Kraft, Masse, Beschleunigung
Wenn du einen vollen Einkaufswagen anschiebst, spürst du sofort: Je mehr drin liegt, desto kräftiger musst du drücken, um ihn in Bewegung zu bringen. Und je fester du drückst, desto schneller rollt er an. Genau dieses Alltagsgefühl steckt hinter einer der wichtigsten Beziehungen der gesamten Technik — dem Zusammenhang zwischen Kraft, Masse und Beschleunigung.
Diese drei Größen hängen über ein einziges, einfaches Gesetz zusammen: F = m · a. Wer dieses Gesetz verstanden hat und sauber damit rechnen kann, hat das Werkzeug in der Hand, um Bewegungs- und Belastungsfragen im Maschinenbau, in der Antriebstechnik und in der täglichen Praxis anzupacken. Genau darum geht es in diesem Beitrag.
Vorwissen
- Physikalische Größen und das SI-System
- Gleichungen umstellen
- Geschwindigkeit und gleichförmige Bewegung
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- die Begriffe Kraft, Masse und Beschleunigung klar voneinander unterscheiden
- den Zusammenhang F = m · a erklären und die Gleichung nach jeder der drei Größen umstellen
- eine Beschleunigung aus Geschwindigkeitsänderung und Zeit berechnen
- Kräfte und Beschleunigungen mit korrekten Einheiten ausrechnen
- die Gewichtskraft als Sonderfall des Grundgesetzes erkennen und Masse von Gewichtskraft sauber trennen
1. Was bewegt Dinge? — Kraft, Masse, Beschleunigung im Zusammenspiel
Stell dir zwei Einkaufswagen vor: einer leer, einer randvoll. Du givst beiden den gleichen Schubs. Der leere schießt davon, der volle rollt nur träge an. Gleiche Kraft, unterschiedliches Ergebnis — weil die beiden Wagen unterschiedlich viel Masse haben.
Daran erkennt man schon das ganze Zusammenspiel. Drei Größen sind im Spiel:
Die Kraft ist das, was du auf einen Körper ausübst, um ihn zu beschleunigen, abzubremsen oder zu verformen. Ihr Formelzeichen ist F, ihre Einheit das Newton (N). Eine Kraft hat immer eine Richtung — sie ist eine gerichtete Größe.
Die Masse ist die Materialmenge eines Körpers und gleichzeitig das Maß für seine Trägheit — also dafür, wie sehr er sich einer Bewegungsänderung widersetzt. Formelzeichen m, Einheit Kilogramm (kg). Die Masse bleibt überall gleich, egal ob auf der Erde, auf dem Mond oder im Weltall.
Die Beschleunigung is die Änderung der Geschwindigkeit pro Zeit. Formelzeichen a, Einheit Meter pro Sekunde zum Quadrat (m/s²). Wird ein Körper schneller, ist die Beschleunigung positiv; wird er langsamer, ist sie negativ.
Diese drei Größen sind keine voneinander unabhängigen Dinge. Sie sind über das Grundgesetz der Mechanik miteinander verknüpft:
F = m · a
- F … Kraft in Newton (N)
- m … Masse in Kilogramm (kg)
- a … Beschleunigung in Meter pro Sekunde zum Quadrat (m/s²)
In Worten: Die Kraft, die nötig ist, um einen Körper zu beschleunigen, ist umso größer, je mehr Masse er hat und je stärker er beschleunigt werden soll. Genau das, was du beim Einkaufswagen spürst.
Dieser Zusammenhang ist die Kernaussage des zweiten newtonschen Gesetzes. Die newtonschen Gesetze als Ganzes — das Trägheitsprinzip, das Aktionsprinzip und das Wechselwirkungsprinzip — bilden das Fundament der gesamten Mechanik und werden in einem eigenen Beitrag ausführlich behandelt. Hier konzentrieren wir uns auf die praktische Anwendung von F = m · a.
Zwei Körper werden mit derselben Kraft angeschoben. Körper A hat 2 kg, Körper B hat 8 kg. Was gilt für die Beschleunigung?
- a) Körper A wird viermal so stark beschleunigt wie B
- b) Körper B wird viermal so stark beschleunigt wie A
- c) Beide werden gleich stark beschleunigt
- d) Die Beschleunigung hängt nur von der Kraft ab, nicht von der Masse
Richtig: a)
Aus F = m · a folgt a = F / m. Bei gleicher Kraft ist die Beschleunigung umgekehrt proportional zur Masse. Körper A hat ein Viertel der Masse von B, also die vierfache Beschleunigung. Antwort d ist falsch, weil die Masse sehr wohl eingeht; b und c verwechseln die Richtung des Zusammenhangs.
Welche Aussage über die Masse ist korrekt?
