Feldbus-Grundlagen
In einer machine stecken schnell hunderte Sensoren und Aktoren. Früher bekam jeder davon seine eigene Leitung zur Steuerung — ein Kabelbaum, der mit jeder Erweiterung dicker und unübersichtlicher wurde. Der Feldbus dreht dieses Prinzip um: statt vieler einzelner Adern eine gemeinsame digitale Leitung, an der alle Teilnehmer hängen. Dieser Beitrag erklärt, warum das nötig wurde, wie ein Bus prinzipiell aufgebaut ist, wie die Daten darüber laufen und nach welchen Kriterien man in der Praxis einen Feldbus auswählt.
Vorwissen
- Analoge und digitale Signale
- Serielle Schnittstellen (RS232, RS485)
- Was ist eine SPS? Aufbau und Funktion
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- erklären, welches Verdrahtungsproblem ein Feldbus löst und worin der Unterschied zur klassischen Parallelverdrahtung liegt
- die gängigen Bustopologien benennen und ihre Vor- und Nachteile gegenüberstellen
- begründen, warum ein Bus terminiert werden muss und was bei fehlendem Busabschluss passiert
- die wichtigsten Buszugriffsverfahren unterscheiden und den groben Aufbau eines Telegramms beschreiben
- die Übertragungsdauer und eine grobe Zykluszeit für ein Bussegment abschätzen
- einen Feldbus anhand praktischer Kriterien für eine Anwendung einordnen
1. Vom Parallelkabel zum Bus
Stell dir eine Förderanlage mit fünfzig Sensoren und dreißig Ventilen vor. In der klassischen Verdrahtung führt von jedem dieser Geräte mindestens eine Ader zurück in den Schaltschrank — bei digitalen Signalen je Gerät eine Signalleitung plus gemeinsamer Rückleiter, bei manchen mehr. Das ergibt dicke Kabelbäume, lange Verdrahtungszeiten und eine Klemmenflut im Schrank. Kommt ein Gerät dazu, muss eine neue Leitung bis zur Steuerung gezogen werden.
Diese Art der Verkabelung nennt man Parallelverdrahtung oder sternförmige Verdrahtung: jeder Teilnehmer hat seine eigene, direkte Verbindung zur zentralen Steuerung. Sie ist einfach zu verstehen, skaliert aber schlecht. Material, Montagezeit und Fehlersuche wachsen ungefähr mit der Zahl der Geräte.
Der Feldbus verfolgt eine andere Idee. Alle Teilnehmer hängen an einer gemeinsamen Leitung und tauschen ihre Informationen digital aus — nicht mehr als Einzelsignal pro Ader, sondern als Datenpakete, die nacheinander über dieselbe Leitung geschickt werden. Damit jeder Teilnehmer weiß, welche Daten für ihn bestimmt sind, bekommt jedes Gerät eine eindeutige Adresse. Die Steuerung spricht die Teilnehmer über diese Adresse an, statt über eine physische Leitung.
Ein paar Begriffe, die im weiteren Verlauf gebraucht werden:
- Feldebene — die unterste Ebene der Automatisierung, dort wo Sensoren und Aktoren direkt am Prozess sitzen. Daher der Name „Feldbus“: der Bus, der bis ins Feld reicht.
- Feldgerät — ein Sensor, Aktor oder eine andere Komponente, die am Bus hängt.
- Busteilnehmer — jedes Gerät mit eigener Adresse, das am Bus Daten sendet oder empfängt.
Eine Anlage wird von Parallelverdrahtung auf einen Feldbus umgestellt. Welcher Effekt ist dabei am ehesten zu erwarten?
- a) Der Verdrahtungsaufwand steigt mit jedem zusätzlichen Gerät stärker als vorher
- b) Die Zahl der einzelnen Leitungen zur Steuerung siegt deutlich
- c) Jeder Sensor benötigt zusätzlich eine eigene Analogleitung
- d) Die Steuerung kann die Teilnehmer nicht mehr unterscheiden
Richtig: b)
Der zentrale Vorteil des Busses ist, dass viele Teilnehmer eine gemeinsame Leitung nutzen, statt jeweils eine eigene zur Steuerung zu ziehen. a beschreibt das Verhalten der Parallelverdrahtung, nicht des Busses. c ist falsch, weil digitale Busteilnehmer gerade keine eigene Analogleitung brauchen. d ist falsch, weil die Unterscheidung über die Adresse weiterhin sauber funktioniert.
Was bedeutet der Begriff „Feldebene“ im Zusammenhang mit dem Feldbus?
