Hydraulikzylinder und -motoren

Am Ende jeder Hydraulikanlage steht ein Bauteil, das den Öldruck in etwas Nutzbares umsetzt: in eine Bewegung. Eine Presse schließt ihr Werkzeug, ein Bagger hebt seinen Ausleger, eine Seilwinde dreht ihre Trommel. Zwei Gerätegruppen erledigen diese Arbeit. Hydraulikzylinder wandeln den Druck in eine geradlinige Kraft und einen Hub um, Hydromotoren in eine fortlaufende Drehbewegung.

Wer verstehen will, warum ein Zylinder beim Ausfahren stärker drückt als beim Einfahren zieht, oder warum ein kleiner Hydromotor ein erstaunlich großes Drehmoment liefert, braucht nur eine Handvoll Zusammenhänge: Druck, Fläche, Kraft, Volumenstrom. Dieser Beitrag bringt sie zusammen und zeigt, wie man hydraulische Antriebe auslegt und beurteilt.

Vorwissen

  • Hydraulik-Grundlagen: Pascal’sches Gesetz und Druckübersetzung
  • Kraft, Masse, Beschleunigung
  • Drehbewegung und Drehmoment

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • Hydraulikzylinder und Hydromotoren als die beiden Verbrauchertypen einer Hydraulikanlage einordnen und ihre Bauarten unterscheiden
  • die genormten Schaltzeichen nach ÖNORM EN ISO 1219 für Zylinder und Motoren in einem Schaltplan erkennen
  • Kolbenkraft, Aus- und Einfahrgeschwindigkeit sowie das Verhalten einer Differenzialschaltung berechnen
  • Drehmoment und Drehzahl eines Hydromotors aus Schluckvolumen, Druck und Volumenstrom bestimmen
  • den Einfluss von Wirkungsgrad und Leckage auf reale Leistung und Auslegung beurteilen

1. Vom Druck zur Bewegung — der hydraulische Antrieb

Eine Hydraulikanlage transportiert Energie über ein Drucköl. Die Pumpe brings das Öl auf Druck und liefert einen Volumenstrom, Ventile lenken es, und am Ende sitzt der Verbraucher — das Bauteil, das die hydraulische Energie wieder in mechanische Bewegung zurückverwandelt. Genau diese Verbraucher sind das Thema hier.

Es gibt zwei Sorten. Der Hydraulikzylinder erzeugt eine geradlinige (translatorische) Bewegung: Kolben fährt aus, Kolben fährt ein. Der Hydromotor erzeugt eine drehende (rotatorische) Bewegung, die im Prinzip endlos weiterlaufen kann. Beide arbeiten mit denselben zwei Grundgrößen.

Die erste betrifft die Kraft. Druck, der auf eine Fläche wirkt, erzeugt eine Kraft:

F = p · A

  • F … Kraft in N
  • p … Druck in Pa (1 bar = 100000 Pa)
  • A … wirksame Fläche in m²

In der Praxis rechnet man oft handlicher mit Druck in bar, Fläche in cm² und Kraft in daN, weil sich diese Einheiten direkt aus den üblichen Datenblattangaben ergeben. Der Zusammenhang bleibt derselbe: Je größer die Fläche, auf die ein bestimmter Druck wirkt, desto größer die Kraft.

Die zweite Grundgröße betrifft die Bewegung. Ein zugeführtes Ölvolumen muss irgendwo hin — es schiebt den Kolben weiter oder dreht den Motor weiter:

V = A · s

  • V … verdrängtes Volumen in m³ (oder cm³)
  • A … Kolbenfläche in m² (oder cm²)
  • s … zurückgelegter Weg in m (oder cm)

Teilt man das durch die Zeit, wird aus dem Volumen ein Volumenstrom Q und aus dem Weg eine Geschwindigkeit. Daraus folgt der zweite Kerngedanke: Wie weit oder wie schnell sich ein Verbraucher bewegt, hängt nicht vom Druck ab, sondern vom Volumenstrom. Der Druck bestimmt, wie kräftig es geht; der Volumenstrom bestimmt, wie schnell.

Wie das Öl überhaupt auf Druck kommt und welche Pumpen den Volumenstrom liefern, ist ein Thema für sich und wird hier nicht vertieft. Für diesen Beitrag genügt: Am Verbraucher kommen ein Druck p und ein Volumenstrom Q an, und aus diesen beiden entsteht Bewegung.

Ein doppeltwirkender Zylinder soll schneller ausfahren. Welche Größe muss dafür verändert werden?

  • a) Der zugeführte Volumenstrom muss erhöht werden
  • b) Der Betriebsdruck muss erhöht werden
  • c) Die Ölviskosität muss erhöht werden
  • d) Die Kolbenstange muss verlängert werden

Richtig: a)

Die Geschwindigkeit eines Verbrauchers ergibt sich aus Volumenstrom geteilt durch wirksame Fläche. Mehr Volumenstrom bedeutet mehr Geschwindigkeit. Der Druck bestimmt die Kraft, nicht die Geschwindigkeit (b falsch). Höhere Viskosität erhöht eher die Verluste (c falsch), und die Stangenlänge ändert nur den maximalen Hub, nicht die Geschwindigkeit (d falsch).

Warum lässt sich aus dem reinen Betriebsdruck einer Anlage noch nicht ablesen, welche Kraft ein bestimmter Zylinder aufbringt?

  • a) Weil der Druck nichts mit der Kraft zu tun hat
  • b) Weil die Kraft nur von der Ölmenge abhängt
  • c) Weil die Kraft zusätzlich von der wirksamen Kolbenfläche abhängt
  • d) Weil die Kraft ausschließlich von der Temperatur bestimmt wird

Richtig: c)

Die Kraft folgt aus F = p · A. Derselbe Druck erzeugt an einer großen Kolbenfläche eine große Kraft, an einer kleinen Fläche eine kleine. Ohne die Fläche zu kennen, ist die Kraft nicht bestimmt. Der Druck ist also notwendig, aber nicht allein ausreichend.

2. Hydraulikzylinder — Bauarten

Ein Hydraulikzylinder ist im Kern ein Rohr mit einem beweglichen Kolben darin, an dem eine Kolbenstange nach außen geführt ist. Wie das Öl auf den Kolben wirkt und in welche Richtungen Kraft erzeugt werden kann, unterscheidet die Bauarten.

