Wechselspannung und ihre Kenngrößen (Spitzen-, Effektivwert, Frequenz)

Wechselspannung ändert ständig ihre Polarität und Höhe. Genau diese Eigenschaft macht sie nützlich — sie lässt sich transformieren und über große Distanzen verteilen — und gleichzeitig anspruchsvoll, weil man mit zeitabhängigen Werten umgehen muss. Wer in der Elektrotechnik rechnen oder Bauteile auslegen will, kommt um die zentralen Kenngrößen nicht herum: Spitzenwert, Effektivwert und Frequenz. Dieser Beitrag zeigt, was die einzelnen Werte bedeuten, wie sie zusammenhängen und warum „230 V“ und „325 V“ beide gleichzeitig stimmen können.

Vorwissen

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • den Unterschied zwischen Gleich- und Wechselspannung beschreiben und die typische Sinusform einordnen
  • Periodendauer, Frequenz und Kreisfrequenz auseinanderhalten und ineinander umrechnen
  • Spitzenwert, Spitze-Spitze-Wert, Effektivwert und Gleichrichtwert einer sinusförmigen Wechselspannung berechnen
  • den Momentanwert mit der Sinusgleichung zu jedem Zeitpunkt bestimmen
  • erklären, warum die österreichische Netzspannung „230 V“ der Effektivwert ist und welcher Spitzenwert daraus folgt

1. Was ist Wechselspannung?

Eine Gleichspannung — wie sie eine Batterie liefert — hat eine feste Polarität: Plus bleibt Plus, Minus bleibt Minus, und der Wert ändert sich nicht. Eine Wechselspannung dagegen kehrt regelmäßig ihre Polarität um und ändert dabei kontinuierlich ihren Wert. Aus dem, was eben noch +325 V war, wird einen Sekundenbruchteil später -325 V, dazwischen liegt jede Zwischengröße.

In Energienetzen ist die Wechselspannung praktisch immer sinusförmig. Das hat einen einfachen Grund: Sie wird durch rotierende Generatoren erzeugt, bei denen sich eine Leiterschleife in einem Magnetfeld dreht — und diese Drehbewegung liefert von Natur aus einen Sinusverlauf. Die Erzeugung im Detail behandelt der Beitrag Wechselstrom-Erzeugung / Generatorprinzip.

Neben der Sinusform gibt es noch andere Wechselsignale — Rechteck, Dreieck, Sägezahn — die etwa in der Elektronik (Funktionsgenerator) oder am Ausgang von Frequenzumrichtern vorkommen. Im Bereich Energieversorgung ist aber der reine Sinus die Regel, und auf ihn beziehen sich alle Kenngrößen dieses Beitrags.

Eine kleine Notation am Rande: Für Momentanwerte einer Wechselspannung wird ein kleines u verwendet, mitunter mit Zeitabhängigkeit als u(t) geschrieben. Konstante Werte — etwa der Effektivwert oder der Spitzenwert — bekommen ein großes U mit passendem Index.

Welche Aussage über Wechselspannung trifft zu?

  • a) Sie hat dieselbe Polarität wie eine Batterie, ändert aber den Wert
  • b) Sie bleibt während des Betriebs konstant auf einem Wert
  • c) Sie ändert regelmäßig sowohl Polarität als auch Wert
  • d) Sie kann nur in der Elektronik erzeugt werden, nicht in Generatoren

Richtig: c)

Wechselspannung kehrt periodisch ihre Polarität um und nimmt dabei alle Zwischenwerte an. Antwort a beschreibt eine Gleichspannung mit variabler Amplitude (pulsierende Gleichspannung). Antwort b passt zur Gleichspannung. Antwort d ist falsch — gerade rotierende Generatoren sind die wichtigste Quelle.

Warum hat die Netzspannung gerade Sinusform und nicht etwa Rechteckform?

  • a) Weil rotierende Generatoren mit einer Leiterschleife im Magnetfeld physikalisch einen sinusförmigen Verlauf erzeugen
  • b) Weil ein Sinus die kleinste mögliche Spitzenspannung hat
  • c) Weil Rechteckspannungen keine Frequenz haben können
  • d) Weil Transformatoren nur Sinusspannungen übertragen können

Richtig: a)

Die Sinusform ergibt sich direkt aus dem Generatorprinzip — die induzierte Spannung folgt dem Sinus des Drehwinkels. Antwort b stimmt nicht (der Spitzenwert hängt von Konstruktion und Drehzahl ab). Rechteckspannungen haben sehr wohl eine Frequenz (Antwort c falsch). Transformatoren übertragen prinzipiell auch andere Kurvenformen, allerdings mit Verzerrungen (Antwort d falsch).

2. Periodendauer und Frequenz

Eine Wechselspannung wiederholt ihren Verlauf in regelmäßigen Abständen. Ein vollständiger Durchlauf — vom Nulldurchgang über das positive Maximum, zurück durch Null, hinunter zum negativen Maximum und wieder bis zum nächsten Nulldurchgang in dieselbe Richtung — heißt Periode. Die Zeit dafür ist die Periodendauer T, gemessen in Sekunden.

Statt der Dauer kann man auch die Anzahl der Perioden pro Sekunde angeben. Das ist die Frequenz f, mit der Einheit Hertz (Hz). Beide Größen sind über einen einfachen Kehrwert verknüpft:

Im österreichischen Stromnetz beträgt die Frequenz 50 Hz — das bedeutet 50 vollständige Perioden pro Sekunde und damit eine Periodendauer von 20 ms. In den USA sind es 60 Hz, im Bahnstromnetz Mitteleuropas (z.B. ÖBB) 16,7 Hz, in der Hochfrequenztechnik können es viele Megahertz sein.

