Hydrauliköle und ihre Eigenschaften

In einer Hydraulikanlage denkt man zuerst an Pumpen, Zylinder und Ventile. Das Öl dazwischen wird oft als reine Füllung gesehen – Hauptsache, es ist drin. Genau das ist ein Trugschluss. Das Öl überträgt nicht nur Kraft, es schmiert, kühlt, dichtet und schützt vor Rost. Seine Eigenschaften entscheiden darüber, ob eine Anlage jahrelang sauber läuft oder nach kurzer Zeit mit Verschleiß und Ausfällen kämpft. Wer die Kennwerte eines Hydrauliköls versteht – allen voran die Viskosität –, kann das passende Öl auswählen und viele Störungen vermeiden, bevor sie entstehen.

Vorwissen

  • Hydraulik-Grundlagen: Pascal’sches Gesetz und Druckübertragung
  • Dichte und physikalische Größen
  • Temperatur und Wärme

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die Aufgaben erklären, die ein Hydrauliköl im Betrieb gleichzeitig erfüllt
  • dynamische und kinematische Viskosität unterscheiden und die kinematische Viskosität berechnen
  • beschreiben, welche Folgen eine zu niedrige oder zu hohe Viskosität für die Anlage hat
  • ISO-VG-Klassen und den Viskositätsindex einordnen und für die Ölauswahl nutzen
  • die gängigen Ölarten (HL, HLP, HVLP) und ihre Einsatzbereiche unterscheiden
  • die wichtigsten Alterungs- und Schädigungsmechanismen des Öls benennen

1. Aufgaben des Hydrauliköls

Die naheliegende Antwort auf die Frage „Wozu ist das Öl da?“ lautet: zum Druck übertragen. Das stimmt – aber es ist nur eine von mehreren Aufgaben, die das Öl gleichzeitig übernimmt. In der Hydraulik wirkt die Flüssigkeit als nahezu inkompressibles Medium, das die an der Pumpe eingebrachte Kraft über das Pascal’sche Prinzip an den Verbraucher weiterleitet. Diese Druckübertragung ist Thema eines eigenen Beitrags zu den Hydraulik-Grundlagen; hier reicht der Kern: Das Öl gibt Druck praktisch verlustfrei weiter.

Spannend wird es bei den übrigen Aufgaben, die im Alltag mindestens genauso wichtig sind:

  • Schmierung. Pumpen, Ventile und Zylinder haben bewegte Teile mit engsten Passungen. Das Öl bildet zwischen diesen Flächen einen tragenden Schmierfilm, der direkten Metallkontakt verhindert. Reißt dieser Film, läuft Metall auf Metall – mit Fress- und Verschleißschäden als Folge.
  • Wärmeabfuhr. Jede Drosselung und jede innere Reibung erzeugt Wärme. Das durchströmende Öl nimmt diese Wärme auf und transportiert sie zum Tank oder zum Kühler. Ohne diesen Wärmetransport würde die Anlage örtlich überhitzen.
  • Korrosionsschutz. Das Öl benetzt alle inneren Oberflächen und hält Feuchtigkeit von den blanken Stahlteilen fern. So wird Rost im Inneren der Anlage verhindert.
  • Abdichten. An den feinen Spalten zwischen beweglichen Teilen – etwa im Pumpenelement oder am Steuerschieber eines Ventils – übernimmt das Öl selbst eine Dichtfunktion. Der dünne Ölfilm im Spalt begrenzt die innere Leckage.
  • Schmutztransport. Abrieb, Alterungsrückstände und eindringende Partikel werden vom Öl mitgeführt und zum Filter transportiert, wo sie ausgeschieden werden.

Aus dieser Liste folgt eine einfache, aber wichtige Erkenntnis: Das Hydrauliköl ist kein beliebiges Beiwerk, sondern ein Konstruktionselement. Es wird genauso gezielt ausgewählt wie eine Pumpe oder ein Ventil – und eine falsche Wahl wirkt sich auf die ganze Anlage aus.

Eine Hydraulikanlage zeigt nach dem Wechsel auf ein deutlich dünneres Öl erhöhten Verschleiß an Pumpe und Steuerschiebern. Welche Aufgabe des Öls ist hier am wahrscheinlichsten beeinträchtigt?

  • a) Schmierung und Abdichtung, weil der tragende Film im Spalt zu dünn wird
  • b) Wärmeabfuhr, weil dünnes Öl keine Wärme aufnimmt
  • c) Korrosionsschutz, weil dünnes Öl nicht benetzt
  • d) Schmutztransport, weil dünnes Öl keine Partikel bindet

Richtig: a)

Ein zu dünnes Öl bildet im engen Spalt keinen ausreichend tragenden Schmierfilm mehr; Metallflächen kommen in Kontakt, Verschleiß und innere Leckage steigen. Wärmeabfuhr (b) und Schmutztransport (d) funktionieren auch mit dünnem Öl grundsätzlich weiter, und der Korrosionsschutz (c) hängt nicht primär an der Zähigkeit.

Warum bezeichnet man das Hydrauliköl als Konstruktionselement und nicht als bloße Betriebsflüssigkeit?

  • a) Weil seine Eigenschaften das Verhalten und die Lebensdauer der gesamten Anlage mitbestimmen
  • b) Weil es teurer ist als die meisten Bauteile
  • c) Weil es gesetzlich vorgeschrieben ist
  • d) Weil es nur in Sonderfällen ausgetauscht werden darf

Richtig: a)

Das Öl erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig, und seine Kennwerte beeinflussen Wirkungsgrad, Verschleiß und Standzeit direkt. Deshalb wird es wie ein Bauteil ausgewählt. Preis (b), Vorschriften (c) und Wechselintervalle (d) sind nicht der Grund für diese Einordnung.

2. Viskosität – die wichtigste Eigenschaft

Wenn man nur einen einzigen Kennwert eines Hydrauliköls kennen dürfte, wäre es die Viskosität. Viskosität ist die Zähflüssigkeit eines Fluids – ein Maß für seine innere Reibung, also dafür, wie stark sich die Flüssigkeitsschichten beim Fließen gegeneinander wehren. Honig hat eine hohe Viskosität, Wasser eine niedrige. Ein Hydrauliköl liegt dazwischen, und sein genauer Wert ist sorgfältig auf die Anlage abgestimmt.