- a) Die Ebene der übergeordneten Betriebsleittechnik
- b) Die Verkabelungsebene zwischen zwei Schaltschränken
- c) Die Softwareebene der Visualisierung
- d) Die unterste Automatisierungsebene mit Sensoren und Aktoren am Prozess
Richtig: d)
Die Feldebene ist dort, wo die Geräte direkt am physikalischen Prozess sitzen. Der Feldbus reicht bis in diese Ebene hinunter, daher der Name. a ist eine höhere Leitebene, c ist eine reine Softwareschicht, b beschreibt nur eine Verbindungsstrecke ohne den Bezug zum Prozess.
2. Aufbau und Topologien eines Feldbusses
Wie die Teilnehmer räumlich an den Bus angeschlossen werden, beschreibt die Topologie. Die wichtigsten Formen:
- Linie (Bus-Topologie) — ein durchgehender Leitungsstrang, von dem die Teilnehmer abzweigen. Einfach, materialsparend, leicht erweiterbar. Eine Unterbrechung des Strangs trennt aber alles dahinter ab.
- Stern — alle Teilnehmer laufen über einen zentralen Punkt (etwa einen Sternkoppler). Eine gestörte Stichleitung betrifft nur einen Teilnehmer, dafür ist der zentrale Punkt ein Engpass.
- Ring — die Leitung ist zu einem geschlossenen Kreis verbunden. Bei geeigneter Auslegung kann der Ring eine Leitungsunterbrechung verkraften, weil von beiden Seiten gesendet werden kann.
- Baum — eine Mischung: Hauptstrang mit verzweigten Ästen. Häufig bei größeren, räumlich verteilten Anlagen.
In der Feldbustechnik ist die Linie die häufigste Grundform. Von der durchgehenden Busleitung führen kurze Abzweigungen, sogenannte Stichleitungen, zu den einzelnen Geräten.
Warum ein Bus terminiert werden muss
Eine Busleitung darf an ihren beiden Enden nicht einfach offen aufhören. An einem offenen Leitungsende wird ein ankommendes Signal reflektiert — ein Teil der Energie läuft als Echo zurück über die Leitung. Diese reflektierten Anteile überlagern sich mit den eigentlichen Datensignalen und verfälschen sie. Bei höheren Übertragungsraten und längeren Leitungen reicht das aus, um einzelne Bits unlesbar zu machen.
Um das zu verhindern, wird die Leitung an beiden Enden mit einem Abschlusswiderstand (Terminierung) versehen, dessen Wert auf den Wellenwiderstand der Leitung abgestimmt ist. Die Leitung „sieht“ damit am Ende denselben Widerstand wie unterwegs — das Signal wird sauber aufgenommen statt zurückgeworfen.
- Wellenwiderstand – die für eine Leitung charakteristische Größe, die beschreibt, mit welchem Widerstand sich eine Signalwelle auf der Leitung ausbreitet. Stimmt der Abschluss damit überein, gibt es keine Reflexion.
Master-Slave und Multi-Master
Damit nicht mehrere Teilnehmer gleichzeitig auf die gemeinsame Leitung schreiben und sich gegenseitig stören, braucht ein Bus eine Regel, wer wann senden darf. Zwei Grundprinzipien:
- Master-Slave — ein Teilnehmer (der Master, meist die Steuerung) hat die Kontrolle und fragt die anderen Teilnehmer (Slaves) nacheinander ab. Ein Slave sendet nur, wenn er gefragt wird. Einfach und vorhersehbar.
- Multi-Master — mehrere Teilnehmer dürfen aktiv senden. Das erfordert ein Verfahren, das regelt, wer bei gleichzeitigem Sendewunsch Vorrang hat.
Ein zusammenhängender Abschnitt eines Busses mit einer bestimmten maximalen Teilnehmerzahl heißt Segment. Größere Anlagen werden über Koppelglieder aus mehreren Segmenten aufgebaut.
Bei einem längeren Bussegment treten unter Volllast sporadische Kommunikationsfehler auf, bei kurzem Probeaufbau lief alles. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?
- a) Fehlende oder falsche Terminierung führt zu Signalreflexionen
- b) Die Teilnehmeradressen sind doppelt vergeben
- c) Die Versorgungsspannung ist generell zu niedrig
- d) Der Master ist defekt
Richtig: a)
Reflexionen an nicht korrekt abgeschlossenen Leitungsenden machen sich typischerweise erst bei längerer Leitung und höherer Auslastung als sporadische Fehler bemerkbar — beim kurzen Aufbau bleiben sie oft unbemerkt. b würde sich von Anfang an und reproduzierbar zeigen, nicht lastabhängig. c und d würden den Bus eher dauerhaft und nicht sporadisch lahmlegen.
