Gewindeschneiden (innen und außen)

Ein Gewinde von Hand zu schneiden gehört zu den Grundfertigkeiten in jeder Werkstatt. Ob du eine Bohrung mit einem Innengewinde versiehst, damit eine Schraube greift, oder einen Bolzen mit einem Außengewinde – das Prinzip ist immer dasselbe: Ein Schneidwerkzeug formt eine schraubenförmige Rille ins Material. Klingt einfach, hat aber ein paar Stellen, an denen viel schiefgehen kann. Das richtige Kernloch, ein sauberer Anschnitt, das regelmäßige Brechen der Späne und das passende Schneidöl entscheiden darüber, ob das Gewinde am Ende trägt oder ausreißt.

Dieser Beitrag zeigt dir, welche Maße beim Schneiden wirklich zählen, wie du innen mit dem Gewindebohrer und außen mit dem Schneideisen arbeitest und wo die typischen Fehler lauern.

Vorwissen

  • Bohren, Senken, Reiben
  • Metrisches ISO-Gewinde und Schraubenbezeichnungen
  • Schneidstoffe und Schmierung beim Zerspanen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die für das Schneiden entscheidenden Gewindemaße benennen und auseinanderhalten
  • den passenden Kernlochdurchmesser für ein metrisches Regelgewinde bestimmen
  • ein Innengewinde mit dem Gewindebohrersatz fachgerecht schneiden
  • ein Außengewinde mit dem Schneideisen herstellen
  • die häufigsten Fehler beim Gewindeschneiden vermeiden

1. Welche Maße beim Schneiden zählen

Ein Gewinde ist eine Rille, die schraubenförmig um einen Zylinder läuft – entweder außen auf einem Bolzen oder innen in einer Bohrung. Die genaue Geometrie des metrischen ISO-Gewindes (der 60°-Flankenwinkel, der genormte Profilaufbau, das Lesen von Bezeichnungen wie M10 oder M8×1) gehört zu den Grundlagen der Schraubenverbindungen und wird dort ausführlich behandelt. Für das Gewindeschneiden brauchst du davon nur einen kleinen, aber entscheidenden Ausschnitt.

Drei Maße musst du sicher auseinanderhalten:

  • Der Nenndurchmesser d ist das größte Maß des Gewindes. Bei einem M10 sind das 10 mm. Er entspricht dem Außendurchmesser des Bolzens bzw. dem äußeren Rand des Innengewindes.
  • Der Kerndurchmesser ist der kleinste Durchmesser, gemessen am Grund der Rille. Beim Innengewinde entspricht er ungefähr dem Loch, das du vor dem Schneiden bohrst.
  • Die Steigung P ist der Weg, den das Gewinde bei einer vollen Umdrehung in Längsrichtung zurücklegt. Bei einem M10-Regelgewinde sind das 1,5 mm.

Genau dieser Unterschied zwischen Nenn- und Kerndurchmesser ist beim Schneiden der springende Punkt. Beim Innengewinde bohrst du nicht auf den Nenndurchmesser, sondern auf den kleineren Kerndurchmesser – das Material dazwischen wird beim Schneiden zum Gewindeprofil geformt. Beim Außengewinde drehst du den Bolzen knapp unter den Nenndurchmesser, weil das Werkzeug das Material beim Schneiden leicht aufwirft.

Regel- und Feingewinde unterscheiden sich nur in der Steigung. Ein M10 (Regelgewinde) hat 1,5 mm Steigung, ein M10×1 (Feingewinde) nur 1 mm. Für das Schneiden heißt das: andere Steigung, anderes Kernloch, anderes Werkzeug.

Das metrische Regelgewinde ist in Österreich über die ÖNORM EN ISO 261 geregelt (allgemeiner Plan der metrischen ISO-Gewinde), die zugehörigen Toleranzen über die ÖNORM EN ISO 965. Für die Werkstattpraxis musst du diese Normen nicht auswendig kennen – wichtig ist nur, dass die Nenngrößen und Steigungen, mit denen du arbeitest, daraus stammen und damit überall zusammenpassen.

  • Innengewinde: Kernloch = kleiner als d (Material wird zum Profil geformt)
  • Außengewinde: Bolzen = knapp unter d (Material wird leicht aufgeworfen)

Das folgende Schema zeigt die Relation zwischen Nenndurchmesser, Kerndurchmesser und Steigung an einem Außen- und einem Innengewinde.

