Funktionsdiagramme: Weg-Schritt- und Weg-Zeit-Diagramm

Ein Schaltplan zeigt, wie eine pneumatische Anlage verschaltet ist — welcher Schlauch wohin geht, welches Ventil welchen Zylinder ansteuert. Was er nicht zeigt: Was passiert wann? Genau diese Lücke füllt das Funktionsdiagramm. Es ist das Drehbuch der Anlage. Wer es lesen und zeichnen kann, versteht den Ablauf einer Steuerung, noch bevor das erste Bauteil montiert ist. Und beim Suchen von Fehlern ist es oft das erste, worauf man schaut.

In diesem Beitrag geht es um die zwei wichtigsten Formen: das Weg-Schritt-Diagramm und das Weg-Zeit-Diagramm. Beide stellen denselben Ablauf dar — nur aus einem anderen Blickwinkel.

Vorwissen

  • Pneumatikzylinder: einfach- und doppeltwirkend
  • Wegeventile – Bezeichnung und Funktion
  • Sensoren und Endschalter in der Pneumatik

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • ein Weg-Schritt-Diagramm und ein Weg-Zeit-Diagramm lesen und den dargestellten Ablauf in Worte fassen
  • die Bewegungsbezeichnungen A+, A−, B+, B− einem konkreten Ablauf zuordnen
  • entscheiden, wann ein Weg-Schritt- und wann ein Weg-Zeit-Diagramm die bessere Wahl ist
  • Signallinien für Endschalter und Ventile in ein Funktionsdiagramm eintragen
  • eine einfache UND- bzw. ODER-Verknüpfung im Diagramm grafisch darstellen

1. Wozu Funktionsdiagramme?

Stell dir eine kleine Anlage vor: zwei doppeltwirkende Zylinder, A und B. Ein Teil wird eingespannt (Zylinder A fährt aus), dann wird es bearbeitet (Zylinder B fährt aus und wieder ein), zum Schluss wird gelöst (Zylinder A fährt ein). Vier Bewegungen, in einer festen Reihenfolge. Diese Anlage begleitet uns durch den ganzen Beitrag.

Wie hält man so einen Ablauf fest? Man könnte ihn in Sätzen aufschreiben. Bei vier Schritten geht das noch, bei zwanzig wird es unübersichtlich. Das Funktionsdiagramm macht den Ablauf grafisch sichtbar — auf einen Blick erkennbar, welches Arbeitsglied sich wann in welchem Zustand befindet.

Ein paar Begriffe vorab:

  • Arbeitsglied – das bewegte Bauteil, das die Arbeit verrichtet. In unserem Fall die beiden Zylinder A und B.
  • Zustand – die Stellung eines Arbeitsglieds. Bei einem Zylinder gibt es zwei: eingefahren und ausgefahren. Im Diagramm werden diese meist mit 0 (eingefahren) und 1 (ausgefahren) bezeichnet.
  • Schritt – ein Abschnitt des Ablaufs, in dem eine Zustandsänderung passiert. Nach jedem Schritt hat sich mindestens ein Arbeitsglied bewegt.

Für die einzelnen Bewegungen hat sich eine kurze Schreibweise eingebürgert: Der Buchstabe steht für den Zylinder, das Vorzeichen für die Richtung. A+ heißt „Zylinder A fährt aus“, A− heißt „Zylinder A fährt ein“. Unser Beispielablauf lautet damit kompakt:

A+ B+ B− A−

Das liest man als: A ausfahren, B ausfahren, B einfahren, A einfahren. Diese Notation ist in der gesamten Pneumatik gebräuchlich und taucht in jedem Funktionsdiagramm wieder auf.

Wichtig zur Einordnung: Die grafische Darstellung der zugehörigen Schaltpläne ist in Österreich über ÖNORM EN ISO 1219-2 geregelt — das ist die Norm für Schaltpläne und die Kennzeichnung der Bauteile darin. Das Funktionsdiagramm selbst ist eine Ablaufdarstellung und ergänzt den Schaltplan: Der Plan zeigt die Verschaltung, das Diagramm den zeitlichen und logischen Ablauf. In der Praxis gehören beide zur Dokumentation einer Anlage zusammen.

