Das magnetische Feld
Magnete ziehen Eisen an — das kennt jeder. Aber was passiert eigentlich im Raum zwischen einem Magneten und dem Stück Eisen, das zu ihm hinspringt? Da ist ja nichts dazwischen, keine Schnur, kein sichtbarer Mechanismus. Genau dieser unsichtbare Wirkbereich heißt magnetisches Feld, und er ist die Grundlage für nahezu alles, was in der Elektrotechnik mit Bewegung, Spannungserzeugung und Steuerung zu tun hat — vom Türöffner bis zum Industrieantrieb.
In diesem Beitrag geht es um das Phänomen selbst: Wo kommt es her, wie sieht es aus, welche Stoffe reagieren darauf. Die zahlenmäßigen Größen, die elektromagnetische Induktion und die Lorentzkraft bauen darauf auf — sie haben jeweils einen eigenen Beitrag.
Vorwissen
Lernziele
Nach diesem Beitrag kannst du:
- magnetische Pole und ihre Wechselwirkung erklären
- den Verlauf magnetischer Feldlinien beschreiben und die Regeln dafür anwenden
- Permanentmagnete nach Werkstoffen unterscheiden und die Bedeutung der Curie-Temperatur einordnen
- die Rechte-Hand-Regel für einen geraden, stromdurchflossenen Leiter anwenden
- Werkstoffe in ferromagnetisch, paramagnetisch und diamagnetisch einteilen und zwischen weich- und hartmagnetisch unterscheiden
1. Was ist ein magnetisches Feld?
Schon in der Antike fiel auf, dass bestimmte Steine aus der Region Magnesia (im heutigen Griechenland) Eisen anziehen. Dieser Stein heißt Magnetit, und von ihm hat der ganze Effekt seinen Namen bekommen. Lange Zeit war völlig unklar, wie eine Kraft durch leeren Raum hindurch wirken kann. Heute beschreiben wir das mit dem Begriff Feld: ein Bereich um den Magneten, in dem magnetische Kräfte spürbar sind.
Jeder Magnet hat zwei Pole: einen Nordpol (N) und einen Südpol (S). Die Bezeichnungen stammen von der Kompassnadel — der Pol, der nach geografisch Nord zeigt, wurde Nordpol genannt. Zwischen den Polen gilt eine ganz einfache Regel:
- Gleichnamige Pole stoßen sich ab (N–N und S–S).
- Ungleichnamige Pole ziehen sich an (N–S).
Das gilt sowohl zwischen zwei Magneten als auch zwischen einem Magneten und der Nadel eines Kompasses.
Eine wichtige Eigenschaft, die Magnete grundsätzlich vom elektrischen Feld unterscheidet: Pole treten immer paarweise auf. Es gibt keinen einzelnen Nordpol und keinen einzelnen Südpol. Wer einen Stabmagneten in der Mitte zerbricht, hat danach nicht ein Stück „nur Nord“ und eines „nur Süd“. Stattdessen entstehen zwei kleinere Magnete, die jeweils wieder einen Nord- und einen Südpol haben. So weit man das auch fortsetzt — selbst auf atomarer Ebene tauchen immer beide Pole gemeinsam auf.
Das magnetische Feld ist also der Raum um einen Magneten herum, in dem ein anderer Magnet oder ein magnetisierbares Material eine Kraftwirkung erfährt. Anders als das elektrische Feld, das von einer Punktladung ausgehen kann, hat das magnetische Feld immer eine Quelle und eine Senke — Nordpol und Südpol — und ist in sich geschlossen.
Zwei Stabmagnete liegen mit ihren Nordpolen einander gegenüber. Was passiert?
- a) Sie ziehen sich an
- b) Sie stoßen sich ab
- c) Sie reagieren nicht aufeinander
- d) Sie magnetisieren sich gegenseitig um
Richtig: b)
Gleichnamige Pole stoßen sich ab — das ist die Grundregel. Anziehung gäbe es nur zwischen N und S. Eine gegenseitige Ummagnetisierung tritt im Alltag nicht ein.
Ein Stabmagnet wird in der Mitte durchgesägt. Welche Aussage trifft auf die beiden Hälften zu?
- a) Eine Hälfte hat nur einen Nordpol, die andere nur einen Südpol
- b) Beide Hälften verlieren ihre Magnetisierung
- c) Jede Hälfte ist ein vollständiger Magnet mit eigenem Nord- und Südpol
- d) Nur die Hälfte mit dem ursprünglichen Nordpol bleibt magnetisch
Richtig: c)
Magnetische Pole treten immer paarweise auf. Auch nach beliebig vielen Teilungen entstehen jeweils Magnete mit beiden Polen.
Wodurch unterscheidet sich das magnetische Feld grundsätzlich vom elektrischen Feld?