Außengewinde (Bolzen) d (Nenn-Ø) Kern-Ø (gestrichelt) P Innengewinde (Bohrung) d (Nenn-Ø) weißer Bereich = Kernloch vor dem Schneiden

Warum wird beim Innengewindeschneiden die Bohrung kleiner als der Nenndurchmesser ausgeführt?

  • a) Weil das stehengebliebene Material beim Schneiden zum Gewindeprofil geformt wird
  • b) Damit der Gewindebohrer leichter dreht
  • c) Weil die Norm einen kleineren Durchmesser vorschreibt
  • d) Damit das Schneidöl besser haftet

Richtig: a)

Beim Schneiden formt der Gewindebohrer das stehengebliebene Material zwischen Kernloch und Nenndurchmesser zu den Gewindeflanken. Würde man auf den Nenndurchmesser bohren, bliebe kein Material für das Profil übrig – das Gewinde hätte keine Tragflanken. Die Drehbarkeit (b) und die Ölhaftung (d) hängen nicht vom Kernloch ab, und eine eigene Durchmesservorschrift (c) gibt es nicht – der Wert ergibt sich rechnerisch.

Ein M12-Regelgewinde hat 1,75 mm Steigung, ein M12×1,25 hat 1,25 mm. Was folgt daraus für das Schneiden?

  • a) Beide brauchen denselben Gewindebohrer
  • b) Die Steigung hat keinen Einfluss auf das Kernloch
  • c) Das Feingewinde braucht ein größeres Kernloch als das Regelgewinde
  • d) Das Feingewinde braucht ein kleineres Kernloch als das Regelgewinde

Richtig: c)

Das Kernloch richtet sich nach der Faustformel Nenndurchmesser minus Steigung. Bei kleinerer Steigung (Feingewinde) wird also weniger abgezogen, das Kernloch wird größer. Beide brauchen unterschiedliche Werkzeuge (a falsch), und die Steigung beeinflusst das Kernloch sehr wohl (b falsch). Antwort d dreht den Zusammenhang um.

2. Innengewinde schneiden mit dem Gewindebohrer

Das Innengewinde entsteht in zwei Schritten: zuerst das Kernloch bohren, dann das Gewinde schneiden.

Das richtige Kernloch

Das Kernloch ist die wichtigste Vorarbeit. Ist es zu klein, klemmt der Gewindebohrer und bricht im schlimmsten Fall ab. Ist es zu groß, werden die Gewindeflanken zu flach und das Gewinde trägt nicht mehr. Für metrische Regelgewinde gilt eine einfache Praxisformel:

d_kern = d – P

  • d_kern … Kernlochdurchmesser in mm
  • d ……. Nenndurchmesser in mm
  • P ……. Steigung in mm

Für ein M8 mit 1,25 mm Steigung ergibt das rechnerisch 6,75 mm. Für ein M10 mit 1,5 mm Steigung sind es 8,5 mm. Diese Werte stehen auch in jeder Gewindetabelle, aber die Formel im Kopf zu haben spart in der Werkstatt den Griff zum Tabellenbuch.

Ein wichtiger point zum Runden: Spiralbohrer gibt es nur in genormten Durchmessern. Das rechnerische Maß rundet man deshalb auf den nächsten gängigen Bohrerdurchmesser – aus 6,75 mm wird der Standard-Kernlochbohrer 6,8 mm für M8, aus 10,25 mm der 10,2-mm-Bohrer für M12. Diese gerundeten Werte sind kein Widerspruch zur Formel, sondern entsprechen genau der Normstaffelung der Bohrer; das kleine Spiel zur Flankenüberdeckung ist dabei berücksichtigt.

Der Gewindebohrersatz und seine Kennzeichnung

Von Hand schneidest du mit einem Satz aus drei Gewindebohrern, die nacheinander durch dasselbe Loch laufen. Sie unterscheiden sich im Anschnitt – also darin, über wie viele Gänge sich der Schneidteil von vorne nach hinten zum vollen Profil aufbaut:

  • Der Vorschneider hat einen langen, flachen Anschnitt und nimmt den größten Spananteil ab. Er trägt einen Ring am Schaft.
  • Der Mittelschneider vertieft das Gewinde weiter. Er trägt zwei Ringe.
  • Der Fertigschneider brings das Gewinde auf das volle Maß. Er hat keinen Ring (manchmal drei Ringe, je nach Hersteller).

