Achsen und Wellen

Auf den ersten Blick sehen Achsen und Wellen gleich aus — zylindrische Stahlteile, auf denen sich etwas dreht. Doch zwischen den beiden liegt ein fundamentaler Unterschied, an dem alles Weitere hängt: andere Beanspruchung, andere Bauform, andere Berechnung.

Der eine Satz, den du dir merken musst: Achsen tragen. Wellen treiben. Wer das verstanden hat, kann jedes drehende Bauteil in einer Maschine richtig einordnen.

Vorwissen

  • Beanspruchungsarten: Zug, Druck, Biegung, Schub, Torsion
  • Drehbewegung und Drehmoment
  • Festigkeitslehre: Spannung und Dehnung

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Achse und Welle eindeutig unterscheiden
  • die wichtigsten Bauformen von Achsen und Wellen benennen
  • konstruktive Elemente an Wellen erkennen und ihren Zweck erklären
  • Biegespannung und Torsionsspannung berechnen
  • den erforderlichen Wellendurchmesser auslegen
  • die Bedeutung von Kerbwirkung und Übergangsradien einschätzen

1. Achse vs. Welle — der entscheidende Unterschied

Eine Achse ist ein Maschinenteil, das drehende Teile trägt, selbst aber kein Drehmoment überträgt. Sie nimmt nur Kräfte auf — Gewicht, Stützkräfte, Querkräfte. Eine Achse wird ausschließlich auf Biegung beansprucht.

Eine Welle überträgt dagegen ein Drehmoment. Sie ist das Bauteil, durch das Antriebskräfte von einem Punkt zum anderen weitergegeben werden. Wellen werden auf Torsion beansprucht — also verdreht, weil an einem Ende ein Moment eingeleitet und am anderen Ende eines abgegeben wird. In den meisten realen Fällen kommt eine Biegebeanspruchung dazu (Eigengewicht, Zahnradkräfte, Riemenzug). Eine reine Torsionswelle ist eher die Ausnahme als die Regel.

Ein zweiter Unterschied liegt in der Bewegung selbst: Eine Achse kann feststehend sein (das Rad dreht sich auf der Achse) oder umlaufend mitdrehen (Rad und Achse drehen gemeinsam). Eine Welle dreht sich immer mit.

Merkmal Achse Welle
Funktion trägt drehende Teile überträgt Drehmoment
Hauptbeanspruchung Biegung Torsion (meist plus Biegung)
Bewegung feststehend oder umlaufend dreht immer mit
Beispiel Anhängerrad, Eisenbahn-Radsatz Getriebewelle, Antriebswelle

Welche Aussage trifft auf eine Achse zu?

  • a) Sie überträgt kein Drehmoment und wird auf Biegung beansprucht.
  • b) Sie überträgt ausschließlich Torsionsmomente.
  • c) Sie wird hauptsächlich auf Torsion beansprucht.
  • d) Sie dreht sich immer mit dem getragenen Teil mit.

Richtig: a)

Eine Achse trägt nur — sie überträgt kein Drehmoment. Daraus folgt, dass sie durch Querkräfte belastet wird und auf Biegung beansprucht ist. Option b und c beschreiben eine Welle, d trifft nur auf umlaufende Achsen zu, nicht generell.

Eine Getriebewelle, die ein Zahnrad antreibt, wird belastet durch:

  • a) ausschließlich Druck in axialer Richtung.
  • b) ausschließlich Zug.
  • c) Torsion plus zusätzlich Biegung.
  • d) reine Schubspannung im gesamten Querschnitt.

Richtig: c)

Eine Getriebewelle überträgt ein Drehmoment — daraus ergibt sich die Torsion. Gleichzeitig wirken Zahnkräfte radial auf die Welle, was eine Biegebeanspruchung erzeugt. In der Praxis trifft fast jede Welle diese Kombination. Eine reine Torsionswelle gibt es selten.

Bei einem Eisenbahn-Radsatz handelt es sich um:

  • a) eine Welle, weil sich das Bauteil dreht.
  • b) eine umlaufende Achse — die Räder sind fest aufgepresst, ein Drehmoment wird nicht übertragen.
  • c) eine biegsame Welle.
  • d) eine Kombination aus Welle und Hohlwelle.

Richtig: b)

Auch wenn sich der Radsatz dreht, ist it definitionsgemäß keine Welle: Es wird kein Drehmoment vom einen Ende zum anderen übertragen. Beide Räder werden gleichzeitig durch Reibung am Schienenkontakt angetrieben oder gebremst. Der Radsatz trägt nur — das macht ihn zur (umlaufenden) Achse.

2. Bauformen von Achsen

Bei Achsen unterscheidet man hauptsächlich nach Art der Bewegung.

Die feststehende Achse ist starr im Gestell befestigt. Das Rad oder das drehende Teil ist über Lager auf der Achse beweglich. Typische Beispiele: Laufrollen an Förderbändern, Räder am Anhänger, Umlenkrollen. Die Lager — Gleitlager oder Wälzlager (dazu gibt es einen eigenen Beitrag) — sitzen zwischen Rad und Achse.

Die umlaufende Achse dreht sich gemeinsam mit dem Rad. Die Lagerung erfolgt nicht zwischen Rad und Achse, sondern zwischen Achse und Gestell. Das klassische Beispiel ist der Eisenbahn-Radsatz: Zwei Räder sind fest auf die Achse aufgepresst, beide drehen sich gemeinsam. Die Lager sitzen außerhalb der Räder am Drehgestell des Waggons.