- a) Magnetische Felder wirken nur auf Metalle, elektrische auf alles
- b) Es gibt keine einzelnen magnetischen Pole, aber einzelne elektrische Ladungen
- c) Magnetische Felder sind immer schwächer als elektrische
- d) Magnetische Felder lassen sich nicht abschirmen
Richtig: b)
Eine Punktladung kann positiv oder negativ allein vorliegen. Beim Magneten geht das nicht — Nord und Süd kommen immer als Paar.
2. Magnetische Feldlinien
Ein Feld kann man nicht direkt sehen. Um es trotzdem darstellen und über seine Form sprechen zu können, verwendet man Feldlinien. Das ist ein Modell: gedachte Linien, die zeigen, in welche Richtung das Feld an jedem Punkt wirkt und wie stark es dort ist.
Für magnetische Feldlinien gelten ein paar Regeln, die sich gut merken lassen:
- Feldlinien sind immer geschlossen. Sie gehen außerhalb des Magneten vom Nordpol zum Südpol und schließen sich innerhalb des Magneten vom Süd- zurück zum Nordpol.
- Außerhalb des Magneten zeigt die Feldlinienrichtung von Nord nach Süd.
- Feldlinien kreuzen sich nie.
- Je dichter die Linien gezeichnet sind, desto stärker ist das Feld an dieser Stelle. Am dichtesten sind sie direkt an den Polen.
- Eine Tangente an die Feldlinie zeigt die Richtung der Kraft, die auf einen Probe-Nordpol an dieser Stelle wirken würde.
Sichtbar machen lässt sich der Feldverlauf mit Eisenfeilspänen: Streut man sie auf ein Blatt Papier über einem Magneten und klopft leicht dagegen, ordnen sich die Späne entlang der Feldlinien an. Genauso eindrucksvoll ist eine kleine Kompassnadel, die man rund um den Magneten an verschiedenen Stellen platziert — sie stellt sich jeweils tangential zur Feldlinie ein.
Beim Stabmagneten verlaufen die Feldlinien außen weit ausladend von N nach S — am dichtesten direkt an den Polen, weiter weg immer schütterer. Beim Hufeisenmagneten stehen sich die beiden Pole eng gegenüber, und zwischen ihnen entsteht ein nahezu paralleles, weitgehend gleichmäßiges Feld. Das macht Hufeisenmagnete praktisch für Anwendungen, in denen ein definiertes Feld in einem kleinen Spalt gebraucht wird.
Welche der folgenden Aussagen über magnetische Feldlinien ist richtig?
- a) Sie beginnen am Nordpol und enden im Unendlichen
- b) Sie können sich an den Polen kreuzen
- c) Sie sind geschlossen und verlaufen außen von Nord nach Süd, innen umgekehrt
- d) Sie verlaufen außen von Süd nach Nord
Richtig: c)
Magnetische Feldlinien sind immer geschlossen — außerhalb des Magneten N → S, innerhalb S → N. Sie kreuzen sich grundsätzlich nicht. Das unterscheidet sie deutlich von elektrischen Feldlinien, die an Ladungen anfangen oder enden können.
An welcher Stelle ist das Feld eines Stabmagneten am stärksten?
- a) In der Mitte zwischen beiden Polen
- b) Direkt an den Polen, wo die Feldlinien am dichtesten sind
- c) Auf der gedachten Verlängerung der Magnetachse, weit außerhalb
- d) Überall gleich stark
Richtig: b)
Die Liniendichte ist das anschauliche Maß für die Feldstärke. An den Polen treten die meisten Feldlinien auf engem Raum aus oder ein — dort ist das Feld am stärksten.
Warum kann eine Kompassnadel zum Sichtbarmachen des Feldverlaufs verwendet werden?
- a) Weil sie magnetisches Material anzieht
- b) Weil sie sich tangential zur Feldlinie ausrichtet
- c) Weil sie die Feldstärke direkt anzeigt
- d) Weil sie das Feld verstärkt
Richtig: b)
Die Nadel ist selbst ein kleiner Magnet und dreht sich so, dass ihre Nord-Süd-Achse mit der Feldrichtung übereinstimmt — also tangential zur Feldlinie. Die Feldstärke selbst zeigt sie nicht an.
3. Permanentmagnete und das Erdmagnetfeld
Permanentmagnete behalten ihre Magnetisierung über lange Zeit, ohne dass von außen Energie zugeführt werden muss. In der Praxis kommen sie in unzähligen Bauformen vor — die häufigsten sind Stabmagnete, Hufeisenmagnete, Scheiben- und Ringmagnete, dazu rechteckige Blockmagnete und Topfmagnete für Halteanwendungen.
