Feilen und Entgraten

Feilen ist eine der ältesten Methoden, Material von Hand abzutragen – und sie hat trotz CNC-Maschinen und Schleifautomaten nichts von ihrer Bedeutung verloren. Wer ein Werkstück anpasst, eine Passung nacharbeitet oder eine Kante sauber bricht, greift zur Feile. Sie braucht keinen Strom, kostet wenig und liegt in jedem Werkzeugkasten.

Dieser Beitrag zeigt, was beim Feilen wirklich passiert, welche Feile wann gehört, wie man sauber feilt und wie man am Ende kontrolliert, ob die Fläche stimmt. Den Abschluss bildet das Entgraten – der Schritt, der aus einem gefeilten Werkstück ein verletzungsfreies, maßhaltiges Bauteil macht.

Vorwissen

  • SI-Einheiten und Einheitenumrechnung
  • Werkstoffeigenschaften: Festigkeit, Härte, Zähigkeit

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, wie eine Feile Material abträgt und worin sich Schruppen und Schlichten unterscheiden
  • die wichtigsten Feilenformen und Hiebarten dem richtigen Werkstoff und Einsatzzweck zuordnen
  • eine Fläche fachgerecht feilen und das Ergebnis mit Haarlineal und Winkel prüfen
  • erklären, wie Grate entstehen, warum sie ein Problem sind und mit welchen Werkzeugen man sie beseitigt
  • den Begriff der Gratfreiheit einordnen und einen Kantenbruch fachgerecht ausführen

1. Was beim Feilen passiert

Die Feile ist ein Werkzeug, das mit vielen kleinen Schneiden Material abträgt. Auf den ersten Blick sieht sie aus wie ein raues Metallstück – tatsächlich sitzen auf ihrer Oberfläche hunderte winziger Schneidkeile, die sogenannten Hiebe. Jeder einzelne dieser Keile schabt beim Vorwärtsschieben einen kleinen Span ab. Hunderte gleichzeitig ergeben einen sauberen Materialabtrag.

Das macht das Feilen zu einem spanenden Fertigungsverfahren – Material wird in Form von Spänen entfernt, ähnlich wie beim Bohren oder Drehen, nur eben von Hand und mit vielen Schneiden gleichzeitig.

Beim Feilen unterscheidet man zwei Grundstufen. Beim Schruppen wird mit grober Feile und kräftigem Druck viel Material schnell abgetragen – die Oberfläche bleibt dabei rau. Beim anschließenden Schlichten wird mit feiner Feile und weniger Druck die Fläche geglättet und auf Maß gebracht. Erst grob, dann fein: Diese Reihenfolge zieht sich durch fast jede manuelle Bearbeitung.

Warum lohnt sich Feilen überhaupt noch, wo es Maschinen gibt? Weil viele Arbeiten sich nicht maschinell lohnen oder gar nicht maschinell gehen: eine Kante entgraten, ein Bauteil bei der Montage anpassen, einen Span an einer schwer zugänglichen Stelle entfernen. Die Feile ist das Werkzeug für den Einzelfall.

Warum trägt eine Feile beim Vorwärtsschieben Material ab, obwohl sie kein einzelnes scharfes Schneidblatt besitzt?

  • a) Weil viele kleine Schneidkeile auf der Oberfläche jeweils einen winzigen Span abheben
  • b) Weil die Reibungswärme das Material aufweicht und abschmilzt
  • c) Weil das Werkstück durch den Druck plastisch verformt wird
  • d) Weil sich Materialpartikel magnetisch an der Feile anhaften

Richtig: a)

Die Hiebe sind eine Vielzahl kleiner Schneiden, die gemeinsam spanend wirken. Es schmilzt nichts, und es handelt sich um Zerspanung, nicht um eine reine Verformung oder einen magnetischen Effekt.

In welcher Reihenfolge bearbeitet man eine Fläche fachgerecht und warum?

  • a) Erst schlichten, dann schruppen, weil die feine Feile die Fläche vorbereitet
  • b) Nur schlichten, weil Schruppen die Maßhaltigkeit zerstört
  • c) Erst schruppen, dann schlichten, weil grob schnell Material abträgt und fein auf Maß bringt
  • d) Die Reihenfolge ist beliebig, solange das Endmaß stimmt

Richtig: c)

Schruppen entfernt schnell viel Material, danach bringt das Schlichten die Fläche auf Maß und Güte. Die umgekehrte Reihenfolge wäre Verschwendung, reines Schlichten dauert ewig, und beliebig ist die Reihenfolge nicht.

