Wirkungsgrad
Jede Maschine, jeder Antrieb, jede Energiewandlung kostet etwas. Was reinkommt, kommt nie vollständig als Nutzen wieder heraus. Der Wirkungsgrad ist die Zahl, die dieses Verhältnis beschreibt — und damit eine der wichtigsten Kennzahlen, wenn es darum geht, Maschinen zu bewerten, Antriebe auszulegen und Energiekosten einzuschätzen.
Vorwissen
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- Den Wirkungsgrad als Verhältnis von abgegebener zu zugeführter Leistung definieren
- Wirkungsgrad aus Leistung, Arbeit oder Verlustleistung berechnen
- Den Gesamtwirkungsgrad einer mehrstufigen Energiewandlung bestimmen
- Typische Wirkungsgrade verschiedener Maschinen einordnen
- Wirkungsgrad und Leistungsfaktor cos φ klar voneinander unterscheiden
1. Was ist der Wirkungsgrad?
Steck eine Glühlampe in die Fassung, schließ sie ans Netz an, und du fütterst sie mit 60 W elektrischer Leistung. Was hinten herauskommt, ist Licht — aber nicht 60 W davon. Der Großteil der Energie verschwindet als Wärme, nur ein kleiner Rest leuchtet. Genau dieses Verhältnis „Was kommt heraus, gemessen an dem, was reingesteckt wurde?“ ist der Wirkungsgrad.
Der Wirkungsgrad ist also nichts anderes als ein Verhältnis: abgegebene Leistung geteilt durch zugeführte Leistung. Er wird mit dem griechischen Buchstaben η (eta) bezeichnet.
Weil sich Watt durch Watt kürzt, hat der Wirkungsgrad keine Einheit. Er wird entweder als Dezimalzahl (z.B. 0,85) oder als Prozentwert (85 %) angegeben — beides bedeutet das Gleiche.
Genauso lässt sich der Wirkungsgrad über die Energie ausdrücken, denn Energie ist nichts anderes als Leistung mal Zeit. Über einen bestimmten Zeitraum gilt:
Und eine Eigenschaft ist absolut wichtig: Der Wirkungsgrad ist immer kleiner als 1 (bzw. kleiner als 100 %). Ein η von genau 1 würde bedeuten, dass keine Energie verloren geht — das widerspricht der physikalischen Realität. Ein η größer als 1 wäre ein Perpetuum Mobile, also unmöglich.
η = P_ab / P_zu
- η … Wirkungsgrad, dimensionslos
- P_ab … abgegebene Leistung in Watt (W)
- P_zu … zugeführte Leistung in Watt (W)
η = W_ab / W_zu
- W_ab … abgegebene Arbeit/Energie in Joule (J) oder Wattstunden (Wh)
- W_zu … zugeführte Arbeit/Energie in Joule (J) oder Wattstunden (Wh)
Welche Aussage zum Wirkungsgrad η ist korrekt?
- a) η hat die Einheit Watt
- b) η kann größer als 1 sein, wenn die Maschine besonders effizient läuft
- c) η ist dimensionslos und immer kleiner als 1
- d) η ist nur für elektrische Maschinen definiert
Richtig: c)
η ist als Verhältnis zweier Leistungen oder Energien dimensionslos. Ein η ≥ 1 ist physikalisch unmöglich, weil das einem Perpetuum Mobile gleichkäme. Wirkungsgrade gibt es bei allen Energiewandlern, nicht nur bei elektrischen Maschinen.
Eine Maschine hat einen Wirkungsgrad von 75 %. Was bedeutet das?
- a) Von der zugeführten Energie kommen 75 % als Nutzen heraus, 25 % gehen als Verluste verloren
- b) Die Maschine wird 75 % der Zeit benutzt und 25 % der Zeit steht sie still
- c) Die Maschine verliert 75 % der Energie als Wärme
- d) Die Maschine braucht 75 % mehr Energie als die Nutzleistung beträgt
Richtig: a)
Der Wirkungsgrad bezieht sich immer auf das Verhältnis Nutzen zu Aufwand. 75 % heißt: drei Viertel der eingebrachten Energie werden in die gewünschte Energieform gewandelt, das restliche Viertel ist Verlust.
Welche Variante zur Angabe eines Wirkungsgrads von 0,92 ist gleichwertig?
- a) 92 W
- b) 92 J
- c) 9,2 %
- d) 92 %
Richtig: d)
0,92 als Dezimalzahl entspricht 92 %. Die Multiplikation mit 100 wandelt den Dezimalwert in die Prozentdarstellung um. Watt und Joule sind Einheiten von Leistung bzw. Energie, nicht des dimensionslosen Wirkungsgrads.