Wichtiger als die Form ist aber der Werkstoff, aus dem ein Permanentmagnet gefertigt ist. Vier Familien haben sich in der Industrie durchgesetzt:
| Werkstoff | Eigenschaften | Typische Anwendung |
|---|---|---|
| AlNiCo (Aluminium-Nickel-Cobalt) | mittlere Stärke, sehr hohe Temperaturbeständigkeit, mechanisch hart und spröde | Messinstrumente, Sensoren, Gitarrenpickups |
| Ferrit (Hartferrit, Barium- oder Strontiumferrit) | geringe bis mittlere Stärke, sehr preiswert, korrosionsbeständig | Lautsprecher, einfache Haftmagnete, Spielzeug |
| NdFeB (Neodym-Eisen-Bor) | sehr hohe Stärke, temperaturempfindlich, korrosionsanfällig | Servomotoren, Festplattenantriebe, Permanentmagnet-Synchronmotoren |
| SmCo (Samarium-Cobalt) | hohe Stärke, sehr hohe Temperaturbeständigkeit, teuer | Luft- und Raumfahrt, Hochleistungssensoren |
Bei allen Permanentmagneten gibt es eine kritische Temperatur, die sogenannte Curie-Temperatur. Wird der Magnet darüber erhitzt, verliert er seine ferromagnetische Eigenschaft vollständig — und zwar dauerhaft, sofern er nicht wieder gezielt magnetisiert wird. In der Praxis wichtiger ist allerdings die deutlich niedrigere maximale Einsatztemperatur, ab der bereits irreversible Teilentmagnetisierungen einsetzen. Bei NdFeB-Magneten liegt der Curie-Punkt rund 310 °C, die maximale Einsatztemperatur je nach Sorte aber oft nur bei 80 bis 200 °C. Bei Ferrit-Magneten liegen beide Werte deutlich höher. Das ist ein wichtiger Punkt, wenn solche Magnete in der Nähe von Wärmequellen oder in Motoren mit hoher Verlustleistung eingesetzt werden.
Auch die Erde selbst ist ein riesiger Magnet. Das Erdmagnetfeld entsteht durch Strömungen im flüssigen äußeren Erdkern und hat näherungsweise die Gestalt des Feldes eines Stabmagneten, der schräg in der Erde steckt. Die magnetische Achse fällt nicht mit der Rotationsachse zusammen — sie ist um etwa 11° geneigt, und die magnetischen Pole verschieben sich zudem über die Jahre.
Hier liegt eine klassische Verwechslungsquelle. Die Nordnadel eines Kompasses zeigt nach geografisch Nord — und sie zeigt dorthin, weil sie angezogen wird. Da sich ungleichnamige Pole anziehen, muss der geografische Nordpol magnetisch ein Südpol sein. Diese Eigenart ist historisch gewachsen: Die Bezeichnung der Polnadel kam zuerst, die genaue Polung der Erde wurde erst später verstanden.
Welche Eigenschaft begrenzt den Einsatz von Neodym-Magneten in heißen Umgebungen am stärksten?
- a) Die mechanische Festigkeit
- b) Die elektrische Leitfähigkeit
- c) Die vergleichsweise niedrige maximale Einsatztemperatur, ab der irreversible Entmagnetisierung einsetzt
- d) Die magnetische Sättigung
Richtig: c)
Die Curie-Temperatur von NdFeB liegt zwar bei rund 310 °C, die maximale Einsatztemperatur je nach Sorte aber oft nur bei 80 bis 200 °C. Schon darunter kommt es zu teilweiser, oberhalb der Curie-Temperatur zu vollständiger dauerhafter Entmagnetisierung.
Ein Kompass zeigt nach geografisch Nord. Welche magnetische Polung hat der geografische Nordpol der Erde?
- a) Magnetischer Nordpol
- b) Magnetischer Südpol
- c) Beides, je nach Tageszeit
- d) Er ist magnetisch neutral
Richtig: b)
Die Nordnadel eines Kompasses wird zum geografischen Nordpol hingezogen. Da sich nur ungleichnamige Pole anziehen, muss der dortige magnetische Pol ein Südpol sein.
Warum werden in Lautsprechern überwiegend Ferrit-Magnete, in Servomotoren aber häufig NdFeB-Magnete eingesetzt?
- a) Ferrit ist temperaturempfindlicher
- b) NdFeB hat eine deutlich höhere Energiedichte und liefert bei kleinem Bauraum starke Felder
- c) Ferrit ist elektrisch leitend, NdFeB nicht
- d) NdFeB lässt sich nicht entmagnetisieren
Richtig: b)
In Servomotoren zählt jeder Millimeter und jedes Gramm — NdFeB ermöglicht hohe Drehmomente bei kompaktem Aufbau. Lautsprecher sind kostensensitiv und weniger platzkritisch, daher reicht Ferrit.