Worin liegt der wesentliche Unterschied zwischen Master-Slave- und Multi-Master-Betrieb?
- a) Master-Slave erlaubt mehreren Teilnehmern gleichzeitig aktiv zu senden
- b) Bei Master-Slave sendet ein Slave nur nach Aufforderung, bei Multi-Master dürfen mehrere Teilnehmer von sich aus senden
- c) Multi-Master kommt grundsätzlich ohne Adressen aus
- d) Master-Slave funktioniert nur in Ringtopologie
Richtig: b)
Im Master-Slave-Betrieb hat ein Teilnehmer die Kontrolle und fragt die übrigen ab; ein Slave bleibt passiv, bis er gefragt wird. a verdreht die Begriffe. c ist falsch, weil Adressen in beiden Verfahren gebraucht werden. d ist falsch, weil Master-Slave topologieunabhängig ist und gerade häufig in der Linie eingesetzt wird.
Warum wird der Abschlusswiderstand auf den Wellenwiderstand der Leitung abgestimmt?
- a) Damit der Bus weniger Strom verbraucht
- b) Damit die Teilnehmer eindeutige Adressen erhalten
- c) Damit die Übertragungsrate automatisch steigt
- d) Damit die Leitung am Ende denselben Widerstand „sieht“ wie unterwegs und das Signal nicht reflektiert wird
Richtig: d)
Eine Reflexion entsteht, wenn das Leitungsende einen anderen Widerstand aufweist als die Leitung selbst. Ein auf den Wellenwiderstand abgestimmter Abschluss vermeidet diesen Sprung. a ist allenfalls ein Nebeneffekt und nicht der Zweck. b betrifft die Adressierung, nicht die Terminierung. c ist falsch — die Übertragungsrate hängt nicht am Abschlusswiderstand.
3. Wie Daten über den Bus laufen
Über die gemeinsame Leitung läuft immer nur ein Datenpaket zur Zeit. Ein solches Paket heißt Telegramm (auch Frame). Es enthält nicht nur die eigentlichen Nutzdaten, sondern auch Verwaltungsinformationen, damit Sender und Empfänger sich verstehen.
Grob besteht ein Telegramm aus:
- Adressfeld — wer ist Empfänger, von wem kommt das Telegramm?
- Nutzdaten — die eigentliche Information, etwa ein Sensorwert oder ein Stellbefehl.
- Prüfsumme — ein aus den Daten berechneter Wert, mit dem der Empfänger Übertragungsfehler erkennt.
Dazu kommen meist Start- und Endkennungen, die das Telegramm auf der Leitung abgrenzen. Adressfeld, Prüfsumme und Kennungen sind Overhead: notwendige Zusatzbits, die zwar übertragen werden, aber keine Nutzinformation tragen.
Wer darf wann senden?
Damit auf der gemeinsamen Leitung kein Durcheinander entsteht, regelt ein Buszugriffsverfahren, welcher Teilnehmer gerade senden darf. Die gebräuchlichen Verfahren:
- Polling (Master-Slave) — der Master fragt jeden Slave der Reihe nach ab. Der Ablauf ist streng vorhersehbar, weil immer dieselbe Reihenfolge durchlaufen wird.
- Token-Passing — ein „Senderecht“ (Token) wird von Teilnehmer zu Teilnehmer weitergereicht. Nur wer das Token besitzt, darf senden. Auch dieses Verfahren ist gut planbar.
- CSMA — die Teilnehmer hören die Leitung ab und senden, wenn sie frei ist. Senden zwei gleichzeitig, gibt es eine Kollision, die erkannt und aufgelöst wird. Flexibel, aber weniger streng vorhersehbar.
Ob der zeitliche Ablauf garantiert eingehalten wird, beschreibt der Determinismus eines Busses. Ein deterministischer Bus liefert eine Antwort innerhalb einer fest zugesicherten Zeit — wichtig überall dort, wo eine Steuerung sich auf pünktliche Daten verlassen muss.
