Mess- und Trenntransformatoren

EinptopfEin Transformator muss nicht immer dazu da sein, Leistung von einer Spannungsebene auf eine andere zu bringen. Es gibt Bauformen, deren eigentliche Aufgabe woanders liegt: Sie machen gefährlich hohe Werte erst messbar, oder sie lösen einen Stromkreis bewusst vom Netz. Genau das leisten Mess- und Trenntransformatoren. Das Grundprinzip bleibt überall gleich — eine feste Übersetzung über zwei magnetisch gekoppelte Wicklungen. Was sich ändert, ist der Zweck und damit das Betriebsverhalten.

Vorwissen

  • Transformator – Aufbau und Funktion
  • Einphasentransformator – Übersetzung und Berechnung
  • Wirkungen des elektrischen Stroms auf den Menschen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum Mess- und Trenntransformatoren als Sonderbauformen gelten und was sie vom Leistungstransformator unterscheidet
  • die Aufgabe und das typische Betriebsverhalten von Spannungswandler, Stromwandler und Trenntransformator gegenüberstellen
  • mit der Wandler-Übersetzung den Messwert auf die tatsächliche Netzgröße zurückrechnen
  • begründen, warum die Sekundärseite eines Stromwandlers niemals geöffnet werden darf und welche Rolle die Bürde dabei spielt
  • die Schutzwirkung der galvanischen Trennung beschreiben und die wichtigste Anwendungsregel für Trenntransformatoren nennen

1. Warum Sonderbauformen?

Der gewöhnliche Transformator in einem Netzteil oder am Verteilnetz hat einen klaren Job: Energie übertragen und dabei die Spannung anpassen. Auf der Sekundärseite hängt ein Verbraucher, der Strom zieht, und der Transformator ist so ausgelegt, dass er diese Leistung mit gutem Wirkungsgrad liefert.

Mess- und Trenntransformatoren funktionieren physikalisch nach demselben Prinzip — Primärwicklung, Eisenkern, Sekundärwicklung, feste Übersetzung —, verfolgen aber ein anderes Ziel. Bei ihnen ist die Übersetzung ein Werkzeug, nicht der Zweck der Energielieferung.

Drei Bauformen schauen wir uns an:

  • Der Spannungswandler bildet eine hohe Netzspannung verkleinert und genormt ab, damit man sie gefahrlos messen kann.
  • Der Stromwandler macht dasselbe mit großen Strömen.
  • Der Trenntransformator verändert die Spannung gar nicht, sondern trennt einen Stromkreis galvanisch vom speisenden Netz.

Spannungs- und Stromwandler fasst man unter dem Begriff Messwandler zusammen — beide bilden eine große elektrische Größe maßstäblich für die Messung ab.

Was alle drei Bauformen verbindet, ist die galvanische Trennung: Primär- und Sekundärseite sind elektrisch nicht miteinander verbunden, die Energie geht ausschließlich über das Magnetfeld im Kern hinüber. Beim Messwandler ist das ein angenehmer Nebeneffekt, der das Messgerät vom Hochspannungspotential fernhält. Beim Trenntransformator ist genau diese Trennung der eigentliche Sinn der Sache.

Worin unterscheidet sich ein Messwandler grundsätzlich von einem Leistungstransformator?

  • a) Seine Aufgabe ist nicht die Energieübertragung, sondern das Abbilden einer Messgröße
  • b) Er hat keinen Eisenkern
  • c) Er arbeitet ohne galvanische Trennung
  • d) Er kann nur Gleichspannung verarbeiten

Richtig: a)

Der Messwandler nutzt zwar dasselbe physikalische Prinzip wie jeder Transformator, sein Zweck ist aber das maßstäbliche Abbilden einer großen Größe für die Messung — nicht das Liefern von Leistung an einen Verbraucher. Einen Eisenkern und galvanische Trennung hat er sehr wohl, und wie jeder gewöhnliche Transformator arbeitet er mit Wechselgrößen.

Was haben Spannungswandler, Stromwandler und Trenntransformator gemeinsam?

  • a) Sie haben alle das Übersetzungsverhältnis 1:1
  • b) Sie wandeln Wechsel- in Gleichgröße um
  • c) Primär- und Sekundärseite sind galvanisch getrennt
  • d) Sie erhöhen alle die Spannung

Richtig: c)

Allen drei Bauformen ist die galvanische Trennung gemeinsam — Energie und Information laufen nur über das Magnetfeld. Das Verhältnis 1:1 gilt nur beim Trenntransformator, eine Gleichrichtung findet bei keinem statt, und eine Spannungserhöhung ist gerade nicht ihr Zweck.