Man unterscheidet zwei Formen.

Die dynamische Viskosität (Formelzeichen η, gesprochen „eta“) beschreibt die innere Reibung direkt. Ihre Einheit ist Pascalsekunde:

η

  • η … dynamische Viskosität in Pa·s
  • 1 Pa·s = 1000 mPa·s

Die kinematische Viskosität (Formelzeichen ν, gesprochen „nü“) ist die dynamische Viskosität bezogen auf die Dichte:

ν = η / ρ

  • ν … kinematische Viskosität in mm²/s
  • η … dynamische Viskosität in Pa·s
  • ρ … Dichte in kg/m³

In der Praxis – und auf jedem Ölkennblatt – wird fast immer die kinematische Viskosität in mm²/s angegeben (früher als „Centistokes“, cSt, bezeichnet; 1 mm²/s = 1 cSt). Der Grund für die Bezugnahme auf die Dichte is anschaulich: Viele Messverfahren bestimmen, wie schnell das Öl unter seinem eigenen Gewicht durch eine genormte Düse läuft. Wie schnell es läuft, hängt sowohl von der inneren Reibung (η) als auch davon ab, wie schwer die Flüssigkeit ist (ρ). Teilt man die innere Reibung durch die Dichte, erhält man einen Kennwert, der das Fließverhalten unter Schwerkraft sauber beschreibt – genau das, was die kinematische Viskosität leistet.

Die Temperaturabhängigkeit ist der springende Punkt. Erwärmt sich ein Öl, wird es dünnflüssiger – die Viskosität sinkt. Kühlt es ab, wird es zäher – die Viskosität steigt. Dieser Zusammenhang ist stark ausgeprägt: Zwischen einem kalten Anlagenstart im Winter und dem betriebswarmen Zustand kann sich die Viskosität um ein Vielfaches ändern. Genau deshalb reicht un einzelner Viskositätswert nie aus, ohne die zugehörige Temperatur zu nennen. Ein Öl mit „46 mm²/s“ meint diesen Wert bei einer festgelegten Bezugstemperatur, nicht bei jeder beliebigen.

Warum ist dieser Wert so kritisch? Weil die Viskosität direkt über den Schmierfilm und die innere Leckage entscheidet – und beides geht in zwei Richtungen schief.

Ist die Viskosität zu niedrig (Öl zu dünn, etwa weil es zu heiß ist oder die falsche Sorte gewählt wurde), wird der tragende Schmierfilm in den Lagerstellen und Spalten zu dünn. Im Grenzfall reißt er ab, Metall läuft auf Metall – das sind die typischen Fress- und Verschleißschäden an Pumpen. Gleichzeitig steigt die innere Leckage: Dünnes Öl entweicht leichter durch die Spalte, der Leckölstrom nimmt zu, der volumetrische Wirkungsgrad sinkt. Die Anlage wird langsamer und wärmer, was das Öl weiter verdünnt – ein Kreislauf, der sich selbst verstärkt.

Ist die Viskosität zu hoch (Öl zu zäh, etwa beim Kaltstart), fließt das Öl träge. Die Pumpe muss es regelrecht ansaugen, und wenn es nicht schnell genug nachläuft, entsteht im Saugbereich Unterdruck mit Dampf- und Gasblasenbildung – die Vorstufe der Kavitation. Außerdem steigen die Reibungsverluste in den Leitungen, die Anlage verbraucht mehr Energie und erwärmt sich durch die innere Reibung zusätzlich.

Daraus folgt die zentrale Konstruktionsregel: Die Betriebsviskosität muss in einem Fenster liegen, das sowohl beim kalten Start als auch im warmen Dauerbetrieb weder zu hoch noch zu niedrig wird. Das richtige Öl trifft dieses Fenster über den gesamten Temperaturbereich der Anlage.

Gelöstes Beispiel

Ein Hydrauliköl hat bei Betriebstemperatur eine dynamische Viskosität von 0,038 Pa·s und eine Dichte von 870 kg/m³. Berechne die kinematische Viskosität in mm²/s.

Gegeben: η = 0,038 Pa·s, ρ = 870 kg/m³

Gesucht: ν in mm²/s

Lösungsweg:

  1. Grundformel anwenden: ν = η / ρ = 0,038 Pa·s / 870 kg/m³ = 0,00004368 m²/s
  2. In mm²/s umrechnen: 1 m²/s = 1 000 000 mm²/s, ν = 0,00004368 · 1 000 000 = 43,68 mm²/s

Ergebnis: ν ≈ 43,7 mm²/s

Übungen

Ein Öl hat η = 0,055 Pa·s und ρ = 890 kg/m³. Berechne ν in mm²/s.

ν = 0,055 / 890 = 0,00006180 m²/s = 61,8 mm²/s

Ein Öl mit der Dichte 880 kg/m³ hat eine kinematische Viskosität von 46 mm²/s. Welche dynamische Viskosität ergibt sich daraus?

ν = 46 mm²/s = 0,000046 m²/s; η = ν · ρ = 0,000046 · 880 = 0,0405 Pa·s ≈ 40,5 mPa·s

Zwei Öle haben dieselbe dynamische Viskosität von 0,040 Pa·s, aber unterschiedliche Dichten: Öl A 850 kg/m³, Öl B 910 kg/m³. Welches Öl hat die höhere kinematische Viskosität?

ν_A = 0,040 / 850 = 47,1 mm²/s; ν_B = 0,040 / 910 = 44,0 mm²/s. Öl A hat die höhere kinematische Viskosität, da bei gleicher innerer Reibung die kleinere Dichte einen größeren Quotienten ergibt.

Ein Öl wird von 40 °C auf Betriebstemperatur erwärmt. Die dynamische Viskosität fällt von 0,068 Pa·s auf 0,029 Pa·s, die Dichte sinkt leicht von 875 auf 860 kg/m³. Berechne die kinematische Viskosität in beiden Zuständen.

Eine Pumpe benötigt für sicheren Betrieb mindestens 25 mm²/s. Ein Öl hat bei der höchsten zu erwartenden Öltemperatur η = 0,021 Pa·s bei ρ = 855 kg/m³. Liegt es noch im sicheren Bereich, und wie groß ist der Abstand zur Grenze?