Übertragungsdauer und Zykluszeit
Wie schnell Daten über den Bus laufen, hängt von der Übertragungsrate ab, angegeben in Bit pro Sekunde. Die Zeit für ein einzelnes Bit ist der Kehrwert der Übertragungsrate:
t_Bit = 1 / v
- t_Bit … Dauer eines Bits in Sekunden
- v … Übertragungsrate in Bit/s
Die Dauer für ein ganzes Telegramm ergibt sich aus der Gesamtzahl der Bits — Nutzdaten plus Overhead — geteilt durch die Übertragungsrate:
t_Tel = (n_nutz + n_over) / v
- t_Tel … Dauer eines Telegramms in Sekunden
- n_nutz … Nutzdaten-Bits je Telegramm
- n_over … Overhead-Bits je Telegramm
- v … Übertragungsrate in Bit/s
Wenn ein Master in einem Buszyklus jeden Teilnehmer einmal abfragt, durchläuft er so viele Telegramme, wie es Teilnehmer gibt. Eine grobe Abschätzung der Zykluszeit — der Zeit, bis alle Teilnehmer einmal bedient wurden — ist daher:
t_Zyklus = z * t_Tel
- t_Zyklus … Zeit für einen vollen Buszyklus in Sekunden
- z … Anzahl der Teilnehmer
- t_Tel … Dauer eines Telegramms in Sekunden
Das ist eine vereinfachte Rechnung: in der Realität kommen noch Reaktionszeiten der Geräte, Pausen zwischen Telegrammen und protokollabhängige Details hinzu. Für ein Gefühl, wie Teilnehmerzahl, Datenmenge und Übertragungsrate zusammenspielen, reicht sie aber gut.
Gelöstes Beispiel
Ein Master fragt 16 Teilnehmer ab. Jedes Telegramm trägt 64 Nutzdaten-Bits und 48 Overhead-Bits. Die Übertragungsrate beträgt 500 kBit/s. Wie lange dauert ein voller Buszyklus näherungsweise?
Gegeben: v = 500 kBit/s = 500 000 Bit/s, n_nutz = 64 Bit, n_over = 48 Bit, z = 16
Gesucht: t_Zyklus in ms
Lösungsweg:
- Schritt 1 — Bits je Telegramm:\nn_ges = 64 Bit + 48 Bit = 112 Bit
- Schritt 2 — Telegrammdauer:\nt_Tel = 112 Bit / 500 000 Bit/s = 0,000224 s = 0,224 ms
- Schritt 3 — Zykluszeit:\nt_Zyklus = 16 * 0,224 ms = 3,584 ms
Ergebnis: rund 3,6 ms für einen vollen Zyklus.
Übungen
Ein Bit dauert bei einer Übertragungsrate von 250 kBit/s wie lange?
t_Bit = 1 / 250 000 Bit/s = 4 µs.
Ein Telegramm besteht aus 80 Nutzdaten-Bits und 40 Overhead-Bits. Wie viele Bits werden insgesamt übertragen, und wie hoch ist der Overhead-Anteil?
80 + 40 = 120 Bit gesamt; Overhead-Anteil = 40 / 120 ≈ 33 %.
Bei 1 MBit/s und einem Telegramm von 120 Bit: wie lange dauert die Übertragung eines Telegramms?
t_Tel = 120 Bit / 1 000 000 Bit/s = 0,00012 s = 0,12 ms.
Ein Bus mit 32 Teilnehmern, je Telegramm 112 Bit, läuft mit 500 kBit/s. Wie lang ist die abgeschätzte Zykluszeit?
t_Tel = 112 / 500 000 = 0,224 ms; t_Zyklus = 32 · 0,224 ms = 7,168 ms.
Eine Anwendung verlangt eine Zykluszeit von höchstens 5 ms bei 20 Teilnehmern und 150 Bit je Telegramm. Welche Mindest-Übertragungsrate ist nötig?
Pro Zyklus 20 · 150 = 3000 Bit. Erforderlich: v ≥ 3000 Bit / 0,005 s = 600 000 Bit/s = 600 kBit/s.
Ein Bus überträgt je Telegramm 64 Nutzdaten-Bits und 48 Overhead-Bits. Wie hoch ist der Overhead-Anteil an der gesamten Telegrammlänge?
- a) etwa 43 %
- b) etwa 75 %
- c) etwa 25 %
- d) etwa 10 %
Richtig: a)
Gesamtlänge 64 + 48 = 112 Bit, davon 48 Overhead: 48 / 112 ≈ 0,43, also rund 43 %. b verwechselt Nutz- und Overhead-Verhältnis in die falsche Richtung. c und d unterschätzen den Anteil deutlich. Bei kurzen Telegrammen fällt der feste Overhead prozentual stark ins Gewicht.
Welches Buszugriffsverfahren ist am ehesten als nicht streng deterministisch einzustufen?