Für Rechnungen mit der Sinusfunktion ist eine dritte Größe nützlich: die Kreisfrequenz ω (omega). Sie gibt an, wie schnell der Drehwinkel auf dem Einheitskreis voranschreitet, gemessen in Radiant pro Sekunde. Eine volle Umdrehung entspricht 2π rad, also:

Für 50 Hz ergibt das ω ≈ 314,16 rad/s — ein Wert, der in jeder Rechnung mit dem Stromnetz früher oder später auftaucht.

f = 1 / T

  • f … Frequenz in Hz
  • T … Periodendauer in s

ω = 2 · π · f

  • ω … Kreisfrequenz in rad/s
  • f … Frequenz in Hz

Gelöstes Beispiel

Eine Wechselspannung hat eine Periodendauer von 20 ms. Berechne Frequenz und Kreisfrequenz.

Gegeben: T = 20 ms = 0,020 s

Gesucht: f in Hz, ω in rad/s

Lösungsweg:

  1. Frequenz: f = 1 / T = 1 / 0,020 s = 50 Hz
  2. Kreisfrequenz: ω = 2 · π · f = 2 · π · 50 = 314,16 rad/s

Ergebnis: f = 50 Hz, ω ≈ 314,16 rad/s

Übungen

Eine Wechselspannung hat T = 50 ms. Berechne f.

f = 1 / 0,050 s = 20 Hz

Der österreichische Bahnstrom schwingt mit 16,7 Hz. Berechne T.

T = 1 / 16,7 Hz ≈ 0,0599 s ≈ 59,9 ms

Berechne die Kreisfrequenz des 60-Hz-Netzes in den USA.

ω = 2 · π · 60 ≈ 376,99 rad/s

Ein Generator dreht sich mit 3000 U/min und erzeugt pro Umdrehung eine vollständige Periode. Bestimme f und T.

3000 U/min = 50 U/s, also f = 50 Hz und T = 20 ms

Eine Wechselspannung hat ω = 6283 rad/s. Bestimme f und T.

f = ω / (2 · π) = 6283 / 6,283 ≈ 1000 Hz = 1 kHz; T = 1 / 1000 = 1 ms

Wie groß ist die Periodendauer des österreichischen Stromnetzes?

  • a) 50 ms
  • b) 20 ms
  • c) 1 s
  • d) 314 ms

Richtig: b)

T = 1 / f = 1 / 50 Hz = 0,020 s = 20 ms. Antwort a ist der Kehrwert in falscher Richtung (1/0,020 wäre 50 Hz, was hier vertauscht ist). 1 s wäre 1 Hz. 314 ms ist verwechselt mit dem Wert der Kreisfrequenz (rad/s, nicht ms).

Wofür wird die Kreisfrequenz ω in der Wechselstromtechnik gebraucht?

  • a) Für die Umrechnung von Hertz in Sekunden
  • b) Zur Beschreibung der Drehzahl von Motoren in U/min
  • c) Für die Berechnung des Effektivwerts
  • d) Als Argument der Sinusfunktion, weil sin den Winkel im Bogenmaß erwartet

Richtig: d)

Die Sinusgleichung u(t) = Û · sin(ω · t) benötigt einen Winkel im Bogenmaß als Argument. ω · t liefert genau diesen Wert in rad. Antwort a ist Unsinn (Hertz und Sekunden sind Kehrwerte, dafür braucht es kein ω). Drehzahl in U/min ist eine andere Größe. Der Effektivwert ergibt sich aus dem Spitzenwert, unabhängig von ω.

Eine Wechselspannung hat eine Kreisfrequenz von 1257 rad/s. Welche Frequenz hat sie ungefähr?

  • a) 314 Hz
  • b) 1 kHz
  • c) 200 Hz
  • d) 2 kHz

Richtig: c)

f = ω / (2 · π) = 1257 / 6,283 ≈ 200 Hz. 314 Hz wäre ω = 1973 rad/s. 1 kHz entspricht 6283 rad/s, 2 kHz wären 12566 rad/s.

3. Spitzenwert und Spitze-Spitze-Wert

Die Sinuskurve erreicht in jeder Halbperiode genau einen Höchstwert. Dieser maximale Augenblickswert heißt Spitzenwert oder Scheitelwert und wird mit Û (großes U mit Dach) bezeichnet. Andere Schreibweisen sind û oder Umax. Beim positiven Maximum gilt , beim negativen Maximum .

Manchmal interessiert nicht der Wert bis zur Mittellinie (Null), sondern der gesamte Abstand zwischen positiver und negativer Spitze. Das ist der Spitze-Spitze-Wert U_SS (im Englischen U_pp für peak-to-peak). Bei einer symmetrischen Wechselspannung — und das ist die übliche Form — gilt:

Wozu braucht man den Spitzenwert? Immer dann, wenn ein Bauteil oder eine Isolation den momentan höchsten Wert aushalten muss. Eine Halbleiterdiode bekommt in Sperrrichtung die volle Sperrspannung zu spüren — und das ist der Spitzenwert. Die Isolation eines Kabels oder Wicklung muss ebenfalls für die Spitzenspannung dimensioniert sein. Wer hier nur mit dem Effektivwert rechnet (siehe Kapitel 5), liegt um den Faktor √2 daneben.

Am Oszilloskop wird übrigens je nach Einstellung der Spitze-Spitze-Wert direkt abgelesen, weil sich der Kurvenverlauf vom oberen bis zum unteren Maximum visuell am leichtesten erfassen lässt.

U_SS = 2 · Û

  • U_SS … Spitze-Spitze-Wert in V
  • Û … Spitzenwert in V

Gelöstes Beispiel

Auf einem Oszilloskop wird ein Spitze-Spitze-Wert von 12 V abgelesen. Bestimme den Spitzenwert.