Eine Anlage hat den Ablauf A+ B+ A− B−. Welche Aussage beschreibt den dritten Schritt korrekt?

  • a) Zylinder A fährt ein
  • b) Zylinder A fährt aus
  • c) Zylinder B fährt aus
  • d) Zylinder B fährt ein

Richtig: a)

Der Ablauf wird von links nach rechts gelesen. Schritt 1 = A+, Schritt 2 = B+, Schritt 3 = A−. A− bedeutet, dass Zylinder A einfährt. Antwort b beschreibt den ersten Schritt, Antwort c den zweiten Schritt, Antwort d den vierten Schritt.

Worin liegt der wesentliche Unterschied zwischen einem Schaltplan und einem Funktionsdiagramm?

  • a) Der Schaltplan zeigt den zeitlichen Ablauf, das Funktionsdiagramm die Verschaltung
  • b) Der Schaltplan zeigt die Verschaltung der Bauteile, das Funktionsdiagramm den Ablauf
  • c) Beide zeigen dasselbe, nur in unterschiedlicher Farbe
  • d) Der Schaltplan ist genormt, das Funktionsdiagramm darf frei gestaltet werden

Richtig: b)

Der Schaltplan dokumentiert, welche Bauteile wie miteinander verbunden sind. Das Funktionsdiagramm zeigt, in welcher Reihenfolge und zu welchem Zeitpunkt sich die Arbeitsglieder bewegen. Antwort a vertauscht die beiden. Antwort c ist falsch, weil die Darstellungsformen grundverschieden sind. Antwort d stimmt nicht, da beide einer geregelten Darstellung folgen.

Was bedeutet im Funktionsdiagramm der Zustand „1″ bei einem doppeltwirkenden Zylinder?

  • a) Der Zylinder ist drucklos
  • b) Der Zylinder ist eingefahren
  • c) Der Zylinder ist ausgefahren
  • d) Der Zylinder bewegt sich gerade

Richtig: c)

Üblich ist die Zuordnung 0 = eingefahren, 1 = ausgefahren. Der Zustand beschreibt die Endlage, nicht die Bewegung selbst. Antwort b vertauscht die Zuordnung, Antwort a betrifft den Druck und nicht die Stellung, Antwort d beschreibt einen Übergang, keinen Zustand.

2. Das Weg-Schritt-Diagramm

Das Weg-Schritt-Diagramm ist die am häufigsten verwendete Form. Der Name verrät den Aufbau: Auf der senkrechten Achse trägt man den Weg auf — also den Zustand des Arbeitsglieds (eingefahren/ausgefahren bzw. 0/1). Auf der waagrechten Achse stehen die Schritte, durchnummeriert.

Der entscheidende Punkt: Die Schritte sind alle gleich breit. Es spielt keine Rolle, ob ein Zylinder für seine Bewegung eine Zehntelsekunde oder drei Sekunden braucht — im Diagramm bekommt jeder Schritt dieselbe Breite. Das Weg-Schritt-Diagramm zeigt die Reihenfolge, nicht die Dauer.

Für jedes Arbeitsglied gibt es eine eigene Zeile. Die Bewegung wird als Linie eingetragen: Bleibt der Zustand gleich, läuft die Linie waagrecht. Ändert sich der Zustand, steigt oder fällt sie zwischen zwei Schritten — meist als schräge Linie, weil die Bewegung ja eine gewisse Zeit dauert.

So sieht unser Beispielablauf A+ B+ B− A− als Weg-Schritt-Diagramm aus:

Weg-Schritt-Diagramm: A+ B+ B− A− 1 2 3 4 Zyl. A 1 0 Zyl. B 1 0 Schritt

So liest man das Diagramm Schritt für Schritt:

  • Schritt 1: Zylinder A geht von 0 auf 1 — er fährt aus (A+). B bleibt unten.
  • Schritt 2: A bleibt oben (ausgefahren), B geht von 0 auf 1 — B fährt aus (B+).
  • Schritt 3: A bleibt oben, B geht von 1 auf 0 — B fährt ein (B−).
  • Schritt 4: A geht von 1 auf 0 — A fährt ein (A−). B bleibt unten.

