Zugversuch & Spannungs-Dehnungs-Diagramm

Bevor ein Werkstoff in einem Bauteil verbaut wird, muss man wissen, wie viel er aushält. Reißt eine Stahlstange bei 200 kN oder erst bei 600 kN? Verformt sie sich vorher sichtbar oder bricht sie ohne Vorwarnung? Genau diese Fragen beantwortet der Zugversuch. Er ist das wichtigste und am häufigsten eingesetzte Prüfverfahren der Werkstoffkunde — und das Spannungs-Dehnungs-Diagramm, das dabei entsteht, ist der Fingerabdruck eines Metalls.

Vorwissen

  • Festigkeitslehre: Spannung und Dehnung
  • Kraft, Masse, Beschleunigung
  • Werkstoffeigenschaften: Festigkeit, Härte, Zähigkeit

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • erklären, wozu der Zugversuch dient und wie er abläuft
  • aus Kraft und Verlängerung die Zugspannung und die Dehnung berechnen
  • ein Spannungs-Dehnungs-Diagramm lesen und die einzelnen Bereiche benennen
  • die wichtigsten Kennwerte (Streckgrenze, Zugfestigkeit, Bruchdehnung, Brucheinschnürung, E-Modul) bestimmen und ihre Bedeutung erklären
  • zähes von sprödem Werkstoffverhalten anhand der Kurve unterscheiden

1. Wozu der Zugversuch dient

Jeder Werkstoff hat eine Grenze. Zieht man stark genug an einem Metallstab, verformt er sich erst, dann reißt er. Der Zugversuch macht diese Grenze messbar — und zwar so, dass die Ergebnisse vergleichbar und wiederholbar sind. Egal ob die Probe in Wien oder in Hamburg geprüft wird: bei gleichem Werkstoff kommen die gleichen Kennwerte heraus.

Möglich macht das ein genormtes Verfahren. Der Zugversuch an metallischen Werkstoffen ist in ÖNORM EN ISO 6892-1 geregelt. Die Norm legt fest, wie die Probe aussehen muss, wie schnell belastet wird und wie die Kennwerte definiert sind. Dadurch sind die Werte auf einem Werkstoffdatenblatt überhaupt erst aussagekräftig: Wenn dort für einen Baustahl eine Zugfestigkeit steht, beruht sie auf genau diesem Versuch.

Der Zugversuch liefert die mechanischen Kennwerte, also Größen wie Streckgrenze und Zugfestigkeit. Andere Eigenschaften prüft man mit anderen Verfahren: die Härte mit einer Härteprüfung, die Schlagzähigkeit mit dem Kerbschlagbiegeversuch. Diese Verfahren ergänzen den Zugversuch, ersetzen ihn aber nicht — jedes beleuchtet eine andere Seite des Werkstoffs.

Warum sind die Ergebnisse eines Zugversuchs zwischen verschiedenen Prüflaboren vergleichbar?

  • a) Weil Probenform, Belastungsablauf und Kennwertdefinitionen genormt sind
  • b) Weil jedes Labor dieselben Maschinen kauft
  • c) Weil immer derselbe Werkstoff geprüft wird
  • d) Weil die Ergebnisse nachträglich umgerechnet werden

Richtig: a)

Die Vergleichbarkeit entsteht durch die Normung nach ÖNORM EN ISO 6892-1, die Probe, Ablauf und Auswertung festlegt. Die Maschinen dürfen sich unterscheiden, solange sie der Norm entsprechen (b falsch). Geprüft werden ganz unterschiedliche Werkstoffe (c falsch), und eine nachträgliche Umrechnung gibt es nicht (d falsch).

Welche Werkstoffeigenschaft lässt sich mit dem Zugversuch nicht direkt bestimmen?

  • a) Zugfestigkeit
  • b) Streckgrenze
  • c) Bruchdehnung
  • d) Schlagzähigkeit

Richtig: d)

Die Schlagzähigkeit wird mit dem Kerbschlagbiegeversuch ermittelt, nicht mit dem Zugversuch. Zugfestigkeit, Streckgrenze und Bruchdehnung sind dagegen klassische Kennwerte aus dem Zugversuch.

2. Ablauf und Probe

Beim Zugversuch wird eine genormte Probe in eine Prüfmaschine eingespannt und langsam in Längsrichtung auseinandergezogen. Die Maschine steigert die Kraft kontinuierlich und misst dabei zwei Größen gleichzeitig: die aufgebrachte Kraft F und die Verlängerung ΔL der Probe. Das geht so lange, bis die Probe bricht.

Damit die Ergebnisse vergleichbar bleiben, ist die Probenform festgelegt. Üblich ist ein Proportionalstab — eine Probe, bei der die Messlänge in einem festen Verhältnis zum Querschnitt steht. Beim häufigsten Rundproben-Typ beträgt die Anfangsmesslänge das Fünffache des Durchmessers. Dieses feste Verhältnis sorgt dafür, dass die Bruchdehnung bei dünnen und dicken Proben aus demselben Werkstoff gleich herauskommt.

