Beanspruchungsarten: Zug, Druck, Biegung, Schub, Torsion

Jedes Bauteil in einer Maschine hält etwas aus – oder eben nicht. Eine Zugstange am Kran, ein Bolzen in einem Gelenk, die Antriebswelle einer Pumpe: Sie alle werden belastet, und zwar auf unterschiedliche Weise. Wer versteht, wie ein Bauteil beansprucht wird, kann abschätzen, wo es zuerst nachgibt und wie stark man es auslegen muss.

Im Kern gibt es fünf Grundarten, auf die ein Bauteil belastet werden kann: Zug, Druck, Schub, Biegung und Torsion. Jede erzeugt im Inneren des Werkstoffs eine bestimmte Spannung. Dieser Beitrag zeigt, wie diese fünf Beanspruchungen entstehen, wie man die zugehörige Spannung berechnet und woran man sie in der Praxis erkennt.

Vorwissen

  • Kräfte: Darstellung, Zerlegung und Zusammensetzung
  • Festigkeitslehre: Spannung und Dehnung
  • Drehbewegung und Drehmoment

Lernziele

Nach diesem Beitrag kannst du:

  • die fünf Grundbeanspruchungen Zug, Druck, Schub, Biegung und Torsion sicher unterscheiden
  • für jede Beanspruchungsart die zugehörige Spannung mit der richtigen Formel berechnen
  • den Unterschied zwischen Normalspannung und Schubspannung erklären
  • die Schnittigkeit einer Verbindung erkennen und in die Schubspannungsberechnung einbeziehen
  • erkennen, warum in der Praxis oft mehrere Beanspruchungen gleichzeitig auftreten

1. Was ist eine Beanspruchung?

Wenn an einem Bauteil eine äußere Kraft angreift, bleibt das nicht ohne Folgen für sein Inneres. Der Werkstoff „wehrt sich“ gegen die Last – im Inneren bauen sich Kräfte auf, die der äußeren Last das Gleichgewicht halten. Diese inneren Kräfte, bezogen auf die Fläche, über die sie wirken, nennt man Spannung.

Um sich diese inneren Kräfte vorstellbar zu machen, hilft das Schnittprinzip: Man legt gedanklich einen Schnitt durch das Bauteil und betrachtet, welche Kraft an der Schnittfläche übertragen werden muss, damit das abgeschnittene Stück im Gleichgewicht bleibt. Genau diese übertragene Kraft, verteilt auf die Schnittfläche, ist die Spannung an dieser Stelle.

Wie groß die Spannung wird und in welche Richtung sie wirkt, hängt davon ab, wie die Last am Bauteil angreift. Daraus ergeben sich die fünf Grundbeanspruchungen:

Beanspruchung Wirkung der Last Art der Spannung
Zug zieht das Bauteil in Längsrichtung auseinander Normalspannung σ
Druck drückt das Bauteil in Längsrichtung zusammen Normalspannung σ
Schub wirkt quer zum Querschnitt, schert ab Schubspannung τ
Biegung krümmt das Bauteil durch ein Moment Normalspannung σ
Torsion verdreht das Bauteil um seine Längsachse Schubspannung τ

Spannungen, die senkrecht auf der Schnittfläche stehen (also längs zieht oder drückt), heißen Normalspannungen und bekommen das Formelzeichen σ (Sigma). Spannungen, die in der Schnittfläche liegen (also quer abscheren), heißen Schubspannungen und bekommen das Zeichen τ (Tau). Welche Spannung im konkreten Wert herrscht und wie sich der Werkstoff dabei verformt, ist Thema der Festigkeitslehre – hier geht es darum, die fünf Lastfälle sauber auseinanderzuhalten.

Zug F → auseinander Druck F → zusammen Schub F → quer, schert ab Biegung F → krümmt das Bauteil Torsion M → verdreht um Längsachse σ … Normalspannung (Zug, Druck, Biegung) τ … Schubspannung (Schub, Torsion)

Ein Bauteil wird so belastet, dass die inneren Kräfte senkrecht auf der gedachten Schnittfläche stehen. Um welche Spannungsart handelt es sich?

  • a) Schubspannung, weil die Kraft die Fläche durchtrennt
  • b) Torsionsspannung, weil jede senkrechte Kraft verdreht
  • c) Es lässt sich aus dieser Angabe nicht bestimmen
  • d) Normalspannung, weil sie senkrecht zur Schnittfläche wirkt

Richtig: d)

Erklärung: Normalspannungen stehen per Definition senkrecht (normal) auf der Schnittfläche und treten bei Zug, Druck und Biegung auf. Schubspannungen liegen dagegen in der Fläche. Die Richtung der inneren Kraft relativ zur Schnittfläche legt die Spannungsart eindeutig fest, deshalb ist c) falsch.

Wozu dient das Schnittprinzip in der Festigkeitslehre?

  • a) Es macht die inneren Kräfte an einer gedachten Schnittfläche zugänglich
  • b) Es bestimmt die chemische Zusammensetzung des Werkstoffs
  • c) Es ersetzt die Berechnung der äußeren Lasten
  • d) Es legt fest, an welcher Stelle das Bauteil zerschnitten werden muss

Richtig: a)

Erklärung: Beim Schnittprinzip wird das Bauteil gedanklich durchtrennt, um die an der Schnittstelle übertragene innere Kraft sichtbar zu machen – sie hält das abgeschnittene Teilstück im Gleichgewicht. Es geht um eine gedankliche, keine reale Trennung (d falsch) und sagt nichts über den Werkstoff aus (b falsch).

2. Zugbeanspruchung

Zug ist die einfachste Beanspruchung. Eine Kraft zieht das Bauteil in Längsrichtung auseinander – wie an einem Seil, einer Zugstange oder einem Anker. Die Kraftrichtung verläuft entlang der Bauteilachse, weg vom Querschnitt.

Schneidet man die Zugstange gedanklich quer durch, muss die Schnittfläche genau die Zugkraft übertragen. Diese Kraft verteilt sich gleichmäßig über den ganzen Querschnitt. Daraus ergibt sich die Zugspannung:

σ = F / A

  • σ … Zugspannung in N/mm²
  • F … Zugkraft in N
  • A … Querschnittsfläche in mm²

Wichtig ist die Einheit: 1 N/mm² entspricht genau 1 MPa (Megapascal). In der Praxis rechnet man bei Bauteilspannungen fast immer in N/mm², weil Kräfte in Newton und Querschnitte in mm² vorliegen.