- a) Polling im Master-Slave-Betrieb
- b) Token-Passing
- c) CSMA mit Kollisionsbehandlung
- d) zyklische Abfrage in fester Reihenfolge
Richtig: c)
Beim CSMA hören die Teilnehmer die Leitung ab und senden bei freier Leitung; Kollisionen müssen erkannt und aufgelöst werden, wodurch der genaue Zeitpunkt einer erfolgreichen Übertragung nicht fest zugesichert ist. a, b und d arbeiten eine feste Reihenfolge bzw. ein definiertes Senderecht ab und sind dadurch gut vorhersehbar.
Ein Telegramm trägt 100 Bit und wird mit 1 MBit/s übertragen. Wie lange dauert die Übertragung?
- a) 1 µs
- b) 10 µs
- c) 100 µs
- d) 1 ms
Richtig: c)
t = 100 Bit / 1 000 000 Bit/s = 0,0001 s = 100 µs. a und b unterschätzen um Faktor 100 bzw. 10, d überschätzt um Faktor 10. Es hilft, konsequent in Bit und Bit/s einzusetzen und das Ergebnis erst am Ende umzurechnen.
Was beschreibt der Begriff „Determinismus“ bei einem Feldbus?
- a) Dass jeder Teilnehmer dieselbe Adresse hat
- b) Dass die Antwort innerhalb einer fest zugesicherten Zeit erfolgt
- c) Dass die Übertragungsrate beliebig hoch eingestellt werden kann
- d) Dass keine Prüfsumme nötig ist
Richtig: b)
Determinismus bedeutet, dass der zeitliche Ablauf garantiert ist und eine Antwort innerhalb einer definierten Frist eintrifft — entscheidend für zeitkritische Steuerungen. a widerspricht dem Adressierungsprinzip. c und d haben mit der zeitlichen Vorhersagbarkeit nichts zu tun.
4. Feldbus in der Praxis: Auswahl und Einordnung
Es gibt nicht den einen Feldbus, sondern eine ganze Reihe von Systemen, die sich historisch und je nach Branche durchgesetzt haben. Welches System passt, entscheidet sich an einigen praktischen Kriterien:
- Echtzeitfähigkeit — wie schnell und wie zuverlässig pünktlich müssen die Daten ankommen? Eine schnelle Lageregelung stellt andere Anforderungen als das Einlesen langsamer Temperaturwerte.
- Teilnehmerzahl und Leitungslänge — wie viele Geräte hängen am Bus, über welche Distanz? Beides ist je nach System begrenzt.
- Kosten — Verkabelung, Anschaltbaugruppen und Engineering-Aufwand unterscheiden sich erheblich.
- Hersteller-Ökosystem — welche Steuerungen und Geräte sind im Betrieb bereits vorhanden, und welches System wird vom Anlagenlieferanten unterstützt?
Über die Jahre haben sich mehrere Systeme etabliert, jedes mit eigenem Schwerpunkt. Eine kurze Einordnung — die Details zu jedem System sind jeweils eigene Themen:
- PROFIBUS — weit verbreiteter klassischer Feldbus, vor allem im Umfeld großer Steuerungen.
- PROFINET und Industrial Ethernet / EtherCAT — die auf Ethernet aufbauende Generation, die höhere Datenraten und einfache Vernetzung mit der IT-Welt bringt.
- AS-Interface — bewusst einfach gehaltenes System für die unterste Sensor-Aktor-Ebene.
- IO-Link — Punkt-zu-Punkt-Verbindung für intelligente Sensoren und Aktoren, oft als Ergänzung unterhalb eines Feldbusses.
- CAN / CANopen — robustes System mit Ursprung in der Fahrzeugtechnik, auch im Maschinenbau verbreitet.
- Modbus — einfaches, herstellerübergreifendes Protokoll, häufig für unkritische Kommunikation.
Ein wichtiger Entwicklungsschritt ist der Übergang vom klassischen Feldbus zu Industrial Ethernet. Statt einer eigenen Bus-Hardware wird die bewährte Ethernet-Technik mit echtzeitfähigen Erweiterungen genutzt. Das vereinfacht die Verbindung zwischen Feldebene und übergeordneter IT, stellt aber eigene Anforderungen an Verkabelung und Netzaufbau.
Für eine schnelle Lageregelung mit vielen koordinierten Achsen wird ein Kommunikationssystem gesucht. Welches Kriterium steht bei der Auswahl im Vordergrund?