- a) Die Masse eines Körpers ist auf dem Mond kleiner als auf der Erde
- b) Die Masse ist ein Maß für die Trägheit und bleibt ortsunabhängig gleich
- c) Die Masse wird in Newton gemessen
- d) Die Masse hat eine Richtung
Richtig: b)
Die Masse ist die unveränderliche Materialmenge und das Maß für die Trägheit — sie ändert sich nicht mit dem Ort. Antwort a verwechselt Masse mit Gewichtskraft (die auf dem Mond tatsächlich kleiner ist). Die Einheit der Masse ist kg, nicht N (c falsch). Eine Richtung hat die Masse als ungerichtete Größe nicht (d falsch).
2. Die Masse — Maß für die Trägheit
Im Alltag sagen wir „der Sack wiegt 25 Kilo“ und meinen damit, wie schwer er ist. Physikalisch und technisch ist das ungenau. Kilogramm ist die Einheit der Masse, nicht des Gewichts. Dieser Unterschied wird im fünften Kapitel vollständig aufgelöst — hier geht es zunächst nur um die Masse selbst.
Die Masse beschreibt zwei Dinge gleichzeitig. Erstens die Materialmenge: Wie viel Stoff steckt im Körper? Zweitens — und das ist für die Bewegung entscheidend — die Trägheit: Wie stark widersetzt sich der Körper einer Änderung seines Bewegungszustands?
Ein Beispiel macht die Trägheit greifbar. Eine Stahlkugel mit 10 kg lässt sich nur mühsam in Bewegung setzen, und wenn sie einmal rollt, lässt sie sich genauso mühsam wieder stoppen. Ein Tischtennisball dagegen reagiert auf den kleinsten Anstoß. Beide widersetzen sich der Bewegungsänderung im Verhältnis zu ihrer Masse. Diese Eigenschaft, im bestehenden Bewegungszustand verharren zu wollen, nennt man Trägheit.
Die Einheit der Masse ist das Kilogramm (kg). Es ist eine der sieben Basiseinheiten des SI-Systems. Größere und kleinere Massen drückt man mit den üblichen Vorsätzen aus: 1 t = 1000 kg, 1 g = 0,001 kg.
Ein wichtiger Punkt: Die Masse ist ortsunabhängig. Ein 70-kg-Körper hat auf der Erde, auf dem Mond und schwerelos im All immer dieselbe Masse von 70 kg. Was sich ändert, ist nur die Gewichtskraft — also wie schwer sich der Körper anfühlt. Diesen Zusammenhang greifen wir im fünften Kapitel auf.
Ein Werkstück wird von der Erde auf eine Raumstation gebracht. Wie verhalten sich Masse und Trägheit?
- a) Beide werden kleiner
- b) Die Masse bleibt gleich, die Trägheit verschwindet
- c) Beide bleiben unverändert gleich
- d) Die Masse bleibt gleich, die Trägheit wird größer
Richtig: c)
Masse und Trägheit sind dasselbe Eigenschaftsbündel und ortsunabhängig — beide bleiben unverändert. Was sich ändert, ist die Gewichtskraft (im All nahezu null). Antwort b ist ein verbreiteter Irrtum: Auch in Schwerelosigkeit muss man einen massereichen Körper kräftig anschieben, um ihn zu beschleunigen — die Trägheit bleibt.
Warum lässt sich ein voll beladener Hubwagen schlechter abbremsen als ein leerer?
- a) Weil die größere Masse eine größere Trägheit besitzt
- b) Weil die Gewichtskraft die Räder stärker an den Boden drückt und so bremst
- c) Weil schwere Körper sich grundsätzlich schneller bewegen
- d) Weil die Masse beim Bremsen zunimmt
Richtig: a)
Die größere Masse bedeutet größere Trägheit, also größeren Widerstand gegen die Geschwindigkeitsänderung beim Bremsen — es braucht mehr Kraft. Antwort b beschreibt einen Effekt, der das Bremsen eher unterstützen würde, und trifft die Frage nicht. c und d sind sachlich falsch.
Welche Umrechnung ist korrekt?
- a) 1 t = 100 kg
- b) 1 g = 0,01 kg
- c) 500 g = 5 kg
- d) 2,5 t = 2500 kg
Richtig: d)
1 t = 1000 kg, daher sind 2,5 t = 2500 kg. Antwort a ist um den Faktor 10 falsch, bei b müsste es 0,001 kg heißen, und 500 g sind 0,5 kg, nicht 5 kg.
3. Die Beschleunigung — Änderung der Geschwindigkeit
Beschleunigung klingt nach „schneller werden“, und das ist sie auch — aber nicht nur. Physikalisch ist die Beschleunigung jede Änderung der Geschwindigkeit pro Zeitspanne. Schneller werden, langsamer werden, die Richtung ändern: All das ist Beschleunigung.