Beim einfachwirkenden Zylinder wird nur eine Seite mit Drucköl beaufschlagt. Der Kolben fährt unter Druck aus, das Zurückfahren übernimmt etwas anderes — die Last selbst (etwa ein angehobenes Gewicht, das wieder absinkt), eine Rückstellfeder oder das Eigengewicht des Bauteils. Typisch ist diese Bauart beim Hebezylinder einer Kippmulde oder bei einer einfachen Hebebühne.

Der doppeltwirkenden Zylinder ist der Standardfall. Hier wird abwechselnd die Kolbenseite und die Stangenseite mit Druck versorgt. Damit erzeugt der Zylinder in beide Richtungen aktiv Kraft — er drückt beim Ausfahren und zieht beim Einfahren. Genau das macht ihn so flexibel.

Innerhalb der doppeltwirkenden Zylinder gibt es Varianten, die sich durch die Flächenverhältnisse unterscheiden. Der Differenzialzylinder hat eine Stange nur auf einer Seite und damit ungleiche Wirkflächen — er ist der häufigste Fall:

Bauart Merkmal Typische Anwendung
Differenzialzylinder Kolbenfläche und Ringfläche unterschiedlich groß (Stange nur auf einer Seite) Standardfall, Pressen, Hubantriebe
Gleichgangzylinder durchgehende Stange auf beiden Seiten, beide Flächen gleich gleiche Geschwindigkeit und Kraft in beide Richtungen
Teleskopzylinder mehrere ineinander geführte Stufen großer Hub bei kurzer Einbaulänge, z. B. Kippmulde
Plungerzylinder nur Kolbenstange, keine eigentliche Kolbenfläche einfachwirkend, große Kräfte, z. B. Hebebühne

Damit der Kolben am Hubende nicht hart gegen den Deckel schlägt, haben viele Zylinder eine Endlagendämpfung: Kurz vor dem Anschlag wird der Ölabfluss gedrosselt, ein Ölpolster fängt den Kolben ab. Das schont das Material und vermeidet Druckspitzen.

In einem Schaltplan zeichnet man diese Bauteile nicht im Schnitt, sondern als genormtes Symbol nach ÖNORM EN ISO 1219 — der in Österreich und Europa verbindlichen Norm für fluidtechnische Schaltzeichen. Diese Symbole muss man lesen können, sonst bleibt jeder Schaltplan unverständlich.

Einfachwirkender Zylinder (Federrückstellung) Druckanschluss Doppeltwirkender Zylinder zwei Anschlüsse Differenzialzylinder (Flächen ungleich) Kolbenseite groß, Stangenseite klein Hydromotor (zwei Drehrichtungen) Dreiecke nach innen = Verbraucher
Schaltzeichen nach ÖNORM EN ISO 1219

Zwei Details lohnen den Blick. Der einfachwirkende Zylinder hat nur einen Anschluss, der doppeltwirkende zwei. Und beim Motorsymbol zeigen die ausgefüllten Dreiecke nach innen zum Kreis — sie kennzeichnen, dass dem Bauteil Energie zugeführt wird, es also ein Verbraucher ist. Beim Pumpensymbol zeigen dieselben Dreiecke nach außen. Zwei Dreiecke bedeuten, dass der Motor in beide Drehrichtungen betrieben werden kann. Wie man komplette Schaltpläne aus solchen Symbolen liest, ist ein eigenes Thema und wird gesondert behandelt.

Bei welcher Zylinderbauart sind Ausfahr- und Einfahrgeschwindigkeit bei gleichem Volumenstrom identisch?

  • a) Gleichgangzylinder
  • b) Differenzialzylinder
  • c) Plungerzylinder
  • d) Teleskopzylinder

Richtig: a)

Beim Gleichgangzylinder läuft auf beiden Seiten eine Stange durch, dadurch sind Kolben- und Ringfläche gleich groß. Gleiche Fläche bei gleichem Volumenstrom ergibt gleiche Geschwindigkeit in beide Richtungen. Der Differenzialzylinder hat ungleiche Flächen (b falsch), der Plungerzylinder ist einfachwirkend (c falsch), der Teleskopzylinder ändert seine wirksame Fläche stufenweise (d falsch).

In einem Schaltplan ist ein Kreissymbol mit zwei nach innen zeigenden ausgefüllten Dreiecken eingezeichnet. Worum handelt es sich?

  • a) Eine Pumpe für eine Drehrichtung
  • b) Ein einfachwirkender Zylinder
  • c) Ein Hydromotor für zwei Drehrichtungen
  • d) Ein Druckbegrenzungsventil

Richtig: c)

Nach innen gerichtete Dreiecke kennzeichnen ein Bauteil als Verbraucher, dem Energie zugeführt wird — also einen Motor. Zwei Dreiecke stehen für beide Drehrichtungen. Bei einer Pumpe zeigen die Dreiecke nach außen (a falsch). Zylinder und Ventile haben gänzlich andere Symbole (b, d falsch).

Wozu dient die Endlagendämpfung in einem Zylinder?

  • a) Sie erhöht die Ausfahrkraft am Hubende
  • b) Sie verhindert das vollständige Ausfahren des Kolbens
  • c) Sie erhöht die Kolbengeschwindigkeit am Hubende
  • d) Sie drosselt den Ölabfluss kurz vor dem Anschlag und fängt den Kolben ab

Richtig: d)

Die Endlagendämpfung drosselt den Ölabfluss im letzten Stück des Hubs, sodass ein Ölpolster den Kolben sanft abbremst. Das vermeidet harte Schläge und Druckspitzen. Sie erhöht weder Kraft noch Geschwindigkeit (a, c falsch) und verhindert auch nicht das Ausfahren, sondern macht es nur weicher (b falsch).

3. Kräfte und Geschwindigkeiten am Zylinder

Jetzt wird gerechnet. Der Schlüssel zum Verständnis eines doppeltwirkenden Zylinders liegt darin, dass die beiden Seiten des Kolbens unterschiedlich groß sind. Auf der einen Seite wirkt der Druck auf die volle Kolbenfläche. Auf der anderen Seite sitzt die Kolbenstange im Weg, sie nimmt einen Teil der Fläche ein. Es bleibt die Ringfläche — die Kolbenfläche minus der Stangenquerschnitt.

Das folgende Schnittbild zeigt diesen Zusammenhang. Es macht sichtbar, warum derselbe Zylinder beim Ausfahren und Einfahren unterschiedlich reagiert.

