Stromlauf- und Schaltpläne lesen

Ein elektrischer Schaltplan ist kein Foto der Verdrahtung, sondern eine genormte Zeichensprache. Wer sie beherrscht, kann eine fremde Maschine öffnen, in den Schaltschrank schauen, den Plan danebenlegen und Schritt für Schritt nachvollziehen, was passiert, wenn ein Taster gedrückt wird. Das Gute daran: Diese Sprache ist europaweit weitgehend einheitlich. Hat man die Grammatik einmal verstanden, liest sich der Schaltplan einer Förderanlage genauso wie der einer Werkzeugmaschine.

Dieser Beitrag zeigt, wie ein Schaltplan aufgebaut ist, welche Symbole und Kennzeichnungen verwendet werden und wie man einen Plan von oben nach unten durcharbeitet, bis man die Funktion der Schaltung verstanden hat.

Vorwissen

  • Elektrischer Strom – Definition und Wirkungen
  • Elektrische Spannung
  • Schütze und Relais

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die wichtigsten Plan-Arten unterscheiden und sagen, wofür jede gebraucht wird
  • gängige Schaltsymbole nach IEC 60617 erkennen und benennen
  • den Aufbau eines Stromlaufplans mit Strompfaden, Haupt- und Steuerstromkreis lesen
  • Betriebsmittel anhand ihres Kennbuchstabens und ihrer Anschlussbezeichnung identifizieren
  • eine einfache Schaltung Schritt für Schritt vom Symbol bis zur Funktion durcharbeiten

1. Wozu Schaltpläne? Plan-Arten im Überblick

Stell dir vor, du sollst eine Maschine reparieren, die du noch nie gesehen hast. Im Schaltschrank hängen Dutzende Drähte, alle in derselben Farbe. Ohne Unterlagen ist das ein Ratespiel. Der Schaltplan löst dieses Problem: Er beschreibt eindeutig, welches Bauteil mit welchem verbunden ist und welche Funktion die Schaltung hat — unabhängig davon, wie die Drähte real verlegt sind.

Genau hier liegt der erste wichtige Punkt: Ein Schaltplan bildet nicht die räumliche Lage der Bauteile ab, sondern ihre logische und elektrische Zusammengehörigkeit. Zwei Kontakte, die im Plan dicht beieinander stehen, können in der realen Maschine meterweit auseinander liegen.

Je nachdem, was man wissen will, gibt es verschiedene Plan-Arten:

Übersichtsschaltplan (auch einpolige Darstellung genannt): Das grobe Bild. Mehrere Leiter werden zu einer Linie zusammengefasst und mit einem Querstrich plus Zahl gekennzeichnet. Man sieht auf einen Blick, welche Hauptkomponenten es gibt und wie der Energiefluss läuft — vom Netzanschluss über Sicherung und Schütz zum Motor. Details fehlen bewusst.

Stromlaufplan (allpolige, aufgelöste Darstellung): Der Arbeitsplan für die Praxis. Hier wird jeder Leiter einzeln gezeichnet, und zusammengehörige Bauteile werden auseinandergezogen — die Spule eines Schützes steht an einer anderen Stelle als seine Kontakte. Das wirkt anfangs verwirrend, macht aber die Funktion der Steuerung lesbar. Dieser Plan ist die Grundlage für Fehlersuche und Inbetriebnahme.

Anschluss- bzw. Klemmenplan: Die Verdrahtungsanleitung. Er zeigt, welcher Draht auf welche Klemme kommt. Damit verdrahtet man den Schaltschrank und verbindet ihn mit den Bauteilen außerhalb.

Plan-Art Zweck Detailgrad
Übersichtsschaltplan schneller Gesamtüberblick gering, einpolig
Stromlaufplan Funktion verstehen, Fehler suchen hoch, allpolig
Anschluss-/Klemmenplan verdrahten, anschließen klemmengenau

Eine Maschine hat eine Störung in der Steuerung. Welcher Plan eignet sich am besten, um den Signalfluss systematisch durchzumessen?

