Härteprüfung: Brinell, Rockwell, Vickers
Wie hart ist dieser Stahl? Die Frage taucht ständig auf – beim Wareneingang, nach dem Härten, bei der Schadensanalyse. Härte sagt etwas darüber aus, wie gut ein Werkstoff dem Eindringen eines anderen Körpers widersteht, und sie lässt sich am fertigen Bauteil oft in wenigen Sekunden bestimmen, ohne es zu zerstören. Genau das macht die Härteprüfung zu einem der meistgenutzten Werkstofftests überhaupt.
Drei Verfahren dominieren die Praxis: Brinell, Vickers und Rockwell. Sie messen alle dasselbe Grundphänomen, gehen aber unterschiedlich vor – mit verschiedenen Prüfkörpern, verschiedenen Messgrößen und für verschiedene Werkstoffe. Dieser Beitrag zeigt, wie die drei funktionieren, wie man ihre Werte liest und wann man welches nimmt.
Vorwissen
- Werkstoffeigenschaften: Festigkeit, Härte, Zähigkeit
- Kraft, Masse, Beschleunigung
- Gleichungen umstellen
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, was Härte physikalisch bedeutet und nach welchem Grundprinzip alle Eindringverfahren arbeiten
- die Verfahren Brinell, Vickers und Rockwell beschreiben und die jeweilige Messgröße benennen
- Brinell- und Vickershärte aus Prüfkraft und Eindruckgeometrie berechnen
- Härte-Kurzzeichen wie 250 HBW 5/750, 600 HV 10 oder 58 HRC korrekt lesen
- für einen gegebenen Werkstoff und Prüffall das passende Verfahren auswählen und einen normgerechten Härtewert dokumentieren
1. Was ist Härte – und warum prüfen wir sie?
Härte ist der Widerstand, den ein Werkstoff dem Eindringen eines härteren Körpers entgegensetzt. Drückt man eine harte Kugel oder eine Diamantspitze in eine Oberfläche, hinterlässt sie einen Eindruck. Je kleiner dieser Eindruck bei gleicher Kraft, desto härter der Werkstoff. Das ist die ganze Grundidee – und sie ist in allen drei großen Verfahren dieselbe.
Härte ist keine eigenständige physikalische Grundgröße wie Masse oder Länge. Sie ist eine technische Kenngröße, die immer an ein bestimmtes Prüfverfahren gebunden ist. Ein Härtewert ohne Angabe des Verfahrens ist deshalb wertlos: „45 Härte“ sagt nichts, „45 HRC“ dagegen sehr viel.
Warum prüft man in der Praxis so oft Härte und nicht direkt die Festigkeit? Weil die Härteprüfung schnell geht, mit kleinen Geräten auskommt und das Bauteil meist nicht zerstört. Der Eindruck ist winzig und stört die Funktion in der Regel nicht. Ein Zugversuch dagegen braucht eine genormte Probe, die aus dem Bauteil herausgearbeitet und dabei zerstört wird. Härte und Zugfestigkeit hängen bei vielen Stählen näherungsweise zusammen – diesen Zusammenhang behandeln wir hier nur am Rande, er ist Thema eines eigenen Beitrags.
Das gemeinsame Grundprinzip aller Eindringverfahren lässt sich in drei Schritten zusammenfassen: Ein definierter Eindringkörper (Kugel, Pyramide oder Kegel) wird mit einer festgelegten Prüfkraft in die Oberfläche gedrückt. Anschließend wertet man den Eindruck aus – entweder seine Größe (Brinell, Vickers) oder seine Tiefe (Rockwell). Aus diesem Messwert ergibt sich die Härte.
Zwei Proben werden mit identischer Prüfkraft und identischem Eindringkörper geprüft. Probe A zeigt einen deutlich größeren Eindruck als Probe B. Welche Aussage trifft zu?
- a) Probe B ist härter als Probe A
- b) Probe A ist härter als Probe B
- c) Beide Proben sind gleich hart, der Unterschied liegt am Gerät
- d) Aus der Eindruckgröße lässt sich keine Aussage über die Härte ableiten
Richtig: a)
Bei gleicher Kraft und gleichem Eindringkörper bedeutet ein kleinerer Eindruck einen höheren Eindringwiderstand, also mehr Härte. Probe B mit dem kleineren Eindruck ist härter. Antwort b kehrt den Zusammenhang um, c ignoriert die definierten gleichen Prüfbedingungen, und d widerspricht dem Grundprinzip jeder Eindringprüfung.
Warum ist die Angabe „Werkstoff hat eine Härte von 200″ ohne Zusatz fachlich unbrauchbar?
- a) Weil Härte immer in Newton angegeben werden muss
- b) Weil 200 ein zu niedriger Wert für technische Werkstoffe ist
- c) Weil Härte an ein Prüfverfahren gebunden ist und ohne Verfahrenskürzel nicht eingeordnet werden kann
- d) Weil Härtewerte grundsätzlich nur als Bereich angegeben werden dürfen
Richtig: c)
Härte ist keine absolute Grundgröße, sondern das Ergebnis eines konkreten Verfahrens. Erst das Kürzel (HBW, HV, HRC …) sagt, wie gemessen wurde und in welcher Skala der Wert liegt. Antwort a ist falsch, weil Härte je nach Verfahren dimensionslos oder als Spannungswert ausgedrückt wird; b und d erfinden Regeln, die es nicht gibt.
2. Brinell-Verfahren (HBW)
Das Brinell-Verfahren ist das älteste der drei und arbeitet mit einer Hartmetallkugel als Eindringkörper. Sie wird mit einer festgelegten Prüfkraft in die Oberfläche gedrückt und hinterlässt eine runde, kalottenförmige Vertiefung. Gemessen wird anschließend der Durchmesser dieses Eindrucks – meist optisch mit einem Messmikroskop, in zwei Richtungen, aus denen man den Mittelwert bildet.