Zwei Ausgangsgrößen werden vor dem Versuch festgehalten:

L_0 … Anfangsmesslänge in mm
S_0 … Anfangsquerschnitt in mm²

Die Messlänge L₀ ist der markierte Abschnitt in der Mitte der Probe, an dem die Verlängerung gemessen wird. Der Anfangsquerschnitt S₀ ist die Querschnittsfläche der Probe vor der Belastung. Beide Werte braucht man später, um aus Kraft und Verlängerung die normierten Größen Spannung und Dehnung zu errechnen.

Die eingespannte Probe sieht schematisch so aus:

Zugprobe (Proportionalstab) Einspannung Einspannung F F L₀ S₀ (Querschnitt)

Welche zwei Größen werden während des Zugversuchs fortlaufend gemessen?

  • a) Spannung und Dehnung
  • b) Härte und Temperatur
  • c) Kraft und Verlängerung
  • d) Querschnitt und Messlänge

Richtig: c)

Die Maschine misst direkt die aufgebrachte Kraft F und die Verlängerung ΔL der Probe. Spannung und Dehnung sind keine Messgrößen, sondern werden erst nachträglich aus Kraft, Verlängerung und den Ausgangsmaßen berechnet (a falsch). Querschnitt und Messlänge sind feste Ausgangswerte (d falsch).

Warum verwendet man beim Zugversuch einen Proportionalstab mit festem Verhältnis von Messlänge zu Durchmesser?

  • a) Damit die Probe leichter einzuspannen ist
  • b) Damit die Maschine weniger Kraft aufbringen muss
  • c) Damit die Bruchdehnung bei unterschiedlich dicken Proben aus demselben Werkstoff gleich herauskommt
  • d) Damit der Querschnitt während des Versuchs konstant bleibt

Richtig: c)

Das feste Längen-Durchmesser-Verhältnis sorgt dafür, dass die Dehnungskennwerte unabhängig von der Probengröße vergleichbar sind. Mit der Einspannung oder dem Kraftbedarf hat es nichts zu tun (a, b falsch). Der Querschnitt bleibt gerade nicht konstant — er verringert sich beim Ziehen (d falsch).

3. Von Kraft und Verlängerung zu Spannung und Dehnung

Würde man einfach die Kraft über der Verlängerung auftragen, hätte die Kurve nur für genau diese eine Probe Gültigkeit. Ein dickerer Stab desselben Werkstoffs hält mehr Kraft aus, ein längerer dehnt sich um mehr Millimeter — obwohl es sich um identisches Material handelt. Um den Werkstoff selbst zu beschreiben, muss man die Messwerte von der Probengröße lösen. Genau das leisten zwei Größen: Spannung und Dehnung.

Die Zugspannung σ ist die Kraft bezogen auf den Anfangsquerschnitt:

σ = F / S_0

  • σ … Zugspannung in N/mm²
  • F … Kraft in N
  • S_0 … Anfangsquerschnitt in mm²

Damit ist es egal, ob der Stab dick oder dünn war — die Spannung sagt, wie stark das Material im Inneren beansprucht wird. 1 N/mm² entspricht 1 MPa; beide Einheiten meinen dasselbe.

Die Dehnung ε ist die Verlängerung bezogen auf die Anfangsmesslänge:

ε = ΔL / L_0

  • ε … Dehnung (Verhältniszahl, dimensionslos)
  • ΔL … Verlängerung in mm
  • L_0 … Anfangsmesslänge in mm

Die Dehnung ist ein reines Verhältnis und wird oft in Prozent angegeben — dazu multipliziert man mit 100. Eine Dehnung von 0,01 entspricht also 1 %.

Trägt man jetzt Spannung über Dehnung auf, beschreibt die Kurve den Werkstoff unabhängig von der konkreten Probe. Zwei Proben aus demselben Stahl liefern dieselbe Kurve, auch wenn die eine doppelt so dick war wie die andere. Das ist der Grund, warum im Diagramm immer σ und ε stehen und nicht F und ΔL.

Gelöstes Beispiel

Eine Rundprobe mit 10 mm Durchmesser wird mit einer Kraft von 30 000 N belastet. Die Anfangsmesslänge beträgt 100 mm, die gemessene Verlängerung 0,7 mm. Bestimme Zugspannung und Dehnung.

Gegeben: d = 10 mm, F = 30 000 N, L₀ = 100 mm, ΔL = 0,7 mm

Gesucht: σ in N/mm², ε in %

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Anfangsquerschnitt: S₀ = (d² · π) / 4 = (10² · π) / 4 = 78,54 mm²
  2. Schritt 2 — Zugspannung: σ = F / S₀ = 30 000 / 78,54 = 381,97 N/mm²
  3. Schritt 3 — Dehnung: ε = ΔL / L₀ = 0,7 / 100 = 0,007 = 0,7 %

Ergebnis: σ ≈ 382 N/mm², ε = 0,7 %

Übungen

Eine Probe mit S₀ = 50 mm² wird mit 18 000 N belastet. Berechne die Zugspannung.

σ = 18 000 / 50 = 360 N/mm²

Eine Probe verlängert sich bei L₀ = 80 mm um 0,48 mm. Berechne die Dehnung in Prozent.

ε = 0,48 / 80 = 0,006 = 0,6 %

Eine Rundprobe mit 8 mm Durchmesser wird mit 20 000 N gezogen. Berechne die Zugspannung.