2. Verluste – wohin geht die Energie?
Wenn nur ein Teil der Energie als Nutzen herauskommt, was passiert mit dem Rest? Hier hilft ein fundamentaler Satz der Physik: Energie kann weder erzeugt noch vernichtet werden, sondern nur in andere Energieformen umgewandelt werden. Das heißt: Die „verlorene“ Energie ist nicht weg — sie wird nur in eine Form gewandelt, die für unseren Zweck nutzlos ist. Meistens ist das Wärme.
Aus dieser Energieerhaltung ergibt sich eine einfache Bilanz:
Die Verlustleistung P_V ist also genau das, was aus der zugeführten Leistung „abgezweigt“ wird, ohne dass es als gewünschter Nutzen am Ausgang erscheint. Wo diese Verluste entstehen, hängt von der Art der Maschine ab. Typische Verlustarten:
- Reibungsverluste entstehen in Lagern, Zahnrädern, Dichtungen — überall dort, wo sich bewegte Teile berühren. Sie werden zu Wärme.
- Stromwärmeverluste (oft auch Kupferverluste genannt) entstehen in stromdurchflossenen Leitern, weil jeder elektrische Widerstand Verlustleistung in Wärme umsetzt.
- Magnetische Verluste (Eisenverluste) treten in Eisenkernen von Transformatoren und Motoren auf, durch Ummagnetisierung und Wirbelströme.
- Strömungsverluste entstehen in Pumpen, Ventilatoren und Hydrauliksystemen durch Verwirbelungen und Reibung des Mediums.
- Wärmestrahlungs- und Konvektionsverluste treten überall dort auf, wo eine heiße Maschine ihre Umgebung mit aufheizt.
Anschaulich lässt sich die Energiebilanz mit einem Sankey-Diagramm darstellen. Dabei steht die Breite eines Pfeils für die Menge an Energie, die in diese Richtung fließt. So sieht man auf einen Blick, welcher Anteil als Nutzen herauskommt und welcher als Verlust.
Die Pfeilbreiten sind exakt proportional zum Energieanteil — das ist der Kern eines Sankey-Diagramms. Auf einen Blick wird sichtbar: 85 % der eingespeisten elektrischen Leistung kommen als mechanische Wellenleistung heraus, 15 % verteilen sich auf Stromwärme und Reibung.
P_zu = P_ab + P_V
- P_zu … zugeführte Leistung in W
- P_ab … abgegebene (Nutz-)Leistung in W
- P_V … Verlustleistung in W
Welche Aussage zur Verlustleistung P_V ist korrekt?
- a) P_V wird gegen Null gehen, wenn die Maschine warm wird
- b) P_V ist die Differenz zwischen zugeführter und abgegebener Leistung
- c) P_V kann durch geschickte Konstruktion vollständig auf Null gebracht werden
- d) P_V ist immer mindestens so groß wie die Nutzleistung P_ab
Richtig: b)
Direkt aus der Energiebilanz P_zu = P_ab + P_V folgt P_V = P_zu − P_ab. Verluste lassen sich minimieren, aber niemals vollständig vermeiden — ein verlustfreier Energiewandler wäre ein Perpetuum Mobile.
Welche Aussage zu Stromwärmeverlusten ist korrekt?
- a) Sie entstehen nur bei Wechselstrom
- b) Sie treten nur in Transformatoren auf
- c) Sie sind unabhängig vom Strom
- d) Sie entstehen in jedem stromdurchflossenen Leiter mit elektrischem Widerstand
Richtig: d)
Stromwärmeverluste — manchmal auch Kupferverluste genannt — entstehen überall dort, wo Strom durch einen Widerstand fließt. Sie sind proportional zum Quadrat des Stroms und treten in Wicklungen, Leitungen und Anschlüssen auf, unabhängig von der Stromart.
In welcher Energieform wird der weitaus größte Teil der Verlustleistung in den meisten Maschinen abgegeben?
- a) Wärme
- b) Schall
- c) Sichtbares Licht
- d) Mechanische Schwingung
Richtig: a)
Bei nahezu allen Energiewandlern landen Verluste letztlich als Wärme — sei es durch Reibung, durch ohmsche Widerstände oder durch magnetische Effekte. Schall und Schwingungen sind in der Bilanz fast vernachlässigbar.
