Halbleiter- und Magnetwerkstoffe
Werkstoffe ordnet man oft nach ihrer Festigkeit, Härte oder Zähigkeit – also danach, wie sie sich mechanisch verhalten. Halbleiter und Magnetwerkstoffe fallen aus diesem Raster. Sie werden nicht danach ausgesucht, wie viel Last sie tragen, sondern danach, wie sie sich im elektrischen oder magnetischen Feld verhalten. Genau das macht sie für die Elektrotechnik und die Antriebstechnik unverzichtbar.
In diesem Beitrag geht es um die Werkstoffe selbst: woraus sie bestehen, welche Eigenschaft sie technisch nutzbar macht und wo sie im Arbeitsalltag auftauchen. Die elektronischen Bauelemente, die daraus entstehen – Dioden, Transistoren und so weiter – sind ein eigenes Thema. Hier steht der Werkstoff im Mittelpunkt.
Vorwissen
- Werkstoffeigenschaften: Festigkeit, Härte, Zähigkeit
- Elektrischer Widerstand und spezifischer Widerstand
- Das magnetische Feld
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- Werkstoffe nach ihrem elektrischen und magnetischen Verhalten einordnen
- erklären, warum Halbleiter ihren Widerstand mit Temperatur und Verunreinigung stark ändern
- die Begriffe dia-, para- und ferromagnetisch unterscheiden und den Aufbau ferromagnetischer Werkstoffe beschreiben
- weich- und hartmagnetische Werkstoffe anhand ihrer Hystereseschleife unterscheiden
- typische Halbleiter- und Magnetwerkstoffe ihren praktischen Einsatzgebieten zuordnen
1. Einordnung: Werkstoffe nach elektrischem und magnetischem Verhalten
Wer mit Werkstoffen arbeitet, denkt zuerst an Belastbarkeit. Hält die Welle das Drehmoment aus? Reißt das Seil? Bei Halbleitern und Magnetwerkstoffen spielt das kaum eine Rolle. Hier zählt eine ganz andere Frage: Wie gut leitet der Werkstoff den Strom, und wie reagiert er auf ein Magnetfeld?
Für die elektrische Einordnung ist der spezifische Widerstand das entscheidende Merkmal – also der Widerstand, den ein Werkstoff dem Stromfluss bezogen auf seine Abmessungen entgegensetzt. Danach teilt man Werkstoffe in drei grobe Gruppen:
- Leiter – sehr kleiner spezifischer Widerstand, leiten den Strom gut (Kupfer, Aluminium, Silber)
- Halbleiter – liegen dazwischen und ändern ihre Leitfähigkeit stark mit äußeren Einflüssen (Silizium, Germanium)
- Isolatoren – sehr hoher spezifischer Widerstand, leiten praktisch nicht (Kunststoffe, Keramik, Glas)
Die genaue Abgrenzung zwischen Leitern, Halbleitern und Isolatoren ist ein eigenes Thema. Hier reicht die grobe Einteilung, um zu verstehen, was Halbleiterwerkstoffe besonders macht: Sie sitzen genau in dem Bereich, in dem sich die Leitfähigkeit gezielt steuern lässt.
Bei den magnetischen Eigenschaften ist es ähnlich. Manche Werkstoffe lassen sich von einem Magnetfeld stark beeinflussen, andere kaum. Diese Unterscheidung kommt im hinteren Teil des Beitrags. Zunächst geht es um die Halbleiter.
2. Halbleiterwerkstoffe: Aufbau und Eigenschaften
Ein Halbleiter ist ein Werkstoff, dessen Leitfähigkeit zwischen der eines guten Leiters und der eines Isolators liegt – und der genau diese Leitfähigkeit unter bestimmten Bedingungen stark verändert. Der wichtigste Halbleiterwerkstoff überhaupt ist Silizium. Daneben spielen Germanium, Galliumarsenid und – in der modernen Leistungselektronik – Siliziumkarbid eine Rolle.
Kristallaufbau
Silizium forms ein regelmäßiges Kristallgitter. Jedes Siliziumatom hat vier Außenelektronen und verbindet sich mit vier Nachbaratomen zu einem festen, gleichmäßigen Gitter. In diesem reinen Zustand – man spricht von intrinsischem (eigenleitendem) Halbleitermaterial – sind fast alle Elektronen in diesen Bindungen gebunden. Es stehen kaum freie Ladungsträger zur Verfügung. Reines Silizium leitet bei Raumtemperatur deshalb schlecht.
Warum die Leitfähigkeit so empfindlich ist
Zwei Einflüsse verändern die Leitfähigkeit von Halbleitermaterial drastisch.
Der erste ist die Temperatur. Steigt sie, brechen einzelne Bindungen im Gitter auf. Dabei werden Elektronen frei, die jetzt zum Stromtransport beitragen. Der Widerstand sinkt also mit steigender Temperatur – ein Verhalten, das man Heißleiter-Verhalten nennt (engl. NTC, negativer Temperaturkoeffizient). Das ist das genaue Gegenteil von Metallen, deren Widerstand mit der Temperatur steigt.
Der zweite Einfluss ist die Verunreinigung. Schon winzige Mengen fremder Atome verändern die Zahl der freien Ladungsträger massiv. Das gezielte Einbringen solcher Fremdatome nennt man Dotierung – damit werden aus dem reinen Werkstoff erst die brauchbaren elektronischen Bauelemente. Die Dotierung und der daraus entstehende pn-Übergang sind ein eigenes, ausführliches Thema. Für die Werkstoffbetrachtung ist nur wichtig: Halbleiter reagieren auf kleinste Zugaben extrem empfindlich.
