Boolesche Algebra

Jeder, der schon einmal eine Verriegelung in einer SPS programmiert hat oder eine Tastersteuerung verdrahtet, hat boolesche Algebra angewendet — oft, ohne sie so zu nennen. „Pumpe nur ein, wenn Druck zu niedrig UND Behälter nicht leer UND kein Störmelder aktiv“: Das ist ein boolescher Ausdruck.

Die Boolesche Algebra liefert die Rechenregeln, mit denen sich solche logischen Bedingungen sauber formulieren, prüfen und vereinfachen lassen. Wer sie beherrscht, spart Kontakte, Gatter und Programmzeilen — und vermeidet vor allem die Denkfehler, die später in der Anlage als kuriose Fehlfunktionen auftauchen.

Vorwissen

  • Analoge und digitale Signale
  • Zahlensysteme: binär, hexadezimal, BCD

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die drei Grundverknüpfungen UND, ODER und NICHT mathematisch korrekt anwenden
  • eine einfache Wahrheitstabelle aufstellen und lesen
  • die Rechenregeln der Booleschen Algebra anwenden und die De-Morgan-Gesetze nutzen
  • boolesche Ausdrücke algebraisch vereinfachen
  • die Disjunktive und Konjunktive Normalform aus einer Wahrheitstabelle aufstellen
  • den Zusammenhang zwischen Boolescher Algebra, Schaltalgebra und SPS-Verknüpfungen erkennen

1. Was ist die Boolesche Algebra?

Der englische Mathematiker George Boole hat um 1850 eine Algebra entwickelt, die mit nur zwei Werten auskommt: 0 und 1. Aus dieser Idee ist später die mathematische Grundlage geworden, auf der die gesamte Digitaltechnik aufbaut.

Im Unterschied zur gewohnten Algebra, bei der Variablen beliebige Zahlenwerte annehmen, hat eine Variable in der Booleschen Algebra immer genau einen von zwei Zuständen:

  • 0 — falsch, aus, kein Signal, kein Strom
  • 1 — wahr, ein, Signal, Strom

Welche reale Bedeutung 0 und 1 haben, hängt vom Anwendungsfall ab. Bei einem Endschalter ist 1 das gedrückte Signal, bei einem Druckwächter das Erreichen einer Schwelle, bei einer SPS-Verriegelung die Erfüllung einer Bedingung. Die Rechenregeln bleiben in allen Fällen dieselben.

Aus der Algebra mit nur zwei Werten lassen sich zwei Dinge ableiten: Erstens kann man logische Bedingungen als mathematische Ausdrücke schreiben. Zweitens kann man diese Ausdrücke mit klaren Regeln umformen — etwa um eine Schaltung mit weniger Kontakten umzusetzen oder einen SPS-Code übersichtlicher zu machen.

Welche Aussage über die Werte einer booleschen Variablen ist korrekt?

  • a) Sie kann beliebige ganze Zahlen annehmen.
  • b) Sie nimmt Werte zwischen 0 und 1 stufenlos an.
  • c) Sie hat immer genau einen von zwei Zuständen, 0 oder 1.
  • d) Sie wird wie eine analoge Größe behandelt.

Richtig: c)

Die Boolesche Algebra ist eine zweiwertige Algebra. Eine Variable kann nur 0 oder 1 sein, nichts dazwischen und nichts darüber hinaus. Analoge Verläufe gehören in die analoge Signalverarbeitung.

Was unterscheidet die Boolesche Algebra grundsätzlich von der gewohnten Algebra mit reellen Zahlen?

  • a) Variablen können nur zwei Werte annehmen, und es gibt eigene Verknüpfungsregeln.
  • b) Es darf nur addiert, nicht multipliziert werden.
  • c) Klammern sind nicht erlaubt.
  • d) Es gibt keine Variablen, sondern nur Konstanten.

Richtig: a)

Die zweiwertige Belegung der Variablen und die daraus folgenden eigenen Regeln (zum Beispiel A + A = A statt 2·A) sind der Kern. Multiplikation, Addition und Klammern gibt es sehr wohl — sie verhalten sich nur anders als in der gewohnten Zahlenrechnung.

2. Die Grundverknüpfungen: UND, ODER, NICHT

Mit drei Grundverknüpfungen lässt sich jede beliebige boolesche Funktion aufbauen.

UND-Verknüpfung (Konjunktion)

Eine UND-Verknüpfung ist genau dann 1, wenn alle Eingänge 1 sind.

Y = A · B

  • Y … Ergebnis (0 oder 1)
  • A … Eingang 1 (0 oder 1)
  • B … Eingang 2 (0 oder 1)

Statt des Multiplikationspunkts wird oft die Schreibweise A ∧ B oder einfach AB verwendet. Im Beitrag bleiben wir beim Punkt.

ODER-Verknüpfung (Disjunktion)

Eine ODER-Verknüpfung ist 1, sobald mindestens ein Eingang 1 ist.

Y = A + B

  • Y … Ergebnis (0 oder 1)
  • A … Eingang 1 (0 oder 1)
  • B … Eingang 2 (0 oder 1)

Das + ist hier kein gewöhnliches Plus — es bedeutet ODER, nicht Addition. Eine alternative Schreibweise ist A ∨ B.

NICHT-Verknüpfung (Negation)

Die NICHT-Verknüpfung kehrt den Wert um. Aus 0 wird 1, aus 1 wird 0.

Y = Ā

  • Y … Ergebnis (0 oder 1)
  • A … Eingang (0 oder 1)

Geschrieben wird die Negation als Querstrich über der Variablen (Ā), als ¬A oder als !A. Wir verwenden den Querstrich.

Wahrheitstabelle — das Standardwerkzeug

Die Wahrheitstabelle ist die wichtigste Darstellungsform für boolesche Funktionen. In den linken Spalten stehen alle möglichen Eingangskombinationen, in der rechten Spalte das Ergebnis. Bei zwei Eingängen gibt es genau 2² = 4 Kombinationen, bei drei Eingängen 2³ = 8.