Diese Ring-Codierung ist der schnellste Weg, die Werkzeuge im Kasten auseinanderzuhalten. Steht man ohne dieses Wissen vor dem Satz, verwechselt man leicht die Reihenfolge – und ein Fertigschneider als erstes Werkzeug bringt schlechte Ergebnisse oder bricht.

Maschinengewindebohrer schneiden das Gewinde dagegen in einem einzigen Durchgang. Sie tragen oft farbige Ringe, die den Einsatzbereich für bestimmte Werkstoffgruppen kennzeichnen. Welche Farbe für welchen Werkstoff steht, hängt vom Hersteller ab und steht im Werkzeugkatalog.

So gehst du vor

Den Vorschneider ins Windeisen spannen – das ist der Handhebel, mit dem du den Gewindebohrer drehst –, senkrecht ansetzen und mit leichtem Druck eindrehen. Die ersten ein bis zwei Umdrehungen entscheiden über die Geradheit – hier prüfst du mit dem Auge oder einem kleinen Winkel, ob der Bohrer wirklich senkrecht steht. Dann gilt: etwa eine halbe bis ganze Umdrehung vorwärts schneiden, danach ein Stück zurückdrehen, um die Späne zu brechen. Sonst stopfen lange Späne das Gewinde zu und der Bohrer blockiert.

Schneidöl gehört bei Stahl von Anfang an dazu. Nach dem Vorschneider folgen Mittel- und Fertigschneider durch dasselbe Loch.

Beim Sackloch – einer Bohrung, die nicht durch das Werkstück hindurchgeht – wird es heikel: Die Späne können nicht nach unten entweichen. Deshalb bohrt man das Kernloch tiefer als die spätere Gewindelänge, schneidet in kurzen Schritten und zieht den Bohrer öfter ganz heraus, um die Späne zu entfernen.

Gelöstes Beispiel

Für eine M6-Schraube soll ein Innengewinde geschnitten werden. Das Regelgewinde M6 hat eine Steigung von 1 mm. Welcher Kernlochbohrer wird benötigt?

Gegeben: Nenndurchmesser d = 6 mm, Steigung P = 1 mm

Gesucht: Kernlochdurchmesser d_kern in mm

Lösungsweg:

  1. Formel anwenden: d_kern = d – P
  2. d_kern = 6 mm – 1 mm

Ergebnis: d_kern = 5 mm. Es wird mit einem 5-mm-Bohrer vorgebohrt.

Übungen

Bestimme den Kernlochdurchmesser für ein M5-Regelgewinde (Steigung 0,8 mm).

d_kern = 5 − 0,8 = 4,2 mm. Der gängige Kernlochbohrer hat 4,2 mm.

Welches Kernloch braucht ein M8-Regelgewinde (Steigung 1,25 mm)?

Rechenwert d_kern = 8 − 1,25 = 6,75 mm. Praxiswert: 6,8 mm – das ist der genormte Standard-Kernlochbohrer für M8.

Für ein M12-Regelgewinde (Steigung 1,75 mm) ist das Kernloch zu bestimmen.

Rechenwert d_kern = 12 − 1,75 = 10,25 mm. Praxiswert: 10,2 mm – der genormte Kernlochbohrer für M12.

Ein Feingewinde M10×1 soll geschnitten werden. Vergleiche das Kernloch mit dem des Regelgewindes M10 (Steigung 1,5 mm).

Feingewinde: 10 − 1 = 9,0 mm; Regelgewinde: 10 − 1,5 = 8,5 mm. Das Feingewinde braucht ein um 0,5 mm größeres Kernloch.

Ein Bauteil soll ein M16-Regelgewinde (Steigung 2 mm) im Sackloch erhalten, die Gewindetiefe beträgt 20 mm. Bestimme den Kernlochdurchmesser und begründe, warum tiefer als 20 mm gebohrt wird.

d_kern = 16 − 2 = 14 mm. Tiefer als 20 mm bohren, weil sich im Sackloch die Späne am Grund sammeln und sonst die volle Gewindetiefe nicht erreicht wird; zusätzlich braucht der Gewindebohrer am Ende Auslaufraum.

Ein Kollege hat das Kernloch für ein M10-Gewinde mit einem 9,5-mm-Bohrer gebohrt (statt 8,5 mm). Was ist die Folge?