ν = 0,021 / 855 = 24,6 mm²/s. Das liegt knapp unter der Mindestgrenze von 25 mm²/s – die Anlage ist im Grenzbereich, der Schmierfilm wird kritisch. Ein Öl mit höherer Grundviskosität oder eine niedrigere Öltemperatur ist nötig.

Ein Ölkennblatt gibt „ν = 46 mm²/s“ an, ohne weitere Angabe. Warum ist diese Angabe streng genommen unvollständig?

  • a) Weil die Bezugstemperatur fehlt, von der die Viskosität stark abhängt
  • b) Weil die dynamische Viskosität fehlt
  • c) Weil die Einheit falsch ist
  • d) Weil die Dichte fehlt

Richtig: a)

Die Viskosität ändert sich stark mit der Temperatur, daher ist ein Zahlenwert nur mit zugehöriger Bezugstemperatur aussagekräftig. Die dynamische Viskosität (b) und die Dichte (d) lassen sich umrechnen bzw. sind nicht zwingend, und die Einheit (c) ist korrekt.

Bei einem heißen Sommertag fällt in einer Anlage die Viskosität deutlich unter den Auslegungswert. Welche Folge ist zu erwarten?

  • a) Die Pumpe saugt schlechter an und es droht Kavitation
  • b) Die Reibungsverluste in den Leitungen steigen stark
  • c) Der Schmierfilm wird dünner und der Leckölstrom steigt
  • d) Das Öl wird kompressibler und federt

Richtig: c)

Zu niedrige Viskosität dünnt den Schmierfilm aus und erhöht die innere Leckage, der volumetrische Wirkungsgrad sinkt. Schlechtes Ansaugen und Kavitation (a) sowie hohe Leitungsreibung (b) sind Folgen zu hoher Viskosität. Die Kompressibilität (d) hängt nicht an der Viskosität.

Zwei Öle haben dieselbe dynamische Viskosität, aber Öl A eine kleinere Dichte als Öl B. Welche Aussage zur kinematischen Viskosität stimmt?

  • a) Beide haben dieselbe kinematische Viskosität
  • b) Das lässt sich ohne Temperaturangabe gar nicht sagen
  • c) Öl A hat die höhere kinematische Viskosität
  • d) Öl B hat die höhere kinematische Viskosität

Richtig: c)

Wegen ν = η/ρ ergibt bei gleicher dynamischer Viskosität die kleinere Dichte den größeren Quotienten – also hat Öl A die höhere kinematische Viskosität. Die Temperatur (b) ist hier nicht nötig, weil η und ρ bereits gegeben sind.

Warum erhöht eine zu hohe Viskosität beim Kaltstart die Kavitationsgefahr?

  • a) Weil zähes Öl mehr Luft enthält
  • b) Weil zähes Öl den Schmierfilm abreißen lässt
  • c) Weil zähes Öl die Dichte erhöht
  • d) Weil zähes Öl nicht schnell genug zur Pumpe nachfließt und im Saugbereich Unterdruck entsteht

Richtig: d)

Träge fließendes Öl kann dem Pumpensog nicht folgen, im Saugbereich sinkt der Druck, Dampf- und Gasblasen bilden sich – die Vorstufe der Kavitation. Schmierfilmabriss (b) ist dagegen eine Folge zu niedriger Viskosität, und die Aussagen zu Luftgehalt (a) und Dichte (c) sind sachlich falsch.

3. Viskositätsklassen und Viskositätsindex

Damit man Öle überhaupt vergleichen und bestellen kann, sind die Viskositäten in Klassen eingeteilt. Die maßgebliche Einteilung erfolgt nach ISO-VG (Viscosity Grade), festgelegt in der ÖNORM EN ISO 3448. Jede Klasse ist nach ihrer kinematischen Viskosität bei der Bezugstemperatur 40 °C benannt. Ein Öl der Klasse ISO VG 46 hat also bei 40 °C rund 46 mm²/s, ein VG 32 rund 32 mm²/s, ein VG 68 rund 68 mm²/s.

Die gebräuchlichen Klassen für Hydrauliköle in der Industrie sind:

ISO-VG-Klasse Kinematische Viskosität bei 40 °C
VG 22 ca. 22 mm²/s
VG 32 ca. 32 mm²/s
VG 46 ca. 46 mm²/s
VG 68 ca. 68 mm²/s
VG 100 ca. 100 mm²/s

Die Auswahl der Klasse richtet sich nach der Betriebstemperatur und der Belastung der Anlage: Kühl laufende Anlagen und niedrige Umgebungstemperaturen sprechen für eine niedrigere Klasse, heiße und hoch belastete Anlagen für eine höhere. VG 46 ist in vielen Industrieanlagen die typische Standardwahl.

Die ISO-VG-Klasse beschreibt aber nur einen Punkt – die Viskosität bei 40 °C. Sie sagt nichts darüber, wie stark die Viskosität bei Temperaturänderung weg- oder zuläuft. Genau dafür gibt es den Viskositätsindex (VI), eine dimensionslose Kennzahl. Der VI beschreibt, wie flach oder steil die Viskositäts-Temperatur-Kurve verläuft:

  • Hoher VI: flache Kurve – die Viskosität ändert sich über den Temperaturbereich nur wenig. Das Öl bleibt über einen weiten Bereich brauchbar.
  • Niedriger VI: steile Kurve – die Viskosität fällt bei Erwärmung stark ab und steigt bei Kälte stark an. Das Öl ist nur in einem engen Temperaturfenster ideal.

Anschaulich heißt das: Zwei Öle können bei 40 °C exakt dieselbe Viskosität haben (also dieselbe ISO-VG-Klasse), sich aber bei Kälte und Hitze völlig unterschiedlich verhalten. Das Öl mit dem höheren VI behält bei hoher Temperatur mehr Tragfähigkeit und lässt sich bei Kälte leichter ansaugen.

Das folgende Diagramm zeigt zwei Öle gleicher 40-°C-Viskosität mit unterschiedlichem VI:

Temperatur in °C Viskosität in mm²/s 0 20 40 60 80 0 46 98 158 gleicher Wert bei 40 °C niedriger VI hoher VI

Auf der praktischen Seite begegnet einem die ISO-VG-Bezeichnung heute überall. Auf älteren Datenblättern und an älteren Maschinen tauchen aber teils noch ältere Klassifizierungen auf, die parallel weiterleben. Wer ein altes Hydraulikaggregat wartet, findet auf dem Typenschild oder im alten Handbuch mitunter nur eine solche alte Bezeichnung – in solchen Fällen hilft die Zuordnung über die VG-Klasse und die Ölart, das passende heutige Öl zu finden.