Nach Schritt 4 ist die Anlage wieder im Ausgangszustand, der Zyklus kann von vorn beginnen. Genau diese geschlossene Schleife sieht man im Diagramm sofort: Anfang und Ende stehen auf gleicher Höhe.

Im Weg-Schritt-Diagramm sind alle Schritte gleich breit. Was lässt sich daraus über die reale Bewegungsdauer der Zylinder schließen?

  • a) Jede Bewegung dauert exakt gleich lang
  • b) Längere Schritte bedeuten langsamere Zylinder
  • c) Die Dauer ergibt sich aus der Steigung der Linie
  • d) Aus der Schrittbreite lässt sich die reale Dauer nicht ablesen

Richtig: d)

Die gleiche Breite ist eine reine Darstellungskonvention und sagt nichts über die tatsächliche Zeit aus. Antwort a und b unterstellen einen Zeitbezug, den das Weg-Schritt-Diagramm nicht hat. Antwort c stimmt ebenfalls nicht — die Steigung ist nur ein zeichnerisches Mittel, kein Maßstab für Geschwindigkeit.

In einem Weg-Schritt-Diagramm verläuft die Linie eines Zylinders über zwei aufeinanderfolgende Schritte hinweg waagrecht auf Höhe „1″. Was bedeutet das?

  • a) Der Zylinder bleibt ausgefahren, während sich andere Glieder bewegen
  • b) Der Zylinder fährt langsam aus
  • c) Der Zylinder pendelt zwischen den Endlagen
  • d) Der Zylinder ist defekt

Richtig: a)

Eine waagrechte Linie auf Höhe 1 heißt: Zustand unverändert ausgefahren. In dieser Phase bewegt sich ein anderes Arbeitsglied. Antwort b und c beschreiben Zustandsänderungen, die als schräge bzw. wechselnde Linien erschienen. Antwort d lässt sich aus dem Diagramm nicht ableiten.

Woran erkennt man im Weg-Schritt-Diagramm, dass ein Ablauf einen vollständigen, wiederholbaren Zyklus bildet?

  • a) Es gibt genau vier Schritte
  • b) Alle Linien verlaufen waagrecht
  • c) Anfangs- und Endzustand aller Arbeitsglieder stimmen überein
  • d) Die letzte Bewegung ist immer ein Einfahren

Richtig: c)

Ein wiederholbarer Zyklus setzt voraus, dass die Anlage am Ende wieder genau im Ausgangszustand ist — sonst startet der nächste Durchlauf von einer anderen Position. Antwort a betrifft nur dieses Beispiel. Antwort b würde bedeuten, dass gar keine Bewegung stattfindet. Antwort d ist keine allgemeine Regel.

3. Das Weg-Zeit-Diagramm

Das Weg-Zeit-Diagramm ist auf den ersten Blick fast identisch — gleiche senkrechte Achse, gleiche Zeilen pro Arbeitsglied. Der Unterschied steckt in der waagrechten Achse: Statt gleich breiter Schritte steht dort jetzt die Zeit, maßstäblich in Sekunden.

Damit ändert sich die Aussage grundlegend. Eine Bewegung, die lange dauert, wird breit dargestellt; eine schnelle Bewegung schmal. Wo im Weg-Schritt-Diagramm jeder Schritt gleich aussah, sieht man jetzt echte Geschwindigkeitsunterschiede, Wartezeiten und — besonders wichtig — ob sich zwei Bewegungen zeitlich überschneiden.