Gegeben: U_SS = 12 V

Gesucht: Û in V

Lösungsweg:

  1. Umstellung der Formel: Û = U_SS / 2
  2. Einsetzen: Û = 12 V / 2 = 6 V

Ergebnis: Û = 6 V

Übungen

Ein Funktionsgenerator liefert Û = 5 V. Wie groß ist U_SS?

U_SS = 2 · 5 V = 10 V

Ein Datenblatt nennt für ein NF-Signal U_SS = 50 V. Bestimme den Spitzenwert.

Û = 50 V / 2 = 25 V

Eine Wechselspannung schwingt symmetrisch zwischen +24 V und -24 V. Bestimme Û und U_SS.

Û = 24 V, U_SS = 48 V

Für eine Diode in einer Gleichrichterschaltung soll die Sperrspannung doppelt so hoch sein wie der Spitzenwert der Eingangsspannung. Welche Sperrspannung wird für einen Eingang mit Û = 200 V gebraucht?

U_R ≥ 2 · 200 V = 400 V

Eine asymmetrische Wechselspannung schwankt zwischen +18 V und -6 V. Bestimme den positiven Spitzenwert, den negativen Spitzenwert und U_SS.

Û_pos = 18 V, Û_neg = -6 V, U_SS = 18 V – (-6 V) = 24 V

Welche Größe muss bei der Auswahl der Sperrspannung einer Gleichrichterdiode am Netz herangezogen werden?

  • a) Der Spitzenwert Û
  • b) Der Effektivwert U_eff
  • c) Der Mittelwert über eine Periode
  • d) Die Frequenz

Richtig: a)

Die Diode sperrt in jeder negativen Halbwelle die maximale Eingangsspannung — und das ist der Spitzenwert. Wer mit dem Effektivwert (230 V) auslegt, übersieht die etwa 325 V Spitze und riskiert einen Diodendurchbruch. Der Mittelwert ist bei reinem Sinus null und für die Auslegung unbrauchbar. Die Frequenz spielt für die Sperrspannung keine Rolle.

Eine Wechselspannung hat einen Spitzenwert von 50 V. Wie groß ist der Spitze-Spitze-Wert?

  • a) 50 V
  • b) 100 V
  • c) 25 V
  • d) 70,7 V

Richtig: b)

U_SS = 2 · Û = 2 · 50 V = 100 V. 50 V wäre der Spitzenwert selbst, 25 V die Hälfte (verwechselt), 70,7 V wäre der Effektivwert (auch verwechselt).

Was zeigt ein Oszilloskop standardmäßig in der vertikalen Ablenkung an?

  • a) Den Effektivwert
  • b) Den arithmetischen Mittelwert
  • c) Den Gleichrichtwert
  • d) Den unmittelbaren Spannungsverlauf, aus dem sich besonders einfach der Spitze-Spitze-Wert ablesen lässt

Richtig: d)

Ein Oszilloskop zeichnet u(t) — den Momentanwert über der Zeit. Aus dem Bild liest man am einfachsten den Spitze-Spitze-Wert ab (höchster Punkt minus tiefster Punkt). Effektiv-, Mittel- und Gleichrichtwert sind abgeleitete Größen, die zwar von vielen Oszilloskopen zusätzlich numerisch berechnet werden, aber nicht das ist, was die vertikale Ablenkung direkt zeigt.

4. Momentanwert und Sinusgleichung

Bisher haben wir nur einzelne ausgezeichnete Punkte der Wechselspannung beschrieben — Maximum, Nulldurchgang, Periodendauer. Mit der Sinusgleichung lässt sich der Wert zu jedem beliebigen Zeitpunkt berechnen:

Das Argument der Sinusfunktion ω · t ist der momentane Drehwinkel im Bogenmaß. Bei t = 0 ist der Winkel 0, der Sinus liefert 0 — die Kurve beginnt am Nulldurchgang. Nach einer Viertelperiode (t = T/4) ist der Winkel π/2 rad (90°), der Sinus 1 und damit u = Û — die Kurve erreicht das positive Maximum. Nach der halben Periode steht der Winkel bei π (180°), der Sinus wieder bei 0 — ein neuer Nulldurchgang. Bei 3T/4 (270°) liegt das negative Maximum, bei T (360°) der nächste Nulldurchgang in derselben Richtung wie bei t = 0.

Der Zusammenhang zwischen Sinusfunktion und Einheitskreis ist hier wörtlich zu nehmen: Während ein Punkt mit Winkelgeschwindigkeit ω auf dem Einheitskreis umläuft, beschreibt seine Projektion auf die y-Achse exakt die Sinuskurve über der Zeit. Eine Wechselspannung kann man sich also als „abgewickelten Einheitskreis“ vorstellen, mit dem Spitzenwert als Radius.

Folgendes Diagramm zeigt zwei volle Perioden einer sinusförmigen Wechselspannung mit den eingezeichneten Kenngrößen Periodendauer T, Spitzenwert Û und Spitze-Spitze-Wert U_SS:

In der allgemeineren Form berücksichtigt die Sinusgleichung auch eine zeitliche Verschiebung gegenüber dem Nulldurchgang bei t = 0:

Der Nullphasenwinkel φ₀ verschiebt die Kurve seitlich entlang der Zeitachse. Bei zwei verschiedenen Spannungen oder zwischen Spannung und Strom wird daraus die Phasenverschiebung — ein zentrales Werkzeug der Wechselstromtechnik, das einen eigenen Beitrag hat: Phasenverschiebung und Zeigerdiagramme.

u(t) = Û · sin(ω · t)

  • u(t) … Momentanwert zum Zeitpunkt t in V
  • Û … Spitzenwert in V
  • ω … Kreisfrequenz in rad/s
  • t … Zeit in s

u(t) = Û · sin(ω · t + φ₀)

  • u(t) … Momentanwert in V
  • Û … Spitzenwert in V
  • ω … Kreisfrequenz in rad/s
  • t … Zeit in s
  • φ₀ … Nullphasenwinkel in rad
t u −Û 0 T U_SS

Gelöstes Beispiel

Berechne den Momentanwert einer Netzwechselspannung mit Û = 325 V und f = 50 Hz zum Zeitpunkt t = 2 ms.