Was bedeutet die Bezeichnung „ISO VG 46″ konkret?

  • a) Das Öl hat bei 100 °C eine Viskosität von 46 mm²/s
  • b) Das Öl hat bei 40 °C eine kinematische Viskosität von rund 46 mm²/s
  • c) Das Öl hat einen Viskositätsindex von 46
  • d) Das Öl hat eine Dichte von 46 kg/m³

Richtig: b)

Die ISO-VG-Klasse ist nach der kinematischen Viskosität bei der Bezugstemperatur 40 °C benannt. Sie bezieht sich nicht auf 100 °C (a), nicht auf den VI (c) und nicht auf die Dichte (d).

Zwei Öle gehören beide zur Klasse ISO VG 46, haben aber unterschiedliche Viskositätsindizes. Wo zeigt sich der Unterschied?

  • a) In der Viskosität genau bei 40 °C
  • b) Im Verhalten bei abweichenden Temperaturen, also bei Kälte und Hitze
  • c) In der Dichte bei 40 °C
  • d) Gar nicht, beide verhalten sich identisch

Richtig: b)

Beide treffen sich bei 40 °C im gleichen Wert (deshalb dieselbe VG-Klasse). Der unterschiedliche VI wirkt sich erst bei abweichenden Temperaturen aus: Das Öl mit höherem VI hält die Viskosität stabiler. Die Dichte (c) ist davon nicht betroffen.

Für ein Hydrauliksystem mit großem Temperaturbereich zwischen Kaltstart und Volllast wird ein Öl gesucht. Welche Eigenschaft ist hier besonders wichtig?

  • a) Eine möglichst niedrige ISO-VG-Klasse
  • b) Eine möglichst hohe Dichte
  • c) Ein möglichst hoher Viskositätsindex
  • d) Ein möglichst niedriger Viskositätsindex

Richtig: c)

Ein hoher VI sorgt für eine flache Viskositäts-Temperatur-Kurve, sodass das Öl über den weiten Temperaturbereich brauchbar bleibt. Die VG-Klasse (a) wird nach dem Arbeitspunkt gewählt, nicht generell niedrig, und die Dichte (b) ist hier nebensächlich. Ein niedriger VI (d) wäre genau das Gegenteil des Gewünschten.

4. Weitere Kennwerte und Additive

Die Viskosität ist der wichtigste, aber nicht der einzige Kennwert. Für die richtige Ölwahl und die Beurteilung im Betrieb spielen weitere Größen mit.

Dichte. Die Dichte (ρ) eines Mineralöls liegt typisch um 850 bis 900 kg/m³ – Öl ist also leichter als Wasser und schwimmt obenauf. Diese Tatsache hilft im Tank, weil eingedrungenes Wasser sich am Boden absetzt und dort abgelassen werden kann.

Kompressibilität. Hydrauliköl gilt als praktisch inkompressibel – das ist die Grundlage der Druckübertragung. „Praktisch“ heißt aber nicht „vollständig“: Unter hohem Druck lässt sich Öl um einen kleinen Prozentsatz zusammendrücken, und mitgerissene Luftblasen verstärken diesen Effekt deutlich. In der Praxis äußert sich das als „weiches“ oder federndes Verhalten von Zylindern. Ein Öl mit gut gelöster, nicht eingeschlossener Luft verhält sich hier deutlich steifer.

Flammpunkt. Der Flammpunkt ist die Temperatur, ab der sich die Öldämpfe entzünden lassen. Er ist ein Sicherheits- und Einstufungsmerkmal; bei normalen Mineralölen liegt er weit über der Betriebstemperatur.

Pourpoint (Stockpunkt). Das ist die tiefste Temperatur, bei der das Öl gerade noch fließt. Darunter wird es so zäh, dass es nicht mehr ansaugbar ist. Für Anlagen in kalter Umgebung ist der Pourpoint ein wichtiges Auswahlkriterium.

Luftabscheidevermögen und Schaumverhalten. Ein gutes Hydrauliköl lässt eingerührte Luft rasch wieder an die Oberfläche entweichen und neigt nicht zu stabilem Schaum. Schlechtes Luftabscheidevermögen führt zu schwammigem Anlagenverhalten und begünstigt Kavitation.

Wassergehalt. Wasser im Öl ist immer unerwünscht: Es fördert Korrosion, verschlechtert die Schmierung und beschleunigt die Alterung. Schon geringe Mengen sind kritisch.

Damit ein Öl all diese Anforderungen erfüllt, reicht das reine Grundöl nicht aus. Es werden Additive zugegeben – gezielt eingesetzte Zusätze, die einzelne Eigenschaften verbessern:

  • Oxidationsinhibitoren verlangsamen die Alterung durch Sauerstoff und verlängern die Standzeit.
  • Korrosionsinhibitoren legen einen Schutzfilm auf die Metalloberflächen.
  • Verschleißschutz-Additive (oft als AW für „anti-wear“ oder EP für „extreme pressure“ bezeichnet) sorgen dafür, dass der Schmierfilm auch unter hoher Last und punktueller Belastung tragfähig bleibt.
  • Schauminhibitoren unterdrücken die Schaumbildung.
  • VI-Verbesserer sind langkettige Moleküle, die den Viskositätsindex anheben und so die Temperaturkennlinie flacher machen.

Die Buchstabenkürzel aus diesen Additiven tauchen direkt in den Ölbezeichnungen wieder auf – das ist die Brücke zum nächsten Kapitel.

Warum setzt sich Wasser, das in den Hydrauliktank gelangt, am Boden ab?

  • a) Weil Wasser eine höhere Viskosität als Öl hat
  • b) Weil Wasser eine höhere Dichte als Mineralöl hat
  • c) Weil Wasser vom Öl abgestoßen wird
  • d) Weil Wasser kälter ist als das Öl

Richtig: b)

Mineralöl hat mit rund 850–900 kg/m³ eine geringere Dichte als Wasser (1000 kg/m³), daher sinkt das Wasser nach unten. Mit Viskosität (a), Abstoßung (c) oder Temperatur (d) hat das nichts zu tun.