Hier dasselbe Beispiel A+ B+ B− A−, aber zeitmaßstäblich. Angenommen, A fährt langsam aus (lange Zeit), B bewegt sich schneller, und am Ende fährt A wieder gemächlich ein:

Weg-Zeit-Diagramm: A+ B+ B− A− 0 1 2 3 4 5 Zyl. A 1 0 Zyl. B 1 0 Zeit t in s

Jetzt erzählt das Diagramm mehr: Man sieht, dass A für sein Ausfahren rund 1,5 Sekunden braucht, B dagegen nur eine halbe Sekunde für Aus- und wieder Einfahren. Die flacheren Linien bei A bedeuten eine langsamere Bewegung, die steilen Linien bei B eine schnelle. Solche Unterschiede gehen im Weg-Schritt-Diagramm völlig verloren.

Der direkte Vergleich beider Darstellungen:

Merkmal Weg-Schritt-Diagramm Weg-Zeit-Diagramm
Waagrechte Achse Schritte, alle gleich breit Zeit, maßstäblich in Sekunden
Zeigt Reihenfolge der Bewegungen Reihenfolge UND Dauer
Geschwindigkeit ablesbar Nein Ja, an der Steigung
Gleichzeitigkeit erkennbar Eingeschränkt Genau erkennbar
Typische Verwendung Ablauf entwerfen, schnell skizzieren Taktzeiten, Zeitabstimmung prüfen

In einem Weg-Zeit-Diagramm verläuft die Bewegungslinie von Zylinder A deutlich flacher als die von Zylinder B. Was bedeutet das?

  • a) A legt einen längeren Weg zurück als B
  • b) A startet später als B
  • c) A und B bewegen sich gleich schnell
  • d) A bewegt sich langsamer als B

Richtig: d)

Bei gleichem Hub bedeutet eine flachere Linie, dass dieselbe Zustandsänderung über eine längere Zeit erfolgt — also langsamer. Antwort a verwechselt Weg und Zeit; der Hub steht auf der senkrechten Achse und ist hier gleich. Antwort b betrifft den Startzeitpunkt, nicht die Steigung. Antwort c widerspricht dem unterschiedlichen Linienverlauf.

Eine Anlage muss einen Zyklus in maximal 4 Sekunden schaffen. Welches Diagramm eignet sich am besten, um zu prüfen, ob diese Vorgabe eingehalten wird?

  • a) Das Weg-Schritt-Diagramm
  • b) Der Schaltplan nach ÖNORM EN ISO 1219-2
  • c) Das Weg-Zeit-Diagramm
  • d) Die Stückliste der Anlage

Richtig: c)

Nur das Weg-Zeit-Diagramm bildet die Zeit maßstäblich ab und erlaubt damit, die Gesamtdauer eines Zyklus direkt abzulesen. Das Weg-Schritt-Diagramm kennt keine Zeitachse. Der Schaltplan zeigt die Verschaltung, die Stückliste die Bauteile — beide enthalten keine Ablaufzeiten.

Worin liegt der zentrale Vorteil des Weg-Zeit-Diagramms gegenüber dem Weg-Schritt-Diagramm beim Abstimmen zweier Zylinder?

  • a) Es makes zeitliche Überschneidungen von Bewegungen sichtbar
  • b) It benötigt weniger Zeilen
  • c) It kommt ohne Bewegungsbezeichnungen aus
  • d) It lässt sich schneller von Hand zeichnen

Richtig: a)

Weil die Zeit maßstäblich aufgetragen ist, erkennt man, ob sich zwei Bewegungen zeitlich überlappen — entscheidend, wenn Zylinder nicht gleichzeitig fahren dürfen. Antwort b und d sind eher Vorteile des Weg-Schritt-Diagramms. Antwort c stimmt nicht, die Bezeichnungen bleiben in beiden Formen gleich.

4. Signallinien und Steuerkette

Bis hierher zeigen unsere Diagramme nur, was die Zylinder tun. Offen bleibt: Wodurch wird der nächste Schritt ausgelöst? In einer realen Anlage passiert nichts von selbst. Jeder Schritt wird durch ein Signal angestoßen — meist durch einen Endschalter, der meldet, dass der vorige Schritt fertig ist.