Genau deshalb stellt man an Halbleiterwerkstoffe enorme Reinheitsanforderungen. Silizium für die Halbleiterfertigung wird als nahezu perfekter Einkristall gezogen, mit Reinheiten, die in der übrigen Werkstofftechnik unbekannt sind. Eine ungewollte Verunreinigung im falschen Bereich macht das Material unbrauchbar.
Der spezifische Widerstand beschreibt den Zusammenhang zwischen Material und Widerstand:
R = ρ · l / A
- R … Widerstand in Ω
- ρ … spezifischer Widerstand in Ω·mm²/m
- l … Länge in m
- A … Querschnittsfläche in mm²
Bei Halbleitern ist der entscheidende Punkt, dass ρ keine feste Materialkonstante ist wie bei Kupfer, sondern stark von Temperatur und Dotierung abhängt.
Gelöstes Beispiel
Ein stabförmiges Halbleiterprüfstück hat eine Länge von 0,02 m und eine Querschnittsfläche von 1 mm². Bei einer bestimmten Temperatur beträgt der spezifische Widerstand 2300 Ω·mm²/m. Wie groß ist der Widerstand des Stücks?
Gegeben: l = 0,02 m, A = 1 mm², ρ = 2300 Ω·mm²/m
Gesucht: R in Ω
Lösungsweg:
- Formel anwenden: R = ρ · l / A
- Werte einsetzen: R = 2300 · 0,02 / 1
Ergebnis: R = 46 Ω
Übungen
Ein Halbleiterstück hat l = 0,01 m, A = 2 mm² und ρ = 1500 Ω·mm²/m. Berechne den Widerstand.
R = 1500 · 0,01 / 2 = 7,5 Ω
Ein Prüfstück mit l = 0,05 m and A = 0,5 mm² zeigt einen Widerstand von 230 Ω. Wie groß ist der spezifische Widerstand?
ρ = R · A / l = 230 · 0,5 / 0,05 = 2300 Ω·mm²/m
Erwärmt man dasselbe Halbleiterstück, sinkt sein Widerstand von 46 Ω auf 12 Ω. Erkläre, warum das so ist, und ob sich Länge oder spezifischer Widerstand geändert hat.
Die Geometrie (l, A) bleibt nahezu gleich. Durch die Erwärmung brechen Bindungen auf, mehr freie Ladungsträger entstehen, ρ sinkt – also sinkt auch R. Heißleiter-Verhalten.
Zwei gleich lange Halbleiterstäbe unterscheiden sich nur im Querschnitt: Stab A hat 1 mm², Stab B hat 4 mm². Wie verhalten sich ihre Widerstände zueinander, wenn ρ gleich ist?
R ist umgekehrt proportional zu A. Stab B hat den vierfachen Querschnitt, also ein Viertel des Widerstands von Stab A.
Ein Halbleiterelement soll bei Raumtemperatur einen Widerstand von genau 100 Ω haben, bei l = 0,008 m und A = 0,2 mm². Welcher spezifische Widerstand ist dafür nötig, und warum ist dieser Wert in der Praxis schwer exakt einzuhalten?
ρ = R · A / l = 100 · 0,2 / 0,008 = 2500 Ω·mm²/m. Schwer einzuhalten, weil ρ bei Halbleitern empfindlich von Temperatur und kleinsten Verunreinigungen abhängt – kleine Abweichungen in Reinheit oder Temperatur verschieben den Wert sofort.
Ein reines Siliziumstück und ein Kupferstück werden beide von Raumtemperatur auf 80 °C erwärmt. Was passiert mit ihren Widerständen?
- a) Beim Silizium sinkt der Widerstand, beim Kupfer steigt er
- b) Beide Widerstände steigen
- c) Beide Widerstände sinken
- d) Beim Silizium steigt der Widerstand, beim Kupfer sinkt er
Richtig: a)
Silizium ist ein Halbleiter mit Heißleiter-Verhalten – bei Erwärmung brechen Bindungen auf, es entstehen freie Ladungsträger, der Widerstand sinkt. Kupfer ist ein Metall, dessen Widerstand mit der Temperatur steigt. Antwort d) vertauscht beide, b) und c) behandeln beide Werkstoffe falsch gleich.
Warum stellt man an Halbleiterwerkstoffe so hohe Reinheitsanforderungen?
- a) Weil Verunreinigungen das Material spröde machen
- b) Weil schon kleinste Fremdatome die Leitfähigkeit massiv verändern
- c) Weil reines Material billiger herzustellen ist
- d) Weil Verunreinigungen die mechanische Festigkeit senken
Richtig: b)
Die Leitfähigkeit von Halbleitern hängt extrem empfindlich von der Zahl der Ladungsträger ab, und genau diese wird durch Fremdatome verändert. Schon kleinste ungewollte Mengen verschieben das elektrische Verhalten. Festigkeit und Sprödigkeit (a, d) spielen hier keine Rolle, und reines Material ist gerade nicht billig (c).
Was beschreibt der Begriff „intrinsisches“ Halbleitermaterial?
- a) Halbleiter, der gezielt mit Fremdatomen versetzt wurde
- b) Ein Halbleiter, der nur bei tiefen Temperaturen leitet
- c) Eine Legierung aus zwei Halbleiterwerkstoffen
- d) Halbleiter im reinen, undotierten Zustand
Richtig: d)
Intrinsisch bedeutet eigenleitend, also das reine, undotierte Material. Das gezielte Einbringen von Fremdatomen (a) ist die Dotierung. Die Beschreibungen in b) und c) treffen den Begriff nicht.
3. Vom Werkstoff zur Anwendung: Wo Halbleiterwerkstoffe stecken
Das besondere Verhalten der Halbleiterwerkstoffe wird in vielen Bauteilen direkt genutzt – nicht erst in komplexen Schaltkreisen.