Die Brinellhärte ergibt sich aus dem Verhältnis der Prüfkraft zur Oberfläche des kugelförmigen Eindrucks (der Kalotte). Je härter der Werkstoff, desto kleiner der Eindruckdurchmesser und desto kleiner die Kalottenoberfläche – also desto höher der Härtewert.
HBW = 0,102 * (2 * F) / (PI * D * (D – sqrt(D^2 – d^2)))
- HBW … Brinellhärte (dimensionslos)
- F ….. Prüfkraft in Newton
- D ….. Kugeldurchmesser in mm
- d ….. mittlerer Eindruckdurchmesser in mm
Der Faktor 0,102 stammt aus der historischen Umrechnung von Kilopond auf Newton (1 kp entspricht etwa 9,81 N, der Kehrwert is rund 0,102). Dadurch bleiben heutige Brinellwerte mit den früher in kp ermittelten vergleichbar.
Damit Eindrücke unterschiedlicher Kugelgrößen vergleichbar bleiben, hält man das Verhältnis von Prüfkraft zu Kugeldurchmesser konstant. Dieses Verhältnis heißt Beanspruchungsgrad. Erst bei gleichem Beanspruchungsgrad liefern verschieden große Kugeln am selben Werkstoff denselben Härtewert.
B = 0,102 * F / D^2
- B … Beanspruchungsgrad (dimensionslos)
- F … Prüfkraft in Newton
- D … Kugeldurchmesser in mm
Übliche Beanspruchungsgrade sind 30 für Stahl und Gusseisen, 10 für Kupferlegierungen und kleinere Werte für Leichtmetalle und weiche Werkstoffe. Den passenden Grad wählt man nach Werkstoffgruppe, damit der Eindruck weder zu klein (ungenau ablesbar) noch zu groß (Werkstoff fließt über) wird.
Brinell eignet sich besonders für weiche bis mittelharte Werkstoffe und für grobe, ungleichmäßige Gefüge – etwa Gusseisen oder unlegierte Baustähle. Weil der Eindruck und damit die gemessene Fläche relativ groß sind, mittelt das Verfahren über viele Gefügebestandteile hinweg. Das ist ein Vorteil bei inhomogenen Werkstoffen, wo ein winziger Eindruck zufällig in einer harten oder weichen Phase landen könnte.
Die Grenzen liegen bei sehr harten Werkstoffen: Dort verformt sich irgendwann die Kugel selbst, und die Messung wird unbrauchbar. Auch dünne Teile, Randschichten oder kleine Bauteile passen schlecht, weil der Eindruck zu groß wird.
So liest man ein Brinell-Kurzzeichen:
250 HBW 5 / 750
250 … Brinellhärtewert
HBW … Verfahren mit Hartmetallkugel (W = Wolframkarbid)
5 ….. Kugeldurchmesser in mm
750 … Prüfkraft als Kennzahl (entspricht 0,102 * F)
Gelöstes Beispiel
An einem Baustahl wird mit einer 5-mm-Hartmetallkugel und einer Prüfkraft von 7355 N geprüft. Der gemittelte Eindruckdurchmesser beträgt 2,5 mm. Wie groß ist die Brinellhärte?
Gegeben: F = 7355 N; D = 5 mm; d = 2,5 mm
Gesucht: HBW
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Wurzelterm berechnen:
sqrt(D² − d²) = sqrt(25 − 6,25) = sqrt(18,75) = 4,330 mm - Schritt 2 — Klammer im Nenner:
D − sqrt(D² − d²) = 5 − 4,330 = 0,670 mm - Schritt 3 — Nenner vollständig:
PI · D · 0,670 = 3,1416 · 5 · 0,670 = 10,524 mm² - Schritt 4 — Zähler:
0,102 · 2 · F = 0,102 · 2 · 7355 = 1500,4 N - Schritt 5 — Division:
HBW = 1500,4 / 10,524 = 142,6
Ergebnis: rund 143 HBW
Übungen
Berechne den Beanspruchungsgrad für eine 10-mm-Kugel bei einer Prüfkraft von 29 420 N.
B = 0,102 · 29420 / 10² = 0,102 · 29420 / 100 = 30,0.
Eine 2,5-mm-Kugel erzeugt bei F = 1839 N einen Eindruck von d = 1,0 mm. Wie groß ist die Brinellhärte?
sqrt(6,25 − 1) = 2,291; Nenner = PI · 2,5 · (2,5 − 2,291) = PI · 2,5 · 0,209 = 1,642 mm²; Zähler = 0,102 · 2 · 1839 = 375,2 N; HBW = 375,2 / 1,642 = rund 228 HBW.
Welcher Eindruckdurchmesser ergibt sich näherungsweise, wenn derselbe Werkstoff (228 HBW) statt mit 1839 N mit der doppelten Kraft und derselben 2,5-mm-Kugel geprüft wird? Überlege qualitativ.
Bei verdoppelter Kraft wächst der Eindruck, der Durchmesser d wird größer als 1,0 mm. Der Härtewert soll bei korrektem Beanspruchungsgrad gleich bleiben – hier wird der Beanspruchungsgrad aber verdoppelt, was das Verfahren verlässt. Genau deshalb hält man B konstant.
Ein Kupferwerkstoff soll mit Beanspruchungsgrad 10 und einer 5-mm-Kugel geprüft werden. Welche Prüfkraft ist nötig?
aus B = 0,102 · F / D² folgt F = B · D² / 0,102 = 10 · 25 / 0,102 = rund 2451 N.
Bei einem gehärteten Werkzeugstahl von etwa 700 HBW ist die Brinellprüfung ungeeignet. Begründe anhand des Verfahrens und nenne ein passenderes Verfahren.