Gegeben: Û = 325 V, f = 50 Hz, t = 2 ms = 0,002 s

Gesucht: u(t) in V

Lösungsweg:

  1. Kreisfrequenz bestimmen: ω = 2 · π · f = 2 · π · 50 = 314,16 rad/s
  2. Argument berechnen: ω · t = 314,16 · 0,002 = 0,6283 rad
  3. Momentanwert einsetzen: u(t) = 325 V · sin(0,6283) = 325 V · 0,5878 ≈ 191 V

Ergebnis: u(2 ms) ≈ 191 V

Übungen

Eine Wechselspannung mit Û = 10 V und f = 100 Hz wird zum Zeitpunkt t = 2,5 ms gemessen. Welcher Momentanwert liegt vor?

T = 10 ms, t = T/4. Bei t = T/4 ist der Sinus genau bei seinem Maximum, also u = Û = 10 V.

Eine Wechselspannung hat Û = 100 V und T = 20 ms. Welcher Momentanwert tritt nach t = 10 ms auf?

t = T/2, der Sinus ist hier null, also u = 0 V (Nulldurchgang).

Wie viele Millisekunden nach Nulldurchgang erreicht eine 50-Hz-Spannung mit Û = 24 V ihr Maximum?

Maximum bei T/4 = 20 ms / 4 = 5 ms

Eine Spannung mit Û = 200 V und f = 50 Hz wird zum Zeitpunkt t = 7 ms gemessen. Welcher Wert wird abgelesen?

ω · t = 2 · π · 50 · 0,007 ≈ 2,199 rad ≈ 126°. u = 200 · sin(126°) ≈ 200 · 0,809 ≈ 161,8 V

Eine 50-Hz-Wechselspannung mit Û = 24 V erreicht zu welchem Zeitpunkt nach Nulldurchgang den halben Spitzenwert (12 V)?

sin(ω · t) = 0,5 → ω · t = π/6 rad → t = (π/6) / ω = (π/6) / (2 · π · 50) = 1/600 s ≈ 1,667 ms

Welchen Wert liefert die Sinusgleichung u(t) = Û · sin(ω · t) zum Zeitpunkt t = T/4?

  • a) 0
  • b) -Û
  • c) Û
  • d) Û / 2

Richtig: c)

Bei t = T/4 ist ω · t = (2π/T) · (T/4) = π/2 rad = 90°. Der Sinus von 90° ist 1, also u = Û. Antwort a wäre bei t = 0 oder T/2, b bei t = 3T/4, d wäre bei sin = 0,5 also bei ω · t = π/6.

Eine 50-Hz-Spannung hat Û = 100 V. Wie groß ist der Momentanwert nach 10 ms?

  • a) 0 V
  • b) 50 V
  • c) 70,7 V
  • d) 100 V

Richtig: a)

T = 1/50 Hz = 20 ms. Nach 10 ms ist genau die halbe Periode vergangen — der Sinus durchläuft hier einen Nulldurchgang, also u = 0. Bei 5 ms wäre das Maximum (100 V), 70,7 V ist der Effektivwert (gehört zu keinem speziellen Zeitpunkt), 50 V wäre der halbe Spitzenwert (bei t ≈ 1,67 ms).

Was beschreibt der Nullphasenwinkel φ₀ in der erweiterten Sinusgleichung?

  • a) Die Höhe des Spitzenwerts
  • b) Eine seitliche Verschiebung der Sinuskurve entlang der Zeitachse
  • c) Die Steilheit der Kurve am Nulldurchgang
  • d) Die Anzahl der Perioden pro Sekunde

Richtig: b)

φ₀ verschiebt die Kurve horizontal — bei positivem φ₀ erreicht die Kurve den Nulldurchgang früher, bei negativem später. Die Höhe der Kurve steckt in Û (a), die Steilheit am Nulldurchgang ergibt sich aus Û · ω (c), die Schwingungen pro Sekunde aus f (d).

5. Effektivwert

Eine Glühbirne, die an 230 V Wechselspannung hängt, leuchtet genauso hell wie an 230 V Gleichspannung — obwohl die Wechselspannung in jeder Periode bis auf etwa 325 V hochschwingt und wieder durch null geht. Dass beide Spannungen denselben „Effekt“ haben, ist genau die Bedeutung des Effektivwerts.

Mathematisch ist der Effektivwert jene Gleichspannung, die an einem ohmschen Widerstand im Mittel die gleiche Leistung (also Wärme) erzeugt wie die betrachtete Wechselspannung. Weil die Leistung proportional zum Quadrat der Spannung ist, wird zuerst quadriert, dann gemittelt, dann die Wurzel gezogen — daher der englische Name „root mean square“ oder kurz RMS.

Für reinen Sinus liefert diese Rechnung ein bemerkenswert einfaches Ergebnis:

Mit √2 ≈ 1,414 bedeutet das: U_eff ≈ 0,707 · Û, oder Û ≈ 1,414 · U_eff.

Damit ergibt sich für das österreichische Netz:

  • U_eff = 230 V (offizielle Nennspannung, was am Multimeter abgelesen wird)
  • Û = 230 V · √2 ≈ 325,3 V
  • U_SS = 2 · Û ≈ 650,5 V

Ein Multimeter zeigt im AC-Bereich den Effektivwert. Allerdings nur korrekt, solange die Spannung wirklich sinusförmig ist — bei verzerrten Signalen kann der angezeigte Wert deutlich falsch sein. Geräte mit der Aufschrift „True RMS“ oder „TRMS“ messen tatsächlich quadratisch und zeigen auch bei nicht-sinusförmigen Signalen den richtigen Wert.