4. Magnetfeld eines stromdurchflossenen Leiters
1820 stellte Hans Christian Oersted einen Kompass neben einen Draht und schaltete den Strom ein — die Nadel lenkte aus. Dieser Versuch war ein Wendepunkt: Elektrizität und Magnetismus, bis dahin zwei getrennt geglaubte Phänomene, hängen zusammen. Aus der Beobachtung folgt eine grundlegende Aussage:
Jeder elektrische Strom erzeugt ein Magnetfeld.
Auch dann, wenn weit und breit kein Magnet ist. Die Form dieses Feldes um einen geraden Leiter ist besonders einfach: Es bildet konzentrische Kreise rund um den Leiter. Geht man weiter weg, werden die Kreise größer und das Feld schwächer.
Wie herum die Feldlinien laufen, hängt von der Stromrichtung ab. Der praktische Merksatz dafür ist die Rechte-Hand-Regel für den geraden Leiter:
Den Daumen der rechten Hand in die technische Stromrichtung legen (also vom Pluspol zum Minuspol, in Richtung der konventionellen Strompfeile). Die gekrümmten Finger zeigen dann in die Richtung der magnetischen Feldlinien.
Im Querschnitt zeichnet man Strom, der aus der Zeichenebene auf den Betrachter zukommt, als Punkt (•) — das ist die Spitze des gedachten Pfeils. Strom, der in die Ebene hineinfließt, wird als Kreuz (×) gezeichnet — das ist die Befiederung von hinten gesehen.
Vom Stromnetz im Werkstattgebäude bis zur kleinen Leiterbahn auf einer Platine — überall, wo Strom fließt, gibt es dieses Begleitfeld. Bei einzelnen geraden Leitern ist es meist schwach und stört nicht. Wickelt man den Leiter aber zu einer Spule, addieren sich die Felder aller Windungen — daraus entsteht ein Elektromagnet, der gezielt steuerbar ist. Wie Spulen aufgebaut sind und wofür sie eingesetzt werden, behandelt der Beitrag Spule – Aufbau und Induktivität.
Ein gerader Leiter wird von Strom durchflossen. Welche Form hat das umgebende Magnetfeld?
- a) Es bildet einen Kegel in Stromrichtung
- b) Es bildet konzentrische Kreise um den Leiter
- c) Es verläuft parallel zum Leiter
- d) Es hat dieselbe Form wie das Feld eines Stabmagneten
Richtig: b)
Um einen geraden Leiter herum verlaufen die Feldlinien als geschlossene Kreise, deren gemeinsame Achse der Leiter selbst ist. Mit zunehmendem Abstand wird das Feld schwächer.
Der Daumen der rechten Hand zeigt bei Anwendung der Rechten-Hand-Regel in welche Richtung?
- a) In Richtung des Magnetfelds
- b) In Richtung der Elektronenbewegung
- c) In Richtung der technischen Stromrichtung
- d) In Richtung des Erdmagnetfelds
Richtig: c)
Die Konvention ist eindeutig: Daumen = technische Stromrichtung (von Plus nach Minus), Finger = Richtung der Feldlinien. Wer Elektronenbewegung verwendet, erhält das umgekehrte Ergebnis.
In einer Querschnittszeichnung sieht man im Leiterquerschnitt einen Punkt (•). Was bedeutet das?
- a) Der Leiter steht unter Spannung
- b) Der Strom fließt in die Zeichenebene hinein
- c) Der Strom fließt aus der Zeichenebene heraus, zum Betrachter
- d) Der Leiter ist geerdet
Richtig: c)
Punkt steht symbolisch für die Spitze des Strompfeils, Kreuz für dessen Befiederung. Der Punkt sagt also: Strom kommt auf den Betrachter zu.
Warum kann eine Stromzange den Strom in einer Leitung messen, ohne dass die Leitung aufgetrennt werden muss?
- a) Sie misst den Spannungsabfall über dem Leiter
- b) Sie nutzt das den Strom begleitende Magnetfeld
- c) Sie wertet die Wärme im Leiter aus
- d) Sie misst direkt die Elektronenanzahl
Richtig: b)
Jeder Strom erzeugt ein ringförmiges Magnetfeld um den Leiter. Die Stromzange erfasst dieses Feld und rechnet daraus den Strom zurück — daher die berührungslose Messung.
5. Magnetische Werkstoffe und Elementarmagnete
Warum lässt sich Eisen magnetisieren, Aluminium aber praktisch nicht? Die Antwort liegt im Aufbau des Materials selbst. In ferromagnetischen Stoffen existieren mikroskopisch kleine Bereiche, die jeweils bereits in sich magnetisiert sind. Diese Bereiche heißen Weißsche Bezirke oder anschaulich Elementarmagnete. Im unmagnetisierten Zustand zeigen sie in zufällige Richtungen — die magnetischen Wirkungen heben sich nach außen hin gegenseitig auf.