Kolben- fläche A_K Ring- fläche A_R Stange A_St Kolbenseite: Druck wirkt on volle Kolbenfläche A_K Stangenseite: Druck wirkt nur auf Ringfläche A_R = A_K − A_St
Wirkflächen im Schnitt — Kolbenfläche und Ringfläche

A_K = (π / 4) · D²

  • A_K … Kolbenfläche in cm²
  • D … Kolbendurchmesser in cm

A_R = (π / 4) · (D² − d²)

  • A_R … Ringfläche in cm²
  • D … Kolbendurchmesser in cm
  • d … Stangendurchmesser in cm

Daraus folgen die Kräfte. Beim Ausfahren wirkt der Druck auf die volle Kolbenfläche, beim Einfahren nur auf die Ringfläche:

F_aus = p · A_K

  • F_aus … Ausfahrkraft in daN
  • p … Druck in bar
  • A_K … Kolbenfläche in cm²

F_ein = p · A_R

  • F_ein … Einfahrkraft in daN
  • p … Druck in bar
  • A_R … Ringfläche in cm²

Weil die Ringfläche kleiner ist als die Kolbenfläche, ist die Einfahrkraft bei gleichem Druck immer kleiner als die Ausfahrkraft. Ein Zylinder drückt kräftiger, als er zieht.

Bei der Geschwindigkeit dreht sich das um. Derselbe Volumenstrom muss eine kleinere Fläche füllen, also bewegt sich der Kolben beim Einfahren schneller. Beim Rechnen mit Praxiseinheiten ist eine Einheitenbereinigung nötig, weil ein Liter 1000 cm³ entspricht und ein Meter 100 cm. Trägt man den Volumenstrom in l/min und die Fläche in cm² ein, sorgt der Faktor 10 dafür, dass die Geschwindigkeit in m/min herauskommt:

v = (10 · Q) / A

  • v … Kolbengeschwindigkeit in m/min
  • Q … Volumenstrom in l/min
  • A … wirksame Fläche in cm²

Wer lieber in den Grundeinheiten cm und cm³ rechnet, lässt den Faktor weg: Q in cm³/s geteilt durch A in cm² ergibt die Geschwindigkeit direkt in cm/s. Genau diese konsistente Variante ist im Calculator unten umgesetzt.

Ein praktischer Sonderfall ist die Differenzialschaltung (auch Eilgangschaltung). Dabei wird das Öl, das beim Ausfahren aus der Stangenseite verdrängt wird, nicht zum Tank zurückgeleitet, sondern auf die Kolbenseite zurückgeführt und dort dem Pumpenstrom zugeschlagen. Effektiv muss die Pumpe dann nur noch das Volumen der Stangenseite — also das der Stangenfläche — neu liefern. Der Zylinder fährt deutlich schneller aus, allerdings bei entsprechend geringerer Kraft, weil als wirksame Fläche nur noch die Stangenfläche zählt.

v_eil = Q / A_St

  • v_eil … Eilgang-Geschwindigkeit
  • Q … Volumenstrom
  • A_St … Stangenfläche in cm²

F_eil = p · A_St

  • F_eil … Eilgang-Kraft
  • p … Druck in bar
  • A_St … Stangenfläche in cm²

Das ist der Trick hinter dem Eilgang vieler Pressen: ein schneller Vorlauf mit wenig Kraft, dann umschalten auf die volle Kolbenfläche für den kraftvollen Pressvorgang.

Gelöstes Beispiel

Ein doppeltwirkender Zylinder hat einen Kolbendurchmesser von 10 cm und einen Stangendurchmesser von 5,6 cm. Er arbeitet mit einem Druck von 150 bar. Berechne Ausfahr- und Einfahrkraft.

Gegeben: D = 10 cm, d = 5,6 cm, p = 150 bar

Gesucht: F_aus und F_ein in daN

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Kolbenfläche:
    A_K = (π / 4) · D² = (π / 4) · 10² = 78,54 cm²
  2. Schritt 2 — Ringfläche:
    A_R = (π / 4) · (D² − d²) = (π / 4) · (100 − 31,36) = 53,90 cm²
  3. Schritt 3 — Ausfahrkraft:
    F_aus = p · A_K = 150 · 78,54 = 11781 daN ≈ 117,8 kN
  4. Schritt 4 — Einfahrkraft:
    F_ein = p · A_R = 150 · 53,90 = 8085 daN ≈ 80,9 kN

Ergebnis: Ausfahrkraft rund 117,8 kN, Einfahrkraft rund 80,9 kN. Der Zylinder drückt deutlich kräftiger, als er zieht.

Übungen

Ein Zylinder mit 6 cm Kolbendurchmesser arbeitet bei 100 bar. Wie groß ist die Ausfahrkraft?

A_K = (π/4)·6² = 28,27 cm²; F_aus = 100 · 28,27 = 2827 daN ≈ 28,3 kN

Ein Volumenstrom von 480 cm³/s wird einem Zylinder mit 8 cm Kolbendurchmesser zugeführt. Wie schnell fährt der Kolben aus?

A_K = (π/4)·8² = 50,27 cm²; v = 480 / 50,27 = 9,55 cm/s

Kolbendurchmesser 7 cm, Stangendurchmesser 4 cm, Druck 180 bar. Berechne die Einfahrkraft.

A_R = (π/4)·(49 − 16) = 25,92 cm²; F_ein = 180 · 25,92 = 4666 daN ≈ 46,7 kN

Derselbe Zylinder wie in Übung 3 wird mit 540 cm³/s versorgt. Vergleiche Ausfahr- und Einfahrgeschwindigkeit.

A_K = (π/4)·49 = 38,48 cm²; v_aus = 540/38,48 = 14,03 cm/s. A_R = 25,92 cm²; v_ein = 540/25,92 = 20,83 cm/s. Einfahren ist schneller, weil die Ringfläche kleiner ist.

Ein Zylinder (D = 9 cm, d = 5 cm) wird in Differenzialschaltung betrieben, Druck 200 bar, Volumenstrom 700 cm³/s. Berechne Eilgang-Geschwindigkeit und Eilgang-Kraft und vergleiche die Kraft mit dem normalen Ausfahren.