Der wichtige Unterschied für die Belastung: Eine feststehende Achse trägt eine konstante Last in einer Richtung — die Spannung an einer bestimmten Stelle bleibt gleich. Eine umlaufende Achse dagegen erlebt mit jeder Umdrehung an derselben Materialfaser eine wechselnde Belastung — einmal Zug, einmal Druck. Das ist Dauerschwingbeanspruchung und stellt höhere Anforderungen an Werkstoff und Auslegung.

Feststehende Achse Gestell Gestell Achse Lager zwischen Rad und Achse Achse steht still — Rad dreht sich Beispiel: Anhängerrad Umlaufende Achse Achse Lager am Gestell, außerhalb der Räder Räder fest aufgepresst — Achse dreht mit Beispiel: Eisenbahn-Radsatz

Bei einer Umlenkrolle eines Förderbandes ist die Rolle drehbar auf einer fest im Rahmen verschraubten Stahlstange gelagert. Wie nennt man diese Anordnung korrekt?

  • a) Welle mit Drehmomentübertragung.
  • b) Umlaufende Achse.
  • c) Hohlwelle.
  • d) Feststehende Achse.

Richtig: d)

Die Stange überträgt kein Drehmoment (sie steht still) und trägt nur die Last des Förderbandes. Damit ist sie eine Achse. Da sie selbst nicht mitdreht, ist sie eine feststehende Achse. Lager und Drehung finden zwischen Rolle und Achse statt.

Welcher Belastungstyp tritt bei einer umlaufenden Achse zusätzlich zur statischen Belastung auf?

  • a) Zusätzliche Torsion durch das Eigengewicht.
  • b) Wechselbeanspruchung mit Zug- und Druckspannungen an derselben Faser.
  • c) Eine konstante einseitige Druckspannung.
  • d) Schwingungen ausschließlich in Längsrichtung.

Richtig: b)

Eine Faser am Außenrand der umlaufenden Achse wird einmal pro Umdrehung in der Zugzone, einmal in der Druckzone der Biegung sein. Das ergibt eine umlaufende Biegebeanspruchung — die typische Wechselbeanspruchung. Daraus resultiert die Dauerfestigkeitsproblematik bei umlaufenden Achsen.

3. Bauformen von Wellen

Wellen gibt es in deutlich mehr Varianten als Achsen.

Die glatte Welle ist ein zylindrisches Stück mit konstantem Durchmesser. Einfach herzustellen, für komplexere Anwendungen aber meist zu unflexibel — Lager und Naben müssen über Klemmverbindungen oder reibschlüssig fixiert werden.

Die abgesetzte Welle ist die Standardform im Maschinenbau. Sie hat über ihre Länge verschiedene Durchmesser. Jeder Wellenabsatz dient einem Zweck: Anschlag für ein Lager, Anschlag für eine Nabe, Übergang zwischen zwei Bauteilen. Eine Getriebeeingangswelle hat oft fünf oder sechs verschiedene Durchmesser-Abschnitte.

Die Hohlwelle ist innen ausgebohrt. Sie ist leichter als eine Vollwelle, kann aber fast genauso viel Drehmoment übertragen. Der Grund: Die Spannung in einem verdrehten Querschnitt is außen am höchsten und in der Mitte fast null. Material in der Mitte trägt also wenig zur Tragfähigkeit bei. Hohlwellen findet man bei Werkzeugmaschinenspindeln, bei Antriebswellen in Pkw und bei großen Maschinen, wo Gewicht eine Rolle spielt.

Die Kurbelwelle wandelt eine geradlinige Bewegung (Kolben) in eine Drehbewegung um — oder umgekehrt. Verbrennungsmotoren sind das bekannteste Beispiel. Konstruktiv ist die Kurbelwelle keine einfache Welle mehr, sondern eine Folge gekröpfter Abschnitte.

Die Gelenkwelle überträgt Drehmoment auch dann, wenn An- und Abtrieb nicht in einer Linie liegen. Im Pkw zwischen Getriebe und Hinterachse bei Heckantrieb, bei Landmaschinen zwischen Traktor und Anbaugerät über die Zapfwelle.

Die biegsame Welle ist eine gewickelte Drahtseele in einem flexiblen Schutzschlauch. Sie überträgt nur kleine Drehmomente, dafür über krumme Wege. Tachowellen in älteren Autos, Zahnarztbohrer, Wellen-Aufsätze für Akkuschrauber.

Glatte Welle Abgesetzte Welle Hohlwelle (Schnitt) Bohrung Kurbelwelle (Prinzip) Gelenkwelle Biegsame Welle

Warum hat eine Hohlwelle gegenüber einer Vollwelle mit gleichem Außendurchmesser kaum Tragfähigkeitsverlust?

  • a) Weil die Torsionsspannung im Querschnitt am Außenrand am höchsten ist und in der Mitte fast null beträgt.
  • b) Weil hohle Querschnitte grundsätzlich steifer sind.
  • c) Weil das Material im Inneren stärker rostet und entfernt wird.
  • d) Weil Hohlwellen aus höherfestem Stahl gefertigt werden.

Richtig: a)

Bei Torsion eines Kreisquerschnitts steigt die Schubspannung linear vom Mittelpunkt nach außen. Außen ist die Spannung maximal, in der Mitte praktisch null. Das Material im Kern leistet damit nur einen sehr kleinen Beitrag zur Tragfähigkeit. Man kann es weglassen und spart Gewicht. Option b, c und d treffen alle nicht zu.

Welche Welle wird in einem Fahrzeug-Verbrennungsmotor verwendet, um die geradlinige Kolbenbewegung in eine Drehbewegung zu wandeln?

  • a) Gelenkwelle.
  • b) Hohlwelle.
  • c) Kurbelwelle.
  • d) Biegsame Welle.

