SI-Einheiten und Einheitenumrechnung
Eine Zahl allein sagt in der Technik fast nie etwas aus. „Der Motor zieht 5“ — fünf was? Ampere, Kilowatt, Newtonmeter? Erst die Einheit macht aus einer nackten Zahl eine brauchbare Information. Und genau hier passieren die teuersten Fehler in der Praxis: nicht beim Rechnen selbst, sondern beim Mischen oder falschen Umrechnen von Einheiten. Wer Millimeter und Meter durcheinanderbringt, bekommt ein Ergebnis, das um den Faktor 1000 danebenliegt — und merkt es im schlimmsten Fall erst, wenn das Bauteil schon gefertigt ist.
Dieser Beitrag zeigt, wie das SI-System aufgebaut ist, wie die Vorsätze von Pico bis Tera funktionieren und vor allem, wie man Einheiten sauber und systematisch umrechnet — auch bei kniffligen Fällen wie Geschwindigkeiten, Flächen oder Temperaturen.
Vorwissen
- Potenzen, Wurzeln, Logarithmen
- Gleichungen umstellen
- Bruch- und Prozentrechnung
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- eine physikalische Größe in ihre Bestandteile Zahlenwert und Einheit zerlegen und richtig anschreiben
- mit den SI-Vorsätzen von Pico bis Tera arbeiten und Werte in wissenschaftlicher Schreibweise lesen und schreiben
- einfache und zusammengesetzte Einheiten systematisch umrechnen, einschließlich Flächen, Volumina und Geschwindigkeiten
- Temperaturen zwischen Celsius und Kelvin korrekt umrechnen und den Unterschied zur Faktor-Umrechnung erklären
- Einheiten als Rechenkontrolle in Formeln einsetzen und erkennen, wann eine Formel eine vorgegebene Einsetzeinheit verlangt
1. Warum Einheiten überhaupt? – Größe, Zahlenwert und Einheit
Jede physikalische Größe setzt sich aus zwei Teilen zusammen: einem Zahlenwert und einer Einheit. Geschrieben wird das als Produkt:
Größe = Zahlenwert · Einheit
Ein Beispiel: Die Länge l = 5 mm besteht aus dem Zahlenwert 5 und der Einheit Millimeter. Die Einheit ist kein schmückendes Beiwerk, sondern Teil der Größe. Lässt man sie weg, ist die Zahl wertlos — „5“ könnte 5 Millimeter, 5 Meter oder 5 Kilometer bedeuten.
Damit weltweit jeder dasselbe meint, wenn er „ein Meter“ oder „ein Ampere“ sagt, gibt es ein einheitliches Maßsystem: das Internationale Einheitensystem, kurz SI (von französisch Système international d’unités). Es legt sieben Basiseinheiten fest, aus denen sich alle anderen Einheiten ableiten lassen. Die genaue Definition der Basisgrößen und wie das SI-System historisch und physikalisch aufgebaut ist, wird in einem eigenen Beitrag zu den physikalischen Größen und dem SI-System behandelt. Hier reicht uns: Es gibt sieben Basiseinheiten — darunter Meter, Kilogramm, Sekunde und Ampere — und aus diesen entstehen durch Kombination alle übrigen Einheiten, etwa das Newton oder das Watt.
Für den praktischen Umgang mit Einheiten kommt es weniger auf die Herkunft der Basiseinheiten an als auf zwei Fähigkeiten: die Vorsätze beherrschen und sauber umrechnen. Genau darum geht es in den folgenden Kapiteln.
Warum ist die Angabe „der Querschnitt beträgt 1,5“ für einen Elektriker unbrauchbar?
- a) Weil Querschnitte immer in ganzen Zahlen angegeben werden
- b) Weil ohne Einheit nicht klar ist, ob 1,5 mm², cm² oder etwas anderes gemeint ist
- c) Weil 1,5 ein zu kleiner Wert für einen Leiterquerschnitt ist
- d) Weil der Zahlenwert immer mit der Spannung kombiniert werden muss
Richtig: b)
Eine Größe besteht aus Zahlenwert und Einheit. Fehlt die Einheit, ist nicht entscheidbar, welche Größenordnung gemeint ist — 1,5 mm² und 1,5 cm² unterscheiden sich um den Faktor 100. Antwort a und c treffen keine Aussage über die Brauchbarkeit, d erfindet eine nicht existierende Regel.