Bei so hohen Härten wird der Eindruck extrem klein und die Hartmetallkugel beginnt sich selbst zu verformen, wodurch die Messung verfälscht wird. Brinell ist auf den unteren bis mittleren Härtebereich begrenzt. Für harte Stähle eignet sich Vickers (über alle Bereiche) oder Rockwell HRC.
Eine Brinellprüfung mit einer 5-mm-Kugel liefert am selben Werkstoff einen anderen Wert als eine Prüfung mit einer 10-mm-Kugel. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?
- a) Größere Kugeln messen grundsätzlich härter
- b) Der Beanspruchungsgrad wurde bei den beiden Prüfungen nicht gleich gehalten
- c) Die Kugelgröße hat keinen Einfluss, der Werkstoff war inhomogen
- d) Eine der Kugeln war aus Stahl statt aus Hartmetall
Richtig: b)
Verschieden große Kugeln liefern nur dann denselben Härtewert, wenn der Beanspruchungsgrad (0,102 · F/D²) gleich ist. Wurde er nicht angepasst, weichen die Werte ab. Antwort a unterstellt einen Größeneffekt, den es bei gleichem Beanspruchungsgrad nicht gibt; c und d sind möglich, aber deutlich unwahrscheinlicher als der häufige Fehler beim Beanspruchungsgrad.
Warum mittelt das Brinell-Verfahren gut über inhomogene Gefüge?
- a) Weil die Kugel rotiert und mehrere Stellen abtastet
- b) Weil mehrere Eindrücke automatisch verrechnet werden
- c) Weil der relativ große Eindruck viele Gefügebestandteile gleichzeitig erfasst
- d) Weil die Prüfkraft besonders niedrig gewählt wird
Richtig: c)
Der große Eindruck überdeckt zahlreiche Körner und Phasen, sodass lokale Unterschiede ausgemittelt werden. Das macht Brinell bei Guss und groben Gefügen so robust. Die Kugel rotiert nicht (a), es wird nur ein Eindruck ausgewertet (b), und die Prüfkraft ist nicht generell niedrig (d).
Was bedeutet die „750″ im Kurzzeichen 250 HBW 5/750?
- a) Die Prüftemperatur in Grad Celsius
- b) Die Einwirkdauer in Sekunden
- c) Den Härtewert in einer zweiten Skala
- d) Eine Kennzahl für die Prüfkraft, die 0,102 · F entspricht
Richtig: d)
Die letzte Zahl im Kurzzeichen ist die Kraftkennzahl; multipliziert man sie mit 1/0,102, erhält man die Prüfkraft in Newton. Sie ist weder Temperatur (a) noch Einwirkdauer (b) noch ein zweiter Härtewert (c) – die Einwirkdauer würde, falls abweichend, gesondert angehängt.
3. Vickers-Verfahren (HV)
Vickers arbeitet mit einer Diamantpyramide als Eindringkörper – einer vierseitigen Pyramide mit einem Flächenwinkel von 136°. Der Eindruck ist quadratisch. Gemessen werden seine beiden Diagonalen, aus denen man den Mittelwert bildet. Wie bei Brinell ergibt sich die Härte aus der Prüfkraft bezogen auf die Oberfläche des Eindrucks.
HV = 0,102 * (2 * F * sin(68 Grad)) / d^2
- HV .. Vickershärte (dimensionslos)
- F … Prüfkraft in Newton
- d … mittlere Diagonale des Eindrucks in mm
Der Term sin(68°) folgt aus der Pyramidengeometrie (halber Flächenwinkel von 136°). Praktisch fasst man die Konstanten oft zusammen, sodass HV ungefähr gleich 0,1891 · F/d² ist (mit F in N und d in mm). Entscheidend ist: Härter bedeutet kleinere Diagonale und damit höherer Wert.
Die große Stärke von Vickers ist seine Universalität. Weil die Pyramide geometrisch immer gleich aussieht – ob der Eindruck groß oder klein ist –, deckt ein einziges Verfahren den gesamten Härtebereich ab, von weichen Metallen bis zu gehärteten Stählen und Hartmetallen. Durch sehr kleine Prüfkräfte lässt sich Vickers auch als Kleinlast- und Mikrohärteprüfung einsetzen. Damit misst man dünne Schichten, gehärtete Randzonen oder einzelne Gefügebestandteile und kann sogar Härteverläufe über einen Querschnitt aufnehmen.
Der Preis dafür: Der Eindruck ist klein und muss optisch genau ausgemessen werden. Das verlangt eine gut vorbereitete, glatte Oberfläche und ist aufwendiger als ein schneller Rockwell-Test.
So liest man ein Vickers-Kurzzeichen:
600 HV 10
600 … Vickershärtewert
HV …. Verfahren (Vickers, Diamantpyramide)
10 …. Prüfkraft als Kennzahl (entspricht 0,102 * F)
Gelöstes Beispiel
Ein gehärteter Stahl wird mit F = 98,07 N geprüft. Die gemittelte Diagonale beträgt 0,200 mm. Wie groß ist die Vickershärte?
Gegeben: F = 98,07 N; d = 0,200 mm
Gesucht: HV
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Konstante zusammenfassen:
HV = 0,1891 · F / d² - Schritt 2 — Diagonale quadrieren:
d² = 0,200² = 0,0400 mm² - Schritt 3 — Einsetzen:
HV = 0,1891 · 98,07 / 0,0400 = 18,545 / 0,0400 - Schritt 4 — Division:
HV = 463,6
Ergebnis: rund 464 HV
Übungen
Berechne HV für F = 49,03 N und d = 0,150 mm.
HV = 0,1891 · 49,03 / 0,150² = 9,272 / 0,0225 = rund 412 HV.
