Logische Verknüpfungen in der Pneumatik
Eine pneumatische Steuerung muss fast immer Bedingungen prüfen, bevor sie etwas tut. Ein Zylinder soll erst ausfahren, wenn ein Werkstück eingelegt ist und die Schutztür geschlossen ist. Eine Presse soll von zwei verschiedenen Stellen aus auslösbar sein. Solche Bedingungen sind nichts anderes als logische Verknüpfungen — UND, ODER, NICHT. In der digitalen Steuerungstechnik erledigt das ein Programm. In der reinen Pneumatik gibt es kein Programm. Stattdessen wird die Logik mechanisch aufgebaut, indem man Ventile geschickt miteinander verschaltet.
Dieser Beitrag zeigt, wie aus einfachen Ventilen logische Funktionen werden, welche Bauteile dafür gedacht sind und wie man eine Steuerungsbedingung Schritt für Schritt in eine Schaltung übersetzt.
Vorwissen
- Wegeventile – Bezeichnung und Funktion
- Boolesche Algebra
- Grundlagen Druckluft und Pneumatik
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die logischen Grundfunktionen UND, ODER und NICHT in pneumatischer Form beschreiben
- erklären, warum für die ODER-Verknüpfung ein Wechselventil und für die UND-Verknüpfung ein Zweidruckventil verwendet wird
- den Unterschied zwischen der Reihenschaltung von Ventilen und einem eigenen Logikventil benennen
- eine in Worten formulierte Steuerungsbedingung in eine Boolesche Form und daraus in eine Ventilschaltung übersetzen
- einen einfachen pneumatischen Logik-Schaltplan lesen
1. Warum logische Verknüpfungen in der Pneumatik?
Jede Steuerung beantwortet im Kern dieselbe Frage: Unter welchen Bedingungen soll etwas passieren? Beim pneumatischen Spannen eines Werkstücks könnte die Bedingung lauten: Der Spannzylinder fährt nur dann vor, wenn der Bediener den Starttaster drückt und gleichzeitig ein Werkstück in der Vorrichtung liegt. Zwei Bedingungen, beide müssen erfüllt sein — eine UND-Verknüpfung.
In der Pneumatik unterscheidet man zwischen zwei Rollen von Bauteilen. Ein Signalglied erzeugt oder verarbeitet ein Drucksignal — etwa ein Taster-Ventil, ein Rollenhebelventil als Endlagentaster oder ein Logikventil. Ein Stellglied ist das Ventil, das letztlich den Arbeitszylinder mit Druckluft versorgt, meist ein größeres Wegeventil. Logische Verknüpfungen spielen sich auf der Signalseite ab: Mehrere Drucksignale werden so kombiniert, dass am Ende ein einziges Steuersignal entsteht, das das Stellglied schaltet.
Ein Drucksignal kennt dabei nur zwei Zustände. Es liegt Druck an, das entspricht logisch 1, oder es liegt kein Druck an, das entspricht 0. Genau diese Zweiwertigkeit macht die Verbindung zur Booleschen Algebra so direkt: Was dort als Wahrheitstabelle steht, lässt sich in der Pneumatik mit Luftdruck nachbauen.
Wie ein einzelnes Wegeventil im Detail aufgebaut ist und wie es angesteuert wird, ist Thema eigener Beiträge. Hier geht es nur darum, wie man mehrere solcher Ventile zu einer Logik zusammensetzt.
In einer pneumatischen Steuerung soll ein Zylinder nur ausfahren, wenn ein Taster gedrückt ist und gleichzeitig ein Werkstück erkannt wird. Welche logische Grundfunktion beschreibt diese Bedingung?
- a) UND-Verknüpfung
- b) ODER-Verknüpfung
- c) NICHT-Verknüpfung
- d) Speicherfunktion
Richtig: a)
Beide Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein, damit die Aktion erfolgt — das ist die Definition der UND-Verknüpfung. Bei ODER würde eine der beiden Bedingungen genügen. NICHT kehrt ein einzelnes Signal um, und eine Speicherfunktion hält einen Zustand, prüft aber keine gleichzeitige Bedingung.
Was unterscheidet ein Signalglied von einem Stellglied in einer pneumatischen Steuerung?