  • a) Stromlaufplan, weil er die Funktion allpolig und aufgelöst darstellt
  • b) Übersichtsschaltplan, weil er alles auf einen Blick zeigt
  • c) Klemmenplan, weil dort alle Drähte verzeichnet sind
  • d) Ein Plan ist hier nicht erforderlich

Richtig: a)

Der Stromlaufplan stellt jeden Leiter einzeln und die Bauteile funktionsbezogen dar, sodass man den Strompfad verfolgen und gezielt messen kann. Der Übersichtsplan ist zu grob, der Klemmenplan zeigt die Verdrahtung, aber nicht die Funktion.

Im Stromlaufplan stehen die Spule eines Schützes und seine Kontakte an völlig verschiedenen Stellen. Was bedeutet das?

  • a) Es handelt sich um zwei verschiedene Schütze
  • b) Es ist ein Zeichenfehler im Plan
  • c) Die Kontakte sind nicht angeschlossen
  • d) Die Bauteile sind funktionsbezogen aufgelöst dargestellt, gehören aber zusammen

Richtig: d)

In der aufgelösten Darstellung werden zusammengehörige Teile eines Betriebsmittels dorthin gezeichnet, wo sie funktional wirken. Die Zugehörigkeit erkennt man am gleichen Betriebsmittel-Kennzeichen, nicht an der räumlichen Nähe.

2. Die Symbolsprache nach IEC 60617

Damit ein Plan in ganz Europa gleich verstanden wird, sind die Schaltsymbole genormt. In Österreich gilt die internationale Normenreihe IEC 60617, in der die grafischen Symbole für die Elektrotechnik festgelegt sind. Diese Symbole sind verbindlich — ein Schließer sieht in jedem normgerechten Plan gleich aus. Die in den USA übliche ANSI-Darstellung weicht ab und kommt in österreichischen Plänen nicht vor.

Ein Schaltsymbol ist ein vereinfachtes Zeichen, das ein Bauteil und seine Funktion darstellt, ohne sein Aussehen abzubilden. Wichtig ist, ein paar Grundprinzipien zu verstehen, dann erschließt sich der Rest:

Eine Verbindung zweier Leiter wird durch einen ausgefüllten Punkt gekennzeichnet. Kreuzen sich zwei Leiter ohne Punkt, sind sie nicht verbunden — sie laufen nur optisch übereinander. Dieser kleine Punkt entscheidet über die gesamte Funktion einer Schaltung.

Bei den Schaltgliedern unterscheidet man drei Grundtypen. Ein Schließer (Öffner-Gegenstück) ist im Ruhezustand offen und schließt beim Betätigen. Ein Öffner ist im Ruhezustand geschlossen und öffnet beim Betätigen. Ein Wechsler vereint beides: Er schaltet von einem kontakt auf den anderen um.

Die folgende Tafel zeigt die Symbole, die in fast jedem Steuerungsplan vorkommen:

Symbol Bauteil Bedeutung
Verbindung Leiter sind elektrisch verbunden (Punkt)
Kreuzung Leiter kreuzen ohne Verbindung (kein Punkt)
Schließer im Ruhezustand offen
Öffner im Ruhezustand geschlossen
Wechsler schaltet zwischen zwei Kontakten um
Schütz-/Relaisspule Antrieb des Schaltgeräts
Sicherung Überstrom-Schutzeinrichtung
M
Motor elektrischer Antrieb
Meldeleuchte Signal-/Meldeleuchte
Schutzleiter/Erde Erdung, PE

Mit diesen Symbolen lassen sich bereits die allermeisten Steuerungspläne lesen. Spezialsymbole für Sensoren, Ventile oder elektronische Bauteile baut man sich nach und nach dazu — das Prinzip bleibt gleich.

In einem Plan kreuzen sich zwei Leiter, an der Kreuzungsstelle ist kein ausgefüllter Punkt gezeichnet. Was bedeutet das?