Das Heißleiter-Verhalten steckt im NTC-Widerstand, einem Bauteil aus Halbleitermaterial, dessen Widerstand mit steigender Temperatur sinkt. Genau das macht ihn zum Temperaturfühler. Das umgekehrte Verhalten – Widerstand steigt mit der Temperatur – zeigen PTC-Werkstoffe (Kaltleiter), die unter anderem als selbstrückstellende Sicherung und in der Motorüberwachung eingesetzt werden.
Andere Halbleiterwerkstoffe reagieren auf Licht. Ihr Widerstand oder ihre Ladungstrennung ändert sich, wenn Licht auf sie fällt – die Grundlage für Fotowiderstände, Fotodioden und Solarzellen. Auch hier ist es die Werkstoffeigenschaft, die genutzt wird.
In der modernen Leistungselektronik gewinnen zwei Werkstoffe an Bedeutung: Siliziumkarbid (SiC) und Galliumnitrid (GaN). Sie vertragen höhere Temperaturen und Spannungen als reines Silizium und schalten schneller. In Frequenzumrichtern, Ladegeräten und Wechselrichtern für die Photovoltaik werden sie deshalb zunehmend verbaut. Für den Werkstoff bedeutet das: mehr Leistung auf weniger Bauraum, bei geringeren Verlusten.
Aus diesen Werkstoffen entstehen auch die klassischen Bauelemente wie Dioden und Transistoren – wie diese funktionieren, ist ein eigenes Thema. Hier reicht der Blick auf den Werkstoff: Es ist immer dieselbe steuerbare Leitfähigkeit, die dahintersteckt.
Ein NTC-Element wird zur Temperaturüberwachung eingesetzt. Welche Werkstoffeigenschaft macht das möglich?
- a) Sein Widerstand bleibt über den ganzen Temperaturbereich konstant
- b) Sein Widerstand steigt stark mit der Temperatur
- c) Sein Widerstand sinkt mit steigender Temperatur
- d) Er ändert bei Erwärmung seine Farbe
Richtig: c)
NTC steht für Heißleiter-Verhalten: Widerstand sinkt mit steigender Temperatur. Genau diese Änderung wertet die Schaltung aus. Ein steigender Widerstand (b) beschreibt einen PTC-Kaltleiter, konstanter Widerstand (a) wäre als Fühler nutzlos, und die Farbe (d) spielt keine Rolle.
Warum werden in modernen Frequenzumrichtern zunehmend SiC- statt reiner Silizium-Bauelemente eingesetzt?
- a) Weil SiC deutlich billiger ist als Silizium
- b) Weil SiC ein besserer Isolator ist
- c) Weil SiC mechanisch weicher und leichter zu bearbeiten ist
- d) Weil SiC höhere Temperaturen und Spannungen verträgt und schneller schaltet
Richtig: d)
Siliziumkarbid hält höhere Temperaturen und Spannungen aus und schaltet schneller, was kleinere, verlustärmere Geräte ermöglicht. Billiger ist es nicht (a), und es ist kein Isolator (b). Die mechanische Bearbeitbarkeit (c) ist kein Auswahlgrund.
4. Magnetwerkstoffe: Grundverhalten im Magnetfeld
Bringt man verschiedene Werkstoffe in ein Magnetfeld, reagieren sie sehr unterschiedlich. Nach diesem Verhalten teilt man sie in drei Gruppen.
Diamagnetische Werkstoffe schwächen ein äußeres Magnetfeld minimal ab und werden leicht abgestoßen. Der Effekt ist sehr schwach (z. B. Kupfer, Wasser). Paramagnetische Werkstoffe verstärken das Feld geringfügig und werden leicht angezogen, ebenfalls schwach (z. B. Aluminium). Beide Effekte sind für die Praxis meist vernachlässigbar.
Technisch wirklich wichtig ist die dritte Gruppe: die ferromagnetischen Werkstoffe. Sie verstärken ein äußeres Magnetfeld um ein Vielfaches und behalten unter Umständen eine eigene Magnetisierung. Dazu gehören vor allem Eisen, Nickel, Kobalt und viele ihrer Legierungen.
Weiss-Bezirke
Was macht einen Werkstoff ferromagnetisch? In seinem Inneren sind die einzelnen atomaren Magnete nicht zufällig verteilt, sondern in kleinen Bereichen bereits gleich ausgerichtet. Diese Bereiche heißen Weiss-Bezirke (magnetische Domänen). Im unmagnetisierten Zustand zeigen die Bezirke kreuz und quer in verschiedene Richtungen, ihre Wirkung hebt sich nach außen auf.
Legt man ein äußeres Feld an, richten sich immer mehr Bezirke in dessen Richtung aus. Nach außen entsteht so ein starkes Magnetfeld. Sind irgendwann alle Bezirke ausgerichtet, lässt sich die Magnetisierung nicht weiter steigern – der Werkstoff ist in der Sättigung.
Permeabilität als Werkstoffkennwert
Wie stark ein Werkstoff ein Magnetfeld verstärkt, beschreibt die Permeabilität. Sie ist die zentrale magnetische Werkstoffkenngröße. Üblich ist die Aufteilung in die magnetische Feldkonstante µ_0 (eine Naturkonstante) und die relative Permeabilität µ_r, die rein vom Werkstoff abhängt:
B = µ_0 · µ_r · H
- B … magnetische Flussdichte in Tesla (T)
- µ_0 … magnetische Feldkonstante = 1,257 · 10⁻⁶ Vs/(A·m)
- µ_r … relative Permeabilität (Werkstoffkennwert, einheitenlos)
- H … magnetische Feldstärke in A/m
Die magnetische Feldstärke H, die Flussdichte B und der magnetische Fluss Φ sind die Grundgrößen des Magnetfelds – sie werden hier nur mit ihren Einheiten gebraucht, um die Permeabilität zu definieren. Das magnetische Feld selbst ist ein eigenes Thema.
