Elektropneumatik: Magnetventile und Relaissteuerung

In einer rein pneumatischen Steuerung läuft alles über Luft – auch die Signale. Ein gedrückter Ventiltaster schickt einen Luftstoß durch einen Schlauch, der irgendwo ein weiteres Ventil umschaltet. Das funktioniert, stößt aber schnell an Grenzen. Sobald eine Anlage größer wird, mehrere Bedingungen verknüpft werden müssen oder Signale über weite Strecken laufen, wird die reine Luftlogik unübersichtlich und träge.

Die Elektropneumatik löst dieses Problem, indem sie die Signalverarbeitung der Elektrotechnik überlässt und nur noch die eigentliche Arbeit – das Bewegen der Zylinder – pneumatisch erledigt. Der Schlüssel dazu ist ein Bauteil, das beide Welten verbindet: das Magnetventil. Wer verstanden hat, wie der elektrische Steuerteil und der pneumatische Arbeitsteil zusammenspielen, hat die Elektropneumatik im Griff.

Vorwissen

  • Wegeventile – Bezeichnung und Funktion
  • Das magnetische Feld
  • Pneumatik-Schaltpläne nach ÖNORM EN ISO 1219

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, warum elektropneumatische Steuerungen den Steuerteil vom Arbeitsteil trennen
  • den Aufbau und die Funktion eines Magnetventils beschreiben und monostabile von bistabilen Ventilen unterscheiden
  • die Bauteile des elektrischen Steuerstromkreises – Taster, Schalter, Relais – benennen und ihre Kontaktarten zuordnen
  • den Unterschied zwischen direkter und indirekter elektrischer Ansteuerung erklären und entscheiden, wann welche sinnvoll ist
  • Grundschaltungen für monostabile und bistabile Magnetventile lesen und in ihrer Wirkung auf den Zylinder nachvollziehen

1. Von der reinen Pneumatik zur Elektropneumatik

Stell dir eine pneumatische Steuerung vor, bei der ein Zylinder erst ausfahren soll, wenn drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind – ein Werkstück liegt an, eine Schutztür ist zu, ein Starttaster wurde gedrückt. Rein pneumatisch braucht das eine Kette von Luftventilen, lange Schlauchwege und sorgfältig abgestimmte Drücke. Jeder zusätzliche Schlauchmeter macht die Steuerung langsamer, weil sich der Druck erst aufbauen muss. Und je mehr Logik dazukommt, desto schwerer wird der Schaltplan zu lesen.

Genau hier setzt die Elektropneumatik an. Die Idee ist einfach: Die Signalverarbeitung – also das Erfassen von Tastendrücken, das Verknüpfen von Bedingungen, das Schalten von Logik – übernimmt ein elektrischer Stromkreis. Die Arbeit, das tatsächliche Bewegen der Zylinder mit ordentlich Kraft, bleibt pneumatisch. Elektrische Signale lassen sich über dünne Drähte praktisch verzögerungsfrei über beliebige Strecken führen, sie lassen sich mit Relais und später mit einer SPS beliebig verknüpfen, und sie brauchen kaum Platz.

Damit zerfällt jede elektropneumatische Steuerung in zwei klar getrennte Bereiche:

  • Steuerteil – elektrisch. Hier sitzen Taster, Schalter, Sensoren und Relais. Hier wird entschieden, was passieren soll.
  • Arbeitsteil – pneumatisch. Hier sitzen die Ventile und Zylinder. Hier wird die Entscheidung in Bewegung umgesetzt.

Die Grenze zwischen beiden verläuft an einem einzigen Bauteil. Der elektrische Steuerteil endet an der Spule eines Magnetventils, der pneumatische Arbeitsteil beginnt am Luftanschluss desselben Ventils. Das Magnetventil ist the Wandler, der aus einem elektrischen Signal einen geschalteten Luftweg macht.

Eine Förderanlage soll um mehrere komplexe Verknüpfungen und zusätzliche Bediensignale über große Distanz erweitert werden. Warum spricht das für eine elektropneumatische statt einer rein pneumatischen Lösung?