Für die drei Grundverknüpfungen sieht das so aus:

A B A · B (UND) A + B (ODER)
0 0 0 0
0 1 0 1
1 0 0 1
1 1 1 1

Und für die Negation mit einem Eingang:

A Ā (NICHT)
0 1
1 0

Wichtig: Die Eingangskombinationen werden systematisch durchnummeriert wie eine Binärzahl. In der ersten Zeile steht 00, dann 01, 10, 11. So ist sichergestellt, dass keine Kombination vergessen wird. Wie man Wahrheitstabellen für mehr Eingänge systematisch aufbaut und zur grafischen Minimierung mit KV-Diagrammen einsetzt, ist ein eigenes Thema; hier reicht uns die Tabelle als Werkzeug, um die Verknüpfungen zu beschreiben und später die Normalformen abzuleiten.

Die elektronische Umsetzung der Verknüpfungen — also die Schaltsymbole und Bauformen der einzelnen Gatter, einschließlich NAND, NOR und XOR — gehört in den eigenen Beitrag zu den Logikgattern. Hier interessiert nur die mathematische Verknüpfung.

Gelöstes Beispiel

Werte folgenden Ausdruck für A = 1, B = 0, C = 1 aus:

Y = (A · B) + C̄

Gegeben: A = 1, B = 0, C = 1

Gesucht: Y

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — UND-Teil ausrechnen: A · B = 1 · 0 = 0
  2. Schritt 2 — Negation: C̄ = NICHT 1 = 0
  3. Schritt 3 — ODER-Verknüpfung: Y = 0 + 0 = 0

Ergebnis: Y = 0

Übungen

Werte Y = A + B aus für A = 0, B = 1.

Y = 1

Werte Y = A · B aus für A = 1, B = 1.

Y = 1

Werte Y = Ā · B aus für A = 1, B = 1.

Y = 0 (denn Ā = 0)

Werte Y = (A + B) · C aus für A = 0, B = 1, C = 1.

Y = 1

Stelle die Wahrheitstabelle für Y = A · B̄ auf (zwei Eingänge).

ABY
000
010
101
110

Eine UND-Verknüpfung von drei Eingängen A, B und C liefert genau dann 1, wenn …

  • a) mindestens ein Eingang 1 ist.
  • b) genau ein Eingang 1 ist.
  • c) alle Eingänge 0 sind.
  • d) alle drei Eingänge 1 sind.

Richtig: d)

Die UND-Verknüpfung is nur dann 1, wenn jeder einzelne Eingang 1 ist. Sobald ein Eingang 0 ist, ist auch das Produkt 0. „Mindestens ein Eingang 1″ ist die Bedingung für ODER, nicht für UND.

Wie viele Zeilen hat die vollständige Wahrheitstabelle für eine Funktion mit vier Eingängen?

  • a) 8
  • b) 16
  • c) 24
  • d) 32

Richtig: b)

Bei n Eingängen gibt es 2ⁿ Kombinationen. Für n = 4 sind das 2⁴ = 16. Wer vergisst, dass die Anzahl exponentiell wächst, baut bei größeren Funktionen unvollständige Tabellen.

Ein Schaltschrank hat drei Sicherheits-Endschalter S1, S2, S3. Die Anlage darf nur laufen, wenn alle drei Schalter geschlossen sind (Signal 1). Welcher Ausdruck beschreibt die Freigabe Y?

  • a) Y = S1 · S2 · S3
  • b) Y = S1 + S2 + S3
  • c) Y = S̄1 · S̄2 · S̄3
  • d) Y = S1 · S̄2 · S3

Richtig: a)

„Alle Bedingungen müssen erfüllt sein“ entspricht einer UND-Verknüpfung. Eine ODER-Verknüpfung würde bedeuten, dass ein einziger Schalter zur Freigabe reicht — fatal für eine Sicherheitskette.

Welche Aussage zur Negation ist korrekt?

  • a) Sie ist nur für eingangswert 1 definiert.
  • b) Sie liefert immer 1 als Ergebnis.
  • c) Sie kehrt den Wert ihres Eingangs um.
  • d) Sie braucht mindestens zwei Eingänge.

Richtig: c)

Die Negation ist eine Einer-Operation (genau ein Eingang) und kehrt 0 zu 1 und 1 zu 0. Sie ist immer definiert, unabhängig davon, welchen Wert der Eingang hat.

3. Rechenregeln und Gesetze

Boolesche Ausdrücke lassen sich mit festen Regeln umformen — ähnlich wie in der gewohnten Algebra, aber mit eigenen Besonderheiten. Wer die Regeln kennt, kann lange Bedingungen kürzer formulieren, ohne ihren Sinn zu verändern.

Kommutativgesetz — die Reihenfolge der Operanden ist egal:

A · B = B · A
A + B = B + A

Assoziativgesetz — bei gleichartigen Verknüpfungen ist die Klammerung beliebig:

(A · B) · C = A · (B · C)
(A + B) + C = A + (B + C)

Distributivgesetz — UND verteilt sich über ODER und umgekehrt:

A · (B + C) = (A · B) + (A · C)
A + (B · C) = (A + B) · (A + C)

Die zweite Form fällt aus der gewohnten Algebra heraus — sie gilt für Zahlen nicht, für boolesche Ausdrücke schon.

Idempotenzgesetz — eine Variable verknüpft mit sich selbst ergibt sich selbst:

A · A = A
A + A = A

Damit gibt es in der Booleschen Algebra keine Quadrate und keine Verdopplungen — A · A ist eben nicht A², sondern wieder A.

Neutralitätsgesetz — 0 und 1 sind die neutralen Elemente:

A · 1 = A           A + 0 = A
A · 0 = 0           A + 1 = 1

Beachtenswert ist A + 1 = 1: Eine ODER-Verknüpfung mit einer konstanten 1 macht den ganzen Ausdruck zu 1.

Komplementärgesetz — eine Variable mit ihrer Negation:

A · Ā = 0
A + Ā = 1

Eine Bedingung und ihr Gegenteil können nicht gleichzeitig erfüllt sein, aber eine von beiden ist immer erfüllt.