A_St = (π/4)·5² = 19,63 cm²; v_eil = 700/19,63 = 35,66 cm/s; F_eil = 200·19,63 = 3927 daN ≈ 39,3 kN. Normales Ausfahren: A_K = (π/4)·81 = 63,62 cm²; F_aus = 200·63,62 = 12723 daN ≈ 127,2 kN. Der Eilgang ist viel schneller, liefert aber nur rund ein Drittel der Kraft.

Ein doppeltwirkender Zylinder wird mit konstantem Druck und konstantem Volumenstrom betrieben. Welche Aussage zum Vergleich von Ausfahren und Einfahren ist richtig?

  • a) Ausfahren ist kraftstärker und schneller
  • b) Ausfahren ist kraftstärker, Einfahren ist schneller
  • c) Einfahren ist kraftstärker und schneller
  • d) Beide sind in Kraft und Geschwindigkeit gleich

Richtig: b)

Beim Ausfahren wirkt der Druck auf die größere Kolbenfläche — mehr Kraft, aber langsamer, weil der Volumenstrom eine große Fläche füllen muss. Beim Einfahren wirkt er auf die kleinere Ringfläche — weniger Kraft, aber höhere Geschwindigkeit. Kraft und Geschwindigkeit verhalten sich gegenläufig, deshalb sind a, c und d falsch.

Warum erreicht ein Zylinder in Differenzialschaltung beim Ausfahren eine besonders hohe Geschwindigkeit?

  • a) Weil die Pumpe einen höheren Druck liefert
  • b) Weil die Kolbenfläche vergrößert wird
  • c) Weil das aus der Stangenseite verdrängte Öl der Kolbenseite zugeschlagen wird und nur die Stangenfläche neu zu füllen ist
  • d) Weil die Ölviskosität sinkt

Richtig: c)

In der Differenzialschaltung wird das Rücköl der Stangenseite auf die Kolbenseite zurückgeführt. Die Pumpe muss dann effektiv nur das Volumen der Stangenfläche liefern, was die Geschwindigkeit stark erhöht. Der Druck ändert sich dadurch nicht (a falsch), die Kolbenfläche bleibt physisch gleich (b falsch), und mit der Viskosität hat der Effekt nichts zu tun (d falsch).

Bei welchem Verhältnis von Kolbendurchmesser D zu Stangendurchmesser d wird die Einfahrkraft genau halb so groß wie die Ausfahrkraft?

  • a) wenn d² = D²/2
  • b) wenn d² = D²
  • c) wenn d = D/2
  • d) wenn d = D/4

Richtig: a)

F_ein/F_aus = A_R/A_K = (D² − d²)/D². Halb so groß heißt (D² − d²)/D² = 0,5, also D² − d² = 0,5·D², somit d² = 0,5·D² = D²/2. Antwort c (d = D/2) ergäbe d² = D²/4 und damit ein Verhältnis von 0,75, nicht 0,5. Antwort b hieße gar keine Ringfläche, d steht für ein noch kleineres Verhältnis.

4. Hydromotoren — kontinuierliche Drehbewegung

Ein Hydromotor ist im Grunde eine Pumpe, die rückwärts läuft. Statt mechanische Drehung in Öldruck umzusetzen, macht er das Umgekehrte: Drucköl strömt hinein und treibt ein drehendes Element an, das Drehmoment und Drehzahl an die Welle abgibt. Die meisten Pumpenbauarten gibt es deshalb auch als Motor.

Die zentrale Kenngröße ist das Schluckvolumen V (auch Verdrängungsvolumen genannt) — das Ölvolumen, das der Motor für eine volle Umdrehung benötigt, angegeben in cm³ pro Umdrehung. Es spielt für den Motor dieselbe Rolle wie die Fläche beim Zylinder: Es verknüpft Druck mit Drehmoment und Volumenstrom mit Drehzahl.

Die wichtigsten Bauarten:

Bauart Eigenschaften Einsatz
Zahnradmotor einfach, robust, günstig, hohe Drehzahl, kleines Schluckvolumen Lüfter, einfache Antriebe
Flügelzellenmotor ruhiger Lauf, mittleres Schluckvolumen mittlere Anwendungen
Axialkolbenmotor hoher Druck, hoher Wirkungsgrad, oft verstellbar Fahrantriebe, leistungsstarke Antriebe
Radialkolbenmotor sehr großes Drehmoment bei niedriger Drehzahl langsamlaufende Hochmomentantriebe, Seilwinden

Langsamlaufende Motoren mit großem Schluckvolumen liefern hohe Drehmomente direkt, oft ohne Getriebe. Schnelllaufende Motoren mit kleinem Schluckvolumen drehen hoch, brauchen für große Momente aber ein nachgeschaltetes Getriebe.

Das theoretische Drehmoment ergibt sich aus Druck und Schluckvolumen:

M = (p · V) / (2 · π)

  • M … Drehmoment in Nm
  • p … Druck in bar (umgerechnet: 1 bar = 0,1 N/mm²)
  • V … Schluckvolumen in cm³/U

Mit p in bar und V in cm³/U liefert die Formel M in der praktischen Form M = (p · V) / (20 · π) das Drehmoment in Nm, weil 1 bar = 0,1 N/mm² und 1 cm³ = 1000 mm³ ineinander aufgehen. Im Calculator unten ist diese Umrechnung bereits eingebaut.

Die theoretische Drehzahl ergibt sich aus Volumenstrom und Schluckvolumen:

n = Q / V

  • n … Drehzahl in U/min
  • Q … Volumenstrom in cm³/min
  • V … Schluckvolumen in cm³/U

Auch hier gilt das Grundmuster: Der Druck bestimmt das Drehmoment, der Volumenstrom die Drehzahl. Ein Hydromotor ist dadurch sehr kompakt im Verhältnis zu seiner Leistung, liefert ein hohes Anlaufmoment schon aus dem Stillstand und lässt sich kurzzeitig überlasten, ohne Schaden zu nehmen — Eigenschaften, mit denen ein gleich großer Elektromotor nicht mithalten kann. Die hier berechneten Werte sind theoretische Idealwerte; wie Verluste und Wirkungsgrad sie in die Realität rücken, klärt das nächste Kapitel.

Gelöstes Beispiel

Ein Hydromotor mit einem Schluckvolumen von 50 cm³/U arbeitet bei 180 bar und wird mit einem Volumenstrom von 25 l/min versorgt. Berechne theoretisches Drehmoment und Drehzahl.