  • a) Das Gewinde wird besonders fest
  • b) Der Gewindebohrer bricht sofort ab
  • c) Die Gewindeflanken werden zu flach und das Gewinde trägt kaum noch
  • d) Es passiert nichts Messbares

Richtig: c)

Bei zu großem Kernloch bleibt zu wenig Material zwischen Loch und Nenndurchmesser stehen. Die geschnittenen Flanken werden flach und untief, die Schraube findet kaum noch Halt – das Gewinde reißt unter Last leicht aus. Brechen (b) droht beim zu kleinen Kernloch, nicht beim zu großen. Fester wird das Gewinde dadurch sicher nicht (a), und folgenlos ist der Fehler keineswegs (d).

Welcher Gewindebohrer aus dem Handsatz wird zuerst verwendet, und wie erkennst du ihn?

  • a) Der Mittelschneider, erkennbar an zwei Ringen
  • b) Der Fertigschneider, erkennbar an drei Ringen
  • c) Der Fertigschneider, erkennbar an einem Ring
  • d) Der Vorschneider, erkennbar an einem Ring

Richtig: d)

Zuerst kommt der Vorschneider mit dem langen Anschnitt, der den größten Spananteil abnimmt – er trägt einen Ring. Der Mittelschneider (zwei Ringe) und der Fertigschneider (kein bzw. drei Ringe) folgen danach. Die Antworten a/b/c setzen jeweils das falsche Werkzeug an den Anfang oder ordnen dem Fertigschneider die falsche Kennzeichnung zu.

Warum wird beim Schneiden regelmäßig ein Stück zurückgedreht?

  • a) Um die Späne zu brechen, damit sie das Gewinde nicht zusetzen
  • b) Um das Werkzeug abkühlen zu lassen
  • c) Um das Gewinde nachzumessen
  • d) Weil der Gewindebohrer sonst zu schnell schneidet

Richtig: a)

Beim Vorwärtsschneiden entstehen lange, zusammenhängende Späne. Dreht man nicht zurück, stopfen sie das Gewinde zu, der Bohrer blockiert und kann brechen. Das kurze Rückwärtsdrehen bricht die Späne in kurze Stücke. Abkühlen (b) übernimmt das Schneidöl, gemessen wird erst am Ende (c), und die Schnittgeschwindigkeit (d) ändert sich dadurch nicht.

3. Außengewinde schneiden mit dem Schneideisen

Das Gegenstück zum Gewindebohrer ist das Schneideisen, das ein Außengewinde auf einen Bolzen oder eine Stange schneidet.

Vorarbeit am Bolzen

Der Bolzen wird nicht exakt auf den Nenndurchmesser gedreht, sondern minimal darunter. Beim Schneiden wirft das Werkzeug das Material an den Flanken leicht auf – stünde der Bolzen auf vollem Nennmaß, würde das Gewinde zu stramm und das Schneideisen klemmt. Als Faustwert gilt:

d_bolzen = d – 0,1 * P

  • d_bolzen … Bolzendurchmesser in mm
  • d ……… Nenndurchmesser in mm
  • P ……… Steigung in mm

Der Abzug ist klein – bei einem M10 mit 1,5 mm Steigung also nur etwa 0,15 mm. In der Praxis liegt der Bolzen damit ein paar Hundertstel unter dem Nennmaß. Dieses Bolzenvormaß – der gegenüber dem Nenndurchmesser leicht verringerte Bolzendurchmesser vor dem Schneiden – lässt sich mit demselben Rechner aus Kapitel 2 bestimmen.

Wichtig ist außerdem das Anfasen: Das Bolzenende wird mit einer kleinen Fase (etwa 45°) versehen. Diese Fase führt das Schneideisen beim Anschnitt und sorgt dafür, dass es gerade aufsetzt.

So gehst du vor

Das Schneideisen sitzt im Schneideisenhalter. Die angefaste Seite des Bolzens zeigt nach oben, das Schneideisen setzt du mit der Anschnittseite an. Wie beim Innengewinde entscheiden die ersten Umdrehungen über die Geradheit – das Schneideisen muss rechtwinklig zum Bolzen sitzen, sonst läuft das Gewinde schief und wird unbrauchbar. Auch hier gilt: ein Stück vorwärts, dann zurück, um die Späne zu brechen, und Schneidöl nicht vergessen.

Nach dem Schneiden prüfst du das Gewinde mit einer passenden Mutter oder einer Gewindelehre. Die Mutter muss sich von Hand sauber aufdrehen lassen – geht sie zu schwer, war der Bolzen zu dick; hat sie zu viel Spiel, war er zu dünn oder das Schneideisen falsch eingestellt.