S₀ = (8² · π)/4 = 50,27 mm²; σ = 20 000 / 50,27 = 397,9 N/mm²

Bei einer Spannung von 250 N/mm² und einem Querschnitt von 78,5 mm² — welche Kraft wirkt auf die Probe?

F = σ · S₀ = 250 · 78,5 = 19 625 N

Eine Probe mit L₀ = 120 mm und d = 12 mm wird mit 45 000 N belastet und verlängert sich um 0,9 mm. Berechne Spannung und Dehnung.

S₀ = (12²·π)/4 = 113,10 mm²; σ = 45 000/113,10 = 397,9 N/mm²; ε = 0,9/120 = 0,0075 = 0,75 %

Eine dicke und eine dünne Probe aus demselben Werkstoff werden geprüft. Was gilt für die Spannungs-Dehnungs-Kurven?

  • a) Die dickere Probe ergibt eine höhere Kurve
  • b) Die dünnere Probe ergibt eine höhere Kurve
  • c) Die Kurven lassen sich nicht vergleichen
  • d) Beide Kurven verlaufen praktisch gleich

Richtig: d)

Weil Spannung und Dehnung auf Querschnitt und Länge bezogen sind, beschreiben sie den Werkstoff und nicht die Probengröße. Beide Proben aus demselben Material liefern daher praktisch dieselbe Kurve. Würde man F über ΔL auftragen, läge die dickere Probe höher — aber genau das vermeidet die Normierung (a, b falsch).

Eine Probe mit 200 mm² Querschnitt trägt eine Spannung von 300 N/mm². Welche Aussage ist richtig?

  • a) Die wirkende Kraft beträgt 60 000 N
  • b) Die wirkende Kraft beträgt 1,5 N
  • c) Die Spannung hängt von der Messlänge ab
  • d) Die Kraft lässt sich ohne Dehnung nicht berechnen

Richtig: a)

Aus σ = F/S₀ folgt F = σ · S₀ = 300 · 200 = 60 000 N. Die Spannung hängt nur von Kraft und Querschnitt ab, nicht von der Messlänge (c falsch), und die Dehnung wird zur Kraftberechnung nicht gebraucht (d falsch).

Warum trägt man im Diagramm Spannung und Dehnung auf und nicht direkt Kraft und Verlängerung?

  • a) Weil Kraft und Verlängerung schwer zu messen sind
  • b) Weil Spannung und Dehnung den Werkstoff unabhängig von der Probengröße beschreiben
  • c) Weil die Maschine nur Spannung anzeigt
  • d) Weil die Norm keine Kraftangaben erlaubt

Richtig: b)

Spannung und Dehnung lösen die Messwerte von der konkreten Probe und machen sie damit zu Werkstoffkennwerten. Kraft und Verlängerung sind sogar die gemessenen Größen (a, c falsch), und die Norm verbietet Kraftangaben keineswegs (d falsch).

4. Das Spannungs-Dehnungs-Diagramm lesen

Das Spannungs-Dehnungs-Diagramm ist das Herzstück des Zugversuchs. Auf der waagrechten Achse steht die Dehnung ε, auf der senkrechten die Spannung σ. Der Verlauf der Kurve erzählt die ganze Geschichte: erst die elastische Verformung, dann das Fließen, schließlich die Einschnürung und der Bruch.

Bei vielen Baustählen zeigt die Kurve einen charakteristischen Verlauf mit ausgeprägter Streckgrenze:

Stahl mit ausgeprägter Streckgrenze ε σ Dehnung Bruch Rₑ Rₘ elastisch Fließen Verfestigung Einschnürung

Der Verlauf gliedert sich in mehrere Abschnitte:

Im elastischen Bereich steigt die Spannung gerade und proportional zur Dehnung an. Das ist der Gültigkeitsbereich des Hooke’schen Gesetzes: Verdoppelt man die Spannung, verdoppelt sich die Dehnung. Entlastet man die Probe hier, federt sie vollständig in ihre Ausgangsform zurück. Die Steigung dieser Geraden ist eine Werkstoffkonstante — der Elastizitätsmodul (kurz E-Modul). Er beschreibt, wie steif ein Werkstoff ist:

E = σ / ε

  • E … Elastizitätsmodul in N/mm²
  • σ … Spannung im elastischen Bereich in N/mm²
  • ε … zugehörige Dehnung (dimensionslos)

Ein hoher E-Modul bedeutet einen steifen Werkstoff, der sich unter Last nur wenig dehnt. Stahl hat einen rund dreimal so hohen E-Modul wie Aluminium — eine Stahlstange verformt sich bei gleicher Spannung also deutlich weniger als eine gleich große Aluminiumstange.

Am Ende der Geraden liegt die Streckgrenze Re. Hier beginnt der Werkstoff zu fließen: Bei Baustählen dehnt sich die Probe weiter, ohne dass die Spannung nennenswert steigt — im Diagramm zeigt sich das als kurzer, gezackter waagrechter Abschnitt. Ab jetzt bleibt eine bleibende, plastische Verformung zurück, auch nach dem Entlasten.

Danach folgt die Verfestigung: Das Material setzt der weiteren Dehnung wieder mehr Widerstand entgegen, die Kurve steigt erneut. Den höchsten Punkt der Kurve nennt man Zugfestigkeit Rm — die größte Spannung, die die Probe verträgt.