  • a) Elektrische Signale lassen sich über Drähte nahezu verzögerungsfrei führen und einfach verknüpfen
  • b) Pneumatische Zylinder können keine großen Kräfte aufbringen
  • c) Druckluft ist über große Distanzen nicht herstellbar
  • d) Magnetventile sind grundsätzlich leistungsstärker als Luftventile

Richtig: a)

Der Vorteil der Elektropneumatik liegt in der Signalverarbeitung: Strom in dünnen Drähten ist praktisch trägheitsfrei und mit Relais oder SPS beliebig logisch verknüpfbar, während lange Luftleitungen Verzögerungen erzeugen. b und d sind sachlich falsch – die Kraft kommt weiterhin aus dem pneumatischen Zylinder, der dafür gut geeignet ist. c ist falsch, Druckluft lässt sich sehr wohl über Leitungen verteilen, nur die Signalführung ist das Problem.

In einer elektropneumatischen Steuerung – wo verläuft die Grenze zwischen elektrischem und pneumatischem Teil?

  • a) Am Kompressor
  • b) Am Zylinderkolben
  • c) Am Magnetventil, zwischen Spule und Luftanschluss
  • d) Am Starttaster

Richtig: c)

Das Magnetventil ist das Bindeglied: Sein elektrischer Teil (die Spule) gehört zum Steuerteil, sein pneumatischer Teil (die Luftanschlüsse) zum Arbeitsteil. Der Kompressor (a) liegt komplett im pneumatischen Versorgungsteil, der Zylinder (b) komplett im Arbeitsteil, der Taster (d) komplett im Steuerteil – keiner davon ist die Schnittstelle.

2. Das Magnetventil als Bindeglied

Ein Magnetventil ist im Grunde zwei Bauteile in einem Gehäuse: ein Elektromagnet und ein pneumatisches Wegeventil. Der Elektromagnet besteht aus einer Spule und einem beweglichen Eisenkern, dem Anker. Fließt Strom durch die Spule, entsteht un Magnetfeld, das den Anker hineinzieht. Dieser Anker ist mechanisch mit dem Ventilschieber oder einer Dichtung verbunden. Bewegt sich der Anker, schaltet das Ventil den Luftweg um. Schaltet man den Strom ab, sorgt eine Feder dafür, dass der Anker und damit das Ventil in die Ausgangsstellung zurückkehren.

So wird aus einem elektrischen Signal eine pneumatische Schaltstellung. Die Spule braucht dabei nur einen kleinen Strom, der pneumatisch geschaltete Luftstrom kann dagegen einen großen Zylinder mit voller Kraft versorgen.

Direkt und vorgesteuert

Bei einem direkt wirkenden Magnetventil bewegt der Anker den Ventilschieber unmittelbar. Das funktioniert gut bei kleinen Ventilen. Bei größeren Ventilen reicht die Magnetkraft nicht aus, um den Schieber gegen den anliegenden Luftdruck zu bewegen. Dann arbeitet man vorgesteuert: Ein kleines integriertes Vorsteuerventil wird magnetisch geschaltet und nutzt die vorhandene Druckluft, um das eigentliche Hauptventil umzusteuern. Aus elektrischer Sicht verhält sich ein vorgesteuertes Ventil genauso wie ein direktes – man legt Spannung an die Spule, das Ventil schaltet. Der Unterschied steckt im pneumatischen Innenleben.

Monostabil und bistabil

Ein wichtiger Unterschied für die Ansteuerung ist die Rückstellung:

  • Ein monostabiles Magnetventil hat eine Spule und eine Rückstellfeder. Es schaltet, solange Strom fließt, und fällt beim Abschalten in die Ruhestellung zurück. Es hat also eine stabile Lage – daher der Name. Man muss das Signal dauerhaft anliegen lassen, um die Schaltstellung zu halten.
  • Ein bistabiles Magnetventil – auch Impulsventil genannt – hat zwei Spulen und keine Rückstellfeder. Ein kurzer Stromimpuls auf die erste Spule schaltet es in die eine Lage, ein Impuls auf die zweite Spule in die andere. Beide Lagen sind stabil. Das Ventil bleibt in der zuletzt geschalteten Stellung, auch wenn kein Strom mehr fließt. Es merkt sich seinen Zustand.