Richtig: c)

Die Kurbelwelle ist genau dafür konstruiert: Sie verbindet die geradlinige Bewegung der Kolben über Pleuel mit der kreisförmigen Bewegung am Wellenende. Die anderen Wellenarten haben keine Kröpfungen und können diese Umwandlung nicht leisten.

Ein Traktor treibt über eine Welle ein Anbaugerät an, das während der Fahrt seine Winkellage gegenüber dem Traktor ändert. Welcher Wellentyp ist hier passend?

  • a) Glatte Welle aus Vollmaterial.
  • b) Hohlwelle.
  • c) Abgesetzte Welle mit Passfederverbindung.
  • d) Gelenkwelle.

Richtig: d)

Die Aufgabe verlangt eine Welle, die Drehmoment auch bei wechselndem Winkel zwischen den Wellenenden übertragen kann. Genau das leisten Gelenkwellen mit ihren Kreuzgelenken. Eine starre Welle würde sich beim ersten Winkelwechsel verklemmen oder brechen.

4. Konstruktive Elemente an Wellen

Eine reale Welle ist nie nur ein Zylinder — sie hat Absätze, Nuten, Bohrungen und mehr. Jedes dieser Elemente erfüllt eine konkrete Aufgabe.

Wellenabsätze sind Durchmessersprünge. Sie dienen als axialer Anschlag: Ein Lager kann auf einen kleineren Durchmesser geschoben werden und stößt am Absatz an. Damit ist seine Position eindeutig festgelegt. Dasselbe gilt für Naben, Zahnräder oder Riemenscheiben.

Passfedernuten sind längs gefräste Nuten. Sie nehmen eine Passfeder auf, die Drehmoment zwischen Welle und Nabe überträgt. Welle-Nabe-Verbindungen sind ein Thema für sich — dazu gibt es einen eigenen Beitrag, der Passfedern, Keile, Stifte und Klemmverbindungen genauer behandelt.

Sicherungsringnuten sind schmale umlaufende Nuten für Sicherungsringe (auch Seegerringe genannt). Sie verhindern, dass ein Lager oder eine Hülse seitlich von der Welle rutscht.

Zentrierbohrungen an den Wellenenden dienen der Aufnahme zwischen Spitzen — sowohl bei der Fertigung auf der Drehmaschine als auch beim späteren Vermessen oder Schleifen. Man findet sie an fast jeder gefertigten Welle als kleine Kegelbohrung in der Stirnfläche.

Übergangsradien an Absätzen sind kein Schönheitsmerkmal, sondern eine Sicherheitsmaßnahme. Scharfkantige Absätze konzentrieren Spannungen — die Welle reißt dort als erstes. Großzügige Radien verteilen die Spannung. Mehr dazu in Kapitel 6.

Wellenenden können zylindrisch oder kegelig ausgeführt sein. Kegelige Wellenenden mit Wellenmutter werden bei Elektromotoren häufig verwendet — die Riemenscheibe oder Kupplung lässt sich präzise positionieren und durch Aufkeilen sicher klemmen.

Zentrierbohrung Wellenabsatz Passfedernut Sicherungsringnut Wellenabsatz Übergangsradius

Wozu dient ein Wellenabsatz beim Aufbau einer Getriebewelle?

  • a) Zur Verringerung des Wellengewichts.
  • b) Als axialer Anschlag für Lager oder Naben.
  • c) Zur Erhöhung der Torsionsfestigkeit der Welle.
  • d) Zur Aufnahme eines Magnetfeldes.

Richtig: b)

Der Wellenabsatz ist primär ein konstruktives Element zur axialen Positionierung — er verhindert, dass Lager oder Naben seitlich verrutschen können. Eine Gewichtseinsparung ist ein Nebeneffekt, aber nicht der Grund. Die Torsionsfestigkeit wird durch Absätze tendenziell sogar geschwächt (Kerbwirkung), und mit einem Magnetfeld hat das nichts zu tun.

Eine Sicherungsringnut auf einer Welle hat den Zweck:

  • a) Drehmoment zwischen Welle und Nabe zu übertragen.
  • b) das Eigengewicht der Welle zu reduzieren.
  • c) Schmierstoff zu speichern.
  • d) ein Bauteil gegen axiales Verschieben zu sichern.

Richtig: d)

Die Nut nimmt einen Sicherungsring auf, der seitlich gegen ein Lager oder eine Hülse drückt. Damit ist die axiale Bewegungsmöglichkeit des Bauteils begrenzt. Drehmomentübertragung leistet eine Passfederverbindung, nicht der Sicherungsring. Gewichtsersparnis und Schmierstoffspeicherung sind keine Funktionen einer Sicherungsringnut.

Was findet man typischerweise an einer Stirnfläche einer im Maschinenbau gefertigten Welle?

  • a) Eine Zentrierbohrung als kleine Kegelbohrung.
  • b) Eine Sicherungsringnut.
  • c) Eine Passfedernut.
  • d) Eine Schmiernut.

Richtig: a)

Zentrierbohrungen sind Standard auf den Stirnflächen — sie ermöglichen das Aufnehmen der Welle zwischen Spitzen bei Fertigung, Schleifen und Vermessung. Passfedernuten und Sicherungsringnuten sitzen am Umfang der Welle, nicht an der Stirnfläche. Schmiernuten sind in dieser Form unüblich.

5. Beanspruchung und Berechnung

Die Berechnung folgt direkt aus dem Unterschied zwischen Achse und Welle: Biegung an Achsen, Torsion an Wellen — wobei die meisten realen Wellen zusätzlich auf Biegung beansprucht werden.