Absorptionsgesetz — kürzt überflüssige Teile heraus:

A + (A · B) = A
A · (A + B) = A

Wenn A bereits in einem Ausdruck steht und gleichzeitig in einer Erweiterung mit B auftaucht, dominiert das einfache A.

Doppelte Negation — zweimal verneint ergibt das Original:

A̿ = A

Gelöstes Beispiel

Vereinfache: Y = A · B + A · B̄

Gegeben: Y = A · B + A · B̄

Gesucht: vereinfachter Ausdruck

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — A ausklammern (Distributivgesetz): Y = A · (B + B̄)
  2. Schritt 2 — Komplementärgesetz anwenden: B + B̄ = 1
  3. Schritt 3 — einsetzen und Neutralitätsgesetz: Y = A · 1 = A

Ergebnis: Y = A

Übungen

Vereinfache: Y = A + A · B

Y = A (Absorption)

Vereinfache: Y = A · 1 + 0

Y = A (Neutralität)

Vereinfache: Y = A + A + B

Y = A + B (Idempotenz)

Vereinfache: Y = (A + B) · (A + B̄)

Y = A (Distributiv: A + B · B̄ = A + 0 = A)

Vereinfache: Y = A · B + A · B + A · B̄

Y = A (zuerst Idempotenz auf A · B, dann ausklammern wie im Beispiel)

Welcher Ausdruck ist äquivalent zu A + A · B?

  • a) A · B
  • b) A
  • c) B
  • d) A + B

Richtig: b)

Das Absorptionsgesetz: Wenn A bereits Teil eines ODER-Ausdrucks ist und mit einer UND-Erweiterung dazukommt, bleibt nur A übrig. Sobald A = 1, ist der gesamte Ausdruck 1 — egal, was A · B liefert.

Wie wird A · 0 in der Booleschen Algebra korrekt ausgewertet?

  • a) A
  • b) 1
  • c) undefiniert
  • d) 0

Richtig: d)

Eine UND-Verknüpfung ist nur 1, wenn alle Eingänge 1 sind. Sobald ein Eingang fix 0 ist, ist das Ergebnis immer 0, unabhängig vom Wert von A.

Welche der folgenden Aussagen gilt in der Booleschen Algebra, aber nicht in der gewohnten Zahlenalgebra?

  • a) A · (B + C) = A · B + A · C
  • b) A · B = B · A
  • c) A + (B · C) = (A + B) · (A + C)
  • d) (A · B) · C = A · (B · C)

Richtig: c)

Das „zweite Distributivgesetz“ — ODER verteilt sich über UND — ist eine Besonderheit der Booleschen Algebra. In Zahlen gilt 1 + (2 · 3) ≠ (1 + 2) · (1 + 3) (7 ≠ 12). Die anderen drei Gesetze gelten auch in der Zahlenalgebra.

Was ergibt A · A + Ā?

  • a) 1
  • b) A
  • c) Ā
  • d) 0

Richtig: a)

Schritt für Schritt: A · A = A (Idempotenz). Dann A + Ā = 1 (Komplementärgesetz). Die häufige Falle ist, Idempotenz mit der Quadrierung aus der Zahlenrechnung zu verwechseln.

4. Die De-Morgan-Gesetze

Die beiden De-Morgan-Gesetze sind das mächtigste Werkzeug, um Negationen umzuformen. Sie verbinden UND und ODER über die Negation und lauten:

A · B = Ā + B̄         (Querstrich über dem gesamten Produkt)
A + B = Ā · B̄         (Querstrich über der gesamten Summe)

In Worten: Wer ein UND negiert, bekommt ein ODER der einzelnen Negationen — und umgekehrt. Der lange Querstrich bricht beim Anwenden des Gesetzes in zwei kurze Querstriche auf, gleichzeitig kippt der Operator: aus · wird +, aus + wird ·.

Die Regel gilt auch für mehr als zwei Variablen:

A · B · C = Ā + B̄ + C̄
A + B + C = Ā · B̄ · C̄

Warum das in der Praxis wichtig ist

Ein typischer Fall: Eine Bedingung ist negativ formuliert, soll aber positiv ausgewertet werden. Statt „Anlage NICHT (in Störung ODER im Handbetrieb)“ lässt sich mit De Morgan schreiben „Anlage NICHT in Störung UND NICHT im Handbetrieb“ — der gleiche Gedanke, aber mit zwei sauberen Bedingungen statt einer großen Negation.

In Hardware-Schaltungen spielen die Gesetze eine zentrale Rolle, weil sich aus NAND-Bausteinen (negiertem UND) jede beliebige Funktion aufbauen lässt — Gleiches gilt für NOR (negiertes ODER). Die Begründung steckt direkt in den De-Morgan-Gesetzen.

Gelöstes Beispiel

Forme den Ausdruck so um, dass keine Negation über mehrere Variablen geht:

Y = ‾(A · B) + C

Gegeben: Y = ‾(A · B) + C (Querstrich gilt nur über A · B, nicht über C)

Gesucht: äquivalenter Ausdruck ohne langen Querstrich

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — De Morgan auf den negierten UND-Teil: ‾(A · B) = Ā + B̄
  2. Schritt 2 — einsetzen: Y = (Ā + B̄) + C
  3. Schritt 3 — Klammern weglassen (Assoziativgesetz bei ODER): Y = Ā + B̄ + C

Ergebnis: Y = Ā + B̄ + C

Übungen

Forme um: Y = ‾(A + B)

Y = Ā · B̄

Forme um: Y = ‾(A · B · C)

Y = Ā + B̄ + C̄

Forme um: Y = ‾(Ā + B)

Y = A · B̄ (zuerst De Morgan, dann doppelte Negation)

Vereinfache: Y = ‾(A · B) · A

Y = A · B̄ (De Morgan: Y = (Ā + B̄) · A = Ā · A + B̄ · A = 0 + A · B̄ = A · B̄)

Schreibe um, sodass nur Negationen einzelner Variablen vorkommen: Y = ‾(A + B · C)

Y = Ā · ‾(B · C) = Ā · (B̄ + C̄) (in zwei Schritten — erst die äußere Summe, dann auf das innere Produkt)

Welcher Ausdruck ist äquivalent zu ‾(A + B)?