Für den geradlinigen Fall, der hier im Vordergrund steht, gilt:
a = Δv / Δt
- a … Beschleunigung in Meter pro Sekunde zum Quadrat (m/s²)
- Δv … Geschwindigkeitsänderung in Meter pro Sekunde (m/s)
- Δt … dafür benötigte Zeit in Sekunden (s)
Das Δ (Delta) steht für „Änderung von“ — also Endwert minus Anfangswert. Beschleunigt ein Fahrzeug von 0 auf 20 m/s in 4 Sekunden, ist die Geschwindigkeitsänderung 20 m/s und die Beschleunigung 20 / 4 = 5 m/s².
Die Einheit m/s² wirkt zunächst sperrig. Sie ergibt sich direkt aus der Formel: Geschwindigkeit (m/s) geteilt durch Zeit (s) macht m/s geteilt durch s, also m/s². Anschaulich bedeutet 5 m/s²: Pro Sekunde nimmt die Geschwindigkeit um 5 m/s zu.
Wird ein Körper langsamer, ist die Geschwindigkeitsänderung negativ und damit auch die Beschleunigung. Man spricht dann von Verzögerung oder negativer Beschleunigung — beim Bremsen der ganz normale Fall.
Bei gleichmäßiger (konstanter) Beschleunigung ändert sich die Geschwindigkeit in gleichen Zeitabschnitten um den gleichen Betrag. Dieser Fall ist der einfachste und der für die meisten praktischen Rechnungen ausreichende.
Gelöstes Beispiel
Ein Schlitten einer Werkzeugmaschine wird aus dem Stillstand in 0,5 s auf 1,5 m/s gebracht. Wie groß ist die Beschleunigung?
Gegeben: Anfangsgeschwindigkeit v₀ = 0 m/s, Endgeschwindigkeit v₁ = 1,5 m/s, Zeit Δt = 0,5 s
Gesucht: Beschleunigung a in m/s²
Lösungsweg:
- Geschwindigkeitsänderung:
Δv = v₁ − v₀ = 1,5 m/s − 0 m/s = 1,5 m/s - Beschleunigung:
a = Δv / Δt = 1,5 m/s / 0,5 s = 3 m/s²
Ergebnis: a = 3 m/s²
Übungen
Ein Fahrzeug beschleunigt aus dem Stand in 8 s auf 24 m/s. Wie groß ist die Beschleunigung?
a = 24 / 8 = 3 m/s²
Ein Förderwagen verlangsamt sich von 2,0 m/s auf 0,5 m/s in 3 s. Wie groß ist die (negative) Beschleunigung?
Δv = 0,5 − 2,0 = −1,5 m/s; a = −1,5 / 3 = −0,5 m/s²
Ein Aufzug fährt an und erreicht in 2,5 s eine Geschwindigkeit von 1,0 m/s. Welche Beschleunigung liegt vor?
a = 1,0 / 2,5 = 0,4 m/s²
Ein Pkw bremst von 30 m/s in 6 s bis zum Stillstand. Wie groß ist die Verzögerung?
Δv = 0 − 30 = −30 m/s; a = −30 / 6 = −5 m/s²
Ein Werkstückträger soll innerhalb von 0,4 s von 0,8 m/s auf 2,0 m/s accelerated werden. Welche Beschleunigung ist dafür erforderlich, und um welchen Faktor unterscheidet sie sich von einer Beschleunigung über 1,2 s?
Δv = 2,0 − 0,8 = 1,2 m/s; a₁ = 1,2 / 0,4 = 3,0 m/s²; a₂ = 1,2 / 1,2 = 1,0 m/s²; Faktor = 3,0 / 1,0 = 3. Die kürzere Zeit erfordert die dreifache Beschleunigung.
Ein Körper hat eine Beschleunigung von −2 m/s². Was bedeutet das?
- a) Der Körper steht still
- b) Der Körper bewegt sich rückwärts
- c) Die Geschwindigkeit nimmt pro Sekunde um 2 m/s ab
- d) Der Körper hat keine Masse
Richtig: c)
Das negative Vorzeichen bedeutet, dass die Geschwindigkeit abnimmt — pro Sekunde um 2 m/s. Das heißt nicht, dass der Körper rückwärtsfährt (b), und auch nicht, dass er still steht (a); er wird lediglich langsamer. Mit der Masse hat das Vorzeichen nichts zu tun (d).
Ein Antrieb bringt eine Last in 2 s von 0 auf 4 m/s. Soll dieselbe Endgeschwindigkeit in 1 s erreicht werden, wie ändert sich die nötige Beschleunigung?