Biegespannung an der Achse

Eine Achse wird durch ein Biegemoment beansprucht. Die maximale Biegespannung im Querschnitt ergibt sich zu:

σ_b = M_b / W_b

  • σ_b … Biegespannung in N/mm²
  • M_b … Biegemoment in Nmm
  • W_b … axiales Widerstandsmoment in mm³

Für eine Vollwelle mit Kreisquerschnitt:

W_b = π · d³ / 32

  • W_b … axiales Widerstandsmoment in mm³
  • d … Durchmesser in mm

Torsionsspannung an der Welle

Eine Welle wird durch ein Drehmoment (auch Torsionsmoment) verdreht. Die maximale Torsionsspannung tritt am Außenrand auf:

τ_t = M_t / W_t

  • τ_t … Torsionsspannung in N/mm²
  • M_t … Torsionsmoment in Nmm
  • W_t … polares Widerstandsmoment in mm³

Für eine Vollwelle:

W_t = π · d³ / 16

  • W_t … polares Widerstandsmoment in mm³
  • d … Durchmesser in mm

Wichtig: Das polare Widerstandsmoment ist genau doppelt so groß wie das axiale (W_t = 2 · W_b). Das ergibt sich direkt aus der Geometrie des Kreisquerschnitts.

Anschaulich: Bei einer Torsion „kämpft“ das gesamte ringförmig um die Drehachse verteilte Material gegen die Verdrehung. Bei einer Biegung dagegen tragen nur die Randfasern in der Belastungsachse voll mit, das Material in der neutralen Faser ist fast unbelastet. Deshalb setzt der Kreisquerschnitt einer Verdrehung mehr Widerstand entgegen als einer Biegung — und deshalb ist auch die Hohlwelle so effizient: Außen sitzt das tragende Material, in der Mitte kann es weggelassen werden.

Drehmoment aus Leistung und Drehzahl

In der Praxis sind Drehmoment und Querkräfte selten direkt bekannt. Auf dem Motortypenschild stehen Leistung und Drehzahl. Das Drehmoment ergibt sich daraus:

M = P / ω = P / (2 · π · n)

  • M … Drehmoment in Nm
  • P … Leistung in W
  • n … Drehzahl in 1/s
  • ω … Winkelgeschwindigkeit in 1/s

Für die übliche Angabe der Drehzahl in 1/min und der Leistung in kW gibt es eine handliche Faustformel:

M = 9550 · P / n

  • M … Drehmoment in Nm
  • P … Leistung in kW
  • n … Drehzahl in 1/min

Vor der Wellenberechnung das Drehmoment in Nmm umrechnen (Faktor 1000), da die Widerstandsmoment-Formeln den Durchmesser in mm verwenden.

Wellendurchmesser auslegen

Stellt man die Torsionsformel nach d um und setzt eine zulässige Spannung ein, erhält man den erforderlichen Durchmesser:

d_erf = (16 · M_t / (π · τ_zul))^(1/3)

  • d_erf … erforderlicher Durchmesser in mm
  • M_t … Torsionsmoment in Nmm
  • τ_zul … zulässige Torsionsspannung in N/mm²

Welche zulässige Spannung anzusetzen ist, hängt vom Werkstoff und der Belastungsart ab — dazu gibt es einen eigenen Beitrag zur zulässigen Spannung und zum Sicherheitsfaktor.

Gelöstes Beispiel

Ein Drehstrommotor mit P = 7,5 kW und n = 1450 1/min treibt über eine Vollwelle aus C45 mit d = 28 mm an. Wie hoch ist die Torsionsspannung in der Welle?

Gegeben: P = 7,5 kW; n = 1450 1/min; d = 28 mm

Gesucht: τ_t in N/mm²

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Drehmoment aus Leistung und Drehzahl: M = 9550 · P / n = 9550 · 7,5 / 1450 ≈ 49,4 Nm; M_t = 49,4 Nm = 49 400 Nmm
  2. Schritt 2 — Polares Widerstandsmoment: W_t = π · 28³ / 16 = π · 21 952 / 16 ≈ 4310 mm³
  3. Schritt 3 — Torsionsspannung: τ_t = M_t / W_t = 49 400 / 4310 ≈ 11,5 N/mm²

Ergebnis: τ_t ≈ 11,5 N/mm²

Übungen

Eine Vollwelle mit d = 20 mm überträgt ein Drehmoment von M_t = 80 Nm. Wie hoch ist die Torsionsspannung?

W_t = π · 20³/16 ≈ 1571 mm³; τ_t = 80 000 / 1571 ≈ 50,9 N/mm²

Eine Achse mit d = 25 mm wird durch ein Biegemoment M_b = 120 Nm beansprucht. Welche Biegespannung tritt auf?

W_b = π · 25³/32 ≈ 1534 mm³; σ_b = 120 000 / 1534 ≈ 78,2 N/mm²

Ein Elektromotor liefert P = 4 kW bei n = 2900 1/min. Wie groß ist sein Nenndrehmoment?

M = 9550 · 4 / 2900 ≈ 13,2 Nm

Eine Vollwelle soll ein Drehmoment von M_t = 250 Nm übertragen. Die zulässige Torsionsspannung beträgt τ_zul = 50 N/mm². Welcher Mindestdurchmesser ist erforderlich?

d_erf = (16 · 250 000 / (π · 50))^(1/3) = (25 464)^(1/3) ≈ 29,4 mm; gewählt: d = 30 mm

Eine Antriebswelle in einem Förderband wird von einem Motor mit P = 5,5 kW und n = 720 1/min angetrieben (Drehzahl nach Getriebe). Die Welle ist als Vollwelle mit d = 35 mm ausgeführt. Berechne das Drehmoment und die Torsionsspannung.