Bringt man einen solchen Stoff in ein äußeres Magnetfeld, drehen sich diese Bezirke und richten sich entlang des Feldes aus. Je stärker das äußere Feld, desto mehr Bezirke kippen in die Vorzugsrichtung. Bei manchen Werkstoffen bleibt diese Ausrichtung auch nach dem Entfernen des äußeren Feldes erhalten — das Material ist dann magnetisiert.
Bezüglich ihres Verhaltens im Magnetfeld werden Stoffe in drei Gruppen eingeteilt:
| Gruppe | Verhalten | Beispiele |
|---|---|---|
| Ferromagnetisch | wird stark angezogen, lässt sich magnetisieren | Eisen, Nickel, Cobalt, viele Stähle, AlNiCo, NdFeB |
| Paramagnetisch | wird sehr schwach angezogen, verstärkt das Feld minimal | Aluminium, Platin, Mangan, flüssiger Sauerstoff |
| Diamagnetisch | wird sehr schwach abgestoßen, schwächt das Feld minimal | Kupfer, Zink, Wasser, Bismut, Graphit |
Im Maschinenbau und in der Elektrotechnik interessieren in erster Linie die ferromagnetischen Werkstoffe. Innerhalb dieser Gruppe gibt es noch eine wichtige Unterscheidung, die je nach Einsatzzweck den Ausschlag gibt:
- Weichmagnetische Werkstoffe lassen sich leicht magnetisieren, verlieren ihre Magnetisierung aber sofort wieder, wenn das äußere Feld verschwindet. Typische Vertreter sind Weicheisen, Dynamoblech und bestimmte Ferrite. Eingesetzt werden sie überall dort, wo ein Magnetfeld kontrolliert auf- und abgebaut werden soll — in Transformatoren, in Spulenkernen, in Magnetjochen und in Ankern von Relais und Schützen.
- Hartmagnetische Werkstoffe sind schwerer zu magnetisieren, halten die Magnetisierung dafür dauerhaft. Daraus werden Permanentmagnete gefertigt — AlNiCo, NdFeB, SmCo und Hartferrit gehören in diese Kategorie.
Eine Curie-Temperatur hat jeder ferromagnetische Werkstoff. Oberhalb dieser Grenze geraten die Elementarmagnete durch die thermische Bewegung so stark in Unordnung, dass die ferromagnetische Eigenschaft verlorengeht. Das Material verhält sich dann nur noch paramagnetisch. Bei Eisen liegt die Curie-Temperatur bei etwa 770 °C, bei Nickel bei rund 360 °C, bei Cobalt deutlich höher.
In der Praxis nutzt man das auch beim Entmagnetisieren. Drei Wege funktionieren zuverlässig: Erhitzen über die Curie-Temperatur, das Bringen in ein starkes magnetisches Wechselfeld, dessen Amplitude man langsam auf null reduziert, oder kräftige mechanische Stöße — bei letzterem sind die Bezirke aber nur teilweise wieder unordentlich, daher die unzuverlässigste Methode.
Was beschreibt das Modell der Weißschen Bezirke?
- a) Externe Magnete, die das Material umgeben
- b) Mikroskopische, bereits magnetisierte Bereiche im Werkstoff selbst
- c) Stromschleifen, die durch Spannung entstehen
- d) Den Aufbau des Erdmagnetfelds
Richtig: b)
Weißsche Bezirke (oder Elementarmagnete) sind kleine Bereiche im Material, in denen die atomaren magnetischen Momente bereits ausgerichtet sind. Magnetisieren heißt: diese Bereiche werden nach außen gleichgerichtet.
Welche Eigenschaft ist für einen Trafokern entscheidend?
- a) Hohe Remanenz nach dem Abschalten
- b) Möglichst hartmagnetisches Verhalten
- c) Weichmagnetisches Verhalten — leichte Magnetisierung und Entmagnetisierung
- d) Möglichst hohe Curie-Temperatur über 2000 °C
Richtig: c)
Ein Trafokern wird hundertmal pro Sekunde ummagnetisiert. Bliebe die Magnetisierung haften, gäbe es enorme Verluste. Weichmagnetische Werkstoffe wie Dynamoblech machen genau das möglich.
Aluminium ist ein guter elektrischer Leiter. Warum kann man es trotzdem nicht zu einem Permanentmagneten verarbeiten?
- a) Weil es zu leicht ist
- b) Weil es paramagnetisch ist und keine bleibende Magnetisierung annimmt
- c) Weil es elektrisch zu gut leitet
- d) Weil es bei Raumtemperatur diamagnetisch ist
Richtig: b)
Paramagnetische Stoffe verstärken ein äußeres Feld nur minimal und halten keine Magnetisierung. Die Voraussetzung für einen Permanentmagneten ist hartmagnetisches, ferromagnetisches Verhalten — das Aluminium nicht zeigt.