2. Spannungswandler

Ein Voltmeter direkt an eine Mittelspannungsleitung mit beispielsweise 20 kV zu hängen, wäre weder sinnvoll noch sicher. Messgeräte und das Personal sollen mit harmlosen Werten arbeiten. Der Spannungswandler löst das: Er teilt die hohe Netzspannung auf einen genormten, kleinen Messwert herunter — üblich sind sekundär 100 V (bzw. 100 V geteilt durch Wurzel 3 bei Strangmessung).

Im Aufbau ist der Spannungswandler ein Transformator mit vielen Primärwindungen und wenigen Sekundärwindungen. Er wird parallel zur zu messenden Spannung geschaltet, genau wie ein Voltmeter. Auf der Sekundärseite hängt das hochohmige Messgerät, das praktisch keinen Strom zieht. Der Spannungswandler arbeitet deshalb nahezu im Leerlauf — das ist sein normaler Betriebszustand.

Die Übersetzung folgt dem bekannten Windungsverhältnis:

ue = N1 / N2 = U1 / U2

  • ue … Übersetzungsverhältnis (dimensionslos)
  • N1 … Primärwindungszahl
  • N2 … Sekundärwindungszahl
  • U1 … Primärspannung (Netzseite) in V
  • U2 … Sekundärspannung (Messseite) in V

Aus dem abgelesenen Messwert und dem bekannten Übersetzungsverhältnis rechnet man auf die echte Netzspannung zurück:

U1 = U2 * ue

  • U1 … tatsächliche Netzspannung in V
  • U2 … abgelesener Messwert in V
  • ue … Übersetzungsverhältnis

Ein Spannungswandler trägt sein Verhältnis als Aufschrift, etwa 20000 V / 100 V. Liest man sekundär 95 V ab, liegen primär 19 kV an.

Ein Punkt, der im Labor und in der Praxis gern unterschätzt wird, ist die Bürde. Damit ist die Last gemeint, die sekundär am Wandler hängt — physikalisch der sekundäre Scheinwiderstand Z_B in Ohm, in der Praxis meist als zulässige Scheinleistung S_B in VA angegeben.

S_B = U2² / Z_B

  • S_B … Bürde als Scheinleistung in VA
  • U2 … Sekundärspannung in V
  • Z_B … sekundärer Lastwiderstand (Scheinwiderstand) in Ohm

Beim Spannungswandler bedeutet eine zu kleine Bürde — also ein zu niederohmiger sekundärer Lastwiderstand — eine zu hohe Belastung; der Wandler verlässt dann seinen genauen Arbeitsbereich und die Messung wird verfälscht. Solange nur ein hochohmiges Messinstrument hängt, bleibt die Bürde klein genug und man ist weit auf der sicheren Seite.

Eine Regel zur Sicherheit: Die Sekundärseite eines Spannungswandlers nicht kurzschließen. Ein Kurzschluss treibt einen sehr hohen Strom durch die dünn ausgelegte Sekundärwicklung und zerstört sie.

Gelöstes Beispiel

Ein Spannungswandler ist mit 10000 V / 100 V beschriftet. Das angeschlossene Voltmeter zeigt 98 V an. Wie hoch ist die tatsächliche Netzspannung?

Gegeben: Nenn-Primärspannung U1n = 10000 V, Nenn-Sekundärspannung U2n = 100 V, abgelesener Messwert U2 = 98 V

Gesucht: tatsächliche Netzspannung U1 in V

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Übersetzungsverhältnis bestimmen: ue = U1n / U2n = 10000 V / 100 V = 100
  2. Schritt 2 — Auf Netzspannung hochrechnen: U1 = U2 * ue = 98 V * 100 = 9800 V

Ergebnis: Die Netzspannung beträgt 9800 V (9,8 kV).

Übungen

Ein Spannungswandler ist mit 6000 V / 100 V beschriftet. Das Voltmeter zeigt 100 V. Welche Netzspannung liegt an?

ue = 60; U1 = 100 V · 60 = 6000 V.

Wandler 20000 V / 100 V, abgelesener Wert 90 V. Berechne die Netzspannung.

ue = 200; U1 = 90 V · 200 = 18000 V = 18 kV.

Ein Spannungswandler hat 1200 Primärwindungen und 12 Sekundärwindungen. Wie groß ist das Übersetzungsverhältnis?

ue = N1 / N2 = 1200 / 12 = 100.

Wandler 30000 V / 100 V. Welcher Messwert erscheint sekundär, wenn die Netzspannung auf 28,5 kV abgesunken ist?

ue = 300; U2 = 28500 V / 300 = 95 V.

Ein Wandler ist mit 15000 V / 100 V beschriftet. Das Voltmeter zeigt 102 V — also mehr als den Nennwert. Welche Netzspannung liegt an, und was bedeutet das für den Betrieb?

ue = 150; U1 = 102 V · 150 = 15300 V. Die Netzspannung liegt 2 % über dem Nennwert, was im normalen Toleranzband eines Versorgungsnetzes liegt, aber bei der Bewertung der Anlage zu beachten ist.