M = 9550 · 5,5 / 720 ≈ 73,0 Nm; W_t = π · 35³/16 ≈ 8418 mm³; τ_t = 73 000 / 8418 ≈ 8,7 N/mm²

Welches Widerstandsmoment ist beim Berechnen einer reinen Torsionsspannung an einer Vollwelle anzusetzen?

  • a) Das Trägheitsmoment der Welle.
  • b) Das axiale Widerstandsmoment W_b = π · d³ / 32.
  • c) Das polare Widerstandsmoment W_t = π · d³ / 16.
  • d) Das Flächenmoment 2. Grades um die Längsachse.

Richtig: c)

Für Torsion ist das polare Widerstandsmoment maßgebend, weil die Schubspannungen tangential um die Wellenachse wirken. Das axiale Widerstandsmoment gehört zur Biegung. Trägheitsmomente und Flächenmomente sind verwandte Größen, aber nicht das, was hier eingesetzt wird.

Ein Antriebsmotor liefert P = 3 kW bei n = 1500 1/min. Welches Drehmoment liefert er ungefähr?

  • a) 19,1 Nm.
  • b) 1,91 Nm.
  • c) 191 Nm.
  • d) 30 Nm.

Richtig: a)

M = 9550 · 3 / 1500 = 19,1 Nm. Die Zehnerpotenzen sind hier der typische Fehler — wer beim Umrechnen unsauber arbeitet, landet bei 1,91 oder 191. Die Faustformel mit 9550 ist genau dafür gemacht: P in kW und n in 1/min direkt einsetzen, M kommt in Nm heraus.

Eine Vollwelle aus Stahl mit d = 20 mm überträgt ein Drehmoment von M_t = 100 Nm. Wie groß ist näherungsweise die Torsionsspannung?

  • a) 6,4 N/mm².
  • b) 63,7 N/mm².
  • c) 637 N/mm².
  • d) 0,64 N/mm².

Richtig: b)

W_t = π · 20³ / 16 = π · 8000 / 16 ≈ 1571 mm³. M_t in Nmm umrechnen: 100 Nm = 100 000 Nmm. τ_t = 100 000 / 1571 ≈ 63,7 N/mm². Die typischen Stolpersteine: vergessene Einheitenumrechnung von Nm auf Nmm (führt zu Faktor 1000) oder Verwechslung von W_t und W_b.

Welche der folgenden Aussagen über das polare Widerstandsmoment einer Vollwelle mit Kreisquerschnitt ist korrekt?

  • a) Es hängt nur von der Länge der Welle ab.
  • b) Es ist halb so groß wie das axiale Widerstandsmoment.
  • c) Es ist linear vom Durchmesser abhängig.
  • d) Es ist genau doppelt so groß wie das axiale Widerstandsmoment.

Richtig: d)

W_t = π · d³/16, W_b = π · d³/32. Damit ist W_t = 2 · W_b. Die Länge spielt für das Widerstandsmoment keine Rolle (sie geht in andere Größen ein, z.B. den Verdrehwinkel). Beide Widerstandsmomente hängen mit der dritten Potenz vom Durchmesser ab, nicht linear.

6. Kerbwirkung und Werkstoffauswahl

An jedem Wellenabsatz, jeder Nut und jeder Bohrung ändert sich der Querschnitt plötzlich. An solchen Stellen verlaufen die Spannungslinien nicht mehr gleichmäßig — sie drängen sich zusammen. Es entsteht eine Spannungskonzentration, auch Kerbwirkung genannt.

Die tatsächliche Spannung an einer Kerbe ist deutlich höher als die nach den einfachen Formeln berechnete. Wie viel höher, beschreibt die Kerbformzahl. Sie hängt vor allem von der Form ab — und damit von der Größe des Übergangsradius.

Die wichtigste konstruktive Konsequenz: Übergänge zwischen verschiedenen Wellendurchmessern werden möglichst großzügig verrundet. Eine scharfe Kante als Absatz ist eine eingebaute Sollbruchstelle. Je größer der Übergangsradius, desto sanfter laufen die Spannungslinien um die Stelle herum, desto geringer die Spannungsüberhöhung.

Scharfer Absatz Spannungsspitze Verrundeter Absatz Spannungslinien laufen sanft

Werkstoffe

Für Wellen wird im Maschinenbau überwiegend Stahl eingesetzt. Die Stahlbezeichnungen folgen der ÖNORM EN 10027 — dazu gibt es einen eigenen Beitrag, der das System verständlich aufschlüsselt.

Typische Wellenwerkstoffe:

  • C45 — Vergütungsstahl, der Standard für allgemeine Wellen. Wird durch Vergüten (Härten und Anlassen) auf höhere Festigkeit gebracht. Gutmütig in der Bearbeitung, breit verfügbar.
  • 42CrMo4 — höherwertiger Vergütungsstahl mit Chrom und Molybdän. Für stärker belastete Antriebswellen, Kurbelwellen, hochbelastete Getriebewellen.
  • 16MnCr5 — Einsatzstahl. Wird einsatzgehärtet: Die Oberfläche bekommt durch Aufkohlen eine harte Randschicht, der Kern bleibt zäh. Typisch für Getriebe-Eingangswellen oder Zahnradwellen, wo eine harte Laufoberfläche neben hoher Kerbschlagzähigkeit gebraucht wird.

Welcher Werkstoff letztlich zum Einsatz kommt, hängt von Belastung, Lebensdauer und Wirtschaftlichkeit ab. Die Detailauswahl gehört zur Konstruktionspraxis und zu Festigkeitsberechnungen mit konkreten zulässigen Spannungen.

Warum sind großzügige Übergangsradien an Wellenabsätzen konstruktiv wichtig?