Gelöstes Beispiel

Auf eine Stange soll ein M12-Außengewinde geschnitten werden. Das Regelgewinde M12 hat eine Steigung von 1,75 mm. Auf welches Maß wird die Stange vorbereitet?

Gegeben: Nenndurchmesser d = 12 mm, Steigung P = 1,75 mm

Gesucht: Bolzendurchmesser d_bolzen in mm

Lösungsweg:

  1. Formel anwenden: d_bolzen = d − 0,1 · P
  2. d_bolzen = 12 mm − 0,1 · 1,75 mm
  3. Ausrechnen: d_bolzen = 12 mm − 0,175 mm

Ergebnis: d_bolzen ≈ 11,83 mm. Die Stange wird auf rund 11,8 mm vorbereitet.

Übungen

Bestimme das Bolzenvormaß für ein M6-Außengewinde (Steigung 1 mm).

d_bolzen = 6 − 0,1 · 1 = 5,9 mm.

Welches Vormaß braucht eine Stange für ein M8-Gewinde (Steigung 1,25 mm)?

d_bolzen = 8 − 0,1 · 1,25 = 7,875 mm, praktisch rund 7,9 mm.

Für ein M16-Außengewinde (Steigung 2 mm) ist das Bolzenvormaß zu bestimmen.

d_bolzen = 16 − 0,1 · 2 = 15,8 mm.

Ein Bolzen wurde versehentlich auf exakt 10,0 mm für ein M10-Gewinde (Steigung 1,5 mm) gedreht statt auf das Vormaß. Welches Problem ist zu erwarten und welches Maß wäre richtig?

Richtig wäre d_bolzen = 10 − 0,15 = 9,85 mm. Bei vollem Nennmaß wirft das Schneideisen zu viel Material auf, das Gewinde wird stramm, das Schneideisen klemmt und kann das Gewinde beschädigen.

Eine Stange soll ein M20-Feingewinde M20×1,5 erhalten. Bestimme das Bolzenvormaß und vergleiche mit dem Regelgewinde M20 (Steigung 2,5 mm).

Feingewinde: d_bolzen = 20 − 0,1 · 1,5 = 19,85 mm; Regelgewinde: 20 − 0,1 · 2,5 = 19,75 mm. Das Feingewinde-Vormaß liegt 0,1 mm höher, weil die kleinere Steigung weniger Aufwurf erzeugt.

Warum wird das Ende eines Bolzens vor dem Außengewindeschneiden angefast?

  • a) Um Material zu sparen
  • b) Damit das Schneideisen sauber schneidet und gerade aufsetzt
  • c) Um die Steigung zu vergrößern
  • d) Weil die Norm eine Fase vorschreibt

Richtig: b)

Die Fase gibt dem Schneideisen eine Führung beim Anschnitt und verhindert, dass es schief aufsetzt – das ist der Hauptgrund. Mit Materialeinsparung (a) oder der Steigung (c) hat das nichts zu tun, und auch wenn Fasen oft vorgesehen sind, ist der praktische Anschnittgrund (b gegenüber d) hier das Entscheidende.

Beim Aufdrehen der Prüfmutter geht diese sehr schwer. Worauf deutet das hin?

  • a) Der Bolzen war zu dünn vorbereitet
  • b) Das Schneidöl fehlte
  • c) Die Mutter hat ein Feingewinde
  • d) Der Bolzen war zu dick vorbereitet

Richtig: d)

Geht die Mutter schwer, sitzt zu viel Material auf den Flanken – der Bolzen war zu dick, oder es wurde gar nicht erst auf das Vormaß abgedreht. Ein zu dünner Bolzen (a) ergäbe das Gegenteil, nämlich Spiel. Fehlendes Schneidöl (b) verschlechtert die Oberfläche, ändert aber nicht das Endmaß so stark, und eine falsche Mutter (c) wäre ein Anwendungs-, kein Schneidfehler.

4. Fehler, Werkstoff und Schmierung

Die meisten misslungenen Gewinde gehen auf wenige, immer wiederkehrende Ursachen zurück.

Ein schief angesetztes Werkzeug ergibt ein verlaufenes Gewinde. Es lässt sich nicht mehr retten – das Werkstück ist meist Ausschuss. Deshalb steckt die ganze Sorgfalt in den ersten Umdrehungen.