In welchem Betriebszustand arbeitet ein Spannungswandler normalerweise?

  • a) Nahezu im Leerlauf, weil das Messgerät hochohmig ist
  • b) Nahezu im Kurzschluss
  • c) Bei voller Nennlast
  • d) Im Resonanzbetrieb

Richtig: a)

An der Sekundärseite hängt ein hochohmiges Voltmeter, das fast keinen Strom zieht. Damit ist die Sekundärseite praktisch unbelastet — der Wandler läuft nahezu im Leerlauf. Der Kurzschlussbetrieb ist das Kennzeichen des Stromwandlers, nicht des Spannungswandlers.

Ein Spannungswandler 20000 V / 100 V zeigt sekundär 85 V. Welche Netzspannung liegt an?

  • a) 8500 V
  • b) 17000 V
  • c) 1700 V
  • d) 21250 V

Richtig: b)

Das Übersetzungsverhältnis ist 20000 / 100 = 200. Die Netzspannung ergibt sich aus 85 V · 200 = 17000 V. Wer fälschlich teilt statt multipliziert, landet bei 0,425 V; die anderen Werte entstehen aus vertauschten oder falsch angesetzten Faktoren.

Was bewirkt eine zu hohe Belastung der Sekundärseite eines Spannungswandlers, also eine überschrittene Bürde?

  • a) Die Primärspannung steigt an
  • b) Der Kern wird entmagnetisiert
  • c) Die Messung wird verfälscht, weil der Wandler seinen genauen Arbeitsbereich verlässt
  • d) Die Frequenz verdoppelt sich

Richtig: c)

Wird die zulässige Bürde überschritten, fließt sekundär mehr Strom als vorgesehen, und der Wandler arbeitet außerhalb seines genauen Bereichs — die Anzeige wird ungenau. Die Primärspannung gibt das Netz vor, eine Entmagnetisierung oder Frequenzänderung tritt nicht auf.

Warum darf die Sekundärseite eines Spannungswandlers nicht kurzgeschlossen werden?

  • a) Weil dann die Primärspannung ansteigt
  • b) Weil die Messung dadurch genauer wird
  • c) Weil der Kern entmagnetisiert wird
  • d) Weil ein sehr hoher Strom durch die dünne Sekundärwicklung fließt und sie zerstört

Richtig: d)

Im Normalbetrieb fließt sekundär fast kein Strom. Ein Kurzschluss erzeugt einen sehr großen Sekundärstrom, dem die fein dimensionierte Wicklung nicht standhält. Die Primärspannung wird vom Netz vorgegeben und steigt nicht an, genauer wird die Messung dadurch keinesfalls.

3. Stromwandler

Beim Strom ist die Lage spiegelbildlich. Ein Amperemeter, das mehrere hundert oder tausend Ampere direkt verarbeiten müsste, gäbe es so nicht — die Zuleitungen allein wären unhandlich. Der Stromwandler bildet einen großen Primärstrom auf einen genormten kleinen Sekundärstrom ab, üblich sind 5 A oder 1 A.

Im Aufbau hat der Stromwandler wenige Primärwindungen — oft ist es nur der durchgeführte Hauptleiter, also eine einzige Windung — und viele Sekundärwindungen. Er wird in Reihe in den Stromkreis geschaltet, genau wie ein Amperemeter. Auf der Sekundärseite hängt das niederohmige Messgerät. Der Stromwandler arbeitet damit nahezu im Kurzschluss — und das ist hier der gewollte, normale Betriebszustand.

Für die Ströme dreht sich das Windungsverhältnis gegenüber den Spannungen um:

I1 / I2 = N2 / N1

  • I1 … Primärstrom (Netzseite) in A
  • I2 … Sekundärstrom (Messseite) in A
  • N1 … Primärwindungszahl
  • N2 … Sekundärwindungszahl

In der Praxis rechnet man mit dem aufgedruckten Stromverhältnis, etwa 600 A / 5 A. Aus dem sekundär gemessenen Strom ergibt sich der echte Leitungsstrom:

I1 = I2 * (I1n / I2n)

  • I1 … tatsächlicher Leitungsstrom in A
  • I2 … sekundär gemessener Strom in A
  • I1n … Nenn-Primärstrom in A
  • I2n … Nenn-Sekundärstrom in A

Auch beim Stromwandler spielt die Bürde eine Rolle — und zwar genau umgekehrt als beim Spannungswandler. Hier ist eine zu große Bürde gefährlich. Steigt der sekundäre Lastwiderstand (etwa durch zu lange Messleitungen oder zu viele in Reihe geschaltete Geräte) zu stark an, wird der Wandler in Richtung Sättigung getrieben und misst falsch. Der Extremfall einer unendlich großen Bürde ist der offene Sekundärkreis — und der ist der gefährlichste Betriebszustand überhaupt.