  • a) Sie verringern die örtliche Spannungsspitze und damit die Bruchgefahr.
  • b) Sie ermöglichen eine einfachere Drehbearbeitung.
  • c) Sie verhindern Korrosion an der Welle.
  • d) Sie reduzieren das Wellengewicht.

Richtig: a)

Der entscheidende Effekt ist die Reduktion der Spannungsspitze (Kerbwirkung). An scharfen Kanten konzentrieren sich Spannungen lokal auf ein Vielfaches des theoretischen Wertes — genau dort beginnen Dauerbrüche. Großzügige Radien verteilen die Spannung weicher. Fertigung, Korrosion und Gewicht sind in diesem Zusammenhang nicht relevant.

Welcher Werkstoff wird typischerweise für eine einsatzgehärtete Getriebewelle eingesetzt?

  • a) C45.
  • b) Aluminium AlMg3.
  • c) Grauguss EN-GJL-200.
  • d) 16MnCr5.

Richtig: d)

16MnCr5 is ein klassischer Einsatzstahl. Er wird so behandelt, dass die Oberfläche hart wird (für die Laufbahnen), der Kern aber zäh bleibt (für Stoßfestigkeit). C45 ist ein Vergütungsstahl ohne diese typische Randschicht-Kern-Charakteristik. Aluminium und Grauguss sind für hochbelastete Getriebewellen normalerweise nicht geeignet.

Was beschreibt die Kerbformzahl?

  • a) Die Drehzahl, bei der eine Welle bricht.
  • b) Die Massendichte des Wellenwerkstoffs.
  • c) Den Faktor, um den die örtliche Spannung an einer Kerbe gegenüber der Nennspannung erhöht wird.
  • d) Die zulässige Biegespannung des Werkstoffs.

Richtig: c)

Die Kerbformzahl ist ein dimensionsloser Geometriefaktor — sie sagt aus, wie stark die theoretisch berechnete Nennspannung an einer Kerbe lokal überhöht wird. Sie hängt nicht vom Werkstoff ab, sondern allein von der Geometrie (Übergangsradius, Durchmesserverhältnis). Drehzahl, Dichte und zulässige Spannung sind andere Größen.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Eine Vollwelle mit d = 32 mm überträgt ein Drehmoment von M_t = 350 Nm. Berechne die Torsionsspannung.

Gegeben: d = 32 mm; M_t = 350 Nm = 350 000 Nmm

Gesucht: τ_t in N/mm²

Lösungsweg:

  1. W_t = π · 32³/16 ≈ 6434 mm³
  2. τ_t = 350 000 / 6434 ≈ 54,4 N/mm²

Ergebnis: τ_t ≈ 54,4 N/mm²

Aufgabe 2: Eine Achse mit d = 40 mm wird durch ein Biegemoment M_b = 450 Nm beansprucht. Welche Biegespannung tritt im Querschnitt auf?

Gegeben: d = 40 mm; M_b = 450 Nm = 450 000 Nmm

Gesucht: σ_b in N/mm²

Lösungsweg:

  1. W_b = π · 40³/32 ≈ 6283 mm³
  2. σ_b = 450 000 / 6283 ≈ 71,6 N/mm²

Ergebnis: σ_b ≈ 71,6 N/mm²

Aufgabe 3: Ein Drehstrommotor mit P = 11 kW dreht mit n = 1465 1/min. Welches Drehmoment liefert er?

Gegeben: P = 11 kW; n = 1465 1/min

Gesucht: M in Nm

Lösungsweg:

  1. M = 9550 · 11 / 1465 ≈ 71,7 Nm

Ergebnis: M ≈ 71,7 Nm

Aufgabe 4: Eine Vollwelle soll ein Drehmoment von M_t = 400 Nm übertragen. Die zulässige Torsionsspannung beträgt τ_zul = 40 N/mm². Welcher Mindestdurchmesser ist erforderlich? Welcher Norm-Durchmesser wäre zu wählen, wenn aufgerundet auf 5 mm gerundet wird?

Gegeben: M_t = 400 Nm = 400 000 Nmm; τ_zul = 40 N/mm²

Gesucht: d_erf in mm

Lösungsweg:

  1. d_erf = (16 · 400 000 / (π · 40))^(1/3) = (50 930)^(1/3) ≈ 37,1 mm

Ergebnis: d_erf ≈ 37,1 mm; gewählt d = 40 mm

Aufgabe 5: Eine Antriebswelle wird von einem Elektromotor mit P = 4 kW bei n = 940 1/min direkt angetrieben. Die Welle hat d = 25 mm. Berechne das Drehmoment am Wellenausgang und die resultierende Torsionsspannung.

Gegeben: P = 4 kW; n = 940 1/min; d = 25 mm

Gesucht: M in Nm; τ_t in N/mm²

Lösungsweg:

  1. M = 9550 · 4 / 940 ≈ 40,6 Nm → 40 600 Nmm
  2. W_t = π · 25³/16 ≈ 3068 mm³
  3. τ_t = 40 600 / 3068 ≈ 13,2 N/mm²

Ergebnis: M ≈ 40,6 Nm; τ_t ≈ 13,2 N/mm²

Aufgabe 6: Eine Vollwelle und eine Hohlwelle mit gleichem Außendurchmesser von d = 30 mm sollen verglichen werden. Wie groß ist das polare Widerstandsmoment der Vollwelle?

Gegeben: d = 30 mm

Gesucht: W_t in mm³

Lösungsweg:

  1. W_t = π · 30³/16 = π · 27 000 / 16 ≈ 5301 mm³

Ergebnis: W_t ≈ 5301 mm³

Eine Welle, die laut Konstruktion ausschließlich Drehmoment überträgt und keinerlei Querkräfte ausgesetzt ist, ist:

  • a) konstruktiv sehr häufig anzutreffen.
  • b) in der Praxis ein Sonderfall — meist tritt zusätzlich Biegung auf.
  • c) immer als Hohlwelle ausgeführt.
  • d) auch eine Achse.