Welche Aussage zum SI-System ist korrekt?
- a) Aus den sieben Basiseinheiten lassen sich alle übrigen Einheiten ableiten
- b) Jede SI-Einheit ist eine eigenständige Basiseinheit ohne Bezug zu anderen
- c) Das SI-System kennt nur die drei Einheiten Meter, Kilogramm und Sekunde
- d) Das SI-System gilt nur in der Forschung, nicht in der industriellen Praxis
Richtig: a)
Das SI-System builds auf sieben Basiseinheiten auf, aus denen alle abgeleiteten Einheiten zusammengesetzt werden. c nennt zu wenige, b widerspricht dem Ableitungsprinzip, d ist falsch — das SI gilt in Österreich verbindlich auch in der Industrie.
2. Vorsätze und Zehnerpotenzen – von Pico bis Tera
In der Technik schreibt man Werte selten in der reinen Basiseinheit. Niemand spricht von 0,000001 Farad, sondern von 1 Mikrofarad. Statt 15000 Ohm schreibt man 15 Kiloohm. Diese Abkürzungen entstehen durch Vorsätze (auch Präfixe genannt), die jeweils für eine bestimmte Zehnerpotenz stehen.
Eine Zehnerpotenz ist eine Schreibweise wie 10³ = 1000 oder 10⁻³ = 0,001. Statt viele Nullen zu schreiben, gibt man an, wie oft mit zehn multipliziert (positiver Exponent) oder durch zehn dividiert wird (negativer Exponent). Das nennt man auch wissenschaftliche Schreibweise: Eine Zahl wird als Produkt aus einer Zahl zwischen 1 und 10 und einer Zehnerpotenz geschrieben, also 15000 als 1,5 · 10⁴.
Die wichtigsten Vorsätze in der Mechatronik und Elektrotechnik:
| Vorsatz | Zeichen | Faktor | Zehnerpotenz |
|---|---|---|---|
| Tera | T | 1 000 000 000 000 | 10¹² |
| Giga | G | 1 000 000 000 | 10⁹ |
| Mega | M | 1 000 000 | 10⁶ |
| Kilo | k | 1 000 | 10³ |
| (keiner) | – | 1 | 10⁰ |
| Milli | m | 0,001 | 10⁻³ |
| Mikro | µ | 0,000 001 | 10⁻⁶ |
| Nano | n | 0,000 000 001 | 10⁻⁹ |
| Piko | p | 0,000 000 000 001 | 10⁻¹² |
Zwei Dinge sind beim Lesen wichtig. Erstens: Groß- und Kleinschreibung ist entscheidend. Ein großes M steht für Mega (Million), ein kleines m für Milli (Tausendstel) — zwischen MΩ und mΩ liegt der Faktor eine Milliarde. Zweitens: Das Kilogramm ist die einzige Basiseinheit, die bereits einen Vorsatz im Namen trägt. Vorsätze werden trotzdem an das Gramm gehängt, nicht an das Kilogramm — man schreibt Milligramm (mg), nicht Mikrokilogramm.
Wert in Basiseinheit = Zahlenwert · Zehnerpotenz des Vorsatzes
So wird aus 47 kΩ der Wert 47 · 10³ Ω = 47000 Ω, und aus 100 µF wird 100 · 10⁻⁶ F = 0,0001 F.
Gelöstes Beispiel
Ein Kondensator ist mit 0,000 022 F beschriftet. Gib den Wert mit passendem Vorsatz an.