Die Zugspannung verteilt sich – solange der Querschnitt konstant ist und die Kraft mittig angreift – gleichmäßig über die Fläche. An Querschnittssprüngen, Bohrungen oder Kerben steigt sie örtlich stark an; diese Spannungsspitzen sind oft die Stelle, an der ein Bauteil zuerst reißt.

Gelöstes Beispiel

Eine Rundstange aus Stahl mit 16 mm Durchmesser wird mit einer Zugkraft von 30 kN belastet. Wie groß ist die Zugspannung?

Gegeben:

d = 16 mm
F = 30 kN = 30000 N

Gesucht: σ in N/mm²

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Querschnittsfläche:
    A = π/4 · d² = π/4 · (16 mm)² = 201,06 mm²
  2. Schritt 2 — Zugspannung:
    σ = F / A = 30000 N / 201,06 mm² = 149,21 N/mm²

Ergebnis: σ ≈ 149,2 N/mm²

Übungen

Ein Flachstahl hat einen Querschnitt von 40 mm × 8 mm und wird mit 48 kN auf Zug belastet. Berechne die Zugspannung.

A = 320 mm²; σ = 48000 / 320 = 150 N/mm²

Eine Zugstange soll bei 60 kN eine Zugspannung von 120 N/mm² nicht überschreiten. Welche Querschnittsfläche ist mindestens nötig?

A = F / σ = 60000 / 120 = 500 mm²

Ein Rundstab mit 12 mm Durchmesser trägt 18 kN. Wie groß ist die Zugspannung?

A = π/4 · 12² = 113,10 mm²; σ = 18000 / 113,10 = 159,2 N/mm²

Bei welcher Zugkraft erreicht ein Quadratstab mit 20 mm Kantenlänge eine Zugspannung von 95 N/mm²?

A = 400 mm²; F = σ · A = 95 · 400 = 38000 N = 38 kN

Eine Stange aus zwei verschiedenen Abschnitten hat im dünnen Bereich 10 mm und im dicken Bereich 20 mm Durchmesser, durchgehend mit 22 kN auf Zug belastet. In welchem Abschnitt ist die Spannung höher und wie groß ist sie dort?

Höher im dünnen Abschnitt; A = π/4 · 10² = 78,54 mm²; σ = 22000 / 78,54 = 280,1 N/mm²

Eine Zugstange mit 200 mm² Querschnitt trägt 50 kN. Welche Zugspannung herrscht?

  • a) 100 N/mm²
  • b) 25 N/mm²
  • c) 2500 N/mm²
  • d) 250 N/mm²

Richtig: d)

Erklärung: σ = F/A = 50000 N / 200 mm² = 250 N/mm². Antwort a) verwechselt die Kraft mit 20 kN, b) teilt falsch herum, c) lässt einen Faktor 10 in der Kraftumrechnung weg.

Zwei Rundstäbe aus demselben Werkstoff tragen dieselbe Zugkraft. Stab A hat den doppelten Durchmesser von Stab B. Wie verhält sich die Zugspannung in A zur Spannung in B?

  • a) halb so groß
  • b) doppelt so groß
  • c) ein Viertel so groß
  • d) gleich groß

Richtig: c)

Erklärung: Die Querschnittsfläche wächst mit dem Quadrat des Durchmessers. Doppelter Durchmesser bedeutet vierfache Fläche, also bei gleicher Kraft ein Viertel der Spannung. Die lineare Antwort a) übersieht den quadratischen Zusammenhang.

Warum reißt eine Zugstange bevorzugt an einer Querbohrung?

  • a) Weil dort durch Querschnittsverengung und Kerbwirkung die Spannung örtlich ansteigt
  • b) Weil Bohrungen den Werkstoff chemisch schwächen
  • c) Weil die Zugkraft an Bohrungen größer wird
  • d) Weil Bohrungen immer mittig sitzen

Richtig: a)

Erklärung: An der Bohrung ist der tragende Querschnitt kleiner und zusätzlich entsteht eine Kerbwirkung, die die Spannung lokal erhöht. Die äußere Kraft selbst ändert sich nicht (c falsch), und der Werkstoff wird nicht chemisch verändert (b falsch).

3. Druckbeanspruchung

Druck ist das Gegenstück zum Zug: Die Kraft wirkt wieder längs der Bauteilachse, drückt das Bauteil aber zusammen statt es auseinanderzuziehen. Beispiele sind eine Säule, eine Stütze oder die Kolbenstange einer Presse im belasteten Zustand.

Rechnerisch ist die Druckspannung identisch zur Zugspannung:

σ = F / A

  • σ … Druckspannung in N/mm²
  • F … Druckkraft in N
  • A … Querschnittsfläche in mm²

Der einzige formale Unterschied ist das Vorzeichen: Zugspannungen werden positiv, Druckspannungen negativ gezählt. Für die reine Spannungsberechnung spielt das selten eine Rolle – wichtig wird es, sobald Zug und Druck im selben Bauteil gemeinsam auftreten, etwa bei der Biegung (Kapitel 5).

Ein praktischer Unterschied ist aber zentral: Bei Druck droht eine zweite Versagensart, die es bei Zug nicht gibt. Schlanke, lange Bauteile können unter Druck knicken – sie weichen seitlich aus, lange bevor die Druckspannung den Werkstoff überlastet. Eine dünne Stange knickt unter Last weg wie ein zu langes Lineal, auf das man drückt. Die Knickberechnung ist ein eigenes Thema; für diesen Beitrag genügt es zu wissen: Bei gedrückten schlanken Bauteilen reicht die Spannungsberechnung allein nicht aus.

Gelöstes Beispiel

Eine quadratische Stahlstütze mit 30 mm Kantenlänge wird mit 90 kN auf Druck belastet. Wie groß ist die Druckspannung?