- a) Sie halbiert sich
- b) Sie bleibt gleich
- c) Sie verdoppelt sich
- d) Sie vervierfacht sich
Richtig: c)
a = Δv / Δt. Die Geschwindigkeitsänderung bleibt 4 m/s, die Zeit halbiert sich von 2 s auf 1 s. Eine Halbierung der Zeit bei gleicher Geschwindigkeitsänderung verdoppelt die Beschleunigung (von 2 m/s² auf 4 m/s²).
Welche Größe ergibt sich, wenn man eine Geschwindigkeit (m/s) durch eine Zeit (s) teilt?
- a) Eine Beschleunigung in m/s²
- b) Eine Strecke in m
- c) Eine Kraft in N
- d) Eine Geschwindigkeit in m/s
Richtig: a)
(m/s) / s = m/s² — das ist die Einheit der Beschleunigung. Die Einheitenbetrachtung allein liefert hier schon die richtige Antwort. Eine Kraft (N) entstünde erst durch Multiklamation mit einer Masse.
4. Das Grundgesetz F = m · a
Jetzt führen wir die drei Größen zusammen. Das zweite newtonsche Gesetz sagt: Wirkt auf einen Körper der Masse m eine Kraft F, so erfährt er eine Beschleunigung a in Richtung der Kraft. Der Zusammenhang ist:
F = m · a
- F … Kraft in Newton (N)
- m … Masse in Kilogramm (kg)
- a … Beschleunigung in Meter pro Sekunde zum Quadrat (m/s²)
Aus dieser Gleichung ergibt sich auch die Definition der Einheit Newton. Setzt man 1 kg und 1 m/s² ein, erhält man:
1 N = 1 kg · 1 m/s² = 1 kg·m/s²
Ein Newton ist also genau die Kraft, die einen Körper von 1 kg Masse mit 1 m/s² beschleunigt. Das ist eine recht kleine Kraft — sie entspricht ungefähr dem, was man spürt, wenn man eine Tafel Schokolade in der Hand hält.
Die Gleichung lässt sich nach jeder der drei Größen umstellen, je nachdem, was gesucht ist:
F = m · a (Kraft gesucht)
m = F / a (Masse gesucht)
a = F / m (Beschleunigung gesucht)
Wichtig ist die Richtung: Kraft und Beschleunigung zeigen immer in dieselbe Richtung. Drückst du einen Körper nach rechts, beschleunigt er nach rechts. Beide sind gerichtete Größen, die Masse als reiner Zahlenwert nicht.
Ein Sonderfall verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er in der Praxis ständig vorkommt: Setzt man für die Beschleunigung die Fallbeschleunigung g ≈ 9,81 m/s² ein, beschreibt F = m · a die Gewichtskraft eines Körpers. Genau das schauen wir uns im nächsten Kapitel an. Der folgende Rechner deckt diesen Fall bereits mit ab — gib für die Beschleunigung einfach 9.81 ein, und du erhältst die Gewichtskraft.
Gelöstes Beispiel
Ein Wagen mit 120 kg Masse soll mit 2,5 m/s² beschleunigt werden. Welche Kraft ist dafür nötig?
Gegeben: Masse m = 120 kg, Beschleunigung a = 2,5 m/s²
Gesucht: Kraft F in N
Lösungsweg:
- Grundgesetz anwenden:
F = m · a - Werte einsetzen:
F = 120 kg · 2,5 m/s² = 300 kg·m/s²
Ergebnis: F = 300 N
Übungen
Welche Kraft beschleunigt eine Masse von 15 kg mit 4 m/s²?
F = 15 · 4 = 60 N
Auf einen Körper wirkt eine Kraft von 250 N, er hat eine Masse von 50 kg. Welche Beschleunigung erfährt er?
a = F / m = 250 / 50 = 5 m/s²
Eine Kraft von 90 N beschleunigt einen Körper mit 6 m/s². Welche Masse hat er?
m = F / a = 90 / 6 = 15 kg
Ein Schlitten von 40 kg wird durch eine Kraft von 100 N angetrieben. Gleichzeitig wirkt eine Reibungskraft von 20 N entgegen. Mit welcher Beschleunigung bewegt er sich?
Wirksame Kraft = 100 − 20 = 80 N; a = 80 / 40 = 2 m/s²
Ein Transportgut von 250 kg soll waagrecht aus dem Stand in 2 s auf 3 m/s beschleunigt werden. Welche Beschleunigung ist nötig und welche Kraft muss der Antrieb dafür aufbringen?
a = Δv / Δt = 3 / 2 = 1,5 m/s²; F = m · a = 250 · 1,5 = 375 N
Auf einen Körper von 20 kg wirkt eine resultierende Kraft von 60 N. Welche Beschleunigung ergibt sich?