Richtig: b)

Reine Torsionswellen sind die Ausnahme. Im realen Maschinenbau erzeugen Zahnräder, Riemenscheiben und das Eigengewicht der Welle praktisch immer zusätzliche Biegemomente. Die Berechnung muss dann beide Beanspruchungen berücksichtigen.

Bei einer Hohlwelle gegenüber einer Vollwelle mit gleichem Außendurchmesser gilt:

  • a) Sie hat deutlich mehr Tragfähigkeit, weil die innere Bohrung die Spannungen reduziert.
  • b) Sie ist gewichtssparend und behält den Großteil der Tragfähigkeit.
  • c) Sie kann grundsätzlich kein Drehmoment übertragen.
  • d) Sie hat doppelt so viel Widerstandsmoment.

Richtig: b)

Die Spannungsverteilung im Querschnitt ist außen am höchsten — das Material in der Mitte trägt nur wenig zur Tragfähigkeit bei. Man kann es weglassen und spart Gewicht, ohne die Tragfähigkeit nennenswert zu verlieren. Mehr Tragfähigkeit als die Vollwelle hat die Hohlwelle aber nicht.

Welche Aussage zum polaren und axialen Widerstandsmoment einer Vollwelle ist richtig?

  • a) W_t = π · d³/16 für Torsion, W_b = π · d³/32 für Biegung.
  • b) W_t = π · d³/32 für Torsion, W_b = π · d³/16 für Biegung.
  • c) Beide Widerstandsmomente sind gleich groß.
  • d) Beide Widerstandsmomente hängen quadratisch vom Durchmesser ab.

Richtig: a)

Die Standardformeln sind W_t = π · d³/16 (Torsion, polar) und W_b = π · d³/32 (Biegung, axial). Sie unterscheiden sich um den Faktor 2 — Torsion ist das Doppelte. Beide hängen mit der dritten Potenz vom Durchmesser ab, nicht quadratisch.

Eine umlaufende Achse erlebt eine Belastung, die bei einer feststehenden Achse so nicht auftritt. Welche?

  • a) Eine reine statische Druckspannung.
  • b) Eine konstante Torsionsbeanspruchung.
  • c) Eine reine Schubspannung im Lager.
  • d) Eine Wechselbeanspruchung der Fasern durch die Drehung.

Richtig: d)

Bei einer umlaufenden Achse wird jede Materialfaser pro Umdrehung einmal in die Zug- und einmal in die Druckzone der Biegung gedreht. Das ist die typische Wechselbeanspruchung, die Dauerfestigkeitsprobleme verursacht. Bei einer feststehenden Achse bleibt die Belastung an einer bestimmten Faser konstant.

Welcher Stahl ist im Maschinenbau ein typischer Standard-Vergütungsstahl für Wellen?

  • a) S235JR.
  • b) X5CrNi18-10.
  • c) C45.
  • d) AlMg3.

Richtig: c)

C45 ist ein Vergütungsstahl mit ca. 0,45 % Kohlenstoffgehalt und wird für allgemeine Wellen-Anwendungen verwendet. S235JR ist ein einfacher Baustahl ohne Eignung für hohe Wechselbeanspruchung; X5CrNi18-10 ist ein nichtrostender Stahl (eher für Sonderfälle); AlMg3 ist eine Aluminiumlegierung — für hochbelastete Wellen ungeeignet.

Eine Welle bricht im Betrieb. Wo ist die Bruchstelle am wahrscheinlichsten zu finden?

  • a) Am Übergang zu einem Wellenabsatz oder in einer Nut — also an einer Kerbstelle.
  • b) In der Mitte des Wellenkörpers, weit weg von jeder Geometrieänderung.
  • c) Ausschließlich am Wellenende.
  • d) An der Stelle, an der das Material am dicksten ist.

Richtig: a)

An Kerbstellen treten Spannungsüberhöhungen auf. Genau dort beginnen Anrisse — meist als Dauerbruch, der sich langsam von einer winzigen Stelle her ausbreitet, bis der Restquerschnitt schlagartig versagt. In dicken, ungestörten Querschnitten sind die Spannungen niedrig und gleichmäßig verteilt; Brüche an solchen Stellen sind die Ausnahme.

Eine Welle wird durch P = 5 kW bei n = 750 1/min angetrieben. Welches Drehmoment muss sie übertragen?

  • a) Ca. 6,4 Nm.
  • b) Ca. 31 Nm.
  • c) Ca. 63,7 Nm.
  • d) Ca. 637 Nm.

Richtig: c)

M = 9550 · 5 / 750 ≈ 63,7 Nm. Bei niedrigen Drehzahlen wird das Drehmoment für eine gegebene Leistung höher — eine wichtige Faustregel im Antriebsstrang. Die anderen Antworten entstehen durch typische Rechenfehler beim Umgang mit der Faustformel.

Welche Funktion hat eine Zentrierbohrung an einer Welle?

  • a) Sie überträgt Drehmoment.
  • b) Sie erleichtert die Schmierung des Lagers.
  • c) Sie reduziert das Wellengewicht.
  • d) Sie dient als Aufnahmepunkt zwischen Spitzen bei Fertigung und Prüfung.

Richtig: d)

Die kegelige Zentrierbohrung in der Stirnfläche ermöglicht das exakte Aufnehmen der Welle zwischen Reitstock- und Drehmaschinen-Spitze. Auch beim Schleifen und Messen wird die Welle wieder zwischen diese Spitzen genommen — so erreicht man hohe Wiederholgenauigkeit. Mit Drehmoment-Übertragung oder Schmierung hat das nichts zu tun.