- a) Das Signalglied versorgt den Arbeitszylinder, das Stellglied erzeugt nur Signale
- b) Das Signalglied verarbeitet Steuersignale, das Stellglied versorgt den Arbeitszylinder
- c) Beide haben dieselbe Funktion, der Name hängt nur vom Hersteller ab
- d) Ein Stellglied kommt nur in der Hydraulik vor
Richtig: b)
Signalglieder arbeiten auf der Steuerseite und kombinieren oder erzeugen Drucksignale; das Stellglied ist das leistungsführende Ventil, das den Arbeitszylinder mit Druckluft beaufschlagt. Antwort a vertauscht die Rollen, c und d sind sachlich falsch.
Warum lässt sich pneumatische Logik so direkt mit der Booleschen Algebra beschreiben?
- a) Weil Druckluft sich linear verhält
- b) Weil jedes Ventil intern einen Rechner enthält
- c) Weil ein Drucksignal nur zwei Zustände kennt: Druck oder kein Druck
- d) Weil der Betriebsdruck immer 6 bar beträgt
Richtig: c)
Ein Steuersignal ist zweiwertig — Druck entspricht 1, kein Druck entspricht 0. Diese Zweiwertigkeit ist genau die Grundlage der Booleschen Algebra. Der konkrete Druckwert (a/d) spielt für die Logik keine Rolle, und ein Rechner ist in einem rein pneumatischen Ventil nicht vorhanden.
2. UND-Verknüpfung
Bei der UND-Verknüpfung muss ein Ausgangssignal nur dann anstehen, wenn alle Eingangsbedingungen gleichzeitig erfüllt sind. Logisch geschrieben: A · B = Y. Sobald auch nur eine Bedingung fehlt, fällt das Ausgangssignal weg.
In der Pneumatik gibt es dafür zwei gängige Wege.
Reihenschaltung zweier Ventile. Man schaltet zwei 3/2-Wegeventile (in Ruhestellung gesperrt) hintereinander. Die Druckluft wird in das erste Ventil eingespeist. Dessen Ausgang führt auf den Eingang des zweiten Ventils, dessen Ausgang das Steuersignal liefert. Luft kommt nur dann am Ende an, wenn beide Ventile betätigt sind. Wird eines losgelassen, ist der Weg unterbrochen. Diese Lösung ist einfach und kommt mit ohnehin vorhandenen Wegeventilen aus.
Zweidruckventil (UND-Ventil). Für die UND-Funktion gibt es ein eigenes Bauteil. Das Zweidruckventil hat zwei Eingänge und einen Ausgang. Im Inneren sitzt ein verschiebbarer Kolben oder Steg. Liegt nur an einem Eingang Druck an, schiebt dieser den Steg zur Gegenseite und verschließt den Ausgang. Erst wenn an beiden Eingängen Druck ansteht, wird der Ausgang freigegeben. Liegen die beiden Eingangsdrücke unterschiedlich hoch an, gelangt der niedrigere der beiden zum Ausgang — das Ventil gibt also das schwächere Signal weiter.
Die folgende Darstellung zeigt links die Reihenschaltung zweier 3/2-Wegeventile und rechts das Symbol des Zweidruckventils nach ÖNORM ISO 1219.
Wann nimmt man was? Die Reihenschaltung genügt für einfache Fälle und spart ein Bauteil. Sobald aber dasselbe UND-Signal an mehreren Stellen gebraucht wird oder die Schaltung übersichtlich bleiben soll, ist das Zweidruckventil die sauberere Lösung, weil es die UND-Funktion in einem einzigen, klar erkennbaren Bauteil abbildet.
Bei einem Zweidruckventil liegt an Eingang A ein Druck von 6 bar an, an Eingang B von 4 bar. Was passiert am Ausgang?
- a) Es stehen 4 bar an
- b) Es stehen 6 bar an
- c) Es stehen 10 bar an
- d) Der Ausgang bleibt gesperrt
Richtig: a)
Das Zweidruckventil gibt den Ausgang frei, sobald an beiden Eingängen Druck ansteht — die UND-Bedingung ist erfüllt. Weitergeleitet wird dabei der niedrigere der beiden Drücke, hier also 4 bar. Drücke addieren sich nicht (c), und gesperrt bliebe der Ausgang nur, wenn ein Eingang drucklos wäre (d).