3. Wirkungsgrad berechnen
Mit den Definitionen aus Kapitel 1 und der Energiebilanz aus Kapitel 2 lässt sich der Wirkungsgrad auf mehreren Wegen berechnen — je nachdem, welche Größen bekannt sind.
Aus Leistung:
Aus Arbeit oder Energie:
Aus der Verlustleistung:
Wenn statt der Nutzleistung die Verlustleistung bekannt ist, kann der Wirkungsgrad auch so berechnet werden:
Diese Form ist nützlich, wenn man beispielsweise die Erwärmung eines Motors gemessen hat und daraus auf die Verlustleistung schließt.
Wichtig beim Rechnen: Die Einheiten müssen stimmen. Steht eine Leistung in kW und die andere in W, vorher umrechnen. Steht eine Energie in kWh und die andere in J, ebenfalls umrechnen. Andernfalls kommen Faktor-1000-Fehler heraus.
η = P_ab / P_zu
- P_ab … abgegebene Leistung in W
- P_zu … zugeführte Leistung in W
η = W_ab / W_zu
- W_ab … abgegebene Arbeit in J oder Wh
- W_zu … zugeführte Arbeit in J oder Wh
η = 1 – P_V / P_zu
- P_V … Verlustleistung in W
- P_zu … zugeführte Leistung in W
Gelöstes Beispiel
Ein Elektromotor nimmt 2,5 kW elektrische Leistung auf und gibt 2,2 kW mechanische Leistung an der Welle ab. Berechne den Wirkungsgrad und die Verlustleistung.
Gegeben: P_zu = 2,5 kW = 2500 W; P_ab = 2,2 kW = 2200 W
Gesucht: η und P_V
Lösungsweg:
- Wirkungsgrad: η = P_ab / P_zu = 2200 W / 2500 W = 0,88 = 88 %
- Verlustleistung: P_V = P_zu − P_ab = 2500 W − 2200 W = 300 W
Ergebnis: η = 0,88 (88 %), P_V = 300 W
Übungen
Eine Lampe nimmt 60 W auf und gibt 6 W als Lichtleistung ab. Wie groß ist der Wirkungsgrad?
η = 6 / 60 = 0,1 = 10 %
Ein Motor hat eine zugeführte Leistung von 5 kW und eine Verlustleistung von 750 W. Wie groß sind die abgegebene Leistung und der Wirkungsgrad?
P_ab = 5000 W − 750 W = 4250 W = 4,25 kW; η = 4250 / 5000 = 0,85 = 85 %
Eine Pumpe gibt 3 kW Förderleistung ab bei einem Wirkungsgrad von 75 %. Welche elektrische Leistung wird aufgenommen?
P_zu = P_ab / η = 3 kW / 0,75 = 4 kW
Ein Getriebemotor läuft 8 Stunden täglich mit einer aufgenommenen elektrischen Leistung von 4 kW. Der Wirkungsgrad beträgt 80 %. Wie viel elektrische Arbeit, Nutzarbeit und Verlustarbeit fallen pro Tag an?
W_zu = 4 kW · 8 h = 32 kWh; W_ab = 32 kWh · 0,80 = 25,6 kWh; W_V = 32 − 25,6 = 6,4 kWh
Ein Transformator nimmt 2400 W auf und gibt 2280 W ab. Wie viel kostet die jährliche Verlustenergie bei 8000 Betriebsstunden und einem Strompreis von 0,25 €/kWh?
P_V = 2400 − 2280 = 120 W = 0,12 kW; W_V = 0,12 kW · 8000 h = 960 kWh; Kosten = 960 · 0,25 = 240 €
Ein Antrieb nimmt 800 W auf und hat eine Verlustleistung von 120 W. Wie hoch ist der Wirkungsgrad?
- a) 0,15
- b) 1,15
- c) 0,85
- d) 0,12
Richtig: c)
η = 1 − P_V/P_zu = 1 − 120/800 = 1 − 0,15 = 0,85. Alternativ: P_ab = 800 − 120 = 680 W, η = 680/800 = 0,85.
Eine Maschine liefert 9 kWh nutzbare Energie und hat einen Wirkungsgrad von 60 %. Welche Energie wurde zugeführt?
- a) 5,4 kWh
- b) 15 kWh
- c) 3,6 kWh
- d) 60 kWh
Richtig: b)
Aus η = W_ab / W_zu folgt W_zu = W_ab / η = 9 / 0,6 = 15 kWh. Aufgepasst: Bei η < 1 ist W_zu immer größer als W_ab.
Welche der folgenden Rechnungen ist falsch?