  • a) Die Leiter sind elektrisch verbunden
  • b) Die Leiter sind nicht verbunden, sie kreuzen nur
  • c) An dieser Stelle sitzt ein Schalter
  • d) Der Plan ist fehlerhaft

Richtig: b)

Nur ein ausgefüllter Punkt kennzeichnet eine elektrische Verbindung. Ohne Punkt laufen die Leiter lediglich optisch übereinander und sind galvanisch getrennt.

Ein Kontakt ist im unbetätigten Zustand geschlossen und öffnet erst, wenn das Schaltglied betätigt wird. Um welchen Kontakttyp handelt es sich?

  • a) Schließer
  • b) Wechsler
  • c) Öffner
  • d) Sicherung

Richtig: c)

Ein Öffner leitet im Ruhezustand und unterbricht beim Betätigen. Das ist genau umgekehrt zum Schließer und wird etwa für Aus-Taster oder Sicherheitsfunktionen genutzt.

Warum sind die Schaltsymbole überhaupt genormt?

  • a) Damit Pläne in jedem Land und Betrieb gleich gelesen werden können
  • b) Damit sie schöner aussehen
  • c) Weil jede Firma braucht eigene Symbole
  • d) Aus rein historischen Gründen ohne praktischen Nutzen

Richtig: a)

Eine genormte Symbolsprache stellt sicher, dass ein Plan unabhängig vom Hersteller eindeutig verstanden wird. Das ist Voraussetzung für Wartung, Fehlersuche und sicheres Arbeiten an fremden Anlagen.

3. Aufbau des Stromlaufplans: Strompfade und Strombahnen

Der Stromlaufplan folgt einer klaren Leserichtung. Gezeichnet wird zwischen einer oberen und einer unteren waagrechten Leitung — oben liegt typischerweise das Potential der Versorgung (im Steuerstromkreis etwa der Außenleiter L), unten der Rückleiter (Neutralleiter N). Dazwischen verlaufen senkrechte Linien, die Strompfade (auch Strombahnen genannt). Jeder Strompfad ist ein eigenere Stromweg von oben nach unten.

Gelesen wird von links nach rechts und innerhalb jedes Pfades von oben nach unten. Um sich im Plan zurechtzufinden, sind die Strompfade durchnummeriert — meist am unteren Rand. So kann man sagen: „Das Schütz K1 liegt in Strompfad 3″ und jeder findet die Stelle sofort.

Ein wichtiger Unterschied im Plan ist der zwischen zwei Stromkreisen:

Der Hauptstromkreis (Leistungsteil) führt den großen Strom, der den Motor antreibt. Hier liegen die Hauptkontakte des Schützes, der Motorschutz und der Motor selbst. Die Leiter sind dick gezeichnet und führen die volle Last.

Der Steuerstromkreis führt nur den kleinen Strom, der die Schützspule schalten lässt. Hier sitzen die Taster, die Hilfskontakte und die Spulen. Mit wenig Strom wird hier viel Leistung gesteuert.

Diese Trennung ist der Kern der Schütztechnik: Ein schwacher Steuerstrom schaltet über die Spule einen starken Hauptstrom. Im Plan stehen Haupt- und Steuerstromkreis oft nebeneinander oder untereinander, klar voneinander getrennt.

Jetzt kommt der Punkt, an dem die aufgelöste Darstellung verständlich wird: Eine Schützspule sitzt im Steuerstromkreis, ihre Hauptkontakte aber im Hauptstromkreis und ihre Hilfskontakte irgendwo im Steuerteil. Damit man trotzdem alle Kontakte eines Schützes findet, gibt es den Kontaktspiegel — eine kleine Tabelle direkt unter oder neben der Spule, die auflistet, in welchem Strompfad jeder zugehörige kontakt liegt. Der Kontaktspiegel ist der Faden, an dem man sich durch den ganzen Plan hangelt.

Das folgende vereinfachte Beispiel zeigt einen Steuerstromkreis mit drei nummerierten Strompfaden:

L N F1 S1 S2 K1 K1 1 2 3

Was beschreibt die Strompfadnummerierung am unteren Rand eines Stromlaufplans?