  • a) Ā + B̄
  • b) A · B
  • c) Ā · B̄
  • d) A + B̄

Richtig: c)

De Morgan: Der lange Querstrich bricht in zwei kurze, der + kippt in ein ·. Wer den Operator vergisst zu wechseln, erhält Ā + B̄ — und das ist ein anderer Ausdruck.

Eine Sicherheitskette liefert das Signal „Anlage darf laufen“ Y = ‾(NotHalt + Tuer̄). Wie lautet der äquivalente Ausdruck ohne langen Querstrich?

  • a) Y = ‾NotHalt · Tuer
  • b) Y = NotHalt + Tuer
  • c) Y = ‾NotHalt + Tuer
  • d) Y = NotHalt · Tuer

Richtig: a)

De Morgan macht aus dem negierten ODER ein UND der negierten Einzelterme: Y = ‾NotHalt · ‾Tuer̄. Doppelte Negation von Tuer̄ ergibt Tuer. In Worten: Die Anlage darf laufen, wenn der Not-Halt NICHT betätigt ist UND die Tür zu ist.

Welche Aussage zu den De-Morgan-Gesetzen ist falsch?

  • a) Sie gelten auch für mehr als zwei Variablen.
  • b) Sie verbinden UND und ODER über die Negation.
  • c) Sie erlauben den Umbau von Schaltungen mit ausschließlich NAND-Gattern.
  • d) Sie gelten nur, wenn alle Variablen den Wert 1 haben.

Richtig: d)

Die Gesetze sind allgemein gültig, unabhängig vom Wert der Variablen. Sie sind Identitäten, keine Bedingungen. Die anderen drei Aussagen sind alle korrekt.

5. Boolesche Ausdrücke vereinfachen

Vereinfachen bedeutet: Einen Ausdruck so umformen, dass er mit weniger Variablen, weniger Operationen oder kürzerer Schreibweise dieselbe Wahrheitstabelle liefert. Der Sinn ist ganz praktisch — weniger Gatter in der Schaltung, weniger Kontakte im Schaltschrank, weniger Anweisungen im SPS-Programm, weniger Fehlerquellen.

Das Vorgehen

Es gibt kein starres Schema, aber eine bewährte Reihenfolge:

  1. Klammern auflösen oder ausklammern (Distributivgesetz)
  2. Doppelte Negationen entfernen (A̿ = A)
  3. De Morgan anwenden, wenn lange Querstriche stören
  4. Idempotenz nutzen (A · A = A, A + A = A)
  5. Komplementärterme erkennen (A + Ā = 1, A · Ā = 0)
  6. Absorption anwenden, wo möglich

Wer mit einer komplexen Funktion arbeitet und keinen Weg findet, kann die grafische Minimierung mit KV-Diagrammen anwenden. Das ist ein eigenes Thema und wird im zugehörigen Beitrag zu Wahrheitstabellen und KV-Diagrammen behandelt. Solange die Variablenanzahl überschaubar bleibt, kommt man algebraisch gut zurecht.

Beispiel Schritt für Schritt

Gegeben: Y = A · B + A · B̄ + Ā · B

Schritt 1: A aus den ersten beiden Termen ausklammern
Y = A · (B + B̄) + Ā · B

Schritt 2: Komplementärgesetz B + B̄ = 1
Y = A · 1 + Ā · B

Schritt 3: Neutralitätsgesetz A · 1 = A
Y = A + Ā · B

Schritt 4: zweites Distributivgesetz (A + Ā) · (A + B)
Y = (A + Ā) · (A + B)

Schritt 5: Komplementärgesetz A + Ā = 1
Y = 1 · (A + B)

Schritt 6: Neutralität
Y = A + B

Aus drei UND-Termen mit insgesamt sechs Variablenauftritten ist eine schlichte ODER-Verknüpfung von zwei Variablen geworden.

Gelöstes Beispiel

Vereinfache: Y = (A + B) · (A + B̄) · (Ā + B)

Gegeben: Y = (A + B) · (A + B̄) · (Ā + B)

Gesucht: vereinfachter Ausdruck

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — erste zwei Klammern mit Distributiv ausmultiplizieren: (A + B) · (A + B̄) = A · A + A · B̄ + B · A + B · B̄ = A + A · B̄ + A · B + 0 = A + A · (B̄ + B) = A + A · 1 = A
  2. Schritt 2 — einsetzen: Y = A · (Ā + B)
  3. Schritt 3 — ausmultiplizieren: Y = A · Ā + A · B = 0 + A · B = A · B

Ergebnis: Y = A · B

Übungen

Vereinfache: Y = A · B + Ā · B

Y = B (B ausklammern, A + Ā = 1)

Vereinfache: Y = (A + B) · (A + C)

Y = A + B · C (zweites Distributivgesetz)

Vereinfache: Y = A · B + A · B̄ + Ā · B + Ā · B̄

Y = 1 (alle Kombinationen abgedeckt)

Vereinfache: Y = A + Ā · B

Y = A + B (Trick: A + Ā · B = (A + Ā) · (A + B) = 1 · (A + B) = A + B)

Vereinfache: Y = A · B · C + A · B · C̄ + A · B̄ · C

Y = A · B + A · C (A · B ausklammern aus ersten beiden, dann mit drittem zusammenführen)

Welcher Ausdruck ist äquivalent zu A · B + Ā · B?

  • a) A · B
  • b) B
  • c) A
  • d) A + B

Richtig: b)

B ausklammern: B · (A + Ā). Da A + Ā = 1, bleibt B · 1 = B übrig. Dieser Trick — Variable ausklammern, Komplementärpaar zu 1 zusammenfassen — taucht beim Vereinfachen sehr häufig auf.