2. Aufbau und Arten von Feilen

Eine Feile besteht aus drei Teilen. Das Feilenblatt ist der bearbeitete Teil mit den Hieben – hier findet die Zerspanung statt. Es läuft vorne in der Spitze aus und geht hinten in die Angel über, einen schlanken, spitzen Fortsatz. Auf die Angel wird das Heft aufgesetzt, der Griff aus Holz oder Kunststoff. Ohne festsitzendes Heft ist eine Feile gefährlich: Die freiliegende Angel kann bei einem Abrutschen in die Handfläche dringen.

Das Feilenblatt selbst besteht aus gehärtetem Werkzeugstahl. Die Hiebe werden eingearbeitet und anschließend gehärtet, damit sie auch Stahl bearbeiten können, ohne stumpf zu werden.

Feilen unterscheiden sich vor allem in ihrer Querschnittsform. Die Form entscheidet, welche Konturen man bearbeiten kann:

Feilenform Querschnitt Typische Anwendung
Flachfeile rechteckig ebene Flächen, Außenkanten
Halbrundfeile eine flache, eine gewölbte Seite ebene Flächen und Rundungen, Bohrungen
Rundfeile kreisrund Bohrungen, Innenrundungen, runde Aussparungen
Dreikantfeile dreieckig spitze Winkel, Innenecken über 60°
Vierkantfeile quadratisch rechteckige Nuten und Aussparungen

Die folgende Skizze zeigt die fünf Grundformen im Querschnitt:

Flachfeile Halbrundfeile Rundfeile Dreikantfeile Vierkantfeile

Welche Feilenform wählst du, um eine zuvor gebohrte Bohrung auf einen leicht größeren Durchmesser aufzuweiten?

  • a) Flachfeile
  • b) Vierkantfeile
  • c) Dreikantfeile
  • d) Rund- oder Halbrundfeile

Richtig: d)

Eine runde Kontur lässt sich nur mit einer runden Schneidenkontur sauber bearbeiten – Rundfeile oder die gewölbte Seite der Halbrundfeile. Flach und Vierkant hätten Kanten, die Dreikantfeile ist für spitze Innenwinkel gedacht.

Warum muss das Heft fest auf der Angel sitzen, bevor man mit dem Feilen beginnt?

  • a) Weil sonst die freiliegende Angel beim Abrutschen in die Hand dringen kann
  • b) Damit die Feile schwerer wird und besser schneidet
  • c) Weil die Angel sonst rostet
  • d) Weil das Feilenblatt sonst nicht härtet

Richtig: a)

Die Angel ist spitz; ohne Heft besteht akute Verletzungsgefahr beim Abrutschen. Mit Gewicht, Rost oder Härtung hat das nichts zu tun.

3. Hiebart und Hiebzahl

Die Hiebe können auf zwei grundlegende Arten eingearbeitet sein. Beim Einhieb verlaufen die Schneidkanten als parallele Linien schräg über das Blatt. Beim Doppelhieb (auch Kreuzhieb) liegt ein zweiter Hieb über dem ersten, sodass sich die Linien kreuzen und viele kleine, einzeln stehende Schneidzähne entstehen.

Hiebart Geometrie Hauptanwendung
Einhieb parallele Einkerbungen in einer Richtung weiche Werkstoffe wie Aluminium, Messing, Kunststoff
Doppelhieb (Kreuzhieb) zwei gekreuzte Hiebe, einzeln stehende Zähne Stahl und harte Werkstoffe, Schruppen und Schlichten
Raspelhieb einzeln ausgestochene, grobe Zähne sehr weiche Werkstoffe wie Holz, Weichkunststoff

Der Einhieb eignet sich for weiche Werkstoffe, weil die durchgehenden Schneiden den weichen Span gut abführen, ohne dass die Feile zusetzt. Der Doppelhieb ist der Standard für Stahl: Die einzeln stehenden Zähne zerteilen den Span in kurze Stücke und tragen kräftig ab. Der Raspelhieb mit seinen groben, einzeln ausgestochenen Zähnen kommt nur bei sehr weichen Stoffen wie Holz zum Einsatz.