Gegeben:

a = 30 mm
F = 90 kN = 90000 N

Gesucht: σ in N/mm²

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Querschnittsfläche:
    A = a² = (30 mm)² = 900 mm²
  2. Schritt 2 — Druckspannung:
    σ = F / A = 90000 N / 900 mm² = 100 N/mm²

Ergebnis: σ = 100 N/mm² (Druck)

Übungen

Ein runder Druckbolzen mit 25 mm Durchmesser trägt 120 kN. Wie groß ist die Druckspannung?

A = π/4 · 25² = 490,87 mm²; σ = 120000 / 490,87 = 244,5 N/mm²

Eine Stütze mit 1200 mm² Querschnitt soll eine Druckspannung von 80 N/mm² nicht überschreiten. Welche Druckkraft ist maximal zulässig?

F = σ · A = 80 · 1200 = 96000 N = 96 kN

Ein Rechteckquerschnitt 50 mm × 25 mm wird mit 100 kN gedrückt. Berechne die Druckspannung.

A = 1250 mm²; σ = 100000 / 1250 = 80 N/mm²

Welcher Durchmesser ist für eine runde Druckstange nötig, damit bei 70 kN die Druckspannung 90 N/mm² nicht übersteigt?

A = 70000 / 90 = 777,8 mm²; d = √(4·A/π) = √(990,3) = 31,5 mm → mind. 32 mm

Eine Säule trägt 200 kN bei einer zulässigen Druckspannung von 110 N/mm². Reicht ein Quadratquerschnitt mit 40 mm Kantenlänge?

A = 1600 mm²; σ = 200000 / 1600 = 125 N/mm² > 110 N/mm² → reicht nicht aus

Warum genügt bei einer langen, dünnen Druckstrebe die Berechnung der Druckspannung σ = F/A nicht?

  • a) Weil die Formel nur für Zug gilt
  • b) Weil bei Druck keine Spannung entsteht
  • c) Weil die Querschnittsfläche bei Druck nicht definiert ist
  • d) Weil schlanke Druckstäbe knicken können, bevor die Druckspannung kritisch wird

Richtig: d)

Erklärung: Schlanke gedrückte Bauteile versagen durch seitliches Ausknicken, oft bei Spannungen weit unter der Werkstoffgrenze. Die Spannungsformel gilt für Druck genauso wie für Zug (a falsch), und Spannung entsteht selbstverständlich (b falsch).

Ein Rechteckquerschnitt 40 mm × 30 mm wird mit 144 kN gedrückt. Wie groß ist die Druckspannung?

  • a) 60 N/mm²
  • b) 144 N/mm²
  • c) 1200 N/mm²
  • d) 120 N/mm²

Richtig: d)

Erklärung: A = 40 · 30 = 1200 mm²; σ = 144000 / 1200 = 120 N/mm². Antwort a) halbiert fälschlich, b) verwechselt Kraft und Spannung, c) lässt einen Faktor 10 weg.

Worin unterscheiden sich Zug- und Druckspannung rechnerisch bei einem kurzen, gedrungenen Bauteil?

  • a) In der Formel – Druck verwendet σ = F·A
  • b) Druck erzeugt eine Schubspannung statt einer Normalspannung
  • c) Nur im Vorzeichen, der Betrag wird gleich berechnet
  • d) Zug und Druck lassen sich nicht vergleichen

Richtig: c)

Erklärung: Bei kurzen Bauteilen ohne Knickgefahr ist die Berechnung identisch, nur das Vorzeichen unterscheidet Zug (+) von Druck (−). Beide erzeugen Normalspannungen (b falsch), und die Formel bleibt σ = F/A (a falsch).

4. Schubbeanspruchung (Abscheren)

Bei Schub greift die Kraft nicht längs, sondern quer zum Querschnitt an. Zwei Kräfte versuchen, das Bauteil entlang einer Schnittfläche gegeneinander zu verschieben – wie die beiden Klingen einer Schere, die ein Blech durchtrennen. Typische Bauteile, die auf Schub belastet werden: Bolzen in Gelenken, Niete, Passstifte, Schrauben in Querkraftverbindungen.

Die entstehende Spannung liegt jetzt in der Schnittfläche, nicht senkrecht dazu. Es ist also eine Schubspannung:

τ = F / A

  • τ … Schubspannung in N/mm²
  • F … Querkraft in N
  • A … abgescherte Querschnittsfläche in mm²

Auch wenn die Formel der Zug- und Druckformel ähnelt, ist die Bedeutung eine andere: A ist hier die Fläche, die abgeschert wird, und τ wirkt quer dazu.

Schnittigkeit – ein- und mehrschnittige Verbindungen

Entscheidend bei Bolzen- und Nietverbindungen ist die Schnittigkeit. Sie gibt an, über wie viele Querschnittsflächen die Kraft gleichzeitig übertragen wird.

Bei einer einschnittigen Verbindung überlappen sich zwei Bleche, und der Bolzen wird an genau einer Stelle abgeschert. Die ganze Querkraft liegt auf dieser einen Fläche.

Bei einer zweischnittigen (allgemein mehrschnittigen) Verbindung greift ein Blech zwischen zwei andere – ein Gabelkopf etwa –, und der Bolzen würde an zwei Stellen gleichzeitig abgeschert. Die Kraft verteilt sich dadurch auf zwei Flächen, jede trägt nur die Hälfte.

Die Schnittigkeit n geht direkt in die Formel ein:

τ = F / (n · A)

  • τ … Schubspannung in N/mm²
  • F … Querkraft in N
  • n … Schnittigkeit (Anzahl der Scherflächen)
  • A … Querschnittsfläche einer Scherfläche in mm²

Bei einschnittiger Verbindung ist n = 1, bei zweischnittiger n = 2. Wer die Schnittigkeit übersieht, rechnet eine zweischnittige Bolzenverbindung um den Faktor 2 zu hoch beansprucht – ein häufiger Fehler.

Gelöstes Beispiel

Ein Bolzen mit 16 mm Durchmesser verbindet einen Gabelkopf zweischnittig. Die Querkraft beträgt 50 kN. Wie groß ist die Schubspannung?