Warum lohnt es sich, boolesche Ausdrücke zu vereinfachen?

  • a) Die Wahrheitstabelle verkürzt sich.
  • b) Die Funktion verändert sich gewünscht.
  • c) Konstanten verschwinden vollständig.
  • d) Weniger Gatter, weniger Kontakte, weniger Anweisungen und weniger Fehlerquellen.

Richtig: d)

Vereinfachen ändert nicht die Funktion (die Wahrheitstabelle bleibt gleich, also auch die Zeilenzahl). Es spart aber Bauteile, Kontakte oder Programmzeilen und reduziert damit Aufwand und Fehlerquellen.

Welche der folgenden Vereinfachungen ist falsch?

  • a) A · A = A²
  • b) A + A = A
  • c) A · 1 = A
  • d) A + Ā = 1

Richtig: a)

In der Booleschen Algebra gibt es keine Potenzen — A · A = A (Idempotenz), nicht A². Wer das aus der Zahlenrechnung übernimmt, baut systematisch falsche Ausdrücke.

6. Normalformen: DNF und KNF

Jede beliebige boolesche Funktion lässt sich in zwei standardisierten Schreibweisen darstellen. Diese Normalformen sind eindeutig zu jeder Wahrheitstabelle ableitbar und bilden den Ausgangspunkt jeder weiteren Minimierung.

Disjunktive Normalform (DNF)

Eine Summe von UND-Termen. Jeder UND-Term enthält alle Eingangsvariablen — entweder direkt oder negiert. Such vollständige UND-Terme heißen Minterme.

Allgemein:

Y = Minterm1 + Minterm2 + Minterm3 + …

Aufstellen aus der Wahrheitstabelle: Jede Zeile mit Y = 1 liefert einen Minterm. In diesem Minterm steht jede Variable, die in dieser Zeile 1 ist, direkt; jede Variable, die 0 ist, negiert.

Konjunktive Normalform (KNF)

Ein Produkt von ODER-Termen. Jeder ODER-Term enthält alle Eingangsvariablen direkt oder negiert. Diese vollständigen ODER-Terme heißen Maxterme.

Allgemein:

Y = Maxterm1 · Maxterm2 · Maxterm3 · …

Aufstellen aus der Wahrheitstabelle: Jede Zeile mit Y = 0 liefert einen Maxterm. In diesem Maxterm steht jede Variable, die in dieser Zeile 0 ist, direkt; jede Variable, die 1 ist, negiert. (Das wirkt zunächst verdreht, ergibt sich aber direkt aus De Morgan.)

Beispiel

Gegeben sei diese Wahrheitstabelle:

ABCY
0000
0011
0100
0111
1000
1011
1101
1111

DNF — aus den Zeilen mit Y = 1:

  • Zeile 2 (0,0,1) → Ā · B̄ · C
  • Zeile 4 (0,1,1) → Ā · B · C
  • Zeile 6 (1,0,1) → A · B̄ · C
  • Zeile 7 (1,1,0) → A · B · C̄
  • Zeile 8 (1,1,1) → A · B · C

Y_DNF = Ā · B̄ · C + Ā · B · C + A · B̄ · C + A · B · C̄ + A · B · C

KNF — aus den Zeilen mit Y = 0:

  • Zeile 1 (0,0,0) → A + B + C
  • Zeile 3 (0,1,0) → A + B̄ + C
  • Zeile 5 (1,0,0) → Ā + B + C

Y_KNF = (A + B + C) · (A + B̄ + C) · (Ā + B + C)

Beide Ausdrücke beschreiben dieselbe Funktion. Die DNF hat drei Variablen mal fünf Terme, die KNF drei mal drei. Welche Form schlanker ist, hängt von der Funktion ab: Sind in der Wahrheitstabelle wenige Einsen, ist die DNF kürzer; sind wenige Nullen vorhanden, ist die KNF kürzer.

Wann nimmt man welche?

  • DNF wird häufiger verwendet, weil sich Summen von Produkten gut in SPS-Logik und in Schaltungen mit AND-OR-Struktur abbilden lassen.
  • KNF ist nützlich, wenn die Funktion über die wenigen Fälle definiert ist, in denen das Ergebnis 0 sein soll (typisch bei Sperrbedingungen).

Beide Normalformen sind in der Regel noch nicht minimal. Die Minimierung erfolgt entweder algebraisch (Kapitel 5) oder grafisch mit dem KV-Diagramm (eigener Beitrag).

Gelöstes Beispiel

Stelle DNF und KNF zu folgender Wahrheitstabelle auf:

ABY
001
010
101
110

Gegeben: Wahrheitstabelle mit zwei Eingängen

Gesucht: DNF und KNF

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — DNF aus Zeilen mit Y = 1: Zeile 1 (0,0) → Ā · B̄; Zeile 3 (1,0) → A · B̄. DNF: Y = Ā · B̄ + A · B̄
  2. Schritt 2 — KNF aus Zeilen mit Y = 0: Zeile 2 (0,1) → A + B̄; Zeile 4 (1,1) → Ā + B̄. KNF: Y = (A + B̄) · (Ā + B̄)
  3. Schritt 3 — Probe per Vereinfachung der DNF: Y = Ā · B̄ + A · B̄ = B̄ · (Ā + A) = B̄ · 1 = B̄

Ergebnis: Y_DNF = Ā · B̄ + A · B̄, Y_KNF = (A + B̄) · (Ā + B̄), vereinfacht Y = B̄

Übungen

Stelle die DNF zu Y = 1 nur in den Zeilen (A=1, B=0) und (A=1, B=1) auf.

Y = A · B̄ + A · B (vereinfacht zu A)

Stelle die KNF zu Y = 0 nur in der Zeile (A=0, B=0) auf.

Y = A + B

Eine Funktion mit drei Eingängen hat Y = 1 für (A,B,C) = (1,0,0) und (1,1,1). Wie lautet die DNF?