- a) 3 m/s²
- b) 1200 m/s²
- c) 0,33 m/s²
- d) 80 m/s²
Richtig: a)
a = F / m = 60 / 20 = 3 m/s². Antwort b multipliziert fälschlich (m · F), c stellt Zähler und Nenner falsch (m / F), und d addiert die Zahlenwerte. Nur a wendet die korrekt umgestellte Gleichung an.
Ein Körper von 10 kg wird waagrecht mit 2 m/s² beschleunigt. Welche Kraft ist dafür nötig — und welche Kraft wäre nötig, um ihn senkrecht nur zu halten (g ≈ 9,81 m/s²)?
- a) 20 N zum Beschleunigen, 10 N zum Halten
- b) 20 N zum Beschleunigen, 98,1 N zum Halten
- c) 5 N zum Beschleunigen, 98,1 N zum Halten
- d) 20 N zum Beschleunigen, 20 N zum Halten
Richtig: b)
Beschleunigen: F = m · a = 10 · 2 = 20 N. Halten gegen die Schwerkraft: F = m · g = 10 · 9,81 = 98,1 N. Die beiden Beschleunigungen (2 m/s² waagrecht, 9,81 m/s² Fallbeschleunigung) sind verschieden, daher die unterschiedlichen Kräfte. Das illustriert direkt den Stolperstein.
Welche Aussage zur Einheit Newton ist richtig?
- a) 1 N = 1 kg/m·s²
- b) 1 N = 1 kg·m²/s
- c) 1 N = 1 kg·s/m
- d) 1 N = 1 kg·m/s²
Richtig: d)
Aus F = m · a folgt die Einheit kg · m/s² = kg·m/s². Die anderen Varianten ergeben sich nicht aus dem Grundgesetz und sind dimensionell falsch.
Ein Wagen wird von einer Kraft von 150 N angetrieben, eine Reibungskraft von 30 N wirkt entgegen. Der Wagen hat 60 kg. Welche Beschleunigung stellt sich ein?
- a) 2,5 m/s²
- b) 3,0 m/s²
- c) 2,0 m/s²
- d) 0,5 m/s²
Richtig: c)
In das Grundgesetz geht die resultierende Kraft ein: 150 − 30 = 120 N. a = 120 / 60 = 2,0 m/s². Wer die Reibung vergisst, kommt auf 2,5 m/s² (a) — ein typischer Fehler.
5. Gewichtskraft — die Kraft der Erdanziehung
Jetzt lösen wir den Unterschied zwischen Masse und Gewicht endgültig auf. Jeder Körper auf der Erde wird von der Erde angezogen. Diese Anziehung ist eine Kraft — die Gewichtskraft. Und weil sie eine Kraft ist, gehorcht sie demselben Grundgesetz wie jede andere Kraft auch. Man muss nur für die Beschleunigung den richtigen Wert einsetzen: die Fallbeschleunigung g.
F_G = m · g
- F_G … Gewichtskraft in Newton (N)
- m … Masse in Kilogramm (kg)
- g … Fallbeschleunigung, in Österreich rund 9,81 m/s²
Die Gewichtskraft ist also kein neues Gesetz, sondern schlicht der Spezialfall F = m · a mit a = g. Genau das hat der Rechner aus dem vorigen Kapitel schon gezeigt.
Daraus folgt die saubere Trennung der beiden Begriffe:
| Größe | Formelzeichen | Einheit | Eigenschaft |
|---|---|---|---|
| Masse | m | kg | ortsunabhängig, Maß für Trägheit |
| Gewichtskraft | F_G | N | ortabhängig, Anziehung durch Himmelskörper |
Ein Körper von 10 kg hat eine Gewichtskraft von rund 10 · 9,81 = 98,1 N. Auf dem Mond, wo die Fallbeschleunigung nur etwa 1,6 m/s² beträgt, ist seine Masse weiterhin 10 kg, seine Gewichtskraft aber nur noch rund 16 N. Er fühlt sich also leichter an, ist aber genauso träge wie auf der Erde — ihn anzuschieben kostet dieselbe Kraft.
Wie die Gewichtskraft im Rahmen der Gravitation grundsätzlich zustande kommt, wird im Beitrag zu den newtonschen Gesetzen weiter vertieft. Für die technische Praxis reicht der hier gezeigte Zusammenhang F_G = m · g vollkommen aus.
Gelöstes Beispiel
Welche Gewichtskraft hat ein Maschinenteil mit einer Masse von 250 kg auf der Erde?
Gegeben: Masse m = 250 kg, Fallbeschleunigung g = 9,81 m/s²
Gesucht: Gewichtskraft F_G in N
Lösungsweg:
- Gewichtskraftformel anwenden:
F_G = m · g - Werte einsetzen:
F_G = 250 kg · 9,81 m/s² = 2452,5 kg·m/s²
Ergebnis: F_G = 2452,5 N ≈ 2,45 kN
Übungen
Welche Gewichtskraft hat ein Körper mit 8 kg Masse auf der Erde?