Dafür ergänzt man das Funktionsdiagramm um Signallinien. Unter den Wegkurven der Arbeitsglieder zeichnet man zusätzliche Zeilen für die Signalgeber: Endschalter, Taster, Ventile. Diese Signale kennen nur zwei Zustände — betätigt (1) oder nicht betätigt (0) — und werden als rechteckige Linienzüge dargestellt.

Die Steuerkette ist die logische Verknüpfung dahinter: Endschalter meldet „A ist ausgefahren“ → dieses Signal schaltet das Ventil für B → B fährt aus. Im Diagramm zieht man von der Stelle, an der ein Signal entsteht, eine dünne Verbindungslinie (Wirklinie) zu der Bewegung, die es auslöst. So wird sichtbar, dass nicht die Zeit den nächsten Schritt bestimmt, sondern das Erreichen der vorigen Endlage.

Oft genügt ein einzelnes Signal aber nicht. Zwei typische Fälle:

  • UND-Verknüpfung: Eine Bewegung soll erst starten, wenn mehrere Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind — zum Beispiel: Starttaster gedrückt und Schutztür geschlossen und Zylinder A in Endlage. Grafisch führt man alle beteiligten Signallinien an einem gemeinsamen Verknüpfungspunkt zusammen; erst wenn alle dort den Zustand 1 haben, läuft die Wirklinie weiter zur Bewegung.
  • ODER-Verknüpfung: Eine Bewegung soll starten, wenn eine von mehreren Bedingungen erfüllt ist — etwa: auslösen durch Taster am Bedienpult oder durch Fußschalter. Auch hier laufen die Signallinien an einem Verknüpfungspunkt zusammen, aber es reicht, wenn eine davon auf 1 geht.

Mit diesen Verknüpfungspunkten lässt sich auch ein verzweigter Ablauf vollständig im Diagramm abbilden — nicht nur stures Abarbeiten Schritt für Schritt, sondern echte Bedingungen.

UND-Verknüpfung im Funktionsdiagramm S1 (Taster) 1 0 a1 (Endsch. A) 1 0 Zyl. B 1 0 & & = UND-Verknüpfung

Im Bild oben fährt Zylinder B erst aus, wenn beide Bedingungen erfüllt sind: Der Starttaster S1 ist gedrückt und der Endschalter a1 meldet, dass A seine Endlage erreicht hat. Erst wenn beide Signale am Verknüpfungspunkt (&) auf 1 stehen, läuft die Wirklinie weiter und löst B+ aus.

Hier geht es ausschließlich um die Darstellung solcher Bedingungen im Funktionsdiagramm. Wie UND- und ODER-Verknüpfungen pneumatisch tatsächlich aufgebaut werden — also mit welchen Ventilen man sie schaltet — ist ein eigenes Thema und wird gesondert behandelt. Auch die konkrete Verschaltung mit Ventilen gehört zur Schaltungstechnik: sowohl rein pneumatisch über Wegeventile als auch elektropneumatisch über Magnetventile und Relais. Das Funktionsdiagramm ist die Brücke dorthin — es legt fest, was die Steuerung leisten soll, der Schaltplan setzt dann das Wie um.

Eine Bewegung soll nur starten, wenn Starttaster gedrückt UND Schutztür geschlossen ist. Wie wird das im Funktionsdiagramm dargestellt?

  • a) Die beiden Signallinien werden übereinandergelegt
  • b) Es genügt, nur das wichtigere Signal einzuzeichnen
  • c) Die Bewegung wird ohne Signalbezug eingetragen
  • d) Beide Signallinien laufen an einem gemeinsamen Verknüpfungspunkt zusammen

Richtig: d)

Eine UND-Bedingung wird über einen Verknüpfungspunkt dargestellt, an dem alle beteiligten Signale zusammengeführt werden; erst wenn alle den Zustand 1 haben, wird die Bewegung ausgelöst. Antwort a beschreibt keine logische Verknüpfung. Antwort b würde eine Bedingung unterschlagen. Antwort c ignoriert die Auslösung ganz.

Was unterscheidet eine ODER-Verknüpfung von einer UND-Verknüpfung im Funktionsdiagramm?