Gegeben:

d = 16 mm
F = 50 kN = 50000 N
n = 2

Gesucht: τ in N/mm²

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Scherfläche einer Schnittfläche:
    A = π/4 · d² = π/4 · (16 mm)² = 201,06 mm²
  2. Schritt 2 — Schubspannung:
    τ = F / (n · A) = 50000 N / (2 · 201,06 mm²) = 124,35 N/mm²

Ergebnis: τ ≈ 124,4 N/mm²

Übungen

Ein einschnittiger Niet mit 10 mm Durchmesser überträgt 8 kN. Wie groß ist die Schubspannung?

A = π/4 · 10² = 78,54 mm²; τ = 8000 / (1 · 78,54) = 101,9 N/mm²

Ein Bolzen mit 20 mm Durchmesser ist einschnittig eingebaut und trägt 25 kN. Berechne die Schubspannung.

A = π/4 · 20² = 314,16 mm²; τ = 25000 / 314,16 = 79,6 N/mm²

Derselbe Bolzen (20 mm) und dieselbe Kraft (25 kN) wie in Übung 2, jetzt aber zweischnittig. Wie groß ist die Schubspannung?

τ = 25000 / (2 · 314,16) = 39,8 N/mm² – also halb so groß

Eine zweischnittige Bolzenverbindung soll bei 60 kN eine Schubspannung von 90 N/mm² nicht überschreiten. Welcher Bolzendurchmesser ist mindestens nötig?

erforderliche Scherfläche je Schnitt A = F/(n·τ) = 60000/(2·90) = 333,3 mm²; d = √(4·A/π) = √(424,4) = 20,6 mm → mind. 21 mm

Ein Stift mit 12 mm Durchmesser ist in einer Verbindung verbaut, die Schubspannung wird mit 110 N/mm² gemessen. Welche Querkraft wirkt, wenn die Verbindung zweischnittig ausgeführt ist?

A = π/4 · 12² = 113,10 mm²; F = τ · n · A = 110 · 2 · 113,10 = 24882 N ≈ 24,9 kN

Worin unterscheidet sich die Schubspannung grundsätzlich von der Zugspannung?

  • a) Schubspannung wirkt senkrecht zur Schnittfläche, Zugspannung in der Fläche
  • b) Beide wirken senkrecht, unterscheiden sich nur im Betrag
  • c) Schubspannung tritt nur bei Druck auf
  • d) Schubspannung liegt in der Schnittfläche, Zugspannung steht senkrecht darauf

Richtig: d)

Erklärung: Schubspannungen liegen in der Schnittfläche (quer abscherend), Normalspannungen wie die Zugspannung stehen senkrecht darauf. Antwort a) vertauscht die beiden, b) und c) sind sachlich falsch.

Eine zweischnittige Bolzenverbindung trägt 80 kN, der Bolzen hat 25 mm Durchmesser. Wie groß ist die Schubspannung?

  • a) 162,9 N/mm²
  • b) 325,9 N/mm²
  • c) 40,7 N/mm²
  • d) 81,5 N/mm²

Richtig: d)

Erklärung: A = π/4 · 25² = 490,87 mm²; τ = 80000 / (2 · 490,87) = 81,5 N/mm². Antwort a) vergisst die Schnittigkeit (n=1 gerechnet), b) lässt zusätzlich die halbe Fläche weg, c) rechnet mit n=4.

Eine einschnittige Verbindung wird auf eine zweischnittige umgebaut, Bolzendurchmesser und Kraft bleiben gleich. Was passiert mit der Schubspannung im Bolzen?

  • a) Sie verdoppelt sich
  • b) Sie bleibt unverändert
  • c) Sie halbiert sich
  • d) Sie vervierfacht sich

Richtig: c)

Erklärung: Bei zwei Scherflächen statt einer verteilt sich dieselbe Kraft auf die doppelte tragende Fläche, die Schubspannung halbiert sich (n von 1 auf 2). Der Bolzendurchmesser bleibt ja gleich, deshalb ist der quadratische Effekt aus d) hier nicht relevant.

5. Biegebeanspruchung

Biegung entsteht, wenn eine Last ein Bauteil krümmt – etwa ein Träger, der in der Mitte belastet wird, oder eine Welle, die ihr Eigengewicht und die Lagerkräfte aufnimmt. Statt einer einfachen Längskraft wirkt hier ein Biegemoment: das Produkt aus Kraft und Hebelarm, das das Bauteil verbiegt.

Das Spannende an der Biegung ist, was im Querschnitt passiert. Wird ein Träger nach unten durchgebogen, so wird seine Oberseite gestaucht und seine Unterseite gedehnt. Es gibt also gleichzeitig eine Druckzone und eine Zugzone. Dazwischen liegt eine Ebene, in der die Spannung null ist – die neutrale Faser. Sie verläuft durch den Schwerpunkt des Querschnitts.

Je weiter ein Werkstoffteilchen von der neutralen Faser entfernt ist, desto höher ist seine Spannung. Die größte Biegespannung tritt deshalb immer an der Außenfaser auf – ganz oben und ganz unten. Genau dort versagt ein gebogenes Bauteil zuerst.

Querschnitt neutrale Faser (σ = 0) Spannungsverlauf Druckzone (σ max) Zugzone (σ max) neutrale Faser Spannung steigt linear mit dem Abstand zur neutralen Faser

Wie stark sich ein Querschnitt der Biegung widersetzt, beschreibt das Widerstandsmoment W. Es hängt allein von der Form und Größe des Querschnitts ab. Ein hoher, schmaler Querschnitt (hochkant gestellter Balken) hat ein viel größeres Widerstandsmoment als derselbe Balken flach gelegt – deshalb verlegt man Träger hochkant.

Für die zwei häufigsten Querschnitte gilt:

W = b · h² / 6

  • W … Widerstandsmoment (Rechteck) in mm³
  • b … Breite in mm
  • h … Höhe in mm

W = π · d³ / 32

  • W … Widerstandsmoment (Kreis) in mm³
  • d … Durchmesser in mm

Mit dem Widerstandsmoment ergibt sich die Biegespannung aus dem Biegemoment:

σb = Mb / W

  • σb … Biegespannung in N/mm²
  • Mb … Biegemoment in N·mm
  • W … Widerstandsmoment in mm³

Auf die Einheiten achten: Das Biegemoment kommt oft in N·m, das Widerstandsmoment in mm³. Vor dem Einsetzen das Moment in N·mm umrechnen (1 N·m = 1000 N·mm).