- a) Möglichst niedrige Anschaffungskosten der Klemmen
- b) Hohe Echtzeitfähigkeit mit zugesicherten Zykluszeiten
- c) Möglichst lange zulässige Stichleitungen
- d) Verzicht auf jegliche Prüfsumme
Richtig: b)
Koordinierte, schnelle Achsbewegungen verlangen, dass die Daten zuverlässig innerhalb fester Zeiten ankommen — die Echtzeitfähigkeit ist hier entscheidend. a kann ein Nebenkriterium sein, ist aber für die Funktion zweitrangig. c betrifft die Verkabelung, nicht die zeitliche Anforderung. d würde die Datensicherheit verschlechtern und ist kein sinnvolles Auswahlkriterium.
Worin liegt ein zentraler Vorteil von Industrial Ethernet gegenüber einem klassischen Feldbus?
- a) Es kommt grundsätzlich ohne Adressierung aus
- b) Es benötigt keine Terminierung, weil keine Reflexionen auftreten
- c) Es nutzt die verbreitete Ethernet-Technik und erleichtert die Verbindung zur IT-Ebene
- d) Es kann ausschließlich einen einzigen Teilnehmer ansprechen
Richtig: c)
Industrial Ethernet baut auf der bewährten Ethernet-Technik auf und erleichtert dadurch die Anbindung an übergeordnete IT-Systeme, bei gleichzeitig hohen Datenraten. a ist falsch, weil auch hier adressiert wird. b ist eine unzulässige Pauschalaussage. d widerspricht dem Grundgedanken eines vernetzten Systems.
Ein Feldgerät meldet über den Bus zusätzlich zu seinem Messwert eine Verschmutzungswarnung. Welcher Vorteil des Feldbusses zeigt sich hier?
- a) Höhere maximale Leitungslänge
- b) Geringerer Overhead je Telegramm
- c) Wegfall der Übertragungsrate als Begrenzung
- d) Erweiterte Diagnosefähigkeit im Betrieb
Richtig: d)
Dass Geräte über den Bus auch Zustands- und Diagnoseinformationen liefern, ist ein praktischer Betriebsvorteil — die Fehlersuche wird gezielter. a, b und c beschreiben technische Kenngrößen, die mit der konkret gezeigten Diagnosemeldung nichts zu tun haben.
Abschlusstest
Aufgabe 1: Ein Bus überträgt mit 187,5 kBit/s. Wie lange dauert ein einzelnes Bit?
Gegeben: v = 187 500 Bit/s
Gesucht: t_Bit in µs
Lösungsweg:
- t_Bit = 1 / 187 500 Bit/s ≈ 0,00000533 s
Ergebnis: rund 5,33 µs.
Aufgabe 2: Ein Telegramm besteht aus 88 Nutzdaten-Bits und 32 Overhead-Bits, die Übertragungsrate beträgt 500 kBit/s.
Gegeben: n_nutz = 88 Bit, n_over = 32 Bit, v = 500 000 Bit/s
Gesucht: t_Tel in ms
Lösungsweg:
- n_ges = 88 + 32 = 120 Bit
- t_Tel = 120 / 500 000 = 0,00024 s
Ergebnis: 0,24 ms je Telegramm.
Aufgabe 3: Ein Master fragt 24 Teilnehmer ab, je Telegramm 120 Bit, Übertragungsrate 500 kBit/s.
Gegeben: z = 24, n_ges = 120 Bit, v = 500 000 Bit/s
Gesucht: t_Zyklus in ms
Lösungsweg:
- t_Tel = 120 / 500 000 = 0,24 ms
- t_Zyklus = 24 · 0,24 ms = 5,76 ms
Ergebnis: rund 5,76 ms.
Aufgabe 4: Eine Anwendung fordert eine Zykluszeit von höchstens 4 ms bei 25 Teilnehmern und 160 Bit je Telegramm. Welche Mindest-Übertragungsrate ist nötig?
Gegeben: t_Zyklus = 0,004 s, z = 25, n_ges = 160 Bit
Gesucht: v in kBit/s
Lösungsweg:
- Bits je Zyklus = 25 · 160 = 4000 Bit
- v ≥ 4000 / 0,004 = 1 000 000 Bit/s
Ergebnis: mindestens 1 MBit/s.
Welche Aussage zur klassischen Parallelverdrahtung im Vergleich zum Feldbus trifft zu?
- a) Der Verdrahtungsaufwand bleibt unabhängig von der Gerätezahl konstant
- b) Material und Montagezeit wachsen ungefähr mit der Zahl der Geräte
- c) Jedes Gerät teilt sich eine gemeinsame Leitung mit allen anderen
- d) Die Geräte werden ausschließlich über Adressen unterschieden
Richtig: b)
Bei der Parallelverdrahtung bekommt jedes Gerät seine eigene Leitung, daher steigen Material und Montagezeit ungefähr proportional zur Gerätezahl. a ist das Gegenteil. c und d beschreiben den Feldbus, nicht die Parallelverdrahtung.