Gegeben: C = 0,000 022 F
Gesucht: C mit passendem Vorsatz
Lösungsweg:
- Schritt 1 — In wissenschaftliche Schreibweise bringen:
0,000 022 F = 2,2 · 10⁻⁵ F - Schritt 2 — Passenden Vorsatz wählen:
10⁻⁵ liegt zwischen Milli (10⁻³) und Mikro (10⁻⁶). Mit Mikro (10⁻⁶) wird der Zahlenwert handlich:
2,2 · 10⁻⁵ F = 22 · 10⁻⁶ F = 22 µF
Ergebnis: C = 22 µF
Übungen
Schreibe 3300 Ω mit dem Vorsatz Kilo an.
3300 Ω = 3,3 kΩ
Wandle 0,047 A in Milliampere um.
0,047 A = 47 mA
Ein Leiter hat einen Widerstand von 2,2 MΩ. Wie viel Ohm sind das?
2,2 MΩ = 2,2 · 10⁶ Ω = 2 200 000 Ω
Gib 1 500 000 000 Hz mit passendem Vorsatz an.
1 500 000 000 Hz = 1,5 · 10⁹ Hz = 1,5 GHz
Eine Kapazität beträgt 680 pF. Drücke den Wert in Mikrofarad aus.
680 pF = 680 · 10⁻¹² F = 0,68 · 10⁻⁹ F = 0,00068 µF
Ein Datenblatt nennt einen Widerstand von 4,7 kΩ. Wie viele Ohm sind das?
- a) 47 Ω
- b) 470 Ω
- c) 4700 Ω
- d) 47000 Ω
Richtig: c)
Kilo steht for 10³, also 1000. 4,7 · 1000 Ω = 4700 Ω. Antwort a und b unterschätzen um den Faktor 100 bzw. 10, d überschätzt um den Faktor 10.
Worin unterscheiden sich die Angaben 5 MΩ und 5 mΩ?
- a) Sie sind gleich, nur unterschiedlich geschrieben
- b) 5 mΩ ist tausend Mal größer als 5 MΩ
- c) 5 MΩ ist eine Milliarde Mal größer als 5 mΩ
- d) Der Unterschied liegt nur in der Aussprache
Richtig: c)
Mega ist 10⁶, Milli ist 10⁻³. Der Unterschied beträgt 10⁶ geteilt durch 10⁻³ = 10⁹, also eine Milliarde. Das große M und das kleine m dürfen daher nie verwechselt werden.
Welche Schreibweise von 0,000 056 A ist korrekt?
- a) 56 mA
- b) 5,6 mA
- c) 0,56 µA
- d) 56 µA
Richtig: d)
0,000 056 A = 5,6 · 10⁻⁵ A = 56 · 10⁻⁶ A = 56 µA. Antwort a und b setzen Milli statt Mikro an (Faktor 1000 zu groß), c liegt um den Faktor 100 daneben.
3. Einheiten umrechnen – das Verfahren
Umrechnen heißt: denselben physikalischen Wert in einer anderen Einheit ausdrücken, ohne ihn zu verändern. 1 Meter und 1000 Millimeter sind dieselbe Länge — nur anders angeschrieben.
Einfache Einheiten über die Zehnerpotenz
Bei einfachen Einheiten verschiebt sich beim Umrechnen nur das Komma. Geht man von einer kleineren zu einer größeren Einheit (mm nach m), wird der Zahlenwert kleiner. Umgekehrt (m nach mm) wird er größer.
Wert in Zieleinheit = Wert in Ausgangseinheit · Umrechnungsfaktor
Beispiel: 2500 mm in Meter. Da 1 m = 1000 mm, gilt 2500 mm = 2500 / 1000 m = 2,5 m.
Ein verlässlicher Trick ist das Erweitern mit Eins: Man multipliziert den Wert mit einem Bruch, der oben und unten denselben physikalischen Wert in verschiedenen Einheiten trägt. So ein Bruch hat den Wert 1 und verändert die Größe nicht, nur ihre Einheit:
2500 mm · (1 m / 1000 mm) = 2,5 m
Die Einheit mm kürzt sich weg, übrig bleibt m. Dieser Faktor-Trick ist besonders bei zusammengesetzten Einheiten hilfreich, weil man sich nie verrechnet, solange sich die richtigen Einheiten wegkürzen.