Ein Zylinder verhält sich auffällig „weich“ und federt unter Last, obwohl die Mechanik in Ordnung ist. Was ist eine wahrscheinliche ölbezogene Ursache?

  • a) Zu hohe Dichte des Öls
  • b) Ein zu hoher Flammpunkt
  • c) Im Öl eingeschlossene bzw. mitgerissene Luft
  • d) Ein zu hoher Viskositätsindex

Richtig: c)

Reines Öl ist nahezu inkompressibel, eingeschlossene Luft dagegen lässt sich stark zusammendrücken und macht die Anlage federnd. Dichte (a), Flammpunkt (b) und VI (d) verursachen dieses Verhalten nicht.

Wofür stehen die Kürzel AW und EP in einem Hydrauliköl?

  • a) Für die Dichteklasse des Öls
  • b) Für die Farbe und den Hersteller
  • c) Für den zulässigen Wassergehalt
  • d) Für Additive, die den Verschleißschutz unter Last verbessern

Richtig: d)

AW (anti-wear) und EP (extreme pressure) bezeichnen Verschleißschutz-Additive, die den Schmierfilm bei hoher und punktueller Last tragfähig halten. Mit Dichte (a), Farbe (b) oder Wassergehalt (c) haben sie nichts zu tun.

5. Ölarten und Auswahl in der Praxis

Mit dem Wissen über Viskosität und Additive lassen sich die gängigen Ölarten einordnen. Für klassische Industriehydraulik dominieren die Mineralöl-Hydrauliköle, die nach ihren Eigenschaften und Additivpaketen in Gruppen eingeteilt sind. Die Kurzbezeichnungen folgen einem einfachen Aufbau – „H“ steht für Hydrauliköl, die nachfolgenden Buchstaben für die Additivierung:

Bezeichnung Eigenschaften Typischer Einsatz
HL mit Oxidations- und Korrosionsschutz einfache Anlagen, geringe Belastung
HLP wie HL, zusätzlich Verschleißschutz (AW) Standard für die meisten Industrieanlagen
HVLP wie HLP, zusätzlich VI-Verbesserer für hohen VI großer Temperaturbereich, mobile Hydraulik
HLPD wie HLP, zusätzlich „detergierend“ – nimmt Wasser/Schmutz fein verteilt auf Anlagen mit erhöhtem Schmutz- oder Wassereintrag

In der überwiegenden Zahl stationärer Industrieanlagen ist HLP das Standardöl. Sobald ein weiter Temperaturbereich abgedeckt werden muss – etwa bei Außenanlagen oder mobiler Hydraulik – kommt HVLP mit seinem höheren Viskositätsindex zum Einsatz.

Neben den Mineralölen gibt es zwei weitere Gruppen, die in bestimmten Einsatzfällen vorgeschrieben oder sinnvoll sind:

Biologisch schnell abbaubare Flüssigkeiten kommen dort zum Einsatz, wo ein Ölaustritt die Umwelt gefährden würde – etwa in der Land- und Forstwirtschaft, an Wasserbaumaschinen oder in Schutzgebieten. Sie basieren auf synthetischen Estern oder pflanzlichen Ölen (gängige Kürzel sind HEES für synthetische Ester und HETG auf Basis pflanzlicher Öle).

Schwer entflammbare Flüssigkeiten werden überall dort verlangt, wo eine Brand- oder Explosionsgefahr besteht – etwa im Bergbau, in Gießereien oder in der Nähe heißer Prozesse. Eine verbreitete Gruppe sind wasserhaltige Flüssigkeiten (Kürzel HFC); sie verringern die Brandgefahr, verlangen aber besondere Aufmerksamkeit bei Viskosität und Materialverträglichkeit.

Bei der konkreten Auswahl eines Öls für eine Anlage führen ein paar Leitfragen zuverlässig zum Ziel:

  • Welche Viskositätsklasse fordert der Anlagenhersteller, und passt sie zur Betriebstemperatur?
  • Wie groß ist der Temperaturbereich – reicht HLP oder braucht es den hohen VI von HVLP?
  • Bestehen Umweltauflagen (biologisch abbaubar) oder Brandschutzanforderungen (schwer entflammbar)?
  • Wie hoch ist die Belastung – genügt der Standard-Verschleißschutz oder ist ein stärker additiviertes Öl nötig?

Eine Rolle spielt auch die Sauberkeit des Öls, beschrieben über Reinheitsklassen. Filtration und Reinheitsklassen sind jedoch primär Thema der Anlagenwartung und werden im eigenen Beitrag zu Sicherheit und Wartung in Hydraulikanlagen ausführlich behandelt; für die Ölauswahl genügt der Merksatz, dass selbst das beste Öl nur so gut ist wie seine Filterung.

Eine stationäre Industrieanlage mit moderater Belastung und konstanter Hallentemperatur soll befüllt werden. Welche Ölart ist die naheliegende Standardwahl?

  • a) HL ohne Verschleißschutz
  • b) Eine schwer entflammbare HFC-Flüssigkeit
  • c) HLP
  • d) Eine biologisch abbaubare HEES-Flüssigkeit

Richtig: c)

HLP ist mit Oxidations-, Korrosions- und Verschleißschutz der Standard für die meisten Industrieanlagen. HL (a) fehlt der Verschleißschutz, und HFC (b) bzw. HEES (d) sind Spezialfälle für Brand bzw. Umweltgefährdung, die hier nicht vorliegen.

Eine mobile Maschine arbeitet im Winter bei Frost und im Sommer bei großer Hitze. Welche Ölart passt am besten?

  • a) HL
  • b) HLP
  • c) HLPD
  • d) HVLP

Richtig: d)

HVLP enthält VI-Verbesserer und hat damit einen hohen Viskositätsindex, der den großen Temperaturbereich abdeckt. HL (a) und HLP (b) haben einen niedrigeren VI; HLPD (c) ist auf Wasser- und Schmutzaufnahme ausgelegt, nicht primär auf den Temperaturbereich.

Warum ist an einer Maschine direkt am Gewässer ein technisch passendes HLP-Öl trotzdem ungeeignet?