An welcher Stelle eines Bussegments muss terminiert werden?
- a) An jedem einzelnen Teilnehmer
- b) Nur am Master
- c) An beiden Enden der Busleitung
- d) In der Mitte des Segments
Richtig: c)
Reflexionen entstehen an den offenen Leitungsenden, deshalb gehört an jedes der beiden Enden ein Abschlusswiderstand. a würde die Leitung mehrfach belasten und das Signal dämpfen. b und d lassen die kritischen Enden offen.
Ein Telegramm trägt 50 Nutzdaten-Bits bei 70 Overhead-Bits. Wie bewertest du das Verhältnis?
- a) Mehr als die Hälfte der Übertragung ist Overhead
- b) Der Overhead ist vernachlässigbar klein
- c) Nutzdaten und Overhead sind exakt gleich groß
- d) Es gibt keinen Overhead
Richtig: a)
70 von insgesamt 120 Bit sind Overhead, also rund 58 % — mehr als die Hälfte. Das ist typisch für sehr kurze Telegramme, bei denen der feste Rahmen stark ins Gewicht fällt. b, c und d widersprechen der Rechnung.
Welches Verfahren reicht ein Senderecht von Teilnehmer zu Teilnehmer weiter?
- a) Polling
- b) CSMA
- c) Token-Passing
- d) Sternkopplung
Richtig: c)
Beim Token-Passing wandert ein Token als Senderecht durch die Teilnehmer; nur der aktuelle Besitzer darf senden. a arbeitet mit zentraler Abfrage durch den Master, b mit Abhören der Leitung, d ist eine Topologie und kein Zugriffsverfahren.
Warum ist ein deterministischer Bus für eine schnelle Regelung wichtig?
- a) Weil er ohne Prüfsumme auskommt
- b) Weil er beliebig viele Teilnehmer zulässt
- c) Weil er keine Adressierung braucht
- d) Weil die Antwort innerhalb einer garantierten Zeit vorliegt
Richtig: d)
Eine Regelung verlässt sich darauf, dass die Messwerte und Stellbefehle pünktlich vorliegen; ein deterministischer Bus sichert genau diese feste Zeit zu. a, b und c haben mit der zeitlichen Garantie nichts zu tun.
Welche Information trägt ein Telegramm NICHT zwingend als eigenes Feld?
- a) Adresse
- b) Nutzdaten
- c) Prüfsumme
- d) Den aktuellen Wellenwiderstand der Leitung
Richtig: d)
Der Wellenwiderstand ist eine physikalische Eigenschaft der Leitung und wird nicht im Telegramm übertragen. Adresse, Nutzdaten und Prüfsumme dagegen sind übliche Bestandteile eines Telegramms.
Ein Bus läuft im Probeaufbau fehlerfrei, zeigt aber in der langen Anlage sporadische Aussetzer unter Last. Welche Maßnahme prüfst du zuerst?
- a) Die Terminierung an den Leitungsenden
- b) Die Programmiersprache der Steuerung wechseln
- c) Die Versorgungsspannung der Steuerung verdoppeln
- d) Sämtliche Teilnehmeradressen auf denselben Wert setzen
Richtig: a)
Lastabhängige, sporadische Fehler bei langer Leitung deuten stark auf Reflexionen durch fehlerhafte Terminierung hin. b hat keinen Bezug zur Übertragungsphysik. c ist unbegründet und potenziell schädlich. d würde die Kommunikation komplett zerstören und ist das Gegenteil einer sinnvollen Maßnahme.
Wodurch steigt die abgeschätzte Zykluszeit eines Master-Slave-Busses am deutlichsten?
- a) Durch kürzere Telegramme
- b) Durch eine höhere Übertragungsrate
- c) Durch mehr Teilnehmer bei gleicher Telegrammlänge
- d) Durch einen kleineren Overhead-Anteil
Richtig: c)
Die Zykluszeit ist Teilnehmerzahl mal Telegrammdauer; mehr Teilnehmer verlängern den Zyklus direkt. a, b und d verkürzen ihn tendenziell, sind also das Gegenteil.
Welche Anforderung spricht am ehesten für ein einfaches System auf der unterste Sensor-Aktor-Ebene statt eines leistungsstarken Industrial-Ethernet-Systems?