Gegeben: V = 50 cm³/U, p = 180 bar, Q = 25 l/min = 25000 cm³/min

Gesucht: M in Nm und n in U/min

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Drehmoment:
    M = (p · V) / (20 · π) = (180 · 50) / (20 · π) = 9000 / 62,83 = 143,2 Nm
  2. Schritt 2 — Drehzahl:
    n = Q / V = 25000 / 50 = 500 U/min

Ergebnis: theoretisches Drehmoment rund 143,2 Nm bei einer Drehzahl von 500 U/min.

Übungen

Ein Motor mit 30 cm³/U läuft bei 150 bar. Wie groß ist das theoretische Drehmoment?

M = (150 · 30)/(20·π) = 4500/62,83 = 71,6 Nm

Volumenstrom 18 l/min, Schluckvolumen 40 cm³/U. Berechne die Drehzahl.

n = 18000/40 = 450 U/min

Ein Motor soll bei 220 bar ein Drehmoment von 200 Nm liefern. Welches Schluckvolumen ist nötig?

V = (M · 20 · π)/p = (200 · 62,83)/220 = 12566/220 = 57,1 cm³/U

Ein Motor mit 25 cm³/U soll mit 800 U/min drehen. Welcher Volumenstrom ist erforderlich?

Q = n · V = 800 · 25 = 20000 cm³/min = 20 l/min

Ein Radialkolbenmotor mit 250 cm³/U arbeitet bei 160 bar und 12 l/min. Berechne Drehmoment und Drehzahl und beurteile, ob er eher schnell- oder langsamlaufend ist.

M = (160·250)/(20·π) = 40000/62,83 = 636,6 Nm; n = 12000/250 = 48 U/min. Sehr hohes Drehmoment bei niedriger Drehzahl — ein typischer langsamlaufender Hochmomentmotor.

Zwei Hydromotoren laufen am selben Druck. Motor A hat das doppelte Schluckvolumen von Motor B. Was gilt für das theoretische Drehmoment?

  • a) Beide liefern dasselbe Drehmoment
  • b) Motor A liefert das doppelte Drehmoment
  • c) Motor B liefert das doppelte Drehmoment
  • d) Das Drehmoment hängt nur vom Volumenstrom ab

Richtig: b)

Das Drehmoment folgt aus M = (p · V)/(2π). Bei gleichem Druck ist es direkt proportional zum Schluckvolumen. Doppeltes Schluckvolumen heißt doppeltes Drehmoment, also liefert A das doppelte. Der Volumenstrom bestimmt die Drehzahl, nicht das Drehmoment (d falsch).

Ein Antrieb braucht ein hohes Drehmoment bei sehr niedriger Drehzahl, möglichst ohne Getriebe. Welche Bauart passt am besten?

  • a) Zahnradmotor
  • b) schnelllaufender Axialkolbenmotor mit kleinem Schluckvolumen
  • c) langsamlaufender Radialkolbenmotor mit großem Schluckvolumen
  • d) Flügelzellenmotor mit kleinem Schluckvolumen

Richtig: c)

Großes Drehmoment bei niedriger Drehzahl ohne Getriebe ist die Domäne des langsamlaufenden Radialkolbenmotors mit großem Schluckvolumen. Zahnradmotoren und kleine Schluckvolumina drehen hoch und liefern wenig Moment (a, b, d falsch).

Welche Eigenschaft unterscheidet einen Hydromotor vorteilhaft von einem gleich großen Elektromotor?

  • a) Er benötigt keine Energiezufuhr
  • b) Er hat grundsätzlich keinen Wirkungsgradverlust
  • c) Seine Drehzahl ist unabhängig vom Volumenstrom
  • d) Er kann kurzzeitig überlastet werden und liefert hohes Anlaufmoment

Richtig: d)

Hydromotoren are kompakt, liefern aus dem Stand ein hohes Moment und vertragen kurzzeitige Überlast, ohne Schaden zu nehmen. Energie braucht auch er, in Form von Drucköl (a falsch); Verluste hat er sehr wohl (b falsch); und seine Drehzahl hängt direkt vom Volumenstrom ab (c falsch).

5. Auslegung in der Praxis — Druck, Volumenstrom, Wirkungsgrad

In den bisherigen Kapiteln wurde mit idealen Werten gerechnet. Die Realität bringt Verluste mit, und die muss man kennen, um einen Antrieb nicht zu knapp auszulegen.

Zunächst der Zusammenhang, der alles verbindet. Die hydraulische Leistung ist das Produkt aus Druck und Volumenstrom:

P = (p · Q) / 600

  • P … Leistung in kW
  • p … Druck in bar
  • Q … Volumenstrom in l/min

Der Faktor 600 fasst die Einheitenumrechnung von bar und l/min auf kW zusammen. Diese Leistung steht am Eingang des Verbrauchers an. Was an der Welle oder Kolbenstange ankommt, ist weniger — wegen der Verluste.

Verluste treten in zwei Formen auf. Die volumetrischen Verluste entstehen durch Leckage: Ein Teil des Öls strömt durch Spalte ab, ohne Arbeit zu leisten. Der Kolben bewegt sich dadurch etwas langsamer, der Motor dreht etwas langsamer, als es der zugeführte Volumenstrom erwarten ließe. Das beschreibt der volumetrische Wirkungsgrad. Die mechanisch-hydraulischen Verluste entstehen durch Reibung an Dichtungen, Kolben und Lagern. Sie verringern die nutzbare Kraft beziehungsweise das nutzbare Drehmoment und werden vom mechanisch-hydraulischen Wirkungsgrad erfasst.

Das Produkt beider ergibt den Gesamtwirkungsgrad:

eta_ges = eta_vol · eta_mh

  • eta_ges … Gesamtwirkungsgrad
  • eta_vol … volumetrischer Wirkungsgrad
  • eta_mh … mechanisch-hydraulischer Wirkungsgrad

Die reale abgegebene Leistung ist entsprechend kleiner als die zugeführte hydraulische Leistung:

P_ab = P_zu · eta_ges

  • P_ab … abgegebene mechanische Leistung in kW
  • P_zu … zugeführte hydraulische Leistung in kW
  • eta_ges … Gesamtwirkungsgrad

Für die Auslegung heißt das konkret: Man geht vom geforderten Ergebnis aus — welche Kraft, welche Geschwindigkeit, welches Drehmoment, welche Drehzahl gebraucht wird — und rechnet rückwärts. Aus Kraft und Fläche (oder Drehmoment und Schluckvolumen) ergibt sich der nötige Druck, aus Geschwindigkeit und Fläche (oder Drehzahl und Schluckvolumen) der nötige Volumenstrom. Beide zusammen ergeben die Leistung, die die Pumpe liefern muss. Und weil Verluste dazukommen, schlägt man den Wirkungsgrad als Reserve auf, damit der Antrieb auch unter ungünstigen Bedingungen das Geforderte schafft.