Hinter dem Maximum beginnt die Einschnürung: Der Querschnitt an einer Stelle wird sichtbar dünner, die tragbare Kraft sinkt, und die Kurve fällt ab, bis die Probe schließlich bricht.

Werkstoffe ohne ausgeprägte Streckgrenze

Nicht jeder Werkstoff zeigt diesen klaren Knick. Aluminium, viele hochfeste Stähle und andere Werkstoffe gehen fließend vom elastischen in den plastischen Bereich über — es gibt keine erkennbare Streckgrenze. Damit man trotzdem einen vergleichbaren Kennwert hat, definiert man eine Ersatzstreckgrenze Rp0,2.

Sie wird grafisch ermittelt: Man verschiebt die Hooke’sche Gerade um 0,2 % Dehnung parallel nach rechts. Wo diese verschobene Gerade die Kurve schneidet, liegt die Rp0,2. Sie ist also die Spannung, bei der nach dem Entlasten genau 0,2 % bleibende Dehnung zurückbleiben.

Werkstoff ohne ausgeprägte Streckgrenze (Rp0,2) ε σ 0,2 % 0,2%-Parallele Rp0,2 Rₘ

Die 0,2-%-Konstruktion ist eine Standardmethode der Werkstoffprüfung. Sie sorgt dafür, dass auch Werkstoffe ohne klaren Fließbereich einen definierten, vergleichbaren Festigkeitskennwert bekommen.

Was beschreibt der Elastizitätsmodul eines Werkstoffs?

  • a) Die maximale Kraft bis zum Bruch
  • b) Die bleibende Dehnung nach dem Bruch
  • c) Die Steigung der Kurve im elastischen Bereich, also die Steifigkeit
  • d) Die Spannung an der Einschnürstelle

Richtig: c)

Der E-Modul is das Verhältnis von Spannung zu Dehnung im elastischen Bereich und damit ein Maß für die Steifigkeit. Die maximale Kraft beschreibt die Zugfestigkeit (a falsch), die bleibende Dehnung die Bruchdehnung (b falsch), und die Einschnürung ist ein eigenes Phänomen nach dem Spannungsmaximum (d falsch).

Eine Probe wird im elastischen Bereich belastet und dann wieder entlastet. Was passiert?

  • a) Sie federt vollständig in die Ausgangsform zurück
  • b) Sie reißt sofort
  • c) Sie behält eine bleibende Verformung
  • d) Ihr Querschnitt schnürt sich ein

Richtig: a)

Solange die Belastung im elastischen Bereich bleibt, ist die Verformung umkehrbar — die Probe geht vollständig in ihre Ausgangsform zurück. Eine bleibende Verformung tritt erst oberhalb der Streckgrenze auf (c falsch), die Einschnürung erst kurz vor dem Bruch (d falsch).

Wie wird die Ersatzstreckgrenze Rp0,2 grafisch ermittelt?

  • a) Als höchster Punkt der gesamten Kurve
  • b) Als Spannung beim Bruch
  • c) Als Mittelwert aus Streckgrenze und Zugfestigkeit
  • d) Als Schnittpunkt der um 0,2 % parallel verschobenen Hooke-Geraden mit der Kurve

Richtig: d)

Man verschiebt die elastische Gerade um 0,2 % Dehnung nach rechts; der Schnittpunkt mit der Spannungs-Dehnungs-Kurve liefert Rp0,2. Der höchste Punkt ist die Zugfestigkeit (a falsch), und ein Mittelwert hat damit nichts zu tun (c falsch).

Was passiert im Diagramm zwischen Streckgrenze und Zugfestigkeit?

  • a) Die Probe federt zurück
  • b) Der Werkstoff verfestigt sich und setzt der Dehnung wieder mehr Widerstand entgegen
  • c) Der Querschnitt bleibt unverändert
  • d) Die Spannung fällt kontinuierlich ab

Richtig: b)

Nach dem Fließen tritt Verfestigung ein: Die Kurve steigt erneut bis zum Maximum (Rm). Ein Zurückfedern gibt es im plastischen Bereich nicht mehr (a falsch), und die Spannung fällt erst nach dem Maximum, nicht vorher (d falsch).

5. Die wichtigsten Kennwerte

Aus dem Zugversuch lassen sich mehrere Kennwerte ablesen oder berechnen. Sie beschreiben den Werkstoff von verschiedenen Seiten — wie fest er ist, wie viel er sich verformen lässt, wie steif er ist. Den E-Modul kennst du bereits aus dem vorigen Kapitel; hier kommen die übrigen Festigkeits- und Verformungskennwerte dazu.