Neben der Hiebart gibt es die Hiebzahl – die Anzahl der Hiebe pro Zentimeter Feilenlänge. Sie bestimmt, wie fein die Feile arbeitet. Je mehr Hiebe auf gleicher Länge, desto feiner der Abtrag und desto glatter die Oberfläche. Üblicherweise werden Feilen in Hiebnummern von grob (etwa Hieb 0 oder 1) bis sehr fein (etwa Hieb 4 oder 5) eingeteilt.

Feinheit Einsatz
grob Schruppen, schneller Materialabtrag
mittel allgemeine Bearbeitung
fein Schlichten, glatte Oberfläche, Maßarbeit

Die Wahl hängt zusammen: harte Werkstoffe und feine Arbeiten brauchen eine hohe Hiebzahl, weiche Werkstoffe und grober Abtrag eine niedrige.

Du sollst ein Werkstück aus Aluminium feilen. Welche Hiebart passt und warum?

  • a) Doppelhieb, weil er bei jedem Werkstoff am kräftigsten abträgt
  • b) Raspelhieb, weil Aluminium ein weicher Werkstoff ist
  • c) Einhieb, weil die durchgehenden Schneiden den weichen Span abführen und ein Zusetzen vermeiden
  • d) Die Hiebart spielt bei Aluminium keine Rolle

Richtig: c)

Beim weichen Aluminium führt der Einhieb den Span gut ab und setzt nicht so schnell zu. Der Doppelhieb und der Raspelhieb (nur für sehr weiche Stoffe wie Holz) sind hier ungünstig, und die Hiebart ist keineswegs egal.

Eine Feile mit hoher Hiebzahl wird wofür eingesetzt?

  • a) Zum schnellen Schruppen von viel Material
  • b) Ausschließlich für weiche Kunststoffe
  • c) Nur für Holzbearbeitung
  • d) Zum Schlichten und für feine, maßgenaue Oberflächen

Richtig: d)

Viele Hiebe pro Zentimeter bedeuten feinen Abtrag und glatte Oberfläche, also Schlichten und Maßarbeit. Schnelles Schruppen verlangt eine niedrige Hiebzahl; und sind keine Funktion der Hiebzahl.

Was unterscheidet den Doppelhieb geometrisch vom Einhieb?

  • a) Der Doppelhieb hat doppelt so lange Schneiden
  • b) Beim Doppelhieb kreuzen sich zwei Hiebe und bilden einzeln stehende Zähne
  • c) Der Doppelhieb verläuft immer längs zur Feile
  • d) Der Doppelhieb hat keine Schneidkanten, sondern nur Riefen

Richtig: b)

Der zweite, gekreuzte Hieb erzeugt einzeln stehende Schneidzähne. Es geht nicht um die Schneidenlänge, die Richtung ist schräg, nicht längs, und Schneidkanten sind sehr wohl vorhanden.

4. Feiltechnik in der Praxis

Gutes Feilen beginnt nicht an der Feile, sondern am Stand. Man steht leicht seitlich zum Schraubstock, ein Fuß vorne, das Körpergewicht im Schwung. Die eine Hand führt das Heft, die andere drückt am vorderen Ende des Feilenblatts. So bleibt die Feile waagrecht und man arbeitet aus dem ganzen Körper, nicht nur aus dem Handgelenk.

Entscheidend ist der Druck im Hub: Nur im Vorwärtshub schneidet die Feile, hier wird gleichmäßig gedrückt. Im Rückhub entlastet man – die Feile wird zurückgezogen, aber nicht angepresst, denn rückwärts schneidet sie nicht und die Zähne würden nur unnötig stumpf. Wer auch im Rückhub drückt, ruiniert die Feile, ohne mehr abzutragen.

Das Werkstück wird fest und möglichst nahe an den Schraubstockbacken gespannt, damit es nicht federt oder klappert. Ragt es zu weit heraus, schwingt es beim Feilen und die Fläche wird unsauber.

Beim Bearbeiten einer Fläche gibt es zwei Techniken, die zusammenspielen. Beim Querfeilen schiebt man die Feile schräg oder quer über das Werkstück, beim Kreuzfeilen wechselt man die Richtung kreuzweise. Der Wechsel hat einen praktischen Grund: An den entstehenden Feilstrichen erkennt man sofort, welche Stellen schon bearbeitet sind und welche noch hochstehen. Wo die alten Striche stehenbleiben, ist die Fläche noch zu hoch.