Gelöstes Beispiel

Eine Anlage arbeitet mit 200 bar und einem Volumenstrom von 24 l/min. Der volumetrische Wirkungsgrad beträgt 0,94, der mechanisch-hydraulische 0,88. Berechne die zugeführte hydraulische Leistung und die reale Abgabeleistung.

Gegeben: p = 200 bar, Q = 24 l/min, eta_vol = 0,94, eta_mh = 0,88

Gesucht: P_zu und P_ab in kW

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — hydraulische Leistung:
    P_zu = (p · Q) / 600 = (200 · 24) / 600 = 4800 / 600 = 8,0 kW
  2. Schritt 2 — Gesamtwirkungsgrad:
    eta_ges = 0,94 · 0,88 = 0,827
  3. Schritt 3 — Abgabeleistung:
    P_ab = 8,0 · 0,827 = 6,62 kW

Ergebnis: zugeführt 8,0 kW, abgegeben rund 6,62 kW. Knapp 1,4 kW gehen als Verlustleistung in Wärme über.

Übungen

Druck 160 bar, Volumenstrom 30 l/min. Wie groß ist die hydraulische Leistung?

P = (160 · 30)/600 = 4800/600 = 8,0 kW

Eine Anlage liefert 7,5 kW hydraulisch bei einem Gesamtwirkungsgrad von 0,82. Wie groß ist die Abgabeleistung?

P_ab = 7,5 · 0,82 = 6,15 kW

Volumetrischer Wirkungsgrad 0,96, mechanisch-hydraulischer 0,91. Wie groß ist der Gesamtwirkungsgrad?

eta_ges = 0,96 · 0,91 = 0,874

Ein Antrieb soll mechanisch 5 kW abgeben, der Gesamtwirkungsgrad beträgt 0,80. Welche hydraulische Leistung muss zugeführt werden?

P_zu = 5 / 0,80 = 6,25 kW

Ein Zylinder soll 90 kN bei einer Ausfahrgeschwindigkeit von 0,2 m/s aufbringen. Welche mechanische Leistung ist das, und welche hydraulische Leistung muss bei einem Gesamtwirkungsgrad von 0,85 bereitstehen?

P_ab = F · v = 90000 · 0,2 = 18000 W = 18 kW. P_zu = 18 / 0,85 = 21,2 kW.

Eine Anlage führt 10 kW hydraulische Leistung zu, der Gesamtwirkungsgrad beträgt 0,8. Welche mechanische Leistung steht zur Verfügung und wo bleibt der Rest?

  • a) 10 kW, es gibt keinen Verlust
  • b) 12,5 kW, der Wirkungsgrad erhöht die Leistung
  • c) 8 kW, 2 kW werden in der Pumpe gespeichert
  • d) 8 kW, 2 kW gehen überwiegend als Wärme verloren

Richtig: d)

P_ab = 10 · 0,8 = 8 kW. Die fehlenden 2 kW sind Verlustleistung, die überwiegend als Wärme im Öl anfällt. Der Wirkungsgrad kann eine Leistung nie erhöhen (b falsch), und gespeichert wird nichts (c falsch).

Wodurch sinkt vor allem die tatsächliche Drehzahl eines Hydromotors gegenüber dem theoretischen Wert?

  • a) durch volumetrische Verluste (Leckage)
  • b) durch mechanische Reibung in den Lagern
  • c) durch ein zu großes Schluckvolumen
  • d) durch zu hohen Betriebsdruck

Richtig: a)

Die Drehzahl hängt vom tatsächlich wirksamen Volumenstrom ab. Leckage führt Öl an der Verdrängung vorbei, dadurch dreht der Motor langsamer als theoretisch — das ist der volumetrische Verlust. Reibung mindert vor allem das Drehmoment, nicht primär die Drehzahl (b falsch). Schluckvolumen und Druck sind Auslegungsgrößen, keine Verlustursachen (c, d falsch).

Ein Antrieb soll 6 kW mechanisch abgeben. Der Gesamtwirkungsgrad liegt bei 0,75. Welche hydraulische Leistung muss mindestens bereitstehen?

  • a) 4,5 kW
  • b) 6,0 kW
  • c) 8,0 kW
  • d) 6,75 kW

Richtig: c)

Man rechnet die geforderte Abgabeleistung durch den Wirkungsgrad: P_zu = 6 / 0,75 = 8,0 kW. Wer mit 0,75 multipliziert (4,5 kW), rechnet falsch herum (a falsch). 6,0 kW ignoriert die Verluste (b falsch), 6,75 kW entspricht keiner sinnvollen Rechnung (d falsch).

Abschlusstest

Aufgabe 1: Ein doppeltwirkender Zylinder hat 12 cm Kolbendurchmesser und 7 cm Stangendurchmesser. Er arbeitet bei 140 bar.

Gegeben: D = 12 cm, d = 7 cm, p = 140 bar

Gesucht: Ausfahr- und Einfahrkraft in kN

Lösungsweg:

  1. A_K = (π/4)·12² = 113,10 cm²
  2. A_R = (π/4)·(144 − 49) = 74,61 cm²
  3. F_aus = 140·113,10 = 15834 daN
  4. F_ein = 140·74,61 = 10446 daN

Ergebnis: Ausfahrkraft rund 158,3 kN, Einfahrkraft rund 104,5 kN

Aufgabe 2: Demselben Zylinder werden 720 cm³/s zugeführt.

Gegeben: A_K = 113,10 cm², A_R = 74,61 cm², Q = 720 cm³/s

Gesucht: Ausfahr- und Einfahrgeschwindigkeit

Lösungsweg:

  1. v_aus = 720/113,10 = 6,37 cm/s
  2. v_ein = 720/74,61 = 9,65 cm/s

Ergebnis: Ausfahren 6,37 cm/s, Einfahren 9,65 cm/s

Aufgabe 3: Ein Zylinder (D = 10 cm, d = 6 cm) wird in Differenzialschaltung bei 180 bar betrieben, Volumenstrom 900 cm³/s.