U_eff = Û / √2

  • U_eff … Effektivwert in V
  • Û … Spitzenwert in V

Û = U_eff · √2

  • Û … Spitzenwert in V
  • U_eff … Effektivwert in V

Gelöstes Beispiel

Welcher Spitzenwert gehört zu einer Wechselspannung mit dem Effektivwert 230 V?

Gegeben: U_eff = 230 V

Gesucht: Û in V

Lösungsweg:

  1. Formel anwenden: Û = U_eff · √2
  2. Einsetzen: Û = 230 V · 1,4142 ≈ 325,3 V

Ergebnis: Û ≈ 325,3 V

Übungen

Eine Wechselspannung hat Û = 100 V. Berechne U_eff.

U_eff = 100 V / √2 ≈ 70,71 V

Ein NF-Verstärker liefert U_eff = 12 V an seinem Ausgang. Welche Spitzenspannung tritt auf?

Û = 12 V · √2 ≈ 16,97 V

Eine Diode soll für eine 1,5-fache Sicherheit gegenüber dem Spitzenwert ausgelegt werden. Welche Sperrspannung wird für ein 230-V-Netz gefordert?

Û = 230 · √2 ≈ 325,3 V. Erforderlich: 1,5 · 325,3 V ≈ 488 V. Diode mit ≥ 500 V wählen.

Eine Stoßspannungsprüfung verlangt eine Wechselspannung mit U_eff = 1500 V. Welche Spitzenspannung muss die Isolation aushalten?

Û = 1500 · √2 ≈ 2121 V

Eine US-Steckdose liefert U_eff = 120 V bei 60 Hz. Bestimme Û und U_SS.

Û = 120 · √2 ≈ 169,7 V, U_SS = 2 · 169,7 V ≈ 339,4 V

Was bedeutet der Effektivwert einer Wechselspannung?

  • a) Der Wert, der am Oszilloskop direkt abgelesen wird
  • b) Die Spannung bei t = T/4
  • c) Der arithmetische Mittelwert über eine Periode
  • d) Die Gleichspannung, die an einem ohmschen Widerstand dieselbe Wärmeleistung erzeugt

Richtig: d)

Genau diese Wärmeäquivalenz ist die Definition des Effektivwerts. Am Oszilloskop liest man Momentanwerte ab (a falsch). Bei T/4 steht der Spitzenwert, nicht der Effektivwert (b falsch). Der arithmetische Mittelwert eines reinen Sinus ist null (c falsch).

Wie groß ist der Spitzenwert der österreichischen Netzspannung?

  • a) 230 V
  • b) 230 · 2 = 460 V
  • c) 230 · √2 ≈ 325 V
  • d) 230 / √2 ≈ 163 V

Richtig: c)

Û = U_eff · √2 = 230 · √2 ≈ 325 V. 230 V ist der Effektivwert selbst (a), 460 V wäre der Spitze-Spitze-Wert (b), 163 V wäre die falsche Richtung (d).

Was zeigt ein einfaches Multimeter im AC-Spannungs-Bereich an, wenn man die Spannung am Ausgang eines Frequenzumrichters misst (stark verzerrter Verlauf)?

  • a) Einen falschen Wert, weil die Annahme „reiner Sinus“ nicht zutrifft
  • b) Den korrekten Effektivwert
  • c) Den Spitze-Spitze-Wert
  • d) Die Frequenz

Richtig: a)

Einfache Multimeter messen den Gleichrichtwert und multiplizieren mit dem Formfaktor 1,11 (gilt für reinen Sinus). Beim Frequenzumrichter ist die Annahme falsch, der angezeigte Wert kann erheblich von der Realität abweichen. Korrekt misst hier nur ein TRMS-Multimeter. Antwort c und d sind grundsätzlich falsche Messgrößen für den AC-Spannungsbereich.

Welche Aussage zum Effektivwert ist korrekt?

  • a) Er entspricht immer dem Spitzenwert
  • b) Er ist bei reinem Sinus etwa 70,7 % des Spitzenwerts
  • c) Er ist immer doppelt so groß wie der Mittelwert
  • d) Er hängt nicht von der Kurvenform ab

Richtig: b)

U_eff = Û / √2 = Û · (1/1,414) ≈ 0,707 · Û, also ungefähr 70,7 % des Spitzenwerts. Antwort a ist falsch (Effektivwert ist immer kleiner als Spitzenwert bei Wechselspannung). Antwort c stimmt nur zufällig in bestimmten Fällen. Antwort d ist falsch — die Definition über das quadratische Mittel führt bei jeder Kurvenform zu einem anderen Verhältnis zum Spitzenwert (Faktor √2 nur beim Sinus).

6. Arithmetischer Mittelwert und Gleichrichtwert

Wenn man den arithmetischen Mittelwert einer reinen sinusförmigen Wechselspannung über eine ganze Periode berechnet, kommt null heraus. Das ist kein Rechenfehler — die positive und die negative Halbwelle sind betragsmäßig gleich groß, sie heben sich exakt auf.

Der reine Mittelwert ist also wenig aussagekräftig — er sagt nichts über die Höhe der Schwingung. Praktisch relevant wird er erst nach einer Gleichrichtung: Wenn die negative Halbwelle durch einen Gleichrichter „umgeklappt“ wird, bleibt nur die positive Hülle übrig, und deren Mittelwert ist deutlich größer als null. Dieser Wert heißt Gleichrichtwert oder Betrag-Mittelwert und wird mit |U| notiert.