Der entscheidende Punkt für die Werkstoffkunde ist µ_r. Für Luft und die meisten Werkstoffe liegt µ_r praktisch bei 1. Ferromagnetische Werkstoffe dagegen erreichen Werte von mehreren hundert bis weit über zehntausend. Das bedeutet: Bei gleicher Feldstärke H entsteht in einem ferromagnetischen Werkstoff eine vielfach höhere Flussdichte B. Genau deshalb baut man Motoren- und Trafokerne aus Eisen und nicht aus Luft.
Ein weiteres Werkstoffmerkmal ist die Curie-Temperatur. Oberhalb dieser Temperatur bricht die geordnete Ausrichtung der Weiss-Bezirke zusammen, und der Werkstoff verliert seine ferromagnetischen Eigenschaften. Er verhält sich dann nur noch paramagnetisch. Bei Eisen liegt diese Grenze sehr hoch, aber sie zeigt, dass Magnetwerkstoffe temperaturabhängig sind.
Gelöstes Beispiel
In einem Werkstoff mit der relativen Permeabilität µ_r = 800 herrscht eine magnetische Feldstärke von H = 400 A/m. Wie groß ist die magnetische Flussdichte?
Gegeben: µ_r = 800, H = 400 A/m, µ_0 = 1,257 · 10⁻⁶ Vs/(A·m)
Gesucht: B in Tesla
Lösungsweg:
- Formel anwenden: B = µ_0 · µ_r · H
- Werte einsetzen: B = 1,257 · 10⁻⁶ · 800 · 400
Ergebnis: B ≈ 0,402 T
Übungen
Berechne die Flussdichte für µ_r = 1 (Luft) und H = 400 A/m.
B = 1,257 · 10⁻⁶ · 1 · 400 ≈ 0,000503 T – also rund 1000-mal kleiner als beim Werkstoff mit µ_r = 800.
Ein Eisenkern hat µ_r = 2000 bei H = 300 A/m. Wie groß ist B?
B = 1,257 · 10⁻⁶ · 2000 · 300 ≈ 0,754 T
Bei welcher Feldstärke H erreicht ein Werkstoff mit µ_r = 1500 eine Flussdichte von 1,0 T?
H = B / (µ_0 · µ_r) = 1,0 / (1,257 · 10⁻⁶ · 1500) ≈ 530 A/m
Zwei Kerne unterscheiden sich nur in µ_r: Kern A hat 500, Kern B hat 5000. Wie verhalten sich ihre Flussdichten bei gleicher Feldstärke H?
B ist proportional zu µ_r. Kern B liefert die zehnfache Flussdichte von Kern A.
Ein ferromagnetischer Werkstoff wird über seine Curie-Temperatur erhitzt. Was passiert mit der erreichbaren Flussdichte bei gleichbleibendem H, und warum?
Oberhalb der Curie-Temperatur verliert der Werkstoff seine ferromagnetische Ordnung, µ_r fällt auf etwa 1. Die Flussdichte sinkt damit drastisch – der Werkstoff verstärkt das Feld praktisch nicht mehr, weil die Weiss-Bezirke ihre Ausrichtung nicht mehr halten.
Ein Eisenkern (µ_r = 2000) und ein gleich großer Aluminiumkern (µ_r ≈ 1) werden derselben Feldstärke H ausgesetzt. Was gilt für die Flussdichte B?
- a) Der Eisenkern hat rund die 2000-fache Flussdichte
- b) Beide haben praktisch dieselbe Flussdichte
- c) Aluminium hat die höhere Flussdichte
- d) Die Flussdichte hängt nicht vom Werkstoff ab
Richtig: a)
Da B = µ_0 · µ_r · H und sich die Kerne nur in µ_r unterscheiden, ist B proportional zu µ_r. Der Eisenkern mit µ_r = 2000 erreicht also rund die 2000-fache Flussdichte. Aluminium liegt bei µ_r ≈ 1 (b und c falsch), und B hängt sehr wohl vom Werkstoff ab (d).
Was geschieht im Inneren eines ferromagnetischen Werkstoffs, wenn er in die magnetische Sättigung kommt?
- a) Die Weiss-Bezirke beginnen sich erst auszurichten
- b) Praktisch alle Weiss-Bezirke sind ausgerichtet, eine weitere Steigerung ist kaum möglich
- c) Der Werkstoff verliert seine Magnetisierung vollständig
- d) Die Curie-Temperatur wird überschritten
Richtig: b)
Sättigung bedeutet, dass nahezu alle Weiss-Bezirke in Feldrichtung ausgerichtet sind – mehr geht nicht, die Flussdichte steigt kaum noch. Der Beginn der Ausrichtung (a) ist das Gegenteil, Magnetisierungsverlust (c) und das Überschreiten der Curie-Temperatur (d) sind andere Vorgänge.
Warum verliert ein ferromagnetischer Werkstoff oberhalb der Curie-Temperatur seine besonderen magnetischen Eigenschaften?
- a) Weil er schmilzt
- b) Weil sich seine chemische Zusammensetzung ändert
- c) Weil µ_0 mit der Temperatur sinkt
- d) Weil die geordnete Ausrichtung der Weiss-Bezirke zusammenbricht
Richtig: d)
Die Wärmebewegung zerstört oberhalb der Curie-Temperatur die geordnete Ausrichtung der Domänen, der Werkstoff wird paramagnetisch. Schmelzen (a) geschieht erst weit höher, die chemische Zusammensetzung bleibt gleich (b), und µ_0 ist eine Naturkonstante (c).
5. Weich- und hartmagnetische Werkstoffe
Ferromagnetische Werkstoffe lassen sich danach unterscheiden, wie leicht sie sich magnetisieren lassen und wie gut sie eine Magnetisierung halten. Das ist die wichtigste Einteilung für die Praxis – und sie lässt sich an einer einzigen Kurve ablesen: der Hystereseschleife.