Das führt zum entscheidenden Point — und dem Grund, warum Stromwandler eine eigene Sicherheitsregel haben: Die Sekundärseite eines Stromwandlers darf im Betrieb niemals geöffnet werden.

Warum? Im Normalbetrieb hält der Sekundärstrom mit seinem eigenen Magnetfeld das Feld des Primärstroms weitgehend in Schach — die beiden Durchflutungen wirken gegeneinander, der Kern bleibt magnetisch im moderaten Bereich. Unterbricht man die Sekundärseite, fällt dieses entmagnetisierende Gegenfeld weg. Der volle Primärstrom magnetisiert den Kern dann allein und treibt ihn tief in die Sättigung. Bei jedem Nulldurchgang des Wechselstroms ändert sich der Fluss extrem steil, und nach dem Induktionsgesetz erzeugt diese steile Flussänderung an der vielwindigen Sekundärwicklung gefährlich hohe Spannungsspitzen — mehrere Kilovolt sind möglich. Das bedroht die Isolation und jeden, der die offenen Klemmen berührt.

Die Konsequenz für die Praxis ist eindeutig: Soll ein Messgerät im laufenden Betrieb aus dem Sekundärkreis genommen werden, wird die Sekundärseite vorher kurzgeschlossen. Der Kurzschluss ist für den Stromwandler ungefährlich — er ist sein Normalzustand.

Gelöstes Beispiel

Ein Stromwandler ist mit 400 A / 5 A beschriftet. Das Amperemeter zeigt 3,75 A. Wie hoch ist der tatsächliche Leitungsstrom?

Gegeben: Nenn-Primärstrom I1n = 400 A, Nenn-Sekundärstrom I2n = 5 A, gemessener Strom I2 = 3,75 A

Gesucht: tatsächlicher Leitungsstrom I1 in A

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Stromverhältnis bestimmen: I1n / I2n = 400 A / 5 A = 80
  2. Schritt 2 — Auf Leitungsstrom hochrechnen: I1 = I2 * 80 = 3,75 A * 80 = 300 A

Ergebnis: Der Leitungsstrom beträgt 300 A.

Übungen

Stromwandler 100 A / 5 A, gemessen werden 4 A. Wie groß ist der Leitungsstrom?

Verhältnis = 20; I1 = 4 A · 20 = 80 A.

Stromwandler 600 A / 1 A, gemessen werden 0,8 A. Berechne den Leitungsstrom.

Verhältnis = 600; I1 = 0,8 A · 600 = 480 A.

Ein Stromwandler hat 2 Primärwindungen und 250 Sekundärwindungen. Welcher Sekundärstrom fließt bei 500 A Primärstrom?

I2 = I1 · N1 / N2 = 500 A · 2 / 250 = 4 A.

Stromwandler 1000 A / 5 A. Der Leitungsstrom soll 750 A betragen. Welchen Wert zeigt das Amperemeter?

Verhältnis = 200; I2 = 750 A / 200 = 3,75 A.

Ein Stromwandler 800 A / 5 A wird an einer Leitung betrieben, die mit 880 A belastet ist — also über dem Nennwert. Welcher Sekundärstrom ergäbe sich rechnerisch, und warum ist Dauerbetrieb in diesem Bereich problematisch?

Verhältnis = 160; I2 = 880 A / 160 = 5,5 A. Oberhalb des Nennstroms verlässt der Wandler seinen genauen Arbeitsbereich, der Kern nähert sich der Sättigung und die Messung wird zunehmend ungenau; dauerhafter Überlastbetrieb ist deshalb zu vermeiden.

Warum entstehen an einem Stromwandler mit offener Sekundärseite gefährliche Spannungsspitzen?

  • a) Weil der Primärstrom dadurch ansteigt
  • b) Weil das entmagnetisierende Gegenfeld fehlt, der Kern in Sättigung gerät und die steile Flussänderung hohe Spannungen induziert
  • c) Weil die Sekundärwicklung durchbrennt und einen Lichtbogen bildet
  • d) Weil die Frequenz sich verdoppelt

Richtig: b)

Im Normalbetrieb wirkt der Sekundärstrom dem Primärfeld entgegen. Fällt er weg, magnetisiert der Primärstrom den Kern allein bis in die Sättigung; die dadurch sehr steilen Flussänderungen induzieren an der vielwindigen Sekundärwicklung hohe Spannungsspitzen. Der Primärstrom wird vom Verbraucher bestimmt und steigt nicht, und die Frequenz bleibt die des Netzes.