Für eine Vollweggleichrichtung (typische Brückenschaltung) ergibt sich aus der Integration über eine halbe Sinusperiode:

Das entspricht etwa 0,637 · Û. Bei reiner Einweggleichrichtung (nur eine Halbwelle wird genutzt) wäre der Wert nur halb so groß: Û / π ≈ 0,318 · Û.

Wozu ist der Gleichrichtwert in der Praxis relevant? Klassische analoge Drehspulmessgeräte sind „mittelwertbildend“ — sie reagieren auf den arithmetischen Mittelwert des durchfließenden Stroms. Ohne Gleichrichter würden sie bei Wechselstrom null anzeigen. Mit eingebautem Gleichrichter zeigen sie den Gleichrichtwert, ihre Skala ist aber meist auf den Effektivwert kalibriert. Diese Kalibrierung funktioniert über den Formfaktor F = U_eff / |U|. Für reinen Sinus ist F = (Û / √2) / (2 · Û / π) = π / (2 · √2) ≈ 1,11. Bei jeder anderen Kurvenform stimmt dieser Faktor nicht mehr — daher die Probleme einfacher Messgeräte mit verzerrten Signalen.

ū = 0

  • ū … arithmetischer Mittelwert einer reinen sinusförmigen Wechselspannung über eine Periode

|U| = (2 · Û) / π

  • |U| … Gleichrichtwert nach Vollweggleichrichtung in V
  • Û … Spitzenwert in V

Gelöstes Beispiel

Eine sinusförmige Wechselspannung mit Û = 100 V wird mit einer Brückenschaltung gleichgerichtet. Berechne den Gleichrichtwert.

Gegeben: Û = 100 V, Vollweggleichrichtung

Gesucht: |U| in V

Lösungsweg:

  1. Formel anwenden: |U| = (2 · Û) / π
  2. Einsetzen: |U| = (2 · 100 V) / π = 200 / 3,1416 ≈ 63,66 V

Ergebnis: |U| ≈ 63,66 V

Übungen

Eine Wechselspannung hat Û = 24 V. Bestimme den Gleichrichtwert bei Vollweggleichrichtung.

|U| = (2 · 24) / π ≈ 15,28 V

Welcher arithmetische Mittelwert ergibt sich für eine reine Sinusspannung über eine vollständige Periode?

ū = 0 — positive und negative Halbwelle heben sich auf.

Ein Brückengleichrichter liefert einen Mittelwert von 31 V am Ausgang. Welchen Spitzenwert hatte die Eingangsspannung?

Aus |U| = (2 · Û) / π folgt Û = (|U| · π) / 2 = (31 · π) / 2 ≈ 48,69 V

Ein analoges Drehspulmessgerät mit Gleichrichter misst an einer reinen Sinusspannung einen Gleichrichtwert von 9 V. Welchen Effektivwert würde es bei korrekter Skalenkalibrierung anzeigen (Formfaktor 1,11)?

U_eff = 9 V · 1,11 ≈ 9,99 V ≈ 10 V

Eine sinusförmige Wechselspannung mit U_eff = 230 V wird brückengleichgerichtet. Bestimme den Gleichrichtwert am Ausgang.

Zuerst Û = 230 · √2 ≈ 325,3 V, dann |U| = (2 · 325,3) / π ≈ 207,1 V

Wie groß ist der arithmetische Mittelwert einer reinen sinusförmigen Wechselspannung über eine ganze Periode?

  • a) Û / √2
  • b) 0
  • c) 2 · Û / π
  • d) Û / π

Richtig: b)

Positive und negative Halbwelle sind symmetrisch und heben sich auf, der Mittelwert ist null. Antwort a ist der Effektivwert, c der Gleichrichtwert nach Vollweg-, d nach Einweggleichrichtung.

Eine sinusförmige Wechselspannung mit Û = 50 V wird brückengleichgerichtet. Welcher Gleichrichtwert ergibt sich näherungsweise?

  • a) 31,83 V
  • b) 50 V
  • c) 35,36 V
  • d) 100 V

Richtig: a)

|U| = (2 · 50) / π ≈ 31,83 V. Antwort b ist der Spitzenwert selbst, c wäre der Effektivwert (50/√2 ≈ 35,36 V), d ist U_SS.

Warum zeigt ein analoges Drehspulinstrument mit Gleichrichter den (näherungsweise richtigen) Effektivwert an, obwohl es physikalisch den Gleichrichtwert misst?

  • a) Weil Drehspulinstrumente eine elektronische Wurzelberechnung enthalten
  • b) Weil sie bei jeder Kurvenform exakt gleich kalibriert sind
  • c) Weil sich Gleichrichtwert und Effektivwert ohnehin nicht unterscheiden
  • d) Weil die Skala mit dem Formfaktor 1,11 multipliziert kalibriert ist — was nur für reinen Sinus stimmt

Richtig: d)

Die Skalenbeschriftung berücksichtigt den Faktor U_eff / |U| = 1,11 fest eingebaut. Diese Kalibrierung gilt aber nur für reinen Sinus — bei verzerrten Signalen liegt das Gerät daneben. Antwort a ist technisch falsch (analog, keine Elektronik). b und c sind ebenfalls falsch.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Berechne für eine Wechselspannung mit U_eff = 110 V (Bordnetz in manchen US-Anwendungen) den Spitzenwert und den Spitze-Spitze-Wert.

Gegeben: U_eff = 110 V

Gesucht: Û, U_SS

Lösungsweg:

  1. Û = U_eff · √2 = 110 · 1,4142 ≈ 155,56 V
  2. U_SS = 2 · Û ≈ 311,13 V

Ergebnis: Û ≈ 155,56 V, U_SS ≈ 311,13 V

Aufgabe 2: Eine sinusförmige Wechselspannung hat Û = 12 V und f = 1 kHz. Berechne ω, T und den Momentanwert nach t = 0,25 ms.