Die Hystereseschleife
Magnetisiert man einen ferromagnetischen Werkstoff auf und wieder ab, folgt die Flussdichte B nicht einfach der Feldstärke H zurück, sondern hinkt hinterher. Trägt man B über H auf, ergibt sich eine geschlossene Schleife. Zwei Werte daran sind entscheidend:
- Die Remanenz ist die Flussdichte, die übrig bleibt, wenn das äußere Feld wieder null ist. Sie zeigt, wie gut der Werkstoff eine Magnetisierung behält.
- Die Koerzitivfeldstärke ist die Feldstärke, die man entgegengesetzt anlegen muss, um die Magnetisierung wieder auf null zu bringen. Sie zeigt, wie schwer sich der Werkstoff entmagnetisieren lässt.
Die Form der Schleife teilt die Werkstoffe in zwei Gruppen.
Weichmagnetische Werkstoffe
Weichmagnetische Werkstoffe haben eine schmale Hystereseschleife: kleine Remanenz, kleine Koerzitivfeldstärke. Sie lassen sich leicht magnetisieren und ebenso leicht wieder entmagnetisieren. Genau das braucht man überall dort, wo das Magnetfeld ständig umgepolt wird – in Transformatoren und in den Kernen von Motoren und Generatoren.
Typische Vertreter sind Elektroblech (legiertes Stahlblech, auch Trafoblech oder Dynamoblech genannt) und Ferrite (keramische Werkstoffe für höhere Frequenzen).
Bei jeder Ummagnetisierung entstehen Verluste, die als Wärme abgehen – die Ummagnetisierungsverluste. Sie haben zwei Ursachen. Die erste sind die Hystereseverluste: Je breiter die Schleife, desto mehr Energie geht pro Durchlauf verloren. Deshalb sind weichmagnetische Werkstoffe mit schmaler Schleife hier im Vorteil. Die zweite Ursache sind Wirbelströme: Das wechselnde Magnetfeld induziert im leitfähigen Kern selbst kleine Kreisströme, die ihn aufheizen. Um diese Wirbelströme zu unterdrücken, baut man Kerne nicht aus einem massiven Block, sondern aus vielen dünnen, gegeneinander isolierten Blechen. Die Schichtung unterbricht die Strompfade und senkt die Verluste deutlich. Das ist der Grund, warum jeder Trafo- und Motorkern aus geschichteten Blechen besteht.
Hartmagnetische Werkstoffe
Hartmagnetische Werkstoffe haben eine breite Hystereseschleife: große Remanenz, große Koerzitivfeldstärke. Sie sind schwer zu magnetisieren, behalten ihre Magnetisierung dann aber dauerhaft und lassen sich nur mit großem Aufwand wieder entmagnetisieren. Das macht sie zu Dauermagneten.
Wichtige Werkstoffe sind hier AlNiCo (Eisen-Aluminium-Nickel-Kobalt), Hartferrite (kostengünstig, weit verbreitet) und die starken Selten-Erd-Magnete aus Neodym-Eisen-Bor und Samarium-Kobalt. Neodym-Magnete liefern die höchste Feldstärke pro Volumen, sind aber temperaturempfindlich: Über eine bestimmte Temperatur verlieren sie dauerhaft an Magnetisierung. Samarium-Kobalt hält höhere Temperaturen aus, ist aber teurer.
Ein Werkstoff zeigt eine sehr schmale Hystereseschleife mit kleiner Remanenz und kleiner Koerzitivfeldstärke. Wofür eignet er sich am besten?
- a) Als Kernwerkstoff in einem Transformator
- b) Als Dauermagnet im Läufer eines Servomotors
- c) Als Werkstoff für einen Haftmagneten
- d) Als dauerhafter Haltemagnet in einer Spannvorrichtung
Richtig: a)
Eine schmale Schleife bedeutet weichmagnetisch – leicht ummagnetisierbar, kleine Verluste beim ständigen Umpolen. Das ist ideal für Trafokerne. Alle anderen Anwendungen (b, c, d) brauchen eine dauerhafte Magnetisierung, also einen hartmagnetischen Werkstoff mit breiter Schleife.
Warum baut man die Kerne von Transformatoren aus vielen dünnen, gegeneinander isolierten Blechen statt aus einem massiven Eisenblock?
- a) Um Gewicht zu sparen
- b) Um die mechanische Festigkeit zu erhöhen
- c) Um Wirbelströme zu unterdrücken und so die Verluste zu senken
- d) Um die Remanenz des Werkstoffs zu erhöhen
Richtig: c)
Das wechselnde Magnetfeld induziert im leitfähigen Kern Wirbelströme, die ihn aufheizen. Die Schichtung in isolierte Bleche unterbricht die Strompfade und senkt diese Verluste deutlich. Gewicht (a) und Festigkeit (b) sind nicht der Grund, und die Remanenz (d) will man bei Trafoblech gerade klein halten.
Was bedeutet eine hohe Koerzitivfeldstärke für einen Magnetwerkstoff?
- a) Er ist nur schwer zu entmagnetisieren
- b) Er lässt sich leicht ummagnetisieren
- c) Er behält keine Magnetisierung
- d) Er hat eine niedrige Permeabilität
Richtig: a)
Die Koerzitivfeldstärke ist die Gegenfeldstärke, die nötig ist, um die Magnetisierung eines Werkstoffs wieder auf null zu bringen. Ein hoher Wert bedeutet, dass der Werkstoff seiner Entmagnetisierung stark widersteht – typisch für hartmagnetische Dauermagnete. Leichtes Ummagnetisieren (b) und fehlende Remanenz (c) beschreiben das Gegenteil, und die Permeabilität (d) ist eine andere Kenngröße.