Die Streckgrenze Re markiert den Übergang von elastischer zu plastischer Verformung. Sie ist die Spannung, ab der bleibende Verformung einsetzt:

Rₑ = Fₑ / S_0

  • Rₑ … Streckgrenze in N/mm²
  • Fₑ … Kraft an der Streckgrenze in N
  • S_0 … Anfangsquerschnitt in mm²

Die Zugfestigkeit Rm ist die höchste ertragbare Spannung, bezogen auf den Anfangsquerschnitt:

Rₘ = Fₘ / S_0

  • Rₘ … Zugfestigkeit in N/mm²
  • Fₘ … Höchstkraft in N
  • S_0 … Anfangsquerschnitt in mm²

Die Bruchdehnung A beschreibt, wie stark sich die Probe insgesamt bleibend gedehnt hat. Dazu setzt man die Probe nach dem Bruch wieder zusammen und misst die Messlänge erneut:

A = (Lᵤ − L_0) / L_0 · 100

  • A … Bruchdehnung in %
  • Lᵤ … Messlänge nach dem Bruch in mm
  • L_0 … Anfangsmesslänge in mm

Die Brucheinschnürung Z beschreibt, wie stark sich der Querschnitt an der Bruchstelle verkleinert hat:

Z = (S_0 − Sᵤ) / S_0 · 100

  • Z … Brucheinschnürung in %
  • S_0 … Anfangsquerschnitt in mm²
  • Sᵤ … kleinster Querschnitt nach dem Bruch in mm²

Bruchdehnung und Brucheinschnürung sind Verformungskennwerte: Sie sagen aus, wie viel ein Werkstoff aushält, bevor er reißt — also wie zäh er ist. Streckgrenze und Zugfestigkeit sind dagegen Festigkeitskennwerte: Sie sagen, wie viel Spannung er trägt.

Gelöstes Beispiel

Eine Rundprobe mit 10 mm Durchmesser und 100 mm Anfangsmesslänge wird geprüft. Die Streckgrenze wird bei 18 800 N erreicht, die Höchstkraft beträgt 29 800 N. Nach dem Bruch misst die Messlänge 124 mm, der kleinste Querschnitt 38 mm².

Gegeben: d = 10 mm → S₀ = 78,54 mm², L₀ = 100 mm, Fe = 18 800 N, Fm = 29 800 N, Lu = 124 mm, Su = 38 mm²

Gesucht: Re, Rm in N/mm²; A, Z in %

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Streckgrenze: Re = Fe / S₀ = 18 800 / 78,54 = 239,4 N/mm²
  2. Schritt 2 — Zugfestigkeit: Rm = Fm / S₀ = 29 800 / 78,54 = 379,4 N/mm²
  3. Schritt 3 — Bruchdehnung: A = (Lu − L₀) / L₀ · 100 = (124 − 100) / 100 · 100 = 24 %
  4. Schritt 4 — Brucheinschnürung: Z = (S₀ − Su) / S₀ · 100 = (78,54 − 38) / 78,54 · 100 = 51,6 %

Ergebnis: Re ≈ 239 N/mm², Rm ≈ 379 N/mm², A = 24 %, Z ≈ 52 %

Übungen

Eine Probe mit S₀ = 50 mm² erreicht die Streckgrenze bei 12 000 N. Berechne Re.

Re = 12 000 / 50 = 240 N/mm²

Bei einer Höchstkraft von 22 000 N and S₀ = 50 mm² — wie groß ist die Zugfestigkeit?

Rm = 22 000 / 50 = 440 N/mm²

Eine Probe mit L₀ = 80 mm misst nach dem Bruch 98 mm. Berechne die Bruchdehnung.

A = (98 − 80)/80 · 100 = 22,5 %

Der Anfangsquerschnitt beträgt 78,54 mm², der kleinste Querschnitt nach dem Bruch 45 mm². Berechne die Brucheinschnürung.

Z = (78,54 − 45)/78,54 · 100 = 42,7 %

Eine Rundprobe mit 12 mm Durchmesser und 60 mm Messlänge erreicht Fe = 28 000 N und Fm = 48 000 N. Nach dem Bruch: Lu = 73 mm, Su = 60 mm². Berechne alle vier Kennwerte.

S₀ = (12²·π)/4 = 113,10 mm²; Re = 28 000/113,10 = 247,6 N/mm²; Rm = 48 000/113,10 = 424,4 N/mm²; A = (73−60)/60·100 = 21,7 %; Z = (113,10−60)/113,10·100 = 46,9 %

Eine Probe (S₀ = 100 mm²) erreicht die Streckgrenze bei 25 000 N und die Höchstkraft bei 40 000 N. Welche Werte ergeben sich?

  • a) Re = 400 N/mm², Rm = 250 N/mm²
  • b) Re = 250 N/mm², Rm = 400 N/mm²
  • c) Re = 25 N/mm², Rm = 40 N/mm²
  • d) Re = 250 N/mm², Rm = 250 N/mm²

Richtig: b)

Re = 25 000/100 = 250 N/mm² und Rm = 40 000/100 = 400 N/mm². Die Streckgrenze liegt immer unter der Zugfestigkeit, weil sie an einer niedrigeren Kraft erreicht wird — Antwort a vertauscht die beiden Werte.

Zwei Stähle haben dieselbe Zugfestigkeit, aber Stahl A hat eine Bruchdehnung von 25 %, Stahl B von 4 %. Was lässt sich sagen?

  • a) Stahl A ist deutlich zäher und verformt sich vor dem Bruch stärker
  • b) Stahl B ist zäher
  • c) Beide verhalten sich gleich
  • d) Stahl A ist fester

Richtig: a)

Eine hohe Bruchdehnung bedeutet starke bleibende Verformbarkeit vor dem Bruch — ein Kennzeichen von Zähigkeit. Stahl A mit 25 % ist also deutlich zäher als Stahl B mit 4 %. Die Festigkeit (Rm) ist bei beiden gleich, sagt über die Zähigkeit aber nichts aus (d falsch).