F_G = 8 · 9,81 = 78,48 N
Ein Bauteil hat eine Gewichtskraft von 490,5 N. Welche Masse hat es?
m = F_G / g = 490,5 / 9,81 = 50 kg
Welche Gewichtskraft hat eine Masse von 1200 kg, und wie viel Kilonewton sind das?
F_G = 1200 · 9,81 = 11772 N ≈ 11,77 kN
Ein Werkzeug von 3 kg wird auf den Mond gebracht (g_Mond ≈ 1,6 m/s²). Wie groß ist dort seine Gewichtskraft, und wie groß seine Masse?
F_G = 3 · 1,6 = 4,8 N; die Masse bleibt 3 kg.
Ein Anschlagmittel ist für eine maximale Belastung von 25 kN ausgelegt. Welche maximale Masse darf damit auf der Erde angehoben werden (ohne Beschleunigungszuschlag)?
m = F_G / g = 25000 / 9,81 ≈ 2548 kg
Ein Körper wird vom Äquator zum Pol gebracht, wo g geringfügig größer ist. Was passiert?
- a) Die Masse bleibt gleich, die Gewichtskraft steigt leicht
- b) Masse und Gewichtskraft bleiben gleich
- c) Die Masse steigt, die Gewichtskraft bleibt gleich
- d) Beide sinken
Richtig: a)
Die Masse ist ortsunabhängig und bleibt gleich. Da g am Pol etwas größer ist, steigt die Gewichtskraft F_G = m · g geringfügig. Nur a beschreibt beide Größen korrekt.
Ein Kran soll eine Masse von 500 kg nicht nur halten, sondern mit 1 m/s² anheben. Welche Gesamtkraft ist nötig (g ≈ 9,81 m/s²)?
- a) 500 N
- b) 4905 N
- c) 5405 N
- d) 4405 N
Richtig: c)
Zum Halten gegen die Schwerkraft: F_G = 500 · 9,81 = 4905 N. Zum zusätzlichen Beschleunigen: F_a = 500 · 1 = 500 N. Beide wirken nach oben gegen die Last und addieren sich: 4905 + 500 = 5405 N. Antwort b vergisst den Beschleunigungsanteil, d zieht ihn fälschlich ab.
Warum gibt man Tragfähigkeiten von Hebezeugen in Newton (bzw. kN) und nicht in Kilogramm an?
- a) Weil Kilogramm in der Technik unüblich sind
- b) Weil eine Tragfähigkeit eine Kraft ist und Kräfte in Newton gemessen werden
- c) Weil Newton größere Zahlen ergibt, die genauer sind
- d) Weil die Masse des Hebezeugs mitgerechnet wird
Richtig: b)
Eine Tragfähigkeit ist die Kraft, die das Mittel aufnehmen kann — und Kräfte werden in Newton angegeben. Die Umrechnung in eine zulässige Masse erfolgt über die Division durch g. Die übrigen Antworten treffen den physikalischen Grund nicht.
Ein Objekt hat auf der Erde eine Gewichtskraft von 196,2 N. Welche Masse hat es?
- a) 2000 kg
- b) 196,2 kg
- c) 1925 kg
- d) 20 kg
Richtig: d)
m = F_G / g = 196,2 / 9,81 = 20 kg. Antwort b setzt fälschlich Zahlenwert von N gleich kg, a und c ergeben sich aus falschen Rechenoperationen.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Förderwagen mit 80 kg Masse wird aus dem Stand in 4 s auf 2 m/s beschleunigt. Welche Beschleunigung liegt vor und welche Kraft ist dafür nötig?
Gegeben: m = 80 kg; Δv = 2 m/s; Δt = 4 s
Gesucht: a in m/s², F in N
Lösungsweg:
a = Δv / Δt = 2 / 4 = 0,5 m/s²; F = m · a = 80 · 0,5 = 40 N
Ergebnis: a = 0,5 m/s²; F = 40 N
Aufgabe 2: Auf einen Körper von 25 kg wirkt eine resultierende Kraft von 200 N. Welche Beschleunigung ergibt sich?
Gegeben: m = 25 kg; F = 200 N
Gesucht: a in m/s²
Lösungsweg:
a = F / m = 200 / 25 = 8 m/s²
Ergebnis: a = 8 m/s²
Aufgabe 3: Eine Kraft von 360 N beschleunigt einen Körper mit 4,5 m/s². Welche Masse hat er?
Gegeben: F = 360 N; a = 4,5 m/s²
Gesucht: m in kg
Lösungsweg:
m = F / a = 360 / 4,5 = 80 kg
Ergebnis: m = 80 kg
Aufgabe 4: Ein Pkw bremst aus 28 m/s in 4 s bis zum Stillstand. Welche Verzögerung wirkt, und welche Bremskraft ist bei einer Masse von 1400 kg nötig?