Ein Neodym-Dauermagnet im Läufer eines Servomotors wird im Betrieb deutlich überhitzt. Was ist die wahrscheinliche Folge?
- a) Der Magnet wird stärker, weil Wärme die Weiss-Bezirke ausrichtet
- b) Der Magnet wird zum weichmagnetischen Werkstoff
- c) Die Koerzitivfeldstärke steigt mit der Temperatur
- d) Der Magnet verliert dauerhaft einen Teil seiner Magnetisierung
Richtig: d)
Neodym-Magnete sind temperaturempfindlich; oberhalb der zulässigen Temperatur verlieren sie dauerhaft an Magnetisierung, der Motor wird schwächer. Wärme stärkt den Magneten nicht (a), macht ihn nicht grundsätzlich weichmagnetisch (b), und die Koerzitivfeldstärke sinkt mit steigender Temperatur, statt zu steigen (c).
6. Magnetwerkstoffe in der Praxis
Die Einteilung in weich- und hartmagnetisch entscheidet, welcher Werkstoff wo verbaut wird.
Weichmagnetisch sitzt überall dort, wo ein Feld geführt oder ständig umgepolt wird. Das geschichtete Elektroblech bildet die Kerne von Transformatoren, Motoren und Generatoren. Ferritkerne stecken in Drosseln, Speicherdrosseln und Übertragern, vor allem bei höheren Frequenzen, wo Wirbelstromverluste sonst zu groß würden.
Hartmagnetisch kommt dort zum Einsatz, wo ein dauerhaftes Feld ohne Stromversorgung gebraucht wird. Neodym-Dauermagnete sitzen im Läufer von permanenterregten Synchronmotoren und von elektronisch kommutierten Motoren – der Werkstoff liefert hier das Erregerfeld, das sonst eine stromdurchflossene Wicklung erzeugen müsste. In Sensoren wie Reedkontakten oder Hall-Gebern liefert ein kleiner Dauermagnet das Feld, das die Schaltung auswertet. Hartferrite finden sich in einfacheren, kostengünstigen Anwendungen wie Haftmagneten oder Lautsprechern.
Bei der Auswahl zählt nicht nur die Feldstärke. Genauso wichtig sind die zulässige Temperatur, die Beständigkeit gegen Entmagnetisierung und der Preis. Selten-Erd-Magnete sind stark, aber teuer und temperaturempfindlich; Hartferrite sind schwächer, dafür günstig und robust.
In einem permanenterregten Synchronmotor übernimmt der Dauermagnet im Läufer eine Aufgabe, die sonst ein anderes Bauteil erfüllt. Welche?
- a) Er liefert das Erregerfeld, das sonst eine stromdurchflossene Wicklung erzeugen müsste
- b) Er ersetzt das Lager
- c) Er ersetzt die Kühlung
- d) Er führt den Laststrom
Richtig: a)
Ein hartmagnetischer Werkstoff stellt das dauerhafte Erregerfeld ohne eigene Stromversorgung bereit – das spart die sonst nötige Erregerwicklung. Mit Lagerung (b), Kühlung (c) oder Stromführung (d) hat der Magnet nichts zu tun.
Für eine Drossel, die bei hoher Frequenz arbeitet, wählt man als Kern eher Ferrit als geschichtetes Elektroblech. Warum?
- a) Weil Ferrit eine höhere Remanenz hat
- b) Weil Ferrit billiger als jeder andere Werkstoff ist
- c) Weil Ferrit bei hohen Frequenzen geringere Verluste verursacht
- d) Weil Ferrit hartmagnetisch ist
Richtig: c)
Ferrite sind keramisch und schlecht elektrisch leitfähig, dadurch entstehen bei hohen Frequenzen deutlich kleinere Wirbelstromverluste als in metallischem Blech. Die Remanenz (a) ist hier kein Auswahlgrund, der Preis (b) nicht entscheidend, und Ferritkerne für Drosseln sind weichmagnetisch, nicht hartmagnetisch (d).
Warum kann ein schwächerer Ferrit- oder Samarium-Kobalt-Magnet in einer heißen Einbausituation die bessere Wahl sein als ein stärkerer Neodym-Magnet?
- a) Weil schwächere Magnete grundsätzlich länger halten
- b) Weil Ferrit eine höhere Feldstärke pro Volumen liefert
- c) Weil Samarium-Kobalt billiger als Neodym ist
- d) Weil Neodym oberhalb seiner zulässigen Temperatur dauerhaft an Magnetisierung verliert
Richtig: d)
Neodym ist temperaturempfindlich und verliert in der Hitze dauerhaft an Kraft, während Ferrit und Samarium-Kobalt höhere Temperaturen vertragen. Deshalb kann der pro Volumen schwächere Werkstoff in der Praxis zuverlässiger sein. Pauschale Haltbarkeit (a) stimmt nicht, Ferrit liefert weniger Feld pro Volumen (b), und Samarium-Kobalt ist eher teurer (c).
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Halbleiterprüfstück hat eine Länge von 0,015 m, eine Querschnittsfläche von 0,5 mm² und einen spezifischen Widerstand von 2000 Ω·mm²/m. Berechne den Widerstand.
Gegeben: l = 0,015 m, A = 0,5 mm², ρ = 2000 Ω·mm²/m
Gesucht: R in Ω
Lösungsweg:
- R = ρ · l / A = 2000 · 0,015 / 0,5
Ergebnis: R = 60 Ω
Aufgabe 2: Ein Halbleiterstück mit l = 0,01 m and A = 1 mm² hat einen gemessenen Widerstand von 18 Ω. Wie groß ist der spezifische Widerstand?