Ein Eisenbauteil wird auf 850 °C erhitzt. Was passiert mit seiner Magnetisierbarkeit?
- a) Sie nimmt zu, weil die Atome beweglicher werden
- b) Sie verschwindet, weil die Curie-Temperatur von Eisen überschritten wird
- c) Sie bleibt unverändert
- d) Sie kehrt sich um
Richtig: b)
Die Curie-Temperatur von Eisen liegt bei rund 770 °C. Darüber sind die Elementarmagnete so stark in Unordnung, dass das ferromagnetische Verhalten zusammenbricht — das Material verhält sich dann nur noch paramagnetisch.
6. Ausblick: Wirkungen und Größen des magnetischen Feldes
Das magnetische Feld ist nicht nur ein Wirkbereich um einen Magneten herum — daraus ergeben sich eine ganze Reihe nutzbarer Effekte, die die Grundlage fast aller elektrischen Maschinen bilden. Vier davon sind so zentral, dass sie jeweils einen eigenen Beitrag bekommen.
Magnetische Größen beschreiben, wie stark ein Feld ist und wie es entsteht. Die magnetische Flussdichte B in Tesla sagt, wie dicht die Feldlinien an einem Punkt liegen — also wie kräftig das Feld dort wirkt. Die magnetische Feldstärke H in A/m beschreibt, was das Feld erzeugt — sie steckt sozusagen in der Ursache, während B die Wirkung beschreibt. Der magnetische Fluss Φ in Weber ist das Gesamtaufkommen von Feldlinien durch eine Fläche. Wie diese Größen zusammenhängen und wie man mit ihnen rechnet, steht im Beitrag Magnetische Größen: Flussdichte, Feldstärke, Fluss.
Elektromagnetische Induktion geht in die umgekehrte Richtung zu Oersted: Verändert sich das Magnetfeld durch eine Leiterschleife — etwa weil ein Magnet bewegt wird —, entsteht in der Schleife eine Spannung. Das ist das Funktionsprinzip jedes Generators und jedes Transformators. Vertieft im Beitrag Elektromagnetische Induktion.
Die Lorentzkraft ist die Kraft, die auf eine bewegte Ladung in einem Magnetfeld wirkt. Sie ist der Grund, warum Motoren überhaupt drehen und warum ein Elektronenstrahl im Magnetfeld abgelenkt wird. Details im Beitrag Lorentzkraft.
Und schließlich die Spulen und Elektromagnete: Wickelt man einen stromdurchflossenen Leiter zu einer Spule, addieren sich die Felder der einzelnen Windungen, und ein gezielt steuerbarer Magnet entsteht. Mit einem weichmagnetischen Kern wird er nochmal um ein Vielfaches stärker. Das ist die Grundlage von Hubmagneten, Magnetventilen, Schützen, Relais und letztlich auch von Elektromotoren. Mehr dazu im Beitrag Spule – Aufbau und Induktivität.
Was beschreibt die magnetische Flussdichte B?
- a) Die Anzahl der Windungen einer Spule
- b) Wie stark das Feld an einem bestimmten Punkt wirkt
- c) Den Strom, der eine Spule durchfließt
- d) Die Curie-Temperatur eines Werkstoffs
Richtig: b)
B (in Tesla) ist anschaulich die Liniendichte an einem Punkt — also wie kräftig das Feld dort ist. Sie beschreibt die Wirkung, nicht die Ursache des Feldes.
Worauf beruht das Funktionsprinzip eines Generators?
- a) Auf der Anziehung gleichnamiger Pole
- b) Auf elektromagnetischer Induktion durch zeitlich veränderliches Magnetfeld
- c) Auf dem ohmschen Gesetz
- d) Auf der Lorentzkraft auf ruhende Ladungen
Richtig: b)
Im Generator wird eine Leiterschleife relativ zu einem Magnetfeld bewegt — das veränderliche Feld induziert in der Schleife eine Spannung. Genau das ist elektromagnetische Induktion.
Abschlusstest
Welche Aussage über magnetische Feldlinien trifft zu?
- a) Sie können sich an besonders starken Stellen kreuzen
- b) Sie sind in sich geschlossen und verlaufen außen vom Nordpol zum Südpol
- c) Sie beginnen am Nordpol und enden im Unendlichen
- d) Sie sind in jeder Region eines Magneten gleich dicht verteilt
Richtig: b)
Magnetische Feldlinien sind grundsätzlich geschlossen und kreuzen sich nicht. Die Liniendichte schwankt — am dichtesten direkt an den Polen, am dünnsten weit ab vom Magneten.
Ein Stabmagnet wird in vier gleich große Stücke zerteilt. Wie viele Pole sind nach dem Zerteilen insgesamt vorhanden?