- a) η = P_ab / P_zu
- b) η = 1 − P_V / P_zu
- c) η = W_ab / W_zu
- d) η = P_zu / P_ab
Richtig: d)
Antwort d) dreht das Verhältnis um und liefert einen Wert größer als 1 — das ist nie ein Wirkungsgrad. Die Reihenfolge muss immer „abgegeben durch zugeführt“ sein.
4. Gesamtwirkungsgrad bei mehreren Stufen
Eine einzelne Maschine alleine ist in der Praxis selten. Meist sind mehrere Energiewandler hintereinander geschaltet: ein Motor treibt über ein Getriebe einen Riementrieb an, der wiederum eine Spindel bewegt. Jede Stufe hat ihren eigenen Wirkungsgrad — und jede Stufe knabbert ein Stück von der Energie ab, die in sie hineinfließt.
Die entscheidende Regel:
Die Einzelwirkungsgrade werden multipliziert, nicht addiert. Das ist logisch: Die abgegebene Leistung der ersten Stufe ist die zugeführte Leistung der zweiten Stufe. Was die zweite Stufe weiterreicht, ist also nur noch der entsprechende Anteil davon, und so weiter durch die ganze Kette.
Ein Beispiel mit drei Stufen, jede mit η = 0,9:
Obwohl jede einzelne Stufe einen ordentlichen Wirkungsgrad von 90 % hat, fällt der Gesamtwirkungsgrad auf knapp 73 % ab. Bei vier Stufen wären es nur noch 0,9⁴ ≈ 0,656 oder etwa 66 %. Das macht deutlich, warum bei langen Antriebssträngen jede Einzelstufe zählt.
η_ges = η_1 · η_2 · η_3 · … · η_n
- η_ges … Gesamtwirkungsgrad
- η_1, η_2, … … Einzelwirkungsgrade der Stufen
η_ges = 0,9 · 0,9 · 0,9 = 0,729
Gelöstes Beispiel
Ein Antriebsstrang besteht aus einem Elektromotor (η_1 = 0,90), einem Getriebe (η_2 = 0,95) und einem Riementrieb (η_3 = 0,92). Welche mechanische Leistung steht am Ende zur Verfügung, wenn der Motor 5 kW elektrisch aufnimmt?
Gegeben: η_1 = 0,90; η_2 = 0,95; η_3 = 0,92; P_zu = 5 kW = 5000 W
Gesucht: η_ges und P_ab am Strangende
Lösungsweg:
- Gesamtwirkungsgrad: η_ges = η_1 · η_2 · η_3 = 0,90 · 0,95 · 0,92 = 0,7866
- Abgegebene Leistung: P_ab = P_zu · η_ges = 5000 W · 0,7866 ≈ 3933 W ≈ 3,93 kW
Ergebnis: η_ges ≈ 0,79 (79 %), P_ab ≈ 3,93 kW
Übungen
Ein dreistufiger Antrieb hat die Einzelwirkungsgrade 0,95, 0,90 und 0,80. Berechne den Gesamtwirkungsgrad.
η_ges = 0,95 · 0,90 · 0,80 = 0,684 ≈ 68,4 %
Ein Pumpenantrieb besteht aus einem Motor (η = 88 %) und einer Pumpe (η = 70 %). Welche elektrische Leistung wird benötigt, um 4 kW hydraulische Leistung zu erzeugen?
η_ges = 0,88 · 0,70 = 0,616; P_zu = 4 kW / 0,616 ≈ 6,49 kW
Eine Spindelantriebskette hat einen Gesamtwirkungsgrad von 75 %. Motor und Getriebe haben zusammen einen Wirkungsgrad von 85 %. Wie hoch ist der Wirkungsgrad der Spindel?
η_Spindel = η_ges / (η_Motor · η_Getriebe) = 0,75 / 0,85 ≈ 0,882 ≈ 88,2 %
In einer mehrstufigen Anlage werden 10 kW eingespeist, am Ende stehen 5,5 kW Nutzleistung zur Verfügung. Wie groß ist der Gesamtwirkungsgrad und wie viel Verlustleistung fällt insgesamt an?
η_ges = 5,5 / 10 = 0,55 = 55 %; P_V_ges = 10 − 5,5 = 4,5 kW
Ein vierstufiger Antriebsstrang hat die Einzelwirkungsgrade 0,92, 0,95, 0,90 und 0,88. Wie viel Verlustleistung entsteht insgesamt bei einer Eingangsleistung von 7,5 kW?