Welcher Kennwert beschreibt, wie stark sich der Querschnitt an der Bruchstelle verkleinert?

  • a) Bruchdehnung A
  • b) Zugfestigkeit Rm
  • c) Brucheinschnürung Z
  • d) E-Modul

Richtig: c)

Die Brucheinschnürung Z = (S₀ − Su)/S₀ · 100 bezieht sich genau auf die Querschnittsverkleinerung an der Bruchstelle. Die Bruchdehnung A beschreibt dagegen die Längenänderung (a falsch).

6. Verhalten verschiedener Werkstoffe und Praxisnutzen

Die Form der Spannungs-Dehnungs-Kurve verrät auf einen Blick, mit welcher Art von Werkstoff man es zu tun hat. Zähe Werkstoffe haben einen großen plastischen Bereich: Sie verformen sich nach dem Überschreiten der Streckgrenze noch deutlich, bevor sie reißen — die Kurve ist breit und flacht oben ab. Ein zäher Baustahl kündigt sein Versagen also durch sichtbare Verformung an.

Spröde Werkstoffe verhalten sich umgekehrt. Sie haben kaum einen plastischen Bereich; die Kurve steigt steil an und bricht abrupt ab, fast ohne bleibende Verformung. Gusseisen oder gehärteter Stahl sind typische Beispiele. Spröde Werkstoffe versagen ohne Vorwarnung — das macht sie in vielen sicherheitsrelevanten Bauteilen problematisch.

Zur Orientierung: Ein einfacher Baustahl wie S235 hat eine Streckgrenze in der Größenordnung von etwa 235 N/mm² (daher der Name) und eine Zugfestigkeit im Bereich von rund 360 bis 510 N/mm². Höherfeste Stähle erreichen ein Vielfaches davon. Solche Zahlen geben ein Gefühl für die Dimensionen, ersetzen aber nie den Blick ins konkrete Werkstoffdatenblatt.

Ein Werkstoff zeigt im Diagramm einen steilen Anstieg und einen abrupten Bruch fast ohne plastischen Bereich. Wie verhält er sich?

  • a) Zäh
  • b) Spröde
  • c) Elastisch unbegrenzt
  • d) Wie ein Werkstoff mit hoher Bruchdehnung

Richtig: b)

Ein abrupter Bruch ohne nennenswerte bleibende Verformung ist das Kennzeichen sprödes Verhalten. Zähe Werkstoffe hätten einen breiten plastischen Bereich und eine hohe Bruchdehnung (a, d falsch).

Warum legt man Bauteile gegen die Streckgrenze und nicht gegen die Zugfestigkeit aus?

  • a) Weil die Zugfestigkeit nicht messbar ist
  • b) Weil die Streckgrenze immer höher ist als die Zugfestigkeit
  • c) Weil die Zugfestigkeit vom Querschnitt unabhängig ist
  • d) Weil eine bleibende Verformung das Bauteil meist schon unbrauchbar macht

Richtig: d)

Schon das Überschreiten der Streckgrenze führt zu bleibender Verformung, die ein Bauteil unbrauchbar machen kann — lange bevor es bricht. Die Streckgrenze liegt zudem stets unter der Zugfestigkeit (b falsch), und die Zugfestigkeit ist sehr wohl messbar (a falsch).

Was sagt der Wert „235″ in der Stahlbezeichnung S235 in erster Linie aus?

  • a) Die Streckgrenze in der Größenordnung von 235 N/mm²
  • b) Die Zugfestigkeit in N/mm²
  • c) Die Bruchdehnung in %
  • d) Den E-Modul in kN/mm²

Richtig: a)

Bei dieser Stahlgruppe steht die Zahl für die Mindeststreckgrenze in N/mm². Die Zugfestigkeit liegt höher (b falsch), und mit Bruchdehnung oder E-Modul hat die Zahl nichts zu tun.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Eine Rundprobe mit 10 mm Durchmesser wird mit 28 000 N belastet.

Gegeben: d = 10 mm, F = 28 000 N

Gesucht: Zugspannung σ

Lösungsweg:

  1. S₀ = (10²·π)/4 = 78,54 mm²
  2. σ = 28 000/78,54

Ergebnis: σ ≈ 356,5 N/mm²

Aufgabe 2: Eine Probe mit S₀ = 50 mm² und L₀ = 100 mm verlängert sich unter Last um 0,55 mm.

Gegeben: S₀ = 50 mm², L₀ = 100 mm, ΔL = 0,55 mm, F = 17 500 N

Gesucht: σ und ε

Lösungsweg:

  1. σ = 17 500/50 = 350 N/mm²
  2. ε = 0,55/100 = 0,55 %

Ergebnis: σ = 350 N/mm², ε = 0,55 %

Aufgabe 3: Die Streckgrenze einer Probe (S₀ = 78,54 mm²) wird bei 19 600 N erreicht.