Ein Werkstück zeigt bei F = 98,07 N eine Diagonale von 0,250 mm. Bestimme die Vickershärte.
HV = 0,1891 · 98,07 / 0,250² = 18,545 / 0,0625 = rund 297 HV.
Welche Diagonale erwartest du näherungsweise, wenn ein doppelt so harter Werkstoff (rund 600 HV) mit derselben Kraft F = 98,07 N geprüft wird wie eine 300-HV-Probe? Rechne nach.
aus HV = 0,1891 · F / d² folgt d = sqrt(0,1891 · F / HV). Für 600 HV: d = sqrt(0,1891 · 98,07 / 600) = sqrt(0,0309) = 0,176 mm. Der härtere Werkstoff zeigt also eine kleinere Diagonale.
Stelle die Vickersformel nach der Prüfkraft F um.
F = HV · d² / 0,1891.
Begründe, warum Vickers im Gegensatz zu Brinell über den gesamten Härtebereich denselben Verfahrenstyp verwenden kann.
Die Diamantpyramide ist geometrisch ähnlich – große und kleine Eindrücke haben denselben Flächenwinkel. Dadurch ist der Härtewert weitgehend lastunabhängig, und ein Verfahren deckt weiche bis sehr harte Werkstoffe ab. Bei Brinell begrenzt dagegen die verformbare Kugel den oberen Härtebereich.
Warum ist Vickers besonders gut geeignet, um den Härteverlauf einer einsatzgehärteten Randschicht aufzunehmen?
- a) Weil der große Eindruck über die ganze Schicht mittelt
- b) Weil Vickers ohne optische Auswertung auskommt
- c) Weil die Diamantpyramide die Schicht nachhärtet
- d) Weil die kleinen, definierten Eindrücke dicht nebeneinander gesetzt werden können
Richtig: d)
Mit kleinen Prüfkräften erzeugt Vickers winzige Eindrücke, die man eng gestaffelt von der Oberfläche nach innen setzen kann – so entsteht ein feiner Härteverlauf. Ein großer Eindruck (a) würde die Schicht überdecken; Vickers braucht gerade die optische Auswertung (b); und ein Eindruck verändert die Härte nicht (c).
Eine Vickersprüfung mit F = 98,07 N ergibt eine Diagonale von 0,200 mm. Wie ändert sich die Diagonale bei einem deutlich härteren Werkstoff und gleicher Kraft?
- a) Sie wird kleiner
- b) Sie bleibt gleich, nur der Wert ändert sich
- c) Sie wird größer
- d) Sie hängt nicht von der Härte ab
Richtig: a)
Da HV mit 1/d² steigt, gehört zu einem höheren Härtewert bei gleicher Kraft eine kleinere Diagonale. Antwort c kehrt den Zusammenhang um; b und d widersprechen der Formel, in der d direkt von der Härteabhängt.
Was unterscheidet den Vickers-Eindringkörper grundlegend vom Brinell-Eindringkörper?
- a) Vickers verwendet eine Stahlkugel, Brinell eine Diamantkugel
- b) Vickers nutzt eine Diamantpyramide, Brinell eine Hartmetallkugel
- c) Beide nutzen Pyramiden, nur mit anderem Winkel
- d) Vickers nutzt einen Kegel, Brinell eine Pyramide
Richtig: b)
Vickers prüft mit einer vierseitigen Diamantpyramide (136°), Brinell mit einer Hartmetallkugel. Die übrigen Antworten verwechseln die Körper – der Kegel gehört zu Rockwell HRC, nicht zu Vickers.
4. Rockwell-Verfahren (HRC, HRB)
Rockwell geht einen anderen Weg als Brinell und Vickers. Statt die Größe eines Eindrucks optisch auszumessen, misst das Gerät die bleibende Eindringtiefe – und rechnet sie automatisch in einen Härtewert um. Das Ergebnis erscheint direkt auf der Anzeige. Genau das macht Rockwell zum schnellsten der drei Verfahren.
Der Ablauf erfolgt in zwei Stufen. Zuerst drückt eine kleine Vorkraft den Eindringkörper an, um Unebenheiten und Spiel auszugleichen – das ist die Nullbasis. Dann wirkt die volle Prüfkraft, der Eindringkörper dringt tiefer ein. Nach dem Zurücknehmen auf die Vorkraft bleibt eine Tiefendifferenz, und nur diese bleibende Tiefe zählt. Die elastische Rückfederung wird so herausgerechnet.
Aus der bleibende Eindringtiefe h ergibt sich der Rockwellwert über eine feste Formel. Damit ein tieferer Eindruck zu einem kleineren Härtewert führt, wird die Tiefe von einer Konstanten abgezogen:
HRC = 100 – h / 0,002
- HRC … Rockwellhärte Skala C (dimensionslos)
- h ….. bleibende Eindringtiefe in mm
- 0,002 . Tiefe je Skaleneinheit in mm
HRB = 130 – h / 0,002
- HRB … Rockwellhärte Skala B (dimensionslos)
- h ….. bleibende Eindringtiefe in mm
- 0,002 . Tiefe je Skaleneinheit in mm
Eine Skaleneinheit entspricht also 0,002 mm Eindringtiefe. Je tiefer der Körper dringt (weicherer Werkstoff), desto größer h und desto kleiner der Rockwellwert – die Subtraktion kehrt die Richtung um. Ohne diese Umkehr würde ein weicher Werkstoff fälschlich einen hohen Wert bekommen.