η_ges = 0,92 · 0,95 · 0,90 · 0,88 ≈ 0,6924; P_ab = 7500 · 0,6924 ≈ 5193 W; P_V = 7500 − 5193 ≈ 2307 W ≈ 2,31 kW
Drei Wandler mit Einzelwirkungsgraden 0,80, 0,90 und 0,95 sind in Reihe geschaltet. Wie groß ist der Gesamtwirkungsgrad?
- a) 2,65
- b) 0,88
- c) 0,684
- d) 0,80
Richtig: c)
η_ges = 0,80 · 0,90 · 0,95 = 0,684. Addition (2,65) und Mittelwert (0,88) sind beide falsch. Die richtige Operation ist immer das Produkt.
Ein Antriebsstrang besteht aus zwei Stufen. Stufe 1 hat η = 0,9, Stufe 2 hat η = 0,8. Wie wirkt sich eine Verbesserung von Stufe 2 auf η = 0,9 aus?
- a) η_ges steigt von 0,72 auf 0,81
- b) η_ges steigt von 0,72 auf 0,90
- c) η_ges steigt von 1,7 auf 1,8
- d) η_ges bleibt gleich, weil Stufe 1 limitiert
Richtig: a)
Vorher: 0,9 · 0,8 = 0,72. Nachher: 0,9 · 0,9 = 0,81. Eine Verbesserung in einer Stufe wirkt sich multiplikativ auf den Gesamtwirkungsgrad aus.
Ein Motor (η_M = 0,90) treibt über ein Getriebe (η_G = 0,95) eine Maschine an. An der Maschine werden 1,5 kW benötigt. Welche elektrische Leistung muss der Motor aufnehmen?
- a) 1,425 kW
- b) 1,754 kW
- c) 1,5 kW
- d) 1,650 kW
Richtig: b)
η_ges = 0,90 · 0,95 = 0,855. P_zu = P_ab / η_ges = 1,5 / 0,855 ≈ 1,754 kW. Wer 1,5 / (0,9 + 0,95) rechnet, multipliziert nicht und liegt falsch.
5. Wirkungsgrad in der Praxis
Die Theorie ist klar — bleibt die Frage: Welche Wirkungsgrade sind in der echten Welt zu erwarten? Die folgende Tabelle gibt grobe Richtwerte. Die tatsächlichen Werte hängen stark von Größe, Betriebspunkt und Bauart ab, aber die Größenordnungen helfen beim Einordnen.
| Energiewandler | typischer Wirkungsgrad |
|---|---|
| Großtransformator | 98 – 99 % |
| Drehstrom-Asynchronmotor (mittlere Größe) | 85 – 96 % |
| Permanentmagnet-Synchronmotor | 90 – 97 % |
| Stirnradgetriebe (einstufig) | 96 – 99 % |
| Schneckengetriebe | 50 – 92 % |
| Riementrieb | 90 – 97 % |
| Kreiselpumpe | 60 – 85 % |
| Hydraulikpumpe | 80 – 92 % |
| LED-Leuchtmittel | 30 – 50 % |
| Glühlampe | 3 – 5 % |
| Otto-Verbrennungsmotor (im optimalen Betriebspunkt) | 30 – 36 % |
| Diesel-Verbrennungsmotor (im optimalen Betriebspunkt) | 40 – 45 % |
Auffällig: Elektrische Energiewandler haben durchwegs hohe Wirkungsgrade, während die Wandlung chemischer Energie aus Treibstoffen in mechanische Energie deutlich schlechter abschneidet. Auch die alte Glühlampe ist in dieser Liste der mit Abstand größte Energieverschwender.
In der industriellen Praxis ist der Wirkungsgrad besonders wegen der Energiekosten relevant. Ein Elektromotor mit 11 kW Nennleistung, der 6000 Stunden pro Jahr läuft, verbraucht bei η = 0,85 spürbar mehr Strom als der gleiche Motor mit η = 0,93 — über die Lebensdauer summieren sich diese Verluste oft auf einen mehrstelligen Eurobetrag. Genau deshalb werden für Drehstrommotoren verbindliche Effizienzklassen vorgeschrieben (IE1 bis IE5), die einen Mindestwirkungsgrad bei Nennlast definieren. Mehr dazu im Beitrag Wirkungsgradklassen nach IEC (IE1–IE4).
Welcher der folgenden Energiewandler hat typischerweise den höchsten Wirkungsgrad?