  • a) Die Reihenfolge, in der die Bauteile eingebaut wurden
  • b) Die Höhe der Spannung im jeweiligen Pfad
  • c) Die Anzahl der Drähte im Schaltschrank
  • d) Die senkrechten Stromwege, um Bauteile eindeutig zu lokalisieren

Richtig: d)

Die Nummerierung gliedert den Plan in einzelne senkrechte Strompfade. So lässt sich jedes Betriebsmittel über seine Pfadnummer eindeutig ansprechen — unverzichtbar etwa für den Kontaktspiegel.

Worin liegt der grundlegende Unterschied zwischen Haupt- und Steuerstromkreis?

  • a) Der Hauptstromkreis hat keine Sicherung
  • b) Der Steuerstromkreis führt den großen Motorstrom
  • c) Der Steuerstromkreis schaltet mit kleinem Strom die Spule, der Hauptstromkreis führt die Last
  • d) Beide Stromkreise sind identisch aufgebaut

Richtig: c)

Das Prinzip der Schütztechnik trennt Steuern und Schalten: Im Steuerstromkreis fließt nur der kleine Spulenstrom, der über das Schütz den großen Strom im Hauptstromkreis freigibt.

Du findest im Plan die Spule K1, brauchst aber alle ihre Kontakte. Wo schaust du nach?

  • a) Im Übersichtsschaltplan
  • b) Im Kontaktspiegel unter oder neben der Spule
  • c) Auf dem Typenschild des Motors
  • d) Im Klemmenplan

Richtig: b)

Der Kontaktspiegel listet auf, in welchen Strompfaden die zur Spule gehörenden Haupt- und Hilfskontakte liegen. Er ist die direkte Verbindung zwischen Spule und ihren räumlich verteilten Kontakten.

4. Betriebsmittel-Kennzeichnung

Jedes Bauteil im Plan trägt eine eindeutige Kennzeichnung — das Betriebsmittel-Kennzeichen (BMK). Es besteht aus einem Kennbuchstaben für die Art des Bauteils und einer Zählnummer. So steht „K1″ für das erste Schütz, „K2″ für das zweite. Diese Systematik folgt der Normenreihe ÖNORM EN IEC 81346, die festlegt, wie Systeme und Betriebsmittel strukturiert und gekennzeichnet werden.

Die wichtigsten Kennbuchstaben für die Steuerungstechnik:

Kennbuchstabe Bauteilart Beispiele
Q Schaltgeräte im Leistungskreis Leistungsschalter, Motorschutzschalter
K Schütze, Relais Schütz, Hilfsschütz, Zeitrelais
F Schutzeinrichtungen Sicherung, Überlastrelais, FI-Schutzschalter
M Motoren Drehstrom-, Gleichstrommotor
S Befehls- und Meldegeräte Taster, Schalter, Endschalter
H Meldegeräte Meldeleuchte, Signalhupe
X Klemmen, Steckverbinder Klemmleiste, Stecker
T Transformatoren Steuertrafo

Neben dem BMK trägt jedes Bauteil Anschlussbezeichnungen, damit jeder Anschluss eindeutig ist. Hier gibt es eine durchdachte Systematik:

Die Hauptkontakte eines Schützes werden mit einstelligen Zahlen paarweise bezeichnet: 1-2, 3-4, 5-6. Sie führen den großen Strom zum Motor.

Die Hilfskontakte tragen zweistellige Zahlen. Die erste Ziffer ist die laufende Nummer des Kontakts, die zweite Ziffer kennzeichnet die Funktion: Ein Schließer endet auf 3 und 4 (z. B. 13-14, 23-24), ein Öffner endet auf 1 und 2 (z. B. 11-12, 21-22). An der Endziffer erkennt man also sofort, ob es ein Schließer oder Öffner ist.

Die Spulenanschlüsse eines Schützes heißen A1 und A2. Legt man an A1 und A2 die Steuerspannung, zieht das Schütz an.

Am Motor schließlich werden die drei Wicklungsstränge mit U, V, W bezeichnet (bei sechs Klemmen ergänzt um U1/U2, V1/V2, W1/W2 für Stern- oder Dreieckschaltung).