Flächen und Volumina – der Faktor wird potenziert
Hier passiert der häufigste Denkfehler. Bei Flächen rechnet man mit dem Quadrat des Längenfaktors, bei Volumina mit der dritten Potenz.
1 m = 10 dm → 1 m² = (10 dm)² = 100 dm²
1 m = 10 dm → 1 m³ = (10 dm)³ = 1000 dm³
Anschaulich wird das so: Stell dir ein Quadrat von 1 m mal 1 m vor. Teilst du jede Kante in Streifen von 1 dm (also 10 cm), entsteht ein Raster aus 10 mal 10 = 100 kleinen Quadraten, jedes 1 dm². Deshalb passen in einen Quadratmeter 100 Quadratdezimeter, nicht nur zehn. Beim Volumen kommt die dritte Kante dazu: 10 mal 10 mal 10 = 1000 kleine Würfel von je 1 dm³.
Wer ein Volumen von Kubikdezimeter in Liter umrechnen will, hat es leicht: 1 dm³ = 1 Liter, das ist exakt gleich.
Geschwindigkeiten – km/h und m/s
Eine zusammengesetzte Einheit wie km/h enthält zwei Umrechnungen gleichzeitig: Kilometer in Meter und Stunden in Sekunden.
1 km/h = 1000 m / 3600 s = 1 / 3,6 m/s
Daraus folgt die in der Praxis ständig gebrauchte Faustregel: Von km/h auf m/s teilt man durch 3,6, von m/s auf km/h multipliziert man mit 3,6.
Temperaturen – der Sonderfall mit Offset
Temperaturen sind anders. Celsius und Kelvin haben zwar dieselbe Schrittweite — eine Änderung um 1 °C ist gleich groß wie eine Änderung um 1 K —, aber ihre Nullpunkte liegen verschoben. Der Nullpunkt der Kelvin-Skala (der absolute Nullpunkt) liegt bei −273,15 °C. Deshalb rechnet man nicht mit einem Faktor, sondern mit einem additiven Offset:
T = t + 273,15
- T … Temperatur in Kelvin (K)
- t … Temperatur in Grad Celsius (°C)
Umgekehrt:
t = T − 273,15
- t … Temperatur in Grad Celsius (°C)
- T … Temperatur in Kelvin (K)
Wer hier versucht, mit einem Faktor zu rechnen, bekommt unsinnige Ergebnisse. 20 °C sind nicht etwa „das 20-fache von irgendetwas“ in Kelvin, sondern 20 + 273,15 = 293,15 K.
Gelöstes Beispiel
Ein Förderband transportiert ein Werkstück mit 72 km/h. Wie schnell ist das in Meter pro Sekunde?
Gegeben: v = 72 km/h
Gesucht: v in m/s
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Faustregel anwenden:
Von km/h auf m/s wird durch 3,6 geteilt. - Schritt 2 — Einsetzen:
v = 72 / 3,6 m/s = 20 m/s
Ergebnis: v = 20 m/s
Übungen
Rechne 90 km/h in m/s um.
90 / 3,6 = 25 m/s
Wandle 5 m³ in Liter um.
1 m³ = 1000 dm³ = 1000 l, also 5 m³ = 5000 l
Eine Maschine soll bei 80 °C betrieben werden. Wie viel Kelvin sind das?
80 + 273,15 = 353,15 K
Eine Fläche von 0,75 m² ist in cm² anzugeben.
1 m² = 10000 cm², also 0,75 · 10000 = 7500 cm²
Ein Sensor meldet 310,15 K. Rechne in Grad Celsius um und gib zusätzlich die Geschwindigkeit 15 m/s in km/h an.
310,15 − 273,15 = 37 °C; 15 · 3,6 = 54 km/h
Ein Lüfter dreht ein Werkstück mit 54 km/h Bandgeschwindigkeit. Welcher Wert in m/s stimmt?
- a) 15 m/s
- b) 194,4 m/s
- c) 54 m/s
- d) 150 m/s
Richtig: a)
54 km/h geteilt durch 3,6 ergibt 15 m/s. Antwort b multipliziert fälschlich mit 3,6, c lässt die Umrechnung weg, d verschiebt das Komma falsch.