Die beiden wichtigsten Skalen unterscheiden sich in Eindringkörper und Vorzeichen der Konstante:
| Skala | Eindringkörper | Konstante | Typische Anwendung |
|---|---|---|---|
| HRC | Diamantkegel 120° | 100 | gehärtete und vergütete Stähle, harte Werkstoffe |
| HRB | Hartmetallkugel | 130 | weichere Stähle, Kupfer- und Aluminiumlegierungen |
In der Praxis ist Rockwell vor allem dort beliebt, wo es schnell gehen muss und keine optische Auswertung gewünscht ist – etwa in der laufenden Fertigungskontrolle gehärteter Bauteile. HRC ist die Standardskala für gehärtete und vergütete Stähle, HRB für weichere Werkstoffe.
Die Grenzen liegen in der Empfindlichkeit gegenüber der Oberfläche: Weil nur eine winzige Tiefe gemessen wird, verfälschen Riefen, Schmutz oder eine schiefe Auflage das Ergebnis stärker als bei den flächenmessenden Verfahren. Außerdem muss die Skala zum Werkstoff passen – einen harten Stahl auf der HRB-Skala zu prüfen liefert keine sinnvollen Werte.
So liest man ein Rockwell-Kurzzeichen:
58 HRC
58 …. Rockwellhärtewert
HRC … Verfahren und Skala (C = Diamantkegel, harte Werkstoffe)
Gelöstes Beispiel
Bei einer HRC-Prüfung wird nach dem Zurücknehmen auf die Vorkraft eine bleibende Eindringtiefe von h = 0,084 mm gemessen. Welcher Rockwellwert ergibt sich?
Gegeben: h = 0,084 mm; Skala HRC
Gesucht: HRC
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Tiefe in Skaleneinheiten:
h / 0,002 = 0,084 / 0,002 = 42 - Schritt 2 — von der Konstante abziehen:
HRC = 100 − 42 = 58
Ergebnis: 58 HRC
Übungen
Eine HRC-Messung ergibt h = 0,120 mm. Bestimme den Härtewert.
HRC = 100 − 0,120/0,002 = 100 − 60 = 40 HRC.
Welche bleibende Eindringtiefe gehört zu 60 HRC?
aus HRC = 100 − h/0,002 folgt h = (100 − 60) · 0,002 = 40 · 0,002 = 0,080 mm.
Eine HRB-Messung an einem weicheren Stahl ergibt h = 0,150 mm. Wie groß ist HRB?
HRB = 130 − 0,150/0,002 = 130 − 75 = 55 HRB.
Zwei Proben werden auf der HRC-Skala geprüft: Probe A zeigt h = 0,080 mm, Probe B h = 0,100 mm. Welche ist härter und warum?
A: 100 − 40 = 60 HRC; B: 100 − 50 = 50 HRC. Probe A ist härter, weil die kleinere Eindringtiefe nach der Formel zum höheren Wert führt.
Begründe rechnerisch, warum die Formel die Eindringtiefe von einer Konstante abzieht und nicht einfach h/0,002 als Härtewert nimmt.
h/0,002 allein würde mit der Tiefe steigen, also weichen Werkstoffen (große Tiefe) einen hohen Wert geben – das Gegenteil von Härte. Die Subtraktion 100 − h/0,002 dreht die Richtung um, sodass kleine Tiefe (harter Werkstoff) zu einem hohen Wert führt.
Warum wird bei Rockwell zuerst eine Vorkraft aufgebracht, bevor die volle Prüfkraft wirkt?
- a) Um den Werkstoff vorzuwärmen
- b) Um die elastische Verformung zu vergrößern
- c) Um den Eindringkörper zu härten
- d) Um eine definierte Nullbasis zu schaffen und Spiel sowie Unebenheiten auszugleichen
Richtig: d)
Die Vorkraft setzt den Eindringkörper sauber auf und definiert den Nullpunkt für die anschließende Tiefenmessung. So gehen Spiel und Oberflächenrauheit nicht in die bleibende Tiefe ein. Vorwärmen (a) und Härten (c) spielen keine Rolle, und die elastische Verformung soll gerade herausgerechnet, nicht vergrößert werden (b).
Eine Probe ergibt auf der HRC-Skala eine bleibende Tiefe von 0,060 mm. Welcher Wert ist korrekt?
- a) 30 HRC
- b) 70 HRC
- c) 60 HRC
- d) 130 HRC
Richtig: b)
HRC = 100 − 0,060/0,002 = 100 − 30 = 70 HRC. Antwort a verwendet nur den Term h/0,002 ohne Subtraktion, c verwechselt Zwischen- und Endwert, und d nutzt fälschlich die HRB-Konstante.
Worin liegt der grundlegende Unterschied der Messgröße zwischen Rockwell einerseits und Brinell/Vickers andererseits?
- a) Rockwell misst die Eindringtiefe, Brinell und Vickers die Eindruckgröße
- b) Rockwell misst die Kraft, die anderen die Zeit
- c) Alle drei messen die Eindringtiefe, nur mit anderen Körpern
- d) Rockwell misst die Eindruckfläche optisch, die anderen die Tiefe
Richtig: a)
Rockwell wertet die bleibende Eindringtiefe aus, Brinell und Vickers die optisch vermessene Eindruckgröße (Durchmesser bzw. Diagonalen). Antwort d kehrt das genau um; b und c geben die Messgrößen falsch wieder.