Anschluss Bezeichnung Bedeutung
Hauptkontakt 1-2, 3-4, 5-6 Leistungskontakte zum Motor
Hilfskontakt Schließer 13-14, 23-24 Endziffer 3/4
Hilfskontakt Öffner 11-12, 21-22 Endziffer 1/2
Schützspule A1, A2 Anschluss der Steuerspannung
Motorklemmen U, V, W Wicklungsstränge

Diese Bezeichnungen sind kein Selbstzweck: Mit ihnen kann man im Klemmenplan, am realen Bauteil und im Stromlaufplan denselben Anschluss eindeutig wiederfinden. Steht im Plan „K1:13-14″, greift man am Schütz K1 zum Hilsschließer mit den Klemmen 13 und 14.

Im Plan steht ein Hilfskontakt mit der Anschlussbezeichnung 21-22. Welcher Kontakttyp ist das?

  • a) Öffner
  • b) Schließer
  • c) Hauptkontakt
  • d) Spulenanschluss

Richtig: a)

Die Endziffern 1 und 2 kennzeichnen einen Hilfsöffner. Die erste Ziffer (hier 2) ist nur die laufende Nummer des Kontakts. Schließer hätten die Endziffern 3 und 4.

Welcher Kennbuchstabe steht nach der Systematik für ein Schütz?

  • a) M
  • b) S
  • c) Q
  • d) K

Richtig: d)

K kennzeichnet Schütze und Relais. M steht für Motoren, S für Befehlsgeräte wie Taster, Q für Schaltgeräte im Leistungskreis.

Ein Schütz soll anziehen. An welche Anschlüsse muss die Steuerspannung gelegt werden?

  • a) 1 und 2
  • b) A1 and A2
  • c) U und V
  • d) 13 und 14

Richtig: b)

A1 und A2 sind die Anschlüsse der Schützspule. Liegt dort die Steuerspannung an, baut die Spule ein Magnetfeld auf und das Schütz zieht an. 1-2 wären ein Hauptkontakt, 13-14 ein Hilfsschließer.

Wofür steht der Kennbuchstabe F im BMK?

  • a) Für Motoren
  • b) Für Klemmen
  • c) Für Schutzeinrichtungen wie Sicherungen und Überlastrelais
  • d) Für Meldeleuchten

Richtig: c)

F kennzeichnet Schutzeinrichtungen — etwa Sicherungen, Überlastrelais oder FI-Schutzschalter. Klemmen tragen X, Meldeleuchten H.

5. Einen Plan lesen: vom Symbol zur Funktion

Jetzt fügt sich alles zusammen. Wir nehmen eine der häufigsten Steuerschaltungen überhaupt und lesen sie Schritt für Schritt: das Ein- und Ausschalten eines Motors mit Selbsthaltung. Die Schaltung selbst ist ein eigenes Thema — hier geht es nur darum, den Plan zu lesen und seine Funktion abzuleiten.

Die Bauteile im Steuerstromkreis:

  • F1 — Sicherung
  • S1 — Aus-Taster (Öffner)
  • S2 — Ein-Taster (Schließer)
  • K1 — Schützspule, dazu ein Hilfsschließer K1 (13-14) als Selbsthaltekontakt

So liest man den Plan:

Ruhezustand. Spannung liegt an der oberen Sammelleitung. Der Strom kann durch F1 fließen. Im Pfad mit der Spule liegt aber der Ein-Taster S2 als Schließer offen — der Stromweg zur Spule K1 ist unterbrochen. Das Schütz ist abgefallen, der Motor steht.

Einschalten. Man drückt S2. Der Schließer schließt, und der Strom fließt nun von oben durch den geschlossenen Aus-Taster S1, über den jetzt geschlossenen S2, durch die Spule K1 nach unten zu N. Die Spule zieht an. Damit schließen alle Kontakte von K1 — die Hauptkontakte im Leistungsteil (Motor läuft an) und der Hilfsschließer K1 im Steuerteil.