Damit die Feile sauber arbeitet, muss sie frei von Spänen bleiben. Mit der Feilenbürste (Drahtbürste) reinigt man die Hiebe längs der Hiebrichtung. Bei weichen Metallen wie Aluminium setzen sich die Späne gerne in den Zähnen fest – etwas Kreide ins Feilenblatt gerieben verringert dieses Zusetzen.

Das Ergebnis prüfen

Gefeilt ist nicht gleich fertig. Ob die Fläche wirklich eben ist und der Winkel stimmt, muss geprüft werden. Das wichtigste Hilfsmittel ist das Lichtspaltverfahren: Man setzt ein Haarlineal (ein Prüflineal mit fein geschliffener Schneide) hochkant auf die Fläche und hält das Werkstück gegen eine Lichtquelle. Liegt das Lineal überall auf, bleibt es dunkel. Wo die Fläche hohl ist, scheint Licht als heller Spalt durch – genau dort wurde zu viel oder zu wenig abgetragen.

Den Winkel zwischen zwei Flächen prüft man ebenso: Ein Haarwinkel (Anschlagwinkel mit Schneide) wird angelegt, und am Lichtspalt erkennt man, ob der Winkel stimmt oder ob die Fläche kippt. Diese Sichtprüfung gegen das Licht ist die schnellste Methode, um Ebenheit und Rechtwinkligkeit ohne Messgerät zu beurteilen.

Warum darf im Rückhub kein Druck auf die Feile gegeben werden?

  • a) Weil die Feile sonst zu heiß wird
  • b) Weil die Feile rückwärts nicht schneidet und die Zähne nur unnötig stumpfen
  • c) Weil das Werkstück sonst aus dem Schraubstock springt
  • d) Weil rückwärts der Span doppelt so dick wird

Richtig: b)

Die Schneiden sind nach vorne gerichtet; rückwärts tragen sie nichts ab, Druck stumpft sie nur. Wärme, Werkstücksprung und Spandicke sind nicht der Grund.

Wozu dient das Kreuzfeilen mit wechselnder Richtung?

  • a) An den verbleibenden Feilstrichen erkennt man die noch zu hohen Stellen
  • b) Es macht die Oberfläche bewusst rauer
  • c) Es spart Feilenmaterial
  • d) Es ist nur eine Gewohnheit ohne technischen Nutzen

Richtig: a)

Wo alte Striche aus der vorigen Richtung stehenbleiben, ist die Fläche noch zu hoch – das Kreuzmuster macht den Fortschritt sichtbar. Es geht nicht um Rauheit, Materialersparnis oder bloße Gewohnheit.

Du prüfst eine gefeilte Fläche mit dem Haarlineal gegen das Licht und siehst in der Mitte einen hellen Lichtspalt. Was bedeutet das?

  • a) Die Fläche ist perfekt eben
  • b) Das Haarlineal ist defekt
  • c) Die Fläche ist in der Mitte hohl, dort liegt das Lineal nicht auf
  • d) Die Beleuchtung ist zu schwach für eine Aussage

Richtig: c)

Ein durchscheinender Spalt zeigt genau dort eine Hohlstelle, an der das Lineal nicht aufliegt. Bei perfekter Ebenheit bliebe es dunkel; auf das Lineal oder die Beleuchtung deutet nichts hin.

5. Grate und Entgraten

Wer eine Kante feilt, bohrt oder sägt, kennt das Ergebnis: An der Austrittsseite bleibt ein dünner, scharfer Materialüberstand stehen – der Grat. Er entsteht, weil das Material an der Kante nicht sauber abgetrennt, sondern verdrängt und nach außen gedrückt wird. Beim Bohren, Sägen oder Trennen passiert genau dasselbe an der jeweiligen Austrittskante.

Auch das Feilen selbst erzeugt Grate. Schiebt man die Feile über eine Fläche bis über die Werkstückkante hinaus, drückt sie an dieser Kante einen feinen Grat nach unten oder zur Seite. Deshalb gehört das Brechen der Kante unmittelbar zum Feilprozess: Sobald eine Fläche fertig ist, zieht man die Feile flach unter etwa 45° über die Kanten und nimmt den Grat ab. Das ist kein nachgelagerter Sonderschritt, sondern der direkte Abschluss des Feilens.