Eine reine Achse darf konstruktiv welche Belastung nicht aufnehmen?

  • a) Drehmoment.
  • b) Biegung.
  • c) Querkräfte aus dem Gewicht des Rades.
  • d) Stützkräfte aus den Lagern.

Richtig: a)

Per Definition überträgt eine Achse kein Drehmoment. Sie nimmt Kräfte auf — typischerweise Querkräfte aus Last und Stützkräfte, die als Biegebeanspruchung wirken. Sobald eine Achse Drehmoment übertragen müsste, wäre sie konstruktiv eine Welle.

Was ist der wesentliche Vorteil eines kegeligen Wellenendes gegenüber einem rein zylindrischen?

  • a) Es ist günstiger in der Fertigung.
  • b) Es überträgt automatisch mehr Drehmoment.
  • c) Die aufgeschobene Nabe lässt sich präzise positionieren und reibschlüssig klemmen.
  • d) Es ermöglicht den Einbau ohne Lager.

Richtig: c)

Kegelige Wellenenden mit Wellenmutter erlauben das axiale Anziehen einer Nabe (Riemenscheibe, Kupplungsteil) und erzeugen über den Kegel einen sehr guten Reibschluss. Die Position lässt sich axial einstellen. Günstiger in der Fertigung sind sie nicht — sie erfordern einen sauberen Kegelschliff. Lager braucht es trotzdem.

Welche der folgenden Aussagen über die Berechnung des erforderlichen Wellendurchmessers ist richtig?

  • a) Der Durchmesser geht linear in das polare Widerstandsmoment ein.
  • b) Der Durchmesser wird durch Auflösen der Torsionsformel nach d aus der dritten Wurzel berechnet.
  • c) Der Durchmesser ergibt sich nur aus dem Material, nicht aus dem Drehmoment.
  • d) Der Durchmesser ist unabhängig von der zulässigen Spannung.

Richtig: b)

W_t = π · d³/16 → d hängt mit der dritten Potenz von W_t ab. Stellt man τ = M_t / W_t nach d um, kommt eine dritte Wurzel ins Spiel: d_erf = (16 · M_t / (π · τ_zul))^(1/3). Sowohl das übertragene Drehmoment als auch die zulässige Spannung gehen in die Berechnung ein.

Welcher der folgenden Effekte sorgt vor allem dafür, dass eine Welle bei einem Bruch typischerweise an einer Kerbstelle versagt?

  • a) Die niedrigere Materialdicke an der Nutwurzel.
  • b) Die Verringerung der Festigkeit durch das Härten.
  • c) Die Magnetisierung des Stahls.
  • d) Die durch die geometrische Form bedingte örtliche Spannungsüberhöhung.

Richtig: d)

Der dominierende Effekt ist die geometrisch bedingte Spannungskonzentration — die Spannungslinien drängen sich an scharfen Übergängen und verlaufen ungleichmäßig durch den Querschnitt. Lokal wird der berechnete Mittelwert um ein Vielfaches überschritten. Der Querschnitt ist an der Kerbstelle zwar oft auch dünner, aber das ist nicht der Hauptgrund — selbst bei gleichem Querschnitt erzeugt eine Kerbe diese Spannungsspitze.

Glossar

Achse
Maschinenelement, das drehende Teile trägt und nur durch Biegung beansprucht wird. Überträgt kein Drehmoment.
Welle
Maschinenelement, das Drehmoment überträgt. Wird auf Torsion und meist zusätzlich auf Biegung beansprucht.
Feststehende Achse
Achse, die starr im Gestell befestigt ist; das drehende Teil läuft im Lager um sie herum.
Umlaufende Achse
Achse, die sich gemeinsam mit dem getragenen Teil dreht; Lagerung außerhalb am Gestell.
Hohlwelle
Welle mit innerer Bohrung. Bei vergleichbarem Außendurchmesser deutlich leichter als eine Vollwelle, aber kaum geringere Tragfähigkeit.
Kurbelwelle
Welle mit gekröpften Abschnitten, die geradlinige Bewegung in Drehbewegung umsetzt — etwa in Verbrennungsmotoren.
Gelenkwelle
Welle mit Kreuzgelenken; kann Drehmoment auch bei wechselndem Winkel zwischen den Wellenenden übertragen.
Biegsame Welle
Drahtseele in flexiblem Schlauch; überträgt kleine Drehmomente über krumme Wege.
Wellenabsatz
Durchmessersprung an der Welle, der als axialer Anschlag für Lager oder Naben dient.
Sicherungsringnut
Schmale umlaufende Nut zur Aufnahme eines Sicherungsrings; sichert ein Bauteil gegen axiales Verschieben.
Zentrierbohrung
Kleine kegelige Bohrung an der Wellenstirnfläche zur Aufnahme zwischen Spitzen bei Fertigung und Prüfung.
Axiales Widerstandsmoment (W_b)
Geometrische Größe zur Berechnung der Biegespannung; für die Vollwelle: W_b = π · d³ / 32.
Polares Widerstandsmoment (W_t)
Geometrische Größe zur Berechnung der Torsionsspannung; für die Vollwelle: W_t = π · d³ / 16 — genau das Doppelte von W_b.
Kerbwirkung
Lokale Spannungsüberhöhung an Geometrieänderungen wie Absätzen, Nuten oder Bohrungen. Häufiger Ausgangspunkt für Wellenbrüche.
Kerbformzahl
Faktor, der angibt, um wie viel die örtliche Spannung an einer Kerbe gegenüber der berechneten Nennspannung überhöht ist. Hängt von der Geometrie ab, nicht vom Werkstoff.
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