Zwei in Ruhestellung gesperrte 3/2-Wegeventile sind in Reihe geschaltet, um eine UND-Funktion zu bilden. Was geschieht am Ausgang, wenn nur das erste Ventil betätigt wird?
- a) Am Ausgang steht das volle Drucksignal an
- b) Am Ausgang steht das halbe Drucksignal an
- c) Am Ausgang steht kein Signal an, weil das zweite Ventil den Weg sperrt
- d) Am Ausgang steht ein Signal an, sobald irgendeines der Ventile betätigt ist
Richtig: c)
Bei der Reihenschaltung muss die Luft beide Ventile passieren. Ist das zweite Ventil unbetätigt, sperrt es den Durchgang, und am Ausgang kommt nichts an. Ein halbes Signal (b) gibt es bei dieser Schaltlogik nicht; Antwort d beschreibt eine ODER-Verknüpfung.
Warum wird für eine UND-Verknüpfung, die an mehreren Stellen der Steuerung weiterverwendet wird, eher ein Zweidruckventil als die Reihenschaltung gewählt?
- a) Weil die Reihenschaltung mehr Druckluft verbraucht
- b) Weil die Reihenschaltung nur mit 5/2-Wegeventilen funktioniert
- c) Weil das Zweidruckventil die UND-Funktion in einem klar erkennbaren Bauteil bündelt und die Schaltung übersichtlich hält
- d) Weil das Zweidruckventil den Druck verdoppelt
Richtig: c)
Das Zweidruckventil fasst die UND-Logik in einem einzigen Bauteil zusammen, was Schaltpläne lesbarer macht und das Signal an mehreren Stellen verfügbar hält. Der Luftverbrauch (a) ist nicht der entscheidende Grund, die Reihenschaltung ist nicht auf eine Ventilbauart festgelegt (b), und eine Druckverdopplung findet nicht statt (d).
3. ODER-Verknüpfung
Bei der ODER-Verknüpfung steht das Ausgangssignal an, sobald mindestens eine Eingangsbedingung erfüllt ist. Logisch: A + B = Y. Nur wenn alle Eingänge drucklos sind, bleibt der Ausgang ohne Signal.
Der naheliegende Gedanke wäre, einfach zwei Leitungen über ein T-Stück zusammenzuführen. Das funktioniert aber nicht zuverlässig. Speist nämlich nur eine Seite Druck ein, strömt die Luft nicht nur zum gewünschten Ausgang, sondern auch in die andere, gerade drucklose Leitung. Bei vielen Wegeventilen ist in unbetätigtem Zustand der Ausgang mit der Entlüftung verbunden — die Luft strömt then über den Ausgang des nicht betätigten Ventils rückwärts ins Freie, statt am Ausgang des T-Stücks einen sauberen Druck aufzubauen.
Genau dieses Problem löst das Wechselventil (ODER-Ventil). Es hat zwei Eingänge und einen Ausgang. Im Inneren sitzt ein bewegliches Sperrelement, meist eine Kugel oder ein Teller. Kommt von einer Seite Druck, drückt er das Sperrelement auf die gegenüberliegende Öffnung und verschließt sie. Dadurch gelangt die Luft zum Ausgang, kann aber nicht durch den drucklosen zweiten Eingang entweichen. Steht an beiden Eingängen Druck an, wird das Element ohnehin auf eine Seite gedrückt und beide Signale erreichen den Ausgang.
Das Wechselventil ist damit das pneumatische Gegenstück zur ODER-Funktion: Es leitet jedes ankommende Signal zum Ausgang weiter und verhindert gleichzeitig, dass dieses Signal über den nicht aktiven Zweig verloren geht.
Warum eignet sich ein einfaches T-Stück nicht für eine ODER-Verknüpfung zweier Tastersignale?
- a) Weil ein T-Stück den Druck halbiert
- b) Weil die eingespeiste Luft über den drucklosen zweiten Zweig abströmen kann und kein sauberes Signal entsteht
- c) Weil ein T-Stück nur in der Hydraulik zulässig ist
- d) Weil ein T-Stück die beiden Signale addiert
Richtig: b)
Beim T-Stück gibt es kein Sperrelement. Speist nur eine Seite ein, strömt die Luft teilweise in den drucklosen Zweig und über dessen offenen Entlüftungspfad ins Freie — ein zuverlässiges Ausgangssignal kommt nicht zustande. Eine Halbierung oder Addition des Drucks (a/d) findet nicht statt, und die Materialfrage (c) trifft nicht zu.