Diese Unterscheidung bestimmt später, wie viele Signale und welche Art von Schaltung man braucht. Ein monostabiles Ventil verlangt ein gehaltenes Signal, ein bistabiles kommt mit kurzen Impulsen aus.

Die Anschlüsse der Wegeventile selbst – also ob es sich um ein 3/2-, 5/2- oder anderes Ventil handelt – werden in einem eigenen Beitrag zu den Wegeventilen ausführlich behandelt. Für die Elektropneumatik ist vor allem die elektrische Seite wichtig: die Spule, ihr Anschluss und ob das Ventil ein oder zwei davon hat. Die Spulen werden üblicherweise mit Y und einer Nummer bezeichnet, also Y1, Y2 und so weiter.

Im Schaltplan wird ein Magnetventil pneumatisch wie ein normales Wegeventil dargestellt, an der Betätigungsseite trägt es zusätzlich das Symbol für die magnetische Betätigung – ein Rechteck mit einem diagonalen Strich.

Monostabiles 5/2-Magnetventil – Schaltsymbol 2 4 1 Y1 Feder Spule Y1 unter Strom → Ventil schaltet · Strom aus → Feder stellt zurück

Ein 5/2-Magnetventil hat zwei Spulen und keine Rückstellfeder. Welche Aussage zur Ansteuerung trifft zu?

  • a) Es muss dauerhaft Strom auf einer Spule anliegen, damit die Stellung gehalten wird
  • b) Beide Spulen müssen gleichzeitig bestromt werden
  • c) Es kehrt nach jedem Schaltvorgang in eine Grundstellung zurück
  • d) Ein kurzer Impuls auf eine Spule genügt, das Ventil hält die Stellung anschließend von selbst

Richtig: d)

Ein bistabiles Ventil hat zwei stabile Lagen und keine Feder. Ein kurzer Impuls auf Spule Y1 schaltet in die eine Lage, ein Impuls auf Y2 in die andere; dazwischen hält das Ventil seinen Zustand stromlos. a beschreibt das monostabile Verhalten. b ist falsch und würde zu einem undefinierten Zustand führen. c beschreibt wiederum ein monostabiles Ventil mit Feder.

Warum baut man große Magnetventile meist als vorgesteuerte Ventile aus?

  • a) Weil die direkte Magnetkraft nicht ausreicht, den Schieber gegen den Betriebsdruck zu bewegen
  • b) Weil vorgesteuerte Ventile keinen Strom benötigen
  • c) Weil sie dadurch automatisch bistabil werden
  • d) Weil vorgesteuerte Ventile schneller schalten als jedes direkte Ventil

Richtig: a)

Bei großen Ventilen wirkt eine erhebliche Druckkraft auf den Schieber, die ein kompakter Elektromagnet nicht direkt überwinden kann. Das Vorsteuerventil nutzt deshalb die ohnehin vorhandene Druckluft als Kraftverstärker. b ist falsch, die Vorsteuerspule braucht weiterhin Strom. c ist falsch, Vorsteuerung und Stabilität sind unabhängig. d ist in dieser Pauschalität nicht haltbar.

3. Der elektrische Steuerstromkreis: Taster, Schalter, Relais

Der Steuerteil ist ein ganz normaler Stromkreis, meist mit niedriger Steuerspannung wie 24 V Gleichspannung. Drei Bauteilgruppen tauchen hier immer wieder auf.

Taster geben ein Signal nur, solange man sie betätigt. Lässt man los, fallen sie in ihre Ausgangslage zurück. Es gibt sie als Schließer (im Ruhezustand offen, beim Drücken geschlossen) und als Öffner (im Ruhezustand geschlossen, beim Drücken geöffnet). Ein Schalter dagegen rastet ein und behält seine Stellung, bis man ihn wieder umlegt.