  • a) Weil HLP zu teuer ist
  • b) Weil HLP keinen Verschleißschutz hat
  • c) Weil HLP nicht schwer entflammbar ist
  • d) Weil HLP bei einem Leckölaustritt das Gewässer gefährdet und hier eine biologisch abbaubare Flüssigkeit gefordert ist

Richtig: d)

Am Gewässer steht der Umweltschutz im Vordergrund, daher ist eine biologisch schnell abbaubare Flüssigkeit vorgeschrieben. Der Preis (a) ist nicht der Punkt, HLP hat sehr wohl Verschleißschutz (b), und die Entflammbarkeit (c) ist hier nicht das maßgebliche Kriterium.

6. Pflege, Alterung und typische Probleme

Ein Hydrauliköl ist kein Bauteil für die Ewigkeit – es verändert sich im Betrieb. Die Lebensdauer hängt stark davon ab, wie das Öl gepflegt wird. Drei Veränderungen des Mediums selbst sind dabei zentral.

Oxidation. Unter dem Einfluss von Sauerstoff, Wärme und katalytisch wirkenden Metallspuren altert das Öl chemisch durch Oxidation. Es bildet säurehaltige Abbauprodukte und schließlich Schlamm- und Lackablagerungen. Erkennbar ist das an dunkler Verfärbung und einem strengen, sauren Geruch. Hohe Betriebstemperaturen beschleunigen die Oxidation drastisch – als Faustregel verdoppelt sich die Alterungsgeschwindigkeit mit jeder deutlichen Temperaturerhöhung. Die Oxidationsinhibitoren im Öl werden dabei nach und nach verbraucht; sind sie aufgebraucht, altert das Öl rapide.

Scherverlust der VI-Verbesserer. Die langen Molekülketten der VI-Verbesserer werden in engen Spalten und an Drosselstellen mechanisch zerschert. Mit der Zeit verlieren sie ihre Wirkung, der Viskositätsindex sinkt, und das Öl wird bei hoher Temperatur dünner als ursprünglich vorgesehen. Ein gealtertes HVLP-Öl verhält sich dann zunehmend wie ein Öl mit niedrigerem VI – die Temperaturstabilität, für die man eigentlich bezahlt hat, geht verloren.

Wasser- und Lufteintrag. Wasser gelangt durch Kondensation, undichte Kühler oder feuchte Umgebung ins Öl. Es fördert Korrosion und Oxidation und verschlechtert die Schmierung; oft erkennt man es an einer milchig-trüben Eintrübung. Luft wird über undichte Saugleitungen oder beim Befüllen eingetragen. Mitgerissene Luft macht die Anlage schwammig und begünstigt Kavitation. Die mechanische Zerstörung von Bauteilen durch Kavitation – vor allem an der Pumpe – ist ein Schadensbild, das im Beitrag zu den Hydraulikpumpen näher behandelt wird; aus Ölsicht zählt hier vor allem, dass schlecht entlüftetes oder schäumendes Öl diesen Effekt fördert.

Verschmutzung durch Feststoffe ist in der Praxis die häufigste Ausfallursache von Hydraulikanlagen überhaupt. Feine Partikel wirken wie Schmirgel in den engen Spalten und beschleunigen den Verschleiß. Die zugehörige Filtertechnik und die Reinheitsklassen sind Thema des Beitrags zu Sicherheit und Wartung in Hydraulikanlagen; für das Öl selbst gilt: Sauberkeit ist die wichtigste Voraussetzung für eine lange Standzeit.

Wie erkennt man, dass ein Öl gewechselt oder gepflegt werden muss? Erste Hinweise liefern die Sinne – dunkle Verfärbung, milchige Trübung, ein säuerlicher Geruch oder sichtbarer Schaum sind Warnzeichen. Verlässlicher ist die regelmäßige Ölanalyse: Eine Laboruntersuchung bestimmt Viskosität, Wassergehalt, Säurezahl und Partikelbelastung und zeigt damit den Zustand objektiv. So lässt sich ein Ölwechsel weder zu früh (Verschwendung) noch zu spät (Schaden) durchführen.

Ein HVLP-Öl zeigt nach langer Betriebszeit bei Volllast eine deutlich niedrigere Warmviskosität als im Neuzustand, obwohl es nicht überhitzt wurde. Was ist die wahrscheinlichste Ursache?

  • a) Wassereintrag hat das Öl verdünnt
  • b) Oxidation hat das Öl dünner gemacht
  • c) Die Dichte des Öls hat sich erhöht
  • d) Die VI-Verbesserer sind durch Scherung abgebaut, der VI ist gesunken

Richtig: d)

VI-Verbesserer werden an Drosselstellen mechanisch zerschert; verlieren sie ihre Wirkung, sinkt der VI und das Öl wird im Warmbetrieb dünner. Wasser (a) trübt das Öl, Oxidation (b) macht es eher zäher und säurehaltig, und eine Dichteänderung (c) erklärt den Effekt nicht.

Warum beschleunigt eine dauerhaft zu hohe Öltemperatur die Alterung so stark?

  • a) Weil Wärme das Öl verdünnt und es ausläuft
  • b) Weil Wärme den Viskositätsindex erhöht
  • c) Weil Wärme Wasser ins Öl zieht
  • d) Weil hohe Temperatur die Oxidation beschleunigt und die Oxidationsinhibitoren schneller verbraucht

Richtig: d)

Höhere Temperatur treibt die Oxidation an und zehrt die schützenden Inhibitoren schneller auf; danach altert das Öl rapide. Ein Auslaufen (a), eine VI-Erhöhung (b) oder ein Wassereinzug (c) sind nicht der maßgebliche Mechanismus.

Das Öl einer Anlage ist milchig-trüb. Worauf deutet das hin, und was ist der richtige erste Schritt?

  • a) Auf Überhitzung – sofort Öl nachfüllen
  • b) Auf normalen Betrieb – keine Maßnahme nötig
  • c) Auf zu hohen Viskositätsindex – Öl verdünnen
  • d) Auf Wassereintrag – Ursache suchen, bevor nur das Öl getauscht wird

Richtig: d)

Milchige Trübung ist ein typisches Zeichen für Wasser im Öl. Nur das Öl zu tauschen behebt die Ursache nicht – die Quelle des Wassereintrags muss gefunden und beseitigt werden. Überhitzung (a) zeigt sich durch dunkle Verfärbung, und die Antworten (b) und (c) sind sachlich falsch.

Warum ist die Ölanalyse dem reinen „Schauen und Riechen“ überlegen?