Ausgerissene Flanken entstehen durch falsches Kernloch oder Bolzenmaß, fehlendes Schneidöl oder zu grobes Vorwärtsschneiden ohne Spanbruch. Das Gewinde sieht zwar fertig aus, trägt aber kaum Last.

Der abgebrochene Gewindebohrer ist der Klassiker im Sackloch: zu kleines Kernloch, verstopfte Späne, zu viel Druck. Ein abgebrochener, gehärteter Gewindebohrer im Werkstück ist extrem schwer zu entfernen. Vorbeugen ist hier die einzig sinnvolle Strategie – richtiges Kernloch, Späne brechen, im Sackloch oft ausräumen.

Werkstoff und Schmierung

Das Schneidöl ist kein Luxus, sondern entscheidet über Oberfläche und Werkzeugstandzeit. Die Wahl hängt vom Werkstoff ab:

Werkstoff Schmierung beim Schneiden
Baustahl, Vergütungsstahl Schneidöl, reichlich
Edelstahl (rostfrei) spezielles Schneidöl, da zäh und klebrig
Aluminium spezielles Aluminium-Schneidöl oder alkoholbasierte Kühlschmierstoffe (MMS)
Gusseisen meist trocken, da Grafit selbst schmiert
Kupfer, Messing wenig oder kein Öl nötig

Beim Maschinengewindeschneiden mit Maschinengewindebohrern wird die Drehzahl deutlich niedriger gewählt als beim Bohren desselben Durchmessers – das Werkzeug muss der Gewindesteigung entsprechend gleichmäßig laufen und darf nicht überhitzen. Die genaue Drehzahl richtet sich nach Werkstoff und Durchmesser und steht in den Schnittdatentabellen des Herstellers.

Zur Werkzeugpflege gehört, Gewindebohrer und Schneideisen nach Gebrauch von Spänen zu reinigen und trocken zu lagern. Verschlissene oder ausgebrochene Schneiden erkennt man am rauen Gewinde und am erhöhten Kraftaufwand – solche Werkzeuge gehören aussortiert, bevor sie das nächste Werkstück ruinieren.

Ein Gewindebohrer dreht im Stahl plötzlich schwer. Was ist die richtige Reaktion?

  • a) Mehr Druck und Kraft aufwenden, um durchzukommen
  • b) Den Bohrer im Loch lassen und mit dem nächsten weitermachen
  • c) Schneller drehen
  • d) Zurückdrehen, Späne ausräumen und ölen

Richtig: d)

Schwergang kommt fast immer von verstopften Spänen. Zurückdrehen bricht und entfernt sie, dann läuft der Bohrer wieder frei. Mehr Druck (a) ist genau der Fehler, der zum Bruch führt. Den nächsten Bohrer in ein nicht fertiges Gewinde zu setzen (b) verschlimmert das Spanproblem, und höhere Drehzahl (c) hilft bei Handarbeit ohnehin nicht.

Warum wird in Gusseisen oft ohne Schneidöl geschnitten?

  • a) Weil der enthaltene Grafit eine schmierende Wirkung hat
  • b) Weil Gusseisen besonders weich ist
  • c) Weil Öl das Gusseisen angreift
  • d) Weil Gusseisen nicht spanend bearbeitet werden darf

Richtig: a)

Gusseisen enthält Grafit, der beim Zerspanen selbst schmierend wirkt, sodass zusätzliches Öl oft entfallen kann. Weich ist Gusseisen nicht (b), Öl greift es nicht an (c), und spanend bearbeiten lässt es sich sehr wohl (d).

Welche Aussage zum Maschinengewindeschneiden ist korrekt?

  • a) Die Drehzahl wird höher gewählt als beim Bohren gleichen Durchmessers
  • b) Die Drehzahl spielt keine Rolle
  • c) Die Drehzahl wird niedriger gewählt als beim Bohren gleichen Durchmessers
  • d) Es wird grundsätzlich ohne Schmierung gearbeitet

Richtig: c)

Beim Gewindeschneiden mit der Maschine wird die Drehzahl deutlich niedriger gewählt als beim reinen Bohren, damit das Werkzeug gleichmäßig und ohne Überhitzung schneidet. Höhere Drehzahl (a) führt zu Werkzeugschäden, die Drehzahl ist sehr wohl relevant (b), und geschmiert wird je nach Werkstoff (d).