- a) Glühlampe
- b) Otto-Verbrennungsmotor
- c) Schneckengetriebe
- d) Großtransformator
Richtig: d)
Großtransformatoren erreichen Werte bis 99 %, weil sie keine bewegten Teile haben und Eisen- sowie Kupferverluste konstruktiv klein gehalten werden können. Verbrennungsmotoren sind durch die thermische Energiewandlung physikalisch beschränkt, Glühlampen wandeln über 95 % in Wärme statt in Licht.
Ein Motor hat η = 0,90 und cos φ = 0,75. Was lässt sich daraus ableiten?
- a) Der Motor wandelt 75 % der elektrischen Energie in mechanische um
- b) 90 % der aufgenommenen Wirkleistung wird als mechanische Leistung abgegeben
- c) Der Motor läuft mit einem Wirkungsgrad von 67,5 %
- d) Wirkungsgrad und cos φ können in dieser Konstellation nicht beide stimmen
Richtig: b)
η bezieht sich auf das Verhältnis von mechanischer Abgabeleistung zur elektrischen Wirkleistung — η = 0,9 bedeutet also 90 % davon kommen mechanisch heraus. cos φ ist eine eigenständige Größe, die das Verhältnis von Wirk- zu Scheinleistung beschreibt und nichts über die Verluste im Motor selbst aussagt. Eine Multiplikation der beiden Werte ist physikalisch nicht sinnvoll.
Wenn der Wirkungsgrad eines Antriebs von 0,80 auf 0,90 verbessert wird, sinken die Verluste bei gleicher Nutzleistung um:
- a) etwa die Hälfte
- b) etwa ein Zehntel
- c) etwa zwei Drittel
- d) etwa ein Viertel
Richtig: a)
Bei P_ab = const. gilt P_zu = P_ab / η. Bei η = 0,80 wäre P_zu = 1,25 · P_ab → P_V = 0,25 · P_ab. Bei η = 0,90 wäre P_zu = 1,111 · P_ab → P_V = 0,111 · P_ab. Die Verluste sinken also von 0,25 auf 0,111 — das ist eine Reduktion um etwa 55 %, näherungsweise die Hälfte.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Motor nimmt 3,2 kW auf und gibt 2,8 kW mechanische Leistung an der Welle ab.
Gegeben: P_zu = 3,2 kW; P_ab = 2,8 kW
Gesucht: η in %, P_V in W
Lösungsweg:
- η = P_ab / P_zu = 2,8 / 3,2 = 0,875
- P_V = P_zu − P_ab = 3,2 − 2,8 = 0,4 kW = 400 W
Ergebnis: η = 87,5 %; P_V = 400 W
Aufgabe 2: Eine Pumpe gibt 1,8 kW Förderleistung ab. Die Verlustleistung beträgt 600 W.
Gegeben: P_ab = 1800 W; P_V = 600 W
Gesucht: η
Lösungsweg:
- P_zu = P_ab + P_V = 1800 + 600 = 2400 W
- η = P_ab / P_zu = 1800 / 2400 = 0,75
Ergebnis: η = 0,75 = 75 %
Aufgabe 3: Ein Motor läuft 12 Stunden pro Tag mit konstant 4 kW elektrischer Leistung und einem Wirkungsgrad von 88 %. Wie viel mechanische Arbeit verrichtet er pro Tag und wie groß ist die Verlustarbeit?
Gegeben: P_zu = 4 kW; t = 12 h; η = 0,88
Gesucht: W_ab und W_V
Lösungsweg:
- W_zu = P_zu · t = 4 · 12 = 48 kWh
- W_ab = η · W_zu = 0,88 · 48 = 42,24 kWh
- W_V = W_zu − W_ab = 48 − 42,24 = 5,76 kWh
Ergebnis: W_ab = 42,24 kWh; W_V = 5,76 kWh
Aufgabe 4: An einer Welle werden 6 kW benötigt. Der Antrieb besteht aus einem Motor (η = 0,90) und einem Getriebe (η = 0,92). Welche elektrische Leistung muss bereitgestellt werden?
Gegeben: P_ab = 6 kW; η_1 = 0,90; η_2 = 0,92
Gesucht: P_zu
Lösungsweg:
- η_ges = η_1 · η_2 = 0,90 · 0,92 = 0,828
- P_zu = P_ab / η_ges = 6 / 0,828 ≈ 7,246 kW
Ergebnis: P_zu ≈ 7,25 kW
Aufgabe 5: Ein vierstufiger Antrieb hat die Einzelwirkungsgrade 0,98, 0,95, 0,88 und 0,92. Berechne den Gesamtwirkungsgrad und den prozentualen Verlustanteil.