Warum darf man 25 °C nicht durch Multiplikation in Kelvin umrechnen?
- a) Weil Celsius und Kelvin verschiedene Schrittweiten haben
- b) Weil die beiden Skalen denselben Nullpunkt, aber verschiedene Faktoren haben
- c) Weil die Nullpunkte der Skalen um 273,15 gegeneinander verschoben sind
- d) Weil Kelvin keine negativen Werte zulässt und Celsius schon
Richtig: c)
Die Schrittweite ist bei beiden gleich (1 °C = 1 K), aber der Nullpunkt liegt verschoben — deshalb addiert man 273,15. Antwort a ist sachlich falsch, b widerspricht sich selbst, d nennt zwar eine richtige Eigenschaft, erklärt aber nicht die Umrechnung.
Eine quadratische Platte hat 3 m Kantenlänge. Wie groß ist die Fläche in dm²?
- a) 9 dm²
- b) 90 dm²
- c) 9000 dm²
- d) 900 dm²
Richtig: d)
3 m = 30 dm, also Fläche = 30 dm · 30 dm = 900 dm². Alternativ: 9 m² · 100 = 900 dm². Antwort a vergisst die Umrechnung, b und c verschieben das Komma falsch.
Welche Umrechnung von 2,5 dm³ in Liter ist korrekt?
- a) 0,25 l
- b) 2,5 l
- c) 25 l
- d) 250 l
Richtig: b)
1 dm³ entspricht exakt 1 Liter, daher sind 2,5 dm³ gleich 2,5 l. Die anderen Antworten verschieben das Komma ohne Grund.
4. Einheiten in Formeln – Kontrolle und Praxisfehler
Einheiten sind nicht nur Beiwerk, sie sind ein Werkzeug zur Fehlersuche. Beim Rechnen mit Größen rechnet man die Einheiten genauso mit wie die Zahlen. Das Ergebnis ist nur dann plausibel, wenn am Ende die erwartete Einheit herauskommt.
Ein Beispiel mit dem Ohmschen Gesetz:
U = R · I
- U … Spannung in Volt (V)
- R … Widerstand in Ohm (Ω)
- I … Strom in Ampere (A)
Setzt man die Einheiten ein, muss Ω · A = V ergeben. Tut es das nicht, stimmt etwas mit der Formel oder den eingesetzten Werten nicht. Diese Einheitenkontrolle fängt einen großen Teil der Rechenfehler ab, bevor sie Schaden anrichten.
Die wichtigste Regel davor: Vor dem Einsetzen alle Werte auf zusammenpassende Einheiten bringen. Mischt man Millimeter und Meter in derselben Formel, kommt Unsinn heraus. Wer einen Querschnitt in mm² und eine Länge in m in dieselbe Formel steckt, ohne umzurechnen, landet schnell um Zehnerpotenzen daneben.
Achtung: Zahlenwertgleichungen
Es gibt eine wichtige Ausnahme von der Einheitenkontrolle: Zahlenwertgleichungen (auch empirische Formeln genannt). Bei ihnen kürzen sich die Einheiten nicht sauber weg. Stattdessen schreibt die Formel vor, in welcher Einheit jeder Wert einzusetzen ist — etwa „Länge immer in Millimeter“ oder „Leistung immer in Kilowatt“. In das Ergebnis steckt dann ein fester Zahlenfaktor, der diese Einheiten bereits berücksichtigt.
Solche Formeln tauchen in der Praxis häufig auf, etwa bei überschlägigen Auslegungen oder in Normtabellen. Erkennbar sind sie oft daran, dass in der Formelbeschreibung ausdrücklich steht, welche Einheit einzusetzen ist. Hier hilft die klassische Einheitenkontrolle nicht weiter — man muss die Werte genau in der vorgeschriebenen Einheit einsetzen und das Ergebnis in der angegebenen Einheit ablesen. Wer das nicht weiß, wundert sich, warum „die Einheiten nicht aufgehen“, und sucht den Fehler an der falschen Stelle.