  • a) Bei ODER genügt eines der beteiligten Signale zum Auslösen
  • b) Bei ODER müssen alle Signale gleichzeitig anstehen
  • c) ODER lässt sich grafisch nicht darstellen
  • d) ODER betrifft nur Zeitsignale, nicht Endschalter

Richtig: a)

Bei der ODER-Verknüpfung reicht es, wenn eine von mehreren Bedingungen erfüllt ist — etwa Taster oder Fußschalter. Antwort b beschreibt gerade die UND-Verknüpfung. Antwort c stimmt nicht, auch ODER wird über einen Verknüpfungspunkt gezeichnet. Antwort d ist eine willkürliche Einschränkung ohne Grundlage.

Was löst in einer typischen pneumatischen Steuerkette den Übergang zum nächsten Schritt aus?

  • a) Eine fest eingestellte Wartezeit
  • b) Das Endlagensignal des vorigen Arbeitsglieds
  • c) Der Druck im Vorratsbehälter
  • d) Das manuelle Weiterschalten durch den Bediener

Richtig: b)

In einer schrittabhängigen Steuerung meldet ein Endschalter, dass die vorige Bewegung abgeschlossen ist, und löst damit den nächsten Schritt aus. Eine reine Wartezeit (Antwort a) wäre eine zeitabhängige Steuerung und ist nicht der Regelfall. Antwort c betrifft die Energieversorgung, nicht den Ablauf. Antwort d beschreibt eine manuelle, keine selbsttätige Steuerung.

In einem Funktionsdiagramm steht die Signallinie eines Endschalters noch auf 1, während bereits die gegenläufige Bewegung des Zylinders anstehen soll. Worauf deutet das hin?

  • a) Auf einen Defekt des Zylinders
  • b) Auf eine fehlende Signallinie
  • c) Auf eine Signalüberschneidung
  • d) Auf ein zu niedriges Druckniveau

Richtig: c)

Wenn ein Signal länger ansteht als nötig und die nächste, gegenläufige Bewegung blockiert, spricht man von einer Signalüberschneidung. Sie ist ein klassisches Problem beim Entwurf von Ablaufsteuerungen. Antwort a und d betreffen Hardware bzw. Energie, nicht die Signallogik. Antwort b ist das Gegenteil — hier ist die Signallinie ja vorhanden und steht zu lange an.

Abschlusstest

Frage 1: Eine Anlage hat den Ablauf A+ B+ B− A−. Im Weg-Schritt-Diagramm wird Schritt 2 dargestellt. Welche Linienverläufe sind dort korrekt?

  • a) A steigt von 0 auf 1, B bleibt auf 0
  • b) A bleibt auf 1, B steigt von 0 auf 1
  • c) A fällt von 1 auf 0, B bleibt auf 1
  • d) A und B steigen gleichzeitig

Richtig: b)

In Schritt 2 (B+) ist A bereits ausgefahren und bleibt auf 1, während B von 0 auf 1 steigt. Antwort a beschreibt Schritt 1. Antwort c beschreibt einen späteren Zustand. Antwort d gibt es im sequentiellen Ablauf hier nicht.

Frage 2: Welche Achse unterscheidet das Weg-Zeit- vom Weg-Schritt-Diagramm grundlegend?

  • a) Die senkrechte Achse
  • b) Die waagrechte Achse
  • c) Beide Achsen
  • d) Keine, sie sind identisch

Richtig: b)

Die senkrechte Achse (Zustand des Arbeitsglieds) ist in beiden gleich. Nur die waagrechte Achse unterscheidet sich: Schritte gegenüber maßstäblicher Zeit. Antwort a, c und d treffen das nicht.

Frage 3: Ein Weg-Zeit-Diagramm zeigt für Zylinder A eine sehr flache, lange Linie beim Ausfahren. Welche praktische Schlussfolgerung ist zulässig?