Gegeben: Δv = 0 − 28 = −28 m/s; Δt = 4 s; m = 1400 kg
Gesucht: a in m/s², F in N
Lösungsweg:
a = −28 / 4 = −7 m/s²; F = m · a = 1400 · (−7) = −9800 N
Ergebnis: a = −7 m/s²; Bremskraft 9800 N (entgegen der Fahrtrichtung)
Aufgabe 5: Welche Gewichtskraft hat eine Masse von 320 kg auf der Erde (g = 9,81 m/s²)? Gib das Ergebnis in N und kN an.
Gegeben: m = 320 kg; g = 9,81 m/s²
Gesucht: F_G in N und kN
Lösungsweg:
F_G = m · g = 320 · 9,81 = 3139,2 N
Ergebnis: F_G = 3139,2 N ≈ 3,14 kN
Aufgabe 6: Ein Hubantrieb hebt eine Last von 600 kg mit einer Beschleunigung von 0,8 m/s² an. Welche Gesamtkraft muss er aufbringen (g = 9,81 m/s²)?
Gegeben: m = 600 kg; a = 0,8 m/s²; g = 9,81 m/s²
Gesucht: F_ges in N
Lösungsweg:
Gewichtskraft F_G = 600 · 9,81 = 5886 N; Beschleunigungskraft F_a = 600 · 0,8 = 480 N; F_ges = 5886 + 480 = 6366 N
Ergebnis: F_ges = 6366 N ≈ 6,37 kN
Auf einen Körper wirken zwei gleich große, einander entgegengesetzte Kräfte. Was gilt für die Beschleunigung?
- a) Sie ist maximal
- b) Sie verdoppelt sich
- c) Sie ist null, weil die resultierende Kraft null ist
- d) Sie hängt allein von der Masse ab
Richtig: c)
In F = m · a geht die resultierende Kraft ein. Heben sich die Kräfte auf, ist die resultierende Kraft null und damit auch die Beschleunigung — der Körper behält seinen Bewegungszustand bei. Antwort d ignoriert, dass ohne resultierende Kraft keine Beschleunigung entsteht.
Ein Körper von 12 kg soll mit 3 m/s² beschleunigt werden, gleichzeitig wirkt eine Reibungskraft von 16 N. Welche Antriebskraft ist nötig?
- a) 52 N
- b) 36 N
- c) 20 N
- d) 16 N
Richtig: a)
Für die Beschleunigung wird die resultierende Kraft m · a = 12 · 3 = 36 N benötigt. Die Antriebskraft muss zusätzlich die Reibung überwinden: 36 + 16 = 52 N. Antwort b vergisst die Reibung.
Eine Masse von 50 kg erfährt eine Beschleunigung von 9,81 m/s². Was beschreibt diese Situation am ehesten?
- a) Eine waagrechte Beschleunigung durch einen Antrieb
- b) Den freien Fall bzw. die Gewichtskraftsituation
- c) Einen Bremsvorgang
- d) Einen Körper in Ruhe
Richtig: b)
Eine Beschleunigung von genau 9,81 m/s² ist die Fallbeschleunigung — das deutet auf die Gewichtskraft bzw. den freien Fall hin. Bei Ruhe (d) wäre a = 0, beim Bremsen (c) negativ.
Ein Wagen wird mit konstanter Kraft angeschoben. Verdoppelt man seine Masse, wie ändert sich die Beschleunigung?
- a) Sie halbiert sich
- b) Sie bleibt gleich
- c) Sie verdoppelt sich
- d) Sie vervierfacht sich
Richtig: a)
a = F / m. Bei konstanter Kraft und verdoppelter Masse halbiert sich die Beschleunigung. Masse und Beschleunigung sind bei fester Kraft umgekehrt proportional.
Welche der folgenden Größen ist keine gerichtete Größe?
- a) Die Kraft
- b) Die Beschleunigung
- c) Die Masse
- d) Die Geschwindigkeit
Richtig: c)
Die Masse ist ein reiner Zahlenwert ohne Richtung. Kraft, Beschleunigung und Geschwindigkeit haben dagegen jeweils eine Richtung.
Ein Werkstück hat auf der Erde eine Gewichtskraft von 588,6 N. Welche Masse besitzt es und welche Gewichtskraft hätte es auf dem Mond (g_Mond ≈ 1,6 m/s²)?
- a) 60 kg und 588,6 N
- b) 600 kg und 960 N
- c) 6 kg und 9,6 N
- d) 60 kg und 96 N
Richtig: d)
m = 588,6 / 9,81 = 60 kg (ortsunabhängig). Auf dem Mond: F_G = 60 · 1,6 = 96 N. Antwort a übersieht die geringere Mondbeschleunigung, b und c rechnen die Masse falsch um.