Gegeben: η_1 = 0,98; η_2 = 0,95; η_3 = 0,88; η_4 = 0,92
Gesucht: η_ges und Verlustanteil in %
Lösungsweg:
- η_ges = 0,98 · 0,95 · 0,88 · 0,92 ≈ 0,7541
- Verlustanteil = 1 − η_ges = 1 − 0,7541 ≈ 0,2459
Ergebnis: η_ges ≈ 75,4 %; Verlustanteil ≈ 24,6 %
Aufgabe 6: Ein Elektromotor läuft 7000 Stunden pro Jahr mit einer mittleren elektrischen Aufnahme von 5,5 kW. Der Wirkungsgrad sinkt durch Verschmutzung von 0,90 auf 0,82. Wie viel zusätzliche Verlustenergie fällt pro Jahr an?
Gegeben: P_zu = 5,5 kW; t = 7000 h; η_alt = 0,90; η_neu = 0,82
Gesucht: zusätzliche Verlustenergie W_V_zusätzlich
Lösungsweg:
- P_V_alt = P_zu · (1 − η_alt) = 5,5 · 0,10 = 0,55 kW
- P_V_neu = P_zu · (1 − η_neu) = 5,5 · 0,18 = 0,99 kW
- ΔP_V = 0,99 − 0,55 = 0,44 kW
- W_V_zusätzlich = ΔP_V · t = 0,44 · 7000 = 3080 kWh
Ergebnis: 3080 kWh zusätzliche Verlustenergie pro Jahr
Eine Maschine nimmt 10 kW auf und hat eine Verlustleistung von 1,5 kW. Wie hoch ist der Wirkungsgrad?
- a) 0,15
- b) 1,15
- c) 0,85
- d) 0,065
Richtig: c)
η = 1 − P_V / P_zu = 1 − 1,5 / 10 = 0,85. Alternativ: P_ab = 10 − 1,5 = 8,5 kW; η = 8,5 / 10 = 0,85.
Drei Wandler in Reihe haben die Wirkungsgrade 0,95, 0,90 und 0,80. Wie groß ist der Gesamtwirkungsgrad?
- a) 0,88
- b) 2,65
- c) 0,80
- d) 0,684
Richtig: d)
η_ges = 0,95 · 0,90 · 0,80 = 0,684. Wirkungsgrade in Reihe werden immer multipliziert.
Welche Aussage über Wirkungsgrad und Verluste ist korrekt?
- a) Bei einer realen Maschine ist die Verlustleistung größer als Null und der Wirkungsgrad daher kleiner als 1
- b) Eine Maschine mit Wirkungsgrad 1 ist konstruktiv möglich, aber teuer
- c) Verluste lassen sich vollständig vermeiden, wenn die Maschine optimal ausgelegt ist
- d) Bei einem Wirkungsgrad nahe 1 wird mehr Energie verbraucht als zugeführt
Richtig: a)
In der realen Welt gibt es immer Verluste, daher liegt η stets unter 1. Ein verlustfreier Energiewandler entspräche einem Perpetuum Mobile und widerspricht der Thermodynamik.
Ein Motor gibt 4,5 kW an der Welle ab und hat einen Wirkungsgrad von 90 %. Welche elektrische Leistung nimmt er auf?
- a) 4,05 kW
- b) 5,0 kW
- c) 4,5 kW
- d) 0,45 kW
Richtig: b)
P_zu = P_ab / η = 4,5 / 0,90 = 5,0 kW. Bei η = 0,9 muss die zugeführte Leistung größer sein als die abgegebene.
Welche Aussage zur Energiebilanz P_zu = P_ab + P_V ist korrekt?
- a) Sie gilt nur für elektrische Maschinen
- b) Sie gilt nur, wenn der Wirkungsgrad gemessen wurde
- c) Sie folgt direkt aus dem Energieerhaltungssatz
- d) Sie gilt nur im Nennbetriebspunkt
Richtig: c)
Energie kann weder erzeugt noch vernichtet werden — was reingeht, muss als Nutzen oder als Verlust wieder herauskommen. Diese Bilanz gilt universell für jeden Energiewandler in jedem Betriebspunkt.
Ein Antrieb hat zwei Stufen mit η_1 = 0,9 und η_2 = 0,8. Eine der Stufen soll auf η = 0,95 verbessert werden. In welchem Fall steigt der Gesamtwirkungsgrad stärker?