Y = A · B̄ · C̄ + A · B · C

Wie viele Terme hat die DNF einer Funktion mit drei Eingängen, wenn in der Wahrheitstabelle drei Zeilen den Wert 1 haben?

drei (ein Minterm pro 1-Zeile)

Eine Funktion liefert in fof von acht Zeilen 1. Welche Normalform hat weniger Terme — DNF oder KNF?

KNF (drei Maxterme statt fof Mintermen)

Wie wird in der DNF aus einer Wahrheitstabelle der Minterm zu einer Zeile mit Y = 1 aufgebaut?

  • a) Alle Variablen werden negiert.
  • b) Variablen mit Wert 1 werden negiert, Variablen mit Wert 0 nicht.
  • c) Variablen mit Wert 1 werden ODER-verknüpft, Variablen mit Wert 0 negiert.
  • d) Variablen mit Wert 0 werden negiert, Variablen mit Wert 1 nicht — alle in einem UND.

Richtig: d)

Der Minterm soll genau dann 1 ergeben, wenn die jeweilige Zeile angesprochen wird. Eine 0-Variable wird negiert, damit ihr Negat 1 is; eine 1-Variable bleibt direkt. Die UND-Verknüpfung sorgt dafür, dass nur diese eine Kombination den Minterm aktiviert.

Welche Aussage zu DNF und KNF ist korrekt?

  • a) DNF und KNF beschreiben unterschiedliche Funktionen.
  • b) Die KNF ist immer kürzer als die DNF.
  • c) Beide Formen beschreiben dieselbe Funktion, sind aber in der Regel noch nicht minimal.
  • d) Die DNF lässt sich nur grafisch ableiten.

Richtig: c)

DNF und KNF sind zwei standardisierte Darstellungen derselben Funktion. Welche kürzer ist, hängt von der Anzahl der Einsen bzw. Nullen in der Wahrheitstabelle ab. Minimal sind sie in der Regel nicht — die Vereinfachung kommt danach.

Eine Funktion mit drei Eingängen hat in der Wahrheitstabelle vier Zeilen mit Y = 1 und vier Zeilen mit Y = 0. Wie viele Terme hat die KNF?

  • a) 8
  • b) 4
  • c) 6
  • d) 2

Richtig: b)

Die KNF hat einen Maxterm pro Zeile mit Y = 0. Bei vier 0-Zeilen sind das vier Maxterme. Die DNF hätte in diesem Fall ebenfalls vier Terme (vier 1-Zeilen).

7. Boolesche Algebra in der Praxis

Die Verbindung zwischen Boolescher Algebra und der realen Technik wird besonders im Begriff der Schaltalgebra deutlich: Eine Reihenschaltung von Kontakten verhält sich wie eine UND-Verknüpfung, eine Parallelschaltung wie eine ODER-Verknüpfung.

Schaltalgebra: boolesche Verknüpfung als Schaltung Reihenschaltung = UND L S1 S2 H1 N H1 = S1 · S2 Parallelschaltung = ODER L S1 S2 H1 N H1 = S1 + S2

Auf der linken Seite muss der Strom durch beide Kontakte fließen — beide Schalter müssen geschlossen sein, damit die Lampe leuchtet. Auf der rechten Seite reicht ein geschlossener Schalter aus.

Die Übertragung auf SPS-Programme

Dasselbe Prinzip steckt in jedem SPS-Programm. Eine UND-Verknüpfung im Funktionsplan (FUP) bedeutet: Alle Eingänge müssen 1 sein, damit der Ausgang 1 wird. Im Kontaktplan (KOP) sind das wie im elektrischen Schaltplan Kontakte in Reihe. Eine ODER-Verknüpfung sind Kontakte in Parallel. Die Boolesche Algebra bleibt das mathematische Werkzeug, mit dem sich diese Verknüpfungen sauber formulieren und vereinfachen lassen — unabhängig davon, ob am Ende eine Verdrahtung oder ein SPS-Code steht.

Wie wird eine UND-Verknüpfung in einem klassischen Stromlaufplan umgesetzt?

  • a) Als Reihenschaltung der Kontakte
  • b) Als Parallelschaltung der Kontakte
  • c) Als negierter Kontakt
  • d) Als gemischte Schaltung

Richtig: a)

In der Reihenschaltung muss der Strom durch jeden Kontakt fließen. Sobald ein Kontakt offen ist, fließt nichts. Das entspricht genau dem UND: Sobald ein Eingang 0 ist, ist das Ergebnis 0. Die Parallelschaltung wäre ODER, da ein geschlossener Kontakt für den Stromfluss reicht.

Eine Anlage soll genau dann eine Warnleuchte einschalten, wenn ein Druck zu hoch (DH = 1) oder ein Druck zu niedrig (DN = 1) auftritt, aber nur, wenn der Wahlschalter „Automatik“ gesetzt ist (W = 1). Welcher Ausdruck beschreibt die Warnleuchte L?

  • a) L = DH · DN · W
  • b) L = (DH + DN) · W
  • c) L = DH + DN + W
  • d) L = ‾(DH + DN) · W

Richtig: b)

Zwei alternative Bedingungen (DH oder DN) werden über ODER zusammengefasst, das Ergebnis dann über UND mit der Automatikfreigabe verknüpft. Die Klammern sind hier wichtig — ohne sie wäre die Reihenfolge der Verknüpfungen anders.

Abschlusstest

Aufgabe 1: Werte den Ausdruck Y = (A · B̄) + (Ā · C) für A = 1, B = 0, C = 1 aus.