Warum überhaupt der Aufwand? Grate sind aus mehreren Gründen ein Problem. Sie sind scharf und führen zu Schnittverletzungen beim Handhaben. Sie verfälschen das Maß, weil ein Bauteil mit Grat größer misst, als es eigentlich ist. Sie stören Passungen und die Montage, weil zwei Teile mit Graten nicht sauber aneinander anliegen. Und sie können sich später lösen und als loses Metallteilchen Schaden anrichten.

Das gezielte Beseitigen heißt Entgraten. Dafür gibt es mehrere Werkzeuge, je nach Stelle und Genauigkeit:

Werkzeug Einsatz
Feile Kanten an Außenflächen, gröberer Grat
Entgrater (Senker) Grat an Bohrungsrändern, gleichmäßige Fase
Schaber feiner Grat an Kanten und in Nuten
Ziehklinge flächiges Entgraten und Glätten

Oft wird die entgratete Kante bewusst zu einer kleinen schrägen Fläche gebrochen – das ist die Fase oder der Kantenbruch. Eine angefaste Kante ist nicht nur gratfrei, sondern auch handhabungssicher und erleichtert das Fügen von Bauteilen.

In der Fertigung wird oft ausdrücklich gefordert, dass ein Bauteil gratfrei ist. Auf technischen Zeichnungen können Kantenzustände – also wie viel Grat oder welcher Übergang an einer Kante zulässig ist – nach ISO 13715 angegeben werden. Für die Werkstattpraxis genügt das Verständnis: Eine als gratfrei geforderte Kante darf keinen fühl- oder sichtbaren Überstand mehr haben.

Die Prüfung ist einfach und erfolgt meist von Hand: Man fährt mit dem Fingernagel oder der Fingerkuppe über die Kante. Bleibt nichts hängen und fühlt sich die Kante glatt an, ist sie entgratet. Sichtprüfung gegen das Licht ergänzt den Tastsinn.

Ein gebohrtes Bauteil misst am Bohrungsrand minimal zu groß, an einer anderen Stelle aber genau auf Maß. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Der Messschieber ist defekt
  • b) Ein stehengebliebener Grat am Bohrungsrand verfälscht das Maß
  • c) Das Material hat sich beim Bohren ausgedehnt
  • d) Die Bohrung wurde mit dem falschen Werkstoff gebohrt

Richtig: b)

Ein Grat steht über die eigentliche Kante hinaus und täuscht ein größeres Maß vor. Ein defektes Messgerät würde überall falsch messen, eine Materialausdehnung ist hier nicht plausibel, und erklärt das Maß nicht.

Warum gehört das Brechen der Kante direkt zum Feilen einer Fläche und nicht erst zu einem späteren Arbeitsgang?

  • a) Weil beim Feilen an den Werkstückkanten zwangsläufig ein Grat entsteht, der sofort entfernt werden sollte
  • b) Weil sonst die Feile beschädigt wird
  • c) Weil die Fase die Feile schärft
  • d) Weil das Werkstück sonst rostet

Richtig: a)

Das Feilen über die Kante hinaus drückt dort einen Grat heraus, dessen Beseitigung der direkte Abschluss ist. Mit Feilenschaden, Schärfen oder Rost hat das nichts zu tun.

Was beschreibt der Begriff „Kantenbruch“ bzw. „Fase“?

  • a) Einen Riss im Werkstück durch Überlastung
  • b) Das Abbrechen eines Feilenzahns
  • c) Eine bewusst angebrachte kleine Schrägfläche an der Kante
  • d) Eine Bruchstelle in der gehärteten Feile

Richtig: c)

Die Fase ist eine gewollte kleine Schrägfläche, die die Kante gratfrei und handhabungssicher macht und das Fügen erleichtert. Mit Rissen, Feilenzähnen oder Feilenbruch ist sie nicht zu verwechseln.

Was bedeutet die Forderung „gratfrei“ auf einer technischen Zeichnung für die Werkstattpraxis?

  • a) Das Bauteil darf keinerlei Maßtoleranz haben
  • b) Das Bauteil muss poliert sein
  • c) Die Oberfläche muss spiegelblank sein
  • d) Die Kante darf keinen fühl- oder sichtbaren Überstand mehr aufweisen

Richtig: d)

Gratfrei heißt, dass an der Kante kein tast- oder sichtbarer Grat verbleibt. Es geht weder um die Maßtoleranz allgemein noch um Politur oder Spiegelglanz.