Abschlusstest

Aufgabe 1: Für ein M5-Regelgewinde (Steigung 0,8 mm) soll ein Innengewinde geschnitten werden.

Gegeben: d = 5 mm; P = 0,8 mm

Gesucht: Kernlochdurchmesser

Lösungsweg:

d_kern = d − P = 5 − 0,8

Ergebnis: d_kern = 4,2 mm

Aufgabe 2: Bestimme das Kernloch für ein M14-Regelgewinde mit 2 mm Steigung.

Gegeben: d = 14 mm; P = 2 mm

Gesucht: Kernlochdurchmesser

Lösungsweg:

d_kern = 14 − 2

Ergebnis: d_kern = 12 mm

Aufgabe 3: Auf eine Stange soll ein M10-Außengewinde (Steigung 1,5 mm) geschnitten werden. Bestimme das Bolzenvormaß.

Gegeben: d = 10 mm; P = 1,5 mm

Gesucht: Bolzendurchmesser

Lösungsweg:

d_bolzen = d − 0,1 · P = 10 − 0,15

Ergebnis: d_bolzen ≈ 9,85 mm

Aufgabe 4: Bestimme das Bolzenvormaß für ein M16-Außengewinde mit 2 mm Steigung.

Gegeben: d = 16 mm; P = 2 mm

Gesucht: Bolzendurchmesser

Lösungsweg:

d_bolzen = 16 − 0,1 · 2 = 16 − 0,2

Ergebnis: d_bolzen = 15,8 mm

Welche Maße sind beim Gewindeschneiden entscheidend?

  • a) Nenndurchmesser, Kerndurchmesser und Steigung
  • b) Nur der Nenndurchmesser
  • c) Nur die Steigung
  • d) Flankenwinkel und Oberflächengüte

Richtig: a)

Für die Vorarbeit und das Schneiden brauchst du Nenndurchmesser, Kerndurchmesser und Steigung. Der Nenndurchmesser allein (b) reicht nicht für das Kernloch, die Steigung allein (c) ebenso wenig. Der Flankenwinkel (d) ist beim metrischen Gewinde fest mit 60° vorgegeben und für das Schneiden von Hand keine Rechengröße.

Ein M8-Regelgewinde hat 1,25 mm Steigung. Welches Kernloch ist korrekt?

  • a) 8 mm
  • b) 7,5 mm
  • c) 6,8 mm
  • d) 5,5 mm

Richtig: c)

d_kern = 8 − 1,25 = 6,75 mm, gerundet auf den genormten Bohrer 6,8 mm. Acht Millimeter (a) entspräche dem Nennmaß und ließe kein Profil zu, 7,5 mm (b) wäre zu groß, 5,5 mm (d) deutlich zu klein – der Bohrer würde klemmen.

Woran erkennst du den Vorschneider im Handgewindebohrersatz?

  • a) An einem Ring
  • b) An zwei Ringen
  • c) Am fehlenden Ring
  • d) An der Farbe

Richtig: a)

Der Vorschneider trägt einen Ring, der Mittelschneider zwei (b), der Fertigschneider keinen bzw. drei (c). Farbringe (d) kennzeichnen bei Maschinengewindebohrern den Werkstoffbereich, nicht die Reihenfolge im Handsatz.

Warum bohrt man das Kernloch im Sackloch tiefer als die spätere Gewindelänge?

  • a) Damit das Gewinde fester wird
  • b) Um Material zu sparen
  • c) Weil die Norm es vorschreibt
  • d) Weil sich am Grund Späne sammeln und der Bohrer Auslauf braucht

Richtig: d)

Im Sackloch können die Späne nicht nach unten entweichen, sie sammeln sich am Grund; zusätzlich braucht der Gewindebohrer Auslaufraum, um die volle Gewindetiefe zu erreichen. Fester wird das Gewinde dadurch nicht (a), Material wird eher mehr abgetragen (b), und eine eigene Normvorschrift dafür (c) gibt es nicht.

Ein Außengewinde lässt die Prüfmutter nur sehr schwer aufdrehen. Die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Der Bolzen war zu dünn
  • b) Der Bolzen wurde nicht auf das Vormaß abgedreht
  • c) Das Kernloch war zu groß
  • d) Es wurde zu viel Schneidöl verwendet

Richtig: b)

Schwergang bedeutet zu viel Material auf den Flanken – der Bolzen war zu dick bzw. nicht auf das Vormaß gebracht. Ein zu dünner Bolzen (a) ergäbe Spiel. Das Kernloch (c) betrifft das Innen-, nicht das Außengewinde. Zu viel Öl (d) macht ein Gewinde nicht stramm.