Ein Stromwandler 500 A / 5 A zeigt sekundär 2,5 A. Wie groß ist der Leitungsstrom?

  • a) 250 A
  • b) 50 A
  • c) 1000 A
  • d) 25 A

Richtig: a)

Das Verhältnis beträgt 500 / 5 = 100. Der Leitungsstrom ist 2,5 A · 100 = 250 A. Wer durch das Verhältnis dividiert statt zu multiplizieren oder den Faktor falsch ansetzt, kommt auf die anderen Werte.

What bewirkt eine zu große Bürde am Stromwandler?

  • a) Die Messung wird genauer
  • b) Der Primärstrom sinkt
  • c) Der Wandler wird in Richtung Sättigung getrieben und misst falsch
  • d) Die Sekundärspannung verschwindet vollständig

Richtig: c)

Anders als beim Spannungswandler ist beim Stromwandler eine zu große Bürde — ein zu hoher sekundärer Lastwiderstand — das Problem. Der Wandler nähert sich der Sättigung, die Übertragung wird ungenau. Im Extremfall des offenen Kreises kippt das in die bekannten Spannungsspitzen. Der Primärstrom hängt vom Verbraucher ab und sinkt nicht.

Wie geht man vor, wenn man bei laufendem Betrieb ein Messgerät aus dem Sekundärkreis eines Stromwandlers entfernen muss?

  • a) Man trennt die Klemmen einfach
  • b) Man schaltet zuerst den Primärstrom ab und wartet
  • c) Man legt einen Widerstand parallel zum Messgerät
  • d) Man schließt die Sekundärseite vorher kurz

Richtig: d)

Der Kurzschluss ist der ungefährliche Normalzustand des Stromwandlers; mit kurzgeschlossener Sekundärseite kann das Messgerät gefahrlos getauscht werden. Ein einfaches Auftrennen führt zu den beschriebenen Spannungsspitzen. Den Primärstrom abzuschalten ist im laufenden Anlagenbetrieb oft gerade nicht möglich, weshalb der Kurzschluss die Standardlösung ist.

4. Trenntransformator

Der Trenntransformator fällt aus der Reihe, weil er an der Spannung gar nichts ändern will. Sein Übersetzungsverhältnis ist 1:1 — primär und sekundär liegen dieselbe Spannung an. Was er liefert, ist allein die galvanische Trennung zwischen speisendem Netz und dem angeschlossenen Stromkreis.

Worin liegt der Schutz? Im normalen Netz ist ein Pol über die Erdung mit dem Erdpotential verbunden. Berührt eine Person ein unter Spannung stehendes Teil und steht dabei auf dem Boden, schließt sich ein Stromkreis: vom Außenleiter durch den Körper, über die Erde zurück zum geerdeten Netzpunkt. Dieser Stromfluss ist die eigentliche Gefahr.

Hinter einem Trenntransformator ist der abgehende Stromkreis nicht geerdet und vom Netz galvanisch abgekoppelt. Berührt man jetzt einen einzelnen Leiter, fehlt der Rückweg — es gibt keinen geschlossener Kreis über die Erde. Den Gedanken kann man knapp formelmäßig fassen. Der mögliche Fehlerstrom über den Körper fließt durch eine Reihenschaltung aus dem Körperwiderstand und dem Isolationswiderstand des Kreises gegen Erde:

I_F = U / (R_K + R_iso)

  • I_F … Fehlerstrom über den Körper in A
  • U … anliegende Spannung in V
  • R_K … Körperwiderstand in Ohm (Größenordnung 1000 Ohm)
  • R_iso … Isolationswiderstand des Kreises gegen Erde in Ohm

Im normalen geerdeten Netz ist R_iso klein, der Körperwiderstand von rund 1000 Ohm allein reicht dann nicht aus, um den Strom ungefährlich zu halten. Hinter dem Trenntransformator dagegen ist der abgehende Kreis gegen Erde sehr hochohmig (idealisiert unendlich). Dadurch wird R_iso so groß, dass der Nenner gegen einen sehr großen Wert strebt — und der Fehlerstrom gegen Null. Genau das ist die Schutzwirkung: Ein einmaliger Körperschluss führt nicht zum gefährlichen Stromfluss.

Wichtig ist das Wort einmalig. Der Schutz besteht nur, solange der getrennte Kreis sauber ungeerdet bleibt. Käme an einer zweiten Stelle ein Erdschluss hinzu, entstünde wieder ein geschlossener Pfad. Daraus folgt die zentrale Anwendungsregel der Schutztrennung: An einen Trenntransformator wird im Regelfall nur ein einziges Betriebsmittel angeschlossen.