Abschlusstest

Eine Feile trägt Material ab, indem

  • a) die Reibungswärme das Werkstück anschmilzt
  • b) viele kleine Schneidkeile gleichzeitig kleine Späne abheben
  • c) das Material durch Druck verdichtet wird
  • d) ein einzelnes scharfes Blatt wie ein Messer schneidet

Richtig: b)

Die Hiebe wirken als Vielzahl kleiner Schneiden gemeinsam spanend. Anschmelzen, Verdichten und Einzelklinge treffen nicht zu.

Für das schnelle Abtragen von viel Material an einem Stahlwerkstück wählst du

  • a) eine feine Schlichtfeile mit Doppelhieb
  • b) eine feine Feile mit Einhieb
  • c) eine grobe Schruppfeile mit Doppelhieb
  • d) eine Raspel

Richtig: c)

Stahl verlangt den Doppelhieb, schneller Abtrag eine niedrige Hiebzahl, also die grobe Schruppfeile. Die feine Feile trägt langsam ab, die Raspel ist nur für sehr weiche Stoffe.

Der Einhieb wird bevorzugt eingesetzt bei

  • a) gehärtetem Stahl
  • b) ausschließlich bei Holz
  • c) sehr feinen Schlichtarbeiten an Stahl
  • d) weichen Werkstoffen wie Aluminium und Messing

Richtig: d)

Beim weichen Werkstoff führt der durchgehende Einhieb den Span ab und setzt nicht so schnell zu. Für Stahl nimmt man Doppelhieb, für Holz die Raspel.

Du feilst eine Fläche und drückst auch im Rückhub kräftig. Die Folge ist

  • a) schnellerer Materialabtrag
  • b) eine glattere Oberfläche
  • c) unnötiges Stumpfen der Feile ohne Mehrabtrag
  • d) ein besseres Feilstrichmuster

Richtig: c)

Rückwärts schneidet die Feile nicht, der Druck stumpft die Zähne nur. Mehr Abtrag, glattere Fläche oder besseres Muster entstehen dadurch nicht.

Beim Prüfen einer Fläche mit dem Haarlineal im Lichtspaltverfahren zeigt sich an einer Stelle ein heller Spalt. Das heißt

  • a) die Fläche ist dort hohl
  • b) die Fläche ist dort eben
  • c) das Lineal ist verschmutzt
  • d) das Werkstück ist zu hart

Richtig: a)

Wo Licht durchscheint, liegt das Lineal nicht auf, die Fläche ist dort hohl. Eben bliebe dunkel; Schmutz oder Härte sind nicht ablesbar.

Welche Feilenform eignet sich am besten, um eine Innenrundung in einer Bohrung auszuarbeiten?

  • a) Flachfeile
  • b) Rundfeile
  • c) Dreikantfeile
  • d) Vierkantfeile

Richtig: b)

Nur eine runde Schneidenkontur passt in eine Rundung – die Rundfeile. Flach, Dreikant und Vierkant hinterließen Kanten.

Warum muss das Werkstück nahe an den Schraubstockbacken gespannt werden?

  • a) Damit es schneller rostet
  • b) Damit die Feile besser schneidet
  • c) Damit der Grat größer wird
  • d) Damit es beim Feilen nicht federt und die Fläche unsauber wird

Richtig: d)

Ragt das Werkstück weit heraus, schwingt es und die Fläche wird unsauber. Mit Rost, Feilenschärfe oder Gratgröße hat die Einspannlänge nichts zu tun.

Ein Grat an einer Werkstückkante entsteht, weil

  • a) das Material an der Austrittskante verdrängt statt sauber getrennt wird
  • b) das Werkstück zu kalt ist
  • c) die Feile zu fein ist
  • d) zu wenig Druck ausgeübt wurde

Richtig: a)

An der Austrittskante wird Material nach außen gedrückt und bildet den Grat. Temperatur, Feilenfeinheit und Druckhöhe sind nicht die Ursache.

Ein Bauteil soll laut Zeichnung gratfrei sein. Wie prüfst du das in der Werkstatt am schnellsten?