  • a) A hat einen besonders langen Hub
  • b) A ist defekt
  • c) A wird mit höherem Druck betrieben
  • d) A bewegt sich langsam und braucht viel Zeit

Richtig: d)

Eine flache, lange Linie heißt: Die Zustandsänderung erfolgt über eine lange Zeit, der Zylinder ist langsam. Der Hub (Antwort a) steht auf der senkrechten Achse und ist daran nicht ablesbar. Antwort b und c lassen sich aus dem Diagramm nicht ableiten.

Frage 4: Wozu dienen Signallinien im Funktionsdiagramm?

  • a) Sie stellen den Zustand von Endschaltern, Tastern und Ventilen dar
  • b) Sie zeigen die Farbe der Schläuche
  • c) Sie ersetzen den Schaltplan
  • d) Sie geben den Betriebsdruck an

Richtig: a)

Signallinien bilden die Schaltzustände der Signalgeber ab (betätigt/nicht betätigt). Antwort b, c und d beschreiben Dinge, die das Funktionsdiagramm nicht leistet.

Frage 5: Eine Bewegung soll auslösen, wenn entweder ein Handtaster oder ein Fußschalter betätigt wird. Welche Verknüpfung liegt vor?

  • a) UND-Verknüpfung
  • b) ODER-Verknüpfung
  • c) Zeitverknüpfung
  • d) Keine Verknüpfung

Richtig: b)

„Entweder … oder“ mit ausreichender Wirkung eines einzelnen Signals ist die ODER-Verknüpfung. Die UND-Verknüpfung (Antwort a) verlangt alle Bedingungen gleichzeitig. Antwort c und d treffen nicht zu.

Frage 6: Warum sind im Weg-Schritt-Diagramm alle Schritte gleich breit?

  • a) Weil jede Bewegung gleich lang dauert
  • b) Weil die Norm es so vorschreibt
  • c) Weil die Darstellung die Reihenfolge zeigt, nicht die Dauer
  • d) Weil sonst die Zeichnung zu groß würde

Richtig: c)

Das Weg-Schritt-Diagramm bildet bewusst nur die logische Reihenfolge ab; die gleiche Breite ist Konvention. Antwort a ist falsch, weil reale Dauern abweichen. Antwort b und d sind keine sachlichen Begründungen.

Frage 7: Was beschreibt der Begriff „Steuerkette“ im Zusammenhang mit Funktionsdiagrammen?

  • a) Die mechanische Verbindung zweier Zylinder
  • b) Die Reihenschaltung der Druckluftschläuche
  • c) Eine Liste aller Bauteile
  • d) Die logische Abfolge, in der ein Signal die nächste Bewegung auslöst

Richtig: d)

Die Steuerkette ist die logische Kette aus Signal und ausgelöster Bewegung — Endlage erreicht, Signal entsteht, nächster Schritt startet. Antwort a und b sind mechanisch/physisch gemeint. Antwort c beschreibt eine Stückliste.

Frage 8: Welche Norm regelt in Österreich die Darstellung pneumatischer Schaltpläne?

  • a) ÖNORM EN ISO 1219-2
  • b) ÖNORM EN ISO 12100
  • c) IEC 61131-3
  • d) ÖNORM EN ISO 13849

Richtig: a)

ÖNORM EN ISO 1219-2 regelt Schaltpläne und Bauteilkennzeichnung in der Fluidtechnik. ÖNORM EN ISO 12100 betrifft die Risikobeurteilung, ÖNORM EN ISO 13849 die funktionale Sicherheit, IEC 61131-3 die SPS-Programmiersprachen.

Frage 9: Eine Signalüberschneidung im Funktionsdiagramm erkennt man daran, dass …

  • a) zwei Bewegungslinien sich kreuzen
  • b) ein Signal länger auf 1 steht, als der Ablauf es benötigt, und die nächste Bewegung stört
  • c) zwei Schritte gleich breit sind
  • d) die Zeitachse fehlt

Richtig: b)

Eine Signalüberschneidung liegt vor, wenn ein Signal zu lange ansteht und dadurch den folgenden, gegenläufigen Schritt behindert. Antwort a beschreibt nur ein optisches Kreuzen ohne logische Bedeutung. Antwort c ist im Weg-Schritt-Diagramm der Normalfall. Antwort d betrifft die Diagrammart, nicht die Signallogik.