Gegeben: l = 0,01 m, A = 1 mm², R = 18 Ω
Gesucht: ρ in Ω·mm²/m
Lösungsweg:
- ρ = R · A / l = 18 · 1 / 0,01
Ergebnis: ρ = 1800 Ω·mm²/m
Aufgabe 3: In einem Werkstoff mit µ_r = 1200 herrscht eine Feldstärke von H = 350 A/m. Berechne die magnetische Flussdichte. (µ_0 = 1,257 · 10⁻⁶ Vs/(A·m))
Gegeben: µ_r = 1200, H = 350 A/m, µ_0 = 1,257 · 10⁻⁶ Vs/(A·m)
Gesucht: B in Tesla
Lösungsweg:
- B = µ_0 · µ_r · H = 1,257 · 10⁻⁶ · 1200 · 350
Ergebnis: B ≈ 0,528 T
Aufgabe 4: Welche Feldstärke H ist nötig, damit ein Werkstoff mit µ_r = 2500 eine Flussdichte von 1,2 T erreicht?
Gegeben: µ_r = 2500, B = 1,2 T, µ_0 = 1,257 · 10⁻⁶ Vs/(A·m)
Gesucht: H in A/m
Lösungsweg:
- H = B / (µ_0 · µ_r) = 1,2 / (1,257 · 10⁻⁶ · 2500)
Ergebnis: H ≈ 382 A/m
Ein Werkstoff hat einen spezifischen Widerstand, der zwischen dem von Kupfer und dem von Glas liegt, und ändert ihn stark mit der Temperatur. Um welche Werkstoffgruppe handelt es sich?
- a) Leiter
- b) Isolator
- c) Halbleiter
- d) Hartmagnetischer Werkstoff
Richtig: c)
Ein spezifischer Widerstand zwischen Leiter und Isolator, kombiniert mit starker Temperaturabhängigkeit, ist genau das Kennzeichen eines Halbleiters. Leiter (a) liegen viel niedriger, Isolatoren (b) viel höher, und hartmagnetisch (d) beschreibt eine magnetische, keine elektrische Eigenschaft.
Welches Verhalten zeigt ein reiner Halbleiter bei steigender Temperatur im Vergleich zu einem Metall?
- a) Der Halbleiter senkt seinen Widerstand, das Metall erhöht ihn
- b) Beide erhöhen ihren Widerstand
- c) Beide senken ihren Widerstand
- d) Der Halbleiter erhöht seinen Widerstand, das Metall senkt ihn
Richtig: a)
Halbleiter zeigen Heißleiter-Verhalten – der Widerstand sinkt mit der Temperatur, weil Bindungen aufbrechen und Ladungsträger frei werden. Bei Metallen steigt der Widerstand. Antwort d) vertauscht beide, b) und c) behandeln sie fälschlich gleich.
Was beschreibt die relative Permeabilität µ_r eines Werkstoffs?
- a) Wie gut der Werkstoff elektrischen Strom leitet
- b) Bei welcher Temperatur der Werkstoff schmilzt
- c) Wie hart der Werkstoff mechanisch ist
- d) Um welchen Faktor der Werkstoff ein Magnetfeld gegenüber Luft verstärkt
Richtig: d)
µ_r gibt an, um welchen Faktor ein Werkstoff die magnetische Flussdichte gegenüber dem leeren Raum bzw. Luft erhöht. Stromleitung (a) beschreibt der spezifische Widerstand, Schmelzpunkt (b) und Härte (c) sind ganz andere Kennwerte.
In einem ferromagnetischen Werkstoff sind im unmagnetisierten Zustand die Weiss-Bezirke …
- a) alle in dieselbe Richtung ausgerichtet
- b) ungeordnet in verschiedene Richtungen ausgerichtet
- c) gar nicht vorhanden
- d) flüssig
Richtig: b)
Im unmagnetisierten Zustand zeigen die Weiss-Bezirke kreuz und quer, ihre Wirkungen heben sich nach außen auf. Eine gleiche Ausrichtung (a) entsteht erst im äußeren Feld. Die Bezirke sind immer vorhanden (c) und nichts Flüssiges (d).
Ein Werkstoff hat eine breite Hystereseschleife mit großer Remanenz und großer Koerzitivfeldstärke. Wofür ist er typischerweise geeignet?
- a) Als Dauermagnet
- b) Als Trafokern
- c) Als Drosselkern für hohe Frequenzen
- d) Als elektrischer Leiter
Richtig: a)
Eine breite Schleife bedeutet hartmagnetisch: behält die Magnetisierung dauerhaft, schwer zu entmagnetisieren – das ist die Eigenschaft eines Dauermagneten. Trafokern (b) und Drosselkern (c) brauchen weichmagnetische Werkstoffe mit schmaler Schleife, und mit der elektrischen Leitung (d) hat die Schleife nichts zu tun.
Warum schichtet man Motor- und Trafokerne aus dünnen, isolierten Blechen?
- a) Um die Remanenz zu erhöhen
- b) Um Hystereseverluste vollständig zu vermeiden
- c) Um Wirbelströme zu unterdrücken und die Verluste zu senken
- d) Um den Kern leichter wickeln zu können
Richtig: c)
Das wechselnde Feld induziert im leitfähigen Kern Wirbelströme; die Schichtung unterbricht deren Strompfade und senkt so die Verluste. Hystereseverluste werden durch die Schleifenform bestimmt und nicht durch die Schichtung vollständig beseitigt (b), die Remanenz will man klein halten (a), und das Wickeln (d) ist kein Grund.
Ein Reedkontakt schaltet, wenn ein kleiner Magnet in seine Nähe kommt. Welcher Werkstofftyp steckt im Magneten?