Gelöstes Beispiel

Ein Rechteckträger (Breite 40 mm, Höhe 80 mm) wird durch ein Biegemoment von 1,2 kN·m belastet. Wie groß ist die Biegespannung?

Gegeben:

b = 40 mm
h = 80 mm
Mb = 1,2 kN·m = 1 200 000 N·mm

Gesucht: σb in N/mm²

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Widerstandsmoment:
    W = b · h² / 6 = 40 · 80² / 6 = 40 · 6400 / 6 = 42 666,67 mm³
  2. Schritt 2 — Biegespannung:
    σb = Mb / W = 1 200 000 N·mm / 42 666,67 mm³ = 28,13 N/mm²

Ergebnis: σb ≈ 28,1 N/mm²

Übungen

Berechne das Widerstandsmoment eines Rechteckquerschnitts mit b = 20 mm und h = 50 mm.

W = 20 · 50² / 6 = 20 · 2500 / 6 = 8333,33 mm³

Eine runde Welle mit 30 mm Durchmesser wird mit einem Biegemoment von 250 N·m belastet. Wie groß ist die Biegespannung?

W = π · 30³ / 32 = π · 27000 / 32 = 2650,72 mm³; Mb = 250000 N·mm; σb = 250000 / 2650,72 = 94,3 N/mm²

Ein Rechteckträger 25 mm × 60 mm wird mit 0,8 kN·m gebogen. Berechne die Biegespannung.

W = 25 · 60² / 6 = 15000 mm³; Mb = 800000 N·mm; σb = 800000 / 15000 = 53,3 N/mm²

Derselbe Träger aus Übung 3 wird flach gelegt (b = 60 mm, h = 25 mm), gleiches Moment. Wie ändert sich die Biegespannung?

W = 60 · 25² / 6 = 6250 mm³; σb = 800000 / 6250 = 128 N/mm² – also mehr als doppelt so hoch

Welcher Durchmesser ist für eine runde Welle nötig, damit sie bei 400 N·m Biegemoment eine Biegespannung von 90 N/mm² nicht überschreitet?

erf. W = Mb / σb = 400000 / 90 = 4444,4 mm³; d = (32·W/π)^(1/3) = (45271)^(1/3) = 35,6 mm → mind. 36 mm

Wo in einem auf Biegung belasteten Querschnitt ist die Spannung am größten?

  • a) in der neutralen Faser
  • b) gleichmäßig über den ganzen Querschnitt
  • c) genau im Schwerpunkt
  • d) an der Außenfaser, am weitesten von der neutralen Faser entfernt

Richtig: d)

Erklärung: Die Biegespannung steigt linear mit dem Abstand zur neutralen Faser, ist also an der Außenfaser maximal. In der neutralen Faser (durch den Schwerpunkt) ist sie null, deshalb sind a) und c) falsch.

Ein Rechteckträger wird von hochkant (h = 60, b = 30) auf flach (h = 30, b = 60) gedreht, das Biegemoment bleibt gleich. Wie ändert sich die Biegespannung?

  • a) sie bleibt gleich
  • b) sie halbiert sich
  • c) sie verdoppelt sich
  • d) sie vervierfacht sich

Richtig: c)

Erklärung: W = b·h²/6. Hochkant: 30·60²/6 = 18000 mm³. Flach: 60·30²/6 = 9000 mm³. Das Widerstandsmoment halbiert sich, die Spannung verdoppelt sich also. Antwort d) überschätzt den Effekt, weil hier nur eine Halbierung von W vorliegt.

Eine runde Welle mit 40 mm Durchmesser wird mit 600 N·m gebogen. Wie groß ist die Biegespannung?

  • a) 95,5 N/mm²
  • b) 47,7 N/mm²
  • c) 119,4 N/mm²
  • d) 11,9 N/mm²

Richtig: a)

Erklärung: W = π · 40³ / 32 = 6283,19 mm³; Mb = 600000 N·mm; σb = 600000 / 6283,19 = 95,5 N/mm². Antwort b) verwendet das doppelte W, d) verrechnet sich bei der Momentumrechnung.

6. Torsionsbeanspruchung (Verdrehung)

Torsion tritt auf, wenn ein Torsionsmoment – ein Drehmoment um die Längsachse – ein Bauteil verdreht. Das klassische Beispiel ist die Antriebswelle: Der Motor bringt am einen Ende ein Drehmoment auf, am anderen Ende hängt die Last – die Welle wird tordiert. Auch ein Schraubenschlüssel oder ein Bohrer werden auf Torsion beansprucht.

Beim Verdrehen gleiten die Querschnitte gegeneinander. Es entsteht eine Schubspannung, ähnlich wie beim Abscheren – nur dass sie hier durch das Drehmoment verursacht wird und im Querschnitt von innen nach außen ansteigt. In der Mitte der Welle (auf der Achse) ist die Torsionsschubspannung null, am Außenrand ist sie maximal. Eine Vollwelle nutzt ihren Kern deshalb kaum aus – ein Grund, warum man bei Gewichtsersparnis oft Hohlwellen einsetzt.

Maßgebend ist das polare Widerstandsmoment Wp, das Gegenstück zum Widerstandsmoment bei der Biegung, nur für Verdrehung:

Wp = π · d³ / 16

  • Wp … polares Widerstandsmoment (Vollwelle) in mm³
  • d … Durchmesser in mm

Damit ergibt sich die Torsionsspannung:

τt = Mt / Wp

  • τt … Torsionsspannung in N/mm²
  • Mt … Torsionsmoment in N·mm
  • Wp … polares Widerstandsmoment in mm³

Auch hier gilt: Das Torsionsmoment in N·mm einsetzen. Liegt es in N·m vor, mit 1000 multiplizieren.

Gelöstes Beispiel

Eine Vollwelle mit 40 mm Durchmesser überträgt ein Torsionsmoment von 350 N·m. Wie groß ist die Torsionsspannung?