Welche Aufgabe hat die Kugel im Wechselventil, wenn nur an Eingang A Druck anliegt?
- a) Sie verschließt Eingang A
- b) Sie verschließt den Ausgang
- c) Sie verschließt den drucklosen Eingang B und gibt den Weg von A zum Ausgang frei
- d) Sie bleibt in der Mitte stehen und sperrt alles ab
Richtig: c)
Der Druck von A schiebt die Kugel auf die gegenüberliegende Öffnung B und verschließt diese. So gelangt die Luft von A zum Ausgang, ohne durch den drucklosen Zweig B zu entweichen. Sie verschließt also nicht A oder den Ausgang (a/b) und bleibt nicht mittig stehen (d).
Eine Steuerung soll anlaufen, sobald entweder ein Handtaster oder ein automatisches Freigabesignal ansteht. Welches Bauteil bildet diese Bedingung pneumatisch ab?
- a) Zweidruckventil
- b) Drosselrückschlagventil
- c) Druckbegrenzungsventil
- d) Wechselventil
Richtig: d)
„Entweder das eine oder das andere“ ist eine ODER-Verknüpfung, die pneumatisch durch das Wechselventil realisiert wird. Das Zweidruckventil (a) bildet die UND-Funktion. Drosselrückschlag- (b) und Druckbegrenzungsventil (c) erfüllen ganz andere Aufgaben und haben mit logischer Signalverknüpfung nichts zu tun.
4. NICHT, Speicher und Zeit als ergänzende Funktionen
UND und ODER sind die beiden Verknüpfungen, die man am häufigsten braucht. Drei weitere Funktionen runden das Bild ab. Sie werden hier nur knapp behandelt, weil ihr Schwerpunkt in anderen Themen liegt.
Die NICHT-Verknüpfung kehrt ein Signal um: Liegt am Eingang Druck an, ist der Ausgang drucklos, und umgekehrt. Pneumatisch erreicht man das mit einem in Ruhestellung geöffneten Ventil, also einem 3/2-Wegeventil, das in unbetätigtem Zustand durchlässt und beim Betätigen sperrt. Solange niemand betätigt, steht am Ausgang Druck an. Wird betätigt, fällt der Ausgang weg. Damit lässt sich zum Beispiel die Bedingung „solange kein Werkstück die Lichtschranke unterbricht“ abbilden.
Eine Speicherfunktion merkt sich einen Zustand, auch wenn das auslösende Signal längst wieder weg ist. Realisiert wird das über ein bistabiles Wegeventil, das nach einem kurzen Steuerimpuls in seiner Stellung bleibt, bis ein Impuls von der Gegenseite es zurückschaltet. Wie ein solches Ventil angesteuert wird und wie daraus eine Selbsthaltung entsteht, gehört in den Bereich der Ventilansteuerung.
Eine Zeitverzögerung verbindet ein Drosselrückschlagventil mit einem kleinen Luftspeicher: Die Luft kann nur gedrosselt nachströmen, sodass sich der Druck im Speicher langsam aufbaut und ein nachgeschaltetes Ventil erst nach einer einstellbaren Verzögerung umschaltet. So entsteht ein pneumatisches Zeitglied.
Diese Funktionen lassen sich mit UND und ODER kombinieren und ermöglichen damit auch komplexere Bedingungen — etwa „starte, wenn Taster A und Taster B betätigt sind, aber nicht, solange die Schutztür offen ist“.
Wie wird die NICHT-Funktion pneumatisch realisiert?
- a) Mit einem in Ruhestellung geöffneten Ventil, das beim Betätigen sperrt
- b) Mit einem in Ruhestellung gesperrten Ventil, das beim Betätigen durchlässt
- c) Mit einem Wechselventil
- d) Mit einem Zweidruckventil
Richtig: a)
Die NICHT-Funktion kehrt das Signal um — bei fehlender Betätigung steht der Ausgang unter Druck, beim Betätigen fällt er weg. Das leistet ein in Ruhestellung offenes Ventil. Ein in Ruhestellung gesperrtes Ventil (b) verhält sich genau umgekehrt; Wechsel- und Zweidruckventil (c/d) bilden ODER bzw. UND.