  • a) Mit dem Messschieber an einer beliebigen Stelle
  • b) Durch Tasten mit der Fingerkuppe und Sichtprüfung der Kante
  • c) Durch Wiegen des Bauteils
  • d) Durch Messen der Oberflächenrauheit

Richtig: b)

Tasten und Sichtprüfung zeigen einen Grat sofort. Der Messschieber an beliebiger Stelle erfasst den lokalen Grat nicht zuverlässig, Wiegen und Rauheitsmessung prüfen etwas anderes.

Bei weichen Metallen wie Aluminium setzt sich die Feile schnell mit Spänen zu. Welche Maßnahme hilft dagegen?

  • a) Stärker drücken
  • b) Die Feile vorher anwärmen
  • c) Kreide ins Feilenblatt reiben
  • d) Den Doppelhieb verwenden

Richtig: c)

Kreide im Feilenblatt verringert das Festsetzen der weichen Späne. Mehr Druck verschlimmert es, Anwärmen bringt nichts, und der Doppelhieb setzt sich beim weichen Metall eher noch leichter zu als der Einhieb.

Die Fase (Kantenbruch) an einer entgrateten Kante hat welchen Zweck?

  • a) Sie erhöht das Gewicht des Bauteils
  • b) Sie härtet die Kante
  • c) Sie dient nur der Optik
  • d) Sie macht die Kante gratfrei, handhabungssicher und erleichtert das Fügen

Richtig: d)

Die Fase Beseitigt den Grat, nimmt die Verletzungsgefahr und erleichtert das Zusammenfügen. Gewicht, Härtung und reine Optik sind nicht ihr Zweck.

Welche Reihenfolge ist beim Bearbeiten einer Fläche richtig?

  • a) Schlichten, dann Schruppen, dann Entgraten
  • b) Entgraten, dann Schruppen, dann Schlichten
  • c) Nur Schlichten, Entgraten entfällt
  • d) Schruppen, dann Schlichten, dann Kante brechen

Richtig: d)

Erst grob abtragen (Schruppen), dann auf Maß bringen (Schlichten), dann die Kante brechen. Die übrigen Reihenfolgen sind unlogisch, und das Entgraten entfällt nie.

Glossar

Feile
Spanend arbeitendes Handwerkzeug, dessen Oberfläche mit vielen kleinen Schneidkeilen (Hieben) besetzt ist.
Hieb
Die in das Feilenblatt eingearbeiteten Schneidkanten; jeder Hieb hebt beim Vorwärtshub einen kleinen Span ab.
Einhieb
Hiebart mit parallelen, in eine Richtung verlaufenden Schneiden; für weiche Werkstoffe.
Doppelhieb (Kreuzhieb)
Hiebart mit zwei gekreuzten Hieben und einzeln stehenden Zähnen; Standard für Stahl.
Raspelhieb
Grobe, einzeln ausgestochene Zähne für sehr weiche Werkstoffe wie Holz.
Hiebzahl
Anzahl der Hiebe pro Zentimeter Feilenlänge; bestimmt die Feinheit des Abtrags.
Schruppen
Grobes, schnelles Abtragen von viel Material mit grober Feile.
Schlichten
Feines Bearbeiten zur glatten, maßgenauen Oberfläche mit feiner Feile.
Kreuzfeilen
Wechselndes Feilen in gekreuzter Richtung; macht über die Feilstriche sichtbar, welche Stellen noch zu hoch sind.
Haarlineal
Prüflineal mit fein geschliffener Schneide zur Ebenheitsprüfung im Lichtspaltverfahren.
Lichtspaltverfahren
Prüfmethode, bei der ein durchscheinender Lichtspalt zwischen Prüfkante und Werkstück eine Hohlstelle oder Winkelabweichung sichtbar macht.
Grat
Scharfer Materialüberstand an einer Austrittskante, der durch Verdrängen statt sauberem Trennen entsteht.
Entgraten
Gezieltes Beseitigen von Graten mit Feile, Entgrater, Schaber oder Ziehklinge.
Fase (Kantenbruch)
Bewusst angebrachte kleine Schrägfläche an einer Kante; macht sie gratfrei und erleichtert das Fügen.
Gratfrei
Zustand einer Kante ohne tast- oder sichtbaren Materialüberstand; auf Zeichnungen ausdrücklich gefordert.
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