- a) Maximale Datenrate für viele Achsen
- b) Geringe Komplexität und Kosten bei einfachen Schaltsignalen
- c) Direkte Anbindung an die IT-Leitebene
- d) Höchste Echtzeitanforderung in der Lageregelung
Richtig: b)
Für einfache binäre Sensor- und Aktorsignale ist ein bewusst schlankes System kostengünstiger und unkomplizierter. a, c und d sind genau die Fälle, in denen ein leistungsfähigereres System gefragt ist.
Ein Feldgerät liefert über den Bus eine Wartungsmeldung mit. Welcher Aspekt der Feldbustechnik wird hier genutzt?
- a) Die erweiterte Diagnosefähigkeit
- b) Die Terminierung
- c) Das Zugriffsverfahren CSMA
- d) Die Sternverdrahtung
Richtig: a)
Dass Geräte zusätzlich zum Messwert Zustands- und Wartungsinformationen über den Bus senden, ist ein Diagnosevorteil im Betrieb. b betrifft die Signalqualität, c ein Zugriffsverfahren, d eine Topologie — keiner dieser Punkte beschreibt die Diagnosemeldung.
Bei 250 kBit/s und einem Telegramm von 100 Bit — wie lange dauert die Übertragung eines Telegramms?
- a) 0,4 ms
- b) 4 ms
- c) 0,04 ms
- d) 40 µs
Richtig: a)
t = 100 Bit / 250 000 Bit/s = 0,0004 s = 0,4 ms. b überschätzt um Faktor 10, c unterschätzt um Faktor 10. d entspricht 0,04 ms und ist damit ebenfalls um Faktor 10 zu klein.
Was ist der wesentliche Grund, weshalb ein Bus die Teilnehmer adressiert, statt für jeden eine eigene Leitung zu nutzen?
- a) Damit Reflexionen vermieden werden
- b) Damit viele Teilnehmer dieselbe Leitung teilen können und trotzdem gezielt ansprechbar sind
- c) Damit die Prüfsumme entfallen kann
- d) Damit die Übertragungsrate steigt
Richtig: b)
Erst die Adressierung macht es möglich, dass mehrere Geräte über eine gemeinsame Leitung kommunizieren und jedes trotzdem eindeutig erreicht wird. a betrifft die Terminierung, c und d haben mit der Adressierung nichts zu tun.
Glossar
- Feldbus
- ein digitales Kommunikationssystem, das viele Teilnehmer über eine gemeinsame Leitung verbindet und so die klassische Parallelverdrahtung ersetzt.
- Feldebene
- die unterste Automatisierungsebene, in der Sensoren und Aktoren direkt am Prozess sitzen.
- Busteilnehmer
- ein Gerät mit eindeutiger Adresse, das am Bus Daten sendet oder empfängt.
- Topologie
- die Art und Weise, wie die Teilnehmer räumlich an den Bus angeschlossen sind, etwa als Linie, Stern, Ring oder Baum.
- Stichleitung
- eine kurze Abzweigung von der durchgehenden Busleitung zu einem einzelnen Gerät.
- Terminierung
- der Abschluss der Busleitung an beiden Enden mit einem Widerstand, der Signalreflexionen verhindert.
- Wellenwiderstand
- die charakteristische Größe einer Leitung, an die der Abschlusswiderstand angepasst wird, damit keine Reflexionen entstehen.
- Segment
- ein zusammenhängender Busabschnitt mit einer begrenzten Teilnehmerzahl.
- Master-Slave
- ein Zugriffsprinzip, bei dem ein steuernder Teilnehmer die übrigen nacheinander abfragt; ein Slave sendet nur auf Aufforderung.
- Telegramm
- ein Datenpaket auf dem Bus, bestehend aus Adresse, Nutzdaten und Prüfsumme samt Kennungen.
- Overhead
- die Zusatzbits eines Telegramms (Adresse, Prüfsumme, Kennungen), die für die Übertragung nötig sind, aber keine Nutzinformation tragen.
- Prüfsumme
- ein aus den Daten berechneter Wert, mit dem der Empfänger Übertragungsfehler erkennt.
- Buszugriffsverfahren
- die Regel, die festlegt, welcher Teilnehmer wann senden darf, etwa Polling, Token-Passing oder CSMA.
- Determinismus
- die Eigenschaft eines Busses, eine Antwort innerhalb einer fest zugesicherten Zeit zu liefern.
- Zykluszeit
- die Zeit, die ein Master braucht, um alle Teilnehmer einmal zu bedienen.
- Industrial Ethernet
- die auf der Ethernet-Technik aufbauende Weiterentwicklung des klassischen Feldbusses mit echtzeitfähigen Erweiterungen.