5. Verfahren vergleichen und richtig auswählen
Die drei Verfahren messen dieselbe Eigenschaft auf grundverschiedene Weise. Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, worauf es bei der Auswahl ankommt:
| Merkmal | Brinell (HBW) | Vickers (HV) | Rockwell (HRC/HRB) |
|---|---|---|---|
| Eindringkörper | Hartmetallkugel | Diamantpyramide 136° | Diamantkegel 120° / Kugel |
| Messgröße | Eindruckdurchmesser d | Diagonalen d1, d2 | bleibende Eindringtiefe h |
| Auswertung | optisch + Rechnung | optisch + Rechnung | direkt am Gerät |
| Härtebereich | weich bis mittel | gesamter Bereich | je nach Skala |
| Stärke | grobe Gefüge, Guss | dünne Schichten, Verläufe | Geschwindigkeit |
| Schwäche | sehr harte Werkstoffe | Aufwand, Präparation | Oberflächenempfindlichkeit |
Ein verbreiteter Irrtum ist, Härtewerte einfach von einer Skala in die andere umzurechnen. Es gibt zwar Näherungstabellen, die etwa HRC in HV überführen, doch diese gelten nur eingeschränkt – meist für bestimmte Stahlgruppen – und sind keine exakten Umrechnungen. Zwischen grundverschiedenen Werkstoffen können dieselben Tabellen deutlich danebenliegen. Wer einen Wert in einer bestimmten Skala braucht, prüft am besten direkt in dieser Skala.
Die Auswahl in der Praxis richtet sich nach mehreren Fragen: Wie hart ist der Werkstoff ungefähr? Wie groß und wie zugänglich ist das Bauteil? Geht es um die Oberfläche, eine dünne Schicht oder das Grundmaterial? Wie homogen ist das Gefüge? Und schließlich: Welches Gerät steht zur Verfügung? Für grobe Gussteile fällt die Wahl oft auf Brinell, für gehärtete Serienteile auf Rockwell HRC, für Schichten und Mikrobereiche auf Vickers.
Ein Härtewert ist außerdem nur vollständig, wenn die Prüfbedingungen dokumentiert sind. Dazu gehört neben Verfahren, Kraft und gegebenenfalls Kugeldurchmesser auch die Einwirkdauer – die Zeit, in der die volle Prüfkraft wirkt. Die einschlägigen Normen legen Standard-Einwirkzeiten fest (üblicherweise im Bereich einiger Sekunden): ÖNORM EN ISO 6506-1 für Brinell, ÖNORM EN ISO 6507-1 für Vickers und ÖNORM EN ISO 6508-1 für Rockwell. Weicht die tatsächliche Einwirkdauer von der genormten Standardzeit ab, muss sie im Kurzzeichen ergänzt werden, etwa indem die Zeit in Sekunden angehängt wird. In einem Prüfbericht gehören damit Verfahren, Härtewert, Prüfkraft und – sofern abweichend – die Einwirkdauer zusammen, sonst ist der Wert nicht eindeutig nachvollziehbar.
Der Zusammenhang zwischen Härte und Zugfestigkeit ist für viele Stähle näherungsweise nutzbar: Aus der Brinellhärte lässt sich die Zugfestigkeit grob abschätzen. Das ist praktisch, ersetzt aber keine eigene Festigkeitsprüfung und gilt nicht für beliebige Werkstoffe. Dieser Zusammenhang wird in einem eigenen Beitrag ausführlich behandelt.
Ein dünn nitrierter Stahl soll auf die Härte seiner Randschicht geprüft werden. Welches Verfahren ist am besten geeignet?
- a) Vickers mit kleiner Prüfkraft
- b) Rockwell HRB
- c) Brinell mit großer Kugel
- d) Brinell mit Beanspruchungsgrad 30
Richtig: a)
Die dünne Randschicht verlangt einen kleinen, flachen Eindruck, der die Schicht nicht durchstößt – das leistet die Kleinlast-Vickersprüfung. Beide Brinell-Varianten (c, d) erzeugen zu große Eindrücke, und HRB (b) ist für weichere Werkstoffe und ebenfalls zu grob für eine dünne harte Schicht.
Warum sollte man einen in HV vorliegenden Wert nicht ungeprüft in HRC umrechnen, wenn der genaue HRC-Wert benötigt wird?
- a) Weil HV und HRC dieselbe Skala sind
- b) Weil Umrechnungstabellen nur näherungsweise und werkstoffabhängig gelten
- c) Weil HRC immer kleiner ist als HV
- d) Weil eine Umrechnung physikalisch verboten ist
Richtig: b)
Umrechnungstabellen beruhen auf empirischen Zusammenhängen für bestimmte Werkstoffgruppen und liefern nur Näherungen. Für einen exakten HRC-Wert prüft man direkt in HRC. HV und HRC sind verschiedene Skalen (a), das Größenverhältnis ist nicht pauschal (c), und verboten ist die Umrechnung nicht, nur ungenau (d).
Ein Prüfbericht nennt „450 HV“ ohne weitere Angaben, obwohl mit einer von der Norm abweichenden Einwirkdauer geprüft wurde. Welche Aussage trifft zu?
- a) Die Angabe ist vollständig, da der Härtewert genannt ist
- b) Die Einwirkdauer ist bei Vickers grundsätzlich bedeutungslos
- c) Es fehlt nur der Kugeldurchmesser
- d) Die Angabe ist unvollständig, weil die abweichende Einwirkdauer fehlt
Richtig: d)
Weicht die Einwirkdauer von der genormten Standardzeit ab, muss sie angegeben werden, sonst ist der Wert nicht reproduzierbar. Antwort a übersieht diese Bedingung, b ist falsch, weil die Einwirkzeit das Ergebnis beeinflussen kann, und c nennt einen Parameter, den Vickers gar nicht hat (Vickers nutzt keine Kugel).
Für die laufende Stückkontrolle gehärteter Serienteile in der Fertigung wird ein schnelles Verfahren ohne optische Auswertung gesucht. Welche Wahl ist sinnvoll?
- a) Vickers-Mikrohärte
- b) Brinell mit anschließender Mikroskopmessung
- c) Rockwell HRC
- d) Zugversuch an jeder zehnten Probe
Richtig: c)
Rockwell HRC zeigt den Wert direkt an, braucht keine optische Vermessung und passt zu gehärteten Stählen – ideal für die schnelle Serienkontrolle. Vickers (a) und Brinell (b) erfordern optische Auswertung, und der Zugversuch (d) ist zerstörend und viel zu aufwendig.