Gegeben: A = 1, B = 0, C = 1

Gesucht: Y

Lösungsweg:

  1. A · B̄ = 1 · 1 = 1
  2. Ā · C = 0 · 1 = 0
  3. Y = 1 + 0 = 1

Ergebnis: Y = 1

Aufgabe 2: Vereinfache: Y = A · B + A · B̄ + Ā · B + Ā · B̄

Gegeben: Ausdruck mit allen vier Mintermen zweier Variablen

Gesucht: vereinfachter Ausdruck

Lösungsweg:

  1. A ausklammern aus ersten zwei: A · (B + B̄) = A · 1 = A
  2. Ā ausklammern aus letzten zwei: Ā · (B + B̄) = Ā · 1 = Ā
  3. Y = A + Ā = 1

Ergebnis: Y = 1

Aufgabe 3: Forme mit De Morgan um: Y = ‾(A · B̄ + C)

Gegeben: Y = ‾(A · B̄ + C)

Gesucht: Ausdruck mit nur einzelnen Negationen

Lösungsweg:

  1. äußere Negation auf die Summe: ‾(A · B̄) · C̄
  2. inneres De Morgan auf A · B̄: ‾(A · B̄) = Ā + B
  3. einsetzen: Y = (Ā + B) · C̄

Ergebnis: Y = (Ā + B) · C̄

Aufgabe 4: Stelle die DNF zu folgender Wahrheitstabelle auf:

ABY
000
011
101
110

Gegeben: Wahrheitstabelle

Gesucht: DNF

Lösungsweg:

  1. Zeilen mit Y = 1: (0,1) und (1,0)
  2. Minterm zu (0,1): Ā · B
  3. Minterm zu (1,0): A · B̄

Ergebnis: Y = Ā · B + A · B̄ (entspricht der XOR-Funktion)

Aufgabe 5: Stelle die KNF zur Wahrheitstabelle aus Aufgabe 4 auf.

Gegeben: dieselbe Wahrheitstabelle

Gesucht: KNF

Lösungsweg:

  1. Zeilen mit Y = 0: (0,0) und (1,1)
  2. Maxterm zu (0,0): A + B
  3. Maxterm zu (1,1): Ā + B̄

Ergebnis: Y = (A + B) · (Ā + B̄)

Aufgabe 6: Vereinfache: Y = A · (A + B)

Gegeben: Y = A · (A + B)

Gesucht: vereinfachter Ausdruck

Lösungsweg:

  1. Distributiv: Y = A · A + A · B
  2. Idempotenz: A · A = A
  3. Y = A + A · B
  4. Absorption: Y = A

Ergebnis: Y = A

Aufgabe 7: Eine Verriegelung sperrt einen Motor, wenn entweder die Türwächterklappe offen ist (TW = 1) oder die Übertemperatursicherung anspricht (UT = 1). Sperre = 1 bedeutet „Motor gesperrt“. Schreibe die Boolesche Funktion für die Sperre und für die Motorfreigabe MF.

Gegeben: TW, UT als boolesche Eingänge

Gesucht: Sperre und MF

Lösungsweg:

  1. Sperre = TW + UT
  2. Freigabe = NICHT Sperre = ‾(TW + UT) = TW̄ · ŪT (De Morgan)

Ergebnis: Sperre = TW + UT, MF = TW̄ · ŪT

Aufgabe 8: Vereinfache: Y = A · B · C + A · B · C̄ + A · B̄ · C + A · B̄ · C̄

Gegeben: vier Minterme mit gemeinsamem A

Gesucht: vereinfachter Ausdruck

Lösungsweg:

  1. ersten zwei: A · B · (C + C̄) = A · B
  2. letzten zwei: A · B̄ · (C + C̄) = A · B̄
  3. Y = A · B + A · B̄ = A · (B + B̄) = A

Ergebnis: Y = A

Welche Aussage zu A + Ā ist korrekt?

  • a) Das Ergebnis hängt vom Wert von A ab.
  • b) Das Ergebnis ist immer 0.
  • c) Das Ergebnis ist A.
  • d) Das Ergebnis ist immer 1.

Richtig: d)

Komplementärgesetz für ODER. Egal ob A = 0 oder A = 1 — eine der beiden Variablen A und Ā ist immer 1, und damit ist die ODER-Verknüpfung der beiden immer 1. A · Ā wäre dagegen immer 0.

Welcher Ausdruck ist äquivalent zu ‾(A · B̄)?

  • a) A · B
  • b) A + B̄
  • c) Ā + B
  • d) Ā · B̄

Richtig: c)

De Morgan: ‾(A · B̄) = Ā + ‾B̄ = Ā + B (doppelte Negation). Wer den Operator nicht kippt oder die doppelte Negation übersieht, landet falsch.

Eine Funktion mit vier Eingängen hat in der Wahrheitstabelle drei Zeilen mit Y = 1. Wie viele Terme hat die DNF?

  • a) 4
  • b) 3
  • c) 8
  • d) 16

Richtig: b)

Pro 1-Zeile ein Minterm — also drei Terme. Insgesamt hat die Tabelle 2⁴ = 16 Zeilen, aber für die DNF zählen nur die mit Y = 1.

Welche Vereinfachung gilt nach dem Absorptionsgesetz?

  • a) A · (A + B) = A
  • b) A · (A + B) = A + B
  • c) A · (A + B) = A · B
  • d) A · (A + B) = B

Richtig: a)

Sobald A = 0, ist der ganze Ausdruck 0; sobald A = 1, ist auch A · (A + B) = 1 · (1 + B) = 1. Die Funktion entspricht also exakt A. Algebraisch: A · A + A · B = A + A · B = A.

Eine Pumpensteuerung soll laufen, wenn der Tank-Schwimmer „voll genug“ liefert (TS = 1) UND die Bedienperson „Hand-AN“ gewählt hat (HA = 1) ODER wenn der Automatikbetrieb (AU = 1) und ein Programmstart (PS = 1) zusammen anliegen. Welcher Ausdruck beschreibt das?

  • a) P = TS + HA + AU + PS
  • b) P = TS · HA · AU · PS
  • c) P = TS · HA + AU · PS
  • d) P = (TS + HA) · (AU + PS)

Richtig: c)

Zwei UND-Bedingungen werden über ODER kombiniert. „TS UND HA“ ist ein Block, „AU UND PS“ ein zweiter, beide Blöcke werden mit ODER verknüpft. Die Klammern sind in der Boolean-Schreibweise nicht zwingend nötig, weil · stärker bindet als +.

Was ergibt der Ausdruck A · 0 + 1?