Ein Antrieb beschleunigt eine Masse von 200 kg mit 2 m/s². Anschließend soll dieselbe Masse mit 4 m/s² beschleunigt werden. Wie verhält sich die nötige Kraft?
- a) Sie bleibt gleich
- b) Sie halbiert sich
- c) Sie vervierfacht sich
- d) Sie verdoppelt sich
Richtig: d)
F = m · a. Bei gleicher Masse und verdoppelter Beschleunigung verdoppelt sich die Kraft (von 400 N auf 800 N). Kraft und Beschleunigung sind bei fester Masse direkt proportional.
Warum bleibt ein massereicher Körper auch in Schwerelosigkeit schwer zu beschleunigen?
- a) Weil seine Gewichtskraft erhalten bleibt
- b) Weil seine Trägheit von der Masse abhängt und diese unverändert bleibt
- c) Weil keine Kraft auf ihn wirken kann
- d) Weil seine Masse in Schwerelosigkeit zunimmt
Richtig: b)
Die Trägheit hängt von der Masse ab, und die Masse ist ortsunabhängig. Auch ohne Gewichtskraft braucht es daher eine entsprechende Kraft, um den Körper zu beschleunigen. Antwort a verwechselt Trägheit mit Gewichtskraft.
Eine resultierende Kraft von 0 N wirkt auf einen fahrenden Wagen. Was passiert?
- a) Er bremst sofort ab
- b) Er beschleunigt gleichmäßig
- c) Er behält seine Geschwindigkeit bei
- d) Er kommt nach kurzer Zeit zum Stillstand
Richtig: c)
Ohne resultierende Kraft ist die Beschleunigung null (a = F / m = 0). Der Wagen ändert seine Geschwindigkeit nicht und fährt gleichförmig weiter. Das ist die Aussage des Trägheitsprinzips.
Ein Hebezeug ist mit 20 kN Tragfähigkeit angegeben. Welche maximale Masse darf damit ruhend angehoben werden (g = 9,81 m/s²)?
- a) 20000 kg
- b) rund 2039 kg
- c) 196200 kg
- d) rund 2,04 kg
Richtig: b)
m = F_G / g = 20000 / 9,81 ≈ 2039 kg. Antwort a setzt Newton mit Kilogramm gleich, c multipliziert statt zu dividieren.
Auf einen Körper von 5 kg wirken nach rechts 40 N und nach links 10 N. Welche Beschleunigung ergibt sich und in welche Richtung?
- a) 10 m/s² nach rechts
- b) 8 m/s² nach links
- c) 2 m/s² nach rechts
- d) 6 m/s² nach rechts
Richtig: d)
Resultierende Kraft = 40 − 10 = 30 N nach rechts. a = 30 / 5 = 6 m/s² nach rechts. Die Beschleunigung zeigt in Richtung der resultierenden Kraft.
Welche Einheit ist gleichbedeutend mit dem Newton?
- a) kg/m·s²
- b) kg·m²/s²
- c) kg·s²/m
- d) kg·m/s²
Richtig: d)
Aus F = m · a folgt 1 N = 1 kg·m/s². Nur Antwort d entspricht dieser Definition; die übrigen sind dimensionell falsch.
Glossar
- Kraft
- Physikalische Größe, die einen Körper beschleunigt, abbremst oder verformt. Gerichtete Größe mit der Einheit Newton (N).
- Masse
- Materialmenge eines Körpers und Maß für seine Trägheit. Ortsunabhängige Größe mit der Einheit Kilogramm (kg).
- Trägheit
- Eigenschaft eines Körpers, in seinem bestehenden Bewegungszustand entgegen jeder Änderung zu verharren; nimmt mit der Masse zu.
- Beschleunigung
- Änderung der Geschwindigkeit pro Zeit, a = Δv / Δt, mit der Einheit m/s². Negative Beschleunigung bedeutet Verzögerung.
- Newton (N)
- SI-Einheit der Kraft. 1 N ist die Kraft, die eine Masse von 1 kg mit 1 m/s² beschleunigt: 1 N = 1 kg·m/s².
- Grundgesetz der Mechanik
- Der Zusammenhang F = m · a, nach dem die auf einen Körper wirkende Kraft gleich dem Produkt aus Masse und Beschleunigung ist.
- Gewichtskraft
- Kraft, mit der ein Körper von einem Himmelskörper angezogen wird; Spezialfall F_G = m · g mit der Fallbeschleunigung g. Ortsabhängige Größe in Newton.
- Fallbeschleunigung (g)
- Beschleunigung, die ein frei fallender Körper durch die Erdanziehung erfährt; in Österreich rund 9,81 m/s².