Selbsthaltung. Der Hilfsschließer K1 liegt parallel zum Ein-Taster S2. In dem Moment, in dem er schließt, gibt es einen zweiten Stromweg zur Spule — über K1 statt über S2. Lässt man S2 jetzt los, bleibt die Spule trotzdem versorgt: Der Strom hält sich über den eigenen Hilfskontakt selbst. Daher der Name.

Ausschalten. Man drückt S1, den Aus-Taster. Als Öffner unterbricht er den Stromweg. Die Spule fällt ab, alle K1-Kontakte öffnen — auch der Selbsthaltekontakt. Der Motor steht, und beim Loslassen von S1 bleibt er aus, weil S2 ja offen ist. Die Schaltung ist wieder im Ruhezustand.

Wer den Kontaktspiegel nutzt, sieht sofort: Spule K1 in Pfad 2, Hilfsschließer K1 in Pfad 3, Hauptkontakte im Leistungsplan. So verfolgt man auch in einem unübersichtlichen Plan jeden Kontakt zurück zu seiner Spule.

Auf dieser Lesetechnik bauen alle weiteren Schaltungen auf — Wendeschaltung, Stern-Dreieck-Anlauf oder Verriegelungen sind jeweils eigene Themen, folgen aber genau demselben Lesemuster: Strompfad verfolgen, Kontakte über den Kontaktspiegel zuordnen, Funktion ableiten.

Bei einer Selbsthalteschaltung liegt der Hilfsschließer K1 parallel zum Ein-Taster S2. Welche Funktion erfüllt dieser Kontakt?

  • a) Er hält die Spule versorgt, nachdem der Ein-Taster losgelassen wurde
  • b) Er schaltet den Motor in die andere Drehrichtung
  • c) Er ersetzt die Sicherung
  • d) Er begrenzt den Motorstrom

Richtig: a)

Sobald K1 anzieht, schließt der parallel zum Ein-Taster liegende Hilfsschließer und bildet einen zweiten Stromweg zur Spule. Dadurch bleibt das Schütz auch dann angezogen, wenn der Ein-Taster wieder offen ist.

Warum wird der Aus-Taster S1 als Öffner ausgeführt?

  • a) Damit er beim Drücken den Motor einschaltet
  • b) Weil Öffner billiger sind
  • c) Weil ein Schließer hier nicht funktionieren würde, ohne Begründung
  • d) Damit er beim Drücken den Stromweg zur Spule unterbricht und das Schütz abfällt

Richtig: d)

Ein Öffner ist im Ruhezustand geschlossen und lässt den Steuerstrom fließen. Beim Drücken unterbricht er den Pfad, die Spule fällt ab und der Motor stoppt. Ein Schließer würde den Stromkreis genau falsch herum schalten.

Nach einem kurzen Spannungsausfall läuft der Motor mit Selbsthalteschaltung nicht von selbst wieder an. Warum?

  • a) Die Sicherung hat ausgelöst
  • b) Der Motor ist defekt
  • c) Bei Spannungsausfall fällt das Schütz ab, der Selbsthaltekontakt öffnet, und ein erneutes Einschalten ist nötig
  • d) Der Aus-Taster klemmt

Richtig: c)

Ohne Spannung fällt die Spule ab und der Selbsthaltekontakt opens. Kommt die Spannung zurück, ist der Stromweg zur Spule über den offenen Ein-Taster unterbrochen — die Maschine bleibt aus, bis bewusst wieder eingeschaltet wird. Das ist gewollter Wiederanlaufschutz.

Abschlusstest

Welche Aussage über den Stromlaufplan ist korrekt?

  • a) Er zeigt die räumliche Anordnung der Bauteile im Schaltschrank
  • b) Er stellt die Bauteile allpolig und funktionsbezogen aufgelöst dar
  • c) Er fasst alle Leiter zu einer einzigen Linie zusammen
  • d) Er dient ausschließlich zum Verdrahten der Klemmen

Richtig: b)

Der Stromlaufplan zeichnet jeden Leiter einzeln und zieht zusammengehörige Bauteile funktionsbezogen auseinander. Die einpolige Zusammenfassung ist Sache des Übersichtsplans, die räumliche bzw. klemmengenaue Darstellung Sache des Anschlussplans.