Was kennzeichnet eine pneumatische Speicherfunktion mit einem bistabilen Ventil?
- a) Das Ventil kehrt sofort in die Ausgangslage zurück, sobald das Signal wegfällt
- b) Das Ventil behält seine Stellung, bis ein Impuls von der Gegenseite es zurückschaltet
- c) Das Ventil schaltet zeitverzögert
- d) Das Ventil leitet immer den niedrigeren Eingangsdruck weiter
Richtig: b)
Ein bistabiles Ventil bleibt nach einem kurzen Impuls in seiner Stellung und wird erst durch ein Gegensignal umgeschaltet — so wird ein Zustand gespeichert. Sofortiges Rückstellen (a) beschreibt ein monostabiles Ventil, Zeitverhalten (c) ein Zeitglied, und der niedrigere Druck (d) betrifft das Zweidruckventil.
Aus welchen Bauteilen entsteht ein einfaches pneumatisches Zeitglied für eine Einschaltverzögerung?
- a) Zwei Wechselventile
- b) Ein Zweidruckventil und ein Manometer
- c) Ein bistabiles Ventil allein
- d) Ein Drosselrückschlagventil und ein Luftspeicher
Richtig: d)
Beim pneumatischen Zeitglied füllt sich ein kleiner Speicher über ein Drosselrückschlagventil nur langsam, sodass das nachgeschaltete Ventil verzögert umschaltet. Die anderen Kombinationen erzeugen keine definierte Zeitverzögerung.
5. Verknüpfungen kombinieren — vom Bedienproblem zur Schaltung
In der Praxis steht selten eine einzelne UND- oder ODER-Bedingung allein. Meist müssen mehrere Funktionen zusammenwirken. Der Weg von der Aufgabe zur fertigen Schaltung lässt sich in drei Schritten gehen.
Erstens formuliert man die Bedingung in klaren Worten. Beispiel: Eine Bohrvorrichtung soll vorfahren, wenn der Bediener beide Starttaster gleichzeitig drückt — oder wenn der Einrichter seinen separaten Einrichttaster betätigt.
Zweitens überträgt man das in eine Boolesche Form. Mit den Tastern A und B sowie dem Einrichttaster E ergibt sich:
Y = (A · B) + E
Y … Steuersignal zum Stellglied
A · B … beide Starttaster gleichzeitig (UND)
+ E … oder Einrichttaster (ODER)
Drittens wählt man die Bauteile passend zur Formel. Das UND zwischen A und B wird durch ein Zweidruckventil gebildet. Dessen Ausgang wird zusammen mit dem Signal von E auf ein Wechselventil geführt — das bildet das ODER. Der Ausgang des Wechselventils ist das fertige Steuersignal Y, das das Stellglied schaltet.
Beim Lesen eines fertigen Schaltplans geht man den umgekehrten Weg: Man erkennt an den Symbolen, welche Bauteile verbaut sind, verfolgt die Signalwege von den Eingängen zum Ausgang und liest daraus die logische Bedingung heraus. Pneumatische Schaltzeichen sind dabei einheitlich nach ÖNORM ISO 1219 genormt, sodass ein Plan unabhängig vom Hersteller verständlich bleibt. Die Zuordnung der Symbole und der vollständige Aufbau eines normgerechten Schaltplans sind eigene Themen.
Mit diesem Vorgehen lassen sich auch umfangreichere Steuerungen aufbauen. Solange die Aufgabe sauber in UND-, ODER- und NICHT-Bausteine zerlegen wird, ist die Übersetzung in eine Ventilschaltung am Ende eine reine Fleißaufgabe.
Eine Bedingung lautet Y = (A · B) + E. Mit welcher Bauteilkombination wird sie pneumatisch umgesetzt?
- a) Zwei Zweidruckventile hintereinander
- b) Ein Zweidruckventil für A und B, dessen Ausgang mit E auf ein Wechselventil geführt wird
- c) Ein Wechselventil für A und B, dessen Ausgang mit E auf ein Zweidruckventil geführt wird
- d) Drei Wechselventile parallel
Richtig: b)
Das UND (A · B) bildet ein Zweidruckventil; dessen Ausgang wird mit E über ein Wechselventil ODER-verknüpft. Antwort c vertauscht die beiden Funktionen, a und d bilden die Formel nicht korrekt ab.