Abschlusstest
Aufgabe 1: An einem Gussteil wird mit einer 10-mm-Hartmetallkugel und F = 29 420 N geprüft. Der mittlere Eindruckdurchmesser beträgt 4,0 mm. Bestimme die Brinellhärte.
Gegeben: F = 29 420 N; D = 10 mm; d = 4,0 mm
Gesucht: HBW
Lösungsweg:
sqrt(100 − 16) = sqrt(84) = 9,165 mm; Nenner = PI · 10 · (10 − 9,165) = PI · 10 · 0,835 = 26,23 mm²; Zähler = 0,102 · 2 · 29420 = 6001,7 N; HBW = 6001,7 / 26,23 = 228,8.
Ergebnis: rund 229 HBW
Aufgabe 2: Welche Prüfkraft ist nötig, um an Stahl (Beanspruchungsgrad 30) mit einer 5-mm-Kugel zu prüfen?
Gegeben: B = 30; D = 5 mm
Gesucht: F
Lösungsweg:
F = B · D² / 0,102 = 30 · 25 / 0,102 = 750 / 0,102 = 7353 N.
Ergebnis: rund 7355 N
Aufgabe 3: Ein gehärteter Stahl wird mit F = 294,2 N geprüft, die gemittelte Vickersdiagonale beträgt 0,300 mm. Bestimme HV.
Gegeben: F = 294,2 N; d = 0,300 mm
Gesucht: HV
Lösungsweg:
HV = 0,1891 · 294,2 / 0,300² = 55,64 / 0,090 = 618,2.
Ergebnis: rund 618 HV
Aufgabe 4: Stelle die Vickersformel HV = 0,1891 · F/d² nach der Diagonale d um und berechne d für HV = 500 und F = 98,07 N.
Gegeben: HV = 500; F = 98,07 N
Gesucht: d
Lösungsweg:
d = sqrt(0,1891 · F / HV) = sqrt(0,1891 · 98,07 / 500) = sqrt(0,03709) = 0,1926 mm.
Ergebnis: rund 0,193 mm
Aufgabe 5: Eine HRC-Prüfung ergibt eine bleibende Eindringtiefe von 0,090 mm. Bestimme den Härtewert.
Gegeben: h = 0,090 mm; Skala HRC
Gesucht: HRC
Lösungsweg:
HRC = 100 − 0,090/0,002 = 100 − 45 = 55.
Ergebnis: 55 HRC
Aufgabe 6: Welche bleibende Eindringtiefe gehört zu einem Wert von 90 HRB?
Gegeben: HRB = 90
Gesucht: h
Lösungsweg:
aus HRB = 130 − h/0,002 folgt h = (130 − 90) · 0,002 = 40 · 0,002 = 0,080 mm.
Ergebnis: 0,080 mm
Welche Aussage zum gemeinsamen Grundprinzip aller drei Verfahren ist korrekt?
- a) Alle messen die Eindringtiefe
- b) Alle drücken einen härteren Körper mit definierter Kraft ein und werten den Eindruck aus
- c) Alle benötigen eine optische Auswertung
- d) Alle verwenden denselben Eindringkörper
Richtig: b)
Gemeinsam ist allen das Eindrücken eines härteren Körpers mit festgelegter Kraft und die anschließende Auswertung des Eindrucks. Die Messgröße (Tiefe oder Größe), die Auswertung (optisch oder direkt) und der Eindringkörper unterscheiden sich dagegen – daher sind a, c und d falsch.
Bei welchem Werkstoff ist Brinell dem Rockwell-HRC-Verfahren überlegen?
- a) Bei einem durchgehärteten Werkzeugstahl mit 62 HRC
- b) Bei einer dünnen, harten Beschichtung
- c) Bei einem grobkörnigen Grauguss
- d) Bei einem mikrohärteverlauf
Richtig: c)
Der große Brinell-Eindruck mittelt über das grobe, inhomogene Graugussgefüge und liefert stabile Werte. Der harte Werkzeugstahl (a) überfordert die Brinellkugel, dünne Schichten (b) und Mikroverläufe (d) verlangen die kleinen Eindrücke der Vickersprüfung.
Was beschreibt der Beanspruchungsgrad bei der Brinellprüfung?
- a) Die Einwirkdauer der Prüfkraft
- b) Das festgelegte Verhältnis von Prüfkraft zu Quadrat des Kugeldurchmessers
- c) Die maximale zulässige Eindringtiefe
- d) Die Härte des Eindringkörpers
Richtig: b)
Der Beanspruchungsgrad ist 0,102 · F/D² und hält Prüfungen mit verschiedenen Kugelgrößen vergleichbar. Er ist weder Zeit (a) noch Tiefe (c) noch eine Materialeigenschaft des Körpers (d).
Warum kann Vickers im Gegensatz zu Brinell auch sehr harte Werkstoffe prüfen?
- a) Weil der Diamant-Eindringkörper härter ist als jeder zu prüfende Werkstoff und sich nicht verformt
- b) Weil die Prüfkraft immer höher ist
- c) Weil Vickers ohne Eindruck arbeitet
- d) Weil die Diagonalen automatisch korrigiert werden
Richtig: a)
Der Diamant der Vickerspyramide ist härter als alle technischen Werkstoffe und behält seine Form, während sich die Brinell-Hartmetallkugel bei sehr harten Proben verformt. Die Prüfkraft ist nicht generell höher (b), ein Eindruck entsteht sehr wohl (c), und eine automatische Korrektur der Diagonalen gibt es nicht (d).