Gegeben:

d = 40 mm
Mt = 350 N·m = 350 000 N·mm

Gesucht: τt in N/mm²

Lösungsweg:

  1. Schritt 1 — Polares Widerstandsmoment:
    Wp = π · d³ / 16 = π · 40³ / 16 = π · 64000 / 16 = 12 566,37 mm³
  2. Schritt 2 — Torsionsspannung:
    τt = Mt / Wp = 350 000 N·mm / 12 566,37 mm³ = 27,85 N/mm²

Ergebnis: τt ≈ 27,9 N/mm²

Übungen

Berechne das polare Widerstandsmoment einer Vollwelle mit 25 mm Durchmesser.

Wp = π · 25³ / 16 = π · 15625 / 16 = 3067,96 mm³

Eine Welle mit 30 mm Durchmesser überträgt 200 N·m. Wie groß ist die Torsionsspannung?

Wp = π · 30³ / 16 = 5301,44 mm³; Mt = 200000 N·mm; τt = 200000 / 5301,44 = 37,7 N/mm²

Welches Torsionsmoment darf eine Vollwelle mit 35 mm Durchmesser übertragen, wenn die Torsionsspannung 50 N/mm² nicht übersteigen soll?

Wp = π · 35³ / 16 = 8418,49 mm³; Mt = τt · Wp = 50 · 8418,49 = 420924 N·mm ≈ 421 N·m

Eine Welle überträgt 500 N·m, die zulässige Torsionsspannung beträgt 40 N/mm². Welcher Durchmesser ist mindestens nötig?

erf. Wp = Mt / τt = 500000 / 40 = 12500 mm³; d = (16·Wp/π)^(1/3) = (63662)^(1/3) = 39,9 mm → mind. 40 mm

Zwei Vollwellen übertragen dasselbe Moment, Welle A hat 20 % mehr Durchmesser als Welle B. Um welchen Faktor unterscheidet sich die Torsionsspannung?

τ ~ 1/d³; Faktor 1,2³ = 1,728; Welle A hat etwa 1/1,728 = 0,58, also rund 58 % der Spannung von Welle B

Welche Spannungsart entsteht bei Torsion einer Welle?

  • a) eine Normalspannung längs der Achse
  • b) eine gleichmäßige Druckspannung im ganzen Querschnitt
  • c) eine Schubspannung, die von der Achse nach außen ansteigt
  • d) gar keine Spannung, nur eine Verformung

Richtig: c)

Erklärung: Torsion erzeugt eine Schubspannung, die in der Wellenmitte null ist und zum Außenrand hin linear ansteigt. Es ist keine Normalspannung (a falsch), und Verformung geht immer mit Spannung einher (d falsch).

Eine Vollwelle mit 50 mm Durchmesser überträgt 800 N·m. Wie groß ist die Torsionsspannung?

  • a) 16,3 N/mm²
  • b) 65,2 N/mm²
  • c) 8,1 N/mm²
  • d) 32,6 N/mm²

Richtig: d)

Erklärung: Wp = π · 50³ / 16 = 24543,69 mm³; Mt = 800000 N·mm; τt = 800000 / 24543,69 = 32,6 N/mm². Antwort a) verwendet das doppelte Wp (Faktor 32 statt 16), c) verrechnet die Momentumrechnung.

Warum nutzt eine Vollwelle ihren Werkstoff bei Torsion schlecht aus?

  • a) weil die Schubspannung im Kern null und am Rand maximal ist
  • b) weil der Kern bei Torsion gar keine Kraft sieht und chemisch zerfällt
  • c) weil die Spannung im Kern am größten ist
  • d) weil Vollwellen grundsätzlich schwächer sind als Hohlwellen

Richtig: a)

Erklärung: Die Torsionsschubspannung steigt von null in der Achse linear nach außen an, der innere Bereich trägt also kaum etwas. Deshalb spart eine Hohlwelle bei ähnlicher Tragfähigkeit Gewicht. Im Kern ist die Spannung minimal, nicht maximal (c falsch).

7. Zusammengesetzte Beanspruchung — Überblick

In der Praxis tritt eine Beanspruchung nur selten allein auf. Eine Antriebswelle überträgt ein Drehmoment (Torsion) und trägt gleichzeitig ihr Eigengewicht und die Kräfte aus Zahnrädern oder Riemen (Biegung). Ein belasteter Träger erfährt Biegung und an den Auflagern Schub. Mehrere Beanspruchungen überlagern sich also im selben Bauteil.

Damit man trotzdem mit einer einzigen Zahl beurteilen kann, ob ein Bauteil hält, fasst man die verschiedenen Spannungen zu einer Vergleichsspannung zusammen. Diese Vergleichsspannung wird dann mit der zulässigen Spannung des Werkstoffs verglichen. Wie man die Vergleichsspannung bildet und welcher Sicherheitsfaktor dabei sinnvoll ist, behandelt der eigene Beitrag zur zulässigen Spannung und zum Sicherheitsfaktor. Für diesen Überblick reicht der Grundgedanke: Wer ein reales Bauteil auslegt, prüft selten nur eine einzelne Beanspruchungsart, sondern ihr Zusammenspiel.

Welche Beanspruchungskombination tritt typischerweise an einer Getriebewelle auf?

  • a) nur Zug
  • b) ausschließlich Schub
  • c) Biegung und Torsion gemeinsam
  • d) nur Druck

Richtig: c)

Erklärung: Eine Getriebewelle überträgt ein Drehmoment (Torsion) und wird durch Zahnkräfte und Eigengewicht zugleich gebogen. Eine einzelne Beanspruchung allein (a, b, d) beschreibt den realen Lastfall nicht.

Warum bildet man bei mehreren gleichzeitig wirkenden Beanspruchungen eine Vergleichsspannung?

  • a) um die Beanspruchungen einzeln zu ignorieren
  • b) weil sich Spannungen sonst gegenseitig aufheben
  • c) um die Werkstoffkosten zu senken
  • d) um mit einem einzigen Wert beurteilen zu können, ob das Bauteil hält

Richtig: d)

Erklärung: Die Vergleichsspannung führt mehrere überlagerte Spannungen auf einen einzigen Kennwert zusammen, der mit der zulässigen Spannung verglichen wird. Sie ignoriert nichts (a falsch) und hat mit Kosten nichts zu tun (c falsch).

