = 690 V, u_k = 6 %) soll bei Nennlast einen Spannungsfall von höchstens 30 V haben. Welcher Leistungsfaktor cos φ ist dafür maximal zulässig?

Gegeben: U₂₀ = 690 V, u_k = 6 %, a = 1, ΔU = 30 V

Gesucht: cos φ

Lösungsweg:

cos φ = ΔU / (U₂₀ · (u_k/100) · a) = 30 / (690 · 0,06 · 1) = 30 / 41,4 ≈ 0,72

Ergebnis: cos φ ≈ 0,72

Wovon hängt der Spannungsfall eines belasteten Transformators ab?

  • a) von u_k, Auslastungsgrad und Leistungsfaktor
  • b) nur von der Höhe des Laststroms
  • c) nur von der Primärspannung
  • d) ausschließlich vom Wicklungswiderstand

Richtig: a)

Der Spannungsfall ergibt sich aus dem Zusammenspiel von relativer Kurzschlussspannung, Auslastung und Phasenlage der Last. b und d greifen je nur einen Teilaspekt heraus, c ist sachlich falsch.

Welcher Wert steht typischerweise für die relative Kurzschlussspannung eines Verteiltransformators?

  • a) 0,5 bis 1 %
  • b) 15 bis 20 %
  • c) 50 %
  • d) 4 bis 6 %

Richtig: d)

Verteiltransformatoren liegen üblicherweise im Bereich 4–6 %. a wäre zu klein (extreme Kurzschlussströme), b und c sind für Verteiltrafos unrealistisch hoch.

Eine ohmsch-induktive Last und eine gleich große rein ohmsche Last ziehen denselben Strom. Was gilt für den Spannungsfall?

  • a) Er ist bei der ohmsch-induktiven Last größer
  • b) Er ist bei der ohmschen Last größer
  • c) Er ist in beiden Fällen exakt gleich
  • d) Er ist nur von der Stromhöhe abhängig

Richtig: a)

Bei ohmsch-induktiver Last addiert sich der induktive innere Abfall ungünstiger zur Lastspannung, der Spannungsfall ist größer. b kehrt das um, c und d ignorieren den Einfluss der Phasenlage.

Bei welcher Last kann die Sekundärspannung über die Leerlaufspannung steigen?

  • a) bei ohmscher Last
  • b) bei ohmsch-induktiver Last
  • c) bei keiner Last, das ist physikalisch unmöglich
  • d) bei kapazitiver Last

Richtig: d)

Nur kapazitive Last kehrt den Vorzeichenbeitrag des induktiven inneren Abfalls um und hebt die Spannung an. a senkt leicht, b senkt stark, c ist falsch – der Effekt ist real und im Kappschen Dreieck ablesbar.

Was beschreibt die Kurzschlussimpedanz Z_k?

  • a) den reinen Wicklungswiderstand
  • b) die geometrische Zusammenfassung von Wicklungswiderstand und Streureaktanz
  • c) den Widerstand des Eisenkerns
  • d) den Isolationswiderstand zwischen den Wicklungen

Richtig: b)

Z_k fasst R und X als Hypotenuse zusammen. a nennt nur den ohmschen Teil, c und d betreffen ganz andere Größen.

Welchen Nachteil hat ein sehr kleines u_k?

  • a) hoher Spannungsfall unter Last
  • b) schlechter Wirkungsgrad
  • c) sehr hoher Kurzschlussstrom im Fehlerfall
  • d) hohe Leerlaufverluste

Richtig: c)

Ein kleines u_k bedeutet geringe innere Impedanz und damit im Kurzschluss sehr hohe Ströme. a beschreibt das Gegenteil (kleines u_k = wenig Spannungsfall). b und d hängen nicht direkt mit u_k zusammen.

Ein Trafo mit U₂₀ = 400 V, u_k = 4 % läuft bei a = 1, cos φ = 1. Wie groß ist der Spannungsfall?

  • a) 8 V
  • b) 16 V
  • c) 32 V
  • d) 4 V

Richtig: b)

ΔU = 400 · 0,04 · 1 · 1 = 16 V. a halbiert fälschlich, c verdoppelt, d setzt u_k = 1 % an.

Welche Aussage zum Zielkonflikt bei u_k ist korrekt?

  • a) Großes u_k verbessert sowohl Spannungskonstanz als auch Strombegrenzung
  • b) u_k beeinflusst weder Spannungsfall noch Kurzschlussstrom
  • c) Kleines u_k verbessert die Spannungskonstanz, erhöht aber den Kurzschlussstrom
  • d) u_k betrifft ausschließlich den Wirkungsgrad

Richtig: c)

Kleines u_k = wenig Spannungsfall, aber hoher Kurzschlussstrom – das ist der Kern des Konflikts. a ist widersprüchlich, b und d ignorieren den realen Zusammenhang.

Warum eilt der induktive Anteil des Spannungsabfalls dem Strom um 90° voraus?

  • a) weil an einer Induktivität die Spannung dem Strom um 90° voreilt
  • b) weil der Strom durch eine Spule immer null ist
  • c) weil der Wicklungswiderstand die Phase dreht
  • d) weil der Eisenkern die Frequenz verdoppelt

Richtig: a)

An einer Reaktanz eilt die Spannung dem Strom um 90° voraus – das ist die Grundlage für die senkrechte Lage von I·X im Kappschen Dreieck. b, c und d sind physikalisch falsch.

Eine lange Leitung versorgt mehrere Asynchronmotoren. Die Spannung am Leitungsende bricht beim Zuschalten ein. Welche Maßnahme wirkt dem direkt entgegen?

  • a) ein Transformator mit noch kleinerem u_k
  • b) eine Erhöhung des Leitungsquerschnitts auf das Doppelte
  • c) ein kapazitätsfreier Betrieb aller Verbraucher
  • d) eine Blindleistungskompensation am Leitungsende

Richtig: d)

Kondensatoren am Leitungsende kompensieren den induktiven Blindstrom, machen die Last weniger induktiv und heben die Spannung. a hilft am Trafo, nicht gegen den Leitungseinfluss. b reduziert nur den ohmschen Anteil teilweise. c verschärft das Problem eher.

Glossar

Auslastungsgrad
Verhältnis des tatsächlichen Laststroms zum Nennstrom eines Transformators; 1 entspricht Nennlast.
Streureaktanz
Wechselstromwiderstand, der durch magnetischen Streufluss entsteht, also durch Feldlinien, die nicht beide Wicklungen durchsetzen.
Kurzschlussimpedanz
geometrische Zusammenfassung von gesamtem Wicklungswiderstand und Streureaktanz zu einer inneren Impedanz des Transformators.
Relative Kurzschlussspannung (u_k)
Kennzahl vom Typenschild, die angibt, welcher Anteil der Nennspannung an der inneren Impedanz abfällt, wenn der Nennstrom fließt.
Spannungsfall (ΔU)
Differenz zwischen Leerlauf- und Lastspannung auf der Sekundärseite, abhängig von u_k, Auslastung und Leistungsfaktor.
Kappsches Dreieck
rechtwinkliges Spannungsdreieck, das den inneren Spannungsabfall aus ohmschem Anteil (I·R) und induktivem Anteil (I·X) geometrisch darstellt.
Lastkennlinie
Verlauf der Sekundärspannung über dem Laststrom; ihre Steigung hängt von der Lastart ab.
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