Beim Logikprüfer stehen A = 1, B = 0 und E = 0. Welches Ausgangssignal Y ergibt sich aus Y = (A · B) + E?
- a) Y = 1, weil A betätigt ist
- b) Y = 1, weil mindestens ein Eingang betätigt ist
- c) Y = 0, weil weder die UND-Bedingung noch E erfüllt ist
- d) Y = 2, weil zwei Signale anliegen
Richtig: c)
Das UND A · B liefert 1 · 0 = 0, und E ist ebenfalls 0, also bleibt Y = 0. Ein einzelnes betätigtes A genügt hier nicht, weil A nur über die UND-Verknüpfung mit B wirkt. Ein Logiksignal kann zudem nur 0 oder 1 sein (d).
Wann ist eine rein pneumatische Logiklösung gegenüber einer elektrischen Steuerung im Vorteil?
- a) Wenn sehr viele Bedingungen und veränderliche Abläufe zu verarbeiten sind
- b) Wenn Zählvorgänge im Mittelpunkt stehen
- c) Wenn die Steuerung später häufig umprogrammiert werden soll
- d) Wenn nur wenige Bedingungen zu verknüpfen sind und der Bereich feucht oder explosionsgefährdet ist
Richtig: d)
Bei wenigen Verknüpfungen ist eine Ventillogik robust, wartungsarm und stromlos — ein echter Vorteil in feuchten oder explosionsgefährdeten Umgebungen. Viele Bedingungen, Zähler oder häufige Änderungen (a/b/c) sprechen dagegen klar für eine elektrische oder speicherprogrammierbare Lösung.
Welcher Schritt steht beim Entwurf einer pneumatischen Logikschaltung an erster Stelle?
- a) Die Bauteile aus dem Katalog auswählen
- b) Den Schaltplan zeichnen
- c) Den Betriebsdruck festlegen
- d) Die Steuerungsbedingung klar in Worten formulieren
Richtig: d)
Bevor man Bauteile wählt oder zeichnet, muss die Bedingung eindeutig in Worten feststehen — daraus folgt die Boolesche Form und erst daraus die Bauteilauswahl. Bauteilwahl (a) und Schaltplan (b) sind spätere Schritte, der Betriebsdruck (c) betrifft nicht die Logik.
Abschlusstest
Ein Stanzautomat soll nur dann auslösen, wenn beide Bedienhände jeweils einen weit auseinanderliegenden Taster gedrückt halten. Welche pneumatische Verknüpfung liegt dieser Zweihandschaltung zugrunde?
- a) UND-Verknüpfung mit Zweidruckventil
- b) ODER-Verknüpfung mit Wechselventil
- c) NICHT-Verknüpfung mit Öffnerventil
- d) Speicherfunktion mit bistabilem Ventil
Richtig: a)
Beide Taster müssen gleichzeitig betätigt sein — das ist eine UND-Verknüpfung, pneumatisch über das Zweidruckventil. Eine ODER-Lösung (b) würde schon bei einer Hand auslösen und wäre sicherheitstechnisch sinnlos; NICHT und Speicher (c/d) treffen die Bedingung nicht.
An einem Wechselventil liegt an Eingang A ein Druck von 5 bar, an Eingang B kein Druck. Welche Aussage trifft zu?
- a) Der Ausgang bleibt drucklos, weil B fehlt
- b) Am Ausgang stehen 2,5 bar an
- c) Die Kugel sperrt B ab, und am Ausgang stehen 5 bar an
- d) Die Luft entweicht über B ins Freie
Richtig: c)
Beim Wechselventil schiebt der Druck von A die Kugel auf die Öffnung B und verschließt sie, sodass die 5 bar zum Ausgang gelangen, ohne über B zu entweichen. Genau dieses Absperren unterscheidet das Wechselventil vom T-Stück (d). Es fehlt kein Signal (a), und der Druck wird nicht geteilt (b).
Warum darf eine ODER-Verknüpfung zweier Signalleitungen nicht einfach mit einem T-Stück gebaut werden?