Frage 10: Für welche Aufgabe ist das Weg-Zeit-Diagramm dem Weg-Schritt-Diagramm klar überlegen?

  • a) Schnelles Skizzieren der Reihenfolge von Hand
  • b) Festlegen der Bewegungsbezeichnungen
  • c) Darstellen der Schlauchverlegung
  • d) Prüfen, ob ein Zyklus eine vorgegebene Taktzeit einhält

Richtig: d)

Nur das Weg-Zeit-Diagramm bildet die Zeit maßstäblich ab und erlaubt damit die Prüfung von Taktzeiten. Antwort a ist eine Stärke des Weg-Schritt-Diagramms. Antwort b und c haben mit der Zeitdarstellung nichts zu tun.

Frage 11: In einem Weg-Schritt-Diagramm endet die Linie von Zylinder A in einer anderen Höhe, als sie begonnen hat. Was folgt daraus für den Zyklus?

  • a) Der Zyklus ist besonders schnell
  • b) Zylinder A ist defekt
  • c) Der Ablauf kehrt nicht in den Ausgangszustand zurück und ist so nicht wiederholbar
  • d) Es handelt sich um ein Weg-Zeit-Diagramm

Richtig: c)

Stimmen Anfangs- und Endhöhe nicht überein, ist die Anlage am Ende in einem anderen Zustand — der nächste Durchlauf würde von einer falschen Position starten. Antwort a betrifft die Geschwindigkeit (hier nicht ablesbar). Antwort b lässt sich nicht ableiten. Antwort d ändert nichts an der Aussage über den Zustand.

Frage 12: Welche Information liefert ein Funktionsdiagramm, die ein reiner Schaltplan nicht zeigt?

  • a) Welche Bauteile verbaut sind
  • b) In welcher zeitlichen bzw. logischen Reihenfolge sich die Arbeitsglieder bewegen
  • c) Wie die Bauteile verschaltet sind
  • d) Welche Schlauchdurchmesser verwendet werden

Richtig: b)

Das Funktionsdiagramm zeigt den Ablauf — wann sich was bewegt und wodurch es ausgelöst wird. Antwort a, c und d sind genau die Informationen, die der Schaltplan liefert, das Funktionsdiagramm aber nicht.

Glossar

Funktionsdiagramm
Grafische Darstellung des zeitlichen und logischen Ablaufs einer Steuerung; zeigt, welches Arbeitsglied wann in welchem Zustand ist.
Weg-Schritt-Diagramm
Funktionsdiagramm, bei dem die waagrechte Achse in gleich breite Schritte unterteilt ist; bildet die Reihenfolge der Bewegungen ab, nicht ihre Dauer.
Weg-Zeit-Diagramm
Funktionsdiagramm mit maßstäblicher Zeitachse; macht Bewegungsdauer, Geschwindigkeit und zeitliche Überschneidungen sichtbar.
Arbeitsglied
Das bewegte Bauteil einer Anlage, das die eigentliche Arbeit verrichtet, zum Beispiel ein Pneumatikzylinder.
Zustand
Die Stellung eines Arbeitsglieds, im Diagramm meist als 0 (eingefahren) oder 1 (ausgefahren) dargestellt.
Schritt
Abschnitt eines Ablaufs, in dem sich mindestens ein Arbeitsglied von einem Zustand in den anderen bewegt.
Signallinie
Linie im Funktionsdiagramm, die den Schaltzustand eines Signalgebers (Endschalter, Taster, Ventil) als 0 oder 1 darstellt.
Steuerkette
Logische Abfolge, in der ein Signal — meist ein Endlagensignal — die nächste Bewegung im Ablauf auslöst.
Verknüpfungspunkt
Stelle im Funktionsdiagramm, an der mehrere Signallinien zu einer UND- oder ODER-Bedingung zusammengeführt werden.
Signalüberschneidung
Zustand, in dem ein Signal länger ansteht als nötig und dadurch den nächsten, gegenläufigen Schritt im Ablauf behindert.
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