Manche Kontakte vereinen beides als Wechsler: ein gemeinsamer Anschluss, der im Ruhezustand mit dem Öffner-Kontakt verbunden ist und beim Betätigen auf den Schließer-Kontakt umspringt.

Das Relais ist das eigentliche Arbeitspferd der klassischen elektropneumatischen Steuerung. Es ist im Kern selbst ein kleiner Elektromagnet: Eine Spule zieht bei Stromfluss einen Anker an, der einen oder mehrere Kontakte betätigt. Der entscheidende Punkt ist, dass die Spule und die Kontakte elektrisch voneinander getrennt sind. Ein kleines Signal an der Spule kann damit mehrere Kontakte gleichzeitig schalten, und diese Kontakte können in einem anderen Stromkreis liegen als die Spule.

Daraus ergeben sich die drei Hauptaufgaben des Relais im Steuerteil:

  • Signalvervielfältigung – ein Eingangssignal schaltet über mehrere Relaiskontakte gleichzeitig mehrere Stellen.
  • Trennung der Stromkreise – der schwache Steuerstromkreis (z. B. ein empfindlicher Sensor) wird vom stärkeren Stromkreis der Ventilspulen getrennt.
  • Logik – durch Reihen- und Parallelschaltung von Relaiskontakten lassen sich UND- und ODER-Verknüpfungen sowie Verriegelungen aufbauen.

Im Schaltsymbol nach IEC 60617 wird die Relaisspule als Rechteck gezeichnet, die zugehörigen Kontakte erscheinen an anderer Stelle im Plan und tragen dieselbe Bezeichnung wie die Spule.

Relais nach IEC 60617 – Spule und Kontakte Spule K1 A1 / A2 Schließer offen in Ruhe Öffner geschlossen in Ruhe Spule K1 und ihre Kontakte tragen dieselbe Bezeichnung, liegen aber getrennt im Plan

Ein Sonderfall, der häufig auftaucht, ist die Selbsthaltung: Ein Relais hält sich über einen eigenen kontakt selbst unter Strom, nachdem ein kurzer Startimpuls gegeben wurde. Damit lässt sich aus einem kurzen Tastendruck ein dauerhaftes Signal machen – wichtig, um ein monostabiles Ventil im Dauerbetrieb anzusteuern. Die Selbsthaltung ist ein eigenes, größeres Thema und wird gesondert ausführlich behandelt; hier genügt das Prinzip.

Auch die enge Verwandtschaft zwischen Relais und Schütz sei nur kurz erwähnt: Ein Schütz ist im Prinzip ein für höhere Lastströme ausgelegtes Relais und wird im Bereich der Schützsteuerung eigenständig behandelt.

Ein empfindlicher Sensor mit geringer Belastbarkeit soll mehrere Ventilspulen gleichzeitig schalten. Warum schaltet man hier sinnvollerweise über ein Relais?

  • a) Weil das Relais die Ventile schneller macht
  • b) Weil das Relais den Sensorstromkreis vom stärkeren Spulenstromkreis trennt und mehrere Kontakte gleichzeitig schaltet
  • c) Weil der Sensor dadurch ein bistabiles Verhalten bekommt
  • d) Weil ohne Relais kein Gleichstrom verwendet werden darf

Richtig: b)

Das Relais nimmt das schwache Sensorsignal an seiner Spule auf und schaltet mit mehreren elektrisch getrennten Kontakten die Ventilspulen – das schützt den Sensor und vervielfältigt das Signal. a ist falsch, die Schaltgeschwindigkeit des Ventils hängt am Ventil selbst. c und d sind sachlich unzutreffend.

Worin unterscheidet sich ein Taster mit Öffner-Kontakt von einem mit Schließer-Kontakt?