Gegeben: D = 10 cm, d = 6 cm, p = 180 bar, Q = 900 cm³/s

Gesucht: Eilgang-Geschwindigkeit und Eilgang-Kraft

Lösungsweg:

  1. A_St = (π/4)·6² = 28,27 cm²
  2. v_eil = 900/28,27 = 31,84 cm/s
  3. F_eil = 180·28,27 = 5089 daN

Ergebnis: Eilgang-Geschwindigkeit 31,84 cm/s, Eilgang-Kraft rund 50,9 kN

Aufgabe 4: Ein Hydromotor mit 60 cm³/U arbeitet bei 210 bar und 30 l/min.

Gegeben: V = 60 cm³/U, p = 210 bar, Q = 30000 cm³/min

Gesucht: theoretisches Drehmoment und Drehzahl

Lösungsweg:

  1. M = (210·60)/(20·π) = 12600/62,83 = 200,5 Nm
  2. n = 30000/60 = 500 U/min

Ergebnis: Drehmoment rund 200,5 Nm, Drehzahl 500 U/min

Aufgabe 5: Ein Motor soll bei 1000 U/min ein Drehmoment von 80 Nm bei 160 bar liefern.

Gegeben: n = 1000 U/min, M = 80 Nm, p = 160 bar

Gesucht: erforderliches Schluckvolumen und Volumenstrom

Lösungsweg:

  1. V = (M·20·π)/p = (80·62,83)/160 = 5026/160 = 31,4 cm³/U
  2. Q = n·V = 1000·31,4 = 31400 cm³/min = 31,4 l/min

Ergebnis: Schluckvolumen rund 31,4 cm³/U, Volumenstrom rund 31,4 l/min

Aufgabe 6: Eine Anlage arbeitet mit 190 bar und 27 l/min. Volumetrischer Wirkungsgrad 0,93, mechanisch-hydraulischer 0,89.

Gegeben: p = 190 bar, Q = 27 l/min, eta_vol = 0,93, eta_mh = 0,89

Gesucht: hydraulische Leistung und Abgabeleistung

Lösungsweg:

  1. P_zu = (190·27)/600 = 5130/600 = 8,55 kW
  2. eta_ges = 0,93·0,89 = 0,828
  3. P_ab = 8,55·0,828 = 7,08 kW

Ergebnis: zugeführt 8,55 kW, abgegeben rund 7,08 kW

Welche Aussage zur Kraft eines doppeltwirkenden Zylinders ist richtig?

  • a) Die Ausfahrkraft ist größer, weil die Kolbenfläche größer ist als die Ringfläche
  • b) Einfahrkraft und Ausfahrkraft sind immer gleich
  • c) Die Einfahrkraft ist größer, weil die Stange zusätzlich zieht
  • d) Die Kräfte hängen nur vom Volumenstrom ab

Richtig: a)

Beim Ausfahren wirkt der Druck auf die volle Kolbenfläche, beim Einfahren nur auf die kleinere Ringfläche. Größere Fläche bei gleichem Druck heißt größere Kraft. Die Stange erzeugt keine zusätzliche Zugkraft (c falsch), und Kraft hängt von Druck und Fläche ab, nicht vom Volumenstrom (d falsch).

Ein einfachwirkender Zylinder ohne Feder hebt eine Last. Wie fährt er wieder ein?

  • a) durch Öldruck auf der Stangenseite
  • b) durch das Gewicht der Last selbst
  • c) gar nicht, er bleibt ausgefahren
  • d) durch Umkehr der Pumpendrehrichtung

Richtig: b)

Ein einfachwirkender Zylinder hat nur einen Druckanschluss. Ohne Feder übernimmt die Last das Zurückfahren: Das Gewicht drückt den Kolben zurück, das Öl strömt zum Tank ab. Eine Stangenseite zum Druckaufbau gibt es nicht (a falsch), und die Pumpendrehrichtung ändert daran nichts (d falsch).

Warum fährt ein Differenzialzylinder im Eilgang schneller aus als in Standardschaltung?

  • a) weil der Druck verdoppelt wird
  • b) weil die Kolbenfläche im Eilgang größer wird
  • c) weil die Ölviskosität sinkt
  • d) weil das Rücköl der Stangenseite der Kolbenseite zugeführt wird und nur die Stangenfläche neu zu füllen ist

Richtig: d)

In der Differenzialschaltung wird das verdrängte Stangenseiten-Öl auf die Kolbenseite zurückgeführt. Effektiv ist nur das Volumen der Stangenfläche neu zu liefern, das ergibt eine hohe Geschwindigkeit bei reduzierter Kraft. Der Druck bleibt gleich (a falsch), die Kolbenfläche ist physisch unverändert (b falsch).

Bei einem Hydromotor wird der Betriebsdruck verdoppelt, das Schluckvolumen bleibt gleich. Was passiert mit dem theoretischen Drehmoment?

  • a) Es verdoppelt sich
  • b) Es bleibt gleich
  • c) Es halbiert sich
  • d) Es vervierfacht sich

Richtig: a)

Das Drehmoment folgt aus M = (p · V)/(2π) und ist bei konstantem Schluckvolumen direkt proportional zum Druck. Doppelter Druck heißt doppeltes Drehmoment.

Wovon hängt die Drehzahl eines Hydromotors bei gegebenem Schluckvolumen ab?

  • a) vom Betriebsdruck
  • b) vom zugeführten Volumenstrom
  • c) vom Drehmoment an der Welle
  • d) von der Öltemperatur allein

Richtig: b)

Die Drehzahl ergibt sich aus n = Q / V. Bei festem Schluckvolumen bestimmt der Volumenstrom die Drehzahl. Der Druck bestimmt das Drehmoment (a falsch), das abgegebene Moment ist eine Folge, keine Ursache der Drehzahl (c falsch).

Eine Bauart liefert sehr großes Drehmoment bei niedriger Drehzahl, oft ohne Getriebe. Welche ist es?

  • a) Zahnradmotor
  • b) schnelllaufender Axialkolbenmotor
  • c) Flügelzellenmotor mit kleinem Schluckvolumen
  • d) langsamlaufender Radialkolbenmotor

Richtig: d)

Großes Schluckvolumen bei niedriger Drehzahl ist typisch für den langsamlaufenden Radialkolbenmotor, der hohe Drehmomente direkt liefert. Die anderen Bauarten drehen höher und liefern weniger Moment.