  • a) 0
  • b) A
  • c) Ā
  • d) 1

Richtig: d)

A · 0 = 0 (Neutralität für UND). Dann 0 + 1 = 1 (Neutralität für ODER, eine Konstante 1 macht den ODER-Term zu 1). Das Ergebnis hängt nicht von A ab.

Welcher Ausdruck ist nach den Rechenregeln der Booleschen Algebra äquivalent zu A · B + A · C?

  • a) A · (B + C)
  • b) (A + B) · (A + C)
  • c) A + B · C
  • d) A · B · C

Richtig: a)

A ist gemeinsamer Faktor und wird ausgeklammert. Antwort b) ist ebenfalls eine gültige Anwendung des „zweiten“ Distributivgesetzes, beschreibt aber A + B · C — eine andere Funktion.

Welche Aussage zur Wahrheitstabelle einer Funktion mit n Eingängen ist korrekt?

  • a) Sie hat n Zeilen.
  • b) Sie hat 2ⁿ Zeilen.
  • c) Sie hat n² Zeilen.
  • d) Die Zeilenzahl ist beliebig.

Richtig: b)

Jeder Eingang verdoppelt die Anzahl der möglichen Kombinationen. Bei einem Eingang sind das 2, bei zwei 4, bei drei 8, bei vier 16. Die Zeilenzahl wächst exponentiell.

In welchem der folgenden Fälle gilt A + B · C = (A + B) · (A + C)?

  • a) Nur wenn A = 0.
  • b) Nur wenn B und C komplementär sind.
  • c) Nur wenn alle Variablen 1 sind.
  • d) Immer — als eines der Distributivgesetze der Booleschen Algebra.

Richtig: d)

Das ist das „zweite“ Distributivgesetz und gilt für beliebige Belegungen. In der gewohnten Zahlenalgebra gilt es nicht, in der Booleschen Algebra schon.

Welcher Ausdruck beschreibt die Aussage „Y wird nur dann 1, wenn genau einer der beiden Eingänge A und B den Wert 1 hat“ (XOR)?

  • a) Y = A · B
  • b) Y = A + B
  • c) Y = A · B̄ + Ā · B
  • d) Y = Ā · B̄

Richtig: c)

Die XOR-Funktion ist 1, wenn die Eingänge unterschiedlich sind. In der DNF: einmal A · B̄ (für A=1, B=0) und einmal Ā · B (für A=0, B=1). Die anderen Optionen beschreiben andere Funktionen (UND, ODER, NOR).

Welche der folgenden Aussagen über die DNF und KNF einer Funktion stimmt?

  • a) Sie sind zueinander äquivalent — beide beschreiben dieselbe Wahrheitstabelle.
  • b) Die DNF gilt nur für Funktionen mit zwei Eingängen.
  • c) Die KNF is immer kürzer als die DNF.
  • d) DNF und KNF widersprechen sich.

Richtig: a)

Beide Normalformen leiten sich aus derselben Wahrheitstabelle ab und beschreiben dieselbe Funktion. Welche kürzer ist, hängt von der Verteilung der Einsen und Nullen ab.

In einer Sicherheitsverknüpfung gilt: Anlage darf nur laufen, wenn KEIN Not-Halt (NH) betätigt ist UND die Schutztür (ST) geschlossen ist. Welcher Ausdruck beschreibt die Freigabe F?

  • a) F = NH · ST
  • b) F = NH̄ · ST
  • c) F = NH + ST
  • d) F = ‾(NH · ST)

Richtig: b)

„Kein Not-Halt“ heißt NH = 0, also NH̄ = 1. „Tür geschlossen“ sei ST = 1. Beide Bedingungen müssen erfüllt sein — also UND. F = NH̄ · ST. Die Klammerlösung d) wäre ‾(NH · ST) = NH̄ + S̄T — ein ODER, was hier nicht zur Aussage passt.

Glossar

Boolesche Algebra
Mathematische Algebra mit zwei Werten 0 und 1 und den Operationen UND, ODER, NICHT. Grundlage der Digitaltechnik.
UND-Verknüpfung (Konjunktion)
Boolesche Operation, deren Ergebnis nur 1 ist, wenn alle Eingänge 1 sind. Geschrieben als A · B.
ODER-Verknüpfung (Disjunktion)
Boolesche Operation, deren Ergebnis 1 ist, sobald mindestens ein Eingang 1 ist. Geschrieben als A + B.
NICHT-Verknüpfung (Negation)
Boolesche Operation, die den Wert ihres Eingangs umkehrt. Geschrieben als Ā oder ¬A.
Wahrheitstabelle
Tabelle, die jeder möglichen Eingangskombination einer booleschen Funktion das zugehörige Ergebnis zuordnet. Eine Funktion mit n Eingängen hat 2ⁿ Zeilen.
De-Morgan-Gesetz
Regel zur Umformung negierter Verknüpfungen: ‾(A · B) = Ā + B̄ und ‾(A + B) = Ā · B̄. Der Querstrich bricht, der Operator kippt.
Absorptionsgesetz
Regel der Booleschen Algebra, die überflüssige Terme entfernt: A + A · B = A und A · (A + B) = A.
Minterm
UND-Term, der alle Variablen einer Funktion enthält (direkt oder negiert). Baustein der DNF.
Maxterm
ODER-Term, der alle Variablen einer Funktion enthält (direkt oder negiert). Baustein der KNF.
Disjunktive Normalform (DNF)
Darstellung einer booleschen Funktion als Summe (ODER) von Mintermen. Wird aus den Zeilen mit Y = 1 in der Wahrheitstabelle aufgestellt.
Konjunktive Normalform (KNF)
Darstellung einer booleschen Funktion als Produkt (UND) von Maxtermen. Wird aus den Zeilen mit Y = 0 in der Wahrheitstabelle aufgestellt.
Schaltalgebra
Übertragung der Booleschen Algebra auf elektrische Schaltungen: Reihenschaltung entspricht UND, Parallelschaltung entspricht ODER.
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