An einer Leiterkreuzung im Plan ist ein ausgefüllter Punkt gezeichnet. Was folgt daraus?

  • a) Die Leiter sind elektrisch verbunden
  • b) Die Leiter kreuzen sich ohne Verbindung
  • c) Dort befindet sich ein Öffner
  • d) Der Plan ist fehlerhaft

Richtig: a)

Der Verbindungspunkt kennzeichnet eindeutig eine elektrische Verbindung der Leiter. Fehlt der Punkt, kreuzen sie sich nur optisch.

Ein Bauteil trägt das BMK „F2″. Um welche Art Bauteil handelt es sich?

  • a) Einen Motor
  • b) Ein Schütz
  • c) Eine Klemmleiste
  • d) Eine Schutzeinrichtung, z. B. Sicherung oder Überlastrelais

Richtig: d)

Der Kennbuchstabe F steht für Schutzeinrichtungen. Motoren tragen M, Schütze K, Klemmen X.

Welche Anschlussbezeichnung gehört zu einem Hilfsschließer?

  • a) 11-12
  • b) 13-14
  • c) A1-A2
  • d) 1-2

Richtig: b)

Die Endziffern 3 und 4 kennzeichnen einen Hilfsschließer. 11-12 wäre ein Öffner, A1-A2 die Spule, 1-2 ein Hauptkontakt.

Im Steuerstromkreis findest du die Spule K1. Du suchst alle zugehörigen Kontakte. Welches Hilfsmittel führt dich am direktesten zum Ziel?

  • a) Das Motortypenschild
  • b) Die Sicherungstabelle
  • c) Der Kontaktspiegel an der Spule
  • d) Der Maßstab des Plans

Richtig: c)

Der Kontaktspiegel listet die Strompfade auf, in denen die Kontakte der Spule liegen. Damit findet man auch in großen Plänen jeden zugehörigen Kontakt.

Warum trennt man Haupt- und Steuerstromkreis?

  • a) Weil der Steuerstromkreis mit kleinem Strom über die Spule den großen Hauptstrom schaltet
  • b) Weil der Hauptstromkreis keine Spannung führt
  • c) Damit der Plan länger wird
  • d) Weil beide Kreise dieselbe Funktion haben

Richtig: a)

Die Trennung ist das Grundprinzip der Schütztechnik: Ein kleiner Steuerstrom an der Spule gibt einen großen Laststrom im Hauptstromkreis frei. So lassen sich hohe Leistungen sicher und mit kleinen Bedienelementen schalten.

Welcher Plan eignet sich am besten, um sich vor Arbeitsbeginn schnell einen Gesamtüberblick über eine Anlage zu verschaffen?

  • a) Der Klemmenplan
  • b) Der Übersichtsschaltplan
  • c) Der Stromlaufplan im Detail
  • d) Das Datenblatt des Motors

Richtig: b)

Der Übersichtsschaltplan fasst die Hauptkomponenten einpolig zusammen und zeigt den groben Energiefluss. Für die Detailarbeit greift man dann zum Stromlaufplan.

In einem Steuerstromkreis liegt ein Aus-Taster als Öffner in Reihe vor der Spule. Was passiert beim Drücken dieses Tasters?

  • a) Die Spule zieht an
  • b) Der Motor wechselt die Drehrichtung
  • c) Der Stromweg zur Spule wird unterbrochen, das Schütz fällt ab
  • d) Nichts, ein Öffner hat keine Wirkung

Richtig: c)

Ein Öffner ist im Ruhezustand geschlossen. Beim Drücken trennt er den Stromkreis, die Spule verliert ihre Versorgung und das Schütz fällt ab. So realisiert man die Aus-Funktion.

Wodurch sind in Österreich die in Schaltplänen verwendeten grafischen Symbole festgelegt?