Gegeben: Fe = 19 600 N, S₀ = 78,54 mm²

Gesucht: Streckgrenze Re

Lösungsweg:

  1. Re = 19 600/78,54

Ergebnis: Re ≈ 249,6 N/mm²

Aufgabe 4: Eine Probe erreicht die Höchstkraft bei 41 000 N, der Anfangsquerschnitt beträgt 113,10 mm².

Gegeben: Fm = 41 000 N, S₀ = 113,10 mm²

Gesucht: Zugfestigkeit Rm

Lösungsweg:

  1. Rm = 41 000/113,10

Ergebnis: Rm ≈ 362,5 N/mm²

Aufgabe 5: Eine Probe mit L₀ = 100 mm misst nach dem Bruch 127 mm.

Gegeben: L₀ = 100 mm, Lu = 127 mm

Gesucht: Bruchdehnung A

Lösungsweg:

  1. A = (127 − 100)/100 · 100

Ergebnis: A = 27 %

Aufgabe 6: Der Anfangsquerschnitt einer Probe beträgt 78,54 mm², der kleinste Querschnitt nach dem Bruch 40 mm².

Gegeben: S₀ = 78,54 mm², Su = 40 mm²

Gesucht: Brucheinschnürung Z

Lösungsweg:

  1. Z = (78,54 − 40)/78,54 · 100

Ergebnis: Z ≈ 49,1 %

Aufgabe 7: Im elastischen Bereich misst man bei einer Spannung von 210 N/mm² eine Dehnung von 0,001.

Gegeben: σ = 210 N/mm², ε = 0,001

Gesucht: E-Modul

Lösungsweg:

  1. E = σ/ε = 210/0,001

Ergebnis: E = 210 000 N/mm²

Aufgabe 8: Eine Rundprobe mit 12 mm Durchmesser und 60 mm Messlänge: Fe = 26 500 N, Fm = 46 000 N, Lu = 71 mm, Su = 58 mm².

Gegeben: d = 12 mm, L₀ = 60 mm, Fe = 26 500 N, Fm = 46 000 N, Lu = 71 mm, Su = 58 mm²

Gesucht: Re, Rm, A, Z

Lösungsweg:

  1. S₀ = (12²·π)/4 = 113,10 mm²
  2. Re = 26 500/113,10 = 234,3 N/mm²
  3. Rm = 46 000/113,10 = 406,7 N/mm²
  4. A = (71−60)/60·100 = 18,3 %
  5. Z = (113,10−58)/113,10·100 = 48,7 %

Ergebnis: Re ≈ 234 N/mm², Rm ≈ 407 N/mm², A ≈ 18,3 %, Z ≈ 48,7 %

Welche Größe steht im Spannungs-Dehnungs-Diagramm auf der senkrechten Achse?

  • a) Kraft
  • b) Verlängerung
  • c) Spannung
  • d) Querschnitt

Richtig: c)

Auf der senkrechten Achse steht die Spannung σ, auf der waagrechten die Dehnung ε. Kraft und Verlängerung sind die gemessenen Rohgrößen, aus denen σ und ε erst berechnet werden.

Eine Probe wird bis knapp unter die Streckgrenze belastet und entlastet. Was bleibt zurück?

  • a) Eine deutliche bleibende Verformung
  • b) Ein Bruch
  • c) Eine Einschnürung
  • d) Nichts — sie federt vollständig zurück

Richtig: d)

Unterhalb der Streckgrenze is die Verformung rein elastisch und vollständig umkehrbar. Bleibende Verformung, Einschnürung oder Bruch treten erst bei höheren Spannungen auf.

Zwei Werkstoffe haben gleiche Zugfestigkeit. Werkstoff X dehnt sich vor dem Bruch um 22 %, Werkstoff Y um 3 %. Welche Aussage stimmt?

  • a) X verhält sich zäher, Y eher spröde
  • b) Y ist zäher als X
  • c) Beide sind gleich spröde
  • d) X ist fester als Y

Richtig: a)

Die hohe Bruchdehnung von X zeigt großes plastisches Verformungsvermögen — also zähes Verhalten. Y mit nur 3 % verhält sich spröde. Die Festigkeit ist bei beiden gleich (d falsch).

Warum bezieht man Spannung und Bruchdehnung auf den Anfangsquerschnitt bzw. die Anfangsmesslänge und nicht auf die aktuellen Werte?

  • a) Weil sich die aktuellen Werte nicht messen lassen
  • b) Damit die Kennwerte einheitlich und vergleichbar definiert sind
  • c) Weil sich der Querschnitt nicht ändert
  • d) Weil die Norm aktuelle Werte verbietet

Richtig: b)

Der Bezug auf die festen Ausgangsmaße macht die Kennwerte eindeutig und vergleichbar — jeder berechnet sie nach derselben Grundlage. Der Querschnitt ändert sich beim Ziehen sehr wohl (c falsch).

Ein Werkstoff zeigt keine ausgeprägte Streckgrenze. Welcher Kennwert wird stattdessen verwendet?

  • a) Die Zugfestigkeit Rm
  • b) Die Ersatzstreckgrenze Rp0,2
  • c) Die Brucheinschnürung Z
  • d) Der E-Modul

Richtig: b)

Bei kontinuierlichem Übergang vom elastischen in den plastischen Bereich definiert man die Ersatzstreckgrenze Rp0,2 über die 0,2-%-Parallele. Die anderen Kennwerte beschreiben andere Eigenschaften.