An einem Widerstand fallen bei 0,5 A ein Strom und 230 Ω an. Welche Spannung ergibt sich, und welche Rolle spielt die Einheitenkontrolle?
- a) 115 V, weil Ω · A genau V ergibt
- b) 460 V, die Einheiten spielen keine Rolle
- c) 115 mV, weil das Ergebnis in Milli umzurechnen ist
- d) Die Aufgabe ist nicht lösbar, weil Einheiten fehlen
Richtig: a)
U = R · I = 230 Ω · 0,5 A = 115 V. Die Einheitenkontrolle bestätigt: Ω · A = V. Antwort b verdoppelt fälschlich, c erfindet eine Umrechnung, d ist falsch, da alle Größen mit Einheit gegeben sind.
Eine Formel verlangt laut Beschreibung, die Länge in Millimeter einzusetzen, und liefert das Ergebnis in Newton. Wie geht man vor?
- a) Die Länge in Meter einsetzen, weil das die SI-Basiseinheit ist
- b) Die Länge in Millimeter einsetzen, wie vorgeschrieben
- c) Die Einheiten kürzen sich ohnehin, die Eingabeeinheit ist egal
- d) Zuerst das Ergebnis berechnen, dann die Einheit frei wählen
Richtig: b)
Es handelt sich um eine Zahlenwertgleichung mit vorgegebener Einsetzeinheit. Die Länge muss in der geforderten Einheit (mm) eingesetzt werden, sonst stimmt das Ergebnis nicht. Antwort a, c und d ignorieren die Vorschrift der empirischen Formel.
Warum führt das Mischen von kW und W in einer Formel zu Fehlern?
- a) Weil kW und W unterschiedliche physikalische Größen sind
- b) Weil sich die beiden Einheiten nie verrechnen lassen
- c) Weil zwischen kW und W der Faktor 1000 liegt und so das Ergebnis um diesen Faktor verfälscht wird
- d) Weil W in der Technik nicht verwendet werden darf
Richtig: c)
kW und W sind dieselbe Größe (Leistung), unterscheiden sich aber um den Faktor 1000. Werden sie ungeprüft gemischt, ist das Ergebnis um diesen Faktor falsch. Antwort a ist sachlich falsch, b und d ebenfalls.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Widerstand ist mit 0,68 MΩ angegeben. Drücke den Wert in Ohm und in Kiloohm aus.
Gegeben: R = 0,68 MΩ
Gesucht: R in Ω und in kΩ
Lösungsweg:
0,68 MΩ = 0,68 · 10⁶ Ω = 680 000 Ω; in kΩ: 680 000 / 1000 = 680 kΩ
Ergebnis: R = 680 000 Ω = 680 kΩ
Aufgabe 2: Ein Kondensator hat 0,000 000 33 F. Gib den Wert mit passendem Vorsatz an.
Gegeben: C = 0,000 000 33 F
Gesucht: C mit Vorsatz
Lösungsweg:
0,000 000 33 F = 3,3 · 10⁻⁷ F = 330 · 10⁻⁹ F
Ergebnis: C = 330 nF
Aufgabe 3: Ein Fahrzeug fährt 108 km/h. Wie schnell ist das in m/s?
Gegeben: v = 108 km/h
Gesucht: v in m/s
Lösungsweg:
v = 108 / 3,6 m/s
Ergebnis: v = 30 m/s
Aufgabe 4: Ein Linearantrieb verfährt mit 0,8 m/s. Rechne in km/h um.
Gegeben: v = 0,8 m/s
Gesucht: v in km/h
Lösungsweg:
v = 0,8 · 3,6 km/h
Ergebnis: v = 2,88 km/h
Aufgabe 5: Eine rechteckige Blechtafel misst 1,5 m mal 0,8 m. Gib die Fläche in m² und in cm² an.
Gegeben: a = 1,5 m, b = 0,8 m
Gesucht: A in m² und cm²
Lösungsweg:
A = 1,5 · 0,8 = 1,2 m²; 1 m² = 10000 cm², also 1,2 · 10000 = 12000 cm²
Ergebnis: A = 1,2 m² = 12 000 cm²
Aufgabe 6: Ein Behälter fasst 25 dm³. Wie viel Liter und wie viel m³ sind das?