Mit nur einem Verbraucher kann ein zweiter, gleichzeitiger Fehler an einem anderen Gerät gar nicht auftreten — der Schutz bleibt erhalten. Diese Schutzmaßnahme ist in Österreich in der Errichtungsnorm OVE E 8101 (Schutzmaßnahme Schutztrennung) geregelt; die Trenntransformatoren selbst müssen den Sicherheitsanforderungen der ÖVE/ÖNORM EN 61558 genügen. Werden ausnahmsweise mehrere Verbraucher betrieben, gelten dafür besondere zusätzliche Auflagen.

Die Schutztrennung als allgemeines Schutzkonzept gegen indirektes Berühren wird an anderer Stelle vertieft. Hier reicht der Kern: Der Trenntransformator ist das Bauteil, das diese Trennung herstellt.

Netzseite (geerdet) Getrennter Kreis (ungeerdet) Netzpunkt geerdet ein Verbraucher Übersetzung 1 : 1 Berührung eines Leiters kein geschlossener Kreis über Erde
Galvanische Trennung beim Trenntransformator

Warum schützt ein Trenntransformator eine Person, die einen einzelnen Leiter des getrennten Kreises berührt?

  • a) Weil er die Spannung auf einen ungefährlichen Wert herabsetzt
  • b) Weil er den Strom gleichrichtet
  • c) Weil der abgehende Kreis ungeerdet ist und kein geschlossener Strompfad über die Erde entsteht
  • d) Weil er einen FI-Schutzschalter ersetzt

Richtig: c)

Der Trenntransformator ändert die Spannung gerade nicht — sie bleibt bei 1:1 gleich. Die Schutzwirkung kommt aus der galvanischen Trennung: Der ungeerdete Sekundärkreis bietet bei einer einzelnen Berührung keinen Rückweg über die Erde, der Stromkreis bleibt offen. Eine Gleichrichtung findet nicht statt, und ein FI arbeitet nach einem anderen Prinzip.

Warum darf an einem Trenntransformator zur Schutztrennung im Regelfall nur ein Verbraucher betrieben werden?

  • a) Weil sonst die Leistung nicht ausreicht
  • b) Weil mehrere Verbraucher das Übersetzungsverhältnis verändern
  • c) Weil der Transformator sonst überhitzt
  • d) Weil bei mehreren Geräten ein zweiter, gleichzeitiger Erdschluss wieder einen geschlossenen Stromkreis schaffen könnte

Richtig: d)

Der Schutz beruht darauf, dass nur ein einziger Fehler auftreten kann, ohne den Stromkreis zu schließen. Mit mehreren Verbrauchern könnte gleichzeitig an zwei Geräten je ein Fehler vorliegen und über deren Verbindung einen gefährlichen Pfad bilden. Leistung, Übersetzung und Erwärmung sind hier nicht der ausschlaggebende Grund.

Welches Übersetzungsverhältnis hat ein Trenntransformator typischerweise?

  • a) 1:1
  • b) 10:1
  • c) 100:1
  • d) 1:100

Richtig: a)

Da der Trenntransformator die Spannung nicht ändern, sondern nur trennen soll, liegt sein Verhältnis bei 1:1. Übersetzende Verhältnisse gehören zu Spannungs- oder Leistungstransformatoren, nicht zum Trenntransformator.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Spannungswandler ist mit 11000 V / 100 V beschriftet. Das Voltmeter zeigt 96 V.

Gegeben: U1n = 11000 V; U2n = 100 V; U2 = 96 V

Gesucht: tatsächliche Netzspannung U1

Lösungsweg:

  1. ue = 11000 / 100 = 110; U1 = 96 V · 110 = 10560 V

Ergebnis: 10560 V (rund 10,6 kV)

Aufgabe 2: Ein Spannungswandler hat 900 Primärwindungen und 9 Sekundärwindungen. Sekundär werden 99 V gemessen.

Gegeben: N1 = 900; N2 = 9; U2 = 99 V

Gesucht: Netzspannung U1

Lösungsweg:

  1. ue = N1 / N2 = 900 / 9 = 100; U1 = 99 V · 100 = 9900 V

Ergebnis: 9900 V

Aufgabe 3: Ein Stromwandler 750 A / 5 A zeigt sekundär 4,4 A.

Gegeben: I1n = 750 A; I2n = 5 A; I2 = 4,4 A

Gesucht: Leitungsstrom I1

Lösungsweg:

  1. Verhältnis = 750 / 5 = 150; I1 = 4,4 A · 150 = 660 A

Ergebnis: 660 A

Aufgabe 4: Ein Stromwandler 1200 A / 1 A wird an einer Leitung mit 900 A betrieben.