Eine Probe (S₀ = 80 mm²) reißt bei einer Höchstkraft von 32 000 N. Wie groß ist die Zugfestigkeit?

  • a) 400 N/mm²
  • b) 250 N/mm²
  • c) 320 N/mm²
  • d) 2 560 000 N/mm²

Richtig: a)

Rm = Fm/S₀ = 32 000/80 = 400 N/mm². Antwort d multipliziert fälschlich, statt zu dividieren.

Welche Reihenfolge der Bereiche durchläuft eine Stahlprobe mit ausgeprägter Streckgrenze von Beginn der Belastung bis zum Bruch?

  • a) Fließen → elastisch → Einschnürung → Verfestigung
  • b) Verfestigung → elastisch → Bruch
  • c) Elastisch → Fließen → Verfestigung → Einschnürung → Bruch
  • d) Elastisch → Einschnürung → Fließen → Bruch

Richtig: c)

Die korrekte Abfolge ist: elastischer Anstieg, Fließen an der Streckgrenze, Verfestigung bis zur Zugfestigkeit, Einschnürung und schließlich Bruch. Die anderen Reihenfolgen widersprechen dem tatsächlichen Kurvenverlauf.

Was bedeutet ein hoher E-Modul für einen Werkstoff?

  • a) Er ist besonders fest
  • b) Er ist besonders steif und verformt sich elastisch nur wenig
  • c) Er hat eine hohe Bruchdehnung
  • d) Er ist besonders spröde

Richtig: b)

Der E-Modul ist ein Maß für die Steifigkeit: Bei hohem E-Modul dehnt sich der Werkstoff unter gegebener Spannung im elastischen Bereich nur wenig. Festigkeit, Bruchdehnung und Sprödigkeit sind davon unabhängige Eigenschaften.

Eine Probe verlängert sich im elastischen Bereich bei σ = 150 N/mm² um ε = 0,000714. Wie groß ist der E-Modul ungefähr?

  • a) 21 000 N/mm²
  • b) 2 100 N/mm²
  • c) 1 070 N/mm²
  • d) 210 000 N/mm²

Richtig: d)

E = σ/ε = 150/0,000714 ≈ 210 000 N/mm² — ein typischer Wert für Stahl. Die anderen Antworten unterscheiden sich um Zehnerpotenzen und ergeben sich aus Rechenfehlern.

Eine zähe und eine spröde Probe haben dieselbe Streckgrenze. Worin unterscheiden sich ihre Diagramme vor allem?

  • a) In der Höhe des elastischen Anstiegs
  • b) Im Anfangsquerschnitt
  • c) In der Breite des plastischen Bereichs vor dem Bruch
  • d) In der Lage der senkrechten Achse

Richtig: c)

Der wesentliche Unterschied liegt im Ausmaß der plastischen Verformung: Die zähe Probe hat einen breiten plastischen Bereich, die spröde bricht früh. Der elastische Anstieg hängt vom E-Modul ab und kann bei gleicher Streckgrenze ähnlich sein (a falsch).

Glossar

Zugversuch
Genormtes Prüfverfahren, bei dem eine Probe bis zum Bruch gedehnt wird, um mechanische Kennwerte zu ermitteln.
Proportionalstab
Zugprobe mit festem Verhältnis von Anfangsmesslänge zu Durchmesser, damit Dehnungskennwerte unabhängig von der Probengröße vergleichbar sind.
Zugspannung (σ)
Kraft bezogen auf den Anfangsquerschnitt, σ = F/S₀, in N/mm².
Dehnung (ε)
Verlängerung bezogen auf die Anfangsmesslänge, ε = ΔL/L₀, oft in Prozent angegeben.
Elastischer Bereich
Abschnitt, in dem die Verformung vollständig umkehrbar ist und das Hooke’sche Gesetz gilt.
Hooke’sches Gesetz
Im elastischen Bereich sind Spannung und Dehnung proportional zueinander.
Elastizitätsmodul (E-Modul)
Werkstoffkonstante, die die Steigung der Hooke’schen Geraden und damit die Steifigkeit beschreibt, E = σ/ε.
Streckgrenze (Re)
Spannung, ab der bleibende plastische Verformung einsetzt, Re = Fe/S₀.
Ersatzstreckgrenze (Rp0,2)
Für Werkstoffe ohne ausgeprägte Streckgrenze definierter Kennwert; Spannung bei 0,2 % bleibender Dehnung, grafisch über die 0,2-%-Parallele ermittelt.
Zugfestigkeit (Rm)
Höchste ertragbare Spannung der Probe, bezogen auf den Anfangsquerschnitt, Rm = Fm/S₀.
Bruchdehnung (A)
Bleibende Längenänderung nach dem Bruch, bezogen auf die Anfangsmesslänge, in Prozent.
Brucheinschnürung (Z)
Verkleinerung des Querschnitts an der Bruchstelle, bezogen auf den Anfangsquerschnitt, in Prozent.
Plastische Verformung
Bleibende Verformung, die nach dem Entlasten zurückbleibt.
Einschnürung
Örtliche Querschnittsverringerung der Probe nach Überschreiten der Zugfestigkeit, kurz vor dem Bruch.

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