Gegeben: V = 25 dm³
Gesucht: V in l und m³
Lösungsweg:
1 dm³ = 1 l, also 25 dm³ = 25 l; 1 m³ = 1000 dm³, also 25 / 1000 = 0,025 m³
Ergebnis: V = 25 l = 0,025 m³
Aufgabe 7: Eine Heizung soll auf 65 °C geregelt werden. Gib den Sollwert in Kelvin an.
Gegeben: t = 65 °C
Gesucht: T in K
Lösungsweg:
T = 65 + 273,15
Ergebnis: T = 338,15 K
Aufgabe 8: Ein PT100-Sensor meldet 250,15 K. Rechne in Grad Celsius um.
Gegeben: T = 250,15 K
Gesucht: t in °C
Lösungsweg:
t = 250,15 − 273,15
Ergebnis: t = −23 °C
Welche der folgenden Angaben ist die größte Spannung?
- a) 0,9 kV
- b) 950 V
- c) 90 000 mV
- d) 0,8 kV
Richtig: b)
0,9 kV = 900 V; 950 V; 90 000 mV = 90 V; 0,8 kV = 800 V. Der größte Wert ist 950 V. Die anderen Werte sind kleiner, c liegt durch den Milli-Vorsatz sogar weit darunter.
Ein Strom von 0,025 A entspricht wie vielen Milliampere?
- a) 25 mA
- b) 2,5 mA
- c) 0,000 025 mA
- d) 250 mA
Richtig: a)
1 A = 1000 mA, also 0,025 · 1000 = 25 mA. Antwort c verwechselt die Richtung, b und d verschieben das Komma falsch.
Welche Aussage zur Umrechnung von Flächen ist richtig?
- a) Der Längenfaktor wird unverändert übernommen
- b) Der Längenfaktor wird mit drei potenziert
- c) Der Längenfaktor wird quadriert
- d) Flächen können nicht umgerechnet werden
Richtig: c)
Bei Flächen wird der Längenfaktor quadriert (1 m = 10 dm → 1 m² = 100 dm²). Antwort a unterschlägt das, b gilt für Volumina, d ist falsch.
Ein Motor liefert 2,2 kW. Eine Formel verlangt die Leistung in Watt. Welcher Wert ist einzusetzen?
- a) 2,2 W
- b) 22 W
- c) 220 W
- d) 2200 W
Richtig: d)
2,2 kW = 2,2 · 1000 W = 2200 W. Die übrigen Antworten verschieben das Komma falsch und würden zu einer groben Fehlrechnung führen.
Warum ist die Einheitenkontrolle in Formeln nützlich?
- a) Sie ersetzt die eigentliche Rechnung vollständig
- b) Sie funktioniert nur bei elektrischen Größen
- c) Sie ist nur in der Theorie, nicht in der Praxis sinnvoll
- d) Sie zeigt durch eine falsche Ergebnis-Einheit, dass ein Fehler vorliegt
Richtig: d)
Kommt am Ende nicht die erwartete Einheit heraus, liegt ein Fehler in Formel oder Werten vor. Die Kontrolle ersetzt das Rechnen nicht (a), ist sehr praxisnah (c falsch) und gilt für alle Größen (b falsch).
Eine Bandgeschwindigkeit von 18 km/h soll in m/s eingesetzt werden. Welcher Wert stimmt?
- a) 5 m/s
- b) 50 m/s
- c) 64,8 m/s
- d) 0,5 m/s
Richtig: a)
18 / 3,6 = 5 m/s. Antwort c multipliziert fälschlich mit 3,6, b und d verschieben das Komma.
Ein Datenblatt gibt eine Kapazität von 4700 µF an. Wie viel Farad sind das?
- a) 0,0047 F
- b) 0,47 F
- c) 4,7 F
- d) 0,000 047 F
Richtig: a)
4700 µF = 4700 · 10⁻⁶ F = 4,7 · 10⁻³ F = 0,0047 F. Die anderen Antworten liegen um Zehnerpotenzen daneben.