- a) Zwei (ein N und ein S, wie ursprünglich)
- b) Vier (zwei N und zwei S)
- c) Acht (vier N und vier S)
- d) Keine, weil die Magnetisierung beim Zerschneiden verloren geht
Richtig: c)
Jedes Bruchstück ist selbst wieder ein vollständiger Magnet mit eigenem Nord- und Südpol. Vier Stücke ergeben also vier N und vier S, zusammen acht Pole.
Welche Werkstoffeigenschaft macht NdFeB-Magnete besonders empfindlich gegen hohe Temperaturen?
- a) Die geringe mechanische Festigkeit
- b) Die vergleichsweise niedrige maximale Einsatztemperatur, ab der bereits irreversible Teilentmagnetisierung auftritt
- c) Die hohe elektrische Leitfähigkeit
- d) Die geringe Sprödigkeit
Richtig: b)
Der Curie-Punkt von NdFeB liegt bei rund 310 °C, die zulässige Einsatztemperatur je nach Sorte aber oft nur bei 80 bis 200 °C. Schon ein Überschreiten dieser Schwelle führt zu dauerhaftem Verlust eines Teils der Magnetisierung.
Ein stromdurchflossener gerader Leiter wird mit der Rechten-Hand-Regel betrachtet. Worauf zeigt der Daumen?
- a) Auf den Nordpol des entstehenden Feldes
- b) In Richtung der technischen Stromrichtung
- c) Auf den geografischen Nordpol der Erde
- d) In Richtung der Elektronenbewegung
Richtig: b)
Der Daumen folgt der technischen Stromrichtung (von Plus nach Minus), die gekrümmten Finger zeigen die Richtung der Feldlinien. Wer mit der Elektronenbewegung arbeitet, bekommt das Feld spiegelverkehrt.
Worin liegt der wesentliche Unterschied zwischen weichmagnetischen und hartmagnetischen Werkstoffen?
- a) Im Gewicht
- b) In der Bruchfestigkeit
- c) Im Verhalten der Magnetisierung nach Wegnahme des äußeren Feldes
- d) Im elektrischen Widerstand
Richtig: c)
Weichmagnetisch heißt: leicht magnetisierbar und genauso leicht wieder entmagnetisierbar — ideal für Trafokerne. Hartmagnetisch heißt: schwer zu magnetisieren, aber dauerhaft magnetisch — ideal für Permanentmagnete.
In einem Querschnitt durch einen Leiter ist ein Kreuz (×) zu sehen. Welche Aussage ist richtig?
- a) Der Leiter ist defekt
- b) Der Strom fließt in die Zeichenebene hinein
- c) Der Strom fließt aus der Zeichenebene heraus
- d) Der Leiter ist spannungsfrei
Richtig: b)
Das Kreuz symbolisiert die Befiederung eines Pfeils, der vom Betrachter weg ins Blatt zeigt. Strom fließt also in die Ebene hinein. Der Punkt steht für den entgegengesetzten Fall.
Aluminium und Eisen werden beide in dasselbe Magnetfeld gebracht. Welche Aussage stimmt?
- a) Beide werden gleich stark angezogen
- b) Eisen wird stark angezogen, Aluminium nur sehr schwach
- c) Aluminium wird stärker angezogen als Eisen, weil es leichter ist
- d) Beide werden abgestoßen
Richtig: b)
Eisen ist ferromagnetisch und wird stark vom Feld angezogen. Aluminium ist paramagnetisch — es wird ebenfalls angezogen, aber so schwach, dass es im Alltag praktisch nicht spürbar ist.
Warum lässt sich der Stromfluss in einem Kabel mit einer Stromzange messen, ohne das Kabel zu trennen?
- a) Weil die Zange den Spannungsabfall am Mantel ermittelt
- b) Weil sie das Magnetfeld erfasst, das den stromführenden Leiter ringförmig umgibt
- c) Weil sie die Wärmestrahlung des Leiters misst
- d) Weil sie die Frequenz des elektrischen Feldes erfasst
Richtig: b)
Jeder Strom erzeugt nach Oersted ein konzentrisches Magnetfeld um den Leiter. Die Stromzange umfasst den Leiter und misst dieses Feld, woraus sie den Strom berechnet.
Was passiert mit einem Eisenkern, der über die Curie-Temperatur erhitzt wird?
- a) Er wird schlagartig zum Permanentmagneten
- b) Er verliert seine ferromagnetische Eigenschaft und verhält sich nur noch paramagnetisch
- c) Er nimmt eine dauerhaft stärkere Magnetisierung an
- d) Er wird elektrisch leitend
Richtig: b)
Oberhalb der Curie-Temperatur (bei Eisen rund 770 °C) sind die Elementarmagnete durch die thermische Bewegung so stark gestört, dass die ferromagnetische Ordnung zusammenbricht. Das Material wird paramagnetisch — die starke Anziehung verschwindet.