- a) Wenn Stufe 2 verbessert wird
- b) Wenn Stufe 1 verbessert wird
- c) Der Effekt ist in beiden Fällen identisch
- d) Eine Verbesserung wirkt sich überhaupt nicht aus
Richtig: a)
Verbesserung Stufe 1: 0,95 · 0,80 = 0,760. Verbesserung Stufe 2: 0,90 · 0,95 = 0,855. Die schwächere Stufe zu verbessern bringt mehr — sie war ja vorher der größere Energiefresser.
Welche Größe ist NICHT mit dem Wirkungsgrad gleichzusetzen?
- a) Energieverhältnis P_ab / P_zu
- b) Verhältnis W_ab / W_zu
- c) Wert 1 − P_V / P_zu
- d) Leistungsfaktor cos φ
Richtig: d)
cos φ beschreibt das Verhältnis von Wirk- zu Scheinleistung im Wechselstromkreis und sagt nichts über die inneren Verluste einer Maschine aus. Die anderen drei Ausdrücke sind nur unterschiedliche Schreibweisen des Wirkungsgrads.
Bei der Auslegung eines Antriebsstrangs aus drei Stufen werden die Wirkungsgrade 0,92, 0,85 und 0,90 angesetzt. Welche Aussage ist korrekt?
- a) Der Gesamtwirkungsgrad beträgt 0,89 (Mittelwert)
- b) Der Gesamtwirkungsgrad beträgt 0,704
- c) Der Gesamtwirkungsgrad beträgt 2,67 (Summe)
- d) Der Gesamtwirkungsgrad lässt sich ohne die Eingangsleistung nicht bestimmen
Richtig: b)
η_ges = 0,92 · 0,85 · 0,90 = 0,7038 ≈ 0,704. Mittelwert (0,89) und Summe (2,67) sind beide falsch. Der Gesamtwirkungsgrad hängt nur von den Einzelwirkungsgraden ab, nicht von der Eingangsleistung.
Eine Maschine wandelt 60 kJ Energie um, davon werden 18 kJ als Wärme abgegeben. Wie hoch ist der Wirkungsgrad?
- a) 0,30
- b) 0,18
- c) 0,70
- d) 0,40
Richtig: c)
W_zu = 60 kJ; W_V = 18 kJ; W_ab = 60 − 18 = 42 kJ; η = W_ab / W_zu = 42 / 60 = 0,70. Wer 18 / 60 rechnet, hat den Verlustanteil berechnet, nicht den Wirkungsgrad.
Welche der folgenden Maschinen hat in der Praxis den niedrigsten Wirkungsgrad?
- a) Großtransformator
- b) Drehstrom-Asynchronmotor
- c) Stirnradgetriebe
- d) Glühlampe
Richtig: d)
Glühlampen liegen typischerweise bei 3 – 5 %, weil über 95 % der elektrischen Energie als Wärme statt als Licht abgegeben werden. Großtransformatoren erreichen über 98 %, Stirnradgetriebe über 96 %, Asynchronmotoren typischerweise über 85 %.
Glossar
- Wirkungsgrad (η)
- Verhältnis der abgegebenen Leistung oder Energie zur zugeführten Leistung oder Energie eines Energiewandlers. Dimensionslos und immer kleiner als 1.
- Verlustleistung (P_V)
- Anteil der zugeführten Leistung, der nicht als Nutzen abgegeben wird, sondern in eine unerwünschte Energieform (meist Wärme) umgewandelt wird.
- Gesamtwirkungsgrad (η_ges)
- Wirkungsgrad einer Reihenschaltung mehrerer Energiewandler. Ergibt sich durch Multiplikation der Einzelwirkungsgrade aller Stufen.
- Stromwärmeverluste
- Verlustleistung, die in stromdurchflossenen elektrischen Leitern aufgrund ihres Widerstands entsteht. Wird auch Kupferverluste genannt, weil sie hauptsächlich in den Kupferwicklungen von Motoren und Transformatoren auftreten.
- Sankey-Diagramm
- Grafische Darstellung von Energie- oder Mengenflüssen, bei der die Breite der Pfeile proportional zur jeweiligen Energiemenge ist. Zeigt anschaulich, wie sich Energie auf Nutzen und Verluste aufteilt.
- Energiewandler
- Bauteil oder Maschine, die eine Energieform in eine andere umwandelt — zum Beispiel ein Elektromotor von elektrischer in mechanische Energie oder eine Pumpe von mechanischer in hydraulische Energie.
Österreichische Normen
- ÖNORM EN IEC 60034-30-1: Wirkungsgrad-Klassifizierung (IE-Klassen) für netzgespeiste rotierende elektrische Maschinen mit konstanter Drehzahl, insbesondere Drehstrom-Asynchronmotoren.