  • a) Weil sie billiger ist als jede Sichtprüfung
  • b) Weil sie den Ölwechsel überflüssig macht
  • c) Weil sie nur bei neuen Anlagen funktioniert
  • d) Weil sie Viskosität, Wassergehalt, Säurezahl und Partikel objektiv misst

Richtig: d)

Die Laboranalyse liefert objektive Messwerte zum Ölzustand und erlaubt, den Wechsel zum richtigen Zeitpunkt zu planen. Sie ist nicht billiger als bloßes Hinschauen (a), macht den Wechsel nicht überflüssig (b) und ist nicht auf neue Anlagen beschränkt (c).

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein Hydrauliköl hat bei Betriebstemperatur eine dynamische Viskosität von 0,032 Pa·s und eine Dichte von 865 kg/m³. Berechne die kinematische Viskosität in mm²/s.

Gegeben: η = 0,032 Pa·s; ρ = 865 kg/m³

Gesucht: ν in mm²/s

Lösungsweg:

  1. ν = η / ρ = 0,032 / 865 = 0,00003699 m²/s
  2. 0,00003699 · 1 000 000 = 36,99 mm²/s

Ergebnis: ν ≈ 37,0 mm²/s

Aufgabe 2: Ein Öl der Klasse ISO VG 68 soll bei 40 °C rund 68 mm²/s haben. Gemessen wird bei 40 °C eine dynamische Viskosität von 0,060 Pa·s bei einer Dichte von 880 kg/m³. Liegt das Öl im Bereich seiner Klasse?

Gegeben: η = 0,060 Pa·s; ρ = 880 kg/m³

Gesucht: ν in mm²/s, Vergleich mit VG 68

Lösungsweg:

  1. ν = 0,060 / 880 = 0,00006818 m²/s
  2. 0,00006818 · 1 000 000 = 68,18 mm²/s

Ergebnis: ν ≈ 68,2 mm²/s – das passt zur Klasse ISO VG 68.

Aufgabe 3: Ein Öl hat eine kinematische Viskosität von 50 mm²/s bei einer Dichte von 900 kg/m³. Berechne die dynamische Viskosität in Pa·s.

Gegeben: ν = 50 mm²/s = 0,00005 m²/s; ρ = 900 kg/m³

Gesucht: η in Pa·s

Lösungsweg:

  1. η = ν · ρ = 0,00005 · 900 = 0,045 Pa·s

Ergebnis: η = 0,045 Pa·s = 45 mPa·s

Aufgabe 4: Eine Pumpe fordert für sicheren Betrieb mindestens 20 mm²/s. Bei der höchsten Öltemperatur misst man η = 0,0165 Pa·s bei ρ = 850 kg/m³. Wird die Mindestviskosität noch erreicht?

Gegeben: η = 0,0165 Pa·s; ρ = 850 kg/m³; Grenze 20 mm²/s

Gesucht: ν und Vergleich

Lösungsweg:

  1. ν = 0,0165 / 850 = 0,00001941 m²/s
  2. 0,00001941 · 1 000 000 = 19,41 mm²/s

Ergebnis: ν ≈ 19,4 mm²/s – das liegt unter der Mindestgrenze von 20 mm²/s, der Betriebspunkt ist kritisch.

Welche Aussage zur Viskosität eines Hydrauliköls ist korrekt?

  • a) Sie sinkt mit steigender Temperatur
  • b) Sie steigt mit der Temperatur
  • c) Sie ist von der Temperatur unabhängig
  • d) Sie hängt nur von der Dichte ab

Richtig: a)

Mit steigender Temperatur wird Öl dünnflüssiger, die Viskosität sinkt. Sie steigt nicht (b), ist temperaturabhängig (c) und nicht allein durch die Dichte bestimmt (d).

Auf einem Kennblatt steht „ISO VG 32″. Was sagt das aus?

  • a) Kinematische Viskosität rund 32 mm²/s bei 40 °C
  • b) Viskositätsindex 32
  • c) Dichte 32 kg/m³
  • d) Flammpunkt 32 °C

Richtig: a)

Die ISO-VG-Zahl gibt die kinematische Viskosität bei 40 °C an. Sie steht nicht für den VI (b), die Dichte (c) oder den Flammpunkt (d).

Welche Folge hat eine zu niedrige Betriebsviskosität?

  • a) Schmierfilmabriss und steigender Leckölstrom
  • b) Höhere Reibungsverluste in den Leitungen
  • c) Schlechteres Ansaugen der Pumpe
  • d) Höhere Kompressibilität

Richtig: a)

Zu dünnes Öl reißt den Schmierfilm und erhöht die innere Leckage. Hohe Leitungsreibung (b) und schlechtes Ansaugen (c) sind Folgen zu hoher Viskosität, und die Kompressibilität (d) hängt nicht an der Viskosität.

Zwei Öle gehören zur selben ISO-VG-Klasse, eines hat einen deutlich höheren Viskositätsindex. Was trifft zu?

  • a) Sie verhalten sich bei allen Temperaturen identisch
  • b) Das Öl mit höherem VI bleibt über einen weiteren Temperaturbereich brauchbar
  • c) Das Öl mit höherem VI ist bei 40 °C deutlich dünner
  • d) Der VI hat keinen Einfluss auf die Praxis

Richtig: b)

Ein hoher VI bedeutet eine flache Temperaturkurve, das Öl bleibt über einen weiten Bereich nutzbar. Bei 40 °C sind beide gleich (das definiert die Klasse), also nicht dünner (c); identisch verhalten sie sich nur am Bezugspunkt, nicht überall (a); und der VI ist sehr wohl praxisrelevant (d).

Wofür stehen die Zusatzbuchstaben in der Bezeichnung HLP gegenüber HL?

  • a) Für eine höhere Dichte
  • b) Für einen zusätzlichen Verschleißschutz
  • c) Für eine niedrigere Viskosität
  • d) Für biologische Abbaubarkeit

Richtig: b)

HLP hat gegenüber HL zusätzlich ein Verschleißschutz-Additiv (AW). Mit Dichte (a), Viskosität (c) oder Abbaubarkeit (d) hat das Kürzel nichts zu tun.

Welche Ölart ist für eine mobile Maschine mit großem Temperaturbereich am besten geeignet?