Gegeben: Û = 12 V, f = 1000 Hz, t = 0,25 ms = 0,00025 s

Gesucht: ω, T, u(t)

Lösungsweg:

  1. ω = 2 · π · f = 2 · π · 1000 ≈ 6283 rad/s
  2. T = 1 / f = 1 / 1000 s = 1 ms
  3. ω · t = 6283 · 0,00025 ≈ 1,5708 rad ≈ π/2; u(t) = 12 · sin(π/2) = 12 V

Ergebnis: ω ≈ 6283 rad/s, T = 1 ms, u(0,25 ms) = 12 V (Maximum)

Aufgabe 3: Eine Diode mit einer Sperrspannung von 600 V wird in einem Brückengleichrichter eingesetzt. Bei welchem maximalen Effektivwert der Eingangsspannung bleibt die Diode noch innerhalb der Spezifikation, wenn als Sicherheitsfaktor 1,5 gegenüber dem Spitzenwert vorgesehen ist?

Gegeben: U_R = 600 V, Sicherheitsfaktor 1,5

Gesucht: zulässiger U_eff

Lösungsweg:

  1. Zulässiger Spitzenwert: Û = U_R / 1,5 = 600 / 1,5 = 400 V
  2. Zugehöriger Effektivwert: U_eff = Û / √2 = 400 / 1,4142 ≈ 282,8 V

Ergebnis: U_eff ≈ 282,8 V

Aufgabe 4: Eine sinusförmige Wechselspannung mit Û = 50 V wird mit einer Brückenschaltung gleichgerichtet. Bestimme Effektivwert, Gleichrichtwert und Formfaktor.

Gegeben: Û = 50 V, Vollweggleichrichtung

Gesucht: U_eff, |U|, F

Lösungsweg:

  1. U_eff = 50 / √2 ≈ 35,36 V
  2. |U| = (2 · 50) / π ≈ 31,83 V
  3. F = U_eff / |U| ≈ 35,36 / 31,83 ≈ 1,11

Ergebnis: U_eff ≈ 35,36 V, |U| ≈ 31,83 V, F ≈ 1,11

Aufgabe 5: Eine Wechselspannung mit f = 50 Hz und Û = 325 V. Berechne den Momentanwert nach t = 5 ms und nach t = 15 ms.

Gegeben: f = 50 Hz, Û = 325 V

Gesucht: u(5 ms), u(15 ms)

Lösungsweg:

  1. T = 1 / 50 Hz = 20 ms. 5 ms entspricht T/4, 15 ms entspricht 3T/4.
  2. u(5 ms) = 325 · sin(π/2) = 325 · 1 = 325 V (positives Maximum)
  3. u(15 ms) = 325 · sin(3π/2) = 325 · (-1) = -325 V (negatives Maximum)

Ergebnis: u(5 ms) = 325 V, u(15 ms) = -325 V

Eine Wechselspannung hat eine Periodendauer von 4 ms. Wie hoch ist ihre Frequenz?

  • a) 4 Hz
  • b) 40 Hz
  • c) 250 Hz
  • d) 2500 Hz

Richtig: c)

f = 1 / T = 1 / 0,004 s = 250 Hz. Antwort a ist die Periodendauer selbst in der falschen Einheit interpretiert, b das 10-Fache und d das 10-Fache der korrekten Antwort.

Welche Aussage zum Effektivwert einer reinen Sinus-Wechselspannung ist korrekt?

  • a) U_eff entspricht jener Gleichspannung, die an einem Widerstand dieselbe Wärmeleistung erzeugen würde
  • b) U_eff ist immer null
  • c) U_eff = 2 · Û
  • d) U_eff ist dasselbe wie der Spitze-Spitze-Wert

Richtig: a)

Genau diese „Wärme-Äquivalenz“ definiert den Effektivwert. b ist der arithmetische Mittelwert, c ist sachlich falsch (Effektivwert ist kleiner als der Spitzenwert), d verwechselt Effektivwert mit U_SS.

Welche Spannung muss die Isolation eines 230-V-Geräts mindestens kurzzeitig aushalten?

  • a) 230 V
  • b) 163 V
  • c) 100 V
  • d) Etwa 325 V (Spitzenwert)

Richtig: d)

Die momentane Spannung erreicht den Spitzenwert Û = 230 · √2 ≈ 325 V. Antwort a wäre eine grobe Unterdimensionierung, b ist 230/√2 (falsche Richtung), c ist deutlich zu niedrig.

Ein einfaches (nicht-TRMS-) Multimeter wird im AC-Bereich an eine stark verzerrte Spannung gelegt. Was passiert?

  • a) Es zeigt den exakten Effektivwert
  • b) Es zeigt einen Wert, der mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit deutlich vom tatsächlichen Effektivwert abweicht
  • c) Es zeigt null
  • d) Es zeigt automatisch den Spitzenwert an

Richtig: b)

Einfache Multimeter messen den Gleichrichtwert und multiplizieren mit dem Formfaktor 1,11 — das gilt nur für reinen Sinus. Bei verzerrten Signalen ist die Anzeige unzuverlässig. a wäre nur mit TRMS-Gerät korrekt, c und d entsprechen nicht der Funktionsweise.

Welche der folgenden Aussagen über die Kreisfrequenz ω ist richtig?

  • a) ω hat dieselbe Einheit wie f
  • b) ω wird nur in der Hochfrequenztechnik benötigt
  • c) ω = 2 · π · f und wird in rad/s gemessen
  • d) ω und T sind identisch

Richtig: c)

Die Definition lautet ω = 2 · π · f mit der Einheit rad/s. Antwort a ist falsch (ω in rad/s, f in Hz). b stimmt nicht — auch im 50-Hz-Netz wird ω ständig gebraucht. d ist sachlich falsch.