Welche Umrechnung einer Temperatur ist korrekt?
- a) 0 °C = 273,15 K
- b) 100 °C = 100 K
- c) 0 °C = 0 K
- d) 100 °C = 273,15 K
Richtig: a)
T = t + 273,15, also 0 °C = 273,15 K. Antwort c und b ignorieren den Offset, d setzt den falschen Celsius-Wert ein.
Welche Größe ist KEINE reine Faktor-Umrechnung, sondern verlangt einen Offset?
- a) Länge mm in m
- b) Geschwindigkeit km/h in m/s
- c) Fläche m² in cm²
- d) Temperatur °C in K
Richtig: d)
Nur die Temperatur zwischen Celsius und Kelvin wird über einen additiven Offset (273,15) umgerechnet. Alle anderen genannten Umrechnungen laufen über einen reinen Faktor.
Ein Volumen von 0,5 m³ soll in Liter angegeben werden. Welcher Wert stimmt?
- a) 5 l
- b) 50 l
- c) 5000 l
- d) 500 l
Richtig: d)
1 m³ = 1000 dm³ = 1000 l, also 0,5 · 1000 = 500 l. Die anderen Antworten verschieben das Komma um eine oder mehrere Stellen.
Warum trägt das Kilogramm eine Sonderrolle bei den Vorsätzen?
- a) Weil es die einzige Basiseinheit ist, die keinen Vorsatz erlaubt
- b) Weil es als einzige Basiseinheit bereits einen Vorsatz im Namen trägt
- c) Weil es gar keine SI-Basiseinheit ist
- d) Weil Masse nicht umgerechnet werden kann
Richtig: b)
Das Kilogramm ist die einzige Basiseinheit mit einem Vorsatz (Kilo) im Namen. Vorsätze werden trotzdem an das Gramm gehängt. Antwort a und c sind sachlich falsch, d ebenfalls.
Welche Schreibweise von 1 200 000 Ω ist korrekt?
- a) 1,2 kΩ
- b) 1,2 MΩ
- c) 12 MΩ
- d) 1200 MΩ
Richtig: b)
1 200 000 Ω = 1,2 · 10⁶ Ω = 1,2 MΩ. Antwort a setzt Kilo statt Mega (Faktor 1000 zu klein), c und d verschieben das Komma.
Glossar
- Physikalische Größe
- Eine messbare Eigenschaft, angegeben als Produkt aus Zahlenwert und Einheit (z. B. 5 mm).
- SI-System
- Das international gültige Einheitensystem mit sieben Basiseinheiten, aus denen alle weiteren Einheiten abgeleitet werden.
- Basiseinheit
- Eine der sieben Grundeinheiten des SI-Systems, etwa Meter, Kilogramm, Sekunde oder Ampere.
- Abgeleitete Einheit
- Eine aus Basiseinheiten zusammengesetzte Einheit, zum Beispiel das Newton (kg·m/s²) oder das Watt (J/s).
- Vorsatz
- Ein dem Einheitenzeichen vorangestelltes Präfix, das für eine Zehnerpotenz steht (k = 10³, m = 10⁻³).
- Zehnerpotenz
- Schreibweise wie 10³ oder 10⁻⁶, die angibt, wie oft mit zehn multipliziert oder dividiert wird.
- Wissenschaftliche Schreibweise
- Darstellung einer Zahl als Produkt aus einem Wert zwischen 1 und 10 und einer Zehnerpotenz.
- Einheitenkontrolle
- Das Mitrechnen der Einheiten in einer Formel, um über die Ergebnis-Einheit Rechenfehler zu erkennen.
- Zahlenwertgleichung
- Eine empirische Formel, bei der Werte in fest vorgegebenen Einheiten eingesetzt werden müssen und die Einheiten sich nicht sauber wegkürzen.
- Offset
- Ein additiver Korrekturwert bei der Umrechnung, etwa die 273,15 zwischen Grad Celsius und Kelvin.