Eine HRC-Messung an einem sehr weichen Werkstoff liefert keinen sinnvollen Wert. Was ist die plausibelste Erklärung?
- a) Die HRC-Skala ist für so weiche Werkstoffe nicht vorgesehen, hier wäre HRB passend
- b) Der Diamantkegel ist zu stumpf
- c) Die Vorkraft fehlt
- d) Weiche Werkstoffe haben grundsätzlich keine Härte
Richtig: a)
HRC mit Diamantkegel ist für harte Werkstoffe ausgelegt; bei sehr weichen dringt der Kegel zu tief ein und die Skala verliert ihre Aussagekraft – dort nimmt man HRB mit Kugel. Ein stumpfer Kegel (b) wäre ein Gerätefehler, nicht der Regelfall; die Vorkraft gehört zum Ablauf (c); und auch weiche Werkstoffe haben eine Härte (d).
Welche Angabe macht einen Härtewert in einem Prüfbericht erst vollständig?
- a) Nur der Zahlenwert
- b) Ausschließlich die Raumtemperatur
- c) Der Name der prüfenden Person
- d) Verfahren, Prüfkraft und bei Abweichung die Einwirkdauer
Richtig: d)
Erst Verfahren, Kraft und – falls von der Norm abweichend – die Einwirkdauer machen den Wert eindeutig und reproduzierbar. Der reine Zahlenwert (a) ist nicht einordenbar, Raumtemperatur (b) und Prüfername (c) sind für die Vergleichbarkeit der Härte nicht maßgeblich.
Ein Eindringkörper hinterlässt bei gleicher Prüfkraft in Werkstoff X einen kleineren Eindruck als in Werkstoff Y. Welche Schlussfolgerung ist richtig?
- a) Werkstoff X ist härter
- b) Werkstoff Y ist härter
- c) Beide sind gleich hart
- d) Die Härte lässt sich daraus nicht ableiten
Richtig: a)
Kleinerer Eindruck bei gleicher Kraft bedeutet höheren Eindringwiderstand, also ist X härter. Antwort b kehrt das um, c widerspricht dem beobachteten Unterschied, und d verneint das Grundprinzip der Eindringprüfung.
Welcher Eindringkörper gehört zur Rockwell-C-Skala?
- a) Hartmetallkugel
- b) Stahlkugel mit 10 mm
- c) Diamantkegel mit 120°
- d) Diamantpyramide mit 136°
Richtig: c)
HRC arbeitet mit einem Diamantkegel von 120° Spitzenwinkel. Die Hartmetallkugel (a) gehört zu HRB bzw. Brinell, die Diamantpyramide (d) zu Vickers, und eine 10-mm-Stahlkugel (b) entspricht keinem dieser Standardkörper.
Warum zieht die Rockwellformel die Eindringtiefe von einer Konstante ab?
- a) Damit der Wert immer positiv bleibt
- b) Um die elastische Rückfederung zu berücksichtigen
- c) Um die Prüfkraft zu kompensieren
- d) Damit eine geringe Eindringtiefe zu einem hohen Härtewert führt
Richtig: d)
Ohne die Subtraktion würde die Eindringtiefe direkt als Wert dienen und weichen Werkstoffen einen hohen Wert geben. Die Konstante minus Tiefe kehrt die Richtung um, sodass harte Werkstoffe mit geringer Tiefe einen hohen Wert erhalten. Die Rückfederung (b) wird über die zweistufige Krafttechnik berücksichtigt, nicht über die Formel; a und c treffen den Zweck nicht.
Für eine schnelle Serienprüfung gehärteter Bolzen ohne optische Auswertung eignet sich am besten:
- a) Vickers HV 0,5
- b) Brinell HBW 10/3000
- c) Rockwell HRC
- d) ein Mikrohärteverlauf
Richtig: c)
Rockwell HRC liefert den Wert direkt am Gerät, ohne Mikroskop, und passt zu gehärteten Stählen – damit ist es für die schnelle Serienkontrolle die richtige Wahl. Vickers (a) und Brinell (b) brauchen optische Auswertung, und ein Mikrohärteverlauf (d) ist für die Stückprüfung viel zu aufwendig.
Glossar
- Härte
- Widerstand eines Werkstoffs gegen das Eindringen eines härteren Körpers; technische Kenngröße, die immer an ein Prüfverfahren gebunden ist.
- Eindringkörper
- der in die Oberfläche gedrückte Prüfkörper, je nach Verfahren Hartmetallkugel, Diamantpyramide oder Diamantkegel.
- Prüfkraft
- die festgelegte Kraft, mit der der Eindringkörper in den Werkstoff gedrückt wird.
- Brinellhärte (HBW)
- Härtewert aus Prüfkraft bezogen auf die Kalottenoberfläche eines Kugeleindrucks; gemessen wird der Eindruckdurchmesser.
- Beanspruchungsgrad
- festgelegtes Verhältnis von Prüfkraft zum Quadrat des Königs durchmesser (0,102 · F/D²); hält Brinellprüfungen verschiedener Kugelgrößen vergleichbar.
- Vickershärte (HV)
- Härtewert aus Prüfkraft bezogen auf die Oberfläche eines pyramidenförmigen Eindrucks; gemessen werden die Diagonalen.
- Rockwellhärte (HRC, HRB)
- Härtewert aus der bleibenden Eindringtiefe; HRC mit Diamantkegel für harte, HRB mit Kugel für weichere Werkstoffe.
- Vorkraft
- kleine Anfangskraft bei Rockwell, die eine Nullbasis für die Tiefenmessung schafft und Spiel sowie Unebenheiten ausgleicht.
- Einwirkdauer
- Zeit, in der die volle Prüfkraft wirkt; bei Abweichung von der genormten Standardzeit im Härtewert anzugeben.