- a) Weil das T-Stück den Druck zu stark erhöht
- b) Weil ein T-Stück die Signale invertiert
- c) Weil ein T-Stück nur zwei Anschlüsse besitzt
- d) Weil bei Einspeisung von einer Seite die Luft über den drucklosen Zweig abströmen kann
Richtig: d)
Ohne Sperrelement strömt die Luft beim T-Stück teilweise in die nicht aktive Leitung und über deren offenen Entlüftungspfad ins Freie, sodass kein zuverlässiges Ausgangssignal entsteht. Eine Druckerhöhung oder Invertierung (a/b) findet nicht statt, und ein T-Stück hat drei Anschlüsse (c).
Bei einem Zweidruckventil liegen an den beiden Eingängen 6 bar und 5 bar an. Welcher Druck erscheint am Ausgang?
- a) 6 bar
- b) 5 bar
- c) 11 bar
- d) 1 bar
Richtig: b)
Die UND-Bedingung ist erfüllt, weil an beiden Eingängen Druck ansteht. Das Zweidruckventil leitet dabei den niedrigeren der beiden Drücke weiter, hier also 5 bar. Drücke addieren oder subtrahieren sich nicht (c/d).
Eine Steuerungsbedingung lautet: „Y soll anstehen, solange die Schutztür nicht geöffnet ist.“ Mit welcher Grundfunktion wird das umgesetzt?
- a) NICHT-Verknüpfung mit einem in Ruhestellung offenen Ventil
- b) UND-Verknüpfung
- c) ODER-Verknüpfung
- d) Speicherfunktion
Richtig: a)
„Solange nicht geöffnet“ ist eine Negation eines einzelnen Signals — die NICHT-Funktion, realisiert durch ein in Ruhestellung offenes Ventil, das bei Betätigung (Tür offen) sperrt. UND/ODER verknüpfen mehrere Signale (b/c), eine Speicherfunktion hält einen Zustand (d).
Welche Aussage zum Unterschied zwischen Reihenschaltung und Zweidruckventil bei der UND-Funktion is richtig?
- a) Nur das Zweidruckventil bildet überhaupt eine UND-Funktion
- b) Die Reihenschaltung liefert ein stärkeres Ausgangssignal
- c) Beide bilden die UND-Funktion; das Zweidruckventil bündelt sie in einem Bauteil und bleibt übersichtlicher
- d) Die Reihenschaltung funktioniert nur mit Wechselventilen
Richtig: c)
Sowohl die Reihenschaltung zweier gesperrter 3/2-Wegeventile als auch das Zweidruckventil bilden eine UND-Funktion; das eigene Bauteil macht die Schaltung lesbarer und das Signal leichter mehrfach nutzbar. Antwort a ist falsch, ein stärkeres Signal entsteht nicht (b), und Wechselventile (d) gehören zur ODER-Funktion.
Eine Anlage soll von zwei getrennten Bedienpulten aus gestartet werden können. Welches Logikventil gehört in den Signalweg?
- a) Zweidruckventil
- b) Drosselrückschlagventil
- c) Druckbegrenzungsventil
- d) Wechselventil
Richtig: d)
„Von der einen oder der anderen Stelle“ ist eine ODER-Bedingung, also ein Wechselventil. Das Zweidruckventil (a) würde verlangen, dass beide Pulte gleichzeitig betätigt werden; die übrigen Ventile (b/c) erfüllen keine Logikaufgabe.
Für die Bedingung Y = (A · B) + E wird zuerst A · B gebildet. Welches Ventil übernimmt diesen Teilschritt und was geschieht mit seinem Ausgang?
- a) Ein Wechselventil; sein Ausgang geht direkt zum Stellglied
- b) Ein Zweidruckventil; sein Ausgang wird mit E auf ein Wechselventil geführt
- c) Ein Öffnerventil; sein Ausgang wird invertiert
- d) Ein bistabiles Ventil; sein Ausgang wird gespeichert
Richtig: b)
A · B is eine UND-Verknüpfung, also ein Zweidruckventil. Da die Gesamtbedingung dieses Ergebnis mit E ODER-verknüpft, läuft der Ausgang auf ein Wechselventil. Die anderen Varianten setzen die Formel falsch um.
Welche Umgebungsbedingung spricht besonders für eine rein pneumatische Logiklösung statt einer elektrischen Steuerung?