Abschlusstest

Aufgabe 1: Eine Rundstange mit 18 mm Durchmesser wird mit 40 kN auf Zug belastet. Berechne die Zugspannung.

Gegeben: d = 18 mm; F = 40 kN = 40000 N

Gesucht: σ in N/mm²

Lösungsweg:

  1. A = π/4 · 18² = 254,47 mm²
  2. σ = 40000 / 254,47

Ergebnis: σ ≈ 157,2 N/mm²

Aufgabe 2: Eine quadratische Stütze (Kantenlänge 35 mm) trägt 110 kN auf Druck. Wie groß ist die Druckspannung?

Gegeben: a = 35 mm; F = 110 kN = 110000 N

Gesucht: σ in N/mm²

Lösungsweg:

  1. A = 35² = 1225 mm²
  2. σ = 110000 / 1225

Ergebnis: σ ≈ 89,8 N/mm² (Druck)

Aufgabe 3: Ein Bolzen mit 22 mm Durchmesser ist zweischnittig eingebaut und überträgt 70 kN Querkraft. Berechne die Schubspannung.

Gegeben: d = 22 mm; F = 70000 N; n = 2

Gesucht: τ in N/mm²

Lösungsweg:

  1. A = π/4 · 22² = 380,13 mm²
  2. τ = 70000 / (2 · 380,13)

Ergebnis: τ ≈ 92,1 N/mm²

Aufgabe 4: Ein einschnittiger Niet mit 14 mm Durchmesser darf eine Schubspannung von 100 N/mm² nicht überschreiten. Welche Querkraft ist maximal zulässig?

Gegeben: d = 14 mm; τ = 100 N/mm²; n = 1

Gesucht: F in N

Lösungsweg:

  1. A = π/4 · 14² = 153,94 mm²
  2. F = τ · n · A = 100 · 1 · 153,94

Ergebnis: F ≈ 15394 N ≈ 15,4 kN

Aufgabe 5: Ein Rechteckträger (b = 30 mm, h = 70 mm) wird mit einem Biegemoment von 1,5 kN·m belastet. Berechne die Biegespannung.

Gegeben: b = 30 mm; h = 70 mm; Mb = 1,5 kN·m = 1500000 N·mm

Gesucht: σb in N/mm²

Lösungsweg:

  1. W = 30 · 70² / 6 = 24500 mm³
  2. σb = 1500000 / 24500

Ergebnis: σb ≈ 61,2 N/mm²

Aufgabe 6: Eine runde Welle mit 45 mm Durchmesser wird mit 700 N·m gebogen. Wie groß ist die Biegespannung?

Gegeben: d = 45 mm; Mb = 700 N·m = 700000 N·mm

Gesucht: σb in N/mm²

Lösungsweg:

  1. W = π · 45³ / 32 = 8946,18 mm³
  2. σb = 700000 / 8946,18

Ergebnis: σb ≈ 78,2 N/mm²

Aufgabe 7: Eine Vollwelle mit 35 mm Durchmesser überträgt ein Torsionsmoment von 400 N·m. Berechne die Torsionsspannung.

Gegeben: d = 35 mm; Mt = 400 N·m = 400000 N·mm

Gesucht: τt in N/mm²

Lösungsweg:

  1. Wp = π · 35³ / 16 = 8418,49 mm³
  2. τt = 400000 / 8418,49

Ergebnis: τt ≈ 47,5 N/mm²

Aufgabe 8: Welcher Wellendurchmesser ist mindestens nötig, damit eine Vollwelle bei 600 N·m Torsionsmoment eine Torsionsspannung von 45 N/mm² nicht überschreitet?

Gegeben: Mt = 600 N·m = 600000 N·mm; τt = 45 N/mm²

Gesucht: d in mm

Lösungsweg:

  1. erf. Wp = Mt / τt = 600000 / 45 = 13333,3 mm³
  2. d = (16·Wp/π)^(1/3) = (67906)^(1/3)

Ergebnis: d ≈ 40,8 mm → mind. 41 mm

Welche der folgenden Beanspruchungen erzeugt eine Schubspannung?

  • a) Zug
  • b) Torsion
  • c) Druck
  • d) reine Biegung in der Außenfaser

Richtig: b)

Erklärung: Torsion ruft eine Schubspannung hervor (ebenso wie Abscheren). Zug, Druck und die Biegespannung in der Außenfaser sind Normalspannungen. Schub und Torsion sind die beiden Schubspannungs-Fälle.

Eine Zugstange mit 250 mm² Querschnitt soll eine Zugspannung von 160 N/mm² nicht überschreiten. Welche Zugkraft ist maximal zulässig?

  • a) 40 kN
  • b) 4 kN
  • c) 400 kN
  • d) 1,56 kN

Richtig: a)

Erklärung: F = σ · A = 160 · 250 = 40000 N = 40 kN. Antwort b) und c) verschieben das Komma, d) teilt statt zu multiplizieren.

Wo liegt bei einem auf Biegung belasteten Querschnitt die neutrale Faser?

  • a) an der Oberkante
  • b) durch den Schwerpunkt des Querschnitts
  • c) an der Unterkante
  • d) außerhalb des Querschnitts

Richtig: b)

Erklärung: Die neutrale Faser, in der die Biegespannung null ist, verläuft durch den Flächenschwerpunkt. Oben und unten (a, c) liegen die maximalen Spannungen, nicht die neutrale Faser.

Eine zweischnittige Bolzenverbindung wird durch eine einschnittige mit gleichem Bolzen ersetzt, die Kraft bleibt gleich. Was passiert mit der Schubspannung?

  • a) sie bleibt gleich
  • b) sie halbiert sich
  • c) sie verdoppelt sich
  • d) sie vervierfacht sich

Richtig: c)

Erklärung: Von zwei Scherflächen auf eine zu wechseln halbiert die tragende Fläche, die Schubspannung verdoppelt sich (n von 2 auf 1). Der Durchmesser bleibt gleich, daher kein quadratischer Effekt (d falsch).

Warum geht bei der Torsion einer Vollwelle der Durchmesser besonders stark in die Spannung ein?