Der Gesamtwirkungsgrad einer Anlage ergibt sich wie?

  • a) als Summe von volumetrischem und mechanisch-hydraulischem Wirkungsgrad
  • b) als Produkt von volumetrischem und mechanisch-hydraulischem Wirkungsgrad
  • c) als Differenz der beiden Wirkungsgrade
  • d) als Mittelwert der beiden Wirkungsgrade

Richtig: b)

Die beiden Verlustarten wirken nacheinander, ihre Wirkungsgrade multiplizieren sich: eta_ges = eta_vol · eta_mh. Summe, Differenz oder Mittelwert ergeben physikalisch keinen sinnvollen Gesamtwirkungsgrad.

Welche Wirkung hat interne Leckage in einem Hydraulikzylinder?

  • a) Sie erhöht die Ausfahrkraft
  • b) Sie erhöht die Kolbengeschwindigkeit
  • c) Sie senkt die tatsächliche Kolbengeschwindigkeit unter den theoretischen Wert
  • d) Sie hat keine Auswirkung auf die Bewegung

Richtig: c)

Leckage führt einen Teil des Öls an der Verdrängung vorbei. Es kommt effektiv weniger Volumenstrom am Kolben an, daher ist die tatsächliche Geschwindigkeit niedriger als der theoretische Wert. Auf die Kraft wirkt Leckage kaum, sie kann sie nicht erhöhen (a falsch).

Ein Hydraulikzylinder soll eine Presskraft von 200 kN bei 175 bar erzeugen. Welche Kolbenfläche ist nötig?

  • a) rund 114 cm²
  • b) rund 87 cm²
  • c) rund 145 cm²
  • d) rund 200 cm²

Richtig: a)

Aus F = p · A folgt A = F / p. Mit F = 200 kN = 20000 daN und p = 175 bar: A = 20000 / 175 = 114,3 cm². Damit ist Antwort a richtig; die übrigen Werte ergeben sich aus falschen Umrechnungen.

Warum legt man eine Hydraulikpumpe auf eine höhere Leistung aus als die rein mechanisch geforderte Abgabeleistung?

  • a) um den Druck künstlich zu begrenzen
  • b) weil die Pumpe sonst nicht anläuft
  • c) um die Öltemperatur zu senken
  • d) um die Verluste durch Wirkungsgrad und Leckage auszugleichen

Richtig: d)

Der Antrieb gibt nur den um den Gesamtwirkungsgrad verminderten Teil der zugeführten Leistung ab. Damit am Ende die geforderte mechanische Leistung herauskommt, muss die Pumpe entsprechend größer ausgelegt werden. Mit Druckbegrenzung, Anlauf oder Öltemperatur hat diese Auslegungsreserve nichts zu tun.

Ein Gleichgangzylinder unterscheidet sich vom Differenzialzylinder vor allem dadurch, dass

  • a) er nur einen Anschluss hat
  • b) er ausschließlich im Eilgang arbeitet
  • c) seine Kolben- und Ringfläche gleich groß sind, weil die Stange durchgeht
  • d) er kein Drucköl benötigt

Richtig: c)

Beim Gleichgangzylinder läuft die Stange durch beide Seiten, dadurch sind die wirksamen Flächen gleich und er erzeugt in beide Richtungen gleiche Kraft und Geschwindigkeit. Er ist doppeltwirkend mit zwei Anschlüssen (a falsch) und braucht selbstverständlich Drucköl (d falsch).

Ein Anlage führt 9 kW hydraulisch zu. Der volumetrische Wirkungsgrad beträgt 0,95, der mechanisch-hydraulische 0,90. Wie viel mechanische Leistung steht zur Verfügung?

  • a) rund 8,1 kW
  • b) rund 8,6 kW
  • c) rund 9,0 kW
  • d) rund 7,7 kW

Richtig: d)

eta_ges = 0,95 · 0,90 = 0,855; P_ab = 9 · 0,855 = 7,70 kW. Wer nur einen der beiden Wirkungsgrade berücksichtigt, kommt auf 8,1 oder 8,6 kW (a, b falsch); 9,0 kW ignoriert alle Verluste (c falsch).

Glossar

Hydraulikzylinder
Verbraucher, der hydraulischen Druck in eine geradlinige Bewegung und Kraft umsetzt.
Hydromotor
Verbraucher, der hydraulischen Druck in eine fortlaufende Drehbewegung mit Drehmoment und Drehzahl umsetzt.
Einfachwirkender Zylinder
Zylinder mit nur einem Druckanschluss; erzeugt nur in einer Richtung Kraft, das Zurückfahren übernimmt Feder oder Last.
Doppeltwirkender Zylinder
Zylinder mit zwei Druckanschlüssen, der in beide Richtungen aktiv Kraft erzeugt.
Differenzialzylinder
doppeltwirkender Zylinder mit ungleichen Wirkflächen, weil die Stange nur auf einer Seite sitzt.
Gleichgangzylinder
Zylinder mit durchgehender Stange auf beiden Seiten; Kolben- und Ringfläche sind gleich groß.
Kolbenfläche
die volle vom Druck beaufschlagte Fläche auf der stangenfreien Seite des Kolbens.
Ringfläche
die wirksame Fläche auf der Stangenseite, gleich Kolbenfläche minus Stangenquerschnitt.
Differenzialschaltung
Schaltung, bei der das Rücköl der Stangenseite der Kolbenseite zugeführt wird; ergibt einen schnellen Eilgang bei reduzierter Kraft.
Endlagendämpfung
Drosselung des Ölabflusses kurz vor dem Hubende, die den Kolben über ein Ölpolster sanft abbremst.
Schluckvolumen
das Ölvolumen, das ein Hydromotor für eine volle Umdrehung benötigt, in cm³/U; verknüpft Druck mit Drehmoment und Volumenstrom mit Drehzahl.
Volumetrischer Wirkungsgrad
Maß für die Verluste durch Leckage, die die tatsächliche Geschwindigkeit bzw. Drehzahl gegenüber dem theoretischen Wert senken.
Mechanisch-hydraulischer Wirkungsgrad
Maß für die Verluste durch Reibung, die die nutzbare Kraft bzw. das Drehmoment verringern.
Gesamtwirkungsgrad
Produkt aus volumetrischem und mechanisch-hydraulischem Wirkungsgrad.
Hydraulische Leistung
am Verbraucher anstehende Leistung als Produkt aus Druck und Volumenstrom.

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