Gegeben: I1n = 1200 A; I2n = 1 A; I1 = 900 A

Gesucht: Sekundärstrom I2

Lösungsweg:

  1. Verhältnis = 1200 / 1 = 1200; I2 = 900 A / 1200 = 0,75 A

Ergebnis: 0,75 A

Welche Aussage zum Spannungswandler trifft zu?

  • a) Er wird in Reihe in den Stromkreis geschaltet
  • b) Er arbeitet nahezu im Kurzschluss
  • c) Er wird parallel zur Messstelle geschaltet und arbeitet nahezu im Leerlauf
  • d) Er hat ein Übersetzungsverhältnis von 1:1

Richtig: c)

Der Spannungswandler liegt wie ein Voltmeter parallel zur zu messenden Spannung; das hochohmige Messgerät zieht kaum Strom, also Leerlaufbetrieb. Reihenschaltung und Kurzschlussbetrieb gehören zum Stromwandler, das Verhältnis 1:1 zum Trenntransformator.

Ein Stromwandler 300 A / 5 A zeigt 4 A. Wie groß ist der Leitungsstrom?

  • a) 240 A
  • b) 60 A
  • c) 1500 A
  • d) 375 A

Richtig: a)

Verhältnis = 300 / 5 = 60; Leitungsstrom = 4 A · 60 = 240 A. Die übrigen Werte entstehen durch Division statt Multiplikation oder durch vertauschte Größen.

Welche Bauform liefert eine galvanische Trennung?

  • a) Nur der Spannungswandler
  • b) Nur der Stromwandler
  • c) Nur der Trenntransformator
  • d) Alle drei behandelten Bauformen

Richtig: d)

Jede der drei Bauformen koppelt Primär- und Sekundärseite ausschließlich magnetisch und trennt sie elektrisch. Beim Trenntransformator ist die Trennung der Zweck, bei den Messwandlern ein nützlicher Nebeneffekt — vorhanden ist sie überall.

Was passiert, wenn die Sekundärseite eines belasteten Stromwandlers im Betrieb geöffnet wird?

  • a) Der Primärstrom wird unterbrochen
  • b) Die Messung wird genauer
  • c) Der Kern gerät in Sättigung und es entstehen gefährliche Spannungsspitzen
  • d) Es passiert nichts, das ist der Normalbetrieb

Richtig: c)

Ohne das entmagnetisierende Gegenfeld des Sekundärstroms magnetisiert der Primärstrom den Kern bis in die Sättigung; die steilen Flussänderungen induzieren hohe Spannungen. Der Primärstrom läuft unbeeinflusst weiter, und der Normalbetrieb des Stromwandlers ist gerade der kurzgeschlossene, nicht der offene Zustand.

Ein Spannungswandler 20000 V / 100 V zeigt 100 V, ein zweiter Wandler 10000 V / 100 V zeigt 80 V. An welcher Messstelle liegt die höhere Netzspannung?

  • a) Am ersten Wandler
  • b) Am zweiten Wandler
  • c) An beiden gleich
  • d) Lässt sich nicht bestimmen

Richtig: a)

Erster Wandler: ue = 200, U1 = 100 V · 200 = 20000 V. Zweiter Wandler: ue = 100, U1 = 80 V · 100 = 8000 V. Trotz des höheren Messwerts am zweiten Gerät liegt am ersten mit 20 kV die deutlich höhere Netzspannung — der Messwert allein sagt ohne das Übersetzungsverhältnis nichts aus.

Warum verwendet man bei Reparaturarbeiten an Geräten gern einen Trenntransformator?

  • a) Weil ihn die Arbeitsspannung erhöht
  • b) Weil er bei Berührung eines Leiters den gefährlichen Stromfluss über die Erde verhindert
  • c) Weil er den Strom misst
  • d) Weil er Oberschwingungen herausfiltert

Richtig: b)

Der ungeerdete Sekundärkreis bietet bei einer einzelnen Berührung keinen Rückweg über die Erde, der Fehlerstrom bleibt nahezu null. Die Spannung wird nicht erhöht, gemessen wird nichts, und das Filtern von Oberschwingungen ist nicht seine Aufgabe.

Welcher Sekundärwert ist bei Stromwandlern genormt üblich?

  • a) 100 V
  • b) 230 V
  • c) 5 A oder 1 A
  • d) 12 A

Richtig: c)

Stromwandler bilden auf genormte Sekundärströme von 5 A oder 1 A ab. 100 V ist der typische Sekundärwert des Spannungswandlers, 230 V eine Netzspannung, und 12 A ist kein genormter Wandler-Sekundärwert.

Ein Stromwandler hat 1 Primärwindung und 200 Sekundärwindungen. Welcher Sekundärstrom fließt bei 1000 A im Hauptleiter?