  • a) weil Wp linear mit d wächst
  • b) weil Wp mit der dritten Potenz von d wächst und d daher die Spannung stark senkt
  • c) weil der Durchmesser gar keine Rolle spielt
  • d) weil die Spannung mit d² steigt

Richtig: b)

Erklärung: Wp = π·d³/16 wächst mit d³. Bei τt = Mt/Wp sinkt die Spannung daher mit der dritten Potenz des Durchmessers – eine kleine Durchmessererhöhung wirkt stark. Linear (a) oder quadratisch (d) ist falsch.

Ein Rechteckträger wird hochkant statt flach eingebaut (Höhe und Breite vertauscht, h > b). Welche Aussage stimmt?

  • a) Die Biegespannung ist bei beiden Lagen gleich
  • b) Hochkant ergibt ein größeres Widerstandsmoment und damit kleinere Biegespannung
  • c) Flach ist immer tragfähiger
  • d) Die Lage hat keinen Einfluss auf das Widerstandsmoment

Richtig: b)

Erklärung: Weil W = b·h²/6 die Höhe quadratisch enthält, ist W bei hochkant gestelltem Träger deutlich größer, die Biegespannung also kleiner. Deshalb verlegt man Träger hochkant.

Eine Vollwelle (40 mm) überträgt 500 N·m Torsion. Wie groß ist die Torsionsspannung?

  • a) 39,8 N/mm²
  • b) 19,9 N/mm²
  • c) 79,6 N/mm²
  • d) 4,0 N/mm²

Richtig: a)

Erklärung: Wp = π · 40³ / 16 = 12566,37 mm³; τt = 500000 / 12566,37 = 39,8 N/mm². Antwort b) nimmt das doppelte Wp, d) verrechnet die Momentumrechnung.

Welche Beanspruchung ist bei einer schlanken, langen Druckstrebe das eigentliche Risiko?

  • a) Zugbruch
  • b) Knicken durch seitliches Ausweichen
  • c) Torsionsbruch
  • d) Abscheren

Richtig: b)

Erklärung: Schlanke Druckstäbe versagen durch Knicken, oft lange bevor die reine Druckspannung kritisch wird. Zug, Torsion und Abscheren sind hier nicht der maßgebende Lastfall.

Ein Flachstahl 50 mm × 10 mm trägt 75 kN auf Zug. Wie groß ist die Zugspannung?

  • a) 150 N/mm²
  • b) 75 N/mm²
  • c) 15 N/mm²
  • d) 1500 N/mm²

Richtig: a)

Erklärung: A = 50 · 10 = 500 mm²; σ = 75000 / 500 = 150 N/mm². Antwort b) halbiert, c) und d) verschieben das Komma in der Kraftumrechnung.

Eine runde Welle wird sowohl gebogen als auch tordiert. Wie beurteilt man, ob sie hält?

  • a) man betrachtet nur die größere der beiden Spannungen
  • b) man bildet eine Vergleichsspannung und vergleicht sie mit der zulässigen Spannung
  • c) man addiert Biege- und Torsionsspannung direkt
  • d) man ignoriert die Torsion, weil Biegung immer dominiert

Richtig: b)

Erklärung: Bei überlagerten Beanspruchungen fasst man die Spannungen zu einer Vergleichsspannung zusammen und vergleicht diese mit der zulässigen Werkstoffspannung. Ein einfaches Addieren (c) oder Weglassen (a, d) führt zu falschen Ergebnissen.

Welche Einheit ist gleichbedeutend mit 1 N/mm²?

  • a) 1 kPa
  • b) 1 MPa
  • c) 1 bar
  • d) 1 N·m

Richtig: b)

Erklärung: 1 N/mm² entspricht genau 1 MPa (Megapascal). 1 bar ist rund 0,1 N/mm², 1 kPa noch deutlich kleiner, und N·m ist eine Moment-, keine Spannungseinheit.

Ein Bauteil zeigt im Querschnitt gleichzeitig eine Zug- und eine Druckzone, getrennt durch eine spannungsfreie Ebene. Welche Beanspruchung liegt vor?

  • a) reiner Zug
  • b) Biegung
  • c) reiner Schub
  • d) reine Torsion

Richtig: b)

Erklärung: Die gleichzeitige Zug- und Druckzone mit dazwischenliegender neutraler Faser ist das Kennzeichen der Biegung. Reiner Zug oder Druck erzeugt eine gleichmäßige Spannung, Torsion eine Schubspannung.

Glossar

Beanspruchung
Die Art, wie ein Bauteil durch äußere Lasten belastet wird; daraus ergibt sich die innere Spannung.
Schnittprinzip
Gedankliches Durchtrennen eines Bauteils, um die an der Schnittfläche übertragene innere Kraft sichtbar und berechenbar zu machen.
Normalspannung (σ)
Spannung, die senkrecht auf der Schnittfläche steht; entsteht bei Zug, Druck und Biegung.
Schubspannung (τ)
Spannung, die in der Schnittfläche liegt; entsteht bei Abscheren und Torsion.
Schnittigkeit (n)
Anzahl der Scherflächen, über die eine Querkraft in einer Bolzen- oder Nietverbindung übertragen wird; einschnittig n = 1, zweischnittig n = 2.
Neutrale Faser
Ebene im Querschnitt eines gebogenen Bauteils, in der die Biegespannung null ist; verläuft durch den Schwerpunkt.
Widerstandsmoment (W)
Kennwert eines Querschnitts für die Biegung; hängt nur von Form und Größe ab. Je größer W, desto kleiner die Biegespannung bei gleichem Moment.
Polares Widerstandsmoment (Wp)
Gegenstück zum Widerstandsmoment für die Torsion; beschreibt den Widerstand eines Querschnitts gegen Verdrehung.
Biegemoment (Mb)
Moment, das ein Bauteil krümmt; Produkt aus Kraft und Hebelarm.
Torsionsmoment (Mt)
Drehmoment, das ein Bauteil um seine Längsachse verdreht.
Vergleichsspannung
Rechnerischer Einzelwert, der mehrere gleichzeitig wirkende Spannungen zusammenfasst, um ein Bauteil mit der zulässigen Spannung beurteilen zu können.
Knicken
Seitliches Ausweichen eines schlanken, gedrückten Bauteils; eine eigene Versagensart, die vor dem reinen Druckspannungsversagen auftreten kann.

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