  • a) HL
  • b) HVLP
  • c) HLP
  • d) Eine schwer entflammbare HFC-Flüssigkeit

Richtig: b)

HVLP hat dank VI-Verbesserern einen hohen Viskositätsindex und deckt große Temperaturbereiche ab. HL (a) und HLP (c) haben niedrigeren VI; HFC (d) ist für Brandgefahr gedacht, nicht primär für den Temperaturbereich.

Ein Öl ist milchig-trüb geworden. Welche Ursache ist am wahrscheinlichsten?

  • a) Oxidation
  • b) Zu hoher Viskositätsindex
  • c) Wassereintrag
  • d) Zu niedrige Dichte

Richtig: c)

Milchige Trübung deutet auf Wasser im Öl hin. Oxidation (a) zeigt sich durch dunkle Verfärbung und sauren Geruch; VI (b) und Dichte (d) verursachen keine Trübung.

Warum gilt das Hydrauliköl als Konstruktionselement?

  • a) Weil es das teuerste Bauteil ist
  • b) Weil es gesetzlich vorgeschrieben ist
  • c) Weil seine Eigenschaften Wirkungsgrad, Verschleiß und Lebensdauer der Anlage mitbestimmen
  • d) Weil es nicht ausgetauscht werden kann

Richtig: c)

Das Öl erfüllt mehrere Funktionen gleichzeitig und beeinflusst das Verhalten der gesamten Anlage, daher wird es wie ein Bauteil ausgewählt. Preis (a), Vorschrift (b) und Austauschbarkeit (d) sind nicht der Grund.

Was passiert mit den VI-Verbesserern im Langzeitbetrieb?

  • a) Sie verdampfen
  • b) Sie binden Wasser
  • c) Sie werden an Drosselstellen mechanisch zerschert und verlieren Wirkung
  • d) Sie erhöhen ihre Wirkung mit der Zeit

Richtig: c)

Die langen Molekülketten werden in engen Spalten zerschert, der VI sinkt mit der Zeit. Verdampfen (a), Wasserbindung (b) oder eine Wirkungssteigerung (d) treffen nicht zu.

Eine Anlage zeigt federndes, schwammiges Zylinderverhalten bei einwandfreier Mechanik. Welche ölbezogene Ursache ist am wahrscheinlichsten?

  • a) Zu hohe Dichte
  • b) Zu hoher Flammpunkt
  • c) Zu niedriger Wassergehalt
  • d) Eingeschlossene bzw. mitgerissene Luft im Öl

Richtig: d)

Reines Öl ist nahezu inkompressibel; eingeschlossene Luft lässt sich zusammendrücken und macht die Anlage federnd. Dichte (a), Flammpunkt (b) und Wassergehalt (c) verursachen das nicht.

Welche Kennzahl beschreibt, wie stark sich die Viskosität mit der Temperatur ändert?

  • a) Die ISO-VG-Klasse
  • b) Die Dichte
  • c) Der Flammpunkt
  • d) Der Viskositätsindex

Richtig: d)

Der Viskositätsindex beschreibt die Temperaturabhängigkeit der Viskosität; hoher VI bedeutet geringe Änderung. Die VG-Klasse (a) gibt nur den 40-°C-Wert, Dichte (b) und Flammpunkt (c) sagen nichts über die Temperaturkurve.

Was ist in der Praxis die häufigste Ausfallursache von Hydraulikanlagen?

  • a) Zu hoher Flammpunkt des Öls
  • b) Zu niedrige Dichte
  • c) Ein zu hoher Viskositätsindex
  • d) Verschmutzung des Öls durch Feststoffe

Richtig: d)

Feststoffpartikel wirken wie Schmirgel in den engen Spalten und sind die häufigste Ausfallursache. Flammpunkt (a), Dichte (b) und ein hoher VI (c) sind keine typischen Ausfallgründe.

Glossar

Viskosität
Maß für die innere Reibung bzw. Zähflüssigkeit eines Fluids; bestimmt das Fließverhalten und ist der wichtigste Auswahlkennwert eines Hydrauliköls.
Dynamische Viskosität (η)
Innere Reibung eines Fluids, angegeben in Pa·s.
Kinematische Viskosität (ν)
Dynamische Viskosität bezogen auf die Dichte (ν = η/ρ), angegeben in mm²/s; der auf Kennblättern übliche Wert.
ISO-VG-Klasse
Viskositätsklasse nach ÖNORM EN ISO 3448, benannt nach der kinematischen Viskosität bei 40 °C (z. B. VG 46 ≈ 46 mm²/s).
Viskositätsindex (VI)
Dimensionslose Kennzahl für die Temperaturabhängigkeit der Viskosität; hoher VI = flache Kurve = geringe Änderung über die Temperatur.
Schmierfilm
Tragender Ölfilm zwischen bewegten Metallflächen, der direkten Metallkontakt und damit Verschleiß verhindert.
Leckölstrom
Innere Leckage, bei der Öl durch enge Spalte entweicht; steigt bei zu niedriger Viskosität und senkt den volumetrischen Wirkungsgrad.
Additive
Gezielt zugegebene Zusätze, die einzelne Öleigenschaften verbessern, etwa Oxidations-, Korrosions- und Verschleißschutz oder den Viskositätsindex.
Verschleißschutz-Additiv (AW/EP)
Zusatz, der den Schmierfilm unter hoher und punktueller Last tragfähig hält (AW = anti-wear, EP = extreme pressure).
VI-Verbesserer
Langkettige Moleküle, die den Viskositätsindex anheben; werden im Betrieb durch Scherung allmählich abgebaut.
Pourpoint (Stockpunkt)
Tiefste Temperatur, bei der das Öl gerade noch fließt.
Flammpunkt
Temperatur, ab der sich die Öldämpfe entzünden lassen; ein Sicherheitskennwert.
HLP / HVLP / HL / HLPD
Bezeichnungen für Mineralöl-Hydrauliköle nach ihrer Additivierung: HL (Oxidations-/Korrosionsschutz), HLP (zusätzlich Verschleißschutz), HVLP (zusätzlich hoher VI), HLPD (zusätzlich wasser- und schmutzaufnehmend).
Ölanalyse
Laboruntersuchung des Öls auf Viskosität, Wassergehalt, Säurezahl und Partikel zur objektiven Zustandsbeurteilung.

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