Welche Reaktion ist richtig, wenn ein Handgewindebohrer im Stahl schwergeht?

  • a) Mehr Druck aufwenden
  • b) Höhere Drehzahl
  • c) Zurückdrehen, Späne brechen, ölen
  • d) Mit dem Fertigschneider weitermachen

Richtig: c)

Schwergang heißt fast immer verstopfte Späne. Zurückdrehen und ausräumen löst das Problem. Mehr Druck (a) führt zum Bruch, höhere Drehzahl (b) hilft bei Handarbeit nicht, und den Fertigschneider in ein klemmendes Gewinde zu setzen (d) verschärft das Problem.

In welchem Werkstoff wird üblicherweise trocken geschnitten?

  • a) Baustahl
  • b) Edelstahl
  • c) Aluminium
  • d) Gusseisen

Richtig: d)

Gusseisen enthält Grafit mit schmierender Wirkung, daher wird oft trocken geschnitten. Baustahl (a) und besonders Edelstahl (b) brauchen reichlich Öl, Aluminium (c) neigt ohne Schmierung zum Schmieren des Gewindes.

Was bewirkt ein deutlich zu kleines Kernloch beim Innengewinde?

  • a) Der Gewindebohrer klemmt und kann brechen
  • b) Ein besonders tragfähiges Gewinde
  • c) Ein zu großes Gewindespiel
  • d) Eine glattere Oberfläche

Richtig: a)

Bei zu kleinem Kernloch muss der Bohrer zu viel Material abtragen, er klemmt und bricht im schlimmsten Fall. Tragfähiger (b) wird das Gewinde nicht, eher reißt es. Spiel (c) entsteht beim zu großen Kernloch, und glatter (d) wird die Oberfläche dadurch nicht.

Wozu dient die Fase am Bolzenende beim Außengewindeschneiden?

  • a) Sie vergrößert den Gewindedurchmesser
  • b) Sie ersetzt das Schneidöl
  • c) Sie verhindert Korrosion
  • d) Sie führt das Schneideisen beim geraden Anschnitt

Richtig: d)

Die Fase gibt dem Schneideisen eine Anschnittführung, damit es rechtwinklig aufsetzt. Den Durchmesser ändert sie nicht (a), Öl ersetzt sie nicht (b), und mit Korrosionsschutz (c) hat sie nichts zu tun.

Wie wird beim Maschinengewindeschneiden die Drehzahl gegenüber dem Bohren gewählt?

  • a) Höher
  • b) Niedriger
  • c) Gleich
  • d) Die Drehzahl ist beliebig

Richtig: b)

Die Drehzahl liegt deutlich niedriger als beim Bohren gleichen Durchmessers, damit das Werkzeug gleichmäßig schneidet und nicht überhitzen. Höher (a) oder gleich (c) würde das Werkzeug schädigen, beliebig (d) ist sie keinesfalls.

Glossar

Nenndurchmesser (d)
Das größte, namensgebende Maß eines Gewindes; bei M10 sind das 10 mm.
Kerndurchmesser
Der kleinste Durchmesser eines Gewindes, gemessen am Grund der Rille; beim Innengewinde etwa das vorgebohrte Loch.
Kernloch
Die Bohrung, die vor dem Innengewindeschneiden hergestellt wird; Faustformel d_kern = d − P.
Steigung (P)
Der Längsweg, den das Gewinde bei einer vollen Umdrehung zurücklegt; unterscheidet Regel- von Feingewinde.
Gewindebohrer
Werkzeug zum Schneiden von Innengewinden; im Handsatz aus Vor-, Mittel- und Fertigschneider, über Ringe codiert.
Schneideisen
Werkzeug zum Schneiden von Außengewinden auf Bolzen oder Stangen, eingespannt im Schneideisenhalter.
Windeisen
Handhebelwerkzeug, in das der Gewindebohrer zum Drehen eingespannt wird.
Sackloch
Eine Bohrung, die nicht durch das Werkstück hindurchgeht; erfordert beim Gewindeschneiden besondere Spanabfuhr.
Bolzenvormaß
Der gegenüber dem Nenndurchmesser leicht verringerte Bolzendurchmesser vor dem Außengewindeschneiden; Faustformel d_bolzen = d − 0,1 · P.

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