  • a) Durch ANSI-Vorgaben
  • b) Durch firmeninterne Regeln jedes Herstellers
  • c) Es gibt keine Vorgaben
  • d) Durch IEC 60617

Richtig: d)

Die grafischen Symbole der Elektrotechnik sind in der IEC 60617 genormt, die in Österreich gilt. Die ANSI-Darstellung ist in den USA üblich, kommt hier aber nicht zum Einsatz.

Eine Maschine mit Selbsthalteschaltung steht nach einem Spannungsausfall still und läuft erst nach erneutem Drücken des Ein-Tasters wieder an. Wie ist dieses Verhalten zu bewerten?

  • a) Als gewollter Wiederanlaufschutz
  • b) Als Defekt der Steuerung
  • c) Als Fehler in der Verdrahtung
  • d) Als zu kleine Sicherung

Richtig: a)

Bei Spannungsausfall fällt das Schütz ab und der Selbsthaltekontakt öffnet. Die Maschine bleibt nach Spannungsrückkehr aus und muss bewusst neu gestartet werden — ein gewolltes Sicherheitsmerkmal, das ungewolltes Anlaufen verhindert.

Welche Aussage über den Stromlaufplan ist korrekt?

  • a) 1 und 2
  • b) U und V
  • c) A1 und A2
  • d) 13 und 14

Richtig: c)

Die Spulenanschlüsse heißen A1 und A2. 1-2 ist ein Hauptkontakt, 13-14 ein Hilfsschließer, U und V sind Motorklemmen.

Welche Information liefert die Strompfadnummerierung im Zusammenspiel mit dem Kontaktspiegel?

  • a) Die Stromstärke jedes Pfades
  • b) Die Länge der Drähte
  • c) Den Preis der Bauteile
  • d) Die genaue Position jedes Kontakts im Plan

Richtig: d)

Der Kontaktspiegel verweist über die Strompfadnummern auf die Stellen, an denen die Kontakte einer Spule liegen. So findet man trotz aufgelöster Darstellung jeden Kontakt eindeutig wieder.

Glossar

Schaltplan
Genormte zeichnerische Darstellung einer elektrischen Schaltung, die die elektrischen Zusammenhänge zeigt, nicht die räumliche Lage der Bauteile.
Übersichtsschaltplan
Einpolige, vereinfachte Darstellung, die mehrere Leiter zu einer Linie zusammenfasst und einen groben Gesamtüberblick gibt.
Stromlaufplan
Allpolige, aufgelöste Darstellung, in der jeder Leiter einzeln gezeichnet und zusammengehörige Bauteile funktionsbezogen verteilt werden; Grundlage für Fehlersuche.
Anschlussplan
Plan, der zeigt, welcher Draht auf welche Klemme kommt; dient dem Verdrahten.
Schaltsymbol
Genormtes vereinfachtes Zeichen für ein Bauteil und seine Funktion, festgelegt nach IEC 60617.
Schließer
Kontakt, der im Ruhezustand offen ist und beim Betätigen schließt; Anschluss-Endziffern 3/4.
Öffner
Kontakt, der im Ruhezustand geschlossen ist und beim Betätigen öffnet; Anschluss-Endziffern 1/2.
Wechsler
Schaltglied, das beim Betätigen von einem Kontakt auf einen anderen umschaltet.
Strompfad
Senkrechter Stromweg im Stromlaufplan zwischen oberer und unterer Sammelleitung; zur Orientierung durchnummeriert.
Hauptstromkreis
Teil der Schaltung, der den großen Laststrom zum Motor führt.
Steuerstromkreis
Teil der Schaltung, der mit kleinem Strom über Taster und Spulen die Schaltgeräte ansteuert.
Kontaktspiegel
Tabelle an der Schützspule, die angibt, in welchen Strompfaden die zugehörigen Kontakte liegen.
Betriebsmittel-Kennzeichen (BMK)
Eindeutige Kennzeichnung eines Bauteils aus Kennbuchstabe und Zählnummer nach ÖNORM EN IEC 81346.
Selbsthaltung
Schaltungsprinzip, bei dem ein Hilfsschließer des Schützes den Ein-Taster überbrückt und die Spule nach dem Loslassen weiter versorgt.
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