Welche Beobachtung führte Oersted zur Erkenntnis, dass Elektrizität und Magnetismus zusammenhängen?
- a) Ein Permanentmagnet erzeugte beim Bewegen eine Spannung in einer Spule
- b) Eine Kompassnadel wurde durch einen stromdurchflossenen Draht abgelenkt
- c) Zwei stromdurchflossene Drähte zogen sich an
- d) Ein Magnet schwebte über einem Supraleiter
Richtig: b)
Oersteds zentrale Beobachtung war die Ablenkung einer Kompassnadel neben einem stromführenden Draht. Daraus folgte der Schluss, dass jeder Strom ein Magnetfeld erzeugt. Die anderen Phänomene wurden später entdeckt oder erklärt.
Welcher Werkstofftyp ist sinnvoll für den Anker eines Schaltschützes, der im Sekundentakt anziehen und abfallen muss?
- a) Hartmagnetisch
- b) Weichmagnetisch
- c) Diamagnetisch
- d) Paramagnetisch
Richtig: b)
Der Anker soll bei Stromfluss schnell magnetisiert werden und beim Abschalten sofort wieder entmagnetisieren, damit er abfällt. Genau das leisten weichmagnetische Werkstoffe — eine Restmagnetisierung wäre hier störend.
Welche Aussage über das Erdmagnetfeld ist richtig?
- a) Der geografische Nordpol entspricht magnetisch dem Nordpol
- b) Der geografische Nordpol entspricht magnetisch dem Südpol
- c) Es ist exakt symmetrisch zur Erdrotationsachse
- d) Es bleibt über Jahrhunderte unverändert in Stärke und Position
Richtig: b)
Die Kompass-Nordnadel wird zum geografischen Nordpol gezogen. Da sich nur ungleichnamige Pole anziehen, muss der dortige magnetische Pol ein Südpol sein. Die magnetische Achse ist außerdem geneigt, und die Pole wandern über die Jahre.
Glossar
- Magnetisches Feld
- Wirkbereich um einen Magneten oder einen stromdurchflossenen Leiter, in dem magnetische Kräfte auftreten.
- Magnetische Pole
- Bereiche höchster Feldliniendichte am Magneten, traditionell als Nord- (N) und Südpol (S) bezeichnet; treten immer paarweise auf.
- Magnetische Feldlinien
- Modellhafte, in sich geschlossene Linien, die Richtung und relative Stärke des Feldes beschreiben; außerhalb des Magneten von N nach S, innen von S nach N.
- Permanentmagnet
- Bauteil aus hartmagnetischem Werkstoff, das auch ohne äußeres Feld eine dauerhafte Magnetisierung behält.
- Curie-Temperatur
- Werkstoffspezifische Temperaturgrenze; oberhalb davon geht die ferromagnetische Eigenschaft verloren und das Material wird paramagnetisch.
- Weißsche Bezirke (Elementarmagnete)
- Mikroskopisch kleine, bereits ausgerichtete Magnetbereiche in ferromagnetischen Werkstoffen; ihre Ausrichtung nach außen ergibt die Magnetisierung des Materials.
- Ferromagnetismus
- Verhalten von Stoffen, die ein Magnetfeld stark verstärken und magnetisierbar sind (Eisen, Nickel, Cobalt und ihre Legierungen).
- Paramagnetismus
- Verhalten von Stoffen, die ein Magnetfeld nur minimal verstärken und keine bleibende Magnetisierung annehmen (z. B. Aluminium, Platin).
- Diamagnetismus
- Verhalten von Stoffen, die ein Magnetfeld minimal schwächen und sehr schwach abgestoßen werden (z. B. Kupfer, Wasser, Bismut).
- Weichmagnetisch
- Eigenschaft eines ferromagnetischen Werkstoffs, der sich leicht magnetisieren und ebenso leicht wieder entmagnetisieren lässt; verwendet für Trafokerne, Spulenkerne und Magnetanker.
- Hartmagnetisch
- Eigenschaft eines ferromagnetischen Werkstoffs, der schwer zu magnetisieren ist, die Magnetisierung dann aber dauerhaft hält; Grundlage für Permanentmagnete.
- Oersted-Versuch
- Historisches Experiment, das zeigte, dass eine Kompassnadel durch einen stromführenden Leiter abgelenkt wird; daraus folgt, dass jeder Strom ein Magnetfeld erzeugt.
- Rechte-Hand-Regel (gerader Leiter)
- Merkregel zur Bestimmung der Richtung des Magnetfelds um einen geraden, stromdurchflossenen Leiter: Daumen in technische Stromrichtung, gekrümmte Finger zeigen die Feldrichtung.