- a) Ein weichmagnetischer Werkstoff
- b) Ein Halbleiter
- c) Ein Diamagnet
- d) Ein hartmagnetischer Werkstoff
Richtig: d)
Ein Dauermagnet liefert ein gleichbleibendes Feld ohne Stromversorgung, dafür braucht es einen hartmagnetischen Werkstoff. Ein weichmagnetischer Werkstoff (a) würde seine Magnetisierung nicht halten, Halbleiter (b) und Diamagnete (c) liefern kein nutzbares Dauerfeld.
Welche Aussage zu modernen Leistungselektronik-Werkstoffen wie Siliziumkarbid ist korrekt?
- a) Sie sind reine Isolatoren
- b) Sie vertragen höhere Temperaturen und Spannungen als reines Silizium
- c) Sie sind weichmagnetisch
- d) Sie haben keine Temperaturabhängigkeit
Richtig: b)
SiC ist ein Halbleiterwerkstoff, der höhere Temperaturen und Spannungen aushält und schneller schaltet als reines Silizium. Ein Isolator (a) ist er nicht, magnetische Eigenschaften (c) spielen keine Rolle, und temperaturunabhängig (d) ist kein Halbleiter.
Was passiert mit einem ferromagnetischen Werkstoff oberhalb seiner Curie-Temperatur?
- a) Er verliert seine ferromagnetischen Eigenschaften und wird paramagnetisch
- b) Er wird zum besseren Dauermagneten
- c) Seine Koerzitivfeldstärke steigt stark an
- d) Er wird elektrisch leitfähiger als jedes Metall
Richtig: a)
Über der Curie-Temperatur zerstört die Wärmebewegung die geordnete Ausrichtung der Weiss-Bezirke, der Werkstoff verhält sich nur noch paramagnetisch. Er wird also gerade kein besserer Magnet (b, c), und mit der elektrischen Leitfähigkeit (d) hat das nichts zu tun.
Ein Konstrukteur braucht einen Dauermagneten mit höchster Feldstärke auf kleinstem Bauraum, die Einbausituation bleibt kühl. Welcher Werkstoff bietet sich an?
- a) Hartferrit
- b) Elektroblech
- c) Neodym-Eisen-Bor
- d) Kupfer
Richtig: c)
Neodym-Magnete liefern die höchste Feldstärke pro Volumen und sind bei kühler Einbausituation ideal, da ihre Temperaturempfindlichkeit dann unkritisch ist. Hartferrit (a) ist schwächer pro Volumen, Elektroblech (b) ist weichmagnetisch und kein Dauermagnet, und Kupfer (d) ist gar kein Magnetwerkstoff.
Glossar
- Halbleiter
- Werkstoff, dessen elektrische Leitfähigkeit zwischen der von Leitern und Isolatoren liegt und sich durch Temperatur und Verunreinigung stark verändern lässt.
- Intrinsischer Halbleiter
- reines, undotiertes Halbleitermaterial mit wenigen freien Ladungsträgern und entsprechend schlechter Leitfähigkeit bei Raumtemperatur.
- Heißleiter-Verhalten (NTC)
- Eigenschaft, bei der der Widerstand mit steigender Temperatur sinkt; typisch für Halbleiter, gegensätzlich zu Metallen.
- Einkristall
- Werkstoff mit durchgehend regelmäßigem Kristallgitter ohne Korngrenzen, Voraussetzung für hochwertige Halbleiterbauteile.
- Diamagnetisch
- Werkstoff, der ein äußeres Magnetfeld minimal abschwächt und leicht abgestoßen wird.
- Paramagnetisch
- Werkstoff, der ein äußeres Magnetfeld geringfügig verstärkt und leicht angezogen wird.
- Ferromagnetisch
- Werkstoff, der ein Magnetfeld stark verstärkt und eine eigene Magnetisierung behalten kann (Eisen, Nickel, Kobalt).
- Weiss-Bezirke
- kleine Bereiche im ferromagnetischen Werkstoff, in denen die atomaren Magnete bereits gleich ausgerichtet sind (magnetische Domänen).
- Sättigung
- Zustand, in dem praktisch alle Weiss-Bezirke ausgerichtet sind und sich die Magnetisierung kaum weiter steigern lässt.
- Permeabilität
- Werkstoffkennwert dafür, wie stark ein Werkstoff ein Magnetfeld verstärkt; die relative Permeabilität µ_r ist einheitenlos und bei ferromagnetischen Werkstoffen sehr hoch.
- Curie-Temperatur
- Temperatur, oberhalb der ein ferromagnetischer Werkstoff seine besonderen magnetischen Eigenschaften verliert.
- Hystereseschleife
- geschlossene Kurve der Flussdichte über der Feldstärke beim Auf- und Abmagnetisieren; ihre Breite unterscheidet weich- von hartmagnetischen Werkstoffen.
- Remanenz
- Flussdichte, die im Werkstoff zurückbleibt, wenn das äußere Magnetfeld auf null zurückgeht.
- Koerzitivfeldstärke
- entgegengesetzte Feldstärke, die nötig ist, um die Magnetisierung eines Werkstoffs wieder auf null zu bringen.
- Weichmagnetisch
- Werkstoff mit schmaler Hystereseschleife, leicht ummagnetisierbar; Kernwerkstoff in Trafos, Motoren und Drosseln.
- Hartmagnetisch
- Werkstoff mit breiter Hystereseschleife, behält seine Magnetisierung dauerhaft; Werkstoff für Dauermagnete.
- Ummagnetisierungsverluste
- bei jedem Umpolen entstehende Verluste aus Hystereseverlusten und Wirbelstromverlusten, die als Wärme abgehen.
- Wirbelströme
- im leitfähigen Kern durch das wechselnde Magnetfeld induzierte Kreisströme, die ihn aufheizen; durch geschichtete, isolierte Bleche unterdrückt.
- Elektroblech
- legiertes, geschichtetes Stahlblech als weichmagnetischer Kernwerkstoff in Transformatoren, Motoren und Generatoren.