- a) Eine explosionsgefährdete oder feuchte Umgebung
- b) Eine klimatisierte, trockene Schaltwarte
- c) Eine Anlage mit häufig wechselnden Programmabläufen
- d) Eine Steuerung mit vielen Zählvorgängen
Richtig: a)
Eine stromlose Ventillogik ist in feuchten oder explosionsgefährdeten Bereichen vorteilhaft, weil keine elektrischen Funken oder empfindliche Elektronik nötig sind. Trockene Schaltwarten (b) sind für beide Lösungen unkritisch; wechselnde Abläufe und Zähler (c/d) sprechen für eine elektrische oder speicherprogrammierbare Steuerung.
Ein pneumatischer Logikplan zeigt zwei Eingangssignale, die auf ein Bauteil mit innenliegender Kugel führen, dessen Ausgang ein Wegeventil schaltet. Welche Funktion erfüllt dieses Bauteil?
- a) UND-Verknüpfung
- b) Zeitverzögerung
- c) ODER-Verknüpfung
- d) Druckbegrenzung
Richtig: c)
Das innenliegende Kugelsperrelement ist das Kennzeichen des Wechselventils, das die ODER-Funktion bildet. Das Zweidruckventil (UND) arbeitet mit einem verschiebbaren Steg statt einer freien Kugel; Zeitverzögerung und Druckbegrenzung (b/d) haben andere Symbole und Aufgaben.
Was ist der erste sinnvolle Arbeitsschritt, wenn aus einer Steuerungsaufgabe eine pneumatische Logikschaltung entstehen soll?
- a) Den Schaltplan nach ÖNORM ISO 1219 zeichnen
- b) Die Zylindergröße berechnen
- c) Den Kompressor auslegen
- d) Die Bedingung in Worten und anschließend als Boolesche Form festhalten
Richtig: d)
Zuerst muss klar sein, was verknüpft werden soll. Die verbale Bedingung wird in eine Boolesche Form gebracht, aus der sich die Bauteilauswahl ergibt. Das Zeichnen (a) folgt später, und Zylinder- oder Kompressorauslegung (b/c) betreffen nicht die Logik.
Ein bistabiles Ventil wird in einer Steuerung als Speicher eingesetzt. Was passiert, nachdem ein kurzer Setz-Impuls das Ventil umgeschaltet hat und dieser Impuls wieder wegfällt?
- a) Das Ventil kehrt sofort in die Ausgangsstellung zurück
- b) Das Ventil bleibt in der umgeschalteten Stellung, bis ein Gegenimpuls kommt
- c) Das Ventil schaltet im Sekundentakt hin und her
- d) Das Ventil entlüftet den gesamten Kreis
Richtig: b)
Ein bistabiles Ventil hält seine Stellung auch ohne anstehendes Signal und wird erst durch einen Impuls von der Gegenseite zurückgeschaltet — genau das macht es als Speicher brauchbar. Sofortiges Rückstellen (a) wäre monostabiles Verhalten; c/d beschreiben kein Speicherverhalten.
Glossar
- Logische Verknüpfung
- Verknüpfung mehrerer Steuersignale nach Regeln wie UND, ODER oder NICHT, um aus Bedingungen ein eindeutiges Ausgangssignal zu bilden.
- Signalglied
- Bauteil auf der Steuerseite, das Drucksignale erzeugt oder verarbeitet, etwa ein Taster- oder Logikventil.
- Stellglied
- leistungsführendes Ventil, das den Arbeitszylinder mit Druckluft versorgt.
- UND-Verknüpfung
- logische Funktion, bei der das Ausgangssignal nur ansteht, wenn alle Eingangsbedingungen gleichzeitig erfüllt sind (A · B = Y).
- Zweidruckventil
- pneumatisches Bauteil mit zwei Eingängen und einem Ausgang, das die UND-Funktion bildet und den niedrigeren der beiden Eingangsdrücke weiterleitet.
- ODER-Verknüpfung
- logische Funktion, bei der das Ausgangssignal ansteht, sobald mindestens eine Eingangsbedingung erfüllt ist (A + B = Y).
- Wechselventil
- pneumatisches Bauteil mit zwei Eingängen und einem Ausgang, das die ODER-Funktion bildet; ein Sperrelement verschließt jeweils die drucklose Seite.
- NICHT-Verknüpfung
- logische Funktion, die ein Signal umkehrt; pneumatisch durch ein in Ruhestellung offenes Ventil realisiert.
- Speicherfunktion
- Halten eines Schaltzustands über ein bistabiles Ventil, auch nachdem das auslösende Signal weggefallen ist.