  • a) Der Öffner leitet im Ruhezustand und unterbricht beim Drücken; der Schließer ist umgekehrt
  • b) Der Öffner rastet ein, der Schließer nicht
  • c) Der Öffner arbeitet nur mit Wechselspannung
  • d) Es gibt keinen funktionalen Unterschied, nur die Farbe

Richtig: a)

Ein Öffner ist im unbetätigten Zustand geschlossen und öffnet beim Drücken, ein Schließer ist im Ruhezustand offen und schließt beim Drücken. b verwechselt Taster mit Schalter (das Einrasten betrifft den Schalter). c und d sind falsch.

Was beschreibt der Begriff Selbsthaltung im Steuerstromkreis?

  • a) Ein Relais, das nur schaltet, solange der Taster gedrückt bleibt
  • b) Ein Ventil, das ohne Spule auskommt
  • c) Ein Relais, das sich nach einem kurzen Startimpuls über einen eigenen Kontakt selbst weiter unter Strom hält
  • d) Ein Taster, der mechanisch einrastet

Richtig: c)

Bei der Selbsthaltung überbrückt ein Kontakt des Relais den Starttaster, sodass das Relais nach dem Loslassen über seinen eigenen Kontakt weiter mit Strom versorgt wird. a beschreibt das Gegenteil. b und d treffen das Prinzip nicht.

4. Grundschaltungen: vom Taster zum Zylinderhub

Jetzt fügen sich die Teile zusammen. Im Steuerstromkreis sitzen Taster und Relais, am Ende der Kette steht die Spule eines Magnetventils, und das Magnetventil bewegt den Zylinder. Wie diese Kette konkret aussieht, hängt von zwei Fragen ab: ob man direkt oder indirekt ansteuert und ob das Ventil monostabil oder bistabil ist.

Direkt oder indirekt ansteuern

Bei der direkten elektrischen Ansteuerung schaltet der Taster die Ventilspule unmittelbar. Drückt man den Taster, fließt Strom durch die Spule, das Ventil schaltet; lässt man los, fällt es zurück. Das ist die einfachste Schaltung und genügt, wenn der Taster den Spulenstrom tragen kann, die Leitung kurz ist und keine Logik nötig ist.

Bei der indirekten elektrischen Ansteuerung schaltet der Taster zunächst ein Relais, und erst ein Kontakt dieses Relais schaltet die Ventilspule. Das wirkt umständlicher, hat aber gute Gründe: Der Taster muss nur den kleinen Spulenstrom des Relais tragen, lange Leitungen lassen sich sauber trennen, und über die Relaiskontakte lässt sich beliebige Logik aufbauen – Verriegelungen, UND/ODER-Verknüpfungen und die schon erwähnte Selbsthaltung. In der Praxis wird deshalb fast alles, was über die einfachste Tipp-Funktion hinausgeht, indirekt ausgeführt.

Hier ist auf einen Begriff zu achten: In der reinen Pneumatik bezeichnen „direkte“ und „indirekte“ Ansteuerung die pneumatische Vorsteuerung eines Ventils – das ist ein eigenes Thema und wird gesondert behandelt. In der Elektropneumatik meinen wir mit denselben Wörtern den elektrischen Weg vom Taster zur Spule. Gleiche Begriffe, anderer Bezugspunkt.

Direkte vs. indirekte elektrische Ansteuerung direkt +24V S1 Y1 0V Taster schaltet Spule direkt indirekt +24V S1 K1 K1 Y1 0V Taster schaltet Relais K1, dessen kontakt schaltet Y1

Monostabiles Ventil ansteuern

Steuert man ein monostabiles 5/2-Ventil direkt mit einem Taster, fährt der Zylinder nur aus, solange der Taster gedrückt bleibt. Beim Loslassen fällt die Feder das Ventil zurück, und der Zylinder fährt wieder ein. Das ist die typische Tipp-Funktion, etwa zum vorsichtigen Einrichten.

Soll der Zylinder ausgefahren bleiben, ohne dass jemand den Taster gedrückt hält, braucht man eine Selbsthaltung: Ein Starttaster setzt ein Relais, das sich selbst hält und die Ventilspule dauerhaft mit Strom versorgt; ein Stopptaster unterbricht die Selbsthaltung. So entsteht aus zwei kurzen Tastendrücken ein gehaltenes Signal für das monostabile Ventil.

Bistabiles Ventil ansteuern

Ein bistabiles Ventil verlangt eine andere Logik. Weil es seinen Zustand selbst hält, braucht es kein Dauersignal, sondern zwei kurze Impulse: einer auf Spule Y1 fährt den Zylinder aus, einer auf Spule Y2 fährt ihn ein. Zwei Taster genügen – einer für „vor“, einer für „zurück“. Eine Selbsthaltung ist nicht nötig, weil das Ventil die Stellung von selbst behält.

Wichtig ist hier eine Verriegelung, damit nie beide Spulen gleichzeitig Strom bekommen – das würde einen undefinierten Zustand erzeugen. Solche Verriegelungen über Öffnerkontakte sind ein eigenes Thema und werden gesondert behandelt; das Grundprinzip ist, dass jeder Tastzweig den jeweils anderen blockiert, solange er aktiv ist.

Bistabiles 5/2-Ventil mit zwei Tastern +24V S1 (vor) Y1 S2 (zurück) Y2 0V Impuls auf Y1 → Zylinder fährt aus · Impuls auf Y2 → Zylinder fährt ein · Ventil hält den Zustand

Mit dem folgenden Element kannst du beide Ventiltypen ausprobieren. Drücke die Taster und beobachte, wie sich der Spulenzustand und die Zylinderstellung ändern – und vor allem, was beim Loslassen passiert.

Interaktiv: Ventilansteuerung erleben

Gedrückt halten = ausfahren, loslassen = einfahren
Spule Y1: aus
Zylinder eingefahren

Monostabil: Der Zylinder bleibt nur ausgefahren, solange der Taster gedrückt ist.

Ein monostabiles 5/2-Ventil wird direkt über einen Taster mit Schließer angesteuert. Der Bediener tippt den Taster kurz an und lässt los. Was tut der Zylinder?

  • a) Er fährt aus und bleibt ausgefahren
  • b) Er bewegt sich gar nicht
  • c) Er fährt aus und pendelt mehrfach
  • d) Er fährt kurz aus und sofort wieder ein

Richtig: d)

Beim monostabilen Ventil hält die Feder die Ruhestellung; nur solange Strom fließt, ist das Ventil geschaltet. Beim Loslassen des Tasters fällt das Ventil zurück und der Zylinder fährt ein. a würde eine Selbsthaltung voraussetzen. b und c ergeben sich aus dieser Schaltung nicht.

Warum führt man Steuerungen mit Verriegelungen, Selbsthaltung oder mehreren Bedingungen in der Regel indirekt aus?

  • a) Weil direkte Ansteuerung mit Gleichspannung nicht möglich ist
  • b) Weil nur Relaiskontakte logische Verknüpfungen und eine Trennung der Stromkreise erlauben
  • c) Weil indirekte Schaltungen weniger Bauteile brauchen
  • d) Weil monostabile Ventile keine direkte Ansteuerung zulassen

Richtig: b)

Über Reihen- und Parallelschaltung von Relaiskontakten lassen sich UND/ODER-Logik und Verriegelungen aufbauen, und der Taster wird vom stärkeren Spulenkreis getrennt. a ist falsch. c ist falsch, indirekte Schaltungen brauchen tendenziell mehr Bauteile, sind dafür aber flexibler. d ist falsch.

Bei einem bistabilen Ventil bekommen Y1 und Y2 versehentlich gleichzeitig Strom. Welche Aussage trifft zu?

  • a) Das Ventil schaltet doppelt so schnell
  • b) Der Zylinder fährt mit doppelter Kraft aus
  • c) Es entsteht ein undefinierter Zustand, der durch eine Verriegelung verhindert werden soll
  • d) Die Spulen werden dadurch geschont

Richtig: c)

Werden beide Spulen gleichzeitig angesteuert, ist nicht eindeutig festgelegt, in welche Lage das Ventil geht – deshalb verriegelt man die beiden Zweige gegeneinander. a und b sind physikalisch unsinnig. d ist falsch, gleichzeitige Bestromung schont nichts.

Abschlusstest

Welche funktion übernimmt das Magnetventil in einer elektropneumatischen Steuerung?

  • a) Es wandelt ein elektrisches Signal in einen geschalteten Luftweg
  • b) Es erzeugt die Druckluft
  • c) Es misst den Systemdruck
  • d) Es ersetzt den Kompressor

Richtig: a)

Das Magnetventil ist die Schnittstelle zwischen elektrischem Steuerteil und pneumatischem Arbeitsteil: Strom an der Spule schaltet den Luftweg. b und d übernimmt der Kompressor, c ein Drucksensor.

Ein Ventil hat eine Spule und eine Rückstellfeder. Wie verhält es sich?

  • a) Es ist bistabil und hält jeden Zustand
  • b) Es benötigt zwingend zwei Steuerimpulse
  • c) Es kann nur mit Wechselspannung betrieben werden
  • d) Es ist monostabil und kehrt beim Abschalten in die Ruhelage zurück

Richtig: d)

Eine Spule plus Feder ist das Kennzeichen des monostabilen Ventils. a beschreibt das bistabile Ventil, b gilt fürs bistabile, c ist falsch.

Wozu dient die galvanische Trennung von Spule und Kontakten beim Relais?

  • a) Sie erhöht die Schaltgeschwindigkeit des Zylinders
  • b) Sie macht das Ventil bistabil
  • c) Sie trennt einen schwachen Steuerstromkreis vom stärkeren Laststromkreis
  • d) Sie ersetzt die Rückstellfeder

Richtig: c)

Spule und Kontakte liegen in getrennten Stromkreisen – so kann ein schwaches Signal einen stärkeren Kreis schalten, ohne ihn direkt zu belasten. a, b und d treffen nicht zu.

Ein Taster mit Öffner-Kontakt befindet sich im unbetätigten Zustand. Leitet er Strom?

  • a) Nein, er ist offen
  • b) Ja, er ist im Ruhezustand geschlossen und öffnet erst beim Drücken
  • c) Nur bei Wechselspannung
  • d) Nur wenn ein Relais dazwischenliegt

Richtig: b)

Ein Öffner leitet in Ruhe und unterbricht beim Betätigen – das Gegenteil des Schließers. a beschreibt den Schließer. c und d sind falsch.

Welche Schaltung macht aus einem kurzen Tastendruck ein dauerhaftes Signal für ein monostabiles Ventil?

  • a) Eine Verriegelung
  • b) Eine direkte Ansteuerung
  • c) Ein zweiter Taster
  • d) Eine Selbsthaltung über einen Relaiskontakt

Richtig: d)

Bei der Selbsthaltung überbrückt ein Relaiskontakt den Starttaster und hält das Relais – und damit die Ventilspule – weiter unter Strom. a verhindert unzulässige Kombinationen, b hält das Signal gerade nicht, c allein genügt nicht.

Warum wird ein bistabiles Ventil nicht dauerhaft an einer Spule bestromt?

  • a) Weil es unnötig ist und die Impulsspule überhitzen kann
  • b) Weil die Spule dann das Ventil zerstört
  • c) Weil dann der Zylinder nicht mehr ausfährt
  • d) Weil bistabile Ventile keine Spulen haben

Richtig: a)

Das bistabile Ventil hält seinen Zustand ohnehin; eine Dauerbestromung der für Impulse ausgelegten Spule bringt keinen Nutzen und kann sie thermisch überlasten. b ist überzogen, c ist falsch, d ist sachlich falsch.

In der Elektropneumatik bezeichnet „indirekte Ansteuerung“ welchen Weg?

  • a) Taster → Spule direkt
  • b) Taster → Relais → Ventilspule
  • c) Druckluft → Vorsteuerventil → Hauptventil
  • d) Sensor → Kompressor

Richtig: b)

Elektrisch indirekt heißt: Der Taster schaltet ein Relais, dessen Kontakt erst die Ventilspule schaltet. a ist die direkte Ansteuerung. c beschreibt die pneumatische Vorsteuerung, ein anderes Thema. d ergibt keinen Sinn.

Welche Aussage zum Vergleich monostabil/bistabil ist korrekt?

  • a) Monostabil hat zwei Spulen, bistabil eine
  • b) Bistabil kehrt nach jedem Schalten zur Grundstellung zurück
  • c) Monostabil merkt sich seinen Zustand stromlos
  • d) Monostabil braucht ein gehaltenes Signal, bistabil zwei kurze Impulse

Richtig: d)

Das monostabile Ventil hält die Stellung nur bei anliegendem Strom, das bistabile wird mit Impulsen auf zwei Spulen geschaltet und behält den Zustand. a vertauscht die Spulenzahl, b und c beschreiben das jeweils andere Verhalten.

Ein empfindlicher Näherungsschalter soll drei Ventilspulen gleichzeitig schalten. Welche Lösung ist sinnvoll?

  • a) Den Sensor direkt mit allen drei Spulen verdrahten
  • b) Den Sensor auf ein Relais geben, dessen Kontakte die drei Spulen schalten
  • c) Die Spulen in Reihe an den Sensor hängen
  • d) Auf den Sensor verzichten

Richtig: b)

Das Relais schützt den schwachen Sensor und vervielfältigt sein Signal auf mehrere getrennte Kontakte. a überlastet den Sensor, c führt zu unklaren Spannungsverhältnissen an den Spulen, d ist keine Lösung.

Wo verläuft in der Elektropneumatik die Trennlinie zwischen Steuerteil und Arbeitsteil?

  • a) Zwischen Taster und Relais
  • b) Zwischen Relaisspule und Relaiskontakt
  • c) An der Ventilspule, zwischen elektrischem Signal und geschaltetem Luftweg
  • d) Zwischen Zylinder und Last

Richtig: c)

Der elektrische Steuerteil endet an der Ventilspule, der pneumatische Arbeitsteil beginnt am Luftanschluss des Ventils. a und b liegen beide noch komplett im Steuerteil, d komplett im Arbeitsteil.

Glossar

Elektropneumatik
Steuerungstechnik, bei der die Signalverarbeitung elektrisch erfolgt und nur die Arbeit pneumatisch ausgeführt wird.
Magnetventil
Wegeventil mit elektromagnetischer Betätigung; eine stromdurchflossene Spule zieht einen Anker an und schaltet damit den Luftweg.
Anker
beweglicher Eisenkern im Elektromagneten, der bei Stromfluss in die Spule gezogen wird und das Ventil betätigt.
monostabiles Ventil
Magnetventil mit einer Spule und Rückstellfeder; es hält die Schaltstellung nur, solange Strom fließt, und kehrt sonst in die Ruhelage zurück.
bistabiles Ventil
auch Impulsventil; Magnetventil mit zwei Spulen ohne Rückstellfeder, das mit kurzen Impulsen geschaltet wird und seinen Zustand stromlos behält.
vorgesteuertes Ventil
Magnetventil, bei dem ein kleines magnetisch geschaltetes Hilfsventil die vorhandene Druckluft nutzt, um das größere Hauptventil umzusteuern.
Relais
elektrisch betätigter Schalter; eine Spule schaltet über einen Anker mehrere von ihr galvanisch getrennte Kontakte.
Schließer
Kontakt, der im Ruhezustand offen ist und beim Betätigen schließt.
Öffner
Kontakt, der im Ruhezustand geschlossen ist und beim Betätigen öffnet.
Steuerteil
der elektrische Bereich einer elektropneumatischen Steuerung mit Tastern, Sensoren und Relais zur Signalverarbeitung.
Arbeitsteil
der pneumatische Bereich mit Ventilen und Zylindern, der die eigentliche Bewegung ausführt.
direkte Ansteuerung
elektrischer Weg, bei dem der Taster die Ventilspule unmittelbar schaltet.
indirekte Ansteuerung
elektrischer Weg, bei dem der Taster ein Relais schaltet, dessen Kontakt erst die Ventilspule ansteuert.
Scroll to Top