  • a) 200 A
  • b) 0,2 A
  • c) 50 A
  • d) 5 A

Richtig: d)

I2 = I1 · N1 / N2 = 1000 A · 1 / 200 = 5 A. Wer das Verhältnis umgekehrt ansetzt, landet bei 200 A; die anderen Werte entstehen durch falsche Faktoren.

Warum wird vor dem Entfernen eines Messgeräts aus dem Sekundärkreis eines Stromwandlers kurzgeschlossen, statt einfach getrennt?

  • a) Weil der Kurzschluss der ungefährliche Normalzustand ist und Spannungsspitzen verhindert
  • b) Damit die Messung weiterläuft
  • c) Weil sonst der Primärkreis Schaden nimmt
  • d) Weil der Kurzschluss den Wandler entmagnetisiert

Richtig: a)

Der kurzgeschlossene Zustand entspricht dem normalen Betrieb des Stromwandlers; so bleibt das entmagnetisierende Gegenfeld erhalten und es treten keine Spannungsspitzen auf. Eine Messung läuft beim Kurzschluss nicht, der Primärkreis bleibt unberührt, und eine gezielte Entmagnetisierung ist nicht der Zweck.

Welche Aussage über das Betriebsverhalten der Messwandler ist korrekt?

  • a) Spannungswandler und Stromwandler arbeiten beide im Leerlauf
  • b) Beide arbeiten nahezu im Kurzschluss
  • c) Beide arbeiten bei voller Nennlast
  • d) Der Spannungswandler arbeitet nahezu im Leerlauf, der Stromwandler nahezu im Kurzschluss

Richtig: d)

Das hochohmige Voltmeter lässt den Spannungswandler im Leerlauf laufen, das niederohmige Amperemeter den Stromwandler im Kurzschluss. Diese spiegelbildliche Betriebsweise ist der kernel des Themas; eine gemeinsame Betriebsart haben die beiden gerade nicht.

Ein Spannungswandler ist mit 30000 V / 100 V beschriftet. Welcher Messwert erscheint bei einer Netzspannung von 28,8 kV?

  • a) 104 V
  • b) 96 V
  • c) 288 V
  • d) 9,6 V

Richtig: b)

ue = 30000 / 100 = 300; U2 = 28800 V / 300 = 96 V. Wer multipliziert statt zu dividieren oder den Faktor falsch wählt, kommt auf die anderen Werte.

Was unterscheidet den Trenntransformator grundsätzlich von Spannungs- und Stromwandler?

  • a) Er hat keine galvanische Trennung
  • b) Er bildet eine Messgröße ab
  • c) Er verändert die Spannung nicht, sondern dient allein der Trennung
  • d) Er arbeitet mit Gleichstrom

Richtig: c)

Während die Messwandler eine große Größe maßstäblich abbilden, lässt der Trenntransformator die Spannung bei 1:1 unverändert und stellt nur die galvanische Trennung her. Galvanische Trennung hat er — wie alle drei —, und er arbeitet wie die anderen mit Wechselstrom.

Glossar

Messwandler
Sammelbegriff für Spannungs- und Stromwandler; Transformatoren, die eine große elektrische Größe maßstäblich und genormt für die Messung abbilden.
Spannungswandler
Messwandler, der eine hohe Netzspannung auf einen genormten Messwert (meist 100 V) herunterteilt; parallel geschaltet, Betrieb nahezu im Leerlauf.
Stromwandler
Messwandler, der einen großen Strom auf einen genormten Sekundärstrom (meist 5 A oder 1 A) abbildet; in Reihe geschaltet, Betrieb nahezu im Kurzschluss.
Bürde
die zulässige sekundäre Last eines Messwandlers, angegeben als Scheinwiderstand Z_B in Ohm oder als Scheinleistung S_B in VA; ihre Einhaltung sichert die Messgenauigkeit.
Sättigung
Zustand des Eisenkerns, in dem eine weitere Erhöhung der Durchflutung kaum noch zusätzlichen magnetischen Fluss bringt; bei offenem Stromwandler-Sekundärkreis Ursache der gefährlichen Spannungsspitzen.
Trenntransformator
Transformator mit Übersetzung 1:1, dessen Zweck allein die galvanische Trennung des abgehenden Stromkreises vom Netz ist.
Galvanische Trennung
keine direkte elektrische Verbindung zwischen Primär- und Sekundärseite; die Energie wird ausschließlich über das Magnetfeld übertragen.
Schutztrennung
Schutzmaßnahme, bei der ein Verbraucher über einen Trenntransformator vom geerdeten Netz abgekoppelt wird, sodass ein einmaliger Körperschluss keinen gefährlichen Stromfluss erzeugt.
Klappstromwandler
Stromwandler mit öffenbarem Kern, der ohne Auftrennen der Leitung um einen Leiter gelegt werden kann; Grundlage der Stromzangen-Messung.
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