Welcher Spitze-Spitze-Wert gehört zur österreichischen Netzspannung?

  • a) Etwa 650 V
  • b) Etwa 325 V
  • c) 230 V
  • d) 460 V

Richtig: a)

U_SS = 2 · Û = 2 · 325 V ≈ 650 V. b ist der Spitzenwert allein, c der Effektivwert, d wäre 2 · U_eff (falsche Verdoppelung des Effektivwerts).

Eine 50-Hz-Wechselspannung mit Û = 100 V wird zum Zeitpunkt t = 2,5 ms gemessen. Welcher Momentanwert wird abgelesen?

  • a) 100 V (Maximum)
  • b) 0 V (Nulldurchgang)
  • c) 50 V
  • d) Etwa 70,7 V

Richtig: d)

T = 20 ms, ω · t = 2 · π · 50 · 0,0025 = π/4 rad = 45°. u = 100 · sin(45°) ≈ 100 · 0,707 ≈ 70,7 V. Das Maximum (a) wäre bei t = 5 ms, der Nulldurchgang (b) bei t = 0 oder t = 10 ms, c entspricht sin = 0,5 (also t = 1,67 ms).

Welche Eigenschaft hat ein TRMS-Multimeter gegenüber einem einfachen AC-Multimeter?

  • a) Es zeigt immer den Spitzenwert
  • b) Es liefert den korrekten Effektivwert auch bei nicht-sinusförmigen Spannungen
  • c) Es misst nur Gleichspannung
  • d) Es kann nur Wechselstrom messen, keine Wechselspannung

Richtig: b)

TRMS-Geräte (True RMS) berechnen das quadratische Mittel tatsächlich, unabhängig von der Kurvenform. a ist falsch (Effektivwert, nicht Spitzenwert), c und d beschreiben Geräte gar nicht.

Eine Wechselspannung hat U_eff = 50 V. Welcher Wert wäre ungefähr der Gleichrichtwert nach Brückengleichrichtung?

  • a) 50 V
  • b) Etwa 35,4 V
  • c) Etwa 45 V
  • d) Etwa 70,7 V

Richtig: c)

Zuerst Û = 50 · √2 ≈ 70,7 V, dann |U| = (2 · 70,7) / π ≈ 45 V. Auch direkt mit dem Formfaktor: |U| = U_eff / 1,11 ≈ 45 V. Antwort a ist der Effektivwert, b ist U_eff / √2 (falsche Operation), d ist der Spitzenwert.

Warum wird in Energienetzen Wechselspannung verwendet, obwohl Gleichspannung in Bauteilen oft einfacher zu handhaben wäre?

  • a) Weil Wechselspannung sich einfach mit Transformatoren auf andere Spannungsebenen übertragen lässt — entscheidend für die Übertragung über große Distanzen
  • b) Weil Gleichspannung nicht durch Kabel übertragbar ist
  • c) Weil 50 Hz die einzig zulässige Frequenz ist
  • d) Weil Gleichspannung keine Frequenz hat

Richtig: a)

Der entscheidende historische Vorteil ist die einfache Spannungswandlung mittels Transformator — Hochspannung auf Übertragungsleitungen, Niederspannung beim Verbraucher. b ist falsch (Gleichstrom-Hochspannungsübertragung HGÜ existiert sehr wohl), c ist eine willkürliche Behauptung, d stimmt zwar, ist aber kein Argument.

Glossar

Wechselspannung
Elektrische Spannung, die regelmäßig ihre Polarität wechselt und dabei ihren Wert kontinuierlich verändert. In Energienetzen sinusförmig.
Periode
Ein vollständiger Durchlauf des Spannungsverlaufs vom Nulldurchgang bis zum nächsten Nulldurchgang in dieselbe Richtung.
Periodendauer T
Zeitliche Länge einer Periode, gemessen in Sekunden. Im österreichischen Stromnetz 20 ms.
Frequenz f
Anzahl der Perioden pro Sekunde, gemessen in Hertz (Hz). Kehrwert der Periodendauer.
Kreisfrequenz ω
Drehgeschwindigkeit im Bogenmaß: ω = 2 · π · f, gemessen in rad/s. Wird als Argument der Sinusfunktion gebraucht.
Momentanwert u(t)
Wert der Spannung zu einem bestimmten Zeitpunkt t. Folgt der Sinusgleichung u(t) = Û · sin(ω · t).
Spitzenwert (Scheitelwert) Û
Maximaler Augenblickswert der Wechselspannung. Bei 230 V Netz ≈ 325 V.
Spitze-Spitze-Wert U_SS
Abstand zwischen positivem und negativem Maximum. Bei symmetrischer Wechselspannung gilt U_SS = 2 · Û.
Effektivwert U_eff (RMS)
Jene Gleichspannung, die an einem ohmschen Widerstand dieselbe Wärmeleistung erzeugen würde. Bei reinem Sinus: U_eff = Û / √2.
True RMS (TRMS)
Messverfahren, das den Effektivwert auch bei nicht-sinusförmigen Signalen durch tatsächliche quadratische Mittelung korrekt bestimmt.
Arithmetischer Mittelwert
Zeitlicher Durchschnittswert über eine Periode. Bei reiner Sinus-Wechselspannung null.
Gleichrichtwert |U|
Mittelwert der gleichgerichteten (betragsmäßig genommenen) Spannung. Bei Vollweggleichrichtung: |U| = (2 · Û) / π ≈ 0,637 · Û.
Formfaktor F
Verhältnis von Effektivwert zu Gleichrichtwert. Für reinen Sinus: F ≈ 1,11.
Nullphasenwinkel φ₀
Winkel, um den eine Sinuskurve gegenüber der Bezugskurve verschoben ist. Beschreibt eine seitliche Verschiebung